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Full text of "Sämtliche Werke;"

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Sic  i^^ 


ßubmtg  Simot^eu^  "S^ä^^txn  tf.  ©pittle^'^ 


f  tt  m  m  1 1 1  dK  SS  f  r  f  e. 


^Oerauögegeben 


von 


Ä    a    r    I        5® .  d    d?    t    e    r. 


Siebter   Sanb. 


©tuttcjart  unb  ^übincjen, 

in  t)ev  ::j,  @.  eotta'fc^ert  95ud)^annun3. 

18  3  5, 


übet 


Stf)eol03ie,  :^trcf)engefcl)id[}te 
unt)  :^ti'cl)enrccl;t 


Jp  c  r  a  u  ß  g  c  g  e  5  c  u 
^    a    r    l       5B    d    d;    t    e    r. 


©rjlter  93anb. 


Stuttgart  imb  ZnhinQcn, 

in  ber  :5.  @,  ^fitt(i'f(!f)cn  P3ucl)^anMunä» 

18  3  5, 


SSnvtic  t)eö  ^ctau^^t^ni. 


S){e  Sluögabe  bcr  tritt cn  Lieferung,  m\d)t  ber  Dorlie* 
gcnbc  33ant)  fc^licgt,  ijl  o^ne  ©cfeulb  Deö  ^^crau^gcber^,  rolc^ 
u»o5l  3U  feinem  leb^aftefien  ^^ebauern,  üer^&gert  werben.  2Bic 
öuö  bem  S^itelblatt  ber  ^mi  erjlen  S3anbe  bicfer  Lieferung 
erf{ct)tlicl)  i\i,  ftiib  biefelben  fc^on  feit  einer  fRdf)t  t>on3öbren 
gebrucft.  ^^inbernijfe  öuf  6eitc  ber  ^[Jerlagö^anblung ,  bie 
5um  Xbeil  in  ben,  litcrdrifcfeen  Unternebmungen  crnflerer  2lrt 
unb  t>ou  grbgcrem  Umfang  fo  ungünjiigen,  ^dtcxdQm^^n^ 
3um  Xbeil  in  anberen  ^ßerbaltniffcn,  bie  Jier  nic^t  ndbcr  cr^ 
brterr  werben  fonncn,  ibren  ©runb  bitten  unb  bie  bem  Un^ 
ter^eidjneten  fruber  ^u  befeitigen  bei  bem  bejUen  5öiöen  nicftt 
moglid)  war,  bcmmtcn  bie  33eenbigung  tiefer  Lieferung,  fo 
wie  te^  ganzen  Unternebmenö,  wclc^c6  jebod)  nun  obne  ölle 
Unterbrechung  unb  rafc^  feinem  (2d)Iug  ^ugefubrt  werben  foll, 

Snbem  ber  Untcrieid)ncte  we^n  biefer  fpdten  Sbfung 
feine«  ^erfpredjen«,  bie  9^acpfid)t  beö  «putijfumö  in  2Infpruc& 
ju  nebmen  b^t,  ft'ebt  er  jTc^  veranlagt,  binft'c^tlict)  be«  ^lan« 
feiner  ©ammlung   noc^   ein  red)tfcrtigenbe«  ©ort  beizufügen. 

(5ö  ftnb  über  hai  Unternebmen  felbf!  unb  bie  5lrt  feiner 
Sluöfu^rung  in  bcn  fritifc^en  JBldttern  fowobl,  ölö  in  5prit>at^ 


VI 


augerunjjcn,  bcm  Xpcröuögcber  beijlittimenbe  Urt^eifc  In  hctvad)U 
Iid)cr  $ail  ^ugefommcn.  ^in^ig  bie  ©ttmme  eineö  SRecenfcn^ 
teil  bcr  cr(len  Lieferung  i«  ber  ^olL  Stt.gcit.  Dom  3.  1829, 
(erg.53L  9?ro.  22  unb  ^uuUM.  9^ro,  54)  mad)t  ^imn 
eine  aiu^ua^me  unb  eö  ii?irb  ^ler  bem  Herausgeber  in  ^tnei 
^e3{ebungen  ber  SÖortrurf  eineö  luijttjccfmdflgen  «Berfö^rcn^ 
gemad)t,  (Einmal  foü  berfelbe  mmlid)  ubcl  baraii  getban 
babcn ,  blejenigeu  ©cOrifteu  In  feine  SttuSgabe  auf^uncbmen, 
welcbe  nad)  bem  ©d)eiben  6plttler'ö  t»om  litcrnrifdjen 
©cfeauplö^e,  t)on  3n?d  anberen  ©ele^rten  „in  ber  ©runblögc 
,,febr  t)en)omtanbigt  unb  Den  53erdnberungen  ber  ^dt  öugc^ 
„pagt,  in  neuen  SIufTagen  berauögegcbcn  trorben  fei;en." 
3n)eitenö  trirb  »ermigr,  bog  nicbt,  fiatt  ber  ^Trennung  ber 
grbgeren  t>on  ben  fleineren  6d;rifren,  alle  ^u  einem  unb  bem* 
felben  gacfee  geborigen,  obnc  ^üd\id)t  auf  ben  Umfang,  In 
ununterbrod)ener  golge  gegeben  jrerben,  fo  ba^  jeber  Sefer, 
ebne  tm  „fe^r  bcfd)n?erltd)cn  Q3allaf!"  ber  übrigen  @d)rifren 
mitnehmen  ^u  muffen,  „biejenige  ^>artic  biefcr  fd;d^baren  0?e^ 
,,Iiquien  abgefonbert  erbalten  fonnc,  bk  gerabe  für  i^n  vouixf 
„f4)enöTOertb  unb  untcrridjtenb  fei)?" 

S5en  crjlen  ^onvurf  belangenb,  fo  ift  ^uDorberf!  bic 
53orauSfe6ung  beö  S^ecenfenten,  aU  fci)  bic  ©runblagc 
jener  ^wei  ©cbriften,  auf  bie  er  anfpielt,  ber  Äirc^cngc» 
^d)id)tc  unb  ber  europdifd)en  ©taatengefcb lebte, 
burd;  ibre  fpdteren  Herausgeber  geräubert  n^orben,  nicbt  rieb* 
tig,  23eibc  SSerfc  ftnb  nicbt  nur  In  ibrer  ©runblage,  fonberu 
öucft  In  Ibrer  Sluefü^rung  gan^  bie  felben  geblieben;  eS  i(i 
an  bem  ©pittlir'fcbcn  %cxh  burd;auö  nicbtö  t)erdnbcrt 
tDorben  unb  bk  gebad)ten  Herausgeber  b^ben  nur  bic  ®e* 
fd;ic^te  bcS  fur3en  3*^ifc^cnraunKS  feit  ber  leisten,   t)on  bem 


rii 


53erfajfcr  felbf!  beforgtcn,  Sluflage  Stn^ugeffigt,  ujä«  öHcr* 
bing«  im  '^ommtt  M  ^rfc^cincn^  ber  ^rflercn  für  ba9 
^ublifum  t)on  $lBert5  war,  nun  aber,  ta  fcitbem  wieber  eine 
greife  t?on  in6alt6fd;ii?ercn  fja^reu  Derfloflren- ijl,  fc^on  m6)t 
mif)v  feinen  $md  erfüllt.  Ucberbieg  ijl  ber  Umfang  jener^ 
t>on  ben  53erfa(]eru  and)  burc^  dugere  Unterfc^cibung^ieic^ert 
fenntlic^  gemad)fen,  gortfe^ungen  fejr  unbebeutenb,  unb  fo 
terbienfllic^  fte  gewig  an  fid)  jtnb,  fo  barf  ber  Herausgeber 
boc^  jtc^  ber  Hoffnung  überladen,  ta^  fein  greunb  beö 
@pittler'fc{)cn  ©eniuö  —  unb  für  2lnbere  fann  ja  eine 
(Sammlung  feiner  3Ser!e  nid)t  benimmt  fe^n  —  barum, 
weil  biefe  im  53er6altnig  ^u  ben  J^auptwerfen  fejr  unwefent* 
Itd)e  Jut^aten  feblen,  mit  bem  9lecenfcnten  jene  för  „^Sallall" 
Ultcn  werbe.  Wod;)U  ftd)  aber  aud)  Jierin  ber  Herausgeber 
täufc^en  —  foHten  barum,  weil  su  jenen  beibcn  6d)rif^ 
ten Sortfegungen  erfcfeienen,  bie  grbgcren  ©cöriftcn  übcr^ 
Jaupt  in  bem  $lane  auSgefc^loiJen  werben,  wdbrenb  bei  ber 
wurtembergifc^en  ©efc6i*te,  hä  ber  (^efc&i*te 
ber  bdnifc^en  SRet)olution  biefer  Umftanb  nicfet  eintrat 
unb  wd^renb  auf  ber  anbern  ©eite  fogar,  t>on  ben,  allcrbingS 
«ic^t  erheblichen  Bußi^m ,  auS  bem  D^ac^laffe  beS  53erfaflferS 
Sur  curopdifd;en  @taatengefd?ic^te  abgcfefeen,  a«r  ©^^ 
f4)ic^te  bes  fanonifd)cn  9^ed)tS  fe^r  bebeutcnbe,  unter 
2Inbcren  öon  einem  S!}?eijier  volt  ©aöi'guj?  mit  groger  2lner!en^ 
Kung  aufgenommene ")<^rgdn3ungen,  wdjrenb  ferner  ^u  ber  Ja n^ 


♦)  SSergl.  ©efcfeic^te  beS  römifcften  ^cä)U  im  m.  Ol.  2.  aiuScj. 

2.  95b.  ©.  287  ff-  —  S)er  ^evau^gekr  Umi^t  biefen  %nU\^  ju« 

gleid),  um  auf  eine  baUi^il  (©.  295  9iote  e.)  gegebene  93erid)* 

ticjung  einc^  23erfe()en^ ,   ba^  fd)on  bei  bem  .Original  ud)  ein; 

b      Wi(i),  aufmerl^fam  ju  mad)en.    2)ie  ^ote   am  ®d)lu0  bed 


VIII 

nHcrifc^en  ©cfc6tc|)tc  (2?8anbe)  fejr  bicic  Jaiibfct^rifilic^e 
Jufäge,  ttjelcfee  t)aß  23uc^  ju  einer  neuen  t)ermeJ)rten  unb  üer^ 
bc(]*crten  Slu^gabc  mad)en,  gegeben  werben  fonnten?  —  IlJer 
gn^ecf  ber  ©ömmlung  ijl,  it>te  ben  Unterictcl;neten  bebunfr, 
tn  ber 53prrebtjum  1.  S3anbe  !Iar  genug  dngebeutet  werben; 
fd)on  t>or  i&m  hattt  eö  Weltmann  tn  einer  2Ieugcrung  ge* 
tl)an,  hk  ber  jperöu^geber  ft'cf)  um  fo  weniger  üerfagen  fann, 
Jier  wlfber^ugeben ,  aU  fte  eö  i|I ,  bic  in  ihm  hie  erfte  '^ttc 
^Uj fernem  Unternehmen  erwecft  ^au  ,,6pittler'ö  ^d)rif* 
tm'^  fagt  biefer  gci|lreid)e  ^piftorifer  „finb  nod)  nic^t  gefam? 
,,melt;.  unb  t>ii  fleinern  gerat^en  in  i^rer  ^^'rl^rcuung  fdjon  in 
,,^ergeffen&ett.  greilid)  fonnen  fte  grogtcntr)eiI^,  i^rcn  bcf 
,,fonbern  ^wecfen  unb  i\)vcx  ©eljleöflrt  i\ad) ,  inbcm  fte  Scfer 
„Don  reid)fren  gefd)i(ttnd)en  ^cnntniffen  unb  öngeflrengrcr 
„©eubt^eit  im  Scfen  t)crlangen,  !einer  öllgemeinen  WUifc  üon 
„Sefcrn  ^ufctgen.  ^etl  fie  aber  Doli  finb  Don  einem 
^^cigcntHt^iHc^en  ®ei|I  in  einem  Vortrag,  ben 
„tx  ficj)  felbj!  gcfcböffen  f)at,  foll  mön  fie  bnrum, 
,Mxc  übrigen  ^Öor^uge  ungerechnet,  ali  ein  92a^ 
„tionalgut  bc trotzten,  unb  ölö  ein  folc^e^  in  ^h 
„^ut  jufammen  1} alten»  ^ir  finb  wobr^afrig  nod)  nic^t 
„xcidi)  an  bergleid)cn  Ü^ationölgütern ,  wie  Diele  ^>oföunen 
,,ijber  originelle  bcurfd)e  jlopfe  wir  leiber  boren  muffen." 

Unbcbingt  IRedjt  mügte  ber  ^pernu^geber  feinem  Sieccn^ 
fenten  geben  binfid;tlid)  beö  ^weiten  ^^unftö,  wenn  il;m 
wirflid)  ber  öbfurbe  (I'infaU  gefommen  wäre,  beir  Umfang 
ber  ©cbriften   an   ficö    al^  ben   logifc^en  ^'int^eilung^grunb 


§.  14  be^  2.  ill)ei(ö  ber  (^cf(i)i(btc  bed  fanonifc^en  D^eitt^  ([C- 
bort  ncitttlicb  su  §.  ig,  fo  wie  bic  am  ©chluf;  bH  §,  16  ein: 
Aenicfte  ju  §.  18. 


IX 


für  eine  folcfec  ©ömmlung  ^u  betrac()ten.  (Einern  S^cxaw^Qt» 
ber  int»cg,  bcm  ber  S^ecciifcnt  auöbrucflld;  haß  SIiierFenntiiig 
gicbr,  bog  er  öuf  eine^löetfe,  „ble  i5m  fclbft  (Jtre  möcbe/'  in 
ber  (Einleitung  ^um  1,  33anbe  bic  Jerborftcd^cnben  üterdrifd;en 
^•igcntf)umlid)!eiteu  ©pittler'ö  trejfeiib  ^u  eiitmicfclu  ge^ 
n?ngt  ()abe,  bürfte  bcrfelbe  bod)  tro^l  aud)  ^ufrauen,  baß  er 
o^ne  bringenbcn  Öruub  ein  ^riii^ip,  haß  fo  nal;c  lag  unb 
beflfcn  ^^efolgung  in  5{nfc[)ung  ber  Flclncvn  ©d;riften  Don  ijim 
fclbfl  öngcFünbigt  luorbcn,  namlid?  haß  ^u  bcmfclben  %ad) 
©cbcrcnbe  auc^  ^ufammen^ufteKen,  nid)t  jjcrlaflTen  ^ahcix  wuxhe. 
SB or in  jener  notöigcnbe  ©runb  bejlanben,  f)attc  ber  ^lecenj^ 
fent  fd)on  ^mei  3^^)^"^  i>or  ^'rf(teinung  feiner  ^ritt!  auö  ber 
2ijbing.  frit.  geirfdjr.  für  9fled)teaM'(fcnfd)aft  (^b.  5,  i?cft  3, 
©♦  511)  erfe^cn  fonnen.  Qß  \\i  fein  anberer,  nlö  weil  bic 
früheren  "Serleger  einzelner  größerer  Sd)rificn  bem  JJcrau^ge^ 
ber  hd  beren  ^icberöbbrucf  ^ur  25ebingung  niad)ten,  bog  bie* 
felben  nur  in  un getrennter  ^oIqc  abgegeben  irerben»  SSoIItc 
man  nun  benjenigen  Sefern,  a^cld)e  ffd)  ntd)t  hie  ganje  ©amm? 
lung  anfd)affen  m ödsten,  bcnnod;  bcn  ^cffl^  ber  fleincren,  ^u 
einem  ^ad)  gef)ürigen  (^d}riften  moglid)  mad}en,  fo  blieb 
n\d)tß  anbere^  ijbrig,  a\ß  biefe  ©diriften  ton  ben  größeren 
5U  trennen  unb  (te  in  einzelnen  Ülbt^eilungen,  nad)  ben  gad}ern 
georbnet,  abzugeben,  ^ieg  war  »on  2lnföng  an  hk  2Ibficf)t 
ber  ^erlage^anblung  unb  hcß  Xperau^gebcr^;  waß  Seöterer 
^ur  (Steuer  ber  SBabr^eit  bemerfen  mug,  fo  gerne  er  gu6) 
bem  Slecenfcnten  bic  unfcfeulbige  greube,  a\ß  ob  ,,er  erft  ben? 
„fclben  auf  hm  ©ebanfeu  geleitet  ^abe,  bie  ficincrcn  6c()rif? 
ten  aud)  einzeln  ^u  üerfaufen"  (bergL  beffen  letztere,  oben 
citirte  SIcugerung)  laflfen  moc&te.  iJag  aber  bie  ficincreu 
!ircl)enred)tlid;cn  unb  f irc^engefc^icl)tlid)en  Slböanb^ 
lungen  in  eine  Qlbt^eilung  Dernjiefen  worben,  waß  nod)  wdf 


fci'  QctaMt  tt?irb,  —  bieg  glaubt  ber  Herausgeber  gegen  ^en* 
ner  beö  3u()altö  jener  ©pittler'fc^cn  (Schriften  nic^t  erjl 
rechtfertigen  ^u  muffen;  fo  vok  au6)  t)on  bem  9lecenfcnten 
ble  23crccl)t{gung  beö  €r(?eren,  bie  europaifc^c  ©taatcnge? 
^d)id)tt  in  feine  (Sammlung  aufzunehmen,  treil  ©pittler 
im  S*  i807  „ton  jebem  ferneren  2lntf;eil  an  bem  23ud?e  ftc& 
„loSgefagt"  l)abc,  voo\)l  nur  im  ©c^jer^e  be^trcffelt  njorben  t(!, 
Sebenfaüö  mug  ber  Unterzeid)nete  furd)ten,  ta^  baö  ^ublifum 
t>k  Oleugtcrbc  bcö  3^ccenfcnten,  feine  Legitimation  jur  ©ac^e 
nd^er  gu  erfaf)ren,  nid)t  t{;eilen  mochte;  er  if!  aber  mit  53er* 
gnugen  bereit,  bie  SScIege  bafur,  ba^  jeneö  Soöfagen  feineö^ 
itegö  auf  eine  (^effion  beö  Iiterdrifd)en  ^igent^umsrec^tS  ge* 
gangen,  fo  n?ie  ta^  ber  »?)crau^gebcr  nid)t  o^ne  ^SoriDiflfen 
beö  53crlegcrö  ge^anbelt,  für  ben  ber  Skcenfent  eine  fo  ^artt 
S!{)cilnabme  ^cigt,  privatim  mit^ut^cilen, 

I^cr  Unter^cid)nete  irenbct  ftd)  nad)  biefer  (^rbrterung, 
mit  ber  er,  o5ne  eine  früher  gegebene  Bn^ctQC,  feine  Sefer  ge* 
Jti^  t)erfd)ont  ^abcn  »rurbe,  ju  bem  3n^alte  beS  t)orIiegenbe» 
25anbe^,  ber  ^ugleid)  aud)  ben  erfien  S!()eil  ber  t>crmi festen 
für  S^eologie,  ^ird)engefd)ic&tc  unb  ^irdjcnrec^t 
gehörigen  ©c^riften  bilhct  ß'ö  jTnb  hk^  (auger  einer  fRdU 
tonSRecenftonen,  i?on  benen  eine  2lu6n?ö()I  fpdter  folgen  tt?irb) 
bie  früheren  2Irbciten  ©pittler'S,  meijl  auS  bcr^eit  t)on 
bem  SSeginn  feiner  literdrifd)en  Saufba^n  biö  ^um  ^'rfcf^eineii 
feiner  erflen  größeren  ©d)rift,  bie  Speere  müä^tc ,  ber  ^tr« 
c^engefc^ic&tc  (1782).  53on  ben  f cd; 3 c^n  21b6anblungen 
biefeö  23anbe6  faüen  nur  bie  fünf  legten  tn  bie,  t)on  ba  an 
beginnenbe,  ^mitc  ^eriobe  feiner  fcfcriftftcllerifc^en  S^^dtigfeit, 

Dag  aud)  in  biefen  Slrbeiten  beS  ange^enben  6c^rift* 
jleUerö  tic  Crtgentbumlid)feiten  feiner  geifiigen  ^erfonnct)feit, 
»oic  fic  fpdter  in  t>oKcm  ©lan^c  fic^  entnjicfelte ,   fc^on  5er# 


XI 


vortraten,  i(l  längfl  önerfannt;  cß  i(l  namentlich  ti^ojl  feine, 
in  ber  nic&t  fein  ubcrn)legenber  Xrieb  nnb  fein  ön^ge^eic^ne* 
tci  S:a(ent  ^i\v  gorfc^ung  in  JeUem  ZidjU  fid)  geigte.  Um 
übrtgenön?öö  burcl)fte  im  e* i n feinen  für  bie5BitTenfd)aft  ge* 
Wonnen  njurbe,  ndjer  aucö,  nur  ßu^ubentcn,  müßte  ftd)  ber 
Herausgeber  in  ün  i§m  grogentf^eilö  frcmbeS  ©ebiet  trogen, 
^'r  befd)rdn!t  ftd)  ba^er,  n^ie  billig,  öuf  einige  n?enige,  me^r 
bie    dugere   @efc^ic()te    einzelner   2Ib^anblungen    betveffenbe, 

.  3ur  ölb^anblung  Dir.  V.  sunac^jl  ij!  s«  t)crgleid)en, 
wa^  ber  ^erfaffer  über  biefelbe  in  feiner  ©efd)ict)re  beS  fa? 
nonifdjen  9\ect)tö  (§,  62,  in  ben  fdmmtlidjen  UBerfen  23b.  1. 
@.  214)  beric^tigenb  bemcrft. 

Ueber  hk  ^b^anblungen  Dir.  VI.  unb  Dor^üglid)  YU. 
Jat  fid)  ebenfalls  ©pittler  felbft  in  einem  ^Briefe  t)om 
25.  See.  1776,  n3eld;en  5[)ieufel  in  einer,  njo^l  bcix  irenig* 
(len  Sefern  ^ur  $anb  liegentren  ©d)rift  (^i|lcrif*c  unb  litc^ 
rarifc^e  Unterhaltungen,  (Coburg  1818.  @.  264)  mitt^eilt,  auf 
eine  fo  d;arafterit'tifd)e  Slöeife  gedugcrt,,  t)a^  ber  Herausgeber 
ben  S'rfferen  burd)  einen  SluS^ug  cin-en  r^ienfl  ^u  er\reifen 
glaubt.  „<^c^eint  3l)»cn  bcnn"  fd)vcTbt  er  an  DJIeufel,  für 
bejjen  ^dt\d)xiit  er  jene  $Huffd^e  eingcfenbct  ^atte,  „meine 
Prüfung  ber  9\unbifd)cn  Sp\)potl)z\c  ^u  heftig  ober  nid}t  bo# 
fumentirt  genug?  SegtereS  bin  icö  niir  am  trenigllcn  ben?upt, 
unb  auf  ben  gall  beS  Eingriffs  ifr  mein  ^üd)er  t)oü  ber  tref^ 
fenbften  «Pfeile.  €rftcrcS  fonntc  Dicfi.eid)t  n?iber  meinen  SBil* 
len  gefd)c^en  fei)n;  td)  irürbe  @ie  in  biefemS^Ü  bitUn,  harte 
^•pit^eten,  üluSbrücfe  u.  f.  tv.  j^inn^i'g^ujlreidjen ;  eS  iü  mir 
bei  ber  ganzen  ©ac^e  um  ^i(lDrifd)e  Söabr^eit  ^n  t^un.  3c^ 
tt?önfd)te  alfo  gar  nid)t,  H^rrn  9\unbi!  ben  geringften  53erbrug 
gu  erttjcdfen*    Ölber  treitlduftg   mug    id)  mid)  iregen  meiner 


Slpologic  bca  ^leruS  im  mittlern  gcitaircr  erflarcn.  S>a  ic^^ 
5icr  (hl  (?ijüttitigcn)  feine  ©eele  bcn  2(uffa^  tjor^er  lefcn  laf* 
fen  fomitc;  fo  fann  c^  n^irflid)  fcijn,  tag  id)  nic^t  genug 
Jiftorifc^e  25eifpiele  J^in^ninQtc,  it>ic'^  jcbem  leicht  gejt,  ber 
in  ber  öoUen  Sntuitton  f«^ncö  ®cgen|Iönbc6  örbeitet,  ha^  er 
2i)?ittclfd^e  übcrfpriiigt,  bie  ber  Jöltblütiae  Sefer  öermigL 
SBenn'ö  ölfo  bieg  öllein  ijl,  wai  i^m  fc^It,  fo  bitf  id)  ©ie, 
t6n  mir  balb  niüglld)il  ^urudP  ^u  fd)tcfen ;  id)  voiü  fo  fircng 
bofumentircn,  aU  ber  fd)drfrte  Prüfer  nur  terlöngcn  fönn; 
Diellcic^t  öuc^  einige  SdBe  ölebönn  mc^r  öuefu^ren,  ta^  eö 
ftc&rbar  tnö  5(ugc  fallen  foK.  0lo(^  finb'ö  nic^t  20  3a&rc, 
bog  man  einen  ^iftorifer  geflcinigt  f)atte,  ber  fic^  unterfiön^ 
ben,  t>om  9)u^cn  ber  Äreu^juge  ju  fpred)en.  Se^t  I)aben'^ 
gelehrte  Slfabemiei?  ^ur  ^reigfrage  gcmad;L  3d)  i)ahc  in 
meinem  2Iuffa^  gar  nid)t  beireifen  n?oUen,  bag  ön  bem^Ieru^ 
be6  mittlern  Jcitalterö  gar  nic^tö,  aU  ©ute^,  genjefen  fep. 
3d)  fcnnc  bie  ©d)urfai  ju  tro^l!  ^Hber  bie  grage  war:  S}at 
biefe^  ^tterngc3ud)re  gar  nid)t^  genügt?  unb,  trenn^^  ge^ 
iiu^t  i)at,  waß  Ijat  e^  genügt?  Unfere  ©efc^icbtfd;reiber  jinb 
fiber  biefen  ^^unft  alle  toll  Deflamation ;  icö  erinnere  micj) 
nic^t,  bei  irgenb  einem  gcicfen  ju  ^aben,  bag  er  öucb  bie 
53ort&eiIe  beö  ^Urui  gezeigt  ^dtte.  ©o  ifi  auc^  bie  grage 
nid)t:  ob  wir  unö  njiebcr  bcn  ^leruö  M  mittlem  3*^i^^^ffi^^ 
njünfd)en  foUen,  iteil  er  genügt  l)atl  I5aö  trdre  ungefd&r 
eben  fo,  aU  ob  man  ftc^  ben  Informator,  ber  un^  ba^5IQ5(S 
lehrte,  lieber  ^urucf  n^ünfcfjen  trollte,  treil  er  gut  21  35  € 
lehren  fonnte.  ^'ö  ift  im  ben  gan^  uneingefc^ranften  Dcfla* 
mationen  gegen  ben  ^Icruö  fe^r  biel  53enred)felung  unferer 
fetten  mit  jenen;  unb  für  unferc  ^dtcn  i(l  freilicl)  ber  ganjc 
Unwille  gegen  t>m  fat^olifc^cn  ^leruö  DoDFonimen  gerecht. 
©0  wie  ber  Untrille  ubi?r  bie  Äinb^magb  i?oUfommen  gercc()t 


XIII 


ifi,  mm\  fte  ben  Sungltng,  ben  S[)?ann  eben  fo  bejanbelt, 
\m  ta^  ^inb,  Slber  t)a^  Äinb  mug  üubifc^  be&anbclt  mr^ 
bcn;  fo  aiic^  jene  ^dteii  ber  DflatioiiaUi^'nrivtcfi'lung  —  mein 
©Ott!  trie  ha  unfcre  Joc^gele^rteu  ^H)i(ofopbt'n  unb  Si^colOi« 
gen  fo  übel  angefommcu  voäxcnl  ^afebom  iai  2Infaugö  J)if 
Rauptet,  man  muflfe  bei  ba*  €'r3lc()uug  bem  ^inbe  niemals 
uubebiiigten  ©e[;ürfam  öuflcgen,  o^nc  i§m  ©ruiib  unb  Urfctd^e 
cineö  jeben  25efeM6  ^u  feigen:  er  nimmt  ober  je^t,  bei  mej? 
rem  Erfahrungen,  feine  bamnlige  S3e&cmptung  ^urücf,  unb 
erfennt,  ba^  eö  eine  gcit  lang  burd;  eine  2{rt  bltnber  Slutoris: 
tat  geleitet  n?erben  müjTe,  S^neö  mittlere  Zeitalter  inar  geit 
ber  Äinb^eit  unb  bcr  S3ubenjlrcid)e ;  folglich  mugtc  anti)  In 
jenem  Zeitalter  ba6  ?0?enfc&engefcbIeci)t  eine  gleiche  (Jr^ie^ung 
geniegen»  (Sd;icfen  6ie  mir  nur  meinen  2(uffa^  it)ieber  3u^ 
rucf;  icö  will  t>a6  allc6  beutltcfe  genug  (einlegen;  bcnn  c$ 
fe^lt  mir  gar  nid;t  an  SSeireifcn,  3ct)  fd)ränfe  mid)  blog 
ein^  um- nic^t  eine  Slb^anblung  ^n  fc^reiben,  bei  n^elcber  ber 
^opf  achtmal  grbger,  aU  ber  ©d;n?an3,  i|!-  E^  foll  i^m 
aber  je^t  fe&r  gut  geholfen  werben,  gur  jebe  25e^auptung 
will  ifi)  wenigpcnö  ein  Dufeenb  ftiftorifcö  bofumentirte  gafta 
beife^en."  —  OBie  frii&e  fc(?on  biefc  acbt  l#orifcbß  2luf* 
fajfung  einer  ber  merfwi^rbiglten  (Jrfc()einungcn  ber  Söclt? 
gefd)id)tel 

Die  2lb§anblung  9lro.  XI.  ij!  btefelbe,  t)on  weld)er  au^ 
2lnlag    be^    unterfd)0benen    Calendarium    archigymnasii  Bo- 

noniensis,  ü.  ©aöigni)  C<^.  a.  £).  ^^1.3.  @.  12)  bemerft: 
„in  Deutfcblanb  i)at  ftcfe  ©pittler  in  einer  anonymen  ^h 
„^anbfmig  ba6  53erbienff  ber  q)rufung  unb  5Biberlegung  5U 
„einer  Jeit  erworben,  wo  fejr  namhafte  @d)rift(Ieller  nic^t 
„wagten,  an  ber  Olec^tfeeit  ber  Urfunbe  ju  zweifeln/'  @ie 
erfcbieu  mit  ber,  bie  «ßermut^ung  ber  Urjebcrfd;aft  öoti  bem 


XIV 


WJöJmi  söcrfajTer  öbrenfcnbcn ,  (^^ijfre  ,,^  .  ,  .  /'  xtie  fein 
grcunb  ^pugo,  nlö  ^Belcg,  tt?tc  fefer  ©pitticr  fic&  gcfd;cut, 
tie  perf5nllcl)cn  SBcx^äUi\i]\c  ^u  belcibigen,  unö  cx^a^U  {<B^itU 
ler  ton  ^ecrcn  unb  ^ugo,  ^erL  1812,  ©.  56)  öuö 
bcm  ©runbe,  rreil  ^u\l  ipenniug  ?5o^nicr  in  bcr  gan^ 
5en  Unterfuc^ung  fein  ©egner  getrefen,  unb  bcr  ^o&n  t)on 
biefem,  bcr  bamaligc  angefc^ene  ^rofcjTor  in  ©brtingcn,  bieg 
übel  nehmen  founte.  3"bcß  ifi  Jiebci  ber  feine  pfpdjologifc^e 
SBin!  ©oltmann'ö  Qeitgcnoffen  58b.  VI.  ©.  87)  nid)t 
3U  übcrfe&cn:  ,,bag  23cforgnifl*e  bcr  5Irt  im  ©runbe  bei  .. 
/,©pittler'n  iDcniger  mit  einer  ijbertriebcncn  gurd)tfömfeir,  J* 
„aU  mit  bem  SÖergnugen  gufammen^iengen/  ^Jcr^altniflfe  be? 
„x^d^iut  5U  Jöben,  bie  S3eforgni0  einflogen  fhinten,  unb  ta^ 
„er  lieber  bicfe  feftDielt,  aU  jencö  53crgnugen  einbugre/'  i 
3u  feinem  grogcn  55eböucrn  luar  ber  jjerauögebcr  bei  * 
9Ir.  Xiy.  nic^r  im  ©taube,  bie  Don  bem  53crff.jTer  in  ber 
©5ttingifd)en  fBo^ktat  bcr  5BijTenfcbaften  ben  20.  ^aiu  1786 
unter  bem  ^itd  »Spicilegium  histoiioe  antiquioris  Novi 
»Testamenti«  tcriefcne  2lb()anblung  felb(l  öuf^ufi'nben.  3n 
,ber  53orrebe  ^um  VIII.  S5anbe  bcr  (So^ictatefcbriften  (©.XI.) 
t(!  berfelben  in  bcr  ^^ronif  tc^  geböd)ten  Sa^reö  mit  bem 
S3cifagc  »(Servatur  Volumini  IX.)«  ermahnt;  öllein  webcr 
tiefer,  nod)  ein  folgenbcr  23anb  enthalt  fie.  dlad)  einer  bem 
,§eröu^gcber  t)pn  bem  nun  verewigten  (^ci.^w^ü^ffRatit 
^ic^Jorn  in  (5)5ttingcn  mitgct^eiltcn  53ermut^ung,  fcfeeinen 
flng(ind;e  ©eelcn  öuö  ©orge,  bag  wenn  bie  ©cferiften  bcd 
fJl*  Z.  fo  fpdfc  ^ubli^irdt  erlangt  r;dtten,  bieg  bem  ^anon 
M  9l»  Z*  ©efal)r  bringen  mbc^te,  ben  53erfaffer  veranlagt 
gu  Jaben,  bk  21b^anblung  ^u  unterbriicfcn.  ^6ne  ^racifel 
fonnen  in  unfern  Sagen  fold)c  SSeforgnifle  nidJt  mejr  anfc^la^ 
gen  unb  fo  fud;tc  ber  iperauögcber  bk  2ucFe  trenigpenö  burc& 


xr 


bie  2Iufna5«ie  bcr  ^Injeigc  in  ben  ©5tt.  ©cl.  5I113.,  in  iveld)er 
ou^  ©pittler'^  gcber  bie  ©ruub^uge  beö  9ön3en  ©an^^ 
fdncr  Unterfud)un9  initgetjeilt  ftnb,  einigermaßen  ju  ergangen» 

S3ßi  ber  XV.  ^Ib^anblung  ifl  ju  t>er9lcid)en,  waö  über 
bic  O^lc^tung  berfelben  ^lancf  (in  bem/  ber  fünften,  burd) 
ijn  bcforgten  ^luflage  ber  ^ircl)en<@efc^ic^tc  beigefügten  ^ü\f 
fa^e  ,,uber  ©pittler  aU  Jpijiorifer"  ©.  24  unb  25)  er<f 
wdjnt. 

2)ie  XVI.,  mit  ber  borfle^enben  im  engflen  ^wf^wimen* 
Jang  jle^cnbe,  Sibfanblung  glanbte  ber  ^perau^gcbcr  eben  beg* 
Jalb  auf  fie  unmittelbar  folgen  laffen  su  müfifen,  obgleich  i^v, 
nacö  ber  fon(!  befolgten  cöronologifd)en  £)rbnung,  eine  fpdtere 
©teile  gebührt  Jdtte, 

2luf  (Irenge  ^orreftjeit  be6  £)ruc!^  Jat  ber  Herausgeber, 
n?ie  er  jtd;  fc^meid;elt  nid)t  o^ne  Erfolg,  ein  Hauptaugenmerk 
gerichtet;  bennod)  i(l  in  ber  Ueberfcftrift  ber  VI.  2ib&anblung 
(©♦  194)  ber  ärgerliche  SJrudPfe^ler  „SKecötö(Ianbfc()aft"  flait 
9lcict5(!anbfc^aft  hd  ber  ^urd;iid)t  überleben  tüorben» 

Äarl    Södcöter. 


3nMltö  '-  Slnjeige- 


Seite 

I.  Dissertaiio  theologica  de  spurio  nsu  paedagogico  religioiiis 

naturalis.  1775 1 

II.  Uekr  llrBfpeniev'jJ  £el)re  tjon  ber  l^reieinigfeit.  1776.    •      48 

III.  itritifd)e  Uuterfudiung  beö  fec()^5ic)jlen  £aobicenifif)en  ^a* 
nönl  1777 66 

IV.  ^vitifd^e  Unferfuc^ung  ber  ©arbicenifd)eii  (Sd)lü(fe.  1777.    126 

V.  ^ntbecfimg  be^  wrtl;rert  SSerffliTer^   bev  Q(ngilramnfrd)en 

Äapitet.  1777. 181 

VI.  ^rüfiuiii  einer  ^i)pott)ere  ber  9?imbifiten  ^reiefd^rift  t)on 

ber  9\'eid)6|1anbfd)aft  ber  33tfdii)fe  unb  Qlebte.  1777.        .    191 

VII.  93on  einer  g-inbdanjlalt  ju  Wer  im  fiebenten  3al)rl)un* 
bert,  nebfl  SÖenad)tunc(en  über  W  25ort()eiIe,  V\t  ber  ^le= 

ru^  bem  mittlem  Seitalter  brad)te.  1777.     •       .        .209 

VIII.  ^iilovifdie^Mnmerfungen  über  33amber9^  ©renttion.  1778.    25o 

IX.  SÖeiträge  jwr  @efd)id)te  ©ratian'ö  unb  feinet  2)ecret^.  1778.    247 

X.  Disseriatio  academica  de  usii  versionis  Alexandrinae  apud  , 

Josepluiin.   1779. 274 

XI.  (^i^^\&)it  be^  ^\M)^  im  ^Hbenbmni)!.  1780.  .       .       .505 

XII.  Historia  critica  Clironici  Eiisebiam.  1784.     .         .         .401 

XIII.  93orrebe  sum  i\\\{txi  3;f)eile  von  Sßald)'^  Entwurf  einer 
Doüftänbiiieu  ^iilorie  ber  Äei;ereien.  1785.     .       .       .    437 

XTV.  lieber  Ik  ^ublfjität  ber  J8üd)er  beö  ^euen  3:etlamentö 
in  ben  brei  erileu  3al)rl)unberteii  ber  d)riillid)en  .Rird)c. 
1786 .        .        .        .412 

XV.  ^i\6.M)ii  ber  Sunbnmentat'Oefei^e  ber  beutfd^en  Bat^o* 
(ifd)en  i\ird)c  im  93eil)cdtni!J  %\\x(i  römifc^en  @tui)l.  1787.    446 

XVI.  9iüd)  einSBort  über  bie  ^(cceptaticn  ber  Saeler  @d)lüiTe, 
fllö  SuHbnmcntni  -  (foncorbat  ber  beutfc^en  .Äird)e  mit 

bem   rinii{fd)en  ©tul)I.  1789 505 


I.    DISSERTATIO  THEOLOGICA 

DE  SPURIO  USU  P^DAGOGICO  RELIGIONIS  NATU- 
RALIS.   (PRiESIDE   X  F.  REU S So    TUBINGAE 
17   7  5. 


Cum  novis  emendandae  doctrinae  publicae  consiliis  no- 
stra  aetate  omnia  agitari  videamus^  tum  nullurfi  est^  qüod 
rriajorem  rebus  christianorum  mutationem  inferre  yideatur^ 
quam  cujus  auctor  nuperrime  iterum  extitit  Cel.  Base- 
Dovius.  *)  Ea  est^  ita  ille  conqueritur^  tristissima  seculi 
nostri  indoleS;,  tit  plurimi  eorum^  qui  lautiori  fortünarum 
statu  vel  splendidiori  yitae  genere  usi  librorum  nostra 
aetate  prodeuntium  lectiani  indulgent^  vel  plane  rejiciant 
religionem  christianam^  vel  suo  loco  relinquant,  ut  rem 
aliquam^  de  cujus  nee  veritate  nee  falsitate  satis  constet. 
Vix  tertium  quemque  Humii  alicujus  Yoltariiye  illecebris 
haud  irretitum  superesse,   nee  paucos   hos  ipsos  diu  per- 


*)  in  praef.  libri :  5?ermdc&tni^  für  hie  ©ettJtffen.    i.  Äöeit 

3)c|faU/.  1^74.  et  in  epistola  ad  Jojiannqm  Turicensemy 
ejusdem  libri  parti  secundae  praefixa.  Ipse  non  est  pri- 
mus  hujus  consilii  aucfor.  BIbL  ^heol.  britannicae  Vol.  f. 
et.  II.     Angli  cujusdam,  (Williams)  scriptum    exstat:     SScr= 

fuct)e  über  hen  otfetttltdjen  ©Dttesbieuil,  |patriDtiömu^  unb 

(JntipÜrfc  ber  Äirc^ß;ttDerkifcr.l|tt9,  in  quo  idem  illud  propo- 
nilur,, talesque  cogitationes  Gel,  Moro  jam  suborlas  ess« 
memoratur» , 


severaturos,  nisi  genio  seculi  longe  lateque  serpenti  ce- 
lerrlme  et  fortissime  resislatur:  infelicissimam  hanc  con- 
taglonem  natam  esse  ex  ignorantia  rel.  nat. :  animi  im- 
jwortalitatem  judicemque  post  hanc  vitam  imminentem 
paucissimis  persuaderi:  efflorescere  jam  fructus  neglectae 
olim  solidae  institutionls :  rationi^  justis  exercltationibus 
praeparatae,  nunquam  superstructam  esse  religionem:  im- 
butos  illos  avitis  opinionibus  et  tandem  in  virulenta  no- 
strae  aetatis  scripta  delapsos  nihil  certi  tenuisse^  quo  se 
ab  eonim  pericuHs  tueri  potmssent:  adultis  nee  otium 
nee  vires  nee  animum  suppetere^  ut  Hbrorum  accurate 
scriptonim  lectione  proficere  possint:  ita  ruere  oinnia  in 
pejus,  et  patres  hos  mox  vitiosiorem  progeniem  daturos. 
Frustra  repeti  et  auribus  inculcari  religionem  revelatam: 
a  naturali  initium  esse  capiendum,  hanc  solide  demon- 
strandam  et  ad  animos  hominum  admovendain  esse:  ec- 
clesiam  aliquam  constituendam  ^  quae  cum  propagandae 
soll  naturali  religioni  destinata  sit^  ab  omnibus  cujusque 
professionis  hominibus  coli  possit;  hac  una  ratione  suffla- 
minari  posse  pestem  graviori  subinde  calamitate  minan- 
tem,  et  hominibus^  ad  naturalis  religionis  sensum  revoca- 
ti»,  christianam  doctrinam  multo  facilius  et  suavius  se 
insinuaturam  esse. 

Dignissimum  accurato  examine  consilium^  *)  cum  de 
re  gravissima^  de  Salute  hominum  optime  promovenda, 
agatur,  nee  eonim  modo  interest,  qui  gubernaculis  re- 
rump.    assidentes  nutu  suo  vel  evertere  illud  vel  stabilire 


*)   Acerbius  exagitavit    potius ,    quam   excussit    hoc   consilium 

auctor  anonymus:   @ine(5  5Inl)alttttcrö  Soöfagwng  »on  bem 
SSermdc^tnip  für  hie  ©enjijfen.    2lri  Uix  ^errn  ^rof.  ^a- 


possunt^  sed  omnium  quoqne,  «juibus  piiLlica  religlonis 
institutio  demandata  est,  ut  quid^  dato  sibi  ad  instituen- 
dum  tarn  depravato  coetu,  maxime  urgendum  sit,  explo- 
ratum  habeant,  ne  vel  novitatis  vel  anticjuitatis  studio 
saluti  illius  promovendae  desint. 

duaestionem  de  qua  agitur  probe  yelim  obseryarl: 
non  enim  sermo  est  de  methodo  emendandi  unum  ali- 
quem  hominem,  quicum  solus  colloquaris,  et  quem  amica 
institutione  ab  erroribus  avocare  studeas.  Q.ms  neget  ad 
ingenium  talis  hominis  methodum  et  posse  et  debere  ac- 
commodarij  fieri  quam  saepissime,  ut  per  naturalem  re- 
ligionem  ad  revelatam  adducatur.  Licet  enim,  si  cum 
uno  homine  agas,  abditissimos  errorum  illius  recessus 
investigari,  qui  et  ortum  et  vim  suam  saepius  ex  singu- 
lari  hominis  ingenio  repetunt:  vel  expugnandi  igitur 
illi,  vel  intacto,  si  liceat,  vulnere  ab  eo  auspiceris,  unde 
miriimum  resistentiae  est  timendiun.  Q.uin  si  qua  nie- 
thodus  minus  succedere  videatur ,  facile  eam  migrare, 
variisque  periculis  institutis  optimam  tandem  invenire 
licet.  Longe  autem  alia  est  ratio,  cum  integrum  aliquem 
coetum  doctrina  instituendum ,  diversissimosque  et  animi 
et  judicii  errores,  qui  singulis  insident,  una  oratione 
corrigendos  susceperis.  Q.uis  integri  alicujus  coetus 
doctor  hac  provincia  ita  defungatur,  ut  ad  singulorum 
indolem  eo  modo  se  demittat,  quem  facillime  patitur 
amica  unius  hominis   institutio. 

Est  igitur  hujus  loci  quaestio  maxime  ardua,  num 
ea  sit  religionis  naturalis,  quae  ratiociniis  Cognoscitur, 
ad  animos  hominum  efficacia,  ut  plane  corruptos  illos  et 
ab  omni  religionis  sensu  alienos  flelicius  revocare  possit, 
quam  si  norma  publicae  institutionis   Scriptura  sacra  ser- 


vetur,  et  christianae  fidei  praecepta  inculcentur.  Grassari 
et  naturalis  et  revelatae  religionis  contemlum  vel  certe 
ignorantiam  concedit  CI.  Basedovius.  Non  ea  igitur 
quaestio  est^  utrum  hominibus  ad  natiir.  rel.  maxime 
procliviLus,  et  a  christiana  alienissimis  felicius  haec  sta- 
tim  possit  subjici,  an^  illa  primum  accuratissime  tradita, 
quasi  sublimioris  generis  doctrina  tandem  bene  praepara- 
tis  proponi  debeat.  Q.uo  enim  animo  et  naturalis  religi- 
onis  institutionem  accepturi  sint  ii_,  qiii  Humii  Voltariive 
scriptis  sunt  innutriti^  facile  perspiciet^  cui  scripta  horum 
impietatis  praeceptorum  sunt  cognita.  Primum  igitur 
examinabimus^  an,  si  yel  largissime  omnia  concedamus, 
ea  sitconsiliibujus  ratio,  ut  qualicunque  spe  felicis  even- 
tus  effici  possit:  *>  tum  investigabimus  methodum  Christi 
et  Apostolorum,  qua  usi  sunt  in  corrigendis  hominibus, 
nostrae  aetatis  soboli  haud  dissimilibus :  d  e  i  n  d  e  ipsam 
rel.  nat.  cum  rel.  revelata  conferamus,  ut  appareat,  utra 
earum  hominem  fortius  ad  pietatem  impellat,  et  ejicien- 
dis  tum  erroribus  tum  animi  vitiis  longe  valentiorem  se 
promittat. 

§.     I. 

AJ  sanandos  igitur  et  uniendos  tot  dissentientium 
animos  singularis  aliqua  ecclesia  constituatur,  solius  natu- 
ralis religionis  conservatrix.  Huic  omnes,  quomodocuil- 
que  a  se  invicem  discedant,  Christidnos  Conjüngi  posse 
sperat  Basedovius.  Neque  vero  in  spe  hac  longe  incer- 
tissima  arcem   consilii  positam   esse    existimo:    imquamne 


♦)  h.  WErtMANNi  diss.  do  veris  damnis  utilitalis  imaginariae 
in  rebus  religionis  (Tub.  1771.)  maxime  in  demonstratione 
contra  MaHisiym,  scriptorem  R.  C.  versatur. 


enlrn  homo  christianu?,  qui  omnia  bona  a  Deo  per  Chri- 
stum in  ipsuin  deriyanda  profitetur,  qui,  quantum  in  ipso 
est  virium,  promoyendae  Salr.  opt.  gloriae  conseprare 
tenetur,  unquamne  talls  coetui  se  jungat,  in  quo  altum 
de  Christo  ejusque  heneficiis  silentium.  Nee  non  variao 
Christianorum  dlsciplinae  in  ipsis  saepe  religlonis  natu- 
ralis praeceptis  dissentiunt:  num  hominem,  supralapsario- 
rum  hypothesi  addictum,  unius  cum  eo  fidei  prafessione 
jungi  putas,  qui  ahsolutum  Dei  de  hominum  felicitate 
decretum  ipsis  naturalihus  de  Deo  ideis  repugnare  con- 
tendit.  Ai'ianorum  Socini&norumque  longe  aha  est  re- 
ligio naturalis;  quam  quao  consueto  systemate  supponitur. 

Sit  igitur  potius  nova  haec  ecclesia  seminarium  ali- 
quod,  quo  ad  amplectendam  religionem  Christ,  homines 
illi  ab  omni  religion©  alieni  praeparentur :  sit  asyhim, 
quo  eonfugiant  ii,  quibus  nondum  persuasum  est  de  re- 
ritate  rel.  Christ,  vel  qui  eam  describunt  religionem 
christianam^  qualem  omnium  coetuum  christianonun  nulr 
lus  adhuc  comprobat.  At  jam  primai  lis  erit;,  quibusnam 
dogmatibus  contineatur  noya  novae  hujus  ecclesiae  doc- 
trma,.  Cum  enim  n^Q  in  natu^r^  religione  christianae 
fidei  adversarii  consentiant,  *)  et  quisque,  prout  ratio 
ilUus  valet,  nunc  conlrahat  illius  limites^  nunc  propaget: 
quemnam  judicem  constitues,  qui  definiatj  quaßnam  sint 
eae  doctrinae,  quibus  propagandis  et  conservandis  nova 
haec  ecclesia  destinetur?     PugnAbunt  alii;,    ne  inimorta^^- 


*)  Dfssensum  principum  Deislarum  in  primis  rcHg.  nat.  fun- 
tlamcnlis  aculissinie  cxposuit  Rovstapt  LeUr«s  sur  l'etat 
present    du    CJiristianisiny   elq.     (Londr^s     1768.)     p.  iß5 

—    300. 


tcttem  animorum,  duLiam  adhuc^  ut  ipsis  videtur,  disoip; 
linis,  ad  regendam  vitam  pertinentibus^  fundamenti  loco 
substernasj  alii  vero  excipient,  languere  sine  Piis  incita- 
meatis  virtutem,  justitiam  bonitatemye  Dei  ita  demum 
vindicari,  neque  rem  tot  argumentis  munitam  aJ)squo 
gravi  culpa  posthaberi  posse»  Argumenta  officionjm  ^lii 
ab  attributis  Dei  optime  repetenda  ducent,  refutabunt  eos, 
<jui  baec  c[uasi .  remotiora  ab  intelligentia  nostra  parum 
in  animis  hominum  efficere  putai^t^  pietatemqi;ie  coöinjiQ- 
dis^  quae  secum  fert^  rectissime  commendari  asserunt. 
Q.uis  igitur  dissentientium  arbiter?  Placuit  forte  aliis 
opinio^  non  nasci  hominem  pravis  animi  inclinationibus 
corraptum_,  sed  exemplis  eorum^  quos  a  prima  juventute 
videt^ ' '  seductum  communi  calamitate  abripi.  Num  vero 
cum  illis  stüdia  animosque  conjungere  poterunt^  '  qui  hp- 
ininem,  ex  origine  sua  peccati  labe  infectum,  affirmant, 
et  laudes  illas  integrioris  humanae  naturae  ut  noxias 
aestimandaeque  verae  virtuti  periculosas  rejiciunt.  Q.uae 
-eorum  erit  religio  nat.  qui  iii  christiana  nihil  doceri 
voluerünt,  cujus  existendi  mödum  ratio  non  perspiciat? 
Apparet  definiendum  esse  aliquod  doctrinarum  systema, 
quod  doctrinas  huic  ecclesiae  proprias  complectatur.  Ita 
vero  revolvimur,  unde  tantis  laboribus  nos  eluctatos  pu- 
tavimus.  duam-  plurimi  depravatum  multisque  vel  falsis 
vel  minus  nec^ssariis  praecept?«  bppressum  systema  con- 
querentur^  neque  jungi  se  posse  coetui^  qui  ad  J)ropa- 
gandas  conservandasque  doctrinas  illas  omnium  sociorum 
animos  viresque  deposcat.  Nascunlur  itaque  cadem  dis- 
sidia,  distrahetur  etiam  naturalis  religionis  ccclesia  in 
diversas  disciplinas^  et  dum  homine^  erunt  ii^  qui  in 
haec  sentenliarum    divortia    abeunt,    coctus    isli    minores 


alieniori  animo  erga  se  mutuo  erunt  affecti.  *)  Q.uid, 
quanam  auctoritate  jiibebuntur  homines  in  societatem  ali- 
quam  coire,  qua  junctis  animis  statutisque  publicis  pie- 
tatis  exercitiis  et  cognitlo  Dei  promoveatur ,  et  cultus 
ilHus  certis  ritibus  administretur.  Humana  sane  summo- 
rum  in  civitate  magistratuum ,  et  propositis  commodis, 
quae  ex  hac  animorum  studiorumque  conjunctione  in 
singulos  redundant,  voluntates  hominum  impellentur.  Ita 
vero  vim  conscientiis  injugte  illatam  clamabunt^  suam 
cuique  constare  debere  in  rebus  religionis  libertatem, 
et  qui  quemque  sui  certe  ipsius  conunodi  rationibus 
ductum  iri  sperant,  valde  in  eo  falluntur,  quod  ex 
suo  sensu  etiam  alios  judicaturos  esse  arbitrantur.  INon 
enim  deerunt,  quibus  vel  omne  publicum  religionis  ex- 
ercitium  disp licet,  vel  certe  illius,  quod  constitutum  est, 
ea  ratio  esse  videtur,  ut  conjuncta  cum  eo  utilitas  gra- 
vioribus  incommcdis  opprimatur.  Sufficiat  bis  demon- 
strasse  aeternis  homines  discordiis  agitari,  et  ad  extrema 
quaevis  in  rebus  sacris  delabi,  nisi  divina  auctoritate 
regantur.  Sua  igitur  natura  nunquam  florentius  exsurget 
institutum  Basedovianiun:  alit  enim  secum  mortifenun 
vulnus,  divina  auctoritate  non  munitur^  humanae  impa- 
tientes  sunt,  qui  christianorum.-coetu  excesserunt,  quod 
pleniorum    judicandi     libertatem    desiderabant.      Humana 


*)  Ne  iniquus  videar,  noio  ominari,  qufmnam  animum  ha- 
bituri  sint  novae  hujus  Eccl.  cives  erga  EccI.  Christ. 
Triste  cerle  in  eo  praesagium,  quod  Dcislarum  plurimi 
in  iis  ipsis  libris,  quibus  tolerantiae  commendatione  suam 
causam  agunt,  injustissimis  criminationibus  rel.  christianam 
oppugnant.  v.  S.  R.  D.  D.  Fabri  diss.  de  foptibus,  ex 
quibus  toierantia  dissenlicnlium  in  religionc  recentius  duci 
seiet,  p.  68.  69.  71. 


igltur  ratio  domlnetur,  qua  cum  quisque  maxime  pollere 
sibi  videbitur,  et  callidiores  qulque  certatim  alios  in  suas 
partes  pertrahere  studebunt_,  unde  concordia  lila  aflfulgeat^ 
cujus  gfatia  totum  institutiun  tentabatur,  et^  si  Utes  illae^ 
inter  christianos  agltatae,  promorendae  animorum  sa- 
luti  tot  obstacula  injiciant,  quaenam  erunt  noyae  hujus 
ecclesiae  fata^  et  quos  successus  habebit  conatus  ille, 
hominis  ad  verum  pietatis  sensum  reducendi?  Longis- 
sime^  quod  facile  largior^  abest  a  mente  viri  Cel.^  iit  ipsi 
Christ,  rellg.  qualecunque  detrimentum  afferat :  se  1  ea  est 
totius  consilii  indoles,  ut  ruinam  grarissrniam  calamita- 
temque  omnlbus,  quibus  adhuc  oppugnabatur^  adrersariis 
nocentiorem  illi  minetur.  Ingenii  perspicacioris  laudes 
in  eo  quaerentur,  si  quis  novae  huic  ecclesiae  civem  se 
adjunxerit:  quid  enim  majori  specie  blanditur,  quam 
opinionibus,  tot  seculorum  consensu  assertis^  assensum 
suum  denegare.  Q.uam  plurimos  alliciet  illa  famae  cupi- 
ditas,  et  labori  scrutandae  religionis  christianae  veritatis 
facile  supersedebunt,  cum  negotiorum  hujus  ritae  mole 
obrutis  tantum  otii  paucis  suppetat,  quantum  ad  jtlstum 
gravisslmae  rei  examen  opus  est,  cumque  antea  ad  tuen- 
dum  viri  honesti  nomen,  jubentibus  forte  legibus,  hoc 
illudve  publicum  religionis  christ.  exercitium  interdum 
susciperent>  animoque  doctrina  all  qua  publice  proposita 
illaberetur,  quae  reluctantU^us  prlmmn  et  invitis  intima 
animi  recluderet,  nunc  satis  honeste  ab  omnibus  ehr. 
rellg.  exercitiis  remoti  eandem  illam  brevi  penitus  obli- 
viscentur.  Quanto  numero  ad  novam  hanc  ecclesiam 
affluent,  si  quis  princeps^  si  quis  magnae  auctorita- 
üs  vir  illi  nomen  addixerit?  Excipis,  nunquam  eos, 
qui    tarn    cito    abripiantur,    vere    christianos    fuisse,    si 


9 

jam    igitur  publice    profiteantur^     quod    adhuc     silentio 

premiint^    nullius   yeri    ciyis    jacturam    fecisso    ecclesiam 

christianam.       Verum    erepta    nunc    illig    propior    occa- 

sio  X^hristum  Deumque,  qualis  revera  est,    cognoscendi, 

et    quanta  erit    vis    exempli    patrum    in    liberos,    quanta 

prüden tiorum   in    eos,     qui  per    omnem   vltam    ab   alio- 

rum   ore   pendent.     Platonicis    enim   speculationibus    pas- 

cuntur,   qui  eam  bominibus    lucem  praeferri  posse  existi- 

mant,    ut  nemo    vel    certe    paucissimi    tantum  rudiores^ 

nisi  accurato    examine    instituto   religioni    alicui   se   addi- 

cant.     Quot    putas    a    naturali    religione    ad    cbristianam 

progressturos ,   si  libero  eorum  arbitrio  tota  res   relinqua- 

tur,     Multis    quidem    ex  partibus    intimis    animi  humani 

desideriis  non  respondet  rel.    nat.^  et  memoria  yitae  minus 

pie    transactae,    conjuncta    cum    seria    divinae    sanctitatis 

meditatione ,    ardentissimum    nobis    votum    extorquet ,   ut 

Dens  solenni  declaratione  certos  nos  reddat,    quid  de  pec- 

catis   statuere   velit,    quorum  poenitentia  prohdolor  nimis 

sero  tangimur.     Q.uotus  autem    quisque  eorum,  qui   sola 

rel.  nat.    imbuuntur,    tarn  alte   secunJ  descendet,    plenam 

divinae  sanctitatis  notioniBm  imis  medullis  infixam  tenebit, 

neque  solatio,  quod  bonitas  Dei   ostendit,   animum  demul- 

cebit  labis  suae  probe  conscium,     Facilius  sentimus,  quam 

insufficiens  sit  ad  consolandum  homiriem  religio  naturalis, 

cum,  perceptis  fidei  christ.  doctrinis,  'nobiscuni  reputamüs, 

quantimi  nobis  decederet,  si  omnium  eorum,  quae  Bi;  im- 

mediata  Dei   revelatione  baüsimu3>    nibil  ad    nos   perve- 

nisset:    sed  hominem  id    tantum   tenentem,    qüantüm  ra- 

tione  assequi  potuit,  nisi    acerrima    ingenii    acie    polleat, 

nee  attentione  ad  intima  animi  sui  desideria  unquam  sibi 

desit,  raro  satis  graviter  illa  commovebunt.     duanta  obli- 


10 

vione  tandem  breyi  tempore  opprimentur  primariae  rel. 
Chr.  doctrinae?  Cum  jam  prima  adhuc  juventute  homi- 
nes  illis  imLuantur,  cmn  controversiae^  de  gravissimis 
earum  agitatae^  attentionem  hominum  nunquam  non 
acuere  videantur,  >et  in  omnium  manibus  versetur  liber 
ille^  aquo  totps  se  penderß  Chris  tiatii  declarant :  in  acer- 
rimis  rel.  Chr.  adrersariis  ea  ignorantia  deprehenditur, 
ut^  nunc  cum  larvis  .pugnent,  nunc  ne  ipsas  quidem 
historias  S.  S.  satis  accurate  legisse  videantur.  Haud 
doctiores  sunt^  qui  imperitis  hisce  magistris  applaudunt. 
Q.uanta  igitur  nocte  tum  demuni  opprimemur,  cmn  cog- 
nitione  rel.  Chr.  satis  honesti  homines  carere  ppterunt. 
Q.uid  si  eadem  primarium  institutionis  puerilis  caput  am- 
plius  haud ,  r^putabitur  ?  Num  vero  pater.  aUquis,  qui 
noyae  huic.  ßpcl.  se  addixlt,  summo  studio  ,id  urgebit^  ne 
(iesitüliis  vera  plenaque:  rel.  Chr.  notitia:  et  quam  pauci 
ea  adulti  discent^  quae  juvenili  aetate  non  perceperunt? 
Q.uo(;lsi  igitur  onmia  felicissime  succedent,  naturalis  qui- 
dem reügio  ab  interitu  vindicabitur,  hominesque  a  crassi- 
oribji^s  yitiis  avocabit^  sed  gloria  Christi^,  quae  est  vera 
Dei  gloria;,  abscurabitur  potps^  quam  ut  illuslrandae 
ilUus.pccasio  praeparetu^'.  Supposui^  i^on  satisfactum  esse 
scopp  auctoris  hujus  consilii^  si  quain  plurimos  ad  vivam 
rel.  nat.  cognitionem  addv^xerit^  sed ,  hac  praeparatione 
exercitatis  rejigionem  ehr.  eo  certius  et  celerius  persua- 
dere  velle.  Si  enim  nos^  quibus  cognitxun  est  mandatum 
Dei  de  jpromulgando  per  omnes  terrae  Chri,  evangelio, 
satis  bene  de  hominum  salute  nos  meritps  putcmus,  cum 
nat.  rel.  eorum  animis  fuerit  inculcata :  tum  turpissimae 
prga  Deum  inobcdientiae  rei  ipsis  etiam  illis,  quoruin  salu- 
fem  promovisse  videmur;  graviler  deessemus. 


11 


§.2. 
Maximum  in  dijudicanda  quaestione  proposita  mo- 
mentum  habebit  accurate  perspecta  Chr.  et  App.  metbodus, 
qua  in  docendis  et  emendandis  suae  aetatis  Hominibus  usi 
sunt.  Fuerunt  enim  seculi  illius,  quod  vixeruntj  mores 
gimillimi  illis^  quibus  nostram  aetatem  infectam  accusat 
Basedovius.  Pbarisaei,  externa  pietatis  specie  ad  yulgi 
opinionem  commendati,  traditionibus  suis^  quarum  obser- 
yatione  summam  religionis  ponebant^  veram  legis  Mo- 
saicae  animam  oppresserunt^  postbabita  animi  sanctitate 
externorimi  actuum  censores  egerunt^  et  prima  rel.  nat. 
praecepta^  vel  calumnia  legis  Mosaicae  vel  obtenta.  tradi- 
tionum  siMrum  auctoritate^  peryerterunt.  Secuta  e^t  doc- 
tores  illos  maxima  Judaeor^  multitudo;  et  quos  discipulos 
e9nim  institutio  formayerit,  ipsius  Jesu  effatis  constat. 
Sadducaei  ^  sulp  lata  animorum  imjnortalitate  vel  vitae  po^t 
brevem  hanc  ^ceuj^  cpntinuatione^  quomodo  incorruptam 
9I  integram  rel.  nat.  docere  pptuerunt  ?  Inyaluerat  prae- 
terea  apud  plurimos  deploranda  rerum  diyinaruna  igno- 
rantia :  uniG,e .  ad  excutiendam  Rorncinorum  servitutem 
ptenti;  maximum  hoc  a  Messia  suQ  benefickun  exspecta- 
runt;  et^  quae  de  animorum  emendatione ,  ab  eo  suscipi- 
enda^  prophetae  celebrarant^  quasi  viliora  neglexisse  vi- 
dentur.  Hosce  ifxter  homineaviersabatur  Jesus,  nee  par 
triam  tantummo^o  religionem  natiyo  splendori  vindicatam 
illis  praedicare,  sqd  novam  cqnjclere  voluit^  quae  tot^ 
dignitate  personae  suae  niteretur.  Vindici  et  interpreti 
legis  patriae  faciles  aures  praebuissent,  et  si  solum  docto- 
rem  egisset,  tulissent  forte  ardentissimum  illius  zelum; 
at^  quod  contemtus  hie  homO;,  nee  Pharisaeorum  nep 
Sadducaeorum  pai'tibus  se  addicenS;   ca  auctoritatC;  quan\ 


12 

nemo  vetenim  prophetarum  sibi  sumserat^  praecepta  ipsis 
propöneret,  Messiae  nomine  propriique  Dei  filli  honore 
so  salutari  pateretur^  id*  spem  ipsorum  suavissimam  adeo 
eyerterat;  ut  nee  splendidissima  dignitatis  J.  C.  argumenta 
perclperent.  Videamus  igitur^  nuin'  praejudicatis  gentis 
suae  opinionibus  J)arcens  doctrlnam  de  dignitate  personaö 
suae  prlmo  plane  siluerit,  et  tum  demüm,  cum  animos 
eonim  vlndicata  rellgione  patria  praeparasset  sibique  con- 
ciliasset^  talem^  qualis  reyera  erat^  se  ostenderit.  Atqui 
capessitis  statim  muneris  prophetici  initlis  non  vltam  modo 
emendari  publico  '  praeconio  jubet^  sed  et  ad  praesentem 
Messiam  attendi.  cMatth.  IV.  I'^.y  Longioris  illius 
(Matlli.  y.  VI.  Vif.)  orationis;,  qua  et  discipulos  et  reli- 
quum  populum  circumfüsum  a  pharisaicis  praeceptis  om- 
nem  vitam  corrumpentibus  reyocat^  neryus  quasi  unicus 
est  dogma  illud  Jiidaels  rfeprobatissimum  d^  dignitate  per- 
sonae  J.  C.  Ex  hob' virti  ^öfficiorum  töpeHt/  Cquae  eriirti 
alii  prophetae  üt  Jelioyae  mandata  promul^arunt^  ea  ipso 
suo  nomine  edixit)^  solatium  in  calamitatibus^  auctoritate 
legislatoria  calvunnias  legis  consultorum  refutat^  decre- 
törium  de  hominibiis  Judicium  sibi  cdmmissum  docet^ 
eosque  täntiim^  qui  sibi  prbbati  fueriiit,  aeterna  felicitate 
perfruituros.  Prirrio  paschate^  quo  suscepta  doctoris  pro- 
Vincia  Solymam  adiit^  plürimis  adhuc  sine  dubio  ignotus, 
coram  omni  populo  et'maxime  coram  illis,  quorum  in- 
di^nationem  divino  atdoi'e  pro  templi  sanctitate  provoca- 
verat/ilKuS  se  filium  asserit,  cujus  templum  esse  noverani. 
(Jo.  IL'  i3 — l60  Colloquium  cum  Nicodemo  cJo.  III.) 
et  (iüin  Samaritide  (Jo.  IV.)  nori  memorabo.  Ille  enim 
äi\4nairr'  Jesu  mlssionem  ipse  professus  ad  ea  audienda, 
■quibus*  in   illo  senhone    gloria   J.   C.  plenius   illustratur, 


15 

promtiofem  animum  attulisse  videhir:  haec  vero  docilita- 
tls  fiuclum  percepisse^  cum  plane  aliena  ab  immiti  odio^. 
quo  mutuo  exardescerent  Judaei  et  Samai'itani^  instilutio- 
nem  hominis  Judaei  avidissima  exciperet.  Nee  dicam^ 
quod  totius  institutionis,  qua  discipulos  imbuit  ^  Caput 
fuerit  doctrina  de  persona  sua^  quod  proposita  sua  mit- 
tentis  auctoritale  adversus  omnia  pericula  eos  confirmavit^ 
(Mallh.  X.  i3.  l4-  l5.  19.  Marc.  VI.  11.  Luc.  IX.  5.) 
quod  coram  maxima  hominum  turba  (Luc.  XII.  j.)  in- 
gruentibus  calamitatibus  iis  se  affbre  promiserit  cLuc. 
XII.  II.  12.)  Satis  enim  ad  haec  omnia  praeparati 
possent  videri  discipuli.  At  quomodo  Jesus  Judaeos  cor- 
rigit  sanatione  Sabbato  facta  gravissime  ofFensos?  (Jo.  V. 
16.)  Si  quod  unquam  tempus  fiiisset  celandi  ea^  quibus 
acerbiores  irae  non  potuenmt  non  provocari^  certe  hoc 
fuit^  quo  parum  jam  abessent  Judaei  ab  odio  capitali.  Et 
quam  parata  fuisset  defensio  in  vera  praecepti  sabbatici 
explicatione  ?  Sed  eam  illis  actionis  suae  rationem  allegat^ 
qua  gravius  adjiuc  quam  ipsa  re  exarserunt^  ipsum  quippe 
patris  nunquam  non  benefici  filium  non  posse  ab  illius 
similitudine  desciscere»  Acerbius  adhuc  illi  commoti;  sed 
indoli  veritatis  tam  impatienti  adeo  nihil  concessit  Jesus^ 
ut  gravissime  jam  potius  sibi  vindicaret  intimam  cum 
patre  conjunctionem_,  excitationem  mortuorum  sua  vi  aeque 
ac  Dei  patris  peragendam,  parem"  cum  Deo  patre  honorem, 
Judicium  sibi  soli  in  omnes  commissum,  ut  si  vel  plenam 
filii  Dei  notionem  haud  tenerent,  ex  documentis  proposi- 
lis  majestatem  suam  non  possent  non  agnoscere.  Peccata 
paralytico  remittentem,  ut  temerarium  juris  divini  rapto- 
rem;  accusant  legis  periti;  (Matth.  IX,  Marc.  II.  Luc.  V.) 


14 

qüas  vero  criminatlones  confirmando  tantum  ea^,  quibus 
öfFendebantur,  refutat.  Plane  huic  consonat  historla  mu- 
lieris  peccatricis :  cLuc.  VII.  48.  49.  5o.)  cumque  Signum 
slbi  expeterent  pharisaeorum  aliqul^  negarit  illud^  majo- 
remque  et  Jona  et  Salomone  se  declaravit.  CMatth.  XII. 
38-  41»  42.)  Festo  scenopegiae  circumfusus  turbis^  qua- 
rum  multi  nullam  fidem  dictis  suis  adhibuerunt,  peren- 
nantis  aquae  fontem  se  praedicat^  et  credentibus  in  ipsum 
larglssima  Sp.  S.  dona  promittit.  (Job.  VIII.  52  —  58.) 
Q.uin  cum  liberrimam  et  plane  ingenuam  declarationem, 
num  Sit  Cbristus^  ardentissime  efflagitant^  non  id  ipsum 
lantum  affirmat,  sed  intime  se  patri  conjunctum^  vitae 
aeternae  largitorem  et  inyictum  credentium  vindicem  pro- 
fitetur.  (Job.  X.  24.  25-  28-  29.  3o.)  Contemnunt  illi, 
et  respuunt^  quidquid  a  Jesu  ipsis  praecipitur.  Edoctus 
itaque^  quam  pertinaci  animo  Judaei  obsequium  ipsi  de- 
negarent^  dum  dignitatem  personae  suae  assereret^  nunc 
ita  asserit^  ut  yel  poenas  minetur  tantae  pertinaciae  ultri- 
ces,  neque  id  ea  tantum  ratione,  qua  et  alii  propbetae 
mala  quaevis  genti  suae  sunt  ominati^  sed  ipsum  fore 
judicem  adjungit^  cujus  sententia  damnentur:  (Luc.  VII. 
24.  Matth.  XXIV.  30-)  prophetarum  quidem  sanguine 
dudum  poUutam  esse  terram  ^  tardum  fuisse  ad  vindictam 
Deum^  sed  ruituram  nunc  eam  in  illos  ineyitabilem^  cum 
nee  filio  parcituri  sint  omnibus  propbetis  majori.  | (Matth. 
XXI.  38.  42.  Marc.  XII.  6.  7.  10.  Luc.  XX.  i3.  U-  I7-) 
nee  a  nunciis  manus  temperarent  in  ipsorum  salutem 
missis.  (Matth.  XXIII.  34  —  38.)  Primum  igitur  et  ulti- 
mum institutionis  Jesu  Christi  caput  erat  doclrina  de  dig- 
nitate  personae  suae.  Q.uidquid  irarum  eo  commoverit, 
quantumcimque  obstare  yidebatur  successui  muneris    sui. 


15 

silentio  eam  opprimi  non  est  passus.  Videtur  quidem  eam 
interdum  celavisse^  cum;,  perpetrato  aliquo  sanationis  mi- 
raculo^  illius  promulgatione  homines  interdiceret;,  inge- 
nuam  Petri  professionem  (Matth.  XVI.  20-)  efferri  nollet;, 
et  magnificam  gloriae  suae  in  monte  Tabor  manifestatio- 
nam^  facta  demum  resurrectione ,  praedicari  juberet. 
(Matth.  XVII.  9.)  Neque  vero  praejudicatis  populi  opini- 
onibus  parcens  id  fecit^  sed  abusum  hujus  doctrinae  cavens^ 
ab  ipsis  non  minus  discipulis,  quam  ab  imperitiori  populo 
timendum.  Alte  enim  adhuc  utrisque  insederat  falsa 
opinio  de  terrenis  opibus  Messiae^  qulbus  gentem  suam^ 
tot  calamitatibus  exercitatam^  tandem  aliquando  omnium 
populorum  dominam  sit  constituturus.  Miracula  quidem 
populo  placuerant^  deposcebat  sibi  quotidie  nora^  non 
modo^  quod  noviun  semper  illis  beneficium  continebatur^ 
sed  ad  certiorem  subinde  spem  afFerebant^  maximimi  illud, 
liberationem  populi  a  jugo  Romano^  breri  esse  secuturum. 
Ita  animis  ad  seditionem  procliribus  flamma  admota  vide- 
batur^  et  a  vera  regni  divini  notione  longius  recedebant. 
Discipulos  nee  repetita  praedictio  de  passionibus  et  mörte 
Messiae  adyersus  consuetam  illam  öpinionera  confirmave- 
rat;  num  igitur^  nondum  effuso  Spir.  S._,  satis  recte  illis 
credi  potuisset  testimonium  de  magnifica  gloriae  Jesu 
Christi  manifestatione  perhibendum  ?  Viderat  praeterea 
Jesus  animum  multorum^  veritatem  vel  clarissimis  indiciis 
manifestatam^  destinato  consilio  reprobantium^  viderat  lieyi- 
tatem  aliorum^  per  breve  tantum  tempus^  dum  res  mira- 
culose  gestas  recenti  memoria  tenerent,  partibus  Suis 
fidelium:  et  horum  et  illorum  culpa  eo  gravius  augeba- 
tur,  quo  plura  doctrinae  propositae  argumenta  acciperentj 
plane  tandem  occalluisset  animus  eorum,  ut  nee  clariorem 


16 

lucem;  qua;  resuscitatione  ex  mortuis  facta^  tota  illius  per- 
sona ostendebatur,  lubenter  admisissent.  Ipsam  igltiir 
doctrinam,  de  dignitate  personae  suae,  ringentibus  licet 
illis;  nunquam  non  asseruit^  sed  argumenta  quaedam^ 
quorum  vim^  opinionijjus  bominum  nondum  fr  actis  ^  nunc 
eludi  yideral^  opportuniori  tempori  seryayit. 

§.    3. 

Methodum  Jesu  Christi  bactenus  obsei'vatam  fideliter 
expresserunt  Apostob,  quorum  exemplo  eo  fortius  refuta- 
tatur  consiUum  recenS  propositum^  cum  ilbs  res  fuerit 
cum  bominibuS;  adeo  ab  omni  bumanitate  delapsis^  ut 
nostra  aetas,  si  cum  ilHs  comparetur^  sine  mjuria  non 
possit  ilbs  simillima  judicari.  Q.uod  ad  Judaeos  quidem 
altinet;  magnam  laboris  partem  ipse  Jesus  occupasse  vide- 
batur,  messemque  laetissimam  praeparasse^  cum  semina, 
quae  bic  illic  institutione  sua  jecerat^  facili  labore  essent 
excitanda.  Sed  adeo  corruptum  fuerat*  totum  gentis  Ju- 
daicae  corpus,  ut  irritata  potius^  quam  sanata  illius  vulnera 
viderentur.  Q.uis  sibi  sumserit,  Judaeis,  terreno  tantum 
splendori  toto  animo  inbiantibus  ^  Messiam  cruci  affixum 
persuadere  ?  Huc  accessit^  quod  primatum  populi  maxime 
intererat;  ne  atrocissimi  sceleris  rei  demonstrarentur.  Q.ua 
igitur  spe  Jesum  illum  Messiam  Dominumque  a  Deo  con- 
stitutum prima  statim  oratione  praedicare  poterant^  idque 
primum  in  ea  ipsa  civitate^  quae  testis  erat  mortis  illius 
cruentaC;  et  in  qua  maxime  valuit  sacerdotum  pötentia. 
At  nullis  vindiciis  rel.  nat.  sibi  viam  parant^  nibil  prae 
fantur;  ut  Judaeos,  pietatem  bominis  alicujus  ex  fatis 
hujus  vitae  metientes^  et  majorum  exeinplis  et  raliociniis 
rectiora  edoceant;    sed;  licet  omnia  conspirarent  in  ,oppri- 


17 

menda  veritate;,  prima  statim  oratlone  sine  omni  inrolucro 
integram  illam  aperuerunt.     Per  omnes   synagogaS;,   quas 
poslea    adierant,    liic  primus  eoinim  sermo,  neque  celant^ 
eorum  consilio;,   quibus  summa  reip.   sacrae  Judaicae  inni- 
tatuF;,     supplicio    addictum    esse  Jesum.      Mirum  quidem 
videri    non    posset^   primo    statim    cum   Judaeis  coUoquio 
Messiae  mentionem  injectam  fuisse:   hujus  enim  recorda- 
tionem  unice  amarunt^   hunc  ardentissime  exspectarunt :  at 
quo  Qarior  Judaeis  fuit  illa  Messiae  imagO;,  eo  gravius  acci- 
dere  debuit^,    si  oblata    tandem  illa   exspectationi  ipsorum 
non  respondit;,   eoque  magis  cavendum  videbatur^  ne  minus 
praeparatis  intempestiye  illa  subjiceretur.     Goncedam  de- 
nique    aliquatenus    dissimilem    esse    rationem    Jud^eorum 
illius   temporis   nostraeque  aetatis   hominumi    ad    öreduli- 
tatem   potius    illos    propensos    fuisse^    quam-, ad   scepticis- 
mum  cayillandi  liliidine  nutritum^   auctoritate  librorum  Y. 
T.  commode    illos    potuisse  refutari:     tum  certe  nibil  ex- 
ceptionis  supererit^    si  eadem  methodo  et  in  convertendis 
gentibus  usos   esse  App.  appareat.     Duo   tantum  exempla 
habemuS;,  quibus  ad  solos  falsorum  Deorum  <)ultores  Pauli 
oratio  pertiijuit.    Alterum  est  Lystrensimn  (Act.  XIV.  i50 
alterum  Atbeniensium  (Act  XVII.  i6.)  nee  nihil  huc  facit 
ejusdemsermo  coram  Feiice  et Drusilla Habitus.  (Act. XXIV. 
250  Homini  enim  Romano^  quij  moribus  sui  seculi  plane 
imbutuS;,    oblata  peccandi    impunitate    totum   se   vitiis   de- 
derat^   fidem   in    Christum  ex   cpntemta  Judaeorum   gente 
ortum  praedicat^  judicemque^  yitae  hujus  rationes  aliquando 
deposcentem,   tam  graviter  ob  oculos   sistit^,  ut  commotus 
ille^   excitata   sui    conscientia,    Pauli   praeceptis    se    quasi 
eriperet.     At  methodus^   in  uno  homine  commovendo  feli- 
citer  adhibita;,  multis  tan ti  haud  facienda   posset  ;^aderi^  ut 
@pittler'^  fdmmtl.  ^erfe  VIII.  m*  2 


18 

in  eo  norma  esset  ^  quo  modo  totus  aliquis  coehis  optime 
commoveretur.  Lystrensis  orationis  brevis  tantum  parti- 
cula  exstat,  ardentissiini  affeclus  documentum ,  quo  Paulus 
et  Barnabaa.  populum,  ad  sacra  ipsis  facienda  ruentem, 
quam  celerrime  avocare  conabantur.  Neque  vero  ita 
illum  compellant^  uti  philosophus  saniora  de  Deo  sentiens^ 
populum^  tanta  superstitione  oppressum^  compellasset. 
Q.uis  enim  dicat^  Deum,  coeli  terraeque  creatorem,  per 
plura  secula  populis^  libidines  suas  sectantibus^  minus 
providum  se  demonstrasse,  nisi  totam  divinae  providentiae 
historiam^  qua  circa  educationem  generis  humani  yersatur, 
ex  immediata  revelatione  haustam  teneat?  Q.uis  pbilosophus  t 
poljtheismum  antiquitäte  sua  superbienlem  ita  refutabit? 
Omniuni  autem  notatu  dignissima  est  Pauli  ad  Athe- 
nienses  oratio.  Concione  hie  utebatur^  quae  philosophicis 
disputationibus  assueta,  nee  tarnen  tenebris  crassissimae 
superstitionis  emersa,  accuratanl  dialectici  alicujus  demon- 
strationem  poscere  videbatur.  Fervebat  forum  Epicuri 
Zenonisque  sectatoribuS;,  qui  populo,  Deorum  templa  Fre- 
quentante^  prudentiores  se  jactitarunt^  cum  nullam  hu  jus 
terrae  cur  am  illis  relinquerent^  Omnibus  vel  coeco  fato 
ordinatis  vel  castl  accidentibus.  Q.uaenam  igitur  ratio- 
cinia  Paulus  opponit  huic  hominum  generi^,  arg-utiis  se 
ipsos  veritate  defraudantium  ?  Summa  capita  historiae 
div.  provid.  circa  genus  humanum  exponit,  a  primis  illius 
initiis  per  varias  vicissitudines  ad  ultimam  uäque  scenam 
decurrit^  singulare  momentiim  epochae  illiüsy  quam  ipsi 
viverentj  gravissime  declarat^  metamque  omnibus  propo- 
sitam  asserit^  ut  viro  illi^  quem  Deus  resuscitatione  ex 
mortuis  facta  judicem  constituerit  ^  aliquando  probentur. 
Ita  vero  videri  posset    apostolus    ad    eos  horaines    verba 


19 

facturus,  (pii  nihil  dubitarent  de  ipsa  proyidentia,  certe 
in  eo  accjuiescerent^  si  eam  nude  assereret.  Nihil  hie 
demonstrationis  ex  natura  Dei,  *)  nulla  refutatio  argutia- 
ruiUy  (juibus  Uli  doctrinam  hanc  vel  turbare  vel  eyertere 
conabantur:  sed  brevi  delineatam  historiae  illius  imaffi- 
nem  proponit,  quasi  animos  hominum,  si  eam  modo  in- 
tuerentur,  multo  fortius  impelli  et  ab  omnibus  impiis 
opinionibus  liberari  piAasset:  nee  ipsi  sufficit  docere;,  et 
hene  et  male  factis  statutain  esse  mercedem^  sed  judicis 
personam  et  argumentum  auctoritatis  illius  a  Deo  exhi- 
bittmi  designat.  Q.uodsi  Paulus ;  probe  perspecto  Atheni- 
ensium  ingenio,  oratione,  quae  solis  ratiociniis  niteretur, 
parum  effici  exstimavitj  si  nihil  timuit  philosophorum 
cayillationes,  quorum  opinionibus  nihil  minus  convenit, 
quam  resurrectio  mortuorumj  si  hominibus,  ad  quos  hi- 
storiae illius ;,  quam  adumbrat,  forte  obscurus  tantum  ru- 
mor dimanavit,    yeritates  ex  reyelatione  haustas  recte  ad- 


I 


')  Qui  maxime  sub  initium  hujus  orationls  Paulum,  solis  ra- 
tiociniis nixum,  contra  Philosophos  disputare  existimant, 
haud  meminisse  videntur,  id,  in  quo  summa  rei  versaba- 
tur,  veram  Dei  notionem  historice  tantum  ab  eo  indicari, 
nee  contra  perversas  philosophorum  opiniones  argumen- 
tando  asseri.  Supposita  hac  vcra  Dei  notione  multa  om- 
nino  ratiociniis  inde  elicit,  quae  Atheniensium  superstitio- 
nem  arguuntr  Idne  vero  esset  Philosophi  disputantis, 
eorum,  ex  quo  reliqua  omnia  pendent,  demonslrationem 
supponere,  cum  bene  nosset,  negari  illa  ab  iis,  quos  con- 
vmcendos  suscepit.  Dicis  epitomen  tantum  oratlonis  Pau- 
linae  axstare :  quae  breviter  nos  consignata  habeamus,  ea 
ab  App.  uberius  additisque  ratiociniis  illustrata  esse.  Con- 
cedam,  quae  precario  petis :  tum  vero  eodem  jure  et  ea, 
quae  de  temporibus  ignorantiae  et  de  persona  I.  C.  attu- 
lit,  luculenlius  declarasse  Apostolus  supponitur,  Stal  igitur 
sentenlia,tin  ipsa  gentium  laslitufione  primis  sfatim  sermo- 
nibus  App.  ea  adiniscuisse  ,  quae  ad  Christ,  rel  pertinent* 


20 

movil,  quid  nos,  quibus  eadeiii  (juidem  hominum  perver- 
sitas  obsistit,  nee  vero  priini  de  i  e  alicjua  hactenus  incog- 
nita  verba  facimus ,  quid  no8  melhoduiti,  quam  Paulus 
suo  exemplo  praeivit,  felici  eventu  mutari  posse  arbi- 
tremur  ? 

Forte  autem  priinls  tantum  rel.  Christ,  temporibus 
consultum  videbatur^  propositis  iis,  quae  ex  revelatione 
cognoscuntur^  homines  ad  pietatem  adducere :  constituenda 
tum  erant  novae  religionis  fundamenta^  Apostoli,  quibus 
id  muneris  datum  fuit^  ut  per  omnes  terr*s  eam  propa- 
garent,  hac  sua  provincia  maxime  defungi  roluerunt : 
confirmata  jam  longeque  propagata  rel.  Christ.,  cum  tem- 
poris  rationibus  nos  jam  non  prohibeamur,  ut  ad  iudolem 
hominum,  quantum  fieri  polest,  nos  demittamus,  num 
recte  insistemus  exemplo  App.  Timotheum  certe  suo 
exemplo  insistere  jussit  Paulus,  (i.  Tim.  111.  16.)  Cum 
enim  illi,  Ephesinae  Ecclesiae  doctori,  ingruentibus  malis 
ecclesiae  intestinis  facile  animus  potuisset  dejici,  ut  rel 
ipse  dubitaret  de  doctrinis  tot  hominum  studio  oppugna- 
tis,  vel  certe  experientia  se  eddctum  putare  posset,  quam 
darum  in  animis  hominmn  pietas  illis  excitetur;  confir- 
mat  eum  Ap.  et  hortatur,  ut  illis,  tanquam  immoto  fun- 
damento,  confidat,  et,  quantumcunque  grassetur  vel  doc- 
trinae  vel  morum  impietas,  magnam  illis  vim  ad  pielatem 
excitandam  et  alendam  inesse  secum  statuat.  Q.uae  ipsi 
docenda  commisßrit,  aliis  ad  docendum  idoneis  aeque  in- 
culcari  juhet,  (2.  Tim.  II.  2.)  per  Deum  perque  ventu- 
rum  judiceni  Christum  adjurat,  (2.  Tim.  IV.  1.)  ne,  stu- 
diis  hominum  veritatis  impatientium  velüicaturus,  eo  se 
commoveri  patiatur,  ut  doclrinam,  quamvis  invisam,  re- 
missiori  ardorc  proponeret. 


21 

Optanduin  certe,  ut  placuisset  auctori  hujus  consilii 
demonstrare,  cur  quao  ab  App.  minus  consentanea  judi- 
cabatur  methodus,  nostrae  potius  aetati  congruere  existi- 
met.  Excultam  quidem  fortissimisque  argrunentis  rec«n- 
tiorum  studio  roboratam  esse  religionem  natur.  haud 
diffiteor:  nonne  autem  iis,  quae  no3  rakiocinando  cogno- 
vimus,  Apostolos  impertire  potuisset  Spiritus  S.,  si  optime 
illis  bomines  commoveri  vidisset?  Num  nostrae  aetatis 
homlnes  subactiori  hig-enio  esse  arbitremur  quam  Atbeni- 
enses  ?  Gtuid  proferunt,  quam  easdem  veterum  pbiloso- 
pborum,  nunc  Stoicorum,  nunc  Epicureorum  opiniones, 
novo  interdum  fuco  neo  tamcn  speciosiori^  ornatas.  Ne- 
tpie  omnes,  qui  nostra  aetate  rebgionem  rel  impugnant 
vel  animo  rejiciunt,  acutiori  ingenio  valent^  ut  ratiociniis 
celerrime  convinci  posse  videantur.  At  miraculis  prae- 
sentibus  *)  confirmatam  esse  ab  App.  doctrinam  excipiet: 


*)  Iai(jue  judlcanl,  qui  fellcitatem  aelalis  App.  qua  Deus  rel. 
ehr.  veritalem  praesentibus  miraculis  asseruil  ,  ita  txtol- 
lunt,  Ol  in  ipsum  Deum,  quod  cadem  fidei  argumenta 
noslrae  aetati  haud  indulgeat,  oliquam  grössanlis  infideiita- 
tis  culpam  conjicere  haud  vercantur.  Primis  rerum  Chri- 
slianarum  initlis  uno  vel  plurihus  quibusdam  miracuh's  doc- 
trinam confirmari,  hi  illive  homines  viderunt:  gravissime 
omnino  animi  commoti,  cum  res  ipsa  oculis  esset  subjecta : 
nonne  vero  nos  integram  divcrsissimi  generis  miraculorum 
seriem  illis  argumentis  historicis  munitam  habemus  ,  ut, 
quod  ad  eorum  certiludinem ,  idem  sit ,  ac  si  nos  ipsi 
testes  oculati  fuissemus.  Quodsi  ehim  ea,  quibus  hislorica 
mirnculor.  veritas  nilitur,  iridubitatam  coruin  fidem  haud 
confirmant,  tum  plane  nihil  rei  historica^  potest  demonstrari. 
Sensus  quidem  nostros  haud  adeo  feriunt  miracula  lilleris 
consignata  ,  quam  cum  ipsis  oculis  essent  subjecta:  verum 
nee  conlemlioris  vitae  babitus,  quo  in  I.  C.  et  App.  illius 
aetatis  homines  adeo  ofFendebanlur ,    spectatores   nos  Deus. 


22 

nonne'vero  eaedem  artes  malignae^  cpiibus  nostra  aetate 
miracula  J.  G.  et  App.  impugnantur,  primis  statim  re- 
rum  Christianarum  initiis  sunt  excogitatae:  neo  tandem 
doctrinanj;  in  Areopago  propositam,  miraculis  Paulus  con- 
firmavit  Cum  eadem  igitur  nostrae  aetati?  ratio  sit, 
quae  fuit  App.,  quo  jure,  si  vel  minus  perspecta  nobis 
fuerit  methodi  hujus  praestantia,  ab  eorum  exemplo  dis- 
cedamus?  Verum  ne  soli  quidem  Apostdorum  exemplo 
innitimur,  sed  ex  interjori  tarn  naturalis  cjuam  rerelatae 
religionis  ratione  *>  justissimal*  argumenta  depromi  pos- 
sunt,  quae  mutationem  illam  promorendae  religioni  plane 
non  proficuam  fbre  demonstrant. 

$.4. 
Si  vel  optime  constituta  supponatur  religio  naturalis 
81  acutissimonim   ingeniorum    studiis  excolatur,  vix  deci- 


esse  voluit,  nee  illis  praejadicatis  opinionibas  detinemnr, 
quibus  prima  rerum  Christianar.  aetate  multorum  animis 
fides  excussa  est.  Quanta  tandem  in  eo  felicitas ,  quod 
muItJs  virorura  docissimor.  laboribus  totum  rel.  Christ, 
systema  eam  in  lucera  vindicatum  habeamus,  ut  ipsi  rati- 
oni,  quemtum  illius  iml>eciiLitas  patitur,  quam  ciarissimum 
appareat. 
*')  IVescio  qnombdo  seqq.  Cel.  Basedovii  verba  novo ,  qaod 
dedit,  consiiio  ita  conciliari  queant,  nt  non  infaustos  illius 
successus  ipse  fuerit  ominatus.     SSermdc^tni^.    2,  ^t.  p.  122» 

■Der  ©laube  an  ^rop&eten  imb  ^mbcxtHUv  i(t  M  Idc^» 
tefle  gj?ittel  ben  ©lauten  t)er  natilrliclje«  Oieligto«  aui^ü- 
breiten  un&j«  unterl)alten.  p.  121.  ©er  @Iaube  ber  Ijeilfa: 
men  2ßal)r&Viteti,  welche  wir  bcü  SnnDalt  tex  natürltdjen 
öieligioti  nennen,  wirb  in  einem  SSolE  am  leic^tcflen  befannr, 
gediftet/  ausgebreitet  unb  unterhalten  burcb  geglaubte  2Bune 
bert^aten  unb  ^ropbcten  be(J  ^ihoM,  ober  burc^  folcfee  £er): 
rer,  welche  er^dblen  unb  behaupten,  ba^  eljemaliJ  folcbe  itoun; 
bertl}dter  unb  <prop!)cten  geipefen  fiub. 


23 

mu9  quiscjue^  quanquam  nontJum  animo  alienus,  rel  rim 
ratiociniornm  assequetur,  vel  si  eam  perceperit,  tarn  gra- 
viter  ge  aßectum  sentiet,  ut  suayissimis  libidinihus  resi- 
stens  omnes  vitae  actiones  ad  ea  conformet.  Cluis  philo- 
sophus  doctrinam  de  providentia  ita  explicatam  proponere 
audeat,  ut  non  modo  illius  consensus  cum  libertate  ho- 
minis patescat;  sed  et  vividam  Dei  justissimi  et  benignis- 
simi  memoriam  excitet?  Alienum  ye^'O  si  quis  tandem 
animum  attulerit^  infinitae  disputationis  semina  sparget, 
ut,  quamvis  ipsas  illas  veritates  evertere  nequeat,  certe 
tot  terminis  et  distinctionibus  immergantur,  ut  nullam  in 
animis  vim  exserere  possint.  Iniquissimos  autem  quosque 
religionis  adversarios  eupponere  licebit,  qui  in  noya  hac 
ecclesia  md  Chr.  rel.  erunt  praeparandi,  cum  non  solum 
homo  diyinas  veritatea  natura  aversetur,  sed  et  illi  im- 
piorum  librörum  lectione  ab  omni  religione  multo  -adhuc 
alieniores  sint  redditi,  et  consuetudine  planissima  quaeque 
detorquendi  fere  omnem  veritatis  sensum  «miserint.  Hisce 
igitur  hominibus  obscurior  per  se  et  parum  efficax  rel. 
nat.  tradatur,  providentiae  rationes  demonslrentur,  omni- 
buS;  quae  yel  integri  cujusque  rationem  perturbant,  diibiis, 
maligne  satis  ab  iis  cumulatis  respondeatur ,  eaque  omnia 
tanta  vi,  ut  missis,  quae  unice  amant,  vitiis  vitae  sanctiori 
serio  studeant.  Constabit  novae  hujus  ecclesiae  coetus  et 
peritiorum  et  imperitiorum  multitudine,  pluriuin,  ne  sci- 
entiariun  quidem  subtilitate  exercitatormn ,  numero,  quin 
nisi  omnia  nos  fallant,  magna  puerorum  caterya  augebi- 
tur:  quis  enim  pater  vestigiis  suis  filium  insistere  non 
jubebit?  Cum  vix  adultis,  iisque  meditatione  subactiori- 
bus  ingeniis,  vix  aequioribus  rerum  arbitris  a  peritissimo 
quoque  magistro  religio    naturalis   persuaderi  possit,  quid 


24 

ii  proficient,    quorum   nee    animi    acies   nee  eonfirmatior 
aetas  tani  subtilem  doetninam  admittit? 

Q^uid  tandem  decedek  propagandae  huic  religioni  et 
ad  omnium  hominum  aniinos  accommodandae ,  quod  solis 
doctrinis  et  praeceptis  contineatuFj  nee  cornplectatnr  hi- 
storias,  quibus  illa  tancpiam  ipsls  oculis  subjici  possent? 
Quolidiano  has  usu  desuini  posse  dicis:  quot  vero  calum- 
niis  exempla  evertuntur^  quae  ad  illustrandas  div.  proyid. 
rationes  vel  demonstrandain  alicujus  actionis  bonestatem 
ex  nostro  usu  desuniimus  ?  Patet  qviidem  omnis  bisto- 
riae  profanae  penus^  scd  de  bis  quoque^  quae  ex  eo  peti 
possunt;,  aHis  aHa  judicantur.  Si  qua  bistoria  pubHcae 
religionis  institutioni^  maxime  cum  parum  faeiles  animi 
afferantur,  morum  et  vitae  exempla  suppeditet^  debet  ea 
esse  ab  ipso  Deo  probata.  At  quantujn  vel  boc  uno  de- 
ficiente  efficacia  rel.  nat.  imminuitur?  Ut  taceam^  multo 
altius  in  omnium  animos  exempla  deseendere  quam  prac- 
cepta^  et  nervosa  brevitate  uno  saepe  illo  plurima  prae- 
cepta  exprimi:  difficillimae  doctrinae  boc  involucro,  re- 
motis  Omnibus  controversiis ,  ti'aduntur,  et  uaicum  boc 
est  institutionis  medium ,  quod  simul  et  prudentiorum  at- 
tentionem  exeitat,  et  imperitiorum  captui  est  accommoda- 
tum.  Q.uis  doetrinarum  praeceptorumque  meditationem 
eodom  animi  vigore  diu  persequatur^  quin  tandem  illa  ut 
ti'ita  satisque  pervulgata  minus  eum  commoveant,  vel  in 
eas  quaestiones  incidat^  quae  nibil  inserviunt  emendandis 
animi  moribuS;,  sed  solam  cognoscendi  libidinem  irritant. 
Verum  cum  praecepta  et  exempla  teneamus  mutuo  sibi 
respondentia,  cum  aninms  minimarum  quarumque  in  bis 
circumstantiarum  observatione  detinetuF;,  non  modo  multo 
facilior    multoque    suavior     erit   ipsa   praecepti  meditatio, 


25 

sed  longius  etiaiii  aberit  ab  infrugiferis  speculationibus, 
quae  inlellectum  quidem  acuunt;,  volunlatem  plane  otio- 
sarn  relincjiiunt.  Imperitiorum  autem  captul  tantum  non 
iiieptarn  esse  eam  religionem;  cpae  meris  doctrinis  prae- 
ceptisque  absolvitur^  facile  potest  intelligi.  Q.uis  pueri 
animuin,  quem  ea  tanlum  fermnt_,  qnae  sensibus  subjici- 
untiii';,  abstractas  aliquas  ideas  inculcando  vel  longas  ar- 
gTimentationum  series  nectendo  ita  commovebit^  ut  intimo 
obligationis  suae  erga  Deum  sensu  afficiatur.  Suavior 
aliqua  peccandi  occasio  oblata^  violentior  animi  aestus^ 
torpor  ille^  quo  in  peragendis  maxime  officiis  opprimi- 
mur,  ratiociniis  optime  perceptis  nos  dejicit,  sed  exempli 
memoria  j  quod  a  Deo  vel  probatum  vel  reprehensum 
novimuS;  multo  facilius  animo  se  suggerit^  et  si  frequenti 
contemplatione  antea  tritum  fuerit^  tanta  vi  percellit;  ut, 
si  quid  hominem  a  peccato  avocare  valeat,  certe  hoc 
valeat.  Atqiii  dicent^  multis  exercitationibus  animos  ho- 
minum  ita  acui  debere^  ut  solis  ratiociniis  nee  exemplo- 
rum  auctoritate  regantur.  Q.uis  vero  majorem  hominum 
multitudinem  eo  perduci  posso  existimet,  praesertim  cum 
negotiis  hujus  vitae  obruti  iis  modo  rationem  exerceant, 
quae  ad  illa  recte  peragenda  pertinent:  et  dum  eo  per- 
fectionis  pervenerint^  sustentanda  certe  eorum  imbecillitas 
ne  contracto  peccandi  habitu  luctae  multo  difficilioris  pe- 
riculo  subjiciantur. 

Apparet  ex  bis  omnibus  religionem  naturalem^  qua 
ratiociniis  cognoscitur^  paucissimis  tantum  hominibus  et 
acutissimis  et  animo  alieno  haud  afFectis  ita  persuaderi 
possO;,  ut  ad  certam  vitae  rectius  instituendae  sententiam 
compellantur :    nee    vero    coetui    hominum    tarn    diversae 


26 

indolls,  nee  ratiociniis  exercitatorum,  necIiLerum  a  prae- 
judicatis  opinionibus  animum  afferentium. 

Videamus  quantum  praestet  hulc  religioni  natural! 
sola  Instoriae,  quae  in  S.S.  continetur,  enarratio:  quanto 
certiorem  et  foecundiorem ,  quanto  accommodatiorem  ad 
omnium  hominum  indolem  religionis  cognitlonem  illa 
pariat.  Nee  divinam  auctoritatem,  nee  theopneustiam  ho. 
iTim  liLrorum  mihi  posco,  sed  id  modo  illis  trihui  yelim, 
quod  cuique  alii  lihro  trihuitur,  ut  ex  consuetis  fidei 
historicae  legibus  judicentur,  et  quae  tanquam  res  gestas 
narrant^  nisi  interna  rei  contradictio  solide  demonstrari 
possit^  ut  idoneis  testibus  credantur.  Nee  singulis  factis 
dnsistam:  dimittam^  si  quis  hoc  illudre  minus  percipere 
posse  videatur,  modo  remotiori  librorum  aetati^  et  mori- 
bus  eonim  hominum,  quos  describunt,  a  nostris  adeo 
discedentibus_  id  concedatur,  quod  cuique  et  antiquo  et 
diversae  patriae  scriptori  concedendum  erit.  Sejungantur 
illa  tanquam  minus  perspicua  et  ad  id  attendatur,  quod 
per  omnem  librorum  seriem  tanquam  Caput  rei  elucescit. 
Nee  ullam  per  me  Dei  notitiam  babeat;  quin  ipsam  Illius 
existentiam  neget,  qui  ad  eas  legendas  accedit.  Unum 
hoc  mihi  posco ,  ne  impossibilem  esse  Dei  existentiam, 
demonstrandum  suscipiatj  si  quis  eo  usque  fuerit  pro- 
gressus,  solis  omnino  ratiociniis  poterit  convinci:  quid 
quid  enim  aliorum  argumentorum  afleras,  id  semper  in- 
geminabit,  nihil,  quod  internam  contradiclionem  involvat, 
quanquam  speciosissimis  rationibus  confirmatum,  accipi 
posse.  At  nee  ipse  Cl.  Basedovius  eam  hominum  nostrao 
aetatis  impietatem  supponit,  cmn  in  demonstratione  exi- 
stentiae  Dei  C^Jcrttldcf^tlliß  i.  Z^*  p.  42.)  vcritatem  notio- 


ii 


27 

nis  Dei  tancjuam  indubilatam  accipiat;  nee  ullls  argumen- 
tis  vindicet 

§.     5. 

Accedat  igitur  talis  homo  ad  legendas  S.  S.  histo- 
rias^  et  Mosis  primo  scripta  eyolvat.  Quae  de  moribus 
primae  hominum  aetatis  consignata  legit^  tarn  accurate 
consentiunt  omnibus  iis,  quao  sola  per  se  ratio  suspica- 
tur,  et  alionim^  qiii  hominem  adhuc  rudern  descripserunt, 
testium  fide  ita  confirmantur;  ut  externis^  <juae  Kbrorum 
auctoritatem  assenint,  argumentis  gravissimum  hoc  inter- 
num  accedatj  cum  ne  solertissimus  quidem  impostor  in 
describendis  tarn  remotae  aetatiä  hominibus  nunqtiam  sui 
oblihis  esse  potuerit.  *)  Videbit  autem^  si  vel  qualem- 
cunque  ettentionem  attulerit^  eum,  ad  quem  in  hoc  librp 
omnia  referantur,  qui  fere  solus  agat^  cujus  historicum 
Moses  re  ipsa  se  profiteatur,  Deum  esse,  nee  aliquas 
modo  illius  actiones  describi,  sed  totum  ahquod  actionum 
systema  optima  sibl  congruens,  et^  omnibus  perfeetissime 
coordinatis,  per  plurium  seculorum  seriem  se  porri- 
gens.  Q.uodsi  igitur  aliqua  his  lihris  veritas  inest,  nisi 
omnia,  quae  singula  fidem  cujusque  alius  scriptoris  satis 
asserunt,  conjuncta  hie  fallent,  gra\dssime  confirmata  est 
Dei  existentia.  Confirmata  est  ea  ratione,  qua  cujusque 
hominis  existentiamMemonstramus.  Alexandrum,  Caesa- 
rem  extitisse  credimus,  quia   res   gestas  eorum  memoriae 


*)  Authentiam  liLror.  Mosis,  sine  operoso  cruditionis  appa- 
ratu,  acutissime  his  argumentis  ita  evicit  ill.  auctor  libelli 
(«riefe  über  bic  ^JJofaifc^ett  @ci)nften  unb  VöilofoPtiie. 
aSraunfc^ttJeig  i7?2.)  ut  nihil  planius,  nihil  cerlius  in  re 
historica  demonstrari  possit. 


28 

p  oditas  habemus.  Dei  res  gestas  Cef.  Werenfelsii  Sylloge 
Dissertat.  Theolog-.  p.  217.  etc.)  nee  per  brere  tanhim 
lempus^  sed  per  longisslmam  annorum  seriem  gestas  a 
scriptore^  si  quis  unquam,  fide  dignissimo  accurate  hie 
axpositas  intuemur.  Q.uls  igitur  easdem  illas  fidei  histo- 
ricae  leges^  quibus  in  quacunque  alia  hlstorica  demon- 
slratione  utimur^  sine  ullo  praetextu  migrare  ausil? 

Panim  vero  est  nosse,  qnod  Deus  sit:  omne  in  eo 
potius  momentum  ponitur^  ut  scias,  qualis  ille  sit,  quali 
animo  erga  genus  humanuni  afFectus,  quid  ab  eo  nobis 
sperandum,  quid  timendum  sit. 

Optime  animi  cujusque  indoles  actionibus  suis  expri- 
mitur.  Si  quis  verissimam,  quantum  licet,  hominis  ali- 
cujus  imaginem  tibi  sistat,  si  probitatem,  si  justitiam  et 
quasque  alias  illius  virtutes  multis  verbis  commendet, 
multo  minus  commoveberis,  quam  si  plures  hominis 
illius  actiones  tibi  exponat,  tibique  ipsi  sentiendum  exlii- 
beat,  quam  praeclara  ex  illis  indoles  clucescat.  Atqui 
Deum  agentem  ostendamus  iis,  qui  nee  summas  illius 
perfectiones  agnoscunl,  nee  intimo  earum  sensu  afficiun- 
turj  curamque  paternam  demonstremus ,  qua  genus  hu- 
manuni sensim  sensimque  educavit,  ad  imbecillltatem  cu- 
jusque aetatis  se  demisit,  largioris  subinde  cognitionis 
mensura  homines  instruxit,  et  per  plurima  secula  variis 
praeparationibus,  systematico  nexu  se  invicem  sequentibus, 
gravissimae  illi  manifestationi  praeluserit,  quae,  quidquid 
audacissima  ratio  sperare  ausit,  longissime  superat  Cujus 
alienior  adhuc  animus  a  rel.  Chr.,  legat  primum  historias  | 
sacras  ut  historiam  cordis  humani,  varioruraque  Dei  con-  * 
siliorimi,  quibus  perversitatem  illius,  ex  vario  seculi  genio 
varie  se  exserentem,    corrigere    et  ingenuo   pietatis  sensu 


I 


29 

liomines  imbuere  voluit.  Q.uanta  indulgentia  primis  iiii- 
inani  generis  aetatlbus^  cum  maxime  adliuc  rebus  aspecta- 
biliLus  homines  tenerentur^  ad  hanc  eorum  imbecillitaleiu 
Deus  se  accommodaverit :  saepissime  illis  apparuit^  ea  tan- 
tum  praecepit^  quae  viribus  et  cognitioni  eorum  consen- 
lanea  noverat,  bona  bujus  vitae^  «juibus  praecipue  delec- 
labantur^  ut  incitamenta  pietatis  proposuit,  poenasque  sae- 
pius  exegit  indoli  eorum  Gonrenientissimas.  Ad  altiora 
sensim  perduxit^  continua  exemplorum  serie  in  ipso  quam- 
^K  invisibili,  et  ad  auxilium,  ut  videbatur;,  saepius  tardiori 
fiduciam  collocare^  et  postbabitis  bujus  terrae  opibus  ad 
ea^  quae  post  banc  vitam  largienda  promisit  bona,  eniti 
eos  docuit. '  Singulis  justitiae  bonitatisque  divinae  docu- 
mentis  primum  immorari  nolim,  sed  ad  totum  bistoriae 
corpus,  ad  totam  consiliormn  divinorum  seriem,  uti  per 
plura  secula  excurrit,  attendi  velim-  Q.uis  non  intimo 
amore  Dei  gravissimique  malorum  judicis  timore  afiicia- 
tur,  cum  a  primis  mundi  initiis  per  aliquot  millennia 
Deum  sibi  semper  consentientem  yideat :  idem  ille  teiier- 
rimus  pater,  qui  salutem  hominum  excitandis  illis  ad  pie- 
tatem  nunquam  non  promovere  cupit,  idem  ille  largissi- 
mus  bonorum  remunerator  et  malorum  vindex  acerrimus. 
Demonstra  cuicunque  bomini  argumentis  exquisitissimis, 
quanto  odio  Deus  sanctissimus  peccatum  non  possit  non 
babere,  quam  miseri  sint  ii,  quibus  Dei  ira  incumbat: 
tanta  vi  certe  animum  non  commovebis,  quam  cum  in- 
fausta  impiorum  fata,  ab  ipso  Deo  illis  immissa,  per  totam 
Dei  historiam  uno  optutu  ante  oculos  ponas.  Variis  co- 
loribus  impietas  ab  hominibus  ornaturj  nee  parimi  saepe 
in  eo  laboris,  dum  tandem  scapbam  scapbam  esse  apertissime 
doceri  possit.     In  kistoria  autem  Dei,  cum  multiformem 


50 

liominum  perversitatem  gravissimamque  Dei  ultionem  ex- 
ponat,  quae  sceleribus  quamvis  artificiose  excusatls  non 
perpercitj  plana  sunt  haec  omnia  et  perspicua.  Natura 
homines  pravis  inclinationibus  corniptos,  nee  ignorantia 
tantum  rerum  dlvinarum  laborare,  sed  ipso  animo  a  Deo 
alienos  esse,  quomodo  luculentius  probetur,  quam  toto 
historiae  Israeliticae  tenore?  Gtuid  fiduciam  in  Deo  for- 
tius  alat,  quam  recordatio  multiplicium  illorum  casuum, 
quibus  per  omne  illud  tempus,  de  quo  historia  Dei  scripta 
exstat,  in  summa  säepius  rerum  desperatione  nunquam 
tandem  suis  auxilio  defuit.  Q.uidquid  ratio  valet  in  doc- 
trina  de  providentla,  id  omne  tandem  huc  redit,  ut  illius 
existentiam  demonstret,  veram  notionem  vindicet,  et,  quan- 
lum  licet,  a  dubiis  tueatur.  Verum  qui  historiam  divinae 
proyidentiae  (ea  autem  est  sacra  historia)  ante  oculos 
propositam  habet,  non  modo  animum  a  dubiis  illis  libe- 
riorem  servabit,  sed  et  diversos  agendi  modos  rationesque 
pernoscet,  quibus  illa  gravissimas  saepius  res  ad  felicissi- 
mum  eventum  perduxit.  Q.uantum  autem  id  conferat  ad 
Tßcte  percipiendam  proyidentiae  doctrinam,  quantum  animi 
tranquillitas  eo  promoveatur,  facile  quisque  intelligit. 
Ita  efficacissime  demonstratls  Dei  attributis  facile  etiam 
hominibus  vitae  futurae  veritas  persuadebitur.  Redeunt 
enim  in  demonstrationibus,  quibus  ratio  hanc  veritatem 
confirmat,  omnia  tandem  ad  argumenta  moralia,  quae  cum 
historia  Dei  longa  clarissima  exhibeat,  et  perfectissimmn 
systema  documentorum  »amoris  divini  erga  homines  pro- 
ponat,  quidni  ipsam  futurae  doctrinam  corroborare  dica-. 
tur?  Q.uin  ea  est  pluribus  in  casibus  diyinaagendi  ratio, 
ut  in  illa  certissimnm  sit  vitae  futurae  £ß*gumentum.  Q^uis 
enim   existimet,   Deum,    fidelissimum    suorum   vindicem. 


31 

defiilsse  Abeli  fi*atris  impietale  oppresso  et  Henocho  sanc- 
tissimo  siiao  aetalis  viro  inimicum  se  demonstrasse.  v.  Jll. 
Michaelis  Syntagma  commentationum.  Goettingae^  ^1^9* 
pag.  97.  Q.uanto  igitur  accommodatiora  haec  sunt  om- 
nium  hominum  captui,  quanto  altius  in  omnium  animos 
descendunt^  omnique  excusatlonum  effugio  homines  pro- 
hibent:  tanto  felicioris  erentus  exspectatione,  si  vel  veris- 
sime  seculi  nostri  imaginem  Gel.  Basedoviüs  expresserit, 
nunquam  ab  historia  Sacra  discedemus.  Neque  yero  solam 
relig.  nat.,  sed  et  ipsa  gravissima  rel.  ehr.  dogmata  cer- 
tissime  demonstrat^  et  ad  animos  hominum  efficacissime 
admovet  sola  historiae  N.  T.  contemplatio.  Per  me  pri- 
mum  plura  apostolis  non  triLuas^  quam  cuique  alii  scrip- 
tori  historico:  concedam  quoque  suspicionem^  quam  vis  in 
illis  iniquissimam^  discipulis^  magistri  historiam  narranti- 
bus^  haud  satis  recte  credi  posse:  adeo  omnia  conspirant 
in  confirmandis  primariis  eventibus,  quibus  reritas  reL 
ehr.  innititur^  ut  nisi  omnes  historicae  demonstrationis 
leges  adversarii  evertere  audeant^  nihil  dtüjitationis  moyeri 
possit.  Accipiamus  primum  ea  tantum^  quae  vel  acerrimi  rel. 
ehr.  adversarii^  *)  quibus  nee  occasio  nee  animns  nee  vires 
recte  judicandi  defuerunt^  tanquam  indubitata  largiuntur: 
Extitisse  quippe  quendam  hominem  Jesum^  Messiae  honores 
sibi  yindieantem:  illustribus  illum  miraculis  inclaruisse: 
propagata  post  ejus  mortem  doctrina^  maximae  hominum 
multitudini  Apostolos  persuasisse,  resuscitatum  a  Deo  vi- 
vere  hunc  Jesum^  eosdemque^  vel  morte  suscepta^  redivivi 
iöius  diVTOTtTocg  se  tulisse.     Adjungamus  his  ea^  in  quibus 


•)   Talmud,    Celsus,    Julianus.     t).  Sepe«^   SBa^r^«   hct  ^^rijll. 

(Hdtgton^  2,  QJudg,  p.  238,  2C. 


clarissime  adparet^  Apostolos^   si  vel   minus  integra  fuerit 
eorum  fides,  plane  non   potulsse    fallere.  *)     Ex  plurimis 
illis^  (juae  huc  facile  afferre  possim^  unum  modo  indicabo, 
quod  vel    solum  invicto  pollet  robore.     Jesum,   vi  divina 
ex  mortiiis  resuscitatum  ^    summo  in  omnia  regimine  frui, 
non  ipsi  modo   coram    acerrimis  Domini  sui  hostibus  fre- 
quentissimis    miraculis    demonstrant^    sedy    sola   manuum 
impositione^  (juam  plurimis  aliis  miraculosas  quoque  vires 
conferunt.     Q.uodsi  igitur,  quamvis  invita  veritate^  conce- 
dere  ausim^    tantam   horniniun   multitudinem^    quanta  fuit 
primorum    Chris tianonmi^    praestigiis^     ne    accuratissimo 
quidem  hostium  examine  detegendis^  falli  potuisse :  id  certe 
plane  contradictorium  est^  Apostolos  sola  vi  sua  effecisse^  ut 
ii;  quibus  manum  imposuerunt^  persuasissimum  haberent;  lo- 
qui  se  linguis  incognitis;,  posse  aegrotis  Sanitätern  reddere 
etc.    Consensisse  vero    hos  omneS;,    quibus  miraculosa  Sp. 
S.  dona  sunt  collata,   in    stabiliendis  App.  fraudibus,  sus- 
cepisse  potius  quasque  calamitates^    quam  ut  fraudfes  ipsis 
probe  cognitasj,    nee   quid  commodi   allaturas    detexissent, 
ne  levissima  quidem   veritatis    specie   dici  potest.     Gluanta 
tandem  fiducia  Galatas^  perversis  doctoribus  abripi  se  pas^ 
SOS;   propositp  hoc  argumento   reprehendit  Paulus ,   cGal. 
ÜI.  2.. 3.)   quanto   animo  Corinthiis;,    qui   auctpritatem  ip- 
sius   apostolicam  defugere  videbantur^  abusum  herum  do- 
norum    exprobrat.  (i.Ep.  XII.  XIII.)     Si   quid  certi  in  re 
hi5t9rijca  afFerri  potest ^    vel  nondum   assumta  divina  App^ 
auctoritate;,  certissima  est  J.  G.  historia^  ab  illis  memoriaöf 
prodita :,- et,  si  ei  integritas  sua    constat^  nullo  modo  com- 
moveri  possunt  religionis  christ.  fundamenta.    Nihil  adhuc 


*)  RousTAN  lellres  pag,  6i.  etc. 


33 

supposui,  quam  ne  quis  omnefri  fidem  historicam  tollat, 
et  ne  res  ^estas  eo  modo,  quo  quaecunque  aliae,  confir- 
matas  temere  in  dubium  vocet.^  Enim  vero  tarn  invictis 
argumentis  iiitltur  divina  librorüm  S.  S.  auctoritas^  ut 
eodem  certe  robore^  quo  quaeque  naturalis  rel.  veritas, 
demonstrari  possit.  Inhaerebo  hio  solis  N.  T.  libris,  nee 
prinium  soUicitüs  de  iiiodo>  ijuö  in  conscribendis  illis 
Deus  auctoribus  eorum  adfuerit,  id  tenebo,  doctrinam, 
quam  ii,  quos  Deus  ipse  testimonio  suo  fide  dignissimos 
perhibuit>  Cef.  Magnif.  Dn.  Canc.  Diss.  do  recta  ratione 
modoque  diyinam  S.  S.  originem  et  auctoritatem  probandi 
§.  12.)  memoriae  prodlderunt>  nostra  fide  dignissimam 
esse,  duodsi  igitur  doctrina  apostolorum  religioni  natu- 
ralis solis  ratiociniis  cognoscendae  ^  postponenda  erit,  non 
in  eo  ratio  esse  potest^,  quod  minus  certe  de  illiuS  veritate 
constare  possit^  sed  quod  animos  höminum  rudes  adhuc 
rerumque  divinarum  ignaroS  minus  graviter  commöveat. 
At  yideamus^  quantum  in  exeitandis  hominum  animis 
primam  ipsa  rel.  nat. _,  ex  Apostolorum  scriptis  hausta, 
ei  praestetj  quae  solis  ratiociniis  cognoscitur,  tum  vero^ 
quantae  Dei  perfectiones  ex  opere  redemtionis  a  J.  C. 
susceptae,  quae  primarium  rel.  ehr.  capufc  constituit^ 
elucescant. 

§.  6. 
Dabo  primum  certissime  sola  ratione  cognosci 
posse^  quae^  ex  quo  per  ehr.  rel.  rationi  lux  affulsit^  phi- 
losophi  syStematis  fuis  inseruerunt:  tum  certe  Omnibus 
illis^  accedente  Dei  auctoritate  legislatoria,  maximum  pon- 
dus  additur.  Sola  haec  repetita  promulgatio^  ratio  solen- 
nisj  qua  homines  praeceptis  illis  Deus  impertiyit^  tot  in- 
stituta  divina  s  quibus  omni  modo  ad  animos  illa  ädtnavii^ 
©plttler^  frtttimtl.  mtU  yiH.  m.  3 


34 

iisque  ad  omniuin  aetahim  inemoriani  propag-andls  pro- 
spexit,  zelum  Dei  in  exigendis  illls  urgenliorem  eamcjuß 
praeceptorum  gravitatem  declarant,  quae  omnem  aniini 
levitatem  plane  inexcusabilem  reddit.  Q.uantum  ille  com- 
movebifur,  qui  non  modo  internas  officiorum  rationes 
cognoscit^  sed  et  Deum  ipsum  id  unlce  agentem  videt^ 
ne  illa  levius]  präetörmissa  negliganturj  ea  tanquam  glo- 
riam  nomini  suo  debitam  deposcentem^  quae  vel  hac  sola 
rationCj  quod  naturae  slnt  consentanea^  ipsi  peragenda 
essent  Multa^  quae  in  rel.  nat.^  ratiocinüs  cognita,  con- 
silii  vim  tantummodo  habere  videntur,  arctissima  nos  ob- 
ligatlone  compellunt,  cum  Deus  legislatoria  auctoritate 
illa  sanxit.  Q.uibus  quaeso  machinis  hominem  adiges  ad 
castitatis  Studium,  qui  mala  quaeyis  ex  impuro  vitae  ge- 
nere  nata  haud  diffitetur,  sed  ea,  quam  percepturus  sit, 
voluptate  superari  contendat  Rationi  enim  maxime  con- 
sentaneum  jactitabit,  proposito  aliquo  extantiori  bono  ma- 
love  minoii  posterius  hoc  haud  timere.  Verum  propo- 
sito expresso  Dei  mandato  omnes  eorum  argutiae  cadunt, 
quos  vel  maximis  doloribus  voluptatem  aliquam  emisse 
haud  poeniteat,  non  enim  illorum  erit  arbitrii,  quamnam 
partem  velint  eligere:  obediendvim  Deo  actionima  nostra- 
nun  Domino  ac  judici. 

«.  7- 
Q.UO  uberior  est  rei  alicujus  expositio,  quo  accura- 
tius  etiam  specialiores  illius  determinationes  afferuntur, 
eo  majori  efficacia  animis  se  insinuat.  At,  si  vel  ratio 
summam  alicujus  dogmatis  demonstrare  sciat,  tum  nun- 
quam  adjuncta  illius,  circumstanlias  eas,  quibus  momen- 
lum  rei  maxime  declaratur,  hominisque  attentio  aeuilur, 
ea  foecunditale  enarrabit,    quam  si  fontem   totius  demon- 


55 

strationis  ipsam  S.  S.  habuerit,  cum  non  modo  nullum 
sit  fei.  nat.  dogma,  qnod  non  ex  histönia  Dei  plurimum 
lucis  accipiat,  nexucjue  suo  cimi  rel.  Christ,  docti'inis  op- 
time  illustretur:  sed  et,  quas  forte  specialiores  dogmatis 
alicujus  rationes  conjectura  assequi  horimus,  contra  ad- 
versarioS  maxime  morosiores  demonstrare  nesciamuS. 
Q.uod  cum  plurimum  obsit  efficaciae  rel.  nat. ;,  si  vel 
unum  modo  hominem  instituendum  habeas,  fere  omnem 
illam  exstringuit,  si  tötum  aliquem  coetum  animo  alieno 
afi'ectum;,  libidinum  excusationes  quaesiturum^  vera  animi 
pietate   imbuenduui  susceperis. 

§.  8. 
Neque  vero  secundo  tarn  lauta  est  rel.  nat  con- 
ditio;,  ut  ea  omnia,  cpiae  Philosophia  religione  christiana 
adjuta  cognovit,  invicta  certitudine  contra  adversarium 
acriorem  pössint  probari.  Multa  enim  observationibus 
qüotidiano  vitae  cursu  petitis  nituntur,  adeocjue  largam 
concertatiönum  materiam  praebent,  quibus  homines  Hu- 
mio  Voltarioye  alicui  innutriti  ab  omni  effugio  intercludi 
nequeunt.  Ita  saepius  nunc  argumenta  dogmatum  nunc 
ipsa  dogmata  evertuntur.  Aliqua  utriusque  exempla  af- 
ferre  iuvabit.  Vitae  futurae  necessitatem  inter  alia  eo 
quoque  asserimus,  quod  in  hac  terra  actionibus  hominum 
haud  consentiant  illorum  fata,  cimi  oppresso  pio  saepis- 
sime  triumphet  legum  divinarum  humanarumque  con- 
temtor.  Q.uid  vero  si  illi  excipient,  neo  de  pietate  nee 
de  majori  minorive  hominis  alicujus  impietate  recte  statui 
posse :  multa  quae  nobis  molestissima  videantur^  aliis  haud 
aeque  gravia  incumbere,  impium  tortore  suo,  quem  intus 
gerit,  saepissime  adeo  exeruciari,  ut  in  ipsa  vita  poeua 
ei  data    esse   yideatur:    externa   igitur   specie   haec  orimia 


a 


58  .       ^ 

judicari,  inicjuas  tandem  et  injurias  in  summiim  omniuni 
bonorum  largitorem  esse  comparationes  illas,  quibus  ali- 
um  alio  deterius  babitUm  ostendimus,  suam  cujusquß  fe- 
licitatem  recto  animi  habitu  nee  qualiumcunque  bonorum 
abundantia  contineri.  Hoc  illove  argumento  erepto  ipsum 
<juidem  dogma  non  evertitur^  sed  in  re  tarn  gravi^  quam 
est  vitae  futurae  -veritas,  quae  plurlbus  diversae  indolis 
hominibus  persuadenda  est,  ipsa  argumentorum  multiiud 
haud  parum  momenti  affert.  Cluam  invictum  autem  ro 
bur  buic  argnmento  conciliatur^  si  exempla  App.  J.  C^ 
afFeras^  quos  et  Deo  carissimos  et  in  bac  terra  miserrime 
vexatos  fuisse^  extra  controyersiam  positum  est.  Hosne 
eum  Dei  favorem  in  hac  terra  expertos  quisquam  asserat,!- 
quem  et  pietas  eorum  et  augustae  Dei  promissiones  spe- 
rare  sinunt? 

Solis  ratiociniis  nunquam  evinci  posSe  arbitror^  eas 
quoque  preces  Deo  probari,  quibus  vel  bona  nobis  expe- 
timus  vel  mala  deprecamur.  Nonne  enim  is  demum  toto 
animo  in  benignitate  Dei  omniscii  acquiescere  yidetur^  qui 
silentio  se  invölvens  totam  vitae  seriem  ita  ei  ordinan- 
dam  relinquit^  ut  ne  precibus  quidem  animi  vota  eflfundat. 
Diffidentiae  aliquid  subesse  videretur,  si  filius^  qui  omnes 
res  suas  patri  optime  cognitas  esse  novit,  urgentibus  ip- 
sum rebus  adversis  auxilium  expeteret.  Est  certe  solius 
indulgentiae  paternae,  si  imbecillitati  filii  generöse  id  de-r 
dit,  ut  animi  desideria,  ipsi  licet  optime  cognita,  quocun-, 
quo  tempore  enarret:  decessit  enim  summo  jure  suo>  quo 
ipsum  silentium  tanquam  documenhim  consiunmatissuni 
obsequii  poscere  potuisset.  Ille  autem,  qui  solis  ratioci- 
niis suis  sapere  audet,  unde  certissime  cognoscat,  ad  im- 
becillitatem  nostram  Deiun  adeo    se   demisisse?   unde  tan- 


37 

dem  discal  maximum  illud^  Deuin  non  id  permisisse  tan- 
tu/n^  sed  in  eo,  quod  per  se  est  maximum  beneficiimi, 
partem  alicpam  cultus  sui  posuisse?  Q.uam  inefficax  igi- 
tur  ea  religio,  qaae  non^  prima  slatim  iTistitutione  certis- 
sime  id  homini  perfuadere  potest,  ii>  quo  est  suavissimum 
pietalis  exercitium  et  dulcissima^  quam  ardentissime  expe- 
tit^  aenimnarum  medicina.  Eodem  modo^  qtiod  ad  sta- 
tiim  nostrum  post  mortem  attinet^  incertos  nos  relinquit 
religio  naturalis^  solis  ratiociniis  cognita^  oppressaeque 
virtuti  vix  qualecunque  afFert  adjumentum.  Largiar^  im- 
mortalitatem  animoi*um  firmissimis  argrmientis  posse  de- 
monstrari^  iisque  qui  adeo  obbrutuerunt;,  ut  nonnisi  cor- 
poris poenam  timere  videantur^  id  quoque  ostendi^  has 
ipsas  poenas  a  potentissimo  omnium  malorum  vindice 
post  hanc  vitam  exercitum  iri:  quis  verO  sola  ratione^ 
nullis  S.  S.  praesidiis  adjutus  demonstrandum  suscipiat^ 
vitae  hujus  terminis  statum  nostrum  praeparatorium  ab- 
soK-i  ?  Q.uid  acrius  ab  impiet^te  hominem  avocabit^  quam 
si  paucos  tantum  bos  dies  ciurandae  animi  saluli  datos 
esse  audiat?  Q.uin  illius  etiam,  qui  pietati  totum  se  as- 
serit^  plurimimi  interesse  arbitror^  ut  nibil  dubitet^  quin 
idem  et  periculorum  qui  vitae  hujus  finis  sit  futurus. 
Q.UO  ille  animo  erit  affectus,  qui  ad  molestias  longe  ma- 
jores hie  tantum  se  praeparari  suspicetur?  Fiduciam  qui- 
dem  in  Deo  Fidelissimo  collocabit,  qui  serius  eitius  tandem 
ad  metam  ipsum  sit  perducturus.  At  quantum  ad  animi 
tranquillitatem  refert^  vel  remotiorem  illam  adhuc  putare 
vel  cogitationibus  quasi  jam  praesens  brabeum  arripere? 
Ne  in  republica  quidem  eodem  loco  haberi  posse 
eos,  quorun»  religio  solis  ratiociniis  nilatur;,  quo  reliqui 
cives,    qui  S.  S.  veritatem  agnoscunt,    sdte  ex  eo  asseiit 


58 

m.  Michaelis,  CiO^ofaifc&eö  SRec^t  5.  X^l  pag.  210)  qnod 
sola  ratio  tantam  juramenti  sanctitatem  demonstrare  ne- 
queat,    quam    quae    S.    S.    declarahir. 

§•    9- 

8i  cu;  vero  haec  omnia  miniis  gravia  esse  videantur, 
perte  in  eo  summum  momentum  positum  est,  quod  ho- 
nestos  quidem  viros  virtutisque  forte  etiam  amantes  rel. 
nat.,  ratiociniis  cognospenda,  fingamus,  nequaquam  autem 
pios.  Pietas  enim  et  religio  est  Dei  caussa  aliquid  facere 
frequentissima  autem  officiorum  demonstratio  in  nat.  rel. 
ab  eo  pendebit,  quod  sint  naturae  consentanea.  Q.uodnam 
vero  pietatis  exercitium  in  eo  erit,  si  hanc  illamve  actio- 
nem  susceperis,  quod  commodis  tuis  apprime  illam  inser- 
vituram  cognoveris?  Gluoties  tandem  difficilius  ab  ea  yir- 
tutis  umbra,  quae  sine  Deo  fingitur,  quam  ab  ipsis  cras-  • 
sioi-ibus  vitiis  ad  yeram  pietatem  homines  compelluntur  ? 
Eo  grayius  id  timendum  erit,  cum  ratio  sola  eam  peccati 
atrocitatem^  quam  duce  S.  S.  agnoscit,  et  maxime  reatum 
illius  erga  Deum  legislatorem  nunquam  tam  vivide  de- 
monstrare possit;»  ne  justo  levius  homines  de  peccatis  sen- 
tire  auderent 

€lua  igitur  spe  dimitti  poterit.  S.  S.  auctoritas,  cum,  f 
si  vel  solam  religionem  naturalem,   prout  in  ea  contine- 
tur,  proposueris,    longe  foecundior  illa  longeque  plenior 
et  ad  pietatem  homines  ^acrius  incitet,  et  verae  animorum  * 
Iranquillitati,   si  qua  unquam    sine  notitia  Chi'isli    locum 
habere  possit,  multo  certiua  consulat. 

§.   10. 
Multo    autem   omnium  efficacissime   nos    commoveat 
necesse  est  contemplatio  operis  redemlionia  a  J.  C.  suscepti, 

I 


39 

in  quo  uno,  cum  centrum  totius  Christ,  jrel.  constituat, 
summae  Dei  perfectiones  ^  tenerrimus  amor  erga  homines, 
summa  sanctitatis  demonstratio,  ita  elucescunt,  ut  nemo^ 
qui  serio  illud  cogitarerit^  Deum,  omni  calamitati  nostrae 
benignissime  opitulantem,  arclentissimo  amore  complecti 
nequeat.  Triplex  fuit  illa  calamitas^  quam  peccatum  nobis 
attulit:  violata  legum  dirinarum  auctoritasJ  ignorantia 
rerum  divinarum:  vires  animi  adeo  corruptae;,  ut^,  si  vel 
bomun  probent,  deterius  sequantur.  Videamus  paucis 
sigillatim^  quantum  sit  amoris  divini  in  ipSO  modo^  quo 
singula  per  J.  C.  sunt  sublata.  Refutandae  illi  personao 
J.  C.  descriptloni^  quam  Gel.  Basedovius  C^ermacfctnij^ 
2.  %\),  pag.  289.)  instituit^,  eo  facilius  hie  supersedere  Hce- 
bit,  cum  dudum  sit  demonstratum^  salvis  legibus  herme- 
neuticis  salvaque  S.  S.  auctoritate  illam  non  posse  defendi. 
Non  est  hujus  loci  communem  hujus  articuli  doctrinam 
assererC;,  sed  docere,  quantum  ea  illustrandis  perfectionibua 
divinis  tollendaeque  hominum  miseriae  inservierit. 

Reatum,  quem  totum  genus  humanum  peccando  con- 
traxerat;,  quantum  ea,  SuB.qua  jacemus,  nocte  judicare  in- 
tegrum est,  vel  sola  remissionis  declaratione  Deus  abolere 
potuisset,  vel  ut  legum  suarum  auctoritas  sanctissimumque 
onmis  mali  odium  demonstretur,  constituta  piaculari  aliqua 
victima  expiare.  Hanc  enim  sojam  liberandorum  hominum 
rationem  fuisse,  ut  poena  ab  ipsis  luenda  in  altero  aliquo 
exerceatur,  solis  ratiociniis  vix  pleno  poterit  ostendi ,  cum 
bonitatem  Dei  plerumque  ex  suo  ingenio  sibi  ratio  fingat. 

Justitiam  Dei  priori  illa  ratione  gravissime  assertam 
fuisse,  ne  ipsi  quidem  adversarii  negant;  inepte  enim  ob- 
jicitur,  injustum  fuisse,  pro  peccatoribus  sanctissimum  poe- 
nas  daturum,  cum  et  omnium   temporum   populorumque 


40 

consuetudini  id  consentiat,  et  poena  hie  solummodo  con- 
sideretiir  ut  legum  majestatis   vindicatio.     Veinim   bonita- 
tem  sine  piaculo  aliquo  constitutp  luculentius  demonstran- 
dam  fuisse  contendunt.      Quanquam   enim   benlgnissimum 
Dei  amorem  in    eo  agnoscant;,    quod  salro  peccatore  pec- 
jcati  poenas  exegerit :  illustriorem  tarnen  illum  arbitranhir, 
ne  in  piaculo  quidem  rigorem  legum  exercere.     Summ  am 
ilKus^  cui  imposita  est  3  dignitatem  non  urgebo;  ne  locus 
sit  exceptioni;,   constituto  Dei  decreto  exercendae  in  victima 
aliqua  justitiae  suae,  hanc  solam  fuisse  eam^  quae  totius 
humani  generis  viccs  sustinere  potuerit,     Ponamus  igitur 
sine  piaculo  aliquo  omnibus  iis^  qui  peccatorum  poeniten- 
tia  tangerentur^  yitaeque  sanctitati   serio  studerent^  remis- 
sionem  gratuitam  per  prophetas  miraculis  a  Deo  probatos 
annimciari :    tum  fides   Deo    omnino  habenda  esset;,    et  in 
sola  illa  declaratione  acquiescendum.     Verum  perpendant 
quaeso^  quantae  id  fidei  esset,  homine  imprimis  peccato- 
rum  suorum   sensu  compuncto,    persuasissimum  habere, 
Deiun  justissimum,  sanctissimum   omnis  mali  osorem,  te- 
mere  conculcatis   Omnibus   legibus  suis,   proterve  rejectis 
per  longum  tempus   omnibus  pietatis   adjumentis,  vexatis 
per  immania  scelera  amicis  illius,    dum  animum  tandem 
videat  horum  omnium  poenitentem  sanctitatisque  cupidum, 
nihil   plane   poenarmn   esse    exacturum.      Q.uis    vitae  tarn 
impie  peractae  sibi  conscius  non  recordetur,  Deum  sibi  in- 
dulgentissimum   eorum    quoque   patrem    esse,   quos   ipse 
omni  malo  suaque  ex  parte  irreparabili  affecit,  leges,   qui- 
bus  Salus  universi  nititur,    constitutis  poenarum  exemplis 
tuendas?  Q.uid  putemus,   benignius   consuluisse  huio  ho- 
mini  Deum,    cum  sola  promissione   sua  eum  acquiescere 
jussisset,  an  vero  cum  reali  documento  ostendit,   his  om- 


41 

nibus  modo  perfectissimo  esse  sjitigfactum.  Cum  certissi- 
mis  S,  S,  argnmentls  nobis  constet,  hominem  Jesum  cum 
Xoycü  ita  conjunctum^  ut  unus  essetj,  fulsse  illum^  qul  poe- 
nas  nostras  suscepit:  non  divinae  tantum  promissioni  ob- 
secuti  credimuS;,  sed  ipsi  rationi  persuadetur^  statutum  esse 
hoc  modo  tale  poenarum  exemplum^  quod  majestatem  Dei 
aeque  asserat,  ac  si  totum  genus  humanuni  commeritas 
poenas  dedisset.  Fac  Redemtorem  nostrum  sociniano  sensu^ 
fac  ariano  Daum  fuisse;,  et  fiducia  reatus  plane  aboUti 
longe  difficilius  animo  inhaerebit,  Deus  cum  hominibus, 
quantum  eorum  imbecillitas  pätitur^  ita  agit^  ijt  non  solum 
fidem  eorum  deposcat;,  sed  et  rerum  ratione's  ita  illis  ex- 
ponat,  ut^  quae  captu  illorum  sunt  altiora,  eo  lubentiori 
animo  admittant.  Gluis  tandem  sibi  persuadeat;  haud  minus 
vivido  atrocitatis  ^peccatorum  sensu  homines  omnes  afFec- 
os  fuisse^  si  nullo  piaculo  oblato  toti  humano  generi  gra- 
tuitam  remissionem  Deus  spopondisset,  quam  cum  ne  filio 
quidem  parceret,  ut  justissimum  se  demonstret  mali  vindi- 
cem?  Gluodnam  luculentius  amoris  sui  documentum 
exhibere  potuit,  quam  quod  tarn  tremenda  justitiae  suae 
demonstratione  homines  a  peccato  ayocavit? 

Redemtoris  provincia,  a  J.  C.  suscepta,  consummata 
videri  potuisset,  si  solutis  loco  hominum  poenis  dirino  re- 
gimini  admotus  efficaci  auxilio  beneficia  parta,  hominibus 
actu  fruenda,  contulisset.  Nuncios  enim  illius,  quod  pro 
hominibus  gessit,  divinaeque  voluntatis  interpretes  Apo- 
stolos  dedisset  5  quorum  fidem  nemo  veritatis  sincere  stu- 
«liosus  in  dubium  vocare  potuisset,  cum^  praesentissima  vi 
Sp.  S.  ipsos  regi^  miraculis  maxime  illustribus  demonstra- 
trent.     Verum  nee  Apostolis  sine  multis  tergiversationibus 


42 

fidem  haberi  et  antiquiori  aeta^e  et  maxime  recentiori  ri- 
demus,  Ecqiiis  rero  est^  qui;,  cpiae  Jesus  dixit,  ipsa  ipsius 
Dei  verba  esse  neget  ?  Q.uidc[uid  igitur  de  ratione  et  11- 
mitibus  theopneystiae  App.  disputetuP;,  quomodocunque, 
vel  certissime  demonstrato  alicpio  propheta^,  scepticisrnuirt 
suum  homines  ornent^  nihil  hio  dubitationis  superest^  cum 
ipse  unigenitus  Dei  filius^  praeter  quem  nemo  Patrem 
vidit^  consilia  liberi  örbitrii  divini  circa  salutem  nostram 
nobis  proposuit.  Atqui  nullum  est  gravius  aliquod  rel. 
Christ,  dogma^  quod  non  ipsis  Opt.  Servatoris  efFatis  possit 
probari.  Si  solos  igltur  Christi  sermones  accurate  ab 
App.  consignatos  haud  negaverls  ^  summa  rel.  ehr.  capita 
profitearis  necesse  est.  Q.uo  vero  animo  ipsum  Del  filium^ 
doctrinas  et  praecepta  nobis  tradentem^  audiamus?  (Ebr. 
II.  3.)  Q.ui  nondum  ad  omnem  pietatis  sensum  occalluit^ 
intime  commotus  sentiet^  quanti  Deus  aestimet  genus  hu- 
manrun^  et  quam  gravia  sint  ea  praecepta,  quibus  tarn 
augusta  ratione  nos  impertivit,  quam  sereras  igltur  poe- 
nas  daturi,  in  quibus  ad  pietatem  excitandis  omnis  Dei  la- 
borirrihis  fuerit. 

Omnia  taadem,  quae  ad  commovendos  confirmandos- 
que  hominum  animos  vel  acutisslma  ratio  afferre  possit;, 
longissime  id  superat,  quod  idem  ille  Jesus ;,  qui  poenas 
nostras  persolvit,  et  areana  Dei  consilia  hominibus  ipse 
apeniit,  divinum  in  omnia  regimen  nunc  exerceat,  eorum- 
que,  qui  ipsi  se  asserunt,  saluti  et  internis  et  externls 
auxiliis  efficacissime  se  prospecturum  promiserit.  Homo 
sola  ratione  adjutus,  quamvis  enixis  viribus  sanctltall  stu- 
deat,  divinae  majestatls  sensu  ita  percellitur,  ut  nunqtiam 
cuin  plena  animi  fiducia  eum  accedere  audeat.  Q.uo  autem 
animi  vigore  Jesum  oompellabit   Christianus,    ipsum  gra- 


43 

vissimis  olim  periculis  exercitatum ,  a^eoque  tenerrima  af- 
affectum  niisericordia  ?  (Ebr.  II.  18.)  Sola  naturae  simili- 
tiidoj  qua  ipsi  jungimur,  animum  nobis  addit;  quod  vero 
eodem  ille  studio  decurrebat,  quod  nobis  emetiendum  est, 
id  plane  confirmatiori  pectore  ab  errore  aliquo  hie  redibit, 
quanto  minus  propensum  illius  in  se  animum  dubitabit, 
cum  tanto  pretio  a  Rege  suo  se  emtum  sciat;,  cum  ipsa  Do- 
mini sui  gloria  poscat,  ne  opus  redemtionis  tanto  labore 
fiusceptum  fructu  destitui  patiatur.  Ipsa  judicii  decretorii 
scena  quanto  minus  ei  terribilis  videbitur,  ciun  illum  ei 
praeesse  noverit^  qui  tenerrimi  amoris  docmnentum 
ipsi  exhibuit.  Q.uam  magnifica  tandem^  omnemque  rationis 
exspectationem  superantia  sunt  ea,  quoriun  spem  post 
hanc  vitam  nobis  offert  Chr.  religio.  Exstincta  tandem 
omni  peccatorum  labe  (Phil.  I.  6.)  intime  Christo  con- 
jancti  non  animum  modo  laetissima  voluptate  satiabimus, 
sed  corpore,  anima  sanctificata  dignissimo,  induti  ex  omni 
parte  consummmatam  felicitatem  pereipiemus. 

Q.uis  igitur  sibi  persuadeat,  arocari  homines  posse 
rel.  nat.  ab  impietate,  si  pravitas  eorum  inralescens  for- 
tissima  christ.  rel.  argumenta  respuit,  si  Deum  videre  no- 
lunt  longe  amicius  longeque  splendidius  se  manifestantem, 
et  imbecillitati  eorum  tenerrime  consultunun?  Paene 
nullam  quidem  vim  saepissime  exserunt  hae  veritates,  sed 
levi  animo  praetermissae,  nee  satis  serio  expensae.  *)  Quae 
autem  veritas,  nisi  animo  expensa,  animum  commovebit? 
Si  vero  tandem  excitata  fuerit  hominum  attentio,  quidni  ea 


*)  Cur  incitamenta  S.  S.  non  plus  efficaciae  habeant  inier 
Christianos  v.  Wercnfelsii  Sylloge  Diss.  Theolog.  pag. 
355  —  £72. 


44 

illis  subjicies,  quae  praesentissime  et  efficacissirae  ad  pieta- 
tem  illos  impellunt? 

§.  II. 

Exposuimus  igltur  primo,  solam  relig.  revelatae 
historiam,  si  vel  plane  nihil  doctrinae  illi  aclmisceatur, 
multo  celerius  multoque  fortius  liomini  religionem  persua- 
dere,  qfuam  series  ratio ciniorum,  quibus* natura  Dei  nc- 
straqiie  ab  eo  dependentia  demonstretur:  tum  compa- 
ravimus  relig.  nat. ,  quatenus  S.  S.  exstat^  cum  ea,  quae 
sola  ratione  nititur^  nee  ullo  jure  S.  S.  dimittl  posse  osten- 
dimus:  dein  ex  modo  redemtionis  a  J.  C.  peractae^  quod 
primarium  est  rel.  clirist.  dogma^  summas  Dei  perfectiones 
tarn  accommodate  ad  hominum  imbecillitatem  atque  ino- 
piam,  tamque  clara  luce  refulgentes  vidimus^  ut  sola  ho- 
minum attentio  esset  excitanda.  Superest  omnium  longe 
gravissimimi  argumentum ,  quod  omnem  spem  j  quam  no- 
vum  hoc  consilium  afferat;  penitus  evertit 

Acutissimum  et  eloquentissimum  quemque  vel  solidis- 
simis  argumentis^  nisi  animi  perversitatem  Deus  ipse 
frangat,  nemini  relig.  veritates  ita  persuadere  posse,  ut 
rera  animi  emendatio  sinceros  pietatis  fructus  spondeat, 
id  et  clarissimis  S.  S.  testimoniis  et  cujusque,  qui  se  ip- 
sum  haud  nescit ,  experientia  declaratur.  Assequeris  qui- 
dem,  ut  nihil  habeat  homo,  quod  al,iqua  vcritatis  specie 
^ossit  opponere,  convictum  se  sentiet,  sed  discedet  obsti- 
nato  animo  in  alia  quaevis  ruiturus.  Redeunt  itaquo  tan- 
dem  omnia   ad  potentissimum  Dei  ipsius  auxiliiun. 

Facile  quidem  primum  largior,  per  ea  quoque ,  quae 
ex  intuitu  naturae  et  ratiociniis  cognoscuntur ,  Dcum  in 
animis  l^ominum  yini  s\iam  emendatriceni  exserere.  Huic 
enira  fundamento  innititur  argumentatio  PauU  quae  cRoin. 


45    ' 

I.  ig.  20.)  gentibus,  Deo  gloriam  suani  haud  tribuentibus^ 
oinnem  excusationem  praecidit:  nee  ils_,  qui  specialiori  re- 
velatione  carent,  benig nlssimii3  omnlum  hominum  pater 
auxilio  suo  deerit.  Sed  longe  alla  certe  eonim  est  ratio^ 
quibus  nihil  ehr.  rel,  innotuit^  aha  eorrnn,  qui  sola  animi 
levitate  vel  praejudicatis  opinionibus^  accuratiori  examine 
haud  exploratis,  largissima  cognoscendae  veritatis  occasione 
oblata,  christianam  religionem  abjiciunt  Q.uis  vero  sibi 
persuadeat;  dar!  posse  aliquem^  qui  in  tanta  copia  vindi- 
ciarum  ehr.  rel.  aceurate  scriptarum^  eum  quisque  suis 
ipse  oculis  S.  Scripturam  legere  possit^  quoad  summa  rel. 
ehr.  capita  in  eam  incidat  dubitationem  ^  qua  non  possit 
emergi?  Sint  ei  niulta  in  bis  ipsis  haud  satii  certa^  nun- 
quam^  si  serio  veritatis  studio  ducatur^  adeo  dubia  vide- 
buntur,  ut  non  divina  yeritas  eerte  ut  verisimilior  ipsi 
appareat.  Q.uisque  autem  ex  recto  conscientiae  dietamine 
tenetur  eam  sententiam  sequi  ^  quae  quam  proxime  a  veri- 
tate  ipsi  abesse  videtur.  Q.uid  igitur  quam  animi  levitas 
et  patrocinium  impietati  quaesitum  a  Christ,  rel.  homines 
avertat?  Eosne  vero^  qui  oblatam  elarissimam  lucem  eon- 
temserunt^  eadem  bonitate  Deus  juvabit^  qua  gentes  juvat, 
quibus  sola  illa  Dei  cognoscendi  ratio  superest?  Summo 
jure  de  eo  dubitari  posse  ^  vel  morosior  adversarius  conee- 
det.  Proposita  igitur  ex  una  parte,  gravissima  Dei  decla- 
ratione,  se  ipsum  veritatibus  christ.  rel.  Spiritu  suo  intime 
conjunetum  fore;  €x  altera  autem,  opinione  haud  certis- 
sima,  iis;,  qui  rel.  christ.  ipsis  praedicatam  contemnunt,' 
per  nat.  rel.  veritates  efficacem  se  Deum  demonstraturum, 
quis  in  re  gravissima,  eum  de  aeterna  plurimorum  homi- 
num Salute  agatur,  eertis  incerta  praeferre  ausit? 

Est   autem   seeundo   longe  fortior  vis  illa  divina, 


46 

qua  religio  christiaaa  animatur^  quam  quae  est  naturali 
religioni  conjuncta.  Largissima  enim  illa  et  efficacissima 
Sp.  S.  vis,  *)  qua  Deus  ipse  immediate  praesens  intiinas 
hominis  vires  gratioso  influxu  suo  animat,  semper  ut  arc- 
lissime  unita  cum  praeconio  Apostolorum  describltur^  gen- 
tes  autem^  quibus  nihil  praeter  rel.  natur.  innotuit,  quasi 
proprio  arbitrio  a  Deo  relictae  perhibentur.  (Act.  XIV. 
16.)  Num  vero  proprio  arbitrio  relictae  potuissent  dici^  si 
veritates  ratiociniis  cognitas  eadem  efficacia  animis  eorum 
Spiritus  S.  admovisset^  qua  eos  propositis  ehr.  rel.  doctri- 
nis^commovit?  Quid  igitur  sperandum^  perversitatem  ho- 
minum  ehr.  rel.  repudiantium,  naturalis  religionis  ratio- 
ciniis  vinci  posse? 

Servemus  itaque  S.  Scripturam  omnis  religionis  in- 
Stitutionis  fundamentum  et  normam:  qui  veritatem  cla- 
rissime,  quantum  in  nobis  est^  propositam  non  adniittunt, 
suo  periculo  non  admittuntj  nee  ipsi  nos  lucem  ä  Deo 
nobis  beuignissime  concessam  removeamus. 


*)  Magnif.  Dni  Canc.  Diss.    de^  grätia  Sp.  S.  applicalrice  in 
opusc.  theol.  Tom.  il.  p.  21* 


VENERABILI  ET  DOCTISSIMO 

DISSERTATIONIS    AUCTORI   S.  P,  D. 

P     R     A     E     S     E     S. 

Dissertalionem  banc  TVAM,   anteqUam  praelum  subiret^ 
diligenter  et  attente  perlustrare^  mihi,  occupationibus  va- 


rii  g^neris  impllcato^  non  licuit  Cognitnm  vero  prorsus 
et  exploratum  liaLebam,  ab  ingenio  TVO,  omni  dlscipli- 
narum  ad  hanc^  quam  tractandam  suscepisti^  causam  per- 
tinentium  genere  exculto,  et  ab  illis^  quibus  divina  be- 
nignitas  TE  Instnixit,  animi  dotibus  proficisci  non  posse 
nisi  quod  praeclarum  esset  et  eximium.  Det  TIBI  Deu9 
optimus  Maximus  Vitam  Viresque^  ut  et  summe  Reverend! 
Parentis  vota  et  meam  quoque  spem  explere  possis.  Ita 
enim  et  orbis  literati  decus  fies^  et  Ecclesia  fructuS  ex  TE 
percipiet  exoptatos! 


48 


IL 

©reietniäfeit  ^0* 


Der  j?auptfag,  iroriu  vC?r.  Urifpergcr  öott  bcn  gcit?bjn^ 
lld)en  boctmatifd;en  Gegriffen  abgebt/  ijl  folgciibcr :  Die 
^cr^dltnitTc  aiDifd^cu  bcn  brcien  ©ubjcftcn  in  bcr  ©ott(;cit, 
welche  bie  <od)xi\t  burd)  zeugen  ^  S^^eugt  n?crbcn,  m\i>  au^^ 
Qct)m,  öuöbrucft,  ftub  ofonomifcfec  53er(;altnij]'c,  unb  feine 
ivcfcntlid^  not^iT^enbigc;  cö  fi'nb  fold;e,  in  ivelc&c  ftd)  bie 
©ubjcfte  in  ber  ©ott^cit  frciirillig  gefegt  ^aben,  weil  cö 
tjtellcic^t  bie  dlatiw  ber  einmal  bcfd;lofl'cncn  Offenbarung 
erforberte,  @d)on  üor  ©runblegung  ber  ©clt  fonnen  ftc 
biefe  ^Öcr^dltnifife  crn)dl;lt  Jaben,  bag  alfo  ber  ©prucfe  Wid^* 
5,  I.  feine  gen?o^n(icbe  ^rfldrung  unb  feinen  ganzen  9lac^^ 
brucf  be^dft  2IIfo  auc^  Dor  ber  !D?enfc() Werbung  fonntc  ber 
gogoö  ben  9^amen  ©o^n  ©ottcö  fuhren,  n?eil  er  fc()on  ba^ 
malö  gegen  ^m  ^Bater  in  jeneö  beflimmte  ^erfidltnig  ftc^ 
gefegt  ^attc,  ha^  ber  dugern  Offenbarungen  tvegen  notf;^ 
njenbig  n?ar:  benn  auc^  fcbon  im  alten  ^e(!ament  gcfct^a* 


*)  Olu^  ber  peitfc&rift:  „Oieütfton  ber  tcutfd^en  ^itteratur." 
5J?annöeim  1776.  ®tM  i. 


49 

i)m  burcO  il)n  bte  mciftcu  ^2Infpvac(?cu  uub  ^Jer^anblungcn 
©Dttcö  mit  ben  9}^cnfcl)en. 

I)aö  ift  nun  /bie  berufene  jpppotjefc,  über  ber  man  aü^ 
bem  ^^crfalfer  fcl)on,  ireig  nict)t  ira5,  gemöd;t  f)at.  Die 
(Gegner  beö  getDo^nüc^eii  $lef)rbcgriff^  i)aUn  Qiia\xd)^t,  t>a^ 
nun  aud)  wiebcrum  ein  benfenber  ^opf  auftrete,  ber  bie 
^ibcrfprucfee  bef-  fogenaiinten  2it&anaftanifniu6  aufbecfc,  fic^) 
burd;  taufenb  Krümmungen  5U  {)elfen  fuct)e,  unb  enblic^) 
bemfclben  bod)  einen  t5btlid;en  ^tog  gebe,  5Inbere  rocl)en 
fogar  <Spurcn  beö  ©abcUianifmu^;  unb  eine  britte  ^ar- 
t^ei,  frdlicö  unter  allen  tk  blobejt^,  rief  niut^^ig  alle  X^eo^ 
logen  ^ur  Unterfud)ung  auf,  aU  ob  ^a  i?on  mi^  nid)t  traö 
bie  O^ebe  trarc,  ganj  neue  Se^rformen  gcbilbet,  aufgc()eitert 
rcorbcn  waren,  njoran  fd;on  fo  t>iele  3a()rbunberte  fo  i^icle 
benfenbc  unb  ind)t  benhnbe  Kopfe  gearbeitet  Ijaben. 

D}?an  trete  boc&  nd^er  Jin^u,  unb  lajfe  ben  Urlfpergeri^ 
fd;cn  ?ßcrbienilen  ©cred)tigfcit  ti^iberfa&ren,  ta^  ftc  ireber 
buict)  unDcrftdnbigcö  Sob  gefd)dnbet,  nod;  burd)  fe3erfücl)ti^ 
gen  Xabcl  entftellt  nocrben.  ^*ö  ijt  gar  nid;t  tjon  ?Öerdnbe- 
rung  unfcrö  2c[;rbegriffcö  t?on  ber  Dreieinigfcit  t)k  3^'be. 
Ar.  U.  glaubt  oon  ganzem  vSpcrjen,  t>a^  in  bem  ein3igen 
Ü)ott  Drei  i^ubjefte  fepen:  ber  ©treit  Ol  über  eine  einzige 
DK^bcnbcftimmung,  über  einen  einzigen  Paragraphen  unfern 
€ompcubium^,  ber  angenommen  ober  ueritJorfen  n?erben 
!ann,  ol;ne  Dag  ttk  Se^re  felbjl  im  minbeflen  untergraben 
ivirb, 

?D^an  l;at  tcn  «Bort^eil  grog  gerühmt,  ^m  biefe  J?t)po^ 
t{)efe  in  ben  ©treitigfeiten  mit  ben  fubtilern  5lrianern  |)abeu 
würbe:  wir  werben  in  ber  golge  feöen,  ob  man  ^u  fold)en 
d'rwartungen  berechtiget  ift,  3d;  wunfd;te  aber  nicl)t,  bag 
meine  Sefer  bei  Unterfuc^ung  ber  Urlf^nn-gerifc^en  ^ppot^efe 
6vittl?r'ö  f«  mmtl.  Sßerfe.  VIII.'  33^.  4 


50 

bicfcn  9lu^cti  t>or  8C«gen  Jdttcn.  9lld;tö  Jiiibcrt  mc^r  öm 
faltblutigcn  gorfc^cn  nad;  SBafjrJcit,  al6  a^cmi  mv  m\^ 
fc()on  ^um  t)orau6  oorftcllcii,  fo  uiib  fo  üc^c  ftd)  bod)  nod) 
ein  ©egncr  5urcd;t  bringen;  5unad)jl  foUc  cö  o^ne  bieg  nie» 
malbarum  ^u  tfjun  fei;n,  öuf  alU^  antnjovtcn  ju  ifonnen,  waö 
jeber  fpt^ftnbtge  ^opf  einn?irft,  fonbern  i>i^lme6r  um  eine 
unum(Ioglid)e  ©rianbung  unferer  Uebev^eugung.  9Bir  fon» 
nen  unb  foden  bei  biefev  beruhiget  ft'i;n,  ob  volv  andi  nic^t 
ätt^  3n)eifcl  befriebigcub  aujTofen  f'onnen:  wcv  tvurbe  je  in 
einer  ©ac^c  geit)ig  lücrbcn,  trenn  feine  (^en?ig&eit  erjl  bat)on 
«bringe?  5[Rüd)ten  meine  Scfcr  bie  grage  gan^  i>ergeiTen: 
ob  fic^  bic  getr5^nlid;e  ^J^einung  ober  bie  Urlfpergerifd;e 
5?i;potbefe  U\ä)tcx  t?ertjeibigcn  laflfe?  €'ö  fommt  nun  cin^ 
^tg  barauf  an:  waß  fögt  un^  bie  23ibel?  3n  üie^ren  i?on 
ber  3lrt,  mt  t)k  gegentüdrtige ,  i\i  o[;nebieß  bk  %a^li(i)Uit 
einer  ^ptjpot&efc  nid)t6  ireniger,  aU  ein  ^f)avatux  i^rer 
9iid)tigfeir, 

^perr  U.  felb(!  fc()eint  feine  S'p\)^otic\c  für  neu  ju  f;ar# 
ttn,  t)ielleid)t  trei[  fte  niemcmb  fo  umftdnblic^,  fo  au^  ben 
erflcn  ©runbfd^en  Jerau^  bcit)iefcn  l)at,  aU  er.  ®ai5  ein 
groger  §Ü?ann  fagt^  i(l  nid;t  jebem  t)om  53dI!  ^u  n^ieberbo* 
(cn  erlaubt:  ^^m,  ber  jtc()  in  alle  feine  Sbeen  fo  anfd^auenb 
6ineinbenft,  ber  tüirflid;  einen  großen  S^beil  immerbin  felbfl 
erftnbet,  ober  wenigj!cn6  bic  gelefene  ftd)  fo  ju  eigen  mad)r, 
t)a^  er  unter  feiner  ^cbitation  nun  nid;t  me^r  unterfd;ci* 
ben  fann,  ob  er  biefen  ©eöanfcn  irgenbnjo  gelefen,  ober 
nun  baö  erilemal  au^  fic^  felbj!  bcrau^genommen  f)abc, 
ibm  fei)  e^  erlaubt,  5U  glauben,  ha^  \^a6  carmina  non 
prius  audila  fei;en:  aber  bic,  fo  nur  ©tein  unb  ^a\l  f)cvf 
beifubren,  bic  nur  üom  2Bonnegefubl  einer  eigen  burc^ge* 
\)a6)tm  3l)cc    bejaubcrt  werben,   follen   eö   burd;au^  nicl?t 


51 

nad)rufcn.  Sd^tcren  alfo  jur  93cfcr;n!ng,  bag  c6  a  priori 
aujTcrft  unöcrflanbig  if!,  ju  glöubcn,  bag  in  einer  9}?ateric, 
an  ivcld^cr  fid)  ber  ©d;arffinn  aller  ©d;o(apifer^  unb  nad) 
tf)nen  bcr  Steig  fo  i?icfer  anbern  ^^f^eologen  geübt  Jat,  nod; 
eine  bDgniatifd)e  ^pvpot^efe  übrig  fepn  fonne,  ttteld)e  nid)t 
fd;ou  einmal  aufge(rellt  morben:  unb  foUte  benn  bie  ©e= 
fc^nd)tc  bc6  (Streite  ^n)ifd)en  ^itringa  unb  9toelliuö  fo  un* 
bcfannt  fcpn?  SBc i gm a nn  feat  fon?ol;l  in  feiner  Äird;cngc= 
\d)id)H  burd)  braud;barc  Slu^jüge  benfclben  inö  i)ollfom^ 
menfte  !^id)t  gefegt,  al^  and)  in  feinen  afabemifc^en  ©cl)e= 
biafmcn  ein  v^ragmatifdjcs  Urt^eil  barüber  gefdlln  ^an 
fie^t  in  bcr  ^nmerfung,  ^)  ha^  Dioclliuö  faf!  auf  eben  bem 
^CQC  3U  feiner  Ätjpot&efe  gefommcn,  wk  ^perr  U.  ^kn 
crfcnut  aber  aud)  ben  9lad)t&eil,  n3eld;er  barau^  entftel;t, 
irenn  man  bd  feinen  bogmatifd)en  S5eftimmungen  nid)t  ein^^ 
faltig  auf  \)k  2Bal)rl)eit  fieE)t,  fonbcrn  immer  polemifd)c 
©citenblicfc  t^ut,  ob"nid)t  burc&  biefe^  unb  jeneö  ein  @eg* 
ncr  e^cr  getronncn  trcrben  fonnte. 

Dod)  ipcrr  U»  mag  nun  53organger  gehabt  Jaben,  ober 
nid)t,  i?icllcid)t  trar  eö  unfern  Reiten  aufbcl;alten,  hu  bamalö 
öeibrdngte  3Öaf;r^eit   (benn  SJitringa    behielt  ben  ^Ia§) 


♦)  Si  proprie  sumendae  sinl  voces  illae,  palris,  filii,  genera- 
lionis,  quo  modo  patrem  solum,  verum  et  summum  Deum 
esse,  filium  non  nisi  factum  et  minorem  Deum,  rcfutari 
solide  possint,  non  video.  Dis3.  theol.  de  generatione  filii 
Dei.  p.  39.  Unb  tvteber  p.  62.  Ego  videns  eo  redire  cum 
Arianis  disputalionem ,  ut  vel  illis  concedamus ,  Christum 
factum  Deum  esse  ,  vcl  de  "ipso  negemus ,  generationem 
proprie  diclam,  h.  e.  productionem  ex  non-existentiJbus, 
non  aliler  iudicare  potui ,  quam  voces  istas  improprie  in- 
teJIigi  debere.  ^Beißmantlö  UrtÖCll  Oierilber  ifl:  persuasum 
habemus,  ab  impu^lentiac  crimine  non  posse  absolvi  Roel- 
lium.     Sched.  acad.  p,  42. 


Ol 


biirc^  S^nlfc  unfertr  geläuterten,  eregeti^djcn  unt>  p()iIpfoj)bi' 
fiten  ^^enntntjTc  öufö  licuc  öiiö  ?id)t  ju  pellen.  Sd)  iDerbc 
mid)  bloö  aufba^^l^croattniO  cinfd)ranfen^  tt?elc()e^  burc^^eugcn 
unb  gezeugt  werben  auegebrucft  mvh :  benn  \>ic  einzige 
©teile,  wo  bem  ^eiligen  ©eift  ein.^luöge^en  üom  ^aux  ^\u 
gefdjrteben  wirb,  ift  ^u  bunfel,  aU  bag  man  t>iele6  b^rauf 
bauen  konnte,  unb  biejenigen,  l^k  einen  bloö  bfonomifcljcn 
Slu^gang  annehmen,  Jaben  ben  ^wfömmen^ang  ber  ganzen 
9^ebe  für  ftd> 


-^        *        * 


©o^u  ©otteö  ift  nac()  bem  <Sprad)gebraud)  ber  ©d;rift 
in  feiner  oUgemeinflen  25ebaitung  berjenige,  bem  fid)  ©Ott 
in  Sergletd)ung  mit  anbern  ^^'nfd)en  nd&cr  ünb  unmitteH 
barer  offenbaret»  Sßie  ein  53ater  burc^  ben  ©o^n  feine 
S5efe^re  an  hk  übrige  gamilie  ergeben  lagt,  wie  biefer  ben 
nd4)(!en  ^ütvitt  ^t,  wie  er  oft  bie  iSteüe  bc^  ^aterö  ber«^ 
tritt;  fo  Idßt'^  ftc()  aud)  in  ©otteö  O^egierung  er!ennen, 
wer  fein  @obn  i(I.  S^egwegen  waren  ^k  Sfvaeliten  im  aU 
ten  Xeftament  ©o^ne  ©otte^,  unb  unter  i^nen  wieberum  m 
einem  öor^üglid^eren  ^erjtanbe  if)re  Obrigfeiten  unb  Könige. 
Sc  fähiger  aud)  einer  t>on  biefen  ^u  ben  göttlichen  S5elcf>' 
rungcn  war,  je  genauer  er  hü  ©otte^  23orfd)riften  blieb,  je 
mejr  ©ott  feinen  ©illen  burd)  i^n  an  t>k  übrigen  bringen 
laflfen  fonnte ;  in  befto  i?or3uglid}crcm  53er(!aube  war  er 
(5o^n  ©otteö.  @o  t>erfprid;t  Scfoüab  bem  ©alomo  gan^' 
befouber^ :  3c^  will  bein  ^ater  fepn,  unb  bu  follt  mein 
©obn  fci)n.  ^a  im  neuen  Slejtament  jener  Unterfd)ieb  auf* 
gehoben  i\t,  ba^  ficfe  @ott  bloö  gewijfen  2{u^erfobrnen  of* 
fcnbaret,  fonbern  fein,  ©cljt  allen  ?[)?cnfd)en  gleicl)  nabc  i)t, 
fo  ftnb  alle  (^^riften  @5&ne  ©otteö;  unb  weil  i^re  ^'rfennt- 
nig  wnt  beutlid;er,   weit  geijltger  i(l,  aU  bic  ^rfenntniffe. 


00 

aad)  bcv  groficn  ^diinev  im  alten  ^cftament,  fo  finb  fte 
and)  in  DoUFominncrcm   ©cnug   Der  ^int)fd;afr6rec^tc. 

3um  ^üt)ue  gebort  5Ic^ul{ct)fcit  mir  t)cm  ^atcr.  3ni 
aifcii  ^Icftamcut  wav  o\t  bM  dnt  Qcm^z  diiperc  ^inrei^ 
ä)ci\b:  fo  Reißen  im  62jleii  ^^falmeu  bie  3fröelitifc^eii 
Obrigfcitcn  @Hue  QJotteö,  <Bhf)uc  t>e0  ^llcrl>üd)(!en, 
fclbjlaud;  iioc^  ba,  wo  i^rc  Ungcrcd^tiöfcitcu  bcftröft  werben, 
mii  fie  mm  einmal  biejcnigen  a^aren,  bm'd}  tveld}c  ®ott 
feine  ©erid;te  ()alren  lieg,  Oveprdfentanten  ®orte^  niiJ» 
ter  ben  3'fraeHten. 

^ei  ber  3ottlid)en  Sln^fu^rung  au^  ^*9V)pfen  wirb  3frael 
ba^  erflemal  erjlgebovner  ^o^n  ©ottc6  genannt,  weil 
biep  ber  SInfang  jener  q)eriobe  war,  ba  fiel)  ©Ott  ttiit  bie* 
fem  SSqU  «Kein  in  bie  genauefte  ^erbinbnng  einließ,  binge^« 
gen  bei  ben  anbein  91ationen  bie  gelten  ber  Unwiffenjeit 
einbrac(?en.  3m  neuen  Xefiöment  i(x  ber  S^egviff  t>iel  t>olls 
fommencr,  unb  bem  \x>eit  angemeffener,  \\>a^  wix  i)on  ©ot= 
te^  ^peiligfeit  ivijjen.  2Bir  finb  <Eül)nc  ©otte^,  trenn  wiv 
Jeilig,  irenn  tuir  oollf'ommen  finb,  \m  e0  nnfer  53ater  im 
i^immel  i\i. 

91un  alle  biefe  öerfd)iebene  23e^ie§ungen,  nad)  ttjeld}en 
ein  ^enfd)  hie  Benennung  @oJn  ©otte^  üerbienen  fann, 
vereinigen  ftd;  im  t>olIfommenjIen  ^erftdnbe  hd  3^fu^  ^iM* 
(tu^,  (rr  i(l  nid)t  nur  Sxeprdfentant  ber  ©ott()eit,  er  iji 
fic^tbarer  ©Ott,  burd)  i[;n  gel)en  alle  ©naben;=^ntfd}lieflfun^ 
gen  ©otte6,  alle  ^ffenbarungjen  an  hie  3}?cnfd;en/  er  ifi  im 
@d;ooge  M  ^ater6,  alfo  in  ber  innigfleu  ^Bereinigung,  er 
l^at  einen  gutritt  (bod;  biefe^  Sßort  ij!  bi^r  ^id  s«  fd)n?ad)) 
hen  ai\d)  ha€  twllfommenftc  ©efd;bpf  nic^t  iat,  nod}  I}aben 
fann.  ^'r  allein  ijt  fo  t>oll!ommen,  fo  beilig,  wie  ber  53a^ 
ui  i(l.     SßoijDn   alfo   3}?enfclpen   nur  elcnbe  ©d;attenbilber 


64 

ftnb  baS  ijl  er  im  Urbilb.  Sntmcr  eine  unenWic^c  ^tltan^ 
^wifd^cn  i^m  unb  jenen;  ober  bod)  Qle^nlic^fcit,  unb  boc|> 
xoixh  immer  nod)  ber  ndm(id)c  S5e9viff  ton  jeugen  unb  Don 
(Boi)n  feijn  bcibcf;a(rcn.  3il]^tcburd)  ober  bcr  ©d)vift»S3ej 
griff  erfd)opft?  !5}?ad)t  fte  nid;t  einen  «)efentlid)cn  Unter* 
fd)ieb  jn?ifct?cn  «nfercr  @o{)nfc&aft  unb  bcr  ^o^nfc^aft  \>^^ 
(Singeboljrnen  ? 

€6rtftu5  i|!  (55otte5  eigenfler  eojti.  (9xom.  8,  32.) 
©Ott  tjl  fein  eigenfter  ^ater.  (3o&.  5,  18.)  ^t  i(i  ©o^n, 
n?ie  fonit  fein  ^'ngel  unb  fein  9}^eufd)  ©ottcö  (go^n  i|t, 
nicf)t  nur  beut  ©rabe  nad)  t)on  biefcn  J?crfd^ieben,  fonbern 
öuf ,  eine  gan^  eigene  2Irt.  S3ei  biefen  i(!  ber  S3egrtff  tro* 
pifc^,  hei  i^m  allein  nid;t:  benn  ©Ott  i|I  fein  53ater,  tt)ie 
er  fonfl  feinet  Sßefcnö  53ater  genannt  njerbcn  fönn.  I5ar= 
auf  \)a^  er  ©ojn  ijl,  beruht  fein  groger  ^or^ug  Dor  allen 
GJefcfeopfen :  fie  alle  ftnb  gefcl)affen,  er  ifl  ber  ©e^eugte,  unb 
Beugung,  wenn  biefeö  Sffiort  Don  i^m  gebrandet  rcirb,  ifl 
nacl)  ber  eigenen  S'rfldrung  ber  ^eiligen  ©d;rift  ^[l^itt^eilung 
ber  urfprönglict)en  !i!eben^quelle:  benn  trie  bcr  ?3atcr  l)at 
ba§  Seben  in  if)m  felber,  fo  Ijat  er  oud;  bem  ©o^n  gegeben, 
5U  ^aUn  t)a§  ^thm  in  i^m  fclber.  ^ai\  fann  biefcn  6pruc^ 
nicfet  ttjo^l  öon  ber  menfcf^lic^en  9]atur  (El;rifti  t>er|Tel)en, 
benn  biefe  erhielt  ijrc  urfprunglidje  Scbcnöfraft  lüdot  burcö 
tia^  ^cbm  beö  SQaUxß,  fonbern  burd;  bic  perf5nlid;c  53er= 
einigung  mit  bem  Sogo^. 

SBcnn  \iic  (^rfldrung  bc^  ^errn  U.  wa^r  fei;n  foUte, 
fo  t)erl5re  baö  23ein?ort  eigen  ben  ganzen  5^ad)brncf,  ber 
tjm  nac&  bem  gried)ifd)en  6prßd)gebraud)e  gel/ort.  (2d 
untcrfc^)iebcn  bit  ©riccfeen  ben  angenommenen  ©o^n  \>on 
bem  p^Vfifd;  erzeugten,  fo  ben  ira^r^öftig  naturlicl^en  53ater 
Dou  bem>  ber  blöd  burc^  ©ojltjjaten  ein  Siecht  auf  biefcn 


55 


9Zaracn  be!am.  Uiib  wa^  ifl  bcr  !^ogo6  tiöc^  i^enn  U.  (5v= 
Üarung  anber^,  nl^  angenommener  <So6n?  9}?an  fefee  t)cn 
gall:  jTOci  ?[)?cnf(t)cu  Don  t>ünig  gleicher  SBurbe  unD  2ln^ 
fc^eii  begeben  ftc^  um  gctvijTcr  5lbftd)tcn  xvWim  in  ein  fol? 
d)eö  53er6alrnig  gegen  einander,  bag  bcr  eine  bcm  önbern 
finblid)cn  ^jcbovfam  IcijTe,  Don  t§m  fict)  leiten  laflfc,  baö 
^'ommunifationa^SBcrf^eug  fct;,  it)obur4)  bicfcr  in  einer  ge? 
tDtffen  @pl)dre  tDurFt.  53cr  tvivb  ftd)  ^u  bent  ^luebrucf  be* 
red)tigct  galten,  biefer  fct;  ein  natiivlicber  (Sojn  i?on  jenem? 
S5leibf  nicl)t  immer  eine  j';)i;pcrbc[  im  ^lüihi'ud ,  befonberö 
noct),  wenn  er  im  ©egenfat^  mir  anbern,  hü  n?clcl)en  öUeö 
obige  nur  im  geringern  (l)rab  ifl,  naturlicl)er  @obn  genannt 
wirb?  Unb  idj  fann  micl)  nid)t  uberreben,  bag  befonber^ 
in  ber  ©teile  9i5m.  8.,  wo  e^  efgentlid)^bftd}t  be^  ^po^ 
flelö  i(!/  hie  (^roge  ber  ^erfon  3efu^  €&riflu6,  unb  fein 
^er^dltnig  gegen  ben  55ater  ^u  geigen,  irgenb  ein  Ji;perbo3 
lifd)er  2Iui?bru(f  [tatt  finbe^  t>cn  man  nid)t  nad)  feiner  gan^ 
jcn  @d)drfe  ne&men   barf. 

X>lc  natiirlid)e  2Ibftammung  ober  ein  gerüiflTc^  ^crfjdlt? 
tiiß  bcr  (^Tiften^  tjt  offenbar  baejenige^  ti^oran  man  auerjl 
ben!r,  wenn  man  hie  S35rter  53ater  unb  ©o^n  in  i^rev  ci^ 
gentlidbcn  ^ebcutung  nef;men  uMll;  unb  tt?arum  foltten  mid) 
alfo  ©c^ttiierigfeiten  ahijalun,  ben  ®ortcn  bcr  Sßibel  ijreti 
ganzen  9^ac^bvu(f  ^u  laflen?  ^an  fubftituire  einmal  im 
obigen  (gprnd)  ^att  ber  5Borte  ^auli,  ben  53egrijf  be5  i?rn. 
tt.  wie  matt,  wie  fraftlo^  wirb  ber  @cl)lug  bcjTelben  fei)n! 
Ucberbaupt  fd}eint  e6  mir  Derwcgen,  Jvcnn  ©Ott  t>on  ftc& 
fagt,  er  t)cibc  einen  eigenen  <^ol}n ,  fo  gerafcc^u  beffimmcn 
3u  wollen,  wie  ha^  genommen  werben  müfe.  5Sa6  bod) 
©Ott  eigen  Ijnt,  ha^  muß  er  in  einem  ©inne  Ijahcn,  ben 
wir  nic^t  crratl;en  tonnen,   H   alle  unfere  ,^enntniffe  bloße 


56 

5l5jTrö!tioncn  üon  finnlicbcn  ^eqcnftdnben  fiub,  unb  er  t?oii 
öllem  bcm,  x\>a^  cigcntltd)  ^ur  igp^ave  uiiferö  ©IfTcn^  ge- 
bort, n{d)tö  fo  cigcutlid)  fi'd;  auftreibt.  ?[Ran  mad)t  ^tvar 
foIc()e  Scrtlmmungcn  fo  gencral,  öI^  nur  moglid),  aud)  bat 
S^m  U.  bie  feinigen  in  bcr  grogtcn  Olllgcmcinjeit  öu^ge^ 
brücft;  ba  cntfte^r  nun  not^tt?enbig  bcr  ®d)abcn,  bog,  fte 
öuf  mand;e  anbcrc  begriffe  eben  fo  gut  pafen,  aU  öuf  bie, 
für  tDeld;e  fte  eigcutfid)  crfunbcn  irorben  finb.  (^o  fd)eint 
aud)J?r.  U.  5luögef;en  unb  gezeugt  it» erben  einerlei 3U  fci)n  : 
benn  beibe^  f;eigt,  ein  t>orbergef)enbe^  ^er^dltnig  tjcrlafcn, 
unb  ftd)  nac^  geitJiflTen  Umftdnben  in  ein  mnc^  fc^en» 
3c^  bin  überzeugt,  bng  fte  feiner  5Ibfid;t  nad)  Derfd)ieben 
fei)n  foUen:  aber  bk  'iichc,  in  einer  .<Sad)e  5U  bcftimmen, 
bic  für  un6  gar  nic^t  tan^n,  unb  jeneö  S5cftreben  nad)  c'u 
nem  red)t  allgemeinen  Sluebrucf,  um  anberc  iSd)n)ierigfeitcn 
bei  (BüU  ju  fd)affen,  ba^  verleitete  ben  ^Berfajfer,  t)on  fei^ 
ner  ©enauigfeit  abzuweichen, 

2)er  erfte  gefjler  feinet  ganzen  ge^rgcbdube^  ijt,  ha^  er 
glaubt,  fcf)on  <Juö  ber  9^arur  eine^  ^rdbifate  bcftimmcn  ^u 
fbnncn,  ob  c6  ofonomifd)  ober  wcfentlid)  notl;i))enbig  fej> 
©efc^t,  feine  i)on  allen  ben  ^rdbtfaten,  hk  xmv  in  bcr 
©(trift  iahnt,  fz'^m  irefcntlid)  not^trcnbig,  ©Ott  ^ättc  aber 
befd)loflren,  unö  wirflic^  einige  bcr  letztem  ^u  offenbaren, 
fo  mügte  er  biefeö  auf  eine  unfern  S5cgriffen  gemdgc  2Irt 
t^un,  er  mugte  in  menfd)licfeer  6prad)e  rcbcn;  unb  wo  ftnb 
in  unfern  (Sprachen  hk  Sluebrud'c,  welche  bcu  gottüd^en 
25ingen  fo  üoUfommen  entfprdd)en,  bag  wir  nic^t  immer 
not^ig  bdtten,  in  (Sjebanfen  halb  biefc^  balb  jene^  ju  treu* 
neu,  weil  fie  fonjl  ber  s^ollfornnKu^cit  bct^  bM^ft»-'»  ^Befcnö 
nid)t  wüvbig  genug  waren» 

?!}?it  eben  bem  ©runbc  nun,    mit   bem   ieljt  Äcrr   U. 


57 

\i\i  ^vabiFatc  ^cugcn,  gezeugt  werben,  u,  f.  f.  für  bfono* 
ttiifclje  crfidrt,  irürbe  er  e^  aucl)  jenen  ftrcitig  niad)en  Ihwf 
nen,  bog  ftetDcfcntlid;  notftwenbige  fet)en,  befonber^  nod?, 
wenn  mc^w  bit^u  nimmt,  bfl(5  bie  ©pracl)e  ber  ^ibel  i^rer 
2Ibficl}t  nad)  eine  populäre  @prad)e  fcv)n  foUte,  beren  53er* 
bienfl  nid)t  in  metapöi;fifc^cn  ©enauigfciten,  fonbern  in  ei^ 
ner  öügcmeinen  gaglid;fcit  bellest.  Sffienn  nun  ©Ott  \\\ 
einer  foIct)en  ^prac^e  \>\z  wcfcntlid;  notf)n)enbigen  ^erjdlt^ 
«iflfe  offenbaren  wollte,  woburd;  ftd)  in  i^m,  bem  ^'in^igen, 
brei  ©ubjefte  unterfd}eiben:  wie  fonntc  er  anber^,  ölö  folcl)c 
SÖortc  gebraud)en ,  \i\i  W  '^<k6:jZ  nict)t  nad)  t^rer  ganzen 
Sßurbe  au^brucften?  ^ö  mug  alfo  burd)au6  einzig  öu6  ber 
^eiligen  <Sc()rift  bc(timmt  werben,  wa6  ^rdbifate  t)on  ber 
einen,  ober  ber  önberrt  2lrt  fetten;  xi^o^^  nun  biefen  ©Ott  fo 
3ufct)reibt,  bog  cö  i^m  Dor  ©runbicgung  ber  Sßelt  jufommt, 
böö  fonnen  feine  ofonomifc^e  ^rdbifate  fe^n.  SSenn  ftc^ 
fein  3^itP""ft  benfen  lagt,  \iOi  ber  £ogo6  nid)t  @o§n  ©otte^ 
war,  (^perr  U:  gibt  biefe^  ^u  nöd)  W\^*  V,  i,)  fo  war 
er  @obn,  c6e  nod)  ©Ott  bcfc^log,  ftd)  ^u  offenbaren,  ober 
SBelten  i\\  fd;affen:  er  ift  e^  alfo  nid)t  er(t  auö  ©elegenjeit 
biefcr  £)ffenbarungen  ©otte^  geworben ;  c6  ift  ölfo  fein  ^xh 
bifat,  "^(x^  auf  ©cl^opfung  unb  Kreaturen  eine  ^Se^tejung 
i^at,  fonbern  ein  wefentlid;  notf;wenblge6. 

Die  beilige  @d)rift  fagt  ^war  fcbr  bduffg,  ©Ott  ^lO^t 
un6  fcl)on  t>or  ©runblegung  ber  2Sett  in  ^brijlo  erwählet: 
ober  fie  will  unfehlbar  bierburd)  nidjtö  anber6,  ßlö  biefe^ 
fagen:  "^xi  bem  erftcn  ©ebanfen  eine  2Bclt  ^u  fd;affen,  unb 
\ii\  bem  er(!en  ^Itcf  feiner  2mwijTcnbeit  über  \iQi%  sQer^altcn 
ber  fDtenfcpen,  '^'xz  er  bert)or5urufen  befe^lofTen  Jatte,  fügte 
ber  ß:wigc  ©ebanfen  be^  gricbene  über  unö.  6cl)on  '^ol^' 
mal^,  '^Oi  er  biefe  ^elt  nocfe  nid)t  anö  ?ic^t  gerufen,  über; 


68 

fd;attte  er  t)Ctt  ünftigen  Verfall  bcö  mcnfcfelid;cn  ®cfd)Icc^t^, 
uiit)  in  SRucfjTd^t  ciuf  (55vlflum  befd)(o9  cr^  diejenigen  ju 
retten,  bic  an  if)n  glauben  würben» 

@o  fonnte  ^au[u6  bie  ^ntfcf}ficßung  ©ottcö,  ?U?enfd}cn 
5u  beglucfcn,  gar  VDol)i  öor  Der  n?irnid)ett  ©d;opfung  fe^cn, 
bamit  er  feinen  0)taubigen  bcn  ©cbanfen  benähme,  aH  ob 
©Ott  burd?  t)ic  Zi\i  beö  £eufel(5  um  feine  2lbfi'd;ten  gcfom* 
mcn  trare,  in  ber  golgc  aber,  um  »tsenigflenö  einen  2;i;eil 
berfelben  ^u  erre{d)en,  enblid)  jene  ^efeeligung^  ^2lnftalten 
in  feinem  ©of)n  gemad)t  Jabe. 

^aö  (tnb  alfo  SKat(;fd;(üflfe  ©ottc^,  hd  bcnen  man  ftcl) 
tn  öUweg  benf cn  fann,  ha^  er  fte  fd)on  t)or  öUer  Sßelt 
^d)opfung  gefagt  iabc:  ober  tüenn  t?on  gegriffen  ^er^alt^ 
«iflfen  bie  3tebe  i|l,  in  benen  bie  brei  ©ubjcfte  in  bem  ein* 
5igcn  (3ott  t>or  aller  ©elt  Einfang  geflanben  fei;cn:  fo  fc^eint 
bie  9latur  ber  (^ac^e  ^u  erforbern,  ha^  man  fid;  biefelbe 
M  not^wcnbigc  ^Scr^altniflTe  Dorftellc. 

SBenn  wh  enblid)  and)  j)errn  U.  jugcben  wollten,  \ia^ 
cö  nid)t  unmöglich)  fei;,  öu6  ber  blogen  DZatur  ber  ^rdbi? 
fate  SU  bcjlimmen,  ob  fi'e  ofonomifd)  fe«en,  ober  nid;t?  fo 
ijH  boc^  noc()  bie  gragc  über  bie  (5)ultig!eit  ber  ©runbc,  t)lt 
er  hti  feiner  gegenwartigen  ^:utfd;cibung  anfubrt. 

^j^oljn  laiJe  fid)  nid}t  bcnfen,  o^ne  ben  ^öegriff  ber 
Untert^anigfeit  unb  Unterwurftgfeit:  werbe  alfo  bem  2cgo^ 
eine  Unterwurftgfeit  5ugcfd;rieben,  fo  müflTc  ta^  bloö  eine 
t)on  i^m  felbj!  übernommene  fcpn,  benn  wegen  feiner  mit 
bem  S3ater  gleich  gbttlid;cn  D^atur  unb  SBurbc  lafifc  (id) 
jene  nid)t  al^  not^wenbtg  benfen/*" 

2Iuf  biefem  Slbwege  battc  id)  einen  im  5lbt^trabiren  fo 
^chhtcn  ^opf  al6  j^errn  U.  gewig  nicl>t  befurd)tet  an^u» 
trejfen,   bcfonberö  M    er  ben  .^aupieinwurf  unberührt  laßt. 


59 

bcn  tttön  feit  €Iarfc*ö  ^dun  mit  fo  Diclcnj  ©c^cine  öuö  bcr 
«Benennung  <^o5n  3icjcit  will  ipcvr  U.  beruft  fid;  öuf  beit 
eigenen  Slu^fpvud)  ©otte^,  tcr  fein  «Bolf  beftrofe,  weil  eö 
if}m  bic  ^-^rc  nid)t  gebe,  fo  tjm,  al^  ^ater,  gebufirc. 
©DÜte  ober  in  biefen  5Sortcn  mcljr  liegen,  aU  eine  23eru^ 
fung  ®otte6  öuf.bie  ©o^ItI;öten,  bie  er  ben  Sfraeliten  mit 
Dateilic^er  Xreue  betviefen  b^be:  er  f)aU  fte  er5ogen,  m\^ 
ii)xcv  gepfleget,  ii?ic  man  eincö  ^iubcö  pflege:  ein  ^inb 
werbe  bod)  and)  gegen  biefe,  wcld;c  ibm  fo  ijiele^  ©utc  er^ 
mifen,  banfbav  fei)n,  aber  bei  i^neu  erwarte  er  e6  lang« 
ftenö  bergebcu^.  Dae!  ^iub  iff  alfo  bem  23ater  Siebe  unb 
Unterwürftgfeit  fdjulbig,  nid)t  weil  er  e6  erzeugt  ^at,  fon^ 
bevn  weil  er  eö  mit  fo  tJieler  ^\ii)c  gebilbct,  unb  für  feine 
gan^e  ©lucffeligfeit  geforgt  iat 

9}2an  fe^e  bcn  gall,  wir  famen  auf  bie  5IBelt,  bagwir 
iinö  of)ne  einige  ^?ülfe  fowojl  bem  ^cib,  aU  ber  «Seele  nad) 
entwickeln  fonnten,  bag  unfere  Altern  ganj  feine  (Sorge 
für  unö  baben  bürften,  fonbern,  wie  ber  Strang  feine  Gier, 
un^  ^wmQUQtcni  wer  würbe  nun  in  biefcm  galle  glauSen, 
bcncn,  tii  ibn  erzeugt  baben,  G'bvfurd;t  unb  ^ichc  fcl)ulbig  ^u 
fet)n?>  G'ö  würbe  ^war  (Eltern  unb  ^inbcr  geben,  aber  jie« 
tK5  53erbaltnig  M  ©eborfam^  unb  ber  Unterwürfigkeit 
würbe  gan^licl)  aufboren;  ^um  bcutlicben  25eweife,  ba^  Ui^f 
tercö  gar  feine  ^?auptbeftimmung  hti  bem  Sßort  Sobn  ifl, 
3a,  id)  glaube  hiz  mcijlen  fD^oralijIen  auf  meiner  Seite  ju 
baben,  wenn  id)  bcbaupte,  ba^  biejcnigen  feinen  gegrünbe= 
ten  ^nfprucö  auf  ben  ©eborfam  il^rer  ilinber  macben  fon« 
nen,  weldje  t)on  Sugenb  auf  Slnbern  hie  Sorge  überlaffen 
baben,  biefelben  ^u  bilben.  Gine  9}?utter,  ber  t^it  ^'brtg^ 
feit  baö  ^inb  gleicl)  bei  ber  ©eburt  jinwegnimmt,  unb  in 
einem  6jfentlic{)en    jjaufc    t>erforgt,   —   welc^jen   SInfprud) 


60 

!ann  fic  in  folgcnbcn  3«§ren  auf  bcu  ©ejorfam  bicfes  Äiu> 
t>c^  t()UU? 

Sßcim  nun  Der  2ogo$  @o^n  ©otteö  genannt  mxh,  fo 
foUcn  Don  felbfl  alte  Diebenbegriffe  Jiniveg,  bic  bei  unö  crf! 
baburcl)  f;in3ugc!ommen  ftnb,  bag  xvir  md)t€  aU  6H«« 
um  unö  fi'I)cn^  bic  in  i^rcm  erjlen  l^ulflofen  gujtanbc  bie 
Sorgfalt  anbcver  not^ig  r;atten,  ^'r  fann  ©o^n  ©otteö 
fepn,  o!)ne^  bag  feiner  mit  bcm  53ater  t?5lltg  gleichen  Wla^ 
jtefldt  baburd)  etit)a0  benommen  trurbe. 

(S(ar!e,  bcr  fd)arfitnn{g(le  ©egner  be^  getro^nlicljcn  2e[)r* 
begrijf^  bon  bcr  :t)reicin{gfelt,  mad)t  e^  ^ur  ©runblage  fcl^ 
neö  verfeinerten  SIrianifmuö,  bap  ber  Sogo^  nicl;t  Se^oDal^ 
fet)n  fonnc,  tveil  i^m  bie  @elb(lurfprunglid;feit  fef)fe:  bcnu 
aU  @o^n  be^  53aterö  Jabe  er  ben  ©runb  feiner  ßviftcnj 
ntc^t  in  jTd)  fclb|l,  fonbern  in  bem  SQaUx* 

Unfere  ^^ifofop^ie  I;at  eö  freilid;  ^um  Äarafter  hei 
t)ollfommenjtcn  SScfen^  gcroa[;(r,  bng  e^  in  fid)  allein  ben 
©runb  feinee  2)afei;nö  l)abcn  folle.  3d)  will  nid;t  mut^« 
ma^m,  ob  nid)t  biefer  ^anon  hd  fünftigen  genauem  Un* 
terfuc^ungen  ber  erfreu  metap^vfM'd^cn  ©runbfdge  fold)e  ^e^ 
jümmungen  tefommen  f'onnte,  hk  un6  leid;ter  mad}ten,  bie? 
felbe  auf  hU  Se^re  Don  ber  Dreieinigkeit  an^uivenben.  (Eine 
notfjwenbige  SßirFung  eincö  norf)n?enbigen  ^^rincip^  ifl  bcd) 
gettjig  eben  fo  not^n^enbig,  aU  ha^  ^rinciv^  fclbfr:  follte 
cö  nun  nid)t  genug  fet)n/  beriefen  ju  baben,  \>a^  ber  !^ogoö 
ein  chm  fo  not^wenblgc^  5föcfen  fct?,  aU  ber  ^ater;  unb 
fann  bcnn  aud)  je  Don  bem  ebe[|len  ©efd)opfe  gcfagt  wcx^ 
ben,  bag  e6  von  ©ott  !raft  einer  pbi;fifd;en  Dlotljwenbigfeit 
hervorgebracht  irorben  fet;,  baß  ber  S3egriff  biefe^  ©efd;üpfc^ 
Sum  töcgriffe  (3otUi  gc()brc?     ^cl^t  alfo  nid)t  fc^on  biefcö 


(51 


m\^u]c  bcn  ^ogoö  ober  öllc^  ^•nl)Iicf)c  ^inwcg/  bog,  fobalb 
©Ott  \va\\  notJa\nibig  aiid)  er  fei;n  mu{5tc? 

^od)  e^  fct)  einmal  unfern  Ül}?etap^»fifcrn  erlaubt,  baß 
fte  il)rc  9\egcl,  fo  wie  pc  biefelbe  gegmircirtig  bcjlimmt  Ja> 
bcn,  and)  auf  bie  geoffenbartc  Se^re  tjon  ©Ott  ann?enben. 
92ocö  iaUix  t>k  ^larflaner  nic^t  gewonnen. 

(5in  (Sojn  &at,  wie  ^larfe  fclbfl  gefielet,  im  53ater 
ntd)t  eigentlicf)  ben  ©runb  feiner  ^Tiften^,  fonbern  burd)  ben 
53ater  f;at  feine  (E'rijrenj  blo^  gcwiffe  SSejlimmungen  be!om^ 
men.  9]id;t  d'viflcn^  überhaupt  ^at  er  t)om  ^öater,  fon? 
bern  bloß  biefe  ^•xifren^»  Sllfo  it>dre  ber  Sogo^  eben  fo 
felbjturfprunglicfc,  w?ie  ber  53ater;  nur  erhielte  fein  Dafct)n 
burd)  hm  SQam  geirijfe  23eftimmungen,  \vdd)c  un^  ©ort 
nic&t  faglicl)er  offenbaren  fonnte,  alo  unter  bem  53er^altnig 
cineö  S^ater^  ^um  ©ojnc, 

3cf)  fonnte  foirol  ben  ^tüdUU  M  bk  2Intn?ort  noc^ 
a^eiter  entmidfeln,  aber  tocil  ^err  U*  nid)t  auf  biefcn  Qiuf 
ivurf  c,chai\t  6at,  fo  gejbrt  bie  SBeanttrortung  befl*elben  ei? 
gcntlid;  \nd}t  Jie^er,  unb  tver  5^eru^igung  über  bcnfelbcn 
fud)t,  i(l  ennreber  ^u  gelehrt,  ober  5U  ungelel;rt,  al^  bag 
tbm  nur  mit  ein  paar  Linien  2lntn?ort  gebicnt  n^dre. 

2Bir  Jaben  nodf)  bie  gragc  ^u  unterfud?en  übrig:  ob 
man  benn  wurHid)  in  ben  (5treitig!eiten  mit  ben  feinern 
2lviancrn  groge  ?Sort6eilc  öon  ber  Urlfpcrgerifc^en  ^Jppotfiefe 
ju  er\t)arten  \)abc'^  (^^  i(I  wabr,  bie  mcijien  i)ahen  bamit 
angefangen,  gegen  unfere  ^eijxe  ^u  argumentiren:  aber  im 
©runbe  iioaren  baö  immer  nur  ^D^incn,  hie  fte  fpringen  laf? 
fen  iDolIten,  um  ben  6a^  gu  wiberlegen,  bag  in  bem  ein? 
jigen  ©Ott  brei  Subjefte  fe^en.  I5a^  tj!  ber  cigentlictjp 
knoten,  unb  fo  lange  biefer  feftgefnüpft  bleibt,  fo  lang  ijl 
feine  ^pojfnung,  bog  für  unfere  Sejrc  ein  ©egner  n?erbe  ge? 


62 


tronncn  w?cvbcn.  Unb  mxh  i^nen  nid;t  immer  nod;  fcte 
2Iu^fluct)t  offen  fxcljcii,  baß  bei  ber  ©otti)cit  bic  gcnaueffe 
Uebereinflimmuug  ber  inncrn  unb  duflferu  5Berf;dltntiyc  fepu 
mulfc,  baß  c^  in  bem  imicvn  53er^dltmg  be^  Sogoö  3um 
^ater  feinen  ©runb  böben  muffe,  tvanim  jTd)  jener  in  r^ic^ 
fe^  ^erf)dltnig  ber  Unterwürfigkeit  gefeilt  ^abe.  ^ielletd)t 
wollte  ©Ott,  ireil  er  un5  eben  jene  innere  5ßer{)d(tniflfe  nid}t 
offenbaren  fonnte,  ^renigflenö  burd)  ^Offenbarung  biefer  auf; 
fern  ^u  ernennen  geben,  t)a^  eigcntlid)  ber  53ater  alleö  in 
öUcm  fc9.  2(n  ©egenexceptionen,  neuen  gragen,  gefd;drfte« 
ven  (Einwürfen  wirb  e6  gewig  niemals  in  einer  fo(d;en  Sc^re 
fehlen,  wenn  man  fid;  nicl}t  fe(t  entfd)ließt,  einmal  bei  ei? 
nem  gewiffen  ^un!t  freien  ^u  bleiben:  befonbcrö  ta  t^eolo? 
gifc^e  6treitigfciten  großtent^eilö  ein  gelb  für  ben  S'brgei^ 
füib,  unb  obne  aufrid}tige  SSa^rbeiteliebe  geful;rt  werben. 

^a^  fonnten  wir  antworten,  wenn  ein  Gegner  unfere 
€rception  auf  un^  felbil  ^urucfbre^en  wollte,  unb  bebaupten, 
t^a^  uberl)aupt  bic  gan3e  Sebrc  t)on  ber  ©ott^eit  beö  Sogo^ 
bfonomifd)  fei) ;  miß  Ijabt  fie  frcilicl)  auf  t>aß  allernad)brücf= 
lid)jlc  unb  im  gottlid)fren  ©lan^c  müflfen  bargeftellt  werben, 
weil  wir  nac^  ber  ^eranf^altung  @otte6  burd)  i^n  3um 
SeJoDab  fommen  follten? 

^•in  ^onig,  ber  feinen  erjlen  ^inifter  ^u  rcbcUifc^en 
Unrert^anen  fd)icft,  follte,cr  nicl)t  alö  ^mci^  i^re^  ncui?er* 
fprod)cnen  ©cjorfamö  forbern  fonnen,  tia^  fie  biefem  hi^ 
auf  eine  gewijfc  ^Vriobe  alle  t)ic  S'Jrc  crweifen  follen,  t)it 
feiner  eigenen  5!}taieftat  gebührt?  25ir  werben  biefer  S3c^ 
bauptung  cntgegenfeBen,  ba^  ber  Sogo^  (So.  i.)  fd;on  Dor 
bau  ölnfang  aller  Kreaturen  ©ott  beige,  alfo  nic^t  in  $öc^ 
itebung  auf  ©efct>üpfe  biefen  Olamen  fübtc:  allein  ^?err  U. 
nimmt  an,  6fonomifd;c  ^rdbif'ate  fdnbcn  ßud;  ijor  bem  2ln* 


65 


föiig  bcr  Dinge  (latt;  er  {>atte  (tc^  olfo  fd)on  ^um  SSorau« 
fclbft  gctinrtrortct.  Die  @cl)rift  bringt  abcrjfo  unauf^crlid) 
üwt)  unter  bcn  V)erfc^icbenftcu  2Iu6brucfen  öuf  bie  2(ncrfen? 
nung  bcr  ©ott&eit  3efuö  (S()ri(lu6,  baö  i(!@ecle  tf>re6  göiu 
^eii  ©ijftcmö;  überall  iuirb  (äl)xi\in^  ^amc  gerühmt,  feine 
^^re  erjoftt,  t)U  ffdrFjUen  SSciveggrünbc  ^ur  (5)otteöfurd;t  öuö 
bcmfelbcn  hergeleitet,  e^  ift  beinahe  fein  einziger  2luöbrucf 
t?om  3cl)0üa&  gebrandet,  ber  ind;t  and)  hd  tf;m  öorfdme. 

Die  2lntit)ort  ber  Gegner  roirb  fcijn:  (goUte  jener  ^5^ 
ttig  md)t  ibcix  fo  eifrig  auf  bic  Slnerfennung  ber  l;od)fJen 
5Qurbe  feinet  fjjjiniftcra  bringe»  fonnen,  M  ob'ö  feine  cu 
gene  ^erfou  wdre?  ^r  xviü  ^tvar  nid)t  jebcm,  ber  fiel)  tu 
biefcn  Soften  einbringen  vo'ül,  bie  ^•f;rc  bejfelbcn  lajfen,  er 
eifert  auf  ^a^  an^altenbjle  bagegen,  ha^  niemanb  öuiJcr  er 
aüdn  ali  ^bntg  ernannt  irerbe:  aber  fonnte  man  benn 
feine  fbniglic^e  Sßurbe  auf  eine  reellere  Sßeife  önerfennen, 
M  vocnw  man  feinen  erjleii  ^^inijler  auf  feinen  S3efe§l  aU 
^onig  annimmt? 

(So  fonnte  bic  gan^e  Sejrc  Don  ber  ©ott^eit  be^  Sogoö 
auf  eine  üfonomifd;e  2(rt  öorgcftellt  «werben;  it>ir  irurben 
un^  aber  burd)  \)k  Urlfpergerifd;en  ©runbfd^c  eine  gdn^lid)c 
5Biberlegung  oft  beinahe  unmoglid?  mad)en,  unb  flatt  beö 
fleincn  ^I^ort^eil^,  ben  wir  ^u  erhalten  hofften,  an  ben  tt?ic^^ 
tigftcu  Oxtcii  unfern  ©egncrn  freien  $lag  mad)cn. 

3d)  bin  iDcit  entfernt,  allc^  biefe^  ^perrn  U.  al^  ^on# 
fecjuenjen  auf3uburbcn,  fo  wenig  alö  er  biejenigen  ^^cologen 
für  ©uborbinatianer  crfidrcn  wirb,  «)eld;e  in  bem  D^^amen 
@Oi)n  (^otteä  ein  not^wcnbigcö  innere^  5}erl;dltni]s  aueges 
brücft  fi'nben.  9^ur  glaube  id)  berechtiget  ^u  fei)n,  ^u  bitten, 
bic  ^ortf;ciIe,  welche  au5  biefer  neuen  ^pijpotjefe  entfprins 
gen  follen,  al^  feinen  (E'mpfeljtlung^grunb  für  biefelbe  anju* 


64 


geben.  Db  öa^u  freiließ)  eine  geirtffc  ©attung  üon  acuten 
ju  bereben  fcpu  ivirt»,  bie  immer  btc  O^ren  f!u^f,  uieiui  fi'e 
t>oit  einer  neuen  Icidjtern  ^öitberlegungö  ?  Wlct^o^c  \)hxct,  M^ 
weig  id)  nid)U  2)ie  guten  Seure  noiffcn  meiften^  t)on  bcn 
alten  Slntnjorten  nicl)t^,  t)U  man  Idngjt  ben  ©egncrn  cnt* 
gegen  fe^te:  n?ie  t)l  i)on  ^inbern  ta^  p^ilofop^ifclK  nil  ad- 
mirari  ^u  forbcrn?  '^k  f5nncn  biefeö  neue  Icicf)tcre  enblid) 
nccb  begreifen,  md  e^  i^ncn  fteben  unb  ^tvan^igmal  üorge^ 
fduet  wirb;  ftc  empftnbcn'^,  ba^  eö  in  i&rem  ^opf  anfangt, 
ein  bigd;en  ^u  tagen,  unb  rufen  benn  bd  biefer  Ddmme= 
rung:  2lm  bellen  S:>mmd  j^ebe  ie^t  tit  6onnc,  biöf/cr  fet) 
cimmcrifd)e  §in|!crnig  öuf  bcm  ^'rbfreife  gelegen.  Wit 
U)eld)em  d'rbarmen  mug  auf  folc()e  Sdrmer  berjcnige  bcrab* 
feben,  ireld^cr  ©eine  unb  ®clel)rfam!eit  genug  J^atU,  fold}e  ^e^ 
jümmungen  nad)  feiner  Ueber^eugung  ^u  berichtigen,  aber 
äud)  ©abrbcit^liebe  genug,  bm  Einfluß  biefef  ^erbeflfcruni? 
gen  auf6  ©an,3c  genau  abzutragen. 

^?crr  U.  i)atf  um  feine  5[)ieinuug  red)t  fur^  auöbrucfen 
5U  fbnncn,  einige  neue  ^unjtn^orter  gcfd;affen,  unb  t>cn 
einer  ^löefen^?  unb  Offenbarung^  *  Dreieintgfeit  ge* 
fprod)cn.  3d>  glaube  auf  bk  ^'mpflnbung  einca  jeben  Se^ 
fer6  micf?  berufen  ^u  bürfen,  t)a^  t)k  gan^e  5Sorftcllung  bcf- 
felben  baburd;  gar  nic^t^  an  Dcur(id)feit  geironncn,  fonbern 
Dielmebr  ©clcgenbcit  ^u  uirenblid;  fielen  SOlipi^erftdubnitKn 
gegeben  fet).  ^ö  wirb  biefcn  ilunfrn?ortern  balb  geben,  trie 
e^  i)on  jebcr  ^a^  @vt)icffal  aller  berfelbcn  n?ar.  Uufcre  emfig 
fammclnbe  ^^beologen  itjerben  fte  entn?eber  polemice  ober 
thetice  ini  ^ompcnbium  fegen:  ber  crjle  t^erftunb'iS  nod), 
\va^  bamit  gemeint  war,  benn  er  ^attc  bie  Urlfpergerifd;c 
(öd)xi\t  i\od)  felbjl  gelefen;  ber  anbere  Ht  eö  bloö  Dom  @a? 
gen  feinet  Sebrerö  tn  bcn  Kollegien,  empfangt  c^  alfo  fc^^on 


66 


i\\d)t  mein  (^anj  lauter;  ein  britter,  t)cm  eSfeln  i^cjrcr  iüd)t 
gcfagt  Jat/  rdt^  auö  ber  ^rpmologfe,  unÖ  man  fanu  immer 
ein^  gegen  ^nnbevt  n?etten,  tag  üon  nun  an  biefe  ^unjl* 
werter  unter  ber  SSebeutung  <jebraud)t  luerben,  rodd)t  t^nen 
ber  le^tcrc  angebid)tet  i)at  I^iefeö  ifl  ber  natürlicl?|le  5[3eg, 
5um  ^e^er  bei  allen  nacbfolgenben  Sa^r^unberten  gemacljt 
^u  tverben,  ^cin  Kenner  ber  ^trc^engefcl)icl)te  tüirb  S5et* 
fpiele  3um  S5eit>eife  verlangen.  Unb  tvenn  ftc^  aud)  ^err  U* 
nid)t  ffird)ten  wollte,  bei  einer  neuen  öluögabc  be5  ©djluf» 
felburgö  in  bem  feilten  2:^eil  ftd)  verewiget  ^u  fcben ;  fo 
follte  er  ^d)  boc^  nid)t  t>k  grei^eit  genommen  Jaben,  in  tu 
ner  Se^re/  bh  obnebieö  burd)  aufgebaufte  ^unjlwbrter  t}a^ 
©cfpotte  ber  geinbc  unb  bie  ^reu^fd^ule  ber  benfenben  ^bpfe 
geworben  i(t,  noc^  neue  ^u  er(tnnen,  unb  baö  (ogar  obne 
alle  ^lotbwenbigfeit.  Wit  wie  t>iel  traurigen  6d}icffalcn 
wdrc  nid;t  bie  c^iriftlii^e  ^irdje  t>erfc^ont  geblieben,  wenn 
jebc  ^art^ei,  i^rc  50^einung  immerhin  o&ne  öUe  Äunffwbrter 
in  ber  populdrcjlen  (Sprad)c  gefagt,  ober  nur  ba  ganj  fpar^ 
fam  einige  erwd^lt  bdtte,  wo  man  ofne  biefelben  einem  gc> 
fdl)ilid)en  (Gegner  bie  le^te  2Iu6fluc()t  unmoglict)  t^ätU  ab* 
fc^neiben  fonnen.  2lbcr  bag  allc^  bem  5ltbanaf{ud  auf  ber 
breiten  ©trage  nad)laufen  mugte,  unb  \ia^  fein  S3eifpiel  auf 
uufer  Zeitalter  nod)  wi^t  genug  pvaftifd;e  ^Bivfungen  ju 
1:}Cibn\  fd)eintl 


epittler'd  fammtl.  müe.  Vfil,  m. 


66 


III. 

i^rttifd^e  Unterfuci&ung  t)eö  fec^jißften  SaoM^ 
cenifd^en  ßanon§*    35remen  1777. 


OS  0  V  r  e  b  e* 

^an  \)(it  feit  einiger  geit  öng^föugen,  bie  gcugnifl'c 
ber  ^ird;ent?dter,  tt)elc^c  in  ber  ©cfd)id)re  unfcrö  bi6Iifd;cn 
^anonö  bi^&cr  gebraud)t  Vüorben  jtnb,  fonjo^t  fritifd)  öIö 
exegctifcb  genauer  ^u  prüfen»  $Sefonbera  f)at  S^cxv  ©eneral^ 
fupcrintcnbent  ^nittel,  unb  nad;  if;m  ^?crr  5}?crfel,  einige 
(Stellen  ber  Äird)enDdter,  bie  getto^nlicb  bei  bem  ^enjeig 
für  bie  2lpofali)pfe  öngefu^rt  n?erben,  nad;  i^rcm  wahren 
©inne  forgfdltiger  ^u  cntnjidfcln  gcfu($tt  53ielleicbt  bient 
biefe  (Scbrift  bö^u,  du  geugniß,  t^a^  man  getro^nlicb  auö 
hm  ©cbluflfcn  ber  Saobicenifcben  ©pnobe  genommen  f)at,  in 
feinem  unöerfdlfcl)ten  SBertJe  ^u  geigen.  D^icbt  nur  in  ben 
©treitig!eiten  über  tik  3lpo]fah;pfe,  fonbcrn  tor^uglidS)  aud) 
in  ben  (5treitig!eiten  mit  ber  fat&oIifd)en  ^ircbc,  wirb  biefe^ 
Saobicenifcbe  3c"3"^ß  Jduftg  öugefüjrt:  um  fo  öu^gcbreitc^ 
tcr  i(I  ölfo  ber  9Zul^cn,  ber  ftd)  Don  einer  fiitifd;en  S3crid;ti? 
gung  beffelben  entarten  lagt,  Sollte  bie  (5cfd;ic^rc  unfcrö 
bib(ifd)en  (^«non^  burcb  i>k\cn  Q3erfud)  einiget  Siebt  gemin- 
wm,   fo  gebührt  ber  2)an!  ber  gropmut^igen  S33ercit«?illia 


67 

feit,  voomit  \)kv  iebctn   grcmbcn   t)cr  freie  ©ebraud)  einer 
mit  mc^r  aU   Von\Qlid)m    ^ojleu    öefammelten    $8i6IiotJe! 
gcflattet  wii'b.    T)ci'  53atcr  unfcrö  S^mn  Sefu  d^rijlt  fegnc 
cud;  bicfen  geringen  $5eitrög  ^u  Öluffldrung  bcr  ^löajr^citl 
©üttingcu,  ben  6.  (September  1776, 


§.    I. 

^iDifc&en  bie  berühmte  ^ird;ent)erfammliin3  ton  ©ar^ 
bifa  im  S^Ijr  34-7  '")  «nb  bic  i^ou  (^onjTöntinopel  im  3ö^r 
38i  fallt  eine  ©v"«?^^  5«  Saobicea  in  ^brygifit/  t>on  bcr 
möu  nod)  eine  ^iemlid^c  ^DZcnge  ^d}Iu(fe  Jat«  G)cfcfeid)tc 
unb  3<^itred)nung  biefcr  ^ird)eni)erfammlun9  ftnb  dugcrjt  un- 
gctvig.  25öroniu^  fegt  ftc  noc^  t)or  bie  92icdnifd)e,  unb 
wenn  freilid)  feiner  ^DZeinung  ind)t^  entgegen  ftunbe,  M 
baj5  bie  ^H^otinianer  im  fiebenten  Q.auon  beffclben  fd)Dn  t)or* 
fommen,  fo  njdre  biefer  gtreifel  gering,  «?eil  nod;  nid;t 
öu^gemac^t  i|I,  ob  md)t  ber  DIame  ^^otinianer  gufag  einer 
fpdtern  jjanb  fc»  *"'•').  2Iber  man  barf  nur  bic  <Sd)Iijffc 
fe(b|l  anfeben,  um  fid;  511  überzeugen,  ta^  ftc  M^  SBerf 
cinc^  fpdtern  gcitaltcrö  ftnb.  (I'inc  Sirene,  bic  nod)  faum 
cr(l  ben  fd)red'(ic&|1en  53crfolgungen  entrijfen  Sorben,   unb 


•^)  Siefe^  Sabr  fe^en  bie  35aIIerini  in  ibrrr  ^bf)anhl,  de  anii- 
quis  canonum  collectionibus  in  tem  britteu  »tbetl  i&rer 
Mü^Siahe  ber  2öerfe  £eo  &e^  Oropeu.  @.  21.  ^err  ^onfiflos 
rialratl)  SSalcb  fe^t  in  ber  @efd)iitte.  ber  ^ird)ent)erfamms 
luugen,  @.  175  baö  3al)r  344,  xmb  seigt  ©.  178,  bap  ba6 
%\{)x  biefer  23erfammlung  eine  ber  Dielen  ©treitfragen  fep, 
bie  hei  biefer  Spnobe  meljr  atö  leicht  bei  irgenb  einer  an= 
bern  erregt  werben. 

**)  f.  ^^erru  ^onfiflorialratl)  ^aW^  ©efcbidjte  ber  ^irc^eim. 
©.  2J4.  Ölnm.  2, 


68 

bk  qUiö)  m6)  üluf^brung  bicfer  äugerlfcl;cn  «Bcvfofgungcu 
t)Dn  f;cftpgen  inncrlid;eii  Unrufjcn  jcrriittct  trurbc,  ftat  nid)t 
2lltcr  unb  nti^t  9}Zugc  genug  um  foldjc  ^oli^cianftalteu  ^u 
machen,  aU  in  ben  ©c|)lu|Tcn  biefcö  ^onciliumö  enthalten 
ftnb.  dlodi)  einen  tHeKeid)t  fldrfcrn  95ea^eig  gegen  bie  Wlc'u 
nung  be^  ^aroniu^  enthalt  bie  Ucbcvfcl)vift  biefer  (äoiKÜmu 
fd)(uge.  ^  ©owo^l  im  gried)ifcten  !Ierr,  aU  in  öKen  alten 
Uebcrfc^ungen  ^ci^t  e^;  bie  6i;nobe  fcj)  Q£\)aiUi\  trorben 
5U  Saobtcea  im  ^acatianifd;en  ^^&n;gien.  ^u  ben  Reiten  beö 
9itcanifd;en  ^oncilium^  n^ar  ^^v^gien  nod)  nid)t  get^eilt: 
fclb(!  nocj)  3u  ben  geiten  be5  förbifd)cn  (Sonciliumö  gab  e^ 
«UV  ein  ^"»^vi^gien  "■);  alfo  fann  bie  (aobicenifd;e  ©i;nobc 
nici;t  jenfeitö  beö  3a^rö  344  ober  347  faden.  Unter  allen 
t)m  t)erfcbtebenen  9}?cinungen  fe^t  eö  bod)  feine  junger,  aU 
\n  baö  3«6r  38i :  benn  fotrol  in  btn  grted;ifc^en  (Jvem^ 
plarien,  al6  in  bcr  3fiborfd;en  unt)  Dioni)fffd}en  Ueberfe^ung 
liefen  bie  Saobiccnifd)en  @d)lü(fe  i?or  ben  Defreten  bc6  Son* 
fiantinopolit.  (^oncil.  2Bai5  man  i>on  ber  ©efd)id;fe  biefer 
^ird)ent)erfammlung  trijfen  tüill,  berul;t  ein3ig  auf  iO^utf)? 
magungen.  ©Dbefroir''''0  f^»^  ^0?  »i  ©ratian^  I5efret  ^^'^j 
ein  ^f}eobofiu6  al6  ^JerfalTcr  bicfcr  @d;lafirc  angegeben  irirb, 
unb  er  glaubte  eine.2te6nlid)feit  ^wifd^cn  ben  £aobicenifd)cn 
@cl)luflren  uub  ben  ^ÖJdnungen  eineö  gcrt)iffen  !il)CDbDJTu!?, 
beffen  ^l)ilo(torg  gebenft,  ii?a&r3unel;men;  überbieg  cr^dl^It 
and)  5)}j)iIüftorg  tvirflid)  Don  biefem  h;bifd)en  ^ifd;of  2:{)co? 


*)  gj?an  mu|j  l)ier  nirf)t  nad)  bem  ^emWidiin  X(xt  ber  ^on= 
cilien  =  Qiuööaben  ober  ber  2öerfe  be^  Jpilrtriui^  iirrl)eilen: 
i>it  ^allerint  i)aben  ibn  (1.  c.  6.  18  §.  5.)  feljr  glucfUc^ 
«w^  einer  alten  ueronifcfcen  ^anbfcfcrift  DerbciJert. 

**)   In    dissertalionibus    Philostorgü    hislor.    EccJes.  subjunclis. 
pag    025.  526. 

***)    C.   II.  disf.   16. 


69 


bofi'uö,  baß  er  eine  ©ijnobc  5«fammcn6crufi:u  i)ah?  miöcfa^r 
um  ha6  Sa^r  363;  unb  \)iXQUid)t  man  unfre  ?aobiccnlfd)cu 
(E)d;Iufft'  nüt  bcmjcnigcn,  wa^  ber  ©egenflanb  biefev  <5«nobe 
qciiH'fcu  fc«n  foU,  fo  Ift  bie  2Ic6nI{cl)?c{t  untaugban  ^agi '*) 
fcl}dnt  ©obefrot)'^  3}?cituing  bci^ufrimmen,  ober  ^iircmont*'''*Ö 
jtügt  fid)  bavan,  bagcine  .^ird)cm)crfammlung,  bereit  @d)f^flfc 
Dou  ber  Si'n'd)c  fo  allgemctü  angenommen  ttjorbcn,  au^  la«'/' 
ter  arianifd)gc|tnnten  25ifd;&fcn  bcflanbcn  ^ci\)üi  foIT;    (^egeu 
eine  ^egebenBeit,   bie   bod)   fo   Diele  ®a^rfe{)einlicl)fe{t  I)at, 
0(6  biefc,  follte  man   feinen  Ü5runb  au5  ber  ^octmatif  nel> 
men:  unb  e6  n?arc  fiberbieg  nic^t  ba6  einzige  33eifpiel,  ha§ 
bic  ^ird)c   fü(d)e    @d)litflre  öngenommcn,    itiefdjc  auf  foge^' 
nannten  fet2erifct)en  (Soncilie»  gefaßt  trorben*     ?!^arfa  ^'^'"") 
fet^t  ha€  Saobicenifcöc   (Soneitium  in  \^a4  3a jr  365;  benu 
er  glaubt,  ber  '^rief  be§  .^aifcr  53alentinian^  fammt  bcnJ- 
(E)i;nobalfd)rcibcn  ber  3llm*ifc()en  'Si)nobe'bei;m  vH^eoboref''''^"''''"') 
fei)  an  bic  ^dter  ^u  £aobicca.  gc4nd>ret  g-c\Tefcn:   ober  öu§ 
ber  Ueberfd)rift  f)    bti   faiferlid^n  ©c()rcibenä  folgt  md)t 
tiot^iDenbig,  i)a^  b'u  35if4)ofe,  an  bie  e^  ^md)Ut  voar/-^k}^ 
fmnmelt>'.  gemefen    feven.       ©onberbar    wau  '^$,    warn 
man    öu^    ber     Ungcivipeit    ber' -@efd)ic|)te   tiefet   €on* 
cilium^    einen    iSinwurf    gegen  -feinc^  SBid)t(gfcit    mad;eu 
ttJoUte*     53Dn    .be«    tt?id)ti9flen    ^gejben^eiten    ber    erpen 
d)riftlid;en    ^ird)c  vtjiffett  "  iijic  ibfeg;  tk- S^fultate:  nicfet^ 
t>on    \>m    ftufen\t)ctfen     ^cr^aubhmgen,    nid;t6    t)on    bcu 


*)  a.  a.  3i4. 

**)    Tom*  VI.  les  Aricns  art.   109  et  not    gS- 
***)  De    Concordia    Sacerdotü    et    imperii     '  PFartCÖf      1708* 
pag.  2i5. 
♦***)   Hist.  Eccl.  L.  ly.  c.  8. 

t)  Episcopis  Dioecesis  Asianae ,  Phrygiae ,  Carophrygiae,  Pa- 
catianae. 


70 

töorSercitungcn^  tt?ic  eine  ©ad;c  md)  unb  nacf)  cntjlanbcu 
ijT.  ©clbfl  i?ou  Der  9f^icdnifcf)cn  ©J)nobe  f;öt  man  feine 
öit^fu^rlid)e  bieten:  bie  ?0?enfc&en  mußten  ev(I  buvd)  üiclc 
^•rfa^rungen  belehrt  werben,  \vk  gegen  ^k  ^wjeifelfuc^t  unb 
€^ifanc  ber  O^ac^wclt  fein  fi'd^ereö  fDiittcl  fet),  aU  bie  ge» 
nauc  ^uf3eid;nun3  öUer  s^erjanblungen.  25er  Ic^te  ^önon 
bicfer  fo  bunfeln  laobicenifc^icn  @i)nobe  Jat  fidj  hd  ben 
neuem  (^trettigfeiten  über  b^^n  CEanon  6efonberö  nicrhrur= 
big  gemad;t.  €'r  entljdit  chi  23er3eid;nig  ber  fanonifd;en 
23ud)er  M  Citren  unb  dienen  S!e(ltament^»  2)er  SSert^eibiger 
beS  2!ribentinifd)en  ^oncilium^  öcrmigt  in  bem  crjlern  ba^ 
5öud)  Subito,  Sobiaa,  ha^  23ud;  ber  SBciä^eit,  (gprad)  unb 
bic  S?ud)er  ber  5p|acca6äer:  im  ^er5eicl)nig  ber  6d)riften 
beö  neuen  ^^eflament^  fcfilt  bie  Offenbarung  So^anni^. 
ipier  ift  ber  neun  unb  funf^igftc  unb  fed)3igftc  ^anon,  wu 
man  fie  in  hm  gett)b()nlict>cn  ^u^gaben  finbet.  Scr  neun 
unb  fünfzig jle  mug  hd  einer  genauen  Unterfud;ung  ba^u 
genommen  iverben,  weil  er  ben  ©inn  hc^  fect)3igrtcn  bc^ 
(timmr. 

,    Can.  69.     On   ov  Sst   iSiCvriKovq  '^a.'hfxovq  Ksysr^oct  €v 
r7l    skkXtjUIx    ovSs    cxkxvOvi'^x    ßißXiOi    akXcc    fjLQyy.    rx 

— -60.     0(7«  Set  ßißXicc  avocyivCü(THed'!;ii  ttj;  iCoiXoiioct;  ^;a- 

dTJKT];,    yS,VE<Tj:i     XOO'JJ.OUf   €^C$Oq   AtyVTTTCV ,    ksVlTiKOv, 

apiS'fioi,  SsVTepoyofiiOv y  Jrjaov  tov  Na^»?/,  KpiTOCf, 
pov^y  sSrjpy  ßxaiXeiuy  'jrpcvTij  xcq  Sevrepoc,  rpiTi] 
xcii  rerapTTj ,  TrccpocXenro/aevcc  Trpcorov  Hocf  ^svrepovy 
KaSpcc    irpöorov    v.cu    hevTepovy    ßißXog    ^fxXfiuv  pv, 

•rCcxpOlfJLiCU  ^xXoflCüVOqy  SKKX7}(TiX?7]g  y  OCOr/JLX  CC<T/U.XTCCVy 
licßy   SuSsKXTl'poCpTJTOV,  IcTa/a^,    IsfEfltOCq    XOU  BxpoVX) 

dpTjvoi  xcu  EXiioXccf  le^exTjiX,    Axvi7]X.     Tx   re   T7]Q 


71 

Hoctif7j4  Siad'TjHTjc  TUVTX.  EvocyysXict  TECa-ccpec*  Xcxtx 
fiöLT^aiOV,  HXTOi  fioi^iioy,  xotra  KovnctV  y  Xtxrct  locavyrjv 
'TTpcc^sig  airo^oXcüy.  Ein^oXccf  nad'oXixa^  ^'  locntüßs 
ymxy  Wbt^qv  SvO;,  loavyov  rpetg^  lovSiz  jniat.  ^ifi" 
'SoXccj  YIolvXov  Sejiarsr&cipeQ,  Tipog  pu/xocing  fiia,  'Trpog, 

HOpivd'iag    Svo,    TrpOqyOiXeCTCCq  /J.l2(f    TTpOC  s(p8'TC8q  fllXy 

TTpo:;  (piXiTnciding  fiioL,  Trpog  %oXo7(jcf.si-q  J^^^^?  frpog 
(decTdocXovmetq  6vo,  vpog  Eßpouovg  fiioc^  tcpog  Ti/xo- 
d'SQv  SvOy  Trpog  T^rov  fiioc^  kcu  irpo:;  (^iXtj^ovoc  fiia, 

d'i^  öicbt  ^wav  tidU  in  9vicd()ifd)en  \5cittt>fcl}viftcn,  tjeils 
in  bcn  6ammliingcn  einiger  befonbcr^  fpatern  9rlccl;ifc&ett 
^anonijten,  aiic^  bei  53er0!etc^ün9  b'er  SfibDi'W^"  lieber^ 
fc^ung,  einige  ev0^icl)cÖ5rtrianten;'  bod;  ijl  ba^  einftim* 
nilge  ^Vugnlg  bcr  glaubwürblgften  ^2önbfct;riften'unb  ©anuii^ 
langen  bc(!dnMg  für'  ben  Ztxt  [o,  tck  id)  t&n  Jter  ou^ 
SSeberibgt  (^pnobifon  öbgefcl)nc15en  l^öbe,  ^at  'cv5eblld;e 
53ariantcn  ^u  fei;n  fifletricn/'Jaben  H^  geictcn  bcr  53ev^ 
ii>erjTicl)felt  fc^oil  an  fidj:  iuib  niinbcr  crbälidie  trarc  l^ici* 
befto  tt)cniger  bcv  9}iu^e  luertb  sn  Ja'mmcin,  ba  üon  ber 
Slut^cnticitat  be^   ganzen   ^er5eid)n{ffe6   bic  Diebe  ijT» 

^^  ift  nnfrrcitig,  b(^g  hü  25ifd)Dfe  bcr  SöDbicenifdjcn 
©i^nobe  5unad)il  Jler  bIo@  bicjenige  $Bud;cr  bcfttmmen  n?oU^ 
tctt,-  n)cld)e  m6)t  5ffcntlid)  in  ber(5)entcml)i*- foHtcn  tjorgcle^ 
fcn  tpcrbcn  ="0/  nic^t  nur,  ivcil  mit  bcm  größten  ^ec^t  bicfc 
^vod  (Sanonc^  aU  3ufammenW"9*^»b  httvc\d)tü  a^crben,  fon^ 
bern  öud;  it>clt  fic,   n?cnn  je   t>a^  @d)riftcnt>cr3cid)nig  im 


*)  J^errn  (Janjl.  Oieupcn^  53ertl)eibi3«ng  bex  Ofenbrtruna  3«>' 
^anni^.  @.  ii5,  ii6.  465.  406. 


72 

fed()^tcj|lcn  Q.a\m\  ad)t  ij*!,  nad)  bcn  glaubtDurbi^jIcu  ^eugen 
nur  einen  au^niad;en.  3»  Sfibove  Ucbcrfc^un^  i(l  er  bei 
ben  ^'xcmpfaricn,  bie  ijn  ^öbcn,  mit  bem  t)Ov^ergel;enbcn  in 
einen  jufannnengejogcm  gervanb*)^  £)iafonuö  5u  (Sar^ 
tjago,  im  fecl^ften  3a()r6unbert,  citirt  in  feinem  breuiario 
nui-  neun  unb  fünfzig:  ^Ijotiuö  in  feinem  Olomofanon 
iat  andi)  nur  fo  Diele:  mehrere  gried;ifcl)e  ^anbfcfeviften, 
njenn  fte  je  biefe^  ^Öer^eic^nig  ber  fauonifd}en  S8ud)er  Hf 
ben,  Jaben  e^  aU  einen  Sln^ang  beö  Sq.  ^anou6.  Um  nur 
ein  S3eifpiel  |u  geben,  fo  liejl  hei  Lambecius  ber  44..  Codex 
nur  59  ü!aobicenifcf)e  6d;lüße,  unb  er  befc^reibt  if)n :  Mem- 
branaceus,  porvetustus,  eleg£ins  et  optimae  nolae  —  ab 
Augerio  ßusbekio,  vi  ipse  solita  propriae  manus  sub- 
scriptione  testatur^  olim  comparatus  ConstantinopoH. 
53on  avabifdjen  ©ammlungcn,  \ik  nur  neun  unb  fünfzig 
£aobicenifc(?e  @ct)luffc  iabm,  bemerkt  Slgemann  folgenbe: 
T.  I.  pag.  6i(>  n.  <2,  nnb  n?a&rfd)ein(ic^  gebort  aud)  n.  3. 
Jie^er.  Eod.  lom.  pag.  63o.  n.  76,  Tom.  If.  pag.  507. 
n.  36,  3<^  fonnte  kid)t  ^k  ^ii^ajl  biefer  ^cu^cu  noc^  um 
Diele  Derme^ren:  \)k  (^ad)c  i(!  ,aber  fo  getüig,  bog  fclbfl 
55eDcribge,  ungead^tet  er  ba^  Säer^eic^nig  aU  einen  befon^ 
bern  (Eamu  abbrucfen  lieg,  ben;noc^  in  ber  ^orreoe  ^um 
erffen  !^6eil  feinet  ©Dnobifon  gar  gerne  gejre^t,  bag  ber 
59.  unb  60.  (5anon  eigentlid;  nur  einen  ciudmad;en.  2IIfo 
ber  wahvc  @inn  biefeö  (5anon,  ber  fo  fefir  öuf  ber  SSemer= 
fung  feinet  ^n^ammmiawQß  mit  bem  Dorge^enben  beruht, 
fonnte  xüd^t  Diel  (Ireitig  fepn:  ober  be)lo  n?ic^tigcr  ijl  i)k 
gröge,  ob  fid)  Jierau^  etwaö  Don  ben  ©efinnungen  ber  Sao? 


*)   V.  lustelli  bfbl.   jur.    Canon  T.  f.  p.  455.  coli,  tabula  har- 
moHj'ca  Ferrandi  et  Cresconii  opud  eund.  pag.  490. 


73 

Mccnifd^cn  ^dter  in  ^(nfejung  ber  ^leopneujTie  bcr  2Ipo!art)pfe 
mit  ©en?ig()eit  fc^liegen  laiJe.  Die  ^•ntfc&eibuiig  magatravöu^? 
fallen,  mt  fie  njiü,  fo  i(I  ein  ^cugnlg  auö  ber  letztem  ^pdlftc  be6 
t>iemu  Sa^rjunbcrtö  öicl  ^u  jung:  bod;  tüdd;(!  ijm  burd) 
mönd)c  Umildnbe  tt?icbcr  öuf  bcv  cinbcrn  ©eitc  ein  folc^e^ 
Slnfc&cu  au,  bag  e^  nid;t  gan^  o^ue  ©civic|)t  ^u  fet)u  fct>cinn 

©(ctc&  ba^  er(Ie  ^oncitium,  t)on  bem  wir  ein  ^Ser^eid)? 
«ig  ber  fanonifc()cn  S3öd}er  f^ben,  cntfdjeibet  ölfo  gegen  bie 
2Ipo]^ah;pfe.  ©olltc  man  je  irgenbttjo  ben  wahren  ®ert(> 
biefcö  i^ud)6  gekannt  Jöbcn,  fo  tvax'^  In  Äleinafien.  6e(bjlt 
für  bie  ^ird;e  ju  Saobicea  war  eS,  öud)  Mog  ö($  l^iflori^ 
fcf)e^  ©cn!mal  Setradjtet,  dugcrfl  ttjid;ttg.  Unb  gerabe  au^ 
benea  ©egenbcn,  wo  man  ^a^  $5ud)  am  beflen  foUte  ge- 
fannt  Jaben,  t>erfammeln  jtc^  ^ifcf)ofe,  unb  fegen  eö  mit 
anbcrn  öpo!ri)pf;ifd)en  ^pfatmen,  bereu  ^erfaffer  nid)t^  wcf 
niger  aU  \^mx  ©otte^  ©ei|!  belebt  ttjaren,  toHig  in  eine 
^lajTc,  Sßenn  man  aud^  augicbt,;  bag  biefe^  ^irc^engefeg 
burd)  d)i(iaflifd)e  Svrt^umcr,  \>k  noc^  ba^umal  J&trrf(^ren, 
veranlagt  njorben,  ungead;tet  fid>  frcilid)  biefe  ^ßorau^fe^ung 
nid)t  leidet  biftorifcl)  bctvcifen  liege:  fo  fonnte  boc^  n?o^l 
ta$,  iDaö  Jier  blog  für  eine  einzige  ^rot^inj  befd)loffcn. 
tt?urbe,  nic^t  öu^  gleicher  Urfac^e  ein  gan^eö  Sa^r^unbert. 
i^ernac^  jum  allgemeinen  ^ircl)en9cfcg  atmad)t  tt>erben. 

I)aö  ^oncilium  ju  (^b^^Ic^bon  ^at  bie  £aobiccnifd)en 
©cl)lüjTe  bejidtigt:  Jatte  man  benu  aud)  nod)  in  ber  Wm 
be^  fünften  3a^r§unbert6  fo  fe^r  Uifad)e,  ^ot  ^^iliaftifc^e« 
^u^fd)n?cifungen  fic()  ^\x  fordeten,  baf,  man  not^ig  fanb,  igt 
nic^t  nur  au^  ben  Äird;eft  einer  ^rouin^,  fonbcrn  auö  allen 
^ird;en  M   romifc^eniKeid)^  bie  2lpofali>pfc  jn  t>crbannen? 


74 

Sufliniöii  bekräftigt  md)t  nur  überhaupt  bic  @c^)Iöflfc  ber 
vier  bfumenifd^en  ©pnobeit,  ber  9^icdnifc()en,  ^on(!antino^ 
:politanifc&en,  (^p^c\i^d)m  unb  ß[;a(ccbonifd)en,  fonbcrn  er 
benennt  öu^brucflic^  in  feiner  Konfirmation  awd)  baejenigc '-% 
\M^  üon  biefen  ©pnoben  blol  bekräftigt  irorben.  Suftinian 
'^at  hcmwad)  hk  2aDDicenifd;en  (Sd[)Inpe  .ancrfannt,  öner^ 
fannt,  ha^  and)  nod)  ^u  feinen  ^^iten  bic  ^pDrah;pfe  fo  voif 
lÜQ  für  bk  Gemeine  fep,  aU  ^k  öpofri)pf)ifd)en  ^^falmen. 
Der  fed)5i9|!e  2aobicentfd;c  €anon  i(!  ölfo  md)t  bloß  (Sd;[ug 
einer  q)artifuIar^@9nobe,  fonberu  er  i(t  öf^  ©timmc  ber 
^iYd)t  burd)  beinahe  jtDci  gan^c  ^a^x^nn^cxU  ön^ufc^cn» 
vlöenn  c^  aud)  tJoUfommen  gen^ig  ivdre,  bag  tk  5}erfamm? 
lung  mciften^  öuö  Qlrianern  beftanben  I;dttc,  fo  dnbert  i)ki 
feö  ntd}ta  in  ber  ^;)auptfad)e,  nöd)bem  biefer  ©d;hig  von 
iiad;fofgenbett  bfumenifd^en  €onciIien  angenommen  worben, 
«ngcaclE)tet  fid)  freilid)  gar^fiic&t  begreifen  laßt,  irarum  btc 
SIrianer  bie  Slpofalppfe  tjor^ugfid)  t)on  bcm  öffentlichen  (B^f 
hxmdo  ber  (55emeine  follten  au6gefd;Ioffen  iahnu  (So  \:uk 
©c&anerigleitcn  jTnb  mit  biefem  Saobicentfd;en'(3anon  i>er^ 
fntipft/  felfbtTauc^  alöbann,  foenn  man  bie  gcnnbejle  ^"r!Uv 
xmxQ  befTelben  annimmt*  man  fe^t  ^war  imtner  nrit  gutem 
©runbe  bie  t)erfd)iebnen  begriffe  be^  Sßort^  fanonifd;  bcn? 
felben  entgegen,  unb  ber  ^reteflant,  ber  nid)t  an  (Eoncilicn^ 
entfcl>eibungen  gcbunben  t(I,-fonbern  ttjciß/ baß- feine  C^nt^ 
fcl)eibung^n-  Mnorbcntlid;er  urtb  unrid)t{ger  gemeiniglich  (tnb, 
allj  bicfe/ oJilft  fiel)  um  fo  letd;ter  auö  allem  ijtnauö:  «ber 
boclü  bleifet  immer  noc^  ctn?ö6  übrig,  ba^i.mau  binn?egge^ 
rdumt  \i?önf*te.    ga(!  jebcr^  ber  \ik  Kir€()engi:fd)id)tc  cnvaa 


'"")  Nöu.  i3i»  c.   I.     Qe77ri^ojj,ev    tcc^iv  vofxuv  sTsx^iv 

Tifq  CCyJ8Q    £}tKX7](7ia?lH8g    KCCVOVOc:;,    TÜZ    VTTO    TCVV  ctyiCüv 


75 


aulfu^rüd;  öbgcjanbelt  Jat,  gebcnft  M  ber  .^aobicetiifcftc« 
©puobe  öud;  unfern  €anon^:  aber  meiftena  gcbcnfcn  fte 
bejTcIbcn  bloß,  obcv  i\i  t)U  ^xt,  wk  fie  bcix  Jicrauö  ent(!c= 
l^eubeu  ^^^t^if^^  S"  bcautn?ortcu  fud;cn,  ganj  un^urcid^cnb» 
53or5uglid)  ntcrfa^ürbi^  fd)icn  mir  bic  Slumcvfung  hc^  hc^ 
rühmten  ^üU^  IDftanber^,  bte  €Iiaö  ßljingcr,  fo  tüic  über^ 
Jaiipt  ötle  Ofiaubrifd)c  (Jrlautcruncjcu  bcr  Canonum,  feinem 
Codex  '•')  beibrucfcn  lieg,  @ie  ijt  fofgenbc:  Observan- 
dum  quod  in  recitatlone  liLrorum  Ganonicorum  Sacrae 
Scripturae,  quae  in  Ecclesia  auctoritatem  habere  de- 
bent,  non  recitentur  libri  Maccabaebrum,  et  recte  qui- 
dem.  In  eo  autem  erratum  est,  quod  epistolam  lacobi 
et  Judae  et  posteriores  duas  loannis  inter  Canonica 
scripta  numerant,  quae  scripta  non  longe  post  Aposto- 
lorum  tempora  non  pro  scriptis  Canonicis  babita  sunt. 
Epistola  ad  Ebraeos  vtile  certe  scriptum  est,  sed  non 
esse  ab  Apostolo  Paulo  compositum,  Stylus  arguit.  Recte 
autem  omissa  Apocalypsis,  Ea  enim  non  est  loannis 
Apostoli,  sed  cuiusdam  loannis  :.TbeQlogi,  et  multa 
habet  adeo  obscura  et  perplexa,  vt  non  nmlti  dextre  in 
eins  lectione  versari  queant. 

S)fianber  tvollte  bcmnöc^  npc^  me(  nte^rcre ''<©d}riftßii 
auö  bem  (lanon  (jct^an  tinflfcn,  aU  nur  bic  2(po!ali)pfc,  imb 
\)a^  yvtbcit,  baa  bic  Saobiccnifd)e  @t)nobc  burc^  ii)t  @tilt,< 
fd;ttjet^eu  gegen  bicfc  3a  fallen  fd;einet,..  nimmt  cv  wlxUid) 
in  einem  treit  jlrengern  53crftanbc,  aU  nhtii^i^,^^  fd;cint 
alfo  bocö  voo\)l  einer  fritifcfeen  Unterführung  tvertj  J«  fct)n, 
xoaß  für  einen  daimi  cigentlid;.bic  Si^obicenifcöe  55atcr  feft^ 
gefegt   r^aben:    ob  überhaupt   baö-gan^c  ^cracic{)nig  ad)t 


*)  Wittebergae.  1614.  4-  pag.  iSz. 


76 

ober  etwa  t)cr(Iömmc(t  \i\),  ober  ob  nic^  Cftanticr^  ^öernui? 
iljung  autrejfcn  folltc,  tag  noc^  mehrere  <5d)riftcn  feipcggc^ 
(Irid;eu  ju  ircrt)cii  tJcrMcntcn,  al5  nur  bic  ^ofal^pfe. 

§•    4. 

^ic  Beuge«,  \^cxm  ©timme  Jier  entfd)eibenb  i|T,   finb 
t)ierfa($: 

i)  ©riec^ifc^c  ^?anbfd)rifteu,  trelc^e  bie  ^oncirtenfc^Iufe 
gan^  uub  in  unöcrdnberter  £;rbnung  liefern. 

2)  Diejenigen  ©«mmler  unter  ben  ©riecl)en,  wcld^e  bic 
Soncilienfc^lujfe  nac^  einer  gen)ifl"cn  fi)ftematifd)en 
£)rbnung  gefammclt  Jaben. 

3)  Ueberfe^ungen,  unb  ^wav  öor^ugHc^  rötcinifd)c. 

4)  I^iejenigcn  ©cftriftileder  unter  bcn  Söteinern,  n?e[d;c 
nacf)  bcm  ^eifpiel  ber  (^riec{)en  bic  ^oncilienfd^IüjTe 
unter  gettjijfe.  locos  communes  ^ufammengeftcllt 
Jaben. 

^bbrcütationen  bcr  Kanonen,  beren  c^  in  ber  griecöi= 
fcf)eu  unb  lateinifc^cn  ,^trct)e  me&rere  gab,  ftnb  bei  biefe^ /- 
Unterfud)nng  ganjroinbrauc^bar:  bcnn  •  c5  ifl^^  fciik  gofgc, 
^a^,  wenn  fte  ben  fed^^igjlen  (Janoii  nid)r  f;ciben,  ber  5}er= 
faffer  bcifelbcn  i^w  xmfiidS)  iii  feiner  ^anbfd)vift  nic^t  ge- 
funben  ^abe;  er  fann  i^n  al6  ÜIn()ang  bc^  nc«n  unb  fünf» 
^igjten  danouö  gcfunbcu  ^abnx:  unb  a(6  ^In^ng  founte  i[)n 
ein  SIbbrcöiator  gat  iTDofil  Jinweglaffen.  €bcn  fo  njcnig 
bient  ber*  0lomofänon  be^  ^ioüü6  ^ixt  (Sntfd;cibung ,  xvcd 
er  bie  (Soncilicnfcblüffe  blo^  önicigt,  unb  nid>t  ivoi^t(ici)  an*» 
fübrt.  ^f)Dtiu6  bot  ^ttjar  nur  neun  unb  fünfzig  Saobiconi* 
fd)c  «Sdjiüfi'c:  aber^umJbn  gcbrauc(?en  ju  f&nnen,  foKten 
wir  evft  wiflTcn,  wie  fein  neun  unb  funfiigiTer  ^anon  gc* 
Jcipcu  ^abc,    ^nd)  unter  bC4i  f^jlcniatifc^cn  <gammlcrn  ber 


77 


^oiici(iei]fd)Iu(fe  fnib  mk  unbraudt)bar.  @ie  f)aUn  fid;  oft 
nict)t  begnügt,  bIo3  bie  £)rt)iutng  bcr  ^oncllienfd;Iuj]e  ^u 
ücranbcrn,  fonbcrn  bie  SSorte  mcjjrcrcr  (^anoneö  ^ufammeii 
gcfdjmüljcn,  btc  CJucUe  nid;t  ön9C3eicjt,  au5  ber  fie  cincit 
€anou  genommen  ^abcn:  unb  bod)  ift  bcr  €anon  oft  fo 
tranöformirt,  ha^  man  oI)ne  ^n^eigc  M  ©d)rift(Iellerö 
faum  mit  einiger  ©cirigf)eit  bie  £2uclle  auffud;cn  fanju 
9k^d?  fommt  im  mittlem  $ütaiux  bie  groge  (Sc^ttierigfcit 
fin^u,  ba^  man  crft  gcncalogtfd;  untcrfud)en  mug,  wie  m 
@d)riftftcllrr  ben  anbcrn  gepluubcvt  iabc,  unb  ttjie  ber  ^lün^ 
berer  lieber  i?on  einem  anbern  geplönbert  tDorbcn.  ©o 
fd)ricb  33urfarb,  S5ifd)of  ^u  ©ormö,  im  eilftcn  3ö^rf;unbert 
bcn  SKegino,  bn\  Qlnfcgtfu^  unb  bü^  ^enebictuö  Zmu  am: 
nennt  aber  nic^t  hk  £^ucl(cn,  n^orau^  er  gefd)üpft  ^at,  fou^ 
bcrn  t^ut,  aU  ob  er  bie  (2onciIien  unb  ^irc^enödter  felbft 
ijor  fid)  gc:^abt  {idtte:  ja,  um  oft  ein  ©efe^  burcb  einen 
bcruf)mten  Dramen  ^u  empfehlen,  fd)reibt  er  einer  ^ird)cn^ 
tjcrfammtung,  ober  einem  rümifd)en  33ifc{)ofe  ^u,  roaß  bloö 
ein  gragmcnt  au6  einem  Capltulare  ift  ^''). 

Unb  auö  eben  biefem  33ur!arb  ^at  (^xaticitt  einen  gro^ 
gen  ^^eit  feiner  Sammlung  genommen.  @o  flog  ber  ©trom 
immer  trüber,  je  entfernterer  er  üon  ber  Ouclle  ftog:  unb 
unter  bcm  ganzen  gvogen  Jpaufen  t>oit  ^anoni(!en,  bie  ba^ 
mittlere  peitalter  gehabt  (jat,  barf  man  nic&t  benf'en,  einen 


*)  Balleriniorum  diss.  de  anliqufs  Canonum  collect.  P.  IV. 
c.  12.  pag.  294.  iiub  bcr  bafelbj!;  angefiUjrte  33aluje  in  ber 
^"orrebe  ju  Die^ino'^  ©ammlung.  ^ar5()eim  t)ertl)eiMgt  ben 
JBurfiub.  Concil.  T.  I.  pag.  14,  gj?an  follte  aber  aii^  fn- 
ner  elenbeit  2Sertl)etbiaung  beinahe  fc^Uepen,  er  Oabe  bie  ei- 
flentltclje  @tarfe  be^  ^:Bünvurf^/  ben  iöaluse  bem  Q3urfarb 
utiu1)t,  gar  uicl)t  gefapt. 


78 

onautreffcn,  bcr  fic^  burc{)  ein  fritifd)  geübte^  SUugc  gegen 
l)ic  geiler  feiner  Vorgänger  gcjTc^ert  Jattc 

I.     ®rte(i;ifd[;e   S^anb^djxifun  ^    wddjc   bie    ßoncinen? 
fd;Iuffe  ^an^  mxb  In  uni^eraubcrter  Orbnuttg  liefern* 

Unter  benjcnigen,  mldi)c  griecfjifc^e  (Sammlungen  ber 
ölten  ^irc&engefe^e  herausgegeben  ^ahm,  jtnb  jwei  ber  be? 
ru&mtej!cn:  SBil^elm  SSet^eribge  ^0  unb  (^^riftopj  3u(Iel^ 
Iu6  --).  dTfterer  gab  in  feinem  ©i;nobifon  nlc^t  nur  bie 
(^onci(ienfd;Iuflfc  fclbj!  JcrauS,  fonbcrn  er  lieferte  aud)  au? 
gicid)  bic  ©lojfen  beS  ^alfamon,  gonaraö  unb  2lri(lenuS: 
benn  su  eben  ber  ßcit,  t)a  im  ^ccibent  burc^  ©ratianö 
©ammlung  baöjcnige,  voa^  man  bamals  fanonifc^eö  9lec()t 
5ief3,  er(^  rcd)t  allgemein  ausgebreitet  «ourbc/  j!unb  im 
Orient  eine  ÜD^enge  ©lofatoren  auf,  unter  n?eld;en  23alfa: 
mon  öom  größten  ^nfe&en  unb  \>on  ber  größten  ©ele^rfam« 
!eit  njar.  2116  ^atriard)  t)on  2Int{od;icn,  M  9lat^gcber 
beS  ^aifcrS  unb  als  ix>a6rfd)einlid;er  ^^anbibat  beS  ^onftauj; 
tinopDlitanifd)en  @tu&ls  erw»ecfte  er  hk  2lufmerffam!eit  aller 
(^anouifien  feiner  ^cit,  ^ommentarien  über  ©cfcge,  t>on 
einem  fold)cn  5}Zannc  gcfd;rtcben,  hkibm  feiten  bloße  ^om? 
mentaricn:  baS  ^nfe^en  iJreS  53crfa(fcrS,  unb  t)er  beftdn* 
bige  ©ebraud),  bcn  man  befonberS  ju  MidUn  beS  SI}?anneS 
t?on  benfelben  mad;t,   crl;ebt  fie  balb  ^u  einem  Sü^ittelbing 


*)  Synodicon ,    s.  pandectae    canonum.    S.  S.  aposlolorum   et 
conciliorum   Hec   non    canonicarum  S.  S.  Patrum   epistola- 

rum,  Oxonii.  1672.  2.  Voll.    Sie  l)ier  gelieferten  ^oncilien- 
fdjlüiJe  öel)en  bis  inS  neunte  3al)rl)iinöert. 

**)   Bibliothcca    juris    canonici     ex     schcdis     Christo.    Juslelli 
edita  ab  Henr.     Juslello  et  Wilii.  Voello.     Paris.  i66i. 


79 

3irifc()cn  ©cfc^  unb  bloßem  Kommentar,  unb  tiefet  t>orsÜ9= 
üd)  nod)  3U  Reiten,  wo  n?a5rc  ©clc^amfeit  feiten,  tiiib 
gret&cit  im  2)cnfcn  ^uc^ft  unbekannt  war»  (^Un  biefeö 
©lücf  wiberfu&r  ben  ©loflfeu  beö  ^alfamon»  25a(b  fc&ricb 
man  (td)  feinen  anbcrn  (Sober  mejr  ab,  a(5  einen  SSalfa? 
monfc&cn:  unb  fo  n^uvbcn  nacö  unb  nac^  alle  altere  unglof? 
ftrte  üerbrangt.  ^ajcr  (inb  in  23tbliot6efen,  bic  fon|t  bur^ 
9J?anufcriptenfammlungen  fcl}r  bcrul)mt  jTnb,  fa(I  m6)t§/ aU 
S3alfamonfc^e  Codices,  3n  25anbini  S3erie{df)nig  ber  ^anb= 
;d;riftcn  ber  f9^ßbiceifd)en  25ibIiotJc!  ftnb  Tom.  I,  pag,  5» 
♦  397.  lauter  gloffirte  Codices,  SSeöeribge  Jat  hd  ber 
Slu^gabe  feinet  ^vjnobifon  brei  ^?anbfd)riftcn  •")  gebrandet, 
aber  alle  brei  ton  gletd)er  2lrt;  er  felbjl  fc^t  tuk  dltefle  ber 
fclben  hl  bie  Ic^tere  ^pdlfte  be^  brei^cjnten  S^JrJunbert^: 
fte  Jaben  alle  bicfen  fedb^igften  ^anon  Qt^aU;  tt?enig|lenö 
ijt  t)on  feinem  eine  53ariante  bemerft*  Slber  biefe  fed)ö 
^panbfc^riften,  jene  brei  in  25anbini*ö  sger^eic^ntg,  unb  biefe 
brei,  tt?c(d;e^et)eribge  gcbraud)t  Jat,  gelten  im  ©runbeboc^ 
nur  für  eine  ^?anbfcl)rift  au^  bcm  jtijblften  3<^^r6unbert: 
benn  alle  fedje  (tnb  Kopien  t?on  SBalfamon^  ^?anbfd?rift, 
unb  fic  fonncn  alfo  alle  gegen  bie  i?iel  frühem  $tüQin  au^ 


tf 


dt  felbiT:  befdjreibt   fie  in  ber  ^Sorrebe  folgenbermaa^en :  ve- 

tus  admodum  et  completum  Ccommentariorum  Balsamonis) 
exemplar,  quod  quadringentis  circiter  abhinc  annis  ele- 
ganli  manu  exaratum.  Duobus  aliis  eorundem  scholio- 
rum  codd.  MSS.  vsi ,  Aetoniensi  et  Amerbachiano.  Codex 
iste  Amerbacliianus  cum  Bodlejano  plerumque  conuenit, 
etiam  vbi  Parisiensis  editio  ab  vtroque  discrepat.  Idem 
de  Codice   Aetoniensi    dicendum.     ©t'lbfl  fd)On   blt    beflrttt^ 

tiqe  genaue  Uebereinftimmuna  hicfet  brei  ^anbfcbriften,  unö 
ibre  gemeinfc^aftlicbe  Ulbiveic^uns  üon  ber  parifer  5lu^3abe 
tc^  3o^ann  ^ittu^  beweipt  genugfam,  wie  lüenig  man  fte 
alö  bret  verfc^tebenc  ^cnmi  selten  laffe»  fonue. 


80 

bem  fcd)iTt'n  unb  fuScntcn  ^a^v^unbcrt  in  gar  feinen  «Sc- 
tmd)t  fommcn,  befonbcr^  ba  ^panbfc^riften  au5  ben  Reiten 
bei*  ©loATatorcn  unb  <Bi)oÜa\icn  immer  ctwa^  Dcrbacljtig 
ftnb,  trenn  bti  einer  ©teile  gcftritten  wirb,  ob  (tc  nic^t 
gufa^  fei;n  m5d}te,  unb  i§r  geugnig  ungleich)  me6r  ©afir^ 
fd;einlid;rcit  j)at,  wenn  ftß  ben  3«f^^  verwerfen,  öle  irenn 
fte  benfclben  önne^men.  ^omva^  mcid)t  in  berülnmcrfung, 
t)k  er  bei  biefem  ^anon  Jöt,  Dermutblid)  gegen  feinen  WiU 
Uu,  ben  ganzen  (ianon  üerbdc&tig.  ^r  bcmerft,  bag  biefer 
^atölog  ber  canonifc()cn  SBud)er  M  51.  unb  91.  2^.  öuf  ben 
85.  canonem  apostolicum  feine  SSe^ie^ung  Jöbe;  bocb  büvfte 
man  ftd)  nicbt  trunbern,  bag  in  biefem  Clementis  consli- 
tutiones  beigefugt  fei)en,  irclc^e  bocf)  in  bem  £aobicenifd;en 
feMen:  bcnn  synodus  sexla  Ijahc  biefe,  a(^  i)OU  ^e^ern 
t)evfdlfd)t,  üervnorfen.  Sin  fonberbarer  ©cbanfe,  bag  bic 
Urfacfee,  n^arum  eine  geiriffc  ©c^rift  im  l^aobicerilfc^en  (äa^ 
non  nid)t  fie^t,  barin  liegen  foU,  weil  biefc  6d)rift  im  3ajr 
68o  t)on  einer  @^nobe  verworfen  worbcn.  ©ollte  ^c^nara^ 
etwa  (Spuren  gehabt  f)aUn,  ba^  man  in  hnx  @d)luffen  ber 
dltcjlen  ^ird)cni)erfammlungen  nad)  bem  ©utbunfen  fpdtc: 
rer  Reiten  wirnid)  folc^e  ^erdnberungen  gewagt  ^abt  ?  (iine 
^ermutf)ung,  voobnvd)  t>a^  5Infc6en  nnferS  Saobicenifc^en 
€anon6  ^bd)fl  ungewiß,  unb  ^u  einem  fiebern  S3ewctfe  gan^ 
unbraud)bar  würbe.  ?9?erfwürbtg  ifl  eö  immer/bag  biefer 
Saobicenifcbe  €anon  bem  85.  2lpü(tolif($ßn  Sanon  in  allem 
fo  gan^  d^nlid;  i(!,  auger,  bag  er  biefc  a.  68o.  verworfene 
@d)rift  ^inwegldgt.  .  5?ierau5  erhellt  aber  and),  wie  wid;tig 
unä  ein  $enQt  fe^^n  müßte,  ber  diter  wdrc,  aU  Synodus 
sexta:  Ui  ii)m  mügtc  eö  )id)  übcr^eugcnb  geigen,  ob  tic^c 
©tniobe  auf  unfern  (Sanon  wirHiclj  einen  ßiinflug  gehabt 
\iaht,  oUx  ttid}t. 


81 


§.  6. 
9^acf)  Scöeribge  i\i  bcfout)crß  bicjeuigc  Sammlung 
merftrurbig,  voddjc  ^jcluridp  Suftclluö  unb  Sßilf^clm  SBhüii^ 
ncbft  nocl)  auberu  jum  dltcjlcu  ^ird)ßnrec^t  Qcfjürigcu  @d)vif^ 
ten  in  t)em  crimen  ^l^cil  t)cr  ^iblior^ef  be^  fanomfd)en 
9^cc^tö  herausgegeben  ^aben.  €I;rifIop&  3«ff^ll/  öuS  befeu 
i'2anbfd;rifteit  obige  ^rod  ©cle^rte  M^  SÖerf  Verausgaben, 
glaubte  felbit,  t)a^  er  Denjenigen  (Sober  (jcrauSgebc,  ber  fd;e« 
auf  ber  oUgcmeinen  ^ird)enüerfammlung  ^u  (S^alcebon  ge^ 
braud;t  wjorben.  ©onbcrbar  ijl,  t)a^  biefer  falfcfec  Jffia&n 
mit  bem  ftd)  ^ii^cü  fo  fe^r  tdufd)te,  einen  fo  allgemeinen 
(Blauben  ftnben  fonnte,  t)ix  biJc^  er  felbil  iix  ber  5Jorrebc 
feincö  -BttU  lic  «prdnü^en  angegeben  fyatu,  lüorauS  man 
feinen  Srrt^um  {idtte  it>aVrneVmen  fbnnen.  25ic  Sammlung, 
tt?clc^e  3up^tt  Verausgab,  \fi^x\iäjt4  mmQCt^.jiU  t)iv  Co- 
dex canonum,  aus  n}eld)em  auf  ber  (^I;aIcebonifd)en  6tj^ 
tiobe  einigt  Canories  üorgclefen  'ttjurben:  Suftell  iät  and) 
feinen  (^pber  t?or  fid)  gehabt,  auS  melc^em  er  feine  ^amm^ 
lung  fo,  wie  (te  i|l,  Verausgegeben  Vdtte,  fonbcrn  nac^  bev 
tt)illfö5rndjcn''i?i)potI)efc,  bie  'er  einmal  gcfagt  Vötte/'bat  er 
fdnc  ,.§anbfd;rift  tranSfprmirt.  UeberVaupt  ^eigt  (ic^  au^ 
ber  2i«eft»ot^>.n)eIc^e-%^ber  5lnmertog  *^)  auS  t>er  29alleri^ 


*)  Tota  collectio  ac  numerorum  distributio  (codicis  canonum 
Edclesiae  universae)  hülli  velüsjo  codici  innixa  a  Jiistelli 
ingenio  compacla  fufl.  Id  satis  aperte  fatetur  in  epistola 
ad  lacobum  Leschaseriuiii  editioni  praefixa ,  vbi  postquam 
scripsii:  Omnibus,  quas  reperire  potuiV'Graeöis  lat'misque 
editis  et  manu  exaratis  canonum  collectioni'bus  collatis  et 
inter  se  comparalis,  nullam  inueni  illa  antiquiorein,  cui 
jam  inde  ab  initio  lilulus  fuit:  Codex  sieu  corpus  Cano- 
num ,  "quÄm  latinam  ex  Dion^ysii  Exigui  inlfe.rpretatione 
etiamnum  habemus:  addit,    se,    vthanc  pristinae  luci  re- 

©pittler^ö  famratU  SBerfe'vilI.  23&.  6' 


82 

nifc^cn  Ölb^anMung  angeführt  If?,  t»te  bei  »eitern  tucf)t  bic 
gehörige  Xreiic  unb  Unpartjeindjfclt  bei  ^crauigcbung  bicfcr 
Sammlung  bctriefeii  trorben  fei)»  3u(Ie(I  legte  bei  feiner 
Slu^göbe  ben  Xext  beö  Sojann  ■^itiuö  jum  (?)runbe,  bcn  ic^ 


stitueret  non  solum  latmam,  sed  et  graecam  cogitasse 
primunl  graecum  ex  editione  Titii  producere  et  ad 
MSS.  Codices  emendare.  At  cum  depreliendisset ,  hanc 
editionem  Titii  continere  mulla,  quae  non  erant  in  ^nli- 
quiöri  graeca  collectione,  qua  vsus  est  Dionysius  Exiguus, 
eam  tandem  hujus  restitationis  'ralionem  antea  incompcr- 
tam  se  tenuisse  affirmat,  quam  laudatus  Leschaserius  indi- 
cauerat  in  consullatione  a.  1607.  Qujus  fragmentum  idem 
Justellus  inseruit.  Ratio  aütem  ab  hoc  iudicata  eo  päucis 
referlur,  vt  in  Codice  describantur  c^nones  cirum  sjno- 
dorumj.  quas  Dionysius  in  suo  Graeco 'Gofiic©-,reperil,  et 
eodem  ordine  ita  referanlur,  continuata  nee.  inlerrupla 
numerörum  serie ,  vi  nümeri  in  Chalcedoneriii  designati 
iisdem  canonibus  piane  cöwgruant.  Qül  .^utem  lianc  me- 
thodum  in  suo  Codice  con^pingendo  $e,cutu&  e.$t  j  nuUum 
profecto  exemplum  cum  hac,  sua  collectione  inüenit,  sed 
tum  editis  tum  MSS' collectionibtis  irt  sia'bsiJium'- aiisüitis 
eum,  quem  antiquum  üniyersae  EccI.  Codicei»  (iredidit, 
suo  marte  composuit  atque  emendauil.  Hinc  i^y7»obis  so- 
los  Codices  Zonarae  et  Balsamonis  ac  Titii  ediKöhem  lec. 
tionum  caussa  laudauit.  vid.  Ballerinior.  dissertätJd'^e  in- 
tiquis  Canonum  CoUectionibus.  P.  J.  ,C.  L  pag*  j9.r  .5^^  ,  j 
Ex  Baluzii  praefalione  ad  opuscula  P.  de  Marcä  (Pa- 
ris 1681.)  a.  n.  10 — i3.  iidem  sequentia:  Cum  viri  cla- 
rissimi  Guilielmus  VoeNus  et  Henricus  Justellus,  Chri- 
stophori  filius,  prior  Theologus  Parisiensis,  alter  Caluiniani 
dogmatis  sectator,  cohstitulssenl;,  in  unum  coi-pus  völligere 
varios  Codices  canonum  eccicsiasticorum  olim  a  Titio  cdi- 
torum,  et  illis  addere  eliam  aliquos  nondum  editos,  inpri- 
mis  vcro  quandam  collectionem  latinam ,  quam  habebanl 
in  vctustissimo  codice  MS.  Chrislophori  Juslclji  j  et  Marca 
tum  Tolosae  habitans  intellexisset,  eam  editionem  maturari, 
ratus ,  id  quod  res  erat,  suppressum  fortassis  iri  canones 
Sardicenses  (quos,  cum  stalim  sequerentur  post  ISicaenos, 
Cliristophorus  adhuc   juuenla    caJlidus  cultro  re§ecuerat  et 


83 


fogfcicb  ud^cr  bcfdjreibcii  lücrbc:  er  Derglic^,  weil  i§m  tiefe 
2(uögabe  an  mehreren  £)rreii  fe^ler^aft  fd;{en,  mehrere  ge? 
ötucfte  unb  ungebrucfte  (Jremplaricn ,  öerbcjfcrte  \inb  6e? 
ttierfte  Derfc^icbcuc  2efcarteiu    S3ei  imferm  €anou,   bcn  er 


ad  caicem  libri  re/ecerat)  ca  de  re  scripsit  ad  virum  su- 
pen'llustrem  Pelrum  Scgnierium  Galliarum  Cancellarium, 
orans  cum,  ut  publicatione  horum  Hbrorum  supersedere- 
tttt*,  donec  ipse  Luletiae  esset.  Eo  cum  Marca  peruenis- 
set  nono  Kalendas  Oclobris  )66o.  ac  typograpbus  urgeret 
emissionem  operis  jam  perfecti ,  Voellus  et  Juslellus  non 
aliter  id  a  Cancellario  obtinere  potuerunt,  quam  si  Mar- 
cae  ralionem  redderent  operae  suae.  Igitur  non  multo 
post  ad  eum  venerunt,  et  cum  illis,  qui  huper  mortuus 
est,  Ludouicus  Henricus  Fayus  Espessacus  Abbas  S*  Petri 
Viennensis,  in  cujus  aedibus  habilabal  Vdelltis.  Primo  res 
acta  est  magna  contentione,  Voello  et  Justello  frendenti- 
btis  et  Cdtttendentibus,  duo  vetera  foÜa  membranacea, 
quae  ad  caicem  codicis  reiecta  erant,  in  quibus  conline- 
banlur  aliqua  fragmenta  canonum  Särdicensium,  non  per- 
tinere  ad  hunc  codicem,  praesertim  cum  foliä  qüinque 
defieri  manifestum  esset  post  Canönes  Nicaenos ,  et  illic 
duo  tandem  reperirentur.  Sedata  tandem  illa  perturba- 
tione,  cum  constitisset ,  haec  duo  folia  cjusdem  magni- 
tudinis  esse  cum  celeris,  ejusdem  arttiqüitatis ,  ejusdem 
marginis,  ejusdöm  scripturae ,  ac  numeratis  et  collalis 
cum  edilione  Biniana  anni  1638  lirieis,  et,  vt  ita  di- 
cam,  vocabulis^  quibus  opus  erat  ad  supplenda  haec  qüin- 
que folia,  quae  deerant,  ex  subscriptionibus  sjnodi  JNi- 
caenae  et  ex  canonibus  Sardicensibus,  luce  clarius  patuis- 
cet,  duo  illa  folia  reliqua  ex  quinque  recisis  reponi  debcire 
consequenter  post  Concilium  ISicaenum,  praesertim  cum 
Marca  fidem  faceret,  itä  Si^bi  olim  dictum  a  Cbristophoro, 
qui  fassus  fuerat,  se  adhuc  jüuenem  illa  resecuisse  impetu 
polius  quani  raliones  inter  cos  conu^it,  vt  haec  frag- 
menta edercntur,  et  vt  sequcns  praefÄlio ,  quam  Marcd 
8ua  manu  scripsit,  in  fronte  voluminis  poneretur. 

,,Monendus  est  lecior,  amanuCnsis  oscitanlia,  ex  cujus 
apographo  ad  fidem  MS.  Codicis  exprfesso  editio  islhaec 
confecta  est,  accidisse,  vt  Canones  Sardicensis  Coiicilii  suo 


84 

aSbrucfen  Ueg,  wie  er  gewS^nlid)  nUvaU  (tcjt,  benterft  er 
feine  53ariante;  foUtc  er  in  öKen  feinen  5pant)fd?riften  toi:» 
lig  gleid)  geffanben  ^ahm,  ober  fe^tc  er,  wie  eö  an  önbern 
£)rtcn  ßefcfca^,  au$  ben  ^?anbfc^riften ,  hk  er  üor  fid)  Jatte, 


loco  id  est  post  canones  ISicaenos  positi  non  fuerint. 
Quod^  ediloribus  curam  imposuit  recensendae  edilionis ,  et 
iterum  cum  MSS,  conferendae,  attcntis  vt  omissionem  il- 
lam  restiluerent,  adiectis  hie  in  fronte  collectionis  canoni- 
bus  Sardicensibus ,  qui  'supersunt  in  eo  codice ,  vbi  post 
subscriptiones  rsicaeni  concilii  et  anle  Gangrenses  canones 
folia  quaedam  desunt,  quae  vetustate  perierunt:  duo  ta- 
rnen supersunt,  incipiunlque  a  canone  Sardicensi  XIV.  vna 
cum  sequenlibus  vsque  ad  XlX.  quos  bona  fide  hie  reprae- 
sentare  editor  voluerat.'' 

Aliler  tarnen  euenit.  Pfam  cum  euasissent  ex  ea  tem- 
pestate,  aliam  viam  Marca  inscio  inierunt  componendae 
hujus  controuersiae ,  et  fragmenta  illa  canonum  Sardicen- 
sium  reposuerunt  post  iN^icaenos  addita  praefatione,  id  se 
ratione  potius  fecisse,  quam  vllo  judicio  aut  necessitate  ex 
veteri  libro  petita.  Monuerunt  ergo ,  maximam  partem 
canonum  Sardicensium  cum  postrema  parte  subscriptio- 
num  Concilii  Nicaeni  injuria  temporum  periisse.  Mox 
addunt:  ,,Quac  tamen  supersunt  Concilii  Sardicensis  frag- 
menta, post  ]Nicacnam  synodum  collocauimus.  Auctorem 
namque  hujusce  editionis  non  dignitatem  Conciliorum,  sed 
or^Jinem  temporis  secutum  fuisse  in  sua  colleclione ,  vero- 
simile  est"  Rem  totam  referunt  ad  verisimilitudinem, 
cum  tamen  eis  et  dictum  et  ostensum  sit,  ea  folia,  in  quibus 
postrema  pars  subscriptionum  Concilii  IVicaeni,  et  non- 
nuUi  canones  Sardicenses  continebanlur,  posita  olim  fuisse 
post  sj^nodum  ISicaenam  in  codice  manuscripto,  indeque 
auulsa  a  Christophoro  adhuc  iuuene,  ne  Calholici  ex  eo 
libro  vetustissimo  praescriberent  aduersus  haerelicos  pro 
dignilate  et  aucloritate  horum  canonum.  Dicere  debue- 
rant  juxta  pacta  et  conuenta^  canones  illos  locis  suis  prae- 
termissos  fuisse  et  nunc  reponi.  ISe  quis  vero  putare  pos- 
sit,  me  totam  hanc  historiam  gratis  comminisci,  et  nullum 
illius  vestigium  exslare,  primum  omnes  scirejvolo,  me 
huic  omni  concertationi  et  examini  interfuisse ,    penes  me 


85 

einen  Sext  ^ufammeu,  ojnc  ^u  bcmcrfen,  öuö  wcld)cv  S^Cii\\)f 
fc&nft  jeDcr  Zi)c'd  bicfc^  Sem0  genommen  fet)?  SBa^  voa^ 
vcn  eö  für  gcbrucfte  unb  ungcbiucfte  ^remplartcn^  ouö  bc^ 
«en  er  feine  55artanten  na^m?  Ueber  öKe  biefe  gr^gen 
laßt  un^  Sujlell  t)oüig  tu  bcr  Unraiffenjeit,  unb  boc^  lagt 
iiä)  o^ne  Befltmmte  Slntttjort  auf  biefe  gragen  ber  SBert^ 
feiner  Scfeavt  ind)t  cntfdjeiben.  @ie  fann  för  unö  unterbcg 
feine  anbre  Sluftoritdt  ^abcn,  M  t)U  £efeört  beö  Johann 
S:itiuö,  (te  «)irb  ölfo  «ud)  mit  biefcr  (!c^cn  ober  fallen: 
bcnn  ^k  ipanbfd)riften  bc^  3^"^^*^^  ""^  23alfamün,  n?elcfcc 
in  ben  ^Inmcrfungen  bfterö  angeführt  werben,  fonnen  ojnc^ 
t>k^  ind)t  entfd)ciben. 


habere  praefatiuneulam  supra  descriplam,  et  Marcam 
istfus  rei  mentionem  fecisse  in  lilteris,  quas  tum  per  allam 
occasionem  dedit  ad  Papam  Alexandrum  VII.  et  ad  Lucam 
Holstenium.  Describam  autem  ejus  verba  ex  ea  ,  quae  est 
ad  Alexandrum.  ,,JusteIlus  pater,  Caluinianae  quoque 
haereseos  sectator,  codicem  canonum  Ecclesiae  universae 
olim  publicauerat,  omissis  de  industria  sardicensis  concilii 
canonibus  Romani  Pontificis  potestatem  diserte  asserenti- 
bus,  ac  si  judicio  Ecclesiae  universae  a  corpore  canonum 
rescissi  essent.  Eadem  fraude  filius  canonum  collectionem 
latinam  e  codice  vetustissiino  his  nongentis  annis  non 
scriplo  (leg.  conscriplo)  ante  meum  in  hanc  Parisiensem 
ciuitatcm  aduentum  praelo  submiserat.  Slatim  comperto 
ab  ea  abesse  Sardicenses  canones,  quos  sciebam,  a  Justello 
patre  ex  ipso  canone  resectos  quidem,  sed  ad  ejusdem  vo- 
luininis  calcem  folia  reiecta,  non  destiti,  quoad  tam  regiae 
potestatis  comminationibus  quam  humanissimis  precibus 
post  Canones  JNicaenos  juxla  fidem  MS.  codicis  Sardicensi- 
Lus  in  editione  locus  suus  reslitueretur ,  ne  hac  diligentia 
praetermissa  triumpharent  haerelici  spretam  non  solum  a 
graecis,  sed  etiam  a  lalinis ,  et  praecipue  ab  Ecclesia  Cal- 
licana  canonum  illorum  auctoritatem. 


86 


Sodann  Zitini,  Slfc()of  ju  ^caüx,  '"0  f^^"^  S"  ^oitou 
in  ber  S3i6I{ot5ef  ber  Canonicorum  be6  JeiL  ^pllartuö  eine 
Sammlung  ^o\x  Kanonen,  ttjorin  bie  Canones  apostolici, 
unb  bic  ©cl)Iuj]*c  bcr  altern  ©tjnoben  enthalten  tuaren,  unb 
bm  er  ju  ^ariö  i54o»  A*  Jerauö  göb.  (Sliaö  i^^inger  lieg 
i6i4  3U  ©ittcnberg  'einen  SIbbrucf  baüon  mad)en,  öerglic^ 
bömit  eine  ^panOfcörifr,  bic  i(im  «5t>fc()cl  au6  ber  ^(ugfpurger 
tSibliotbcf  t>erfct)affte,  unb  fc^te  unter  einigen  SSeranberun*- 
gen  bie  lateinifcöe  Ueberfe^ung  bei,  welche  man  in  ben  ge? 
ri)55nnc()cn  €onciltenau0gaben  Jat.  fD^an  foKte  fajl  glauben, 
feine  Slugfpurgifc^e  ^?anbfd)rift  i)aht  mit  bem  (E'rempfar  beö 
Xitiuö  i;)ollig  übcreinge(!immt,  njeil  man  nirgenb^  ^ßartan* 
ten  bemerkt  fi'nbet;  ober  follten  fie  fon|!  ein  unglücflid^eö 
@d;icffa(  erlitten  J^ben,  baß  \k  blog  auf  ben  Zitd  be^ 
23uc^ö  unb  nid)t  in  baö  fdud)  felb(l  gekommen?  ©efegt 
aber  and^,  tolv  njugten  einige  53arianteu,  fo  würben  fie  unö 
n?o6l  fcf)tt)erlicö  öiel  nü^en,  weil  ireber  ^itiuö  ixod)  ^bin* 
ger  bie  geringjte  23efd;reibung  bon  ibrer  gebraud;ten  jpanb^ 
fdjrift  geben.  SSenn  cö  richtig  ifl,  ba^  (Sbinger6  augfpur? 
gifc^e  ^?önbfd)rift  mit  ber  ^?anbfd;rift  be^  Zitiu^  wjirflicö 
fo  puu!tlid?  genau  ubereinge|ttmmt  b^ben  foUte,  fo  bitten 
wir  bisi'  einen  ^iiiQm  für  bic  2Ied)tbeit  unfcrö  ^ancn6: 
aber  belbe  ^anbfd;riften  red)ne  id)  wegen  i^rer  tjolligftcn 
®kid)\)dt  blo^  für  einen,  unb  ^war  einen  foId)en,  Don  bcf^ 
fen  (^(aubnjürbigfcit  wir  üon  feiner  ^c'iH  ber  t>erjTd)crt  finb» 
25ci  eben  bicfcm  33ifd)of  So&ötin  ^^itiue  biclt  itc^  su  Zvi^ 
beut  wafjrenb  ber  bafigen  ^ivd)enücrfammlung  Gentianus 
Hervetus  auf,  unb  übcrfe^te  ben  Dlomofanon  be^  ^^b^^li"^ 


*)  f.  Doujat  praenot.  canon,  L.  III.  C.  7.  §.  16. 


87 

uub  eine  ©ammluiig  ton  ^oncilienfd}lufl*cn  unt)  Sluöfprü;? 
d)Ctt  bcr  ^ird?eni?dtcr.  2(u6  j^crüctö  53orrct)e  lagt  jtd)  gor 
«icl)t  fcOltcßen,  bag  er  ble  udmlid)e  ^;)anbfc^rift  babei  jum 
©runbc  gelegt  ^obe,  njeld)e  ^itiu^  i54o  herausgegeben: 
fonberu  eö  erhellt  bM  fo  i)iel,  baß  ber  S3ifd;of  ben  515* 
brucf  bicfcr  Ucberfct^mig  ueranflaltet  l)ahi.  Jpcröet^  ^^anb^ 
fc^rift  b^tte  bie  (^ommcntarieu  ober  ©(offen  beS  $5aIfamon: 
Slitiuö  feine  ober  fcfteint  fte-  \nd)t  gehabt  ju  J^ben.  ^?er# 
i>etS  Ausgabe  geborte  alfo  üielmcbr  unter  obige  ^Salfawon* 
fcfee  Sluegabcn,  aU  f)kl}it:  id;  f)aht  jte  ober  blog  um  be^ 
fajH  allgemeinen  genealogifc^)en  gebiert  willen  \)k^ix  gefegt 
ttjcil  man  fic^  burd)  bie  ^orrcbe  bc6  S5uc^bflnblerö  bei  ber 
$avifcr  Slusgabc  (1620,  fol.)  verleiten  lagt,  fte  für  eine 
Ueberfe^ung  beö  obigen  2!itifd}en  €ober  ju  Jaltcn.  ^'ben 
bicfc  Q)avifcr  ^ni^ahc  i(!  dn  5i}?ei(Ierftu(f  einer  gegen  oUc 
SKegefn  ber  ^ritif  beforgtcn  2luSgabe.  (^in  (Jrcmplar  mit 
25alfamon6  €pmmentarien  würbe  ^um  ©runbe  gelegt»  Die 
Uebcrfd^ung  beö  ^botiuSfd)cn  D^omofanon  würbe  t^üU 
aus  j^cvoetS  Ueberfc^ung  genommen,  tbeilS  an^  einer  Ueber^ 
fel^ung,  bie  2lgi)lduS  ^u  23afel  i56i.  JerdtuSgegeben.  SO^an 
fupplivte  eine  J';)anbfd;rift  auS  bcr  öubern,  mad)te  md)  \>on 
einigen  (Tvcerpten  auS  ber  ^atifanifd;en  SSibliotbeE  ©ebraucl), 
uub  t)on  bcn  ?)apieren  bcS  ^rdfib*  j^arlap,  X^od)  hdla^ni 
fid;  bie.  S3ud;[}dubler  in  ber  53orrebe,  bag  jte  fein  (Jrcmplar 
Jdtten  bcfommcn  fonncn,  t)a^  gan^  fo  ijollflanbig  gcttjefen 
wdrc,  aU  J?en?etd  ttebcrfei^ung ,  aU  ob  ein  €'remplar  be(Io 
DoUfommcncr  wdre,  je  mcbr  eß  aitbdlt,  uub  aU  ob.  mit 
einer  foldjcn  ^Imc^ahc  Dlui^cn  gefcfeafft  würbe,  wo  auö  t>cn 
Derfd)icbcn|tcn  ^5anbfd)riften  ein  Zat  ^ufammcn  gefegt  wirb, 
obne  ^a^  man  bemer!tc,  wober  jeber  Z^dl  biefeS  2!eneS 
genommen  fei).    25iefe  Zü^aU  iat  ben  fec&^igffcn  Saobice* 


88 

ntfc^en  €anon:  aber  mx  f&nncn  nicbt  wiffcn,  öu5  welcher 
^anbfc^rift  jic  i^n  genommen  Jat,  i?cvmut^Iic^  an^  einer 
55alfamünfc&cn;  benn  c6  jtnb  mehrere  t>on  t>iefcr  2Irt  babci 
gebraucht  worbcn:  unb  ba  bte  ^?erau6gcbcr  fo  fc&r  auf  eine 
j>crmcinte  SÖollfldnöigfeit  fa(>en,  fo  tvaren  für  fie  bic  ^aU 
famonfd;e  ^;>anbfd;riften  t>k  allcn?ortreff(icl)flen.  vSei  ber 
grage  t>on  ber  2(cd)t^eit  «nfer^  (^anou6  fönn  alfo  biefe  2In^^ 
QaU  gar  nid)t^  entfd^clbcn:  fte  ijl  ^u  unfrttifc^  Deranfraltct, 
unb  ftc  ^at  fid}  t)or3Ögnd;  nad)  ^paubfdjriften  gerid)tct,  bie 
55d)jlen0  au6  bem  ^njplften,  brci^c^nten  3a|)r()unbcrt  fi'nb. 

$8iö^cr  t)on  ben  ^?anbfd)rlfren,  bie  voiv  gcbrucft  ^abcn: 
jc^t  öou  einigen,  t)k  nod)  blo^  ^panbfdjriftcn  ffnb,  unb  bi6^ 
Jer  bei  2(u6gaben  noc^?  nicf)t  bcnu^t  iijorbcn.  3^re  2In3ö{it 
i|^  fe^r  geringe,  n?eil  t^ciU  wenige  9}?anufcriptcnfataIogen 
auf  eine  genaue  S5efd;reibung  ber  ^?anbfcf)riften  fid)  einlaf^^ 
fen,  t^eilö  aucö  ein  groger  Zf)dl  ber  ^?anbf($riften  bloß 
23alfamonfc()e  ^anbfc^riften  ii'nb, 

§.    8, 

5D?att^au^  ©retfer,  ein  fe^r  eifriger  Sngoljlabtifcfcer 
Sefuite,  fud?te  bie  Se^re  feiner  ^ird)c  unter  anbrem  auc^  in 
Slnfe^ung  i^reö  angenommenen  ^anon^  ^u  uerr^eibigcm 
^an  na&m  gegen  benfelbcn  gcwo^nlid)  and)  einen  ^'inn^urf 
auö  unfrcm  Saobiccnifc^en  (^anon;  biefen  ^u  bcanmorten 
fu^vt  unter  anberm  ©retfer  *)  eine  fe^r  alte  J?anbfd)rift 
an,  in  ber  t)a^  gan^c  53er3eid)nt(3  nic^t  jleben  fo0.  ^r  gicbt 
feine  S5efd)reibung  t>on  ber  ^?anbfd;rift,  ober  fon(!  irgcnb 
einige  ^enn^eidjen,  worauf  man  auf  ifer  öllter  fd)fiej5en 
fonnte.    (Jö  wdre  biefeä  um  fo  mcjr  ^u  trfinfd;en  gewcfcn. 


*)  Operum  Tom-  VIII.  pag.  56. 


89 

tüül  ^ad)v\d)tm,  t)ie  nur  gefd)tt)ittb  in  poIeinifd)ett '5rBfic^= 
ten  aufammeti^eralft  werben,  feiten  üollfommcn  gewiß  ober 
»oUfcmmen  genau  ftnb»  ^od}  flüd)tigcr  i|!  ble' SInaeige  tu 
ner  anbcrn  Xpanbfdjvift,  wmn  unfer  €anon' gleichfalls  fcfi? 
len  foll,  bk  in  3o5«nn  ©regovie*!  '")  posthumis  jlejt  (5r 
gebcnfr,  nad)bem  er,  tor^er  gefagt  iatü,  tag  bicfer  Saobice* 
nifd^e  ^anon  in  fe^r  alten  $anbfd;riften  fejle,  beö  ©retfe^ 
rifd;cn  9}?anufcript^,  unb  fe^t  Ui,  t)(i^  er  felbj!  a\x6)  ein 
folc^e^  au  ^?auö  6efi^e. 

SOohif^  ^ad)xid)t  in  feinen  textibus  Bibliorum  origi- 
nalibus  pag.  647.  würbe  för  unö  nocf)  bie  braud)barjle 
fet)n,  wenn  wir  öon  ben  J?anbfd)riften  ber  $Soblejianifcl)cn 
Sibliüt^ef  eben  folct)e  ^Sefd/reibungen  Jdtten,  al^  ^anbini 
»on  ber  9??ebiceifctcn  geliefert  Jat.  ^r  terftd^ert,  bag  er  in 
einem  fe^r  alten  23aroccianifd[)en  ^ober,  ber  mit  n, 
3eic^net  iji,  fe^le.  3«  einem  anbern  alten  S3aroccianifcöen 
€ober  n.  i85.  Der  md)  bem  SSoblejanifc^en  !)}?anufcripten^ 
»craeid^nig  nur  jteben  unb  funfaig  (Sanonel  ^at,  jle&t  ^wav 
baö  53eraeid)nig  ber  f'anonifd)cn  S3ud;er,  aber  Weber  aU  le^# 
ter  ^anon,  noc()  t)ereinigt  mit  bem  legten  (^anon,  fonbern 
nad)  einem  aiemlid;  leergelagnen  ü^aumc  glei4)fam  blog  ein 
»erbad)tiger  Sln^ang»  €*ine  S3aroccianifc()e  Xpanbfc^rift  n» 
i58.  l)at  a^ar  t)a^  ^eraeicfenig  al^  t)ollfommen  ac^t:  aber 
gcrabe  biefe  ^?anbfd)rift  i|l  unter  öKen  breien  bd  weitem  bie 
jungjle.  I5iefe  ^ad)vid)t  ift  bejio  fd)d^barer,  \:}a  man  f)kx 
glcidjfam  eine  genealogifc()e  9lad;ricbt  öor  ftc^  iat,  vok  hk* 
fer  (5anon  nac^  unb  nac&  \\d)  eingefd;lic()en  Jaben  fbnnt^: 
ftc  würbe  ticlleid)t  a«  einer  t>ollfDmmenen  (I-ntfc[)cibung  al^ 
lein  Jinreid;enb  fei;n,  wenn  wir  t>on  biefen  ^anbfcf^riften 


•)  London.   1664.  4    pag-  6^. 


§9 

me^r  wogten,  aU.,  waB  unö  ^obi?  b(tt>on  gcfagt  Jat.  ©o 
^tcl  ergiebr  ftc^  bocö  tx»o^l  (licrau^  alö  SKefuItat,  bag  felbf!, 
wenn  mir  Jciue  anbere  (^'titfc&cibung^grünbc  Ratten, ^  al^  bic 
3i-|cc^ifc()cu  ^?aiibfc()vift.en  bct  (Sammlungen  t)on  ^oncilien? 
fd;Iu|Ten,  immer  boc^  me^.r  S[Öa&rfcI;eiiilid;!eit  fep  gegen  bie 
Slccfet&eit  unfera  ^aobtcenifd^en^^anon^,  ale  für  biefelbe. 

IL    ©ammter  unter  ben  ©ried^en,  w>cH;e  bte  ßonci^ 

KieitfctytÄjfet  iiad)  emer  gemiffen  ft;ftematifd;cn  Ovbnuug 

geliefert  IjaUrt. 

^an  Ut  t)or^uglic&  brei,  Sodann  t>on  2Intiod;{en, 
^^Dtiuö,  9}?att5,  S3löjlarea  ^"%  Se^terc  ^trci  finb  unö  un? 
brauchbar:  benn  ^botiuö  fu^rt  bie  (^oncilienfcl)Iuflre  md)t 
vohxtlid)  an,  fonbern  citirt  fiV  blog '-'")  unb  ^Slaftareö  ijl  ^u 
jung;  er  ifl  öuö  bem  mer^eftnten  Sa^rbunbert,  unb  feine 
SIrbeit  voax  entttjeber  febr  fluchtig,  ober  ftnb  unfere  ^u^a« 
Ben  fe^r  mangelb^ft.  ^ia\iaxcß  fögt,  ber' Söbbiccnifc^e  ^a* 
«on  fe^  t)b(Iig  eben  berfelbe,  ,aU  ber  85.  STpofloIifd^e  ^anon, 
öuger/bag  bie  ^Sriefe'unb'^'ont'titutionen  bc6  (^(cmenö  i'nu 
njeggelöflfen  1fet;en:  aber  ber  Saobicenifd)e  (Sanon  vocii  n\d)t^ 
Don  bcn  brei  ^ud)ern  ber  5D?accabder,  hk  bod)  in  feinem 
Slpoftolifc^en  (^anon  jteben:  bingegen  febft  bem  ?8Iajlcireö 
in  feinem  5KpofloIifd;en  (Eanon  bic  ®efc{){cf)tc  ber  SIpofrcL 
3obann  ton  5lntiod)ien  ijl  alfo  allein   nocf)  übrig,    i^einc 


*)  Bevereg.  Synodic.  Tom    II    P.  3. 

**)  Jpier  i(t  allein  Don  bem  ^iomofanon  bed  ^öotiu^  tit  Oiebe: 
bcnn  fein  synlagma  canonum  ifl  nocl)  tticbt  gebrufft,  unb 
man  muß  ^id)  t\o^  mit  ben  "Diacfert^teu  bebelfen,  bie  Lam- 
})eccius  tu  feinen  ^ommcntiutenL.  VI.  unb  L.  MII.  gicbt. 


91 

©ammlung  jlcjt  in  SufIcUö  ^ibl.  Tom.  IL  unb  ©.  600. 
^at  er  njirflid)  unfern  Xaobiccnifd?en  (^önon,  ober  o^ne  baö 
53cr^cid)niß  bcr  23udber.  2)iefcr  gcuge  i|l  nacl)  allem  ^Scj; 
trac()t  augcrjl  merfrcürbig.  Sodann  lebte  in  ber  Wim  beö 
fed;ftcn  3abr&unbertö.  ^'iner  ber  9efd;icfteftcn  ^anoniilen 
feiner  ^cit  (It  n?ar  -erjl  ^bi?o!at  3U  (^onflantino^el  (Scho- 
lasticus),  trat  al^bann  in  ben  geiftltcl)en  ©tanb,  it>urbe  5U= 
crft  ^re^bi)tcr  au  2Intiod)ien,  unb  SIpofrifiariuö ;  cnblid)  be? 
jlieg  er  im  ^a^v  564  ^^n  €on|lantinopoIitönifd)en  ©tu^L 
©tarb  578  ^0- 

modo  M  ^reöbptcr  ^u  2lntiod)ien  möchte  er  eine 
©ammlung  »on  Kanonen  nad)  ben  fOiaterien,  wo  er  t)k 
€anoncö  immer  trortlic^  genau  anführt;  man  mug  ftd;  hu^ 
feö  bcfto  forgfditiger  merfen,  um  biefe  ©ammlung  t)on  fei^ 
nem  anbern  SfBerfe,  bem  momotation,  ^u  unterfdjeiöen,  wo 
bie  (^anone^  me^r  bloö  angezeigt  al5  auögebvücft  finb. 

3n  biefer  ©ammlung  nun  jfe^t  unfer  Saobicenifc^cr 
€anon  ojne  bflö  ^IJer^eic^nig  ber  canonifcljen  ^ud)er.  ^tteö 
t)ereinigt  ffd),  um  biefen  Jungen  red;t  wicf)tig  ju  machen» 
©ein  Filter;  voa^  foUen  ?8aIfamonfd)e  ^anbfd)riften  Vodt}= 
ftcnö  auö  bem  (5nbe  be6  aroolften  S^Jr^unbert^  gegen  einen 
fo  glaubrrurbigen  $c\XQtn  au^  ber  SQiitte  be^  fed)ften  S^^r^ 
Junbert^  bcnjeifcn?  ©eine  übrige  (^Jele^rfamfeit  unb  ber 
gutritt  ju  ben  ^irc&cnard)it>en,  ben  er  nad)  ben  SIemtern, 
bie  er  befag,  unftreitig  ))ahm  konnte,  liegen  i^n  wdt  md)^ 
rere  ©ubfiDien  benu^en,  aU  alle  nacfjfolgenbc  ©animier 
Ratten. 

Olbge^ur^t  Jat  er   unfern   €anon   nic^t:    bcnn  eö  ijl 


*)  V.  Doujat.  praenot.  canon.     (Paris  1697.  4-)  ^-^  ^^^'  ^'  ^^' 
pag   418. 


92 

fon|l  nic&t  feine  2Irt;  er  liefert  (tc  ötte  90113.  53erltümmelt 
]^at  er  i^n  auc^  nicf)t  etn?a  auö  befoubern  togmatifc^en  216^ 
ftci)ten:  beim  Qlcido  ©♦  601.  ful;rt  er  bcn  fünf  unb  öd^t^ig? 
jien^apoflolifc^en  (Sanon  ein,  bcnjenigen,  mit  n)c[d)em  h-aft 
ber  58cmcrfung  nad)fofgenber  ©d)oIia(len  unfer  2aobicenifc{)er 
€anon  öuf  ha^  53otlfommen(te  ubereinftimmte.  2lber  ml* 
leic&f  mac^jtc  t>a^  ^^er^eic^nig  bcr  fanonifd)en  25ücl)er  in 
feiner  ^pönbfd)rift  einen  befonbern  ^anon  ou^?  @o  ^dtte  er 
alfo  bod;  voo^l  irgcnbnpo  in  feiner  ©ammlung  bicfen  befon? 
bern  ^anon:  unb  voix  l^aben  oben  gefc^en,  bag  hie  ^mei 
Canones^  Xi)d(^c  in  ben  gen?o5nIid)en  5(u6gaben,  aU  ber  Sqjic 
nnb  6o(Ie,  getrennt  jt'nb,  eigentlich  jufammen  nur  einen 
au^mad;en. 

Sodann  i|!  w)a5rfcf)einltc^  ber  crjte,  ber  bie  Canones 
tiad;  bcn  Ü[)?arevien  orbnetc:  bcnn  bie  t)ermcinte  ältere  @amm^ 
lung  beö  ^^eoboritö  beruht  bloö  ouf  einer  f(jlfd)en  Ucbcr* 
fd)rift  eine^  MS.  in  ber  !5niglid)cn  vSibliotJef  3U  ^ariö^^'O« 

©ollte  nnfer  (Eanon  nicf)t  äcj)t  fct;n,  fo  iat  ira^rfcbcin? 
lid)  biefe^  3ufammenfd)reiben  ber  Canonum  nac^  ben  ?Q?a? 
tcricn  Diel  5U  feiner  ^'rifien^  beigetragen,  (i^  tcav  fcjr  leid;t, 
ben  ^uäbrucf  fanonifdje  58ücl)er  im  59ften  €anon  fo  5U  üer^ 
j!eben,  baö  ^ier  biejenige  23i^c5)er  gemeint  fev)en,  it>cld;c  man 
fc^on  önber^a^o  irgenb  in  ben  ^irdS)en?Canonibus  bejtimmt 
iahe*  Die  Canones  Apostolici  a^aren  hie  etn5tgen  Der* 
meintlicl)  altern  ^ird;en'Canones,  hie  ein  fold)e^  5>3er3eid;nip 
enthielten :  ülfo  fupplirte  man  ben  Saobtccnifct)en  ou^  bicfen, 
unb  biefer  ©eban!e  fiel  immer  bejlo  leidjtcr  ein,  je  mel;r 
man  ben  apoftolifc^en  €anon  bei  bem  Jüaobiccnifc^cn  gleic|)^ 


*)  Doujat  praenot.  Can.   L.  III.  c.  9.  pag.  421  •  coli.  Balleri- 
nior.  diss.  de  ant.  can.  collect.  P.  I.  c  2.  pag.  i5. 


93 


fam  in  bcr  5?a^e  ^attc.  $at  ober  biöfe  5!}?atfricnorbnun3 
t»cr  Canonum  tt?irflicj)  ctwa^  ba^u  beigetragen,  bog  bcr 
Saobicenifc&cn  (gijnobe  biefe^  SJer^eic^nig  ber  !anoit{fd)en 
25üd)cr  ön9ebid)tet  würbe,  fo  mug  eö  un^  bcjlo  öngcne^mcr 
fcpii,  bei  bem jenigen,  ber  fte  ^ucrj!  anfing,  feine  (Spnr  bie^ 
feö  untergefd)obnen  €anonö  ^u  ft'nben. 

III.    Ueberfeluttgen,   unb   p>ox .  ^s>tixx^M)  lateuttfd^e«.; 

(5ö  giebt,   auger  ben    latetnifc&en  Ucberfei^uttgien    b'eiro 
Saobicenifdjen  @d)Iüflre,  ft)rifc^e,  arabifd)e  unb  dt^iopifd&fe*" 
(^alrnort  in  feinem  i?ortreffIid)en  55uc()'  uonber5(rt,  bie  €ört=~^ 
cilien   ^u   ftubieren,   beruft  ftcf)*)be!25efd)reibung-^^cf^' 
morgenfdnbifd)en  Uebcrfc^ungen  5au|5tfad)lic^  öuf  t>k  ^a^^- 
richten,  bie  2Ibt  SRen:a"ubot  in  ber  befannten  peTpetuile  de  lä' 
foi  (Tom.  V,  I.  ^.  c/2.  pag.  646.  647.  etc)  QkbtJ  ^'^<t 
SHenaubot  nacl)  ©alrnon^  S3cricl)t'(piag.  '277.)  befonbcr^'  aö"^' 
Seigt,    rcortn  biefe  Ucberfc^ungen,  unl)  tur^uglid^)  bie  arof^' 
bifc^e,  t)om  griec^ifc^en. 2!ert  .abgeJ^cn^:  fo  Mrben  ftc^  üietteid;! 
einige  wichtige  Sntfd;eil5ung^grunbe^ier  ^eigen^    2Beil  ,i(ft; 
aber  Mi  23ud)  felbft  ^u  erbälten  nic{)t  fo  glucflit:^  tt^ar/'jfior^ 
fann  id;  !cinc.9Zad)rid;r  baüon,  geben:  ic^  Faun  auc^,  mi|^ 
fagen,  ob^  man  nic^i  bei.bcm  ©cbrauc^  ton  3tenaubot^  Dlacfe.^ 
ric{)ten  Urfaclje  I)at,  ber  2Ibjtd;t  beö  SSud^ö  eingeben!  ju  fei)n, 
worin  fie  j^c^en,     ^Kan  f)at  ftcfe  in  ben  bamaligen  ^treF 
tigfciten  beibcrfeit^  bittereiöorwürfe  ber  Unel&rlic()feit  gehidd)t» 
Da  fid)  aber  Sf^cnaubot  grogtent^eil^ ,  auf  9}^anufcrtpte  be? 
ruft,  i?on  benen  er  fclb^t  fagt,  in  wdd)cn  ?SibIiot^efcn  fte 
anzutreffen  fe^en/  fo  fotttc  tno§l  biefel  nid;t  ju  befürct)ten 


*)  ^tW&f  1755.  8.  pag.  275. 


94 

fcijm  Uebrigeu^  W^maniid^  fe^r  ^u  5"tcn,  bicfcn  mer^ 
genldnbtfd)cu  ©ammfungen  feinen  öU^ugrogeti  sjöcrt^  Wu 
jtttegcrt  i  ffe  (tVib  iiac&  9?enaubotö  eignet  25emcrfung  bfrerö 
corrigiVt  unb  t>crbefferf  tijorben;  fold^e  t)erkflFerte  (Sammlungen 
fbniicii- nur  feiten  r&c&tige  3^"9cn  etncr  g^nj  unt)ßrfdlfd;ten 
©teile  fei)n»  ^?ag  ober  2"iebe"  ju  ben  Lateinern  Jat  bfterö 
öuc^  au  ber  ^rt  ber  5lorre!tion  ba6  ©einige  beigetragen:  fc^r 
t>iel  wicbtiger  miigten  alfo  biejenige  5?anbfc^riften  fet?n, 
welche- -alter  jtnb/  al:^^  bW/'^eftige  Sluöbrnc^  ber  Slrennung 
a-VVifc^cn-  ben -.Lateinern  unb  ©riechen,  bejfen  erj^c  (5poc{)c 
tn^  neunte  3al;r^unbert^  unb  feine  jtveite  inö  ctlfte  3^^r^ 
Junbert  fallt»  iJoüjat:  in  feinen  praenotionibus  canonicis 
gebenft  auc^  ^meier  arabifd)en  Ueberfe^ungen:  t>on  ber  einen 
giebt  er  aber  gar  fei n^,  um|Idnblid)e  9]ad)rid)t:  mib  bic 
92ad)rid)t>  bic  er  oon  ber  mit^mx  gjebt,  i^,  tcic  man  in  ber 
5ynAiier!.un$  fiefctf),. I^bffc^affen,^  0ar  feine  2lufmerf^. 

famfcit.p^rbifnt:  b^n;i  i^rj,  Scfcart  iat  biceinmütjige  ^titt^ 
m^j-fllcr;  glaubmür])igfti^  beugen  gegen  fic^, 

i(bijgo§antt<  ©regöorieogetrenlt  in  .feinen  pqsthumis  p.  85, 
chur  l'^roccianifd[)cn)''J?ttlibfd)rift!.tioii  b«t  ■  ^oblcjanifdjcn 
SS'ibUot^ef/TOelc^e  eine  ardbifd)cUeberfe^uhg  t'er  !üaobicenifd)cii 
@d)lujfe  enthalte,  unb  ftatt  bcö  ^cr3eid;ni(fc^.  ber  fanonifc^cn 
S5ud)er  bloß  eine  ^nmtrfimg  Jö^e^  ^^«»^  «"ter  ben  -^ocXfjLovq 


*)  Duae  hujus  Concilü.rcperiunlur  in  regia  Bibliotheca  ver- 
siones  Arabicae  :  in  quarum  altera,  quae  Iranslala  dicitur, 
vt  a  Gl.  V.  Claud.  Gapellano  JDoctore  Sorbonico  acccpi, 
inter  veteris  tcstamenti  libros ,  qui  rccensentup  vitimo  ca- 
none,  ü  connumerantur,  quorum  auclorilalem  scclariijio- 
ruin  tertiporum  in  diibiüin  reuocant,  Judilli  puta,  Macca- 
baeorum,  Tobiae,  Sapientiae,  Ecclesiasticus.  L.  II-  c.  lo. 
pag.  300- 


9  a 

Cödicem  losephi. '  5Ba^rfd)ci'nIid)  if!  eö  Wt  tfdnind;c;  auö 
5ev  23ci>eribge  feine  avahi\d)t  nicatufc&c  (Schlöffe  tin  erflcii 
2:bmu^  fctnc^  (Si)nöbt!ön  fl6b'ru!m  lieg;;  ö«^  fc'ed)IujTe 
bcr  bvei  nadyfötgcn'oen  6fumenifc^cn  €oucI(!c1t1  ^^■^Be^crib'ö^ 
5iclt  t)iefcn  SotfJP^/  cihW  ■'STf^WftbVitiifdien  $r'fej!er/ fofViil 
9^af)i^'fe^k^'^öftr'l3^8  ^if^cbt''^^^  föt  btä^^er^ 

föffer  ber  tießcvfffeunj  felbj!  /'ober  öu^  feiner  önbern  Ur^ 
(bcf)c,  öf^  lictf'eV  jelnÄt  0t(Jhteh  %öf'  bertV  (Jc^erj^nt^/' €m 
fc^wdd;er^ritnb,  ba  nrtd) '  iKenaubot^  S3'ctitcr!uh0  tiefer 
9toe  öud)  Bloß  btii  ^t'ft^er  bef^^itiibfö&vifr'aW^eTgen  fonnVe, 
liiiti  ratfiV  'fonf!  Itir^^citfe^ tiiii^e  fe^uven^ ^^otf  bief^fei  Üebetfe^ei 
äöfep^  'öMifft^  iö'i '  'ein '  paar"^  X?a'nbf($rtfreh  ber  foniö'(id)en 
?Sibr, '^li '^aff'^j'unb' fönjt  etnigr  önbere  ton  biefcr  UWcvf 
fe^u"iiä/bie'  Weliiät?ciU'-1h''bar  '3^Dlfte'''3öJr5unber^  gef)5i'cn, 
öffo  ^tverSö^Jrr/iiiiWrt/Wfr  f^^^^^^  agvjptifc^e  ^ric|!er 

3ofep5 ,  dd^  feiit^f^fott^e^tiÜeßef fe^^y '^'^^^^  ;3* ' W^tbe 

ölio  bbti  ^^iftflW'jeuöe^t  ^aif  feiWeii"^ Wd^rdu*  ^ttiji^i^^  ha 
fein  5UItei''unij-fc^in''^ttii5rti^''^to5^  it^^^^  'ijübefünimt 

jiiiib»  "^^(^'"(ifeör' W  btn  tatciiiffcf^en  'ÜetrVr'fc^uilgeWf %d  'wir 
tfeie'it  'öftere'' 3^«öW'  pbei^-'Mbiif/'ihfcr  foIc^e/bie^'BejT'o 'cnt- 
jclS)eibenM''  fiW;^^lfi^\t0c  tüir'^^^flbl'ßri  '^ui^rer*  ifnt(fd)eif 
Öiitcti^d)iifiä'#?nr""  ■ 

'  «Öbnt'3ien''iltTe(!ett'-äffed)ifc&ert  €oncitiert^  Uttc 

ttthtt  tn  ber  löteinifc&en  Älrd^e  ^befanntermaaßen  brd  "^ani 
ijcvfd^icbene'Uiiberr^r^iirtgent'lri  "ber  $Sancrintfd)en  ^bjanbfiing 
i\\  btcfe  53erfd>ieben^c{t,  unb '^ine'Mtifcfec  (?5efdji-cfere"  bfefer 
bVct  berfd)iebnen  Ueberfcl^ungertöuS  ^Öatifönifc^'irnninb  ©ie^ 
ricnfd;eu  $anbfd;rtften  (o  tiivitliiS^  ött^'clttanbei-gefegt/ tag 


96 


alleö,- tPö^  6t^Jer  etwa  irgeub  noc^  einigen  ^^cifel  erwecfen 
fonnte:  ob  ea  nidS?t  bloö  beftgurirte  ^?ant)fc5)riften  einer  unb 
eben  berfelben  Ueberfe^uug  fetjcn,  üollig  imvo^cxäixmt  ijl. 
Unter  biefen  trei  uerWiebenen  lateinifd;en  Ueberfegungen  ijl 
J>te  evfle  uttb  altcjle  bic  fogenannte  prlsca:  ttjal;rfd;cinlict)  ijl 
jte  bftlb  nacö  ^ß«  Reiten  bcö  (JI)^lcebonifd)en  Concilü  gemacht 
korben,  unb  ibr^erfaflfer  W;cint  ein  Staliener  ge^efcn  iu 
fe^n.  3n  Sujtcllö  «öibl.iottef  bc6  fanouifc^en  .a^c'd)t6  Uxjx 
(te  juerfl  pmvi^,-  a.^er  ijpjl)  .fejr. unri4)tig  wit^  mangel&afu, 
im  brittcii.'s^fait  ober  be.r.  ^Ä(lerinif*en  Siu^gabe,  ber  SBerfe 
£eo  be^  Ötpgejx  ftellt  ji'c^^o^fpmmen  Iritifcf?^  berichtigt»  ^iefe, 
pris^a  würbe  einer  ber  n?]*tigften^ugen  fei)n,  trenn  iv.tr 

|[e  bei.  be«  ^^^^if^,^^f^}^,r^^^^ 

ijania^^^,,  -A^I?  biefe  ^Uc|ic^ft''^^      g«tp^cl},Cn5"rbß,,^^WHg;eil^  1^^ 
!gaobicenifc()en  ^anp^ß^,^,m^]fpA^^^^  ^n<ä)t.  fp,  aögem?i.^  ,t^i_^ 

ben  Codicem  Ecclesiae  c^ü[g,ß\wt^jifim.^  ^  9^^^i^?  jf^^ '  '^^'^^' 
f^b,.fiei-ber  Ueberfe^er-^jn  {eigner- J?anbfcf)rift  nicl?t.  Sujtcll 
glaubte,  fejne  j^aiVt^fcl^tft.tjOnT  b.cr,prisca  fcQ^^üivbpÜl.opmen,^ 
weil  iic,  t?[e  ajpl5tcyp)^jl^gööi:  _ni*^  >^ 

^?er,au^^cb^r,,'6e^^auptft^^^  nf^l^if- ^ ^"^^^ ^  ^^^^  'A^"" •^"öM 
tnagt^i>^,^^5^tatter  t>^fJjDr(;|it !. gegangen,  f^^n,  worauf  b|^^ 
ülaobicenkdK  Gaaone,3.  gftfto^iben:,  bic,.?5aller|nt  aUr.U^^n 
burd)  sBergreicl)ung  anbcrcr  ^?önbfc{)riften  a.uö^b^p^  ?3atif^^^^ 
außer  aUem  3n?eifet  gefegt,  bag  jte  niemals  in  ber  prisca 
gewefen  fe^cn.  -^^  ""/ 

;2llfi>,.e4^.ea  ber  ,ttHC&^gjI^lv3<;U9n^ff^^:.J5^^:?^^,;)^^^  ^^" 
^icantfd;cn,  ©arbicenfifd)en,  ^angreufifdKn  Canonibus  bröu^ 
c&en  Jüuntcn,,ge^t  un^^^^icr  ^gaijj.öerlQrcn.,  9bd}  jt'nb  ,(^(fo^ 
iwei  auberc  Uebcrfe^unften.,,^brig,  bie  I)ioni)(vic^;C  mib.  f^j 
genaniue  Sftborfc&e.  ß%;MWu^^^  befonbfr^  gebanbct^j 
werben,  weil  eö  ni^ifog^i^  entf4)ieben  i(l,  ab  |c  för,pb« 


97 

QCQm  Me  2Ic(^tJcit  unfcrö  €önon^  flimmcn.    ^(fo  aucrjl  uo» 
t>iv  Dioni)ftfcben. 

§»  12. 

^toni)(tuö  bcr  kleine,  ber  befonberö  burcf)  feine  Serec^v 
tiung  be^  ©eburtöjajrö  Sefu  bevü^mt  worbeu  ijt,  lebte  ^u 
fRom  in  ber  erjlern  Jpdifte  beö  fcd)j!en  Sö^vjunbert^ ,  öffo 
ungefähr  ein  ^^itgenofe  be^  (Jonflantinopolitönlfdjen  ^atxU 
orc^eu  So&önn,  t?on  beflfen  ^ammrung  ic&  oben  gcrebet  tabe ; 
nur  waxX)ioni)^  Won  öc^t  S^J^re  tobt  ba  So^^nn  ^atriörc^ 
würbe:  btnn  er  flörb  um  t>ai>  S^Jt  556.  (iagiobor  ''0  ruf;mt 
ijn  äU  einen  im  (5)ried)ifd)en  unb  Satcinifd;en  öoUfommen 
gcfc^icften  ^OZann,  ber  befonbcr^  im  Uebcrfcgen  eine  ganj 
t)oriÜ9ltd)e  ©tdrfe  {latte,  unb  bcötregen  aud;  mcjrcreö  au6 
bem  (^ried;ifd)en  in^  £atcinifd)e  überfe^te.  2luf  gufprec^en 
beö  ^;öifd)of^  @tepl}an  öon  ©afone  übernahm  er  eine  lieber^ 
fe^ung  ber  9ried;ifd?en  ^ird)en*€önonen,  befonberö  bd  bic 
prisca^  beren  er  au^brücflid)  gebcnft,  fc^r  t>ent>irrt  unb  buns 
fei  war.  €r  ^attc  bei  feiner  Ucberfc^ung  mehrere  öticd)ifd)c 
Codices  t)or  ftc^:  bcnn  er  er^d^It  felbft,  baß  er  bte  €^al* 
cebonifc^cn  (Sc^lüfTc  in  bem  einen  ^rcmpfar  ntd}t  gefunbcn 
Ja6e,  mib  fte  beöwegen  auö  einem  aubcrn  fupplirt.  Dioni)^ 
fen^  Ucbcvfcgung  würbe  in  ber  9lümifd;en  ^irc&e  balb  all* 
gemein  gangbar:  eine  allgemein  gangbare  Sammlung  Don 
^irc^engefe^cn  bleibt,  wie  leid):  5u  erac&ten,  nicjt  lang  ojne 
gufd^e,  t^eilö  fold)e,  hit  fid)  jeber  sSejtgcr  ^u  feiner  ipanb^ 
fc^rift  machte,  tjeil^  aud)  folc&e,  bic  t>on  bem  bamalige» 
©efe^gcber  ber  Äirc^e  gemad)t  würben. 

3n  einem  ^fdl^ifcl)ett  €obex-,   ber  im  53ati!an  x\t  (n. 


*)   De  diuinis    lectionibus.    cap.   25.   v.  Ballerin.  diss.  P.  III, 

pag.  164. 
©pittlerö  fammtl.  QScrfe  Vill.  25b.  7 


98 


5770/  J^^  ^^^  ^^^  gleidjfam  baö  crfle  (Eonce^t  Mefer 
2)iont)fifc&en  ©ammfung,  baö  ^eigt.  eine  2lbfc{)rlft  ble  t?on 
allen  nacJ)fol9enben  Slu^gaben,  welcl)e  unjlreitig  ben  deuten 
2)iont)fiu6  liefern,  fejr  n?cit  abgejit,  unb  bod;  fo  6efd)öffen 
ift,  bag  man  in  if;r  not^wenbig  bic  ©runblage  cvfcnnen  muß, 
burd;  beren  ^Seröollfommnung  Dioui)^  feine  abreite,  je^t  gc* 
Wü&nlid)  unter  feinem  S^^amen  befannte  Sammlung  ^u  (lanb 
brachte.  3«  t)er  S5allertnifcl)en  5lb^anblung  '')  i(!  fe^r  ge^ 
nau  bcmerft,  worin  biefeö  erjle  ^oncept  i?on  ber  6amm* 
lung  abgebe,  Uz  voiv  gebrudft  Jaben:  aber  in  Slnfe^ung  ber 
Saobicenifc^cn  ©d>lufl*e  gicbt  fie  hinm  Untcrfd}icb  an;  id) 
uermut^e  alfo  billig,  M^  biefc  eben  fo  in  bcm  erjlen  Ent- 
wurf ber  Dionvftfc^en  Sammlung  gcftanben  finb,  n?ie  in 
bell  heutigen  ^u6gaben  beö  5^iont)fiu^.  Dod;  ivenn  wir 
anc^  ber  fritifd)en  ©cnauigfeit  ber  $Sallerini  nid)t  trauen 
wollten,  fo  6aben  wir  no6)  einen  anbern  ^^"Ö^"/  ^^^  ^io= 
n\)fenö  Sammlung  gebraud)t  ^at,  eje  ^.  Sad)axia^  5>erdn* 
berungcn  in  berfelben  vorgenommen,  unb  jpabrian  ober  iu 
genb  ein  anbrer  ^apjl:  ^u^a^t  gemad;t  iatu.  ^refconiu^, 
ein  2Ifrifanifd)er  23ifc()of,  ber  au  (I'nbe  beö  jiebenten  ^a^t^mu 
bcrtö  lebte,  orbnete  bie  Diont;ftfd;e  Sammlung  nad;  ben  ?D^a* 
terien :  feine  Sammlung  ijlt  gan^  25ioni)fen^  Sammlung,  nur 
t)a^  bic  Ganones  anberö  gejicllt  ftnb :  er  liefert  aber  ben  neun 
unb  funfaigffen  Saobicenifd;en  €anon  gerabe  mit  eben  ben  Sßor^ 
ten,'"0  wie  wir  ijn  noä)  l;eut^utag  in  Dionj)fenö  Sammt 
lung  böben.  5ßenn  id)  t)on  beutigen  Dloni)ftfd)en  Sluögai» 
hcn  rebe,  fo   meine  id)  bloö  hcvoaf)xU  Slu^gabcn  M  Codi- 


*)  P.  III.  C.  I.  §.  5.  pag.  171—  175. 
**)  V.  Justelli  bibl,  jur.  Canon   veteris.  T.  I    append.  pag*.  82. 
col.  b. 


99 

eis  canonum^  bcn  ^a)>jl  jpa&riöu  ^axUi  bem  (SJrogai  fd)enftc. 
^-^  ift  auögcmac^t,  bag  bicfc  i^abrianeifc^e  ©ömmlung  nid;t5 
anberö  ivar,  aU  ein  etwa^  öcraiiberter  Dioni)|iu^,  unb  baß 
eö  aud)  ntd;t  ba^  epitome  canonum  beim  (5ani(tu^  *0  iji, 
aud)  iiid)t  biejenige  ©ammlung ,  n?e(d)e  ber  ^apjt  an  ben 
«5tfd)of^n3iUarmn  t>on  5Q2e^  gefcijicft  ^aben  foll.  fl}?an  Jat 
öon  btefer  ^abrianeifd;cn  ©ömmlung  tollfommcn  ääi)U  unb 
glaubnjürbigc  5Hbbrücfe;  mit  biefen  (timmt  ^refconiuö  boUigjI 
übcrfin;  beibc  Jaben  t>a^  2}er5eid)nig  ber  fanonifd)en  5Bud)er 
nicfct:  eö  ift  mir  alfo  genug,  Jierauö  beriefen  ^u  Jaben, 
\ia^  cö  nicbt  erft  ein  Einfall  fpdtercr  Reiten  ijT,  biefc^  53er^ 
aeid)nig  binwcg^ulaffen,  unb  \ia^  unter  mand)erlei  53eranbe= 
rungen,  bie  mit  biefer  (Sammlung  t?orgcnommen  irurben, 
njenigftenö  bi*  auf  5?aDrian6  I.  Reiten  fic  ftd)  in  Slnfefiung 
unfcre^(^ahon^t)ülIig  gleid)fürmig  geblieben«;  3«  nad)foIgen* 
bcn  Reiten  ift  eö  bisweilen  burd;  ben  unterjldnbigen  gleig  ber 
5lbfd)reiber,  ire(d;e  !r)iont)ftfd)e  ^;>anbfc^riften  auö  Sfiborfc^en 
Derbeflhertcn,  {lin^u  gcfommcn,  wie  überhaupt  burd)  t)k  53cr^ 
mengung  bicfcr  beiben  Uebevfe^ungen  nod)  mejr  53crttjirrung 
an0evid)tet  tDoiben  ifr.  ^oö)  ift  alfo  übrig ,  bog  id)  ^eigc, 
wie  bctt)dbrtc  ^bbru^e  ber  Jpabrianeifd;en  ©ammlung  ^a^ 
53eraeid;nig  voixtiid)  nicfet  f)abcn.  Die  erjlc  Slu^gabe  biefer 
©ammlung  ijl  t)on  Sodann  2Benbelilcin  ^u  ^ain^  i525. 
Sr  legte  brei  i^anbfcbviftcn  babci  ^um  @runbe:  Jnjei  ber^ 
fclbc  waren  dd)t  Jpabriancifd),  im  britten  fanbcn  fic^)  fofcf)c 
gufdge  ^"")/  bic  einen  fpdter  Dcrmejrten  €ober  Derrat^en, 
j.  S3.  3^ei  S5riefe  Don  ^^rill.  an  ben  9lc(!oriu^,  unter  bem 


*)  I.eclion  antiq.  T.  ».  pag,  266. 

**)  @.  5öenbel|leirt^  5>orreDeii  in  t>fr  iroeiten  ^U^oeif*en  5lu^s 
»abe.  @.  89.  117.  188.  irr. 


100 

i)lamen  bcö  (J'^^ejtnifd^en  (Soncilii;  eine  ?3orrcbc  ju  bcn  ©avbu 
ccnjTfcl)en  Kanonen ;  ein  Xraftat  de  primatu  Romanae 
Ecclesiae,  gröuj  ^it^ou  lieg  biefc  ^lu^göbe  mit  einigen 
gufd^en  t>erme6rt  ju  ?)ariö  1609.  trieber  öbbrucfen,  unter 
bem  ^itel:  Codex  Canonum  vetus  Ecclesiae  Romanae. 
^'r  Derglic^  eine  alte  ^panbfc^rift  t)on  ^cauüöi^,  hk  ben 
3tt>ci  erllern  5öenbeljleinifd)en  MIq  gleid?  unb  ölfo  dd)t 
j^abrianeifc^  au  fe^n  fd;eint» 

3n  bcr  britten  Sluögabe  *),  bte  ^itjou  06er  ntd;t  we^r 
erlebte,  finb  tjtclme^r  neue  ^u^ä^^,  aU  fritifd;e  ^Seric^tigun; 
gen  ^iniUQdomnmu  Dicfe  Slitögabe  nun  liefert  ben  neun 
unb  funftigllen  ^anon,  o^nc  ben  Katalog  ber  fanonifd)cn 
SSucfter,  aber  mit  ber  ^nmerfung:  Est  in  quibusdam  ex- 
emplaribus  Laodicensis  concilii,  vt  et  in  Graecorum 
nomocanone  additur^  index  librorum  veteris  et  noui 
testamenti^  qui  pro  Canonibus  legendi  recipiendique 
sunt 

X)a  id)  rocber  tu  5[BenbeIjleintfd)e,  ttod)  bie-er(!erc  ^i» 
t^oeifd&e  ^u6gabc  ^u  fc^en  befommcn  fonnte,  fo  muß  id) 
mid)  bloß  mit  SÖermut^ungen  Jier  bereifen,  ob  biefe  2In^ 
merfung  fd;on  in  einer  t)on  bicfcn  gcjlanbcn^  ober  erft  in 
ber  britten  Sluögabc  f;inaugefommcn  fci;.  ©enbcljlein  Jatte 
nur  brei  ^?anbfc^riftcn  t>or  ftd):  id)  ijcrmut^e,  ha^,  vomn 
er  bö6  53craeid)nig  in  ^wei  berfelben  gefunben  Httc,  er  cö 
gewig  eingerückt  ^ahtn  ttjörbe;  unb  fanb  er  e^  nur  in  ei= 


*)  Codex  Canonum  vetus  Ecclesiae  Romanae  a  Francisco 
Pithoeo  ad  veteres  manuscriptos  Codices  rcslilutus  et  notis 
illustratus.  Accedunt  Petri  Pithoei  miscellanea  ecclesia- 
stica ,  Abbonis  Floriacensis  Äpologeticus  et  Epislolae ,  et 
formulae  antiquae  Alsaticae.  Ex  Bibliotheca  illustrissimi 
D.  D.  Claudii  le  Peletier.     Paris  i687. 


101 

»er,  fo  foniitc  er  nicfet  in  quibusdam  fd;rcibcn.  ^itjou 
ücrglic^  bei  feiner  erjlen  ^iu^gabe  Jfluptfac^lic^  eine  JpanN 
fd)rift  t>on  ^cöuüaiö;  tt?a^rfd;einlic^  fommt  bie  SInmerfung 
ölfo  and}  inö)t  Don  bicfer  ^er.  Jpingcgen  bie  Herausgeber 
ter  jtt)circn  ^it&oeifd)en  (Sbition,  Jatten  eine  ^anbfc^rift '^') 
t)or  jtcl[),  bie  t?ou  ^itjou  mit  allerjanb  53arianten  unb  5Ber^ 
niutjungen  bcrcid)ert  tt)ar:  i|l  alfo  obige  Slnmcrfung  crjl 
au^  bicfem  bei  bcr  Dritten  2IuSgabe  gebrauchten  ^Mt6oeifd)cn 
^oba%  fo  i(l  gcmip,  bag  njcber  hu  S[öenbel(!einifc()en  ipanb* 
fc&rtften,  noc^  jene  i^anbfd^rift  Don  Beauvais  ba^  53cr3cid;^ 
nig  ber  fanonifd;cn  23ucöer  gehabt  ^at.  ©cm  öUcö  bicfeö 
3U  fcjr  53ermut5uug  ijl,  bcn  fonnen  bk  t?om  ^*  ^ar^I^eim 
bei  feiner  Qluögabe  beö  2)ioni;ftuö  gcbraud)ten  Hanbfd)riften 
ganj  auger  allen  ^miU^  fc^^en.  3«^  crflen  Zf)di  bcr  (5on^ 
cilien  ^cutfd;lanba  lieg  ^ar^^eim  hk  6amm(ung  be6  X)ior 
ui;fiu$  abbrud'en,  unb  bcbiente  fic^  baWi  breicr  (SoInifcf)er 
$anbfd)riften  *'"0 :  ößc  brei  finb  ad)t  ^abriauifd):  benn  jte 
l^aben  feinen  ber  $n\ä%  ii?oburd;  fic&  fpatcrc  Codices  fcnn# 
bar  raad;cn;  ber  erjle  berfclben  i(l  unftreitig  ein  gcitgenofle 
^arlö  be6  ©vogen.  ^eine  biefcr  brei  ^anbfdjriften  ^at  baö 
^er^eid)nig  ber  fanonifd)en  SSuc^er:  eö  ij!  alfo  gercig,  ^u 
\)m  Reiten  ^abrianö  unb  ^arlö  be6  ©rogen  jlunb  biefe^ 
S^erjcic^nig   noc&   nid;t  in  Dioni)fena  ©ammlung.     ^ar^^ 


*)  In  perscrutandis  et  euoluendis  Bibliotheqae  Collegii  Treco- 
pithocani  manuscriplls  occurrit  non  ricinus  venerandae 
vetustatis  codex  canonum  Eccl-  Rom.  insignibus  nolis  nee 
iion  leclionibus  variis  ac  restllulionibus  a  Pitlioco  illuslra- 
lus ,    quae    qaidem   nostram    editionem  excitarunt.     ©.  Me 

^arifer  ^eraucJgekr  von  1687  in  ber  SSorrebe. 
**)  5m  ?0?anurcriptenüerKicf)nip  bed  (Jölnif^en  etiftö/  ba^  ^. 
.^ariöeim   1759  Oerau^öab,  f!ub  ik  mit  CXV,  CXVI  unb 
r.xvil  be^ic^uet. 


102 

^eim  ^at  ^voax  fonjl  tuebcr  d^xli^Uit  *)  noc^  Sa&igfcit  **0 
genug  ju  einem  ^ritüuö:  aber  feine  ^^rfic^feit  \)atu  Wx 
feinen  fonberltc^en  SReij  ^ur  53erfu5rung ;  bann  trenn  er  feiner 
^irc^e  ^atte  fd;meid)e(n  trollen,  Jatte  er  lieber  noc^  in  bem 
^Serjeicl^nig  ber  23üc()er  beö  alten  Zc^amu\H  jene  ^aar 
©c^rifrcn  ^incingefc^t,  bic  ber  eifrige  (5at6oli!e  üermigt,  cU 
ba^  gan^e  ^Jcr^eic^nig  fintreggclaffen.  Unb  große  fritifc^e 
gdfiigfeit  trirb  aud;  nid)t  erforbevt,  um  in  brei  ^anbfc^rif* 
tm  ein   fo  grogc^  @tucf  nid;t  ^u  übcrfc^cn, 

dm  3^uge,  iric  I)ioni;6,  bunft  mid)  fejr  entfd;eibenb 
ju  fet;n,  ga(!  au  einer  ^t'it  jle^en  in  ber  9}?orge» #•  unb 
Slbcnbldnbifc^en  ^irc^e  jirei  flJ^dnncr  auf,  bie,  i>erfc(>en  mit 
ber  nbt^igen  @efd)icflic^!eit  unb  mit  allen  ertrunfd}ten  @ub* 
ffbien,  eine  Sammlung  t>on  (^oncilienfc^luffcn  möd}en:  unb 
feiner  la^  in  (einen  ^anbf4jriften  ba^  Saobiccnifd;e  SBcx-- 
jetd^niß  ber  fanonifc^en  23ud;er.  Dag  Dion^6  fe^r  genau 
unb  forgfdltig  getuefen,  feine  unterfd;obenc  ©tucfe  in  feine 
©ammlung  aufzunehmen,  betreigt  feine  Slnmerfung  in  2(n^ 
fe^ung  Der  apojlolifd;en  (Sanoneö  ^^^^,  bie  er  gleic^fam  mit 
einer  ^rotej!ation  in  feine  ©ammlung  aufnahm,  ©arum 
foU  man  il;n  aber  hd  unferm  2aoblccnifdjen  ^anon  nid)t 
für  gleich  genau  unb  forgfdltig  galten?  Da i He ''•-='"-)  fc^reibt 
cö  einer  SSetrögerei  beö  2)iont)(tuö  3U,   ta^  biefcS  ^Jerjeid)^ 


•)  f.  mnbe  ^prei^fc^rift  üon  btt  OJeidjöflanbfc^aft  ber  S5tfc^6fe 

imb  3lebte.    @.  60.  ainni.  h. 
**)  ßrnejT;i  neue  tI)eoIog. .  93ibl.   befonberä  in  ber  Olecenflon  ber 
imei  erflt'nx  93anbe  ber  ^ariöcimifcfeen  Sammlung. 

*"*)  Canones,  qui  dicuntur  apostolorum,  de  graeco  translulimus, 
quibus  quia  plurimi  conscnsum  non  praebuere  Facilem, 
hoc  ipsum  vestram   noluimus   ignorare  sanctitatem. 

♦**•)  De  usu  patrum  (Genevae   i655.  4.)  pag    '2. 


105 


nig  bei  i&m  fcjit.  €"r  glaubt,  2)ioin;ftu3  \}aht  \ia&  SBcn 
5cid?nig  mit  gfciß  ^iiitrcggcIalTcii,  weil  einige  ^üd)cr  barin 
fehlen,  bie  ^.  3iuioccn3  I.  tu  einem  ©4)reibcn  •')  ön  bcn 
SSifd^of  Doii  21f)ouloufc  (Erfuperiuö  fd)on  ju  Einfang  beö 
fünften  3^I)v^unt)cvtö  aU  fönonifd)  crfannt  {)atte.  ^r  eifert 
bei  bicfer  (l)c(e3cn&cit  febr  bcftig  gegen  bie  fo  frube  5ier? 
fdlfc^ungen  felbft  ber  (5oncillenfd}Iuffe :  luib  ^eiUier  '""^') 
nimmt  gau}  rrillig  an,  ^ct^  cbtge  Urföd;c  \t»irflid;  hie  \x>a\)n 
fep.  Qv  fd)cint  aU  ©eborfam  gegen  bit  pdpft{id)e  53erovb-- 
numj  an^ufcbcn,  tvaö  ^ailte  53erfdlfd)ung  fd)i(t.  3(t  ba^ 
gaftum  gewiß.  Dag  Dioni)3  njirflid)  dltcrc  (5onciIienfd)Iuflc 
nad)  jungern  pdpftlid)en  53erovbnungcn  üerbefifcrte ,  obn«  ir* 
genb  bie  geringfle  Qln^cigc  bai^on  ju  tbun,  fo  fd)eint  ber 
?3ortvurf  beö  crftcrn  i^olltommen  gegrmibet*  2lbev  wa^  für 
einen  ©runb  b^t  bcnn  X)ai{U  ^u  feiner  ^^ermutbung?  ©anj 
feinen,  aU  md  er  glaubt,  ha^  53er3eid)niß  muffe  ai\ö)  im  ■ 
Sioni)ftuö  (leben,  weit  eö  nad;  ben  geiv5bnlid)en  ^onclfien^ 
aiuögaben  im  griec&if4)en  Zat  (lebt.  25ioni)ö  bebauptet 
fonft  burd)  feine  gan^e  ©ammlung  bi»burct)  t>m  SÄubm  beö 
tollfommen  ebrlicljen  unb  etnf{d)töi)oüen  Äenner^:  aud) 
^agiobor  giebt  ibm  biefe^  3^"9"i0*  ""^  ^"  ^^^  erftern 
^pdlfte  beö  fed)ilen  3^brb«n^crtö  tvar  ber  romifc^e  ©tubl 
nod)  nicfet  vbmifc^er  jpof,  e^  irar  nod)  nid}t  bie  ^^^it  ^«^ 
^feuboijibore  '""•••■)/  unb  it>enn  man  aud;  gegen  alten  3"föm? 


*)  V.  Codiccm  canonum  ecciesiasticorum  et  conslitutionum 
sedls  ^postolicae  Tom.  III.  Opp.  Leonis  Magni.  pag.  182  — 
187.  edit.  Baller. 

**)    Histoire   des  auleurs  sacres.     T.  IV.    pag.  734. 

***)  Qlber  bie  nocb  frühere  bekannte  @er*id)te  ber  @örbird)ett 
Äird)enfci:IuiT</  bte  ^ofimuö  in  fanem  ©treit  mit  ben  5lfn 
!autrn  für  'Tdcam^'^c    roolltc  auQefe^en  n)iö"en?  —    (lin 


104 

fömmcnjang  Der  ©cfd)id)te  glöuben  rooUU,  baß  Dionp« 
ttjirflid)  m  fo  gefdjttjorncr  Qln^dnger  beö  romifd)en  55ifd)of^ 
geircfen,  unb  bag  man  fic^  fcJ)on  fo  fröje  folc(;e  wiafüjr^ 
lld)e  S3erbcjTerungcn  erlaubt  Jabe,  fo  Jattc  ja  Dioni)^  feiner 
2lbftd)t  n?eir  gemdger  gejaubelt,  wenn  er  biejcnigeu  25üd)er, 
welche  ^iDar  Smiocenj  in  feinem  @c{)reiben,  aber  ber  Sflobi^ 
cenifd;c  (^anon  nict)t  f)at,  in  ben  lel^teru  Jineingcfegt  bdttc: 
fo  wdre  alöbenn  Sunocen^^  Ganon  buvd)  eine^  ber  dIteRen 
(^oucilieu  befrdrigt  worben.  ^Betrüger  Janbcin  ^war  md)t 
immer  fi^frematifd) :  aber  njcnn  Diont)ö  in  bie  (5Iafle  ber 
S3etrugcr  geborte,  fo  wdre  er  fein  S3etrüger  gemeiner  2(rt, 
fonbern  ein  foId)er,  ber  feinen  25etrug  mit  genugfamer  @e^ 
(ebrfamfeit  ^ü  becfcn  voü^U:  unb  würbe  in  biefcm  galle  ein 
fold)er  feine  £)uellen  fo  genau  unb  umftdnblid;  angeben,  aU 
2)iont)^  getf;an  bat?  (55  ijl  alfo  getnig,  nid)t  nur,  ba^ 
X)ionv)ö  ba^  Saobicenifc^e  53er3eid)nig  ber  fanonifc^en  5Sü^ 
c^er  in  feiner  ©ammtung  gar  nic^t  ^atu,  fonbern  auc^, 
bag  er  jte  in  ben  griecbifd)en   ^?anbfd)riften,  m^  bcnen  er 


ntalifl  ter  ^aU  göttj  undbnücb:  bier  ein  95ifcbof,  ber  jw 
SBebauptung  beö  Olnfeben^  feined  (BtnW  gerabe  je^t  ge: 
fcöiüinb  ein  alte^  Äirdjengefefe  b^ben  wqüU;  Dort  ein  gelebr= 
ter  ^ritifud,  ber  obne  irgenb  eine  2ibfid)t,  DIo^  gebeten  Don 
einem  ^reunbe,  eine  ©ammhing  yon  Äircbengcfe^en  macbt. 
Sroeiten^  t(l  nocb  gar  nid>t  erliefen,  o&  ^^^fi»""^  «i*t  oieU 
meftr  ber  33etrogene,  alö  ber  Q3etrüger  mar.  ^ie  SBaüerini 
baben  in  ber  oft  angefübrtcn  Olbbanblung  ©.  59.  ic-  mit  tm 
njicbtigflen  ©rünbcn  bargetfjan,  ba^  bie  ©arbicenftfcben  ^ir: 
c^enrct)Iü|Te  mit  ben  Snicänifcbcn  ebmalt^,  gani  in  einem  ^u-- 
fammenl)ange,  obne  Unterfcl)ieb,  gefdjriebe«  werben  ftnb.  (5^ 
lapt  ftcb  mvtlid}  aucb  fonil  bie  große  jjuoerfic^t  uicfjt  begreif 
fen,  womit  ber  rumtfcDe  95ifcbof  ba6  Oiefultat  ber  genaueflen 
Unterfucbuugcn  unb  b^  ©efanbfc^aften  ber  2lfrifaner  abge: 
wartet  bat. 


105 

fiberfc^te,  nic^t  gefunben.  S^atU  i^u  öud^  ©efdUtg feit  gcgm 
ben  rbmifc^en  ©tu^l  ^u  einer  fold^cn  ^Setrugerei  verleiten  thn^ 
tjen,  fo  war  genoig  Sojann  ton  Slntioc^tcn  berfclbcn  nic^t 
öuögefegt,  unb  bei  bcn  bepänbigen  ^wif^iö^eiten  jn)ifcf)en 
bem  orientalifc^en  unb  occibentalifc()en  ^atxiaxd)m  irar  gc^ 
tt)ig  ju  erroartcn,  bag,  iijenn  ber  laobicenifc^e  €anon  cttt)ö5 
tiöc^t&eiligeö  für  t>k  Spo^dt  beö  rbmifc^en  ©tuJU  enthielte, 
niemanb  forgfditiger  ijn  bemerfen  würbe,  aU  tln  ©rieche, 
öl^  ein  SSlaixn,  ber  felbj!  ^önbibat  beö  donftantinopoüta-^ 
nifc{)en  (^tujl^  trör,  SoJannö  tjon  Slntioc^ien  unb  ^ioni)^ 
fen^  Sammlung  gejcn  fonj!  in  mand;em  i?on  einönbcr  ob: 
öud;  fann  ber  eine  ben  önbern  nid^t  t>or  Slugen  gehabt  ^a* 
ben;  benn  ftc  fc^rieben  fö(!  ju  gleicher  $du  Sojann  Jat 
85  apo(!oIifc^e  ^arioneö,  unb  biefe  najm  er,  trenn  man 
«?enig(len^  auß  feinem  ©tiUfcf)n)eigen  fc{)Iiegen  barf,  eben  fo 
an,  wie  t>u  übrigen  allgemein  aU  a^t  erfannte  (^oncilien^ 
fc^Iuffe.  S)ionpö  najm  nur  fünfzig  an,  unb  biefe  Jalb  un= 
gern:  er  »erjelt  eö  nic^t,  ha^  fte  t?on  öielen  in  Zweifel  ge? 
3ogen  Würben:  er  lagt  fte  nic^t,  wie  bie  übrigen  €oncilien* 
fct^Iüffe,  in  einer  JöJIcnreiJe  fortlaufen,  fonbern  er  fe^t  jie 
gan^  tjereinjelt  Dorau^,  @elb(!  in  SInfeJung  ber  SÖ?atcria# 
lien,  bie  fte  famntelten,  bac()ten  biefe  hübe  ^idnner  ganj 
»erfc^iebcn :  i\x  alfo  nid;t  t)ic  Uebereinjiimmung  ijrer  3^«3^ 
niffe  Jicr  befto  wichtiger? 

€Je  ic^  aufJ5re,  t)on  ber  2){ont)fifd)en  Ucberfe^ung  ^u 
rebctt,  mug  icb  nod)  breier  J?anbfd[)riften  gebenfen ,  wotjou 
unö  ^\  2Imort  im  jweiten  ^f;cil  feinet  Iuris  canonici  =^) 


')  Ulm  irsr.    4. 


106 

t^ßirö  SrbbrucPe,  t^cil^  Sfit^^uge  geliefert  ^aU    (5o  mcl  jtc^ 
öu3  Der  fd)it»anfenljeii  S5efc^veibung  l)eö  ^erouögeberö  urtjcis 
Icn  lagt,  fo  i(t  ble  i?ant)fd?rift,  ii?eld;ß  gan^  abgebrucft  trurbe, 
öuö    ber     5öibliot^ef    be6    23at)rifd)en    ^(ofter^    ^^icmfce. 
2lmort  fe^t  ijr  2llter  in  baö  fiebentc  3a§r^unbevt;  aber  ein 
fo  r;oJe^  5I(ter  i|l  gegen  ölle  5Bar;rfd;e{nlic^feit;   ba  fte  öUc 
ble  3"f<i^2   "«b  (J*infc()altungen    ()öt,   tüoran   ^öbrlaneifd;c 
Codices  {'ennbar  finb,  fo  ijl  fi'e  ]^ü($(I  üermut^lid;  bloö  eine 
(^opie  beö   Codex  canonum,   ben  ^nxi  bcr  ©roge   t)om 
^ap(I  ^^abrian   befam,     ^?err    2Imort  nimmt  für  le^tere 
S3egebenf)eit  H^  3a6r  8o5  an:  er  fonnte  alfo,  feiner  cige? 
nen  (^^ronologie  nac^,   hk  5?anbfd)rift  nid)t  fvuf)er  fc^en, 
öl^  in  hai  erfte  sBIcrtcl  beö  neunten  Sa^r^unbert^.    5[Benn 
aber  auc&  ^arl  gicid)  auf  feinem  erjlen  gug  nad;  9iom  im 
3al;r  77 A,  wie  eö  nid;t  unwajrfc^cinlid)  i(I,  Dom  ^?abrian 
ben    Codex    canonum     empfangen    i^at,      fo    tat    bod; 
Slmort  feine  ^?anbfd)rift   immer  no(^   um  ein  ^a^x^untm 
3u  alt  gefd)d^t.    3n    Slnfe^ung   ber   Iaobicenifd;cn  (Bd)lü(fe 
flimmt  bicfe  ^;>anbf(^rift  mit  ben  oben  angeführten  ©cnbeU 
fteinifd)en    unb    ^par^6eittiifd)en     X?anbfd}rifren    üoUfommen 
uberein:   fte  I;at  ben  neun  unb  funf^igjlen  (5anon  o^ne  haß 
53er3eic^nig  ber  fanonifd;en  Q3uc()er.     3luö  ben  ivoci  anbern 
^anbfd)riften,  t>ic  5lmort  auö  bem  S3av)rifc^en  ^loper  Dieße 
erlieft,  finb  bloö  ^'rcerptc  geliefert.    Unter  anbern  ^xcerp= 
ten  ijl  unter  n.  6.  gicic&fam  aU  ein  Supplement  ^u  bem 
^biemfeefc^en  (5ober,  folgenbeö  ^fr5eicf)nig  ber  fanontfd)cn 
23ud}cr  abgcbrucft:     Quae  oporleat  legi  et  in  aulhoritate 
recipi,  haec   sunt:    Genesis    mundi.     Exodos    Aegypti. 
Leuiticum.      Numeri.       Deuteronomium.      Jesu    INave. 
Judicum.     Ruth.     Regum  libri   (juatuor.     Paralypoine 
non.     Id   est,  ab  relictorum   libri  duo.     Hesdras  Libri 


107 

IV.  Liber  Psalmorum  GL.  Prouerbia  Salomonis. 
Cantica  Canticorum.  Ecclesiastes.  Job.  Hester.  XII. 
Prophetae  id  est,  Osee.  Arnos.  Jobel.  Abdias.  Jonas. 
Micheas.  Naum.  Abacuc.  Sophonias.  Aggeus.  Za- 
cbarias.     Malacbias. 

Item  Esaias.    Heremias.  Ezecbiel.  Daniel. 

Noui  Testament!.  Euangeliorum  IV.  Secundum 
Mattbaeum.  Secundum  Marcum.  Secundum  Lucam* 
Secundum  Joannem.  Actus  Apostolorum  Catholici. 
Epistolae  VII»  Jacobi  I.  Petri  I.  et  II.  et  III.  Joannis 
II.  Judae  I.  Kpistolas  Pauli  XIV.  Ad  Romanos.  Ad 
Corinthios  I.  et  II.  Ad  Galatas.  Ad  Titum.  Ad  Phi- 
Ijpp.  Ad  Gel.  Ad  Thessalo.  I.  et  II.  Ad  Timotheum 
1.  et  II.  Ad  Epb.  Ad  Pbilemonem.  Ad  Hebraeos. 
^' Apocalypsin. 

@cI;on  ber  bloge  2In5(i(f  bicfe^  5}er^cic^nifl*eö  giebt 
©toff  genug  ju  ÄrtttB  unb  ^u  fritifd;cn  ^ermut^ungen: 
ober  erjl  noc^  ein  paar  SSorte  Don  hm  i?a nbfc&vtf ten  felbf!. 
©ie  fi'nb  nid;tö  tt^eniger,  ol6  Dioni)fifc^e  ^?aubfd;riften;  bcmi 
fic  enthalten  mk  Sfiborfc^e  ©tüdfe:  jTe  muffen,  (ober  vocf 
«igjtcn^  eine  bcrfclben,  benn  ^err  2Imort  fagt  nie,  ob  er 
ein  @tu(f  in  bd\im  ^panbfd;riften,  ober  nur  in  einer  gefun* 
ben  \)abc,)  fi'e  müflfen  fe^r  unorbentlic^  gcfc{)rieben  fe^n. 
3.  53.  5}or  ben  ^djlujfen  M  berühmten  Sf^icdnifcfeen  Gon- 
cilli  fommen  \xq6)  (5c^)Iüfe  eine^  anbcrn  ^Jltcanifc^en,  SSei 
ber  53crgleic^ung  ftnbet  mön,  t)a^  eö  b(o§  bie  ©arbtcen(ifd)en 
(int),  unb  n?cnn  eö  aud;  rid)tig  fei;n  follte,  ha^  man  cimaU 
hU  9licdnifcben  unb  (Sarbiccnfifd)cn  ©d;Iufe  in  einer  ununter^ 
brod)encn  fRd^c  fortgcfc&rieben,  unb  alfo  le^tere  mit  Un 
crftcrn  fe^r  leicht  vermengt  njerbcn  konnten,  fo  ^at  man 
bod;  fein   SSeifpiel   einer   genauen  Äanbfc^rift,   wcldpe  hit 


108 


©arbtccnftfc^iu  (Scl)luffe  t>or  ben  OTicdnifc^^cu  fc^te.  klugen 
bem,  bag  alfo  bicfe  Codices  (ober  bicfer  €obcr,  wtü  man 
immer  i«  bcr  Ungcwig^ctt  ijl,  ob  ^?err  5lmort  jwei  ober 
einen  fc>or  fi'd)  gehabt  bot)  außcrbem,  baß  jte  trabrfc^ctnlic^ 
feine  2)ioni)fifd;c,  fonbern  Sftborfd^e,  ober  t>iellcid;t  am 
iDabrfc^einIid)j!en  burc^  3ftborfd}c  $ü\ä^i  unb  5ßerbc|Terun^ 
gen  t>erberbtc  ^ionpftfd^e  ^anbfc^riftcn  finb,  i(!  ijv  5öertb 
wegen  5}?angel  ber  ©enöuigfeit  beö  5(bfd)rciberö,  wegen  ber 
^feubobefretalen,  bk  jte  enthalten,  fejr  gering.  Um  biefc 
S)iegefcf)en  ^?anbfd)riften  ^u  empfehlen,  fagt  S^m  STmovt  in 
ber  ^öorrebc  jum  ^weiten  ^b^il  feinet  juris  canonici,  bag 
pe  alleö  cntbalten,  wöö  Seo  IV.  noc^  im  neunten  S^brbu"* 
bert  (im  3abr  85o)  aU  Z^dk  M  romifd;^canonifd;cn 
dicd}t^  er^d^lt  iaU:  alöbenn  mtb  bie  befannte  ©teile  ou6 
bem  Defrete  abgebrucft  C.  I.  hist.  20.  '"0  ^^^^'  nian  foUte 
fa(l  Dermut^en/  ^?err  fämoxt  ^abz  fie  gcdnbert,  hi^  ftc  ibm 
rec^t  gepaßt,  ©tatt  Canones  Aposlolorum,  fe^t  er,  cä- 
nones,  qui  dicuntur,  Aposlolorum  ;  unb  unter  ben  9la^ 
mcn  ber  romifc^en  Sifdjofe  lagt  er  bcn  @v)lt>cftcr  biuwcg. 
2)a6  söer^eid)nig  ber  fanonifd^cn  S3ud)cr  felbrt  jtcbt  burc^ 
ade  gebier  binburc^,  woburd;  eö  cntweber  tom  @d}reibcr 
beö  Codex,  ober  t?on  bemjenigcn,  tt)eld)em  wir  \>k  €opie 
^u  bicfem  SlbbvucP  ^u  banFen  b^bcn,  entjlellt  würbe ^  bcr  gc* 


*)  9U(b  Der  qSobmerfcben  «Hu^ööbe  ifl  bie  «teile  folgenbe:  pui- 

bus'  autem  in  omnibus  ecclesiasticis  vtimur  judiciis ,  sunt 
canones  Aposlolorum,  Nicaenorum,  Ancyranorum,  Neocae- 
sariensium ,  Laodicensium ,  Constantlnop.  Ephesin-  Ohalc«- 
donensium,  Sardlcensium,  Africancnsium,  Carlhaglnensium, 
et  cum  illis  regulae  praesulum  Romanoruin,  Sylvestri,  Si- 
ricii,  Innocenlii,  Zosimi  etc.  2)ie  ©teile  bat  jiDar  niebrerc  ^Vari- 
anten, aber  feine  etn5  ige,  ivoburd)  bie^I>erdnbcrung,  weicht  Jperr 
5lmort  mit  bem  Xert  Dornabm,  einiflermapen  üertbeibist  wtX', 
ben  fonnte.  '^ 


1Ü9 

w5jnlid;en  Sfi^orfdjen  Ucbcrfe^ung  fo  t>olI!ommen  glcid?, 
t)ag  man  gar  nid)t  ^»ciii'cln  fönn,  tt?o&cr  biefer  gufa^  ge* 
fommeiu  9iur  ein  iScifptcl:  paralypomenon  id  est  aL 
reliclorum,  üoUig  fo,  ttjie  nac()  ber  S3alkrinif4)en  Slu^gabe 
ber  Sfiborfc^e  Zcxt  Jeijfcn  ntug. 

Ucbrigenö  aber  i\t  bal  ?ßcrjcid)nig  doü  ber^offcnbarjten 
gejlcr:  Esdras  IV.  fo  ^at  unter  allen  Dom  Clueenel  unb 
ben  ^allcrini  tjerglic^cnen  y?anbfd;riften  feine  einzige.  Sm 
gen?6^nlicbctt  2cvt  beö  Spbovu^  unb  im  9riecbifci[)en  flehen 
jwct  25üc^cr  t?on  ^fra:  ^k  t?on  ben  Ballerini  öerglic^cnen 
^ahm  gar  feine  ^a^U  Actus  Apostolorum  Catholici, 
Epistolae  VII.  offenbar  jlatt  Actus  Apostolorum  Catholi- 
cae  Epistolae  VII.  X>ic  Briefe  bc^  ^etru6  unb  ^ojanne^ 
finb  \id}thav  t)ern)ed;felt.  ^ndj  bcr  23rief  an  bte  ^-p^efer, 
unb  ber  55rtcf  an  ben  ^ituö  Jaben  i^re  $ld6e  t)ertaufd)t. 
SBaö  baß  ©ferneren  hti  Apocalypsiu  U\)Ci\Utt  foll,  i(l  bei 
^errn  ülmort^  Wolligem  (5tiIIfd)iüeigen  unm5glic^  ^u  erra* 
tjen.  @tunb  eö  fo  tn  ber  ^anbfc^rift,  ober  foU  e^  einen 
gufa^  i>on  ^errn  Qlmort  bebeuten  ?  Segtere  53ermmbung 
wirb  baburcfc  febr  bej^drft,  weil  ^err  2Imort  oft  feine  eigenen 
©loflen  aU  ^arentjefen  in  bie  Canones  eingeröcft  ^au 

25Iog  um  ber  23olirtdnbig!cit  willen  böbe  id)  biefer 
.^anbfc&riftcn  ^in  gebac^t,  unb  blo^  beöwegen  hei  ben  Ufy 
tern  mid)  fo  lan^c  aufgehalten,  um  tbeilö  t)ic  (Sorglojtgfeit 
3U  aeigen,  mit  wcld)er  folc^c  (Sammlungen  oft  abgebrucft 
werben,  tbeil^  an  einem  23cifpiel  ^u  bcweifen,  wie  bie  öer* 
meinten  ^ionijfifdje  J?anbfd)riftcn ,  bie  haß  ^cr^eicbnig  bcr 
fanonifd)en  SSuc^er  baben  foUcn,  bloß  burd)  einen  Sfibor^ 
fd)en  3wfö^  bereichert  worben  finb.  3clb  fomme  jc^t  ju 
bemjenigen  ^tuQCix,  bcjfen  dc^te^  ^cüQixi^  am  fd)wer(!en  ^u 
bellimmen  ijl,  —  sw  Sfibor^  Ueberfe^ung.    ?3ielleic6t   i(l 


110 

eine  gcrtöue  ®cfc&lc|)te  tiefer  Ueberfefeung ,  ojnc  welche  t>a€ 
^eugnig  berfdben  gar  nid)t  beurtjeitr  werben  fann,  irenig^ 
Ueno  allen  meinen  Sefern  nid)t  gleid)  gegenwärtig,  bag  id) 
jte  alfo  mit  9^ugen  t>orauö  Riefen  barf. 

<5c()on  im  fünften  unb  fed)|Ien  Sa^rjunbcrt  finbet  man 
man  tfieil^  auf  fpanifd;en,  t^ciU  auf  gallifd)cn  ^oncirien 
fjolc^e  Canones  angeführt,  bie  weber  au0  ber  prisca,  noc^ 
auö  ber  DiDn9ftfd)cn  Ueberfc^ung  genommen  finb  '"0*  ^"cö 
machte  in  ber  WitU  bcö  fed)jlen  3<J6i^&unbertö  ein  ^iafonu^ 
ju  (^artjago,  gufgentiu^  gcrranbu^,  eine  abbreuiationem 
canonum,  unb  alle  feine  (Soncilicnfc^luflTe  najm  er  offene 
bar  auö  einer  ganj  anbern  Ueberfel^ung,  al^.auö  beibcn  obi^ 
gen:  nur  bie  ^&a(cebonifd)en  ©cfelufe  nal^m  er  au6  ber 
prisca.  2Ilfo  um  eben  hk  ^üt,  t)a  I)ioni;ö  ^u  9iom  feine 
Sammlung  unternahm,  ex'iftirte  auger  ber  prisca,  auf  Vu 
er  ftcfy;  beruft,  fc{)on  geraume  ^dt  in  Qlfrifa,  ©panien, 
©allien,  unb  t)ielleid)t  auc&  Stauen,  noc^  eine  anbere  i^m 
tüa^rfc^einlic^  uubefannte  (Sammlung,  din  gcmeinfd)aftlii= 
lid)eö  (5d)icffal  aller  bicfer  dlteftcn  (Sammlungen  if!  ed,  baj 
fie  nid)t  gleich  anfangt  fo  waren,    wie  (Tc  auf  unfcr  ^ütaU 


*)  ^,  ben  britten  (Jation  bet  im  3a^r  439  unter  beut  SJorfi^ 
be^  33,  ^ilartuö  yon  3lrle^  gel)altenen  (Spnobe  ju  Oiiei- 
5luc^  in  bem  3iften  (?anon  ber  im  3öl)r  5ir  ge^flltnen  ^ö^ 

nobe  SU    (?paon   fomttlt  ber  3lU<^brucf  ancyritani  canones 

üor.  (Jitt  2lu9bruce,  ber  3fiborö  Ueberfe^ung  upllfommen 
djarafteriftifc^  men  i(l:  benn  in  ber  prisca  ^eipt  e^  immer 
Ancyrenses,  unb  beim  5)ionoÖ  Ancyrnni.  SSergl.  Ballerln- 
diss.  P.  II.  C.  n.  §.  2.  pag.  70. 


111 


UV  gefomnten  (tnt);  fonbern  mit  bem  gortgang  t)er  ^a^xc 
würben  fie,  oft  Jauptfac^licf)  nacb  ber  SÖerfc^iebcn^eit  ber 
2anbcr,  n^o^in  jte  famcn,  mit  mUn  3"f^^^«  bereichert. 
Äeinc  biefer  ©cimmluiigen  aber  fcfteint  mehrere  53erdnberun* 
gen  erlitten  5U  ^aben,  aU  biefe.  Q^  ift  ein  nterfrcurbig 
groger  Unterfd)ieb  jirifd;en  fpanifd^en  unb  gallifc&cn,  ober 
wenn  man  lieber  will,  franjofifc^en  X?anbfcbriften:  and) 
lagt  fic^  bei  biefcn  bcibcn  2lrten  t>on  jpanbfd)riften  ber- 
ftufcuwelfe  ^üvoad)^  bcrfclbcn  periobenweife  bejlimmen.  ©ine 
biefer  öerme^rtern  (Sammlungen,  beren  neuejteö  ©tudP  ^it 
©c^lüfe  ber  üierten  2!oIebifd)en  ©pnobe  t>om  S^Jjr  633 
waren,  würbe  öon  bem  berühmten  Sftbor,  S3ifc()of  t)on  @e^ 
mlicn,  entweber  felbil  ueranflaltct,  ober  wenigjten^  unter  fei# 
ilcr  ^uftoritdt.  2)er  fe^r  gemeinen  9}?einung,  ha^  baö  erjlere 
rid)tig  fet?,  fann  man'^  jufc^reiben,  \ia^  jener  befannte  SBe? 
tröger,  ber  ad)t  ganzer  3ö|)rbunbertc  Jinburd)  ganj  (Europa 
auf  t)a^  abfd)eulic^(te  tdufd)te,  biefe  fpanifc&e  ©ammlung 
in  fein  Sögenmagaain  aufnahm. 

3fiborfc()c  Ueberfe^ung  (jeigt  alfo  weber  eine  folcbc,  bic 
ber  berühmte  3fibor  felbft  verfertigte,  nod^  eine  folc|)e,  bic 
bc«  «Pfeuboifiboru^  SSer!  i(i[*  S5cibe  fanben  fie  Idngfienö 
fc^on  in  altern  Sammlungen;  aber  weil  jtc^  biefe  Ueber* 
fe^ung  5auptfdd)licf)  burd)  ?)feuboiftborn  ausbreitete,  fo  hi* 
!am  jie  Sfiborö  9Zamen.  Die  25enennung  ift  frcilid^  nnbe^ 
quem,  aber  fd)wer  ju  dnbern,  md  fte  allgemein  angenom^ 
men  ifl;  iä)  werbe  fic  alfo  heihc^aittn  muffen,  ^feuboiftbor 
war  tin  ©ejlfranfc,  unb  bebiente  ftc^  alfo,  to'u  man  aud) 
auö  ber  ?ßergleid;ung  felbft  jtejt,  gallifd;er  ^?anbfd)rift€n. 

9^un  ftnb  bie  gallifd^en  $anbfc()riften  biefer  Sammlung 
tbeils  t)OÜ  wilt!üjrlic6  üerbeflerter  Sefearten,  t^eils  b^ben  fte 
mehrere  '^n^al^i  unb   ^ofumente,    aU   in  ben   fpanif^eit 


112 


^jönbfc^rlftcn  (!ejcn:  unb  q)feuboi(Tbor  legte  hti  feiner  ©amm: 
limg  nic^t  obige  gum  ©runbe,  in  ber  bie  üicrtc  21oleber 
(öt)nobe  ha^  U^te  ©t&cf  war,  fonbcrn  eine  t>iel  t>crme6rtcre, 
worin  fogar  noc^  eine  (^^nobe  gu  ^^raga  t>om  S^^r  675 
flunb.  2)er  wa^re  Sfitsor  jlarb  636,  unb  bicfer  S5etrüger 
lagt  i^n  xxodi)  ©cfelüflc  x>om  Sajr  676  in  feine  «Sammlung 
cinrucPen:  »ar  er  feined  S3etrug6  fo  iid;er,  ober  toav  man 
bamal^  gewohnt,  folc()e  öermejrte  Sammlungen  immer  nod; 
unter  bem  alten  9*Zamen  fortzuführen? 

5me  unfere  ^oncilienfammler  Jaben  t>k  3ftborfd)e  Ue^ 
berfe^ung  ber  2aobtcenifd)en  ©d;Iujfe  auö  ber  (Sammlung 
beö  q)feuboifiboru^  genommen:  unb  t>a  biefcr  baö  S^ergeid;^ 
niß  ber  fanonifd)en  25uc^er,  aU  einen  Slnjang  be6  neun 
unb  funf^igiicn  (Sanonö/  ^at,  fo  Jaben  fie  eö  alle  nac^ge^ 
fcl)rieben,  ojne  bie  geringf^e  Sln^eige,  H^  irgenb  eine  ^2<*"^^ 
fc^rift  ber  Sfiborfcben  Ueberfe^ung  anbere  gefcarten  })ab^. 
@e(b(l  JDlanlt,  bej]"en  Sammlung  feine  Vorgänger  fonjt  in 
manchem  5Betrac|)te  fo  mit  jurucf  lagt,  felbft  bicfer  ^at  xvct 
ber  ÖueöneB  Slrbeit,  noc^  bie  t>on  ben  23allertni  gefam* 
mclte  «Barianten  benu^t;  unb  bocj)  i\i  ber  le^tern  fritifc^e 
5luögabe  beö  codicis  canonum  ecclesiasticorum;,  im  bxitUn 
XJeil  ber  ÖBcvfe  2eo  beö  dJrogen,  gwei  Sa^re  Dor  bem  erften 
SSanb  ber  ^anftfc^en  (^oncilicn  I)erau0gc!ommcn.  Die  biö^ 
ber  allgemein  angenommene  unb  ganj  gewbbnlic^e  Sefeart 
ber  3fiborfd)en  Ueberfe^ung  ift  alfo  au^  einer  gallifcfeen 
J^anbfcferift,  bie,  burc^  i>iele  will!ül)rlic^)  gewdblte  2cfearteu 
mt^cüt,  bie  unb  ba  n?id)tige  ^ufdge  t>on  ben  2lbfd)reibern 
befommen  \)au  ^feuboifibor  lebte  tt)abrfc{)einlic&  ju  Slnfang 
beö  neunten  Sabrbunbertö:  man  fc^t  ibn  md)  bem  3abr 
829,  weil  er  einige  ©d)(üjfc  ber  «parifer  ©i)nobe  bicfe« 
3abr^  wbrtlicj)  in  feiner  Sammlung  f)au     Stammt  alfo 


115 


bie  gcw56nllc6c  Scfcart  au^  t)cm  ^feubolftboruö,  fo  jlömmt 
jic  öu^  einer  ^?anbfd;rift  bcö  neunten  3<Jjr&unbcrtö,  weld^e 
^opic  cineö  ^obcr  ijl,  ber  burd)  mannigfaltige  gufd^e 
cntjlellt  war.  5[öic  foU  alfo  bicfe  gcn)bl;nlid;e  Sefeött  mU 
fc^eiben  fonnen?  ^nttrebcr  bleibt'^  ungenjig,  tvaö  bie  äd)tt 
£efeaft  ber  unt)erfdlfd)ten  3ftborfcf)en  Uebcrfel^ung  fe^,  ober 
niuflfcn  wir  anbere  ^ni^cn  Jaben,  al^  hloi  baö  ^remptar 
beö  ^feuboiftboruö. 

Durcfe  bie  SSemü^ungen  beö  ^p,  Que^net^  unb  feiner 

9let>iforen,  ber  tBallerini,  f)ahm   mv  nod)  ein  ^aar  fejr 

wtd)tige  geugnilfc   erhalten,   Welche  ber  wahren  3fiborfd)en 

£efcart  i?iclleic()t  ün  größere^  Sic^t  geben.     ^U   einen  2In* 

5ang  ^u  ben  Sßerfen   2eo   beö  ©rogen  f)at  £^ue^nel   einen 

codex   canonum    ecclesiasticorum   abbrucfen    laflfen/    ber 

ganj    gewig    weber   2)ion)[)fen6   ncd)    3fibov^    (Sammlung 

t|l.    3^iefc  (Sammlung  if!  5j)j-itj(jtunternel;men   eineö  50^ans 

«e^  h\  Pallien;  benn  eje  fRom  feine  ©efct^e  unb  @amm^ 

(ungen    ber   SBelt    aufbrang,    war    feine    gefc^lid;    auftOi' 

rijtrtc    allgemeine    (Sammlung,    fonbcrn    jeber    fd;ricb   für 

ftc^   ah,   fammelte   för   ficj).    X^k    5i}?enge   ber    i^erfc^icbe^' 

nen  (Sammlungen,  bie  man    feit    fur^em    nad)  unb    nac^ 

entbecft  \)at,  beweist  biefeö  genugfam,    3n  biefer  gallifd)cn 

^ritjatfammlung,  bie  aber  boci)  fe^r  hdkht  gewefcn  fc«n 

mag,  weil  man  mehrere  fe^r  gute  5lbfd;riftcn  berfelben  fanb, 

jie^en   aud)  bie  £aobicenifc5)en  (Sd)luffe.     Queönel   f)at  bii^ 

feiner  2lulgabe  nur  jwei  ^anbfc^riften  gcbabt:  eine  erhielt 

er  t?on  IDx'fort  burc^  feinen  greunb  (^buarb  25erttarb,  bie 

anbere,  Ui  weitem  t>or3uglid)ere,  war  eine  t&uaneifd[)e.    £>ic 

^allerini  Ratten  nic&t  nur  M6  ©lu(J,  ton  ^ki\  eine  5?anb* 

©pittler^  fdmmtl.  2Serfe  VIII.  m.  8 


114 

fc|)rift  tiefer  ©ammtung  ju  bcJommcn,  ber  fte  btinait  ein 
töufcubjidjrige^  2ittcr  beilegen,  fonbcfn  fie  t?erglici)en  au:^  in 
benjenigcrt  (^tucfeii,  njelcfee  bicfe  ©ammlung  mit  anbern 
gemein  f)at,  ein  pöar  alte  itaUeniWe  ©ommfungen.  ^c^n 
ftejt  in  ber  SluiUevfung,  wie  fie  nac^  5}er9lcid)un9  öttcr  bie*^ 
fer  ^?anbfcf)riften  entfc^ieben  Jöben  ''0*  ^b  burcfe  biefe 
J?anbfi?riften  unb  burc^  t>k  ^«tfc&eibün^  fold;er  5lenner, 
aU  biefe  Vorüber  unjireitig  gcirefeit  ftnb,  bie  wa^re  Sftbor^ 
fc^e  Sefeart  gan^  auger  ^xm^d  gefegt  n?erbe,  ergicbt  fic^) 
t>ielleic^t  au6  folgenbcm : 

i)  SBcnn  nid)t  nur  bi^  njienerifd)en ,  fonbern  aucl;  \:)U 
t{iöaneifd)en  unb  orfovbifd)en  J?anbfd;rifteu  baö  53crjcid)ni^  ber 
fanonifc^en  ^udjer  Ratten,  fo  trare  baniit  nur  fo  üiel  be? 
wiefen,  t>a^  ün  9)?(inn,  ber  ungefähr  im  ftefeenten  Sß&rjuu^ 
bert  in  ©allien  einen  codex  canonum  ecclesiasticorum 
iid)  fammelte,  biefeö  5Ser^eic{)niß  in  feiner  5panbfcl)rift  gelci» 
fen  ober  eingerückt  iahe*  Slber  nod)  gar  nicfet  ij!  ern?iefcn, 
bag  bie  Sefcart,  tt?elc^e  biefcr  ^am\  in  feinem  Zext\)attc,  ad)tt 
3fiborifct)e  Sefeart  fci).  Die  ^allerini  geben  fon|l  mit  gu? 
rem  ©runbe  ben  gaUifd)en  ^anbfc^riften  gar  nicl)t  baö  beftc 


*)  Quesnellus  omisit  sequentein  catalogum  scnpturarum,  hanc- 
que  notationem  »ubiecil.  In  aliis  versiohibüs,  (scribendum 
fucrat  in  vulgatis  editionibus  Isid.)  et  etiam  in  graeco  se- 
quilur  catalogus  librorum  veleris  et  noui  töstamenti,  qui 
deest  in  vtroque  MS.  codice,  nimirum  in  Thuaneo  et 
Oxoniensi  hujus  collectionis ,  quos  ipse  consuluit.  At  eum 
reperimus  in  praestantissimo  Cod.  Vind.  ejusdem  collectio- 
nis, «c  praelerea  in  duobus  aliis  Valic.  i342  el  V'eron.  55. 
qui  Isidorianam  versionem  similiter  exhibent.  Hinc  iste 
catalogus  ab  auctore  bujus  interpretationis  omissus  non 
fuit,  ac  proinde  duo  illi  Codices,  Tbuan.  et  Oxon.  qui  La 
odicenos  canones  ex  eadem  versione  sumserunt,  dum  hoc 
catalogo  carcnt,  iinperf'ecti  sunt,  pag-  442.  not.  4Ö> 


115 

^eugnig:  6icr  foU  Me  Scfeart  eincö  gölltfc&cn  Codex  für 
ben  irojrcn  3fibörfd)cn  Slert  entfc&ciben.  9lun  ftnt>  ober 
bcr  oxforbfc()e  unb  t^uaneifc^c  €ober  bem  ^^"Ö"^?  ^^^  «'i^^ 
nerlfd)en  ^utvibcr:  id)  will  gern  ^ü^^hcn,  bog  ber  orforbfc^e 
t)on  feiner  fonbernd)ctt  2Iu!toritat  fet) :  ober  ben  tjuöneifd)en 
loben  bie  25allerini  felbj!  aU  bewahrt '"O*  ?3icücicf)t  Jot 
ber  ewige  5Siberfprod)^geij!  gegen  Queönef,  ben  fte  oft  ttroa^ 
unbillig  äußern,  5U  bem  Urt^eil  einiget  beigetragen,  bag  fte 
ten  t)on  i^nen  t>erglid)enen  wienerifc^en  (^ober,  fo  wie  fa(t 
bejldnbig,  alfo  öud)  bt^f/  ^or^iejem 

2.  Dodb  aud)  ^wei  fe&r  ölte  ttalianifd)e  ©öntmlungen 
fiimmen  für  t)k  25eibebaltung  bei  ?3er^eici&nifi*eö  ber  fano* 
nifcben  S5fid()er. 

Um  t>on  ibrem  geugnig  mit  Gcwigf)eit  urtbeilen  ^u 
fbnncn,  mug  man  bie  übrige  SSefc^affenbeit  biefer  ^;anb^ 
fd)riften  it^ijTcn» 

X)k  ?3cronefifd)e  ifJ  nic^tl  weniger,  ol^  €opie  einer 
gewiflen  alten  ^panbfdjrift,  fonbern  ein,  wie  a\i€  allem  er^ 
bellt,  bod^i^  unwiffenber,  Diafonuö,  ^b^obofiu^,  fe^te  aixS 
mebrcren  Codicibus  unb  Sammlungen,  bie  er  \>ov  \iö) 
batte,  einen  Codex  ^ufammen,  nabm  jt(^  tlc  ^xci^cit  ju 
terbeflfern:  unb  tia  unter  allen  t>erglicl)enen  Codicibus  biefer 
einzige  bie  5lpofali)pfe  in  bal  ^^Jer^eic^nig  ber  fanonifcben 
25udS)er  fe^te,  fo  fann  man  fcfeon  auf  \)k  !ritifc()e  ©enauig^» 
feit  beö  Manuel  fcbliegcn  ^-''O» 


*)   Praef.  ad  codicem  canon.  ecclesiasticor.  pag.  io*~antiquior 
et  probae  notae  codex. 

**)  2>er  Olbfc&retber  be^  Codex  ober  ber  SSerfaiTer  biefer  ©amnts 
lung  giebt  alle  biefe  data  in  bec  ©c^lupanmerfuns  feinet 


116 

(5r,  ber  jtc6  (b  ttjiüfu&rlic^e  53erbc(fcrmigeu  erlaubte, 
öl«  Jicr  ble  3"ff^""9  ^^^^^  ^Ipofafppfe  ift,  fann  ti^of;!  nod) 
weit  Ieid;ter  eine  ö)Iof[e,  bie  i^m  erlauterub  fc^icu,  in  ^m 
Zcxt  eingerückt  Jaben»  ^d)  glaube  nicl)t,  bag  eö  ^uerft 
feine  ©loffe  mar:  er  traf  ftc  t)ieUeid)t  fdjon  in  einer  feiner 
^?anbfd)riften  an,  aber  aU  ®(ojfe,  nic()t  aU  ^ert.  23ei  ei* 
nem  (5ober,  ber  bloge  5lbfd)rift  eine^  anbcrn  Codicis 
i(t,  fann  bie  Uniriflren6cit  beö  (^opiflen  tioajrer  53ort^eil 
feijn;  aber  «jenn  ber  5ibfct)reiber  hei  aller  feiner  Unn?iffen^ 
^eit  bennoc^  t>m  ^ritifcr  mad)en  tuill,  er(t  Derbeffert,  e^e  er 
ah\d)xcihr,  fo  ijl  t}Ct^  gcugnig  feiner  ^?anbfcl;rift  nicf)t  me^r 
Jeugnig  einer  altern  UrFunbe,  bii  er  tjor  fid;  l)attc,  fonbern 
t^re  gan^e  ßJlaubwurbigfeit  griinbet  (td)  auf  t)ii  ©efc^kf* 
lic^feit  beö  B^ü^^n,  Daö  5[)eroneftf4)e  5iJ?anufcri))t  fommt 
alfo  6ier  in  feinen  23etracf)t.  S[Bid)tiger  fcf)eint  tua^  ^ati* 
fanifc&e.  '  I)a  bie  23allerini  bemfelben  bie  wienerifd^c 
^anbfd)rift  beftdnbig  tjorjiejen,   fo  tjermutje  ic^,  \)a^  fie 


codex  felbjl  an:  Hec  de  mendosis  exemplaribus  transtuli 
tandem,  et  quaedam  quidem  qua  .  .  .  ,  bn  vt  voiuit  tarnen 
vt  potuit  (supple  et  corrige ,  quamuis  non  vt  volui  tarnen 
vi  potui)  recorrexit.  Quedam  autem  tacito  pretermisi  re 
...  (f.  reliqua)  Domini  arbitrio  derelinqüens.  Qui  legis 
ore  .  .  ,  catore  (leg.  ora  pro  me  peccatore)  sit  d  n  abeas 
red  ....  ilimus  omnium  dia  ....  Theodosius  indignus 
.  .  .  Conus  fecit.  Haec  postrema  verba  sie  supplenda  j 
humiilimus  omnium  diaconorum  Theodosius  indignus  Dia- 
conus  fecit.  Verba  de  mendosis  exemplaribus  transtuli, 
Theodosium  merum  exscriptorem  non  vero  ejus  versionis, 
quae  in  ipso  tantum  codice  inuenitur,  auctorem  innuunt. 
Ballerinior.   diss.  pag.  isg. 

lidem  in  Cod.  can  ccclesiast.  p.  44a.  not.  56.^  In  MS 
Veron.  55.  additur  Apocalypsis  Joannis.  Hie  concludi  de- 
bet  ea  non  ecclesiasticus.     Explicit. 


H7 


«ja&rfdjclnüd)  nic^t  ön  biefer  i^r  2lftcr  Jtnrcid)c  *'),  alfo 
febctjten^  in  M^  neunte  3^5v6u»^cj^t  gejore.  3m  neunten 
3ai)r5unbert  tvar,  tücnigftcn^  ^u  S'nbe  ber  crften  ^dlftc  bef^ 
felbcn,  Sfi'bor^  Sammlung  fc^on  fe^r  öuögebreitet:  benn 
baö  berühmte  ©d;reibcn  beö  %  DZicoIauö  I.  an  bic  fran^b^ 
(tfc&cn  33ifc^5fc  ij!  t>om  3a&r  863 :  fotttc  ölfo  nid)t  t)iellcicf)t 
ein  3fiborfcl;ea  (Jremplar  (Jinftug  gehabt  ^abcn?  Unb  wenn 
tiefe  ?ßa[;rfcöcinlic^!eit  öuc^  nic^t  fo  gar  grog  fei;n  foUte,  fo 
iiub  iibcrjaupt  ^taUani^djc  jpanbfc^viften  Bei  treitem  nicl;t 
bicjenigen,  bercn  gcugnig  eine  3ftborfd;c  Sefeövt  cntfd;cibcn 
fann. 

3fiborö  Uebcrfe^ung  jlömmt  it>ajrfd)einlid),  tjrem  crften 
Urfprung  nacl),  öu6  Spanien;  ftc  Um  alfo  cnt^eber  burd; 
gallifd^e,  ober  burd)  afrifanifd;c  J?anbfd)riften  nad)  3talien. 
^am  fte  burd;  gaüifdjc  ba^in,  fo  ift  i^r  3«^w9"i§  ^on  gici? 
c^cr  2(rt  mit  ben  gallifd;en :  fam  ftc  burd)  afrifanifd;c,  fo 
Um  fic  njo^l  fct)tDerltd)  üor  bem  fec^^ten  3^Wwubcvt  ba&in: 
benn  foUtc  fi'e  fonjt  I^loni;^  gar  ntd)t  gcfannt  Jabcn?  Unb 
i|l  fi'e  crjl  nad)  Diont)fen^  '^tit  ta1)iix  gekommen,  fo  ijl  fic, 
burc^  bie  grogerc  ^uftoritdt  be^  Diont)fiuö  erftidPt,  niemat 
empor  gcfommen.  ^?dtten  ivir  eine  fpanifc^e  J?anbfc()rift 
t>on  bcr  2Irt,  tüie  bicfc  t)atifanifd)e  tjl,  fo  tT)urbe  jic  ent;^ 
fc^eibenb  fei)n,  befonber^  wenn  i^r  5I(ter  über  3ftbor6  '^dUn 
]^inauöretct)cn  follte»    I5ag  biefe  batüanifc^c  ^panbfc^rift  aber 


0  (Bic  i\t  iitJar  P.li.c,?,  pag.  i36.  etc.  weitlduftig  tiaä^  i^rem 
ganzen  Sn^ölt  gefctjUbert :  aber  e^  ijl  feine  33eflimmun3 
if)reö  Sllter^  baWif  fonbern  bie  3$allerini  berufen  fid)  llo^ 
auf  «DTootfaucon^  Urtßeil,  ber  it)n  Bibl.  bibl.  p.  i5i.  ele- 

ganlissimum  et  antiquissimum  nennt.  5H?a^  fie  fonfl  S«  35c; 
(Kimmung  feinet  2Ilter^  öUÖ  Ughelll  Ilaliae  Sacra.  T.  IIT. 
€ol,  592.  beibringen^  i(l  blofe  ^ermut^ung. 


118 


eine  Sopie  eine^  fpanifd}cn  ^obex*  fet?n  foKte,  ijl  gcwig  beiti? 
jenigen  nict)t  glaublid),  ber  ^k  ©efd)ici)te  bcr  Sluebreitung 
fol^cr  früfecn  ^Irc(;en9efß^e  fennt.  25od)  bei  allen  tiefen 
©rünbcn,  bte  mir  M^  3^"9"^6  ^^^  t?ati!anifd)en  Codex 
5U  fc^wdc^en  fc^einen,  getraue  ic|)  mir  bod)  noc^  nicfet  i)bl? 
lig,  5u  entfdjeiben:  wir  l&aben  ^u  it>enig  data,  ^u  wenig 
t)erglid?ene  Codices.  Den  ^allcrini  i|!  einer  ber  md)^ 
tig|!en,  ber  öeroneftfcfee  n.  58.  Jier  gan^  unbrauchbar,  weil 
er  t>om  fed)^ae^nten  (ianon  an  üerflümmelt  ift:  ^ö  mug 
ftc()  seigen,  wenn  einj!  mehrere  fritifc(;e  Sorgfalt  auf  S5e* 
ric()tigung  bcr  ^oncilicnfc^lulTc  unb  auf  iperöorfucftung  ber 
Sammlungen  alter  Canonum  gewcnbet  wirb^  ob  fid)  bie 
©rünbe  för  ober  wiber  bk  ^ut^enticltdt  biefer  ©teile  ber 
3fiborfd)cn  Ucberfc^ung  Jdufen.  @o  Diel  i(l  unterbeg  ge* 
wig,  ^a^  ficj)  weit  leld;ter  begreifen  lagt,  wk  bicfeö  ^m 
aeic^nig  §ineinge!ommen^  aU,  vok  ea  berauögcfallen  fei)n 
foUte.  Slöelc^er  Ueberfe^er,  welcher  Slbfc^reiber  follte  wo^l 
in  fo  Jo^em  (^rabe  nac^ldgig  fei;n,  unb  ein  fo  groge^  ©tucf 
finweglaffcn :  ober  ^atte  er  Su(!,  untreu  ju  fci)n,  unb  t)k 
£aobicenifd)en  (Sc()lufl'e,  weil  fte  mit  feiner  I^ogmatilf  nid}t 
ubcreinfamen,  ^u  t>erdnbern,  fo  iat  ber  ©c^reibcr  bcö  »ero? 
neftfc^en  Codex  am  bejlen  gcwugr,  tok  er  fiel)  ^ier  Jelfeii 
follte.  €'in  fo  grogcö  ©tucf  t)on  einer  fo  alten  ^S^nobc 
Jinwegjut&un,  war  ^u  gewalttbdtig:  man  fam  weit  leid)ter 
5u  feiner  ^bftc()t,  wenn  man  ^ii^äiic  unb  «öerduberungen 
mad)te.  ^pingegen  fiejt  baö  ganae  ^öer^eid^nig  einer  ©loffe 
Dollfommen  gleich :  balb  fd;rieb  man  bicfe  ©loflc  beö  neun 
tinb  funf^igften  (^anonö  mit  bem  (Sanon  felbjl  in  einem 
fort:  unb  ein  nacfefolgenber  ^erbeffcrer  l^at  öollenb«  ^wei 
Canones  barau^  gemad)t. 


119 

§.    i6. 

IV.  ®d)rift(!cllcv  imtct  beu  fiatcinerit  ^  n^etd^e  tiad)  bem 

Setf:p[e(  ber  @vied)Ctt  bte  (5ottci(tenfd)ruffe  imtct:  ^e^ 

ivijfe  locos  Communes  jufammeugejlctlt  IjaUn. 

^ö  gi^bt  ein  g^n^e^  ipccr  foId)ci'  ©d)riftrtctlcr:  öbei* 
nur  wenige,  Diellcid)t  nur  ein  einziger  t(l  f&r  m\6  Jier 
braucl)bör.  ^''.nmöl  fallen  alle  bicjenigen  Jinineg,  bic  Dtoni> 
fenö  Sammlung  gebraucht  baben;  cö  i\t  Won  oben  ent^ 
|d)ieDen,  bog  X5ioni;6  baö  ^Ser^eic^nig  ber  !anonifd;en  23u5 
d;er  in  feiner  j?aubfcl)rift  gett>ig  nid)t  gelefen  l^at:  wo^n  ölfo 
eine  unnbtjigc  ?9Zenge  ^cugen,  bic  ber  (Sadbe  fein  neueö 
ßid}t  geben?  Ucbcrbieg  fd;ricb  im  mittlem  ^^if^^^fk^t"  einer 
ben  önbern  nid;t  feiten  fo  getreu  ab,  bag  gan3e  (Bd)a(ivm 
folc^er  ^anonijlen  oft  faum  einen  tucfetigen  3^"9^"  öuö? 
mact)en  würben. 

3  weitend  fallen  öUe  biejenigen  aU  unbraud)bar  Jinweg, 
vot\d)c  nic^t  nur  t)k  Drbnung  ber  Canones,  fonbern  öucl)  ibrc 
©ubjlan}  gednbcrt  ^ahm ,  je^t  burd;  €*inröcfung  i^rer 
^rfldrungcn  erweitert,  je^t  nad)  belieben  abgeformt.  2)iefc 
2lrt  Don  fanonifd)en  (Sammlungen  würbe  febr  frube,  fd;on 
im  achten  3abvbunbert,  allgemein.  Der  53erfaffer  ber  cc- 
lectio  Hibernensis  hd  X:)a(i)ZX\)  ''0  unb  9)?artenc  ^'"'^^ 
ber  ungefdbr  in  ber  er|len  ^pdlftc  t>e^  Ci6;)\m  Sabrbunbertö 
lebte,    tf)ut    filb|l    baö  ©efldnbnig:   Synodorum  exempla- 

riorum  innumerositatem  conspiciens breuem  pla- 

namque   ac  consonam  de   ingenti   silua  scriptorum    in 


*)  T.  I.  Spicil.  ed.  nou.  pag»  492. 

*•)  T.    IV.    anecdotorum.   pag.   2.     ßallefiniorum   diss.    P.  IV. 
C.  VII.  §.   ,. 


1*20 

rnius  voluminls  textum  expositionem  digeasi  plura  ad- 
dens,  piura  minuens^  plura  eodem  tramite  dige- 
rens,  plura  sensu  ad  sensum  neglecto  verborum 
tramite  afterens.  ^Ut  ^iUQCU  DOU  biefcr  3Irt  ftnb 
hü  biefer  llnterfuc{)utig  ganj  uimü^e.  9?od)  ij?  nur  ein 
ein3l9er  übrig,  t)cr  itjeber  :i)ioin;fenö  Ueberfcguncj  öbgefdjrie* 
ben,  i\dd)  \)k  Canones  fo  tvillfü^rlid)  gediikrt  bat  — 
!Diartin,  $8ifcl)of  i?on  ^röga  in  (Spanien,  dr  Uhtt  in  ber 
Icgtern  S^äifU  be^  fcc^ften  Sal^rjiinbertö.  So^^ann  l^on  2In^ 
tiod;ien  ift  noc^  i?ollfommcn  fein  ^dt^nioffc ,  unb  an6) 
2)tont;^  ber  kleine,  3U  SRom.  2Iuf  einer  ^ilgrim^rcife  md) 
bem  IDrient  lernte  er  griec&ifd;  unb  anbrc  SSifiTenfd^aften,  für 
it>eld;e  in  ben  SIbenbIdnbern  bamale  noc&  fein  SRaum  n?ar. 
S5ei  ber  9lücffunft  in  fein  S3arcrlaub  fönt  er  unter  anbern^ 
wie  fd;Icd;t  unb  umjerftdnblid;  bic  get)j5^nlid;e  Uebcrfc^ung 
ber  gried)ifcöen  ^irc()engefc^e  fep,  unb  n?ie  fte  burct)  2lbfcl)reibcr 
Derdnbevt  unb  t>evberbt  n^orben.  ^r  machte  fid;  alfo  an  eine 
^erbefifcrung  bcrfelben  nad)  bcm  ®riecbifd;en:  unb  um  biefc 
^ird)cngefe^e  3um  ©cbrauc^  red;t  bequem  3U  machen,  orbncte 
er  (te  unter  gcnjijfe  ^auptüajTcn  ^ufammen.  ipicrauö  cut^ 
f!unb  coUectio  LXXXIV  canonum  seu  capitulorum, 
jjm  crften  ^bnle  berfelben'"')  fontmt  unfer  (5anon  t)or,  aber 
obne  baö  ^er^cidjnig  ber  fönonifd)en  (Sd)riftcn.  „Non  opor- 
tet psalmos  compositos  et  vulgares  in  Ecclesia  dicere: 
neque  libros,  qui  sunt  extra  canonem^  legere  nisi  solos 
canonicos  veteris  et  noui  testamenti/^  ^wax  fc^t  ?Oiartiu 
hü  feinem  (^anon,  njo^er  er  i&n  genommen  ^abc:  aber  man 
f[e&t  burcfegdngig,  bag  er  Saobicenifd)e  ^d)Iüflrc  gcbabt  iat, 
unb  ift  nict)t  biefeö  njorttic^  genau  unfer  !üaobiccnifd;er  €anon, 

*)   Justellibibl.  jur.  can.  vet.  T.  I.  append   pag.  19.    6.  Übrigen^ 

bic  ^erict)tigung  in  Der  @cfd).  ^c^  fancn.  Oicc^t^  ©.  201. 


121 

ober  t)on  \y>d6)cx  anbern  ^ir(^cnt?crfömmlung   i(l  unö  ein 

fo    t>oUfommeu   gleicher  ^d)Iug    &e!önnt?     9}?avtiii    l^atte 

Sftborö  Ueberfc^uog  Dor   fiel);    bog  bicfe  bamal^  in  @pa? 

nicn    allgcmeiu    gangbar    gewefen ,     lagt    ficfe    gar    uic^t 

5tt?cifeln:    aber,    t>a    ftc    fc^on    fo  fruje    burd)    2lbfd;rei* 

ber,  fclb(t  in  ©panien,  t>erbcrbt  unb  t>eranbert  n?orbcn,  mug 

unö  &eut  ^n    ZaQC  bei  bcnen  o^nebieg   nic^t  Jinreic^enben 

i^ubfibien  in  SScflimmung  ber  ad)tm  Sltborfc^en  Scfeart  bcflo 

fd)uc^terner  mad;cn.    d'ntweber  fanb  Wlaxtin  in  feinem  Sft* 

borfd;en  Zm  baö  9}gj.5eid)nig  ber  !anonifd;en  SSücfeer,  ober 

fanb   er  e^  nid)r.      3m  legtern  gall  Jdtten  voix  einen  fefr 

wid^tigen  ^cugen  für  bic  ad)tc  Sftborfc^c  Sefart,  ober  genauer^ 

einen  fe^r  n?id;tigcn  Jeugen,  bog  auc^  im  3fttorfd)en  %txt 

ba^  53er3eid;nig  ber  fanDnifd;en  23uci[)er  Juf«^  fpötcrer  Reiten 

fep:  ober  fanb  er  eö  in  feinem  Sfibor,  (!ric^  e^  aber  i'invoiQ, 

njeif  er  eö  nad;  feiner  griec()ifc&en  ^;>anbfcf)rift,  t)it  e6  nic^t 

enthielt,  für  undcfjt  anfejen  mugte«    ^nttrcber  beweigt  alfo 

•!0?artinö  ^Muftoritdt  allein    fiir  bem  griecl)ifcl)en  Zcxt,    ober 

für  hcn   griec^ifdjen   unb  i|iborifc()en    Zcxt    ^ugleid;.    5Bel^ 

d)ii  t)on  Mt)m   man    ftc^)   voä^lt,   fo    ijl    ^g^artin^   2lu^ 

torirnt,    t^ereinigt  mit  ber  5lu!toritdt  be6    Diom;fiu6  unb 

Soljann^   Don  2Intiod)ien  eine  ganj  unidugbar  entfc^cibenbc 

2lufroritdt.   Dlod)  ein  gall  trdre  möglich,  bag  50?artin  o^nc 

genugfame  Sluftoritdt  griect)lfc&er   Codices  \)a^   ^Ser^eidjnig 

ber  fanonifcfeen  25üd;cr  Jinweggelaffen  Jdtte,    (So  gab   eö 

aber  alfo  bocf)  fd;on  bamalö  aud)  in  (Spanien  folcf)e  griec&ifd}c 

5?anbfd)riften ,   bie  t^a^  «öer^eicl^nig  nidj)t  Jatten,   unb   ta 

5}?artin  in   ber  5lbftd)t  fd)rieb,  bic   alten  griecl)ifd}en  ^ir^ 

cl)cngcfe{^e  allgemein    t)erftdnblid)er    ^u    machen,   fo    nuigtc 

er,  fallö  er  hai>  ^Ser^eicbnig  enttveber  in  feinem  Sf^bor,  ober 

in  feinem  gricc{?ifc{?en  Zm  fanb,  immer  jum  53orauö  geneigt 


122 


fci)n,  böjf^Ibß  beijube^alrcu;  Dann  vok  tjl  ber  €anon  bc« 
(limmter  unb  Dciftanblic&er  mit  ober  ojne  bcn  Katalog  bcv 
!anonifc^cn  ^ud;cr?  <Sc5r  untt>a^rfd)cin(id)  iftö  bcmnac^, 
H^  er  o^nc  genugfamc  5Iuftoritdt  jn  6aben,  o^ue  burd)  bie 
Sluftoritdtcn,  bie  er  Dor  ftd;  i)atu,  gleidbfnm  gezwungen  ^u 
werben,  bö6  S3er^eid)niß  ber  fauoiufc^cn  55üd)er  {jinn^oggelaf» 
fcn  feöben  foUte.  Unb  einen  ^ifct)of  üon  -^xag^a  im  fcd)ilen 
3af)r&unbert,  trirb  man  feiner  foId)en  21n&önglid)feit  an  hk 
2Iu6|>rücbc  be6  romifd^en  33ifd)of^  befd)ulbi(jen ,  baß  er  auö 
2Id}tung  für  biefclbe  foIc()C  alte  Äirc()engefe^e  gednbert  bdtte. 

§.    17- 

5iIfo  S^efultat  ber  ganzen  Unterfud)ung :  5led)ter  Sao* 
bicenifd)er  ^anon  ij!  biefcö  ©c^riften:^cr3etd)ni6  gewig 
nid)t,  fe^r  a(te  gried)ifd)c  ^anbfd)riftcn  tjcrwerfen  c^/  brei 
Üj^anncr,  ^u  im  fed;6ten  ^a^r^unbert,  beinahe  ^u  gleicher 
3eit,  in  gan^  t)erfd)i ebenen  Sdnbern  bk  ^irc^engcfc^e  fam* 
mclten ,  fanben  eß  nid)t  in  ibren  ^anbfcbriften,  5)ie  3fi* 
borfdje  Ueberfegung,  befonberö  wenn  man  bei  Unterfud)ung 
ibreö  ^^^Ö^iiT^^  ^^"  9)?artin  Don  53raga  ^u  5;)ulfe  nimmt, 
i(!  mebr  gegen  bie  2Ied?rbeit  biefe6  ^cr3cid;ni(Te^,  aH  für 
biefelbe.  Unb  unter  ben  beftdnbigen,  ewig  umbilbenben  53er^ 
dnberungen ,  tk  man  befonber^  im  mittlem  Seitalter  mit 
ben  ^ird;engefcl^en  mad)te,  unb  bie  eben  fo  gewobnlid)  im 
Orient  aU  im  Dccibent  waren ,  fonnte  gar  (eid)t  ein  fold)er 
undc^ter  ^i\\aii  bin^ufommen.  Um  fo  Ieid)tcr,  wenn  man  hc> 
benft,  ba^  bie  Saobicenifd)en  6c&Iüfl*e  erft  geraume  3^it  nad? 
ben(5(;aIcebonifd;en@d;(uj]enin  ben  allgemein  gangbaren  €ober 
ber  Ä'ird)engcfcl^e   gefommen  '"0.     ^Babrfc^einlid)  nid)t   im 

*)  einen  T^cmvS  bienon  f.  oben  §.  ii,  ber  feine  vpDiae©tarfe 
erfl  burd)  bie  ?J3ereinigunfi  mit  ben  übrigen  gleichen  ^Udi- 
ricbten  Der  Q3allerini  erljült. 


123 

IDccibcnt,  fonbern  im£)ricnt  fc^Iicfe  jt^  biefcr^ufa^S»*«  ^»"ff«"^ 
mal  ein.  Die  Sluftoritat  ber  öpo|loIifc&en  ^auoncö  voax  bü 
bell  Orientalen  früher  unb  großer,  ölö  Ui  ben  Sibenbldnbern. 
^od)  Dioni)!  ^at  nur  fünfzig  berfclben  öngcnommen,  ölfo 
gcrabe  benjenigen  öud)  nicfet  öngcnommen,  auf  njetd&en  ftc^ 
nad)  bcr  25emerfun9  9ricd)ifd)er  ©c^oliajlen  unfer  Saobiceni^ 
fc^eö  53eraeid)nig  be^og.  Slßo  bic  2(uftoritdt  biefcr  a)>o^olu 
fd;en  ^anone^  fo  groß  war,  mugf  i€  rcixfüd)  fe^r  Uid)t  fepn, 
ber  Saobiccnifc^cn  @i)nobc  einen  fo(d)en  93egriff  beö  Sßortö 
„fanonifc^^^  3U  unterfd;ieben,  aU  ob  unter  fanontfd)en^ud)ern, 
bie  im5lpo)1olifc|)en($anonbej!imnuen,;iUtjerjlc^en  fe^en.  ^i\^ 
ber  niorgeHldnbifd;en  ^ird)e  Um  biefer  neue  SaobiceniWe 
^anon  traj^rfcfeeinlicft  3ucr(I  in  bic  fpanifdS)e.  Die  fpanifd)C 
^irc^e  Jat  überhaupt  mand;eö  früher  ton  ben  9}?orgentdnbern 
angenommen,  öI^  bie  übrigen  occibentalifcfeen  ^ird)en  :  (^ou? 
flaut '"0  bat  6iet)on  ein  S3cifpiel  ön  bem  conjTantinopolitani^ 
fd}cn  (Epmbolon  gegeben,  ba^  fd;on  in  bcm  crjlen  (^anon  ber 
brittcn  2!olcber  ^t)\\oht  für  alle  fpanifc^jc  ^ird)cn  t>erbinblid) 
gemad^t  würbe,  hü  ben  übrigen  2lbenbldnbcrn  aber  erf!  fpdter 
allgemeine^  ülnfe^en  befam« 

Da  in  ber  3pborifcfeen  Ueberfe^ung  bie  canones  aposto- 
lorum  nid)t  angenommen  finb,  nicfet  einmal  jene  fünfzig,  t>it 
Diont)^in  feine  Sammlung  aufgenommen  Jatte;  fo  Jaben  t>U 
©panier  nicfet  erfl  fcib(!  ben  £aobicenifcl)en  €anon  aui  bem 
2lpo(Iolifc&en  fupplirt,  fonbern  jie  Ratten  eine  griec^ifcbe  S^an'Of 
fd)rift,  ttjo  biefeö  fd)on  gefd;e5en  war.  (£d;werlid)  aber  ijt 
biefer  ^ufal^  alter,  aH  auö  ber  Ic^tern  ^?dlftc  be^  (i'ebenten 
Sa^rbunbert^ ,  benn  alle  ^^ugcn  öuö  bem  fec^^ten  3a§rbun^ 
bert  füib  nod)  gegen  bcnfclbcn:  iO^artin  t>on  S3raga  lebte  nod) 
um  ba^  3abr  672:  unb  bag  gcrabc  ^a^  Q5ud)  ^iweggelafffn, 

*)  Praefat.  ad  T.  I.  Epp.  Rom.  Ponlificum.  n.  iSg. 


124 

ha^  t>ort  ber  bcfanntcn  fed^^rcn  ©i;nobe  bcmorfcn   Wüxbc, 
fd;cint  a\va€  me^ir,  aU  bfogcr  ^wf^^^l  3"  fc9". 

Der  Saobicenifd)c  (laiiou  Jat  a(fo  nlc^t  mcjr  2lu!toritat 
aU  bei*  fuiif  unb  ad^r^igilc  2lpo|ToItfd)c,  bcnn  er  ijl  bloß 
eine  t>crdnbcrtc  2(u%abe  bejTclbeu:  üon  wdd)  geringem  2(u» 
feften  ober  eben  biefer  apoftolifd^e  (^ancn  fei),  ij^  I)ier  !Üd)t 
ber  ^rt  511  beweifeii.  ©0  J^icl  ober  erhellt-  au6  bem  dd)teu 
©tucf  M  2aobicentfd)en  (Eanonö  gaii^  getrig,  ha^  man  ju 
ben  3<^iten  biefer  @i;iiobe  Doii  bcn  fanonifdjen  ^ud;evu 
beö  eilten  unb  neuen  Zi^amcwt^f  aU  ton  einer  tollig  hcf 
fannten  <^ad)c,  fprac&.  ©enn  bic  £aobicenifcl)en  53dter  nicl?t 
für  öUgemein  befannt  önna^men,  nja6  für  @d}riften  !ano^ 
nifd;  fei;n,  wie  tE)orid;t  unbejltimmt  mxc  i^r  @d)litf» 

§.     18. 

(5inen  traurigen  $8egriff  ton  bem  fritifd)en  SöertJ  al^ 
ler  unfrer  allgemeinen  ^oncilienfammlungen,  mug  unö  biefe 
genauere  Untcrfud)ung  beö  öoflen  £aobicenifd)en  (Sanon^  ma- 
4)en.  Wlan  ^at  mit  ber  ncuejien  5}knftfd)en  ©ammlung  fec^ö? 
5c^en  3luögaben  ton  allgemeinen  (Soncilien^  ©ammlun^ 
gen,  unb  o^ne  baöjenigc,  ita^  23aluie,  ^artenc  u.  a.  noc^  ha 
fonberö  aU  (Supplemente  nad)gctvagen  l)aben,  ^ttblf  ton 
terfd)iebenen  (^elel;rtcn  beforgtc  (Sammlungen. 

Unb  in  allen  bicfcn  ijl  fein  2öin!  gegeben,  ber  un3 
irgenb  ^u  ber  ^ermut^ung  bringt n  fonnte,  t)a^  biefer  £ao? 
biccnifd)e  (5anon  undd)t  fei;.  31^  eö  aber  aud)  in  bm  ^xä\t 
tcn  eineö  einzigen  ^anneö,  ttiid)  unb  awan^ig  Solianten 
fritifd;  ^u  berid)tigcn?  (5in  QBer!  mehrerer  Sa^rc  itdvc 
cö  fiir  eine  (Kongregation  be^  i).  '»OZauru^,  befonberö  ta  nod) 
fo  tiele  ganj  unbenu^tc  ^?anbfd)riften  in  ben  ^^ibliot^cfcn 
terborgen   liegen.     Äird)engeograptie    unb   ^ird)engefc^)id)tc 


125 


lind;  if;rcra  ganzen  Umfange  ivurbcn  Riebet  unenblid?  gc= 
binnen,  unb  unfre  ©trcitigfcitcii  mit  ter  romifcften  ^ird^e, 
bci-bcncn  cö  fo  oft  auf  ble  Sefcart  ober  5IutJeuticitdt  ciiie^ 
(5auon6  anfommt,*  irürben  ml  aufgeÜärter  unb  genauer 
feiDn.  $\i  bcbauern  ijl,  t)a^  ttjenn  audj)  Jic  unb  ba  in  neu^ 
ern  SSBerfen  einige  <>ltc  Idngj!5ergebrad)te  5i}?einungen  beric^s 
tigt  jtnb,  biefe  25eridjtigungen  oft  fo  ^pät  in  bie  aUgemei« 
gangbaren  @df)rlften,  in  @t)(lcme  unb  ^ompenbicn  eingerückt 
werben.  Slllein  nad)  ben  S'ntbecfungen,  bie  in  ber  oft  an» 
geführten  SSaUerinifcfeen  Dijfertation  öemad)t  ftnb,  würbe 
t>k  Q)efc^id)te  be^  dttejlen  !anonifd)en  fRtd)t6  eine  ganj  ön* 
bere  (3t^alt  befommen,  aU  <te  gew&Jnlicf)  ^t;  befonber^ 
wdre  ju  wünfc^en,  ^a^  alle^  t)a^  DZeue,  tt?aö  in  SInfeJung 
ber  3fiborfc()en  Ueberfe^ung  in  berfelben  gezeigt  ijl,  i^dge^ 
mein  befannt  wdre. 


126 


IV. 

^ntifd^c  Untcrfuc&ung  5er  ©arbieenjtfdf^eit 


t)ie  Öefdbid^te  ber  ©arbicenftfd)cn  @t)ni3be  unb  i^rcr 
©d)(ufl"e  \\l  in  ber  gönnen  ^ird)en3cfd)tc^tc  unb  in  bem  dtreni 
fanotiiWcu  Siecht  tJDii  ber  grbgren  SSic&rigfett.  gafi  jcbcr 
^ertjeibiger  ber  grei^eiten  ber  fran^oftfdben^^irc^e,  jcber,  ber 
jur  2Ibfid)t  f)attc,  bcn  jtufennjeifeu  Sßadjet^um  bee  rt)m{fd;e« 
^ominatö  ju  jelgen,  fommentirt  über  biefelben,  unb  fucfct  bem 
Einwurf  aü^i\xmid)m,  n?eld)cn  bic  ^urialijlen  getro^nlic^  öuö 
bem  vierten  unb  ftebenten  ^anon'«'*)  biefcr@i)nobe  Jerne^men. 


*)  2luö  s))?eitfer«  ©efc^ic^t^forfc^er  Xf)^il    4.    ^«tte  1^77. 
**)  ®ie  SBorte,  bie  I)ier  ImptfWid)  tntere§iren,  ffnb  folgende: 

9lUÖ  bem  britten  Nation:  Quodsi  aliquis  Episcopus  adjudi- 
catus  fuerit  in  aliqua  caussa,  et  putaverit  bonam  caussam 
se  habere,  et  petierit  ut  iterum  Judicium  renovetur;  si 
placet  Omnibus ,  ut  sanctissimi  Apostoli  Petri  memoriam 
honoremus,  scribalur  vel  ab  bis  qui  examinarunt  Judi- 
cium, vel  ab  Episcopis  qui  in  proxima  provincia  moran- 
tur,  Romano  Episcopo;  et  si  judicaverit,  innovandum  esse 
Judicium,  renovetur  et  det  judices.  Si  vero  probaverit 
lalem  caussam  esse,  ut  ea  non  rcfricentur,  quae  acta  sunt ; 
quae  decreverit  Romanus  Episcopus,  confirmata  erunt.  Si 
hoc  ergo  Omnibus  placet,  staluatur.  Synodus  respondit: 
Placet. 


127 


gfi^Ibar  jlöv!  ifl  frciltd)  bicfcr  (Jinirurf  für  jebcn,  bcr  5lu!to^ 
ritiU  bcr  ^oncilicn  öiinimmt ;  unb  bod)  ^af ^  etiraö  mit  ber 
5?icrarc^ic  be^  i^iertcu  3a6rf;unbert^  fc^r  n>lberfpred)cnbc^,  bag 
bcr  25ifcl)of  DDti  3fiom  in  Dingen,  bic  nic()t  in  feiner  ?)romn| 
t)Dr3ingen ,  9tid)ter  fet)n  foKc,    ^o^  war  bamalö  ba^  ains^ 


Can.  ly.  Gaudentius  Episcopus  dixit;  Addendum,  si  placet, 
huic  sententiae,  quam  plenam  sanctilatis  protulistis,  ut,  cum 
aliquis  Episcopus  depositus  fuerit  eorum  Episcoporum  ju- 
dicio,  qui  in  vicinis  locis  commorantur ,  et  proclamaverit 
agendum  sibi  negotium  in  urbe  Roma,  alter  Episcopus  in 
ejus  cathedra  post  appellationem  ejus^  qui  videtur  esse  de- 
positus, omnino  non  ordinetur,  nisi  caussa  fuerit  in  judi- 
cio   Episcopi  Romani  determinata. 

Can.  VIJ.  Osius  Episcopus  dixit :  Placuit  autem ,  ut  si  Epis- 
copus accusatus  fuerit  et  judicaverint  congregati  Epis- 
copi regionis  ipsius  ,  et  de  gradu  suo  dejecerint  eum  sl 
appellasse  videatur,  qui  dejectus  est,  et  confugerit  ad  bea- 
tissimum  Urbis  Episcopum,  et  voluerit  se  audiri ;  si  juslum 
putaverit  ut  renovetur  axamen,  scribere  bis  Episcopis  digne- 
tur,  qui  in  finitima  et  propinqua  provincia  sunt,  ut  ipsi 
diligenter  omnia  exquirant,  et  juxta  fidem  veritatis  defini- 
ant.  Quodsi  is  qui  rogat  iterum  causam  suam  audiri,  de- 
precatione  sua  moverit  Episcopum  Romanae  Ecclesiae,  ut 
ex  lalere  suo  presbyterum  mittat ,  erit  in  ejus  potestatd 
Episcopi  quid  velit  et  quid  aestimet ;  et  si  decreverit  mittendos 
esse,  qui  praesentes  cum  Episcopis  judicent,  habentes  ejus  ^uc- 
toritatem,  a  quo  destinati  sunt,  erit  in  suo  aibitrio.  Si 
vero  crediderit  sufficere  Episcopos  provinciales,  utnegotio 
terminum  imponant,  faciet  quod  sapientissimo  consilio  suo 
judicaverit. 

eö  mxc  bei  ben  farbicenfifc^en  ©a^ungen  fe^r  i5b<;rflüflfig  ge^ 
wefen,  ben  grtec^ifdjen  Zext  ^erjufe^en,  bean  l)6cfcjt  nj»I)rf(^etn= 
üdi)  i(t  ber  lateinifdje  fo  gut  Original,  aU  ber  griec^ifc^.  9ii= 
d)ex  (Histor.  Conc.  gener.  p.  47),  I)atte  alfo  ntc^t  füllen  hie 
Ueberfe^ung  be^  ©rattan  ^eroetö  brauchen,  fonbern  fte  lieber 
au^  ber  «Sammlung  be^  2)ion9ftu^  nehmen.  2)er  tot,  fo 
wie  er  I)ier  abgebrucft  i|t,  i(t  au^  ber  fcgeaannten  pHwa,  luie 
fie  \>o\\  ben  iöallerini  im  britten  'iU^ül  ber  2Berfe  *eo  bei 
©ro^en  DoUflanbig  Ijerau^gegeben  mürbe. 


128 


fe^en  bcr9)i'Ot>inciaI:€oiictIien  in  feiner  t)t>IIigen  ©tdvfe:  nod; 
war  ieber  53ifc^of  fo  gut  aU  ber  andere ;  jebcr  ^atropolitan 
i?on  bem  önbern  unabhängig,  unb  ber  Jüd;|Ic  9iicl;terftu()l,  a\x 
ben  niön  ftc^  ti^cnben  i^onntc,  njar—  bie  ©encralfi;ni?^e.  $!dgt 
ft*  ie  etivaö  ^ij^oriW  beiticifen,  fo  ij!'^  biefe6;  unb  bocfe  un* 
gefd^r  jwan^ig  ^a^xt  tiad^  ber  großen  nicdnifdjen  ©pnobc , 
tiad)  ber  (Si)nobe,  burc^  beren  (5d;Iuffe'"')  obige  8d^e  red)t 
t>oll!ommen  befrdftigt  würben ,  foll  auf  ber  farbicenfifd)en  58er# 
fammlung  ein  ©d[?Iug  feflg^e^t  «jorben  fei;n ,  ber  \ia^  gan^c 
arijio!ratifc|)e  ^irc()cmDtegiment  in  eine  SKonard)ie  bern?an» 
belte.'"^0  ^"*  ^^""  wir  nac^  benjenigeu  SSegeSen^citen 
urtjeilen,  vreld;e  jtd&  nad)  ben  farbicenftfc^en  ©d)IujTen  ju» 
trugen,  fo  ftnb  fie  hü  weirem  nid;t  fo  befc^affen,  ha^  man 
glauben  f 5nnte ,  ber  3nl;alt  biefcr  ©d^Iufe  fet)  wirHidJ)  in 
Sluöubung ,  gebrad)t  worben.  Qlocö  im  fünften  unbfec^^ten 
Sabrjunbert  war  ha^  ^Regiment  ber  .^ird)e  me^r  arijIoFra^ 
tifc^  aU  monard)ifc^,  unb  ber  S3ifd)of  ^u  9lom  war  blo§ 
t>a^,  wo^u  if)n  gebroniuö  je^t  gern  wieber  mad)m  n\hd)tc. 
SßJaren  benn  alfo  bie  farbicenfifc^^en  ©c{)Iufle  feine  ©c^Iuffc 
einer  allgemeinen  Äirc^ent)erfammlung?  unb  bod;  flehen  jTc 
hl  bctt'  dlteften  unb  bewd^rte(!en  codicibus  canonum:  ober 
terftunb  man  ftc  bamal^  gan^  anber^,  aU  fie  t)on  ben  (5u<^ 
riali(I«t   crHdrt    werben  woKen?     2öeil   biefeö    nid)t    bie 


*)  Can.  4.  5.  6.  7.  nad)  bem  ®riecfeifcfcen. 
**)  3c^  J««n^  ^iß  mancherlei  Srflärungöarten  biefer  wic^tigett 
farbicenfifcben  ©c^IüfiTe  Ufit  tuo^l:  tcb  ^«Ue  aber,  ivaö  id? 
I^ier  fage,  nicbt  fomo^l  für  ben  unmittelbaren  @inu,  al^  für 
eine  not&iüenbige  Jolge  berfelben.  S^  ifl  aud?  nac^  ber  ge- 
Ünbeflen  ©rfldrung  immer  bic(e^  Qemh  ba^  bur*  bUfe 
@*Iuflre  bem  römifc^en  S8if*of  fo  viel  eingeräumt  worbew, 
al^  mit  einer  poUfornmenen  iUriflofratie  unmöglicb  befielen 
(onnte. 


129 


^Hauptfragen  jTnb/  auf  bic  id)  mld)  ^ler  cinlaficn  luitt,  fo 
hitticih  id)  nur  bic  t)crfd;tct)encn  5Iuön?cge,  itjieman  ftd)  gc* 
gen  bicfcn  dinirurf  5u  Reifen  fud)t.  Einmal  behauptet  man, 
ba^  farbtccnfifd)c  (^onciltum  fci;  fein  ©eneralconciHum  Qtvocf 
fen,  alfo  aud)  nid;t  allgemein  »erbinblrc^:  eine  53crfamms 
lung  bcr  5Sifc^5fe  etlicher  ^proüin^en  !5nne  bk  $Sifc()6fc  anbei» 
rer  ^roöiu^cn  nid;t  t)erbinben*  2lber  babei  hUibt  immer 
bod)  nod;  bic  gro^c  ®d)it?terigfeit,  ta^  fid)  fo  früjc  md) 
bcr  nicdnifc^en  ©t)nobe,  bcren  ©d^lujTe  für  alle  d)riftndjc 
^ivd)cn  bei  r6mifd;en  tRcid)^  ein  ©runbgefc^  ttjaren,  ba9 
iid)  Q5ifd)6fe  einiger  ^roDin^en  unterftanben  Jaben,  ©cljlufe 
fejliufe^en,  mld)t  obigen  entgegen  it»aren.  Unb  foUte  man 
roo^l  üon  einer  53erfammlung  mehrerer  ^Ifdjofe  ernjartcn, 
bag  fie  fid)  einem,  ber  bi^^er  bloß  i&rc^  gleid)en  n?ar,  ber 
wie  jTc  gcrid)tet  werben  fonnte,  freiwillig  aU  ijrem  oberften 
Sfiid;ter  unterwerfen  würben?  f9?an  fagtj weitend,  biefc 
farbicenfifcfcen  @c<)lufle  fcijcn  blog  prot)iforifd;  gewefen,  blog 
für  t>a^  ^ebürfnig  jener  Reiten,  ha  ber  i?on  bcn  2lrianern 
fa  fejr  bebrangte  ÜItl;anäfiuö  auf  feine  anbere  2lrt  gerettet 
werben  fonnte,  al^  ba0  man  bk  Berufung  auf  ein  entfcfeciben^ 
be6  Urtjeilbe«  romifc^en ^ifd^ofö  gcfegmdgig  machte.  diid)cv 
in  feiner  Q5efd)id)tc  ber  ©encraleoncilien  ^at  biefc  5pf^cinung 
weitlduftig  ücrtjeibigt,  unb  aud^  ^?err  5?oriv*0  ^at  fid;  für 
biefclbe  erfldrt.  Sollte  aber  md)t  burc^  biefc  Diftinftion 
5wifd>cn  proi^iforifc^en  unb  fortbaurenben  ©ijnobalfd^Iufen 
öller  fid;erer  ©cbraucl)  ber  ^oncilien^ Kanonen  aufgehoben 
werben?  ©ibt'ö  einen  gcwiffen  (Sfcarafrer,  biejenige  Cano- 
nes,  wel^e  nur  protiforifc^  fet)n  follten,  i^on  ben  anbern,  tk 


*)  In  concordatis  natlonis  germ.  integfis^  tariiä  ädclitamenti* 
illuslratis.  T.  IL  pag.   aS.  T.  III.  pag.  129  —  i32. 

6pittler*^  fammtl.  Serfe.  Vfil.  m*  9 


130 


4itf  flüc  fuiiftigc  ^aiv^mx'ocrU  gcmad;t  trurbcn,  3a  nntcr^ 
((Reiben?  Die  5ßater  bcr  ^arbiccnfifdjc»  <gj)nobe  brücfcu 
pd)  gattj  o\)\K  alle  Sinfc^vduhing  öu5:  if^'ö  alfo  ntcljt  fe^r 
njillfüf)rHd;  cregcfirr,  roenn  wir  cinfd)ran!en?  Uiiftreirig  ijT, 
baß  biefe  (£d}lüj|e  burd)  bic  bamal6  gcfd&rlid?e  Soge  bcr 
Umjidnbe  bc6  2lt^anaftu^  veranlagt  tt>urbcii:  aber  i(!  beim 
ölleö  nur  prot>lforifc^ ,  \va^  fold}c  3»btt>ibuali?cranlapngeii 
J)Citttl  @o  tt?urben  jtd)  bic  n:id)tigjleu  bcr  alten  ^ird)ens 
gefc^c  ^intiJcgrdumcn  iaffciu  Die  britte  2lrt,  bicfce  ^^d^ 
nomcn  ju  crfldrcn,  ij^  ^wav  mcincö  ^•rad)ten§  bie  n?al)rc|!e^ 
aber  wegen  mancher  bcfd;wcrlid)en  bDgmarifd;en  golgerun^ 
gen  för  einen  ^atftolücn  hk  unbraud)baifte.  ^iTcan  fagt 
gcrabe^u,  c^  voav  (I&ifane  bcr  farbiccnfifdjen  ^ödter,  auf 
^ojUen  ber  ganzen  ^irc^ent)crfajj'ung,  auf  Soften  aller  biö.- 
^erigen  Sivd)engcfc§e  i^ren  Slt^anafüi^  5U  retten.  Daö 
pc&er|!e  ^ittd  voat,  t)m  S3ifd)of  ^u  9iom,  t>on  beffen  djc* 
wogen^eit  für  bie  5It&anafi:anifd}c  «Partei  fie  aum  t)or^u6 
t)er(tcf)ert  waren,  burd)  S<^ßK^""9  cincö  neuen  5llrd;enge* 
fc^eö  5um  oberfren  9^icl)tcr  ^u  mad)cn.  ^cöer  unb  £)rtl;o^ 
boK  waren  über  bie  !9?oralitdt  bcr  SD^ittel,  woburct)  jTe  i^rc 
Slbjtcbten  au^^ufubren  füc!)ten,  febr  oft  gar  nic&t  be!ümmcrt, 
unb  aud)  bie  auf  ^oncllien  t)erfammelten  ^dter  b^ben  ber 
©efcf)id}te  mancl)e  ibrcr  i!Kcnfd)lid;!citen  aufiu^eidbnen  f)i\u 
terlafifcn.  ^d)  übcrlafe  anbern  bicfc  (Sad)e  genauer  au^^ 
cinanberjufc^en,  unb  cr5rterc  einige  anbere  gragen,  welcljc 
ta^  farbiccnfifcl)c  €oncilium  betreffen,  unb  ha  jTe  hUf)^v 
febr  (Ireitig  waren,  jet^t  burd)  Äülfe  neuer  ©ubfibtcn  Diel» 
leicl)t  gan^  außer  ^voü\d  gcfcßt  werben  fbnncn.  (Jinc  2luf* 
fldrung,  t>k  um  fo  wichtiger  wdre,  ha  fte  über  mcrfwürbigc 
^erioben  ber  Äirc^engefcfeic^tc  ein  große«  £ictt  verbreiten 
fbnnte. 


131 

T)k  cr(!e  grö^e  t(i:  Ööo^cr  t)cr  Unterfd){eb  stutfc^cn  bcrt 
fart)icenftfd)en  ©c^luflien,  l)ie  wir  in  ber  prisca,  in 
Sftborö  unD  I)lont)fen6  ©ammlung  Iateinifc()  I)aben, 
bon  benjenigen,  ttjeldK  in  Beveregii  pandectis  (Tom. 
L  pag.  482.)  unt)  in  bcn  gcttjb^nlic^cn  (^onciüenfanim* 
lungen  9riccl)ifcf)  nb^ebrudft  finb?  ©ollen  (te  nac^ 
einanber  forrlgirt  ircrbcn?  tk  lateinifc^c  md)  ?3or^ 
fcl;rift  ber  grtcd^ifc^en,  ober  umgeFe^rt? 

53{e  zweite:  S}on  welcher  2(uftoritdt  irar  baö  farbicenfifc|)e 
^oncilium;  ungefdbr  it>ie  ba^  nicdnifd;e,  ober  hü  wzu 
tem  ntd)t  fo  önfcftnitcj)?  5Ö3aö  lagt  <td)  mit  1)i^oxu 
fc^er  ©ett)ig&cit  t)on  bem  Slnfeljen  feinet  ©c^lüffe  nad^ 
ben  t)erfd){ebenen  Verloben  ber  ^ird;en9cfc^id)te  unb 
nacfe  ben  i)erfcf)iebencn  Sdnbevn  fagen?  Wlit  biefer 
Srage  ift 

bie  britte  öuf^  genauejic  öerbunben,  5Sd§  ijt  bie  ftjöjrd 
23efc6affenjcit  beä  ©treit^  ber  öfrifönifd)en  5ßdter  mit 
ben  romtfc^cn  25ifd;üfen  Joftmuö  ttnb  (^dlefHn?  5Bie 
trar'ö  m&glic^/  tia^  üon  blefcn  ein  paar  farbiccnftfdjc 
©d)lufl'c  für  nicdnifdjc   gcljalten  ttjcrben  konnten? 

1.     QSom   Unterfd)ieb    jn^ifd^en    bett    grted^ifd^ett    imt^ 

Iateitttfd[)ett,  farbicenfifdl^en  @d;(uffen,   unb  i^etcf^e 

t>on  Betben  Ortginal  fepen* 

£)ie  9tied)ifc6crt  farblcenftfd;en  ©erlöge  finbeti  fidS 
ftid)t  nur  in  S5et)eribge'ö  ^anbeften  *••)/  ^^  f^^  *wit  ^^^< 
Ccfeolien  beö  ?Salfamon>  3onara5  unb  ^ri(!enu^  abgebrüht 

*)  Vol.  I.   pag.  48** 


152 

finb,  fonbcvn  and)  in  bcr  ©ömmlunö,  bic  S3ifc^of  Zil'm^ 
ju  ^ariö  i54o  in  4*  f)iva\l^ab,  unb  (5{)ingcr  3U  Söittcn* 
bcrg  1614  iDJcbcr  obbrucfcn  lieg.  2Iud)  Sodann  Don  Sin* 
tlod)icit^  bcr  3u  S'nbe  bcö  fed[)^tcn  Söferjunbcrt^  ^atriarc^) 
t)Ou  ^onftautinopel  würbe,  trug  bicfclbe  in  feine  (Sammlung 
ein,  t}k  man  in  ber  3u(!ellifd)en  ^ibliotjel  bc6  fanonifcl^cn 
9lec()t^  Tom.  IL  pag.  6o3  ftnbet.  5[ödre  jiatt  bc6  minber 
braucf)baren  Olomofanon  beö  ^f;otiu^  ©ammlung,  bie 
nocf)  alö  !)}?anufcript  in  ber  !aiferlid;en  Söibliot^e!  ^u  2Bicn 
liegt,  gebrudt,  fo  l^dttcn  tt>ir  einen  neuen  wid^tigen  ^cixQm 
3u  SSe(!immung  ber  Sefcartcn  ber  gried&ifc^en  ©arbiccnfifd;en 
canonum.  gatcinifc^  ^üt  man  fie  boppclt:  einmal  in  ben 
gewb^nlid^en  €oncilienfammlungen.  ^on  biefen  ift  Jier 
gar  nic^t  bie  grage;  fte  finb  Ueberfegung  au5  bem  ©riecht? 
fdjen,  aud;  ber  bloße  2lugenfdj)cin  giebf^.  SIber  cUn  t)on 
biefen  gel;en  jene  fe^r  ah,  bie  man  in  ber  fogenannten 
prisca,  in  Sftborö  unb  £)ionpfenö  '"0  ©«mmlung  finbet, 
Durd;  öUe  Varianten  ]^inburc{),  bie  man  5tt)ifd)cn  biefen 
brei  le^tcrn  antrifft,  ftejt  man  bocb  beutlid),  bag  fte  nur 
eine  unb  eben  biefelbe  Urfunbe  Jaben,  aber  eine  Urfunbe, 
bie  cinjlimmig  t>on  ber  griecl)ifc^en  abgebt,  unb  ^roax  nid;t 
nur  etwa  in  einigen  Slu^brticfen  ober  t>ntd)  dinrucfung  t>on 
^arap^rafcn,  ober  einiger  ^ejtimmungen,  fon^ern  mit  einem 
fo  njid;tigcn  Unterfd)ieb,  t)a^  bie  gried)ifd)e  Urfunbc  brei 
canones  nid)t  ^at,  n?eld)e  in  ber  latcinifc^en  jtejen;  ^inge* 
gen  fehlen   im  Sateinifct)en  jwei  canones,  bie  im  ©ried;i« 


*)  2)a^  fonjl  bie  Ueberferjungcn  ober  genauer  bie  Irtteinifdjen 
Urfunbeu,  midie  in  biefen  brei  (SamnUunflen  enttialtett 
ftnb,  bei  ben  übrigen  ^onctlienrcfelüflfen  fel;r  uon  einanbet 
abje&en,  unb  offenbar  alö  brei  febr  ücrfd)iebene  Quellen  fidj 
Setgen,  barf  i^  al6  befannt  uoraui^fe^en. 


153 


fd)cn  |!cjßn,  3Iud)  öcr  Untcrfc^ieb,  ttjori»  bie  gricc^lfc^e 
unb  (ateinifd;c  Urfunbe  in  einigen  ©cntcn^en  ober  ©oncu 
Don  einanber  abtrcid;en,  fd)cint  eine  bejlimmte  2lbftd)t  311 
i)abcn.  5Qaö  1(1  £)riginal?  ©oll  bie  9ric(^ifd;c  ober  bie 
latcinifdje  Urfunbc  forrigirt  werben?  ^ejr  mißlich,  bei 
iiH'ld;er.tJon  l^eiben  man  eö  öerfucfeen  wollte. 

^ic  gried)ifd)e  Urhtnbc  {at  immer  öu^  ber  ganzen 
©cfd)id;tc  felb(I  fe^r  üielc  ^ermut^ung^grünbe  für  ftd;: 
Diele  ber  53ater  Wören  ©riedjen,  fte  befretirten  alfo  auc^ 
gried)ifcl&t  einige  ber  @d)Iuflre,  bie  man  in  ber  gried)ifd)en 
Urfunfe  f)at,  (can.  18  unb  19)  betreffen  blog  eine  ^u 
X^cAfalonic^  jlreitige  55ifd)ofön?a6l ;  foUtcn  biefe  t^a,  wo  ftc 
bauptfdd)lid)  gültig  fev)n  mugten,  allgemein  üerflanben  mer# 
ben,  fo  mußten  fte  griec^ifc^  fe))n*  Unb  menn  man  annej* 
men  wollte,  ha^  ©riccbifd)e  fe»  tk  Ueberfegung,  unb  H6 
Sateinifd)e  t)a^  £)riginal,  fo  mugte  man  öune^men,  H^ 
biefe  Ueberfe^ung  fcbon  im  fünften  S^^r^unbert  gcmöcbt 
worben  fei;,  benn  Sojann  Don  2lntiod;ien  bat  bie  gricd;ifd) 
farbicenfifd)en  ©d)lujfe  in  feiner  i^ammlung,  unb  ^mar  ojnc 
irgenb  einige  (^pur,  ha^  er  fte  nic^t  fd)on  fo  gefunben  Jabe. 

Dioni;^  i\\  ber  ^Jorrebe  ^u  feinem  codex  canonum 
fagt,  bag  er  bie  farbieenfifd;en  ©djlüjfc  nid;t  Jabe  gviedjifd) 
ftitben  fbnnen,  unb  \ia^  er  alfo  bipg  bie  gefunbene  lateini^ 
fd;c  Urfunbe  eingeräcft  ^ahc»  3lu^  biefcm  ^cuQin^  M 
S)ioni)fiu^  glaubt  §Kid;er  ^'0  fejr  beutlid;  ^u  erweifcn,  ba^ 
fie  alfo  bamal^  uoc^  Qax  md)t  griec^ifd)  eri|lirt  Ijdtten,  unb 


*)  HIstor.   Concilior.   generalium   T.  I,    pag.   98.  ed.    Colon. 
a683.     8. 


154 

TOO^l  erjt  t)Ou  ^§ottu5  öu3  ©efegciiljctt  fcincö  9Zomo!önpn5 
fibcrfe^t  ttjorbe»  fcpcn.  Dicfcr  mut^ige  sßert^eibiger  ber 
örijlo!ratifd;eu  grei^eit  t)er  ^irclK,  ^n-tc  fic^  bicemal  in  fei> 
neu  beibcn  SBevmutöungcn,  bcnn  Sodann  üon  5lutioc^)icn 
ijl  brei  3a&r()unberte  alter  aU  ^^otiuö,  «üb  ^^otlu^  6at 
nlc^t  mcl;r  aU  3o^aiui:  auc&  !aun  überhaupt  I)lpnj)fen^ 
3eugnig  nid)t  cntfcteibciib  fe»ii,  beim  nja6  er  nid}t  finbcu 
fonntc,  ba^  f)at  fein  ^cirgcnoflTe  in  ^onjlanttnopcl  Q^\)ahu 
©0  fle^t  a(fQ,,bic  SßJage  gleidjfam  mitteirinne:  aufi)eiben 
©eitcn  aU^,  bcivdf;rtc  uub  tt)td;ti(jc  geugen-  Die  ^örnnt'' 
lung  bcr  canones^  wdd^c  in  bcr  prisca  enthalten  ijl,  fallt 
6üd;ft  n?iU;rfd)cin(td;  in^  fünfte  3af;r()unbcrt:  bic  unter  Sfi^ 
bpr6  Dramen  befönnte  ©animfung  i\i  ntd;t  \>iel  iünger,  unb 
olf  fd;on  £)ioni;^  bloß  al^  ^rii^atmann  feinen  codex  fam? 
meltc,  fo  ftcf;t  man  bod)  an^  ber  ganzen  ^'ntfie^ungögc» 
fd;id;te  bc^'dbcn,  baß  e^  jjm  nid)t  ön  Ji;irci.d;enbcn  ^?ülf^^ 
mittcln  gcfe()lt  ^nbe.  ^uf  ber  anbcrn  ©eitc-tpirb  bie  3lut^cn> 
tidtät  ber  gried;ifd}c^i  Urfunbc  t^eilö  burd)  walKfd;einlic^e 
53ermurjungcn,  i^eilö  feurd)  bajS  ^eugnig  3o{)<J"»ö  uon  Qiiu 
tioc^icn  befrdftigt^^^^,J3frr  €onfiftorialrat5i  2Bald},  fdlt  ,iH 
feiner  @efcbici[)te  ber  «fiirc^cnöevfammlungen  @.  179.  QInm.  3. 
t>k  latcinifd)e  UiFunbc  für  Uebcrfe^ung  unb  bie  griec^ifc^c 
füi;,b<;.§  original:  barauö  aber  laßt  ft'd)  nod;  nid;t  cntfcl)eiben, 
ob  er  b^n  ^riginaltextt  auö  ber  Ucberfe^ung,  ober  bie  Uebcr^ 
fe^ung  auö  bem  priginalteAt  Derbcflfert  tpijTen  tt)ill.  2)pd) 
fc^cint  er  nie^r  für  t)a€  (elftere  geneigt  ju  feijn,  »eil  er. bic 
5lu6gabe  bc^  ^Bcücribgc  entpftel^lt,  unb  in  feiner  Slujcige  ber 
canones  blog  md)  bcr  griecJjifd)en  Urfunbe  fiel)  rid)tet, 
©0  t^eilten  fic^  alfo  aud;  biö^er  bk  5Keinungcn  berjcnigen 
SOidnner,  hk  md)  i^ren  ausgebreiteten  unb  tiefen  (5infid;ten 
tn  bic  gan^c   (^onciliengefd^ic^tc  t>or^üglid)c  2lufmcrffam!cit 


135 


»■ 


Diene».  fRid)cx  i^  cntfd)cit)cub  für  tie  lateinifcl^c  Urfunbe, 
fluci)  Dupiii  aici)t  jtc  oor:  %alä)  bleibt  bei  bcm  griecbi* 
fcbeu  Zcxu 

§.    3. 

(Jine  meinet  SßiflTcn^  ganj  neue  SScrmut^ung  f^ahtn 
bie  23aUeriiii  in  i(>rer  i?ortrCjf(icbcn  2IbI;anblung  i?ou  ben  al* 
tcn  ©ammluiigcn  bei*  canones:  unb  eö  i)l  wivüic^  3« 
rcunbern,  bag  man  nicl)t  früher  barauf  geratjcn  ifl,  ba 
rd}  biefclbe  alle  @d;ancvigfcitcn  öuf  eine  fejr  lcid}te  unb 
htürltc^c  Seife  gehoben  \rerben.  (^oiro^l  Die  griedjifd^e 
al§  latctnifd;c  Uvfunbe,  fagen  fi'e,  t|I  £)ri3inal;  erftere  ijt 
s?on  bcn  farbicenftfd^en  ?Öatcrn  nac^  bem  ^ebürfnig  tict 
orienialifd)cn  ^ird)e,  lel^tcrc  wad)  ben  ^ebörfuijt'en  ber  occi^ 
bentalifd;cn  ^ird;c  cingerid^tet  werben  'O^  ^Birllid)  ^Ci^t 
ftc^  ciiic^  aui  biefer  angenommenen  jpppot^efe  ber  Unter.* 
fd)ieb  3itifd)en  ber  lateinifc^en  unb  griec^ifc^en  Uvfunbc  öoßc 
fommen  crfldren:  benn  ber  i8»  unb  19.  ^anon,  tvelc^c  in 
crRercr  fcl)len,  betreffen  blog  bie  golgen  einer  5U  S^&efifalo* 
nicö  frrcitigen  33ifd)of^n?a6l,  alfo  eine  SQ?aterie,  trelc^e  f&r  bie 
morgenldnbtfcbe  5lird)en  bei  tvcitcm  me^r  n?{d)tig  i(t,  aU 
für  bie  abenb[dnbifd}e.  X)ci^  rtd/terlid;e  ^nfcljen,  ttjelc^e^ 
bie  gried;ifd)e  UrFunbe  im  fcd)^ten  unb  ijier^c^nten  €anon 
bem  ^OK'tropolitan  jufd^reibt,  i|!  in  ber  lateinifd)cn  Urfunbe 
ber  ^ros?incialfi)nobc  beigelegt:  benn  ^u  hcii  Reiten  ber  far^ 


*)  3)ie  SBallertni  be^nen  il)re  QSetmut&ung  auc^  auf  ile  top* 
pelte  sjnodica  aixi ,  njooon  bie  lateintfite  in  ben  ^ragmen« 
ten  be^  ^ilariuö,  bie  grieitifcl)e  in  Der  anDern  "^Ipologie  M 
Qltöanafiuö  ftebt.  ^rjlere  fi'nbet  man  aucb  bei  ber  alten  lo* 
teinifdjen  Uelierfe^ung  ber  farbicenfifc^en  (gcfelüiJe,  welche  bie 
33aHerini  auö  einer  fel)r  alten  »eronefifcben  .^anbfc^rift  int 
britteu  i^eil  ber  WictU  £?o  beöOropen  abbrurfen  liefen. 


136 

bicenjtfd;en  ©pnofee  galt  ^war  im  Orient  ba€  ^(nfc^en  bcr 
'^Qtxo^oütaiu ,  ober  im  £)ecibent  war  eine  nod)  bei  weitem 
allgemeinere  unt)  au^gebreitetcrc  2(ri(lofratie,  ©aritm  ber 
10.  m\^  12.  danon  beim  3fit)or  in  ber  gricd;ifcfecn  Urfunbe 
fehlen,  lagt  fic&  |irar  nid)t  au6  bem  bloßen  3nl;alt  berfel^ 
ben  fefecn,  bcnn  bicfer  ift  fo  allgemein,  ta^  er  gar  wo^l 
aud;  auf  bic  Pvienralifc^en  ^ird;en  pa^ni  f&nnte:  aber  eö 
fpnnen  bod?  bamal^  gewiffe  £pFalurfac{)en  gewefen  fcijn,  bie 
wir  ic^t  U\  bem  ?9?angcl  einer  rcd;t  betaillirten  ^ird^cnges 
f(^jd;te  bct  bamaligen  Reiten  nic^t  me^r  wiffen,  unb  btcfc 
£ofalurfac^en  trafen  t>ielleid;t  bloß  bie  ^irc^en  be^  £)ccibcnt^* 
Ob  ber  i8.  (^ai\pn  beim  3j1bor,  ben  man  unterbeg  auc^  im 
gri^c^ifc^en  2!ert  ijermigte,  wirÜid)  niemals  barin  gepanben 
fet),  ober  bloß  burd)  ^^lac^laßigfeit  ber  ©ammler  unb  2lb^ 
fd)reiber  herausgefallen/  ijl  nod?  fe^r  ^weifel&aft:  benn  t>k 
S3allerini  ^aUn  im  britten  26cil  ber  Sffierfe  2eo  be^  ©rogen 
(©.  590  —  597.)  eine  febr  alte  lateinifclje  Ueberfe^ung  ber 
gried)ifcl)en  Urhinbi;  abbrucfen  laffijn,  unb  biefer  alte  Ueber* 
feger  la^  in  feiner  gried)ifd)en  J?anbfcl)rift  biefcn  ad)t3cben^ 
Un  (lano\u  53ielleic|)t  aud),  baß  fi'c()  bei  einer  funftigen 
genauem  ^ritif  ber  alten  c^nones  auc^  ber  10.  unb  12. 
3ftborfcl)e  canon  im  griec|)ifcl)en  Zcxt  jtnben:  fo  unerwars 
Ut  bi?  Sntbecfung  be^  ad}t3cbnten  war,  fot>iel  mebr  S^o^* 
«ung  macfet  un^  bi^fe^,  enblid?  aud;  nod)  jene  auf^ufinben^ 
2Il^benn  wdre  t>5lltg  alle  ^uufel^eit  gcl;obcn,  unb  e^  wdrc 
5Wifd)en  ber  gried;tfc^en  unb  lateinifdjcn  Urfunbe  fein  Un? 
terfd}ieb  mcbr,  ton  bem  man  nici)t  bic  genauefl?  dicä)üu 
fd[)aft  geben  fonnte. 

I^iefe  ©rünbe  für  bic  23allerinifc()c  ijijpotbefe  fi'nbcn  jtc^ 
au^  ber  bloßen  5ßergleid)ung  beö  Unterfd}icbö  ber  gried;ifd;e« 
unb  lateinifc^en  Urfunbe :  noö)  ftnb  einige  übrig ,  felb)l  cwi 


137 

tun  ©cfc^ic^tc  t>cr  förbicenjtf($en  (Sttnobe.  X^k  SSnjaJl  bcr 
öbenbldnt>ifd;cn  SQaUv  war,  mt  ^crr  (5onjt(I.  fRatJ)  ^alö) 
bcmerft,  hd  biefer  ?3evfammlung  groger,  aU  bie  Slnsöjt 
bcr  £)ricnta(en:  öuö  9?om,  6panicn,  ©aUten,  Italien,  unb 
ttjic  jic  in  bem  @t)nobalfd}veiben  bü  i?i(öriu6  unb  5Itta"öft"^ 
weiter  angeführt  iDerben,  voamx  mehrere  ^ifd;5fc  ba:  ber 
3wccf,  auf  Vüdd)cn  bie  ©ijnobc  l^inarbeitete,  n?ar  —  ben 
£)ccibentalen  bie  (^ntfd^eibun^  ber  at^anaftanifc^cn  ©treitig^ 
feit  in  bie  Ädnbe  ju  fpielen:  unb  boc&  tt?ar  ber  ^auptfi^ 
ber  ©treitigFeit  im  Orient.  Die  r5mifd)e  ®clt  trar  bamal^ 
^\rifd;cn  jnjei  S^egenten  get^eilt.  (^onjlantiu^  regierte  Elften, 
©^ricn  unb  ^gvpten:  (^onjlanj  SEijrien,  Stauen,  ^Ifrifa, 
unb  bie  feinem  S3ruber  €oniTantin  entriffenen  q^robin^en, 
25ritannicn,  (^Jaüien,  Spanien,  ^ctbe  ^'aifer  fd)vicben  bie  ©9^ 
nobe  mit  einanbcr  auö."^)  5^un  erbic^te  man  fic()  ben  galt, 
iia^  ^arl  ber  ©r.  unb  Qlicep^oruö  miteinanber  eine  (St)^ 
nobe  au^gefd)rieben  Jdtten  :  unb  auger  ber  53erfd)ieben5e{t 
ber  Ülamen  tfl'^  gerabe  ber  gall,  tt?ie  bei  bcr  farbicenfif(^cn 
©ijnobe  —  ber  Äaifer  be6  ^ccibent^  mit  bem  Äaifcr  be^ 
C^rientö:  -^  n?5rben  bie  ©ijnobalfc^Iufl'e  blog  gried;ifc^ 
ober  Mog  lateinifi^  abgcfagt  trorben  fetjn?  SSurbc  ^art 
ober  9]icep5oru^  bie  (Bpraö^i  feiner  Sdnber  Jaben  bcr;? 
brdngen  laflfen?  Söar  eö  nicf)t  beinahe  not^wenbig, 
ta^  bk  canones  in  ben  ©prac^en  beiber  9lcid)e  fomojl 
lateinifd)  in    ber    @prad)e    b«6  IDecibent^,     ali    gviec^ifd) 


*)  Sie  Träumereien  be^  SSarontu^,  ba^  ber  romifcbe  Sifcfeof 
Suliu^  biefe  ©pnobe  jufttmmenbenifen  ij(^he,  mberlegt  bin= 
Uidtitnb  Pagi  Critica  in  annales  Baronii  ad  a.  346.  n.  V. 
3)te  ^eugntffe  beö  2ltl)anaftuö  in  feiner  anbern  ^ipologie,  in 
feinem  33rief  an  bie  Ginjieblec,  unb  t(x6  eigne  ^eu^uip  ber 
farbicenftfc^ett  SSäter  in  i^rem  ©pnobalfdjreiben ,  f(nb  ganj 
eutfc^eibenb. 


158 

in  bcr  <Sprad)e  M  £)vicnH  a&gcfagt  wörben?  Die  farbi= 
caififc^c  ©i)not)c  ijl  bte  einzige  iljvcr  2Irt  ^dne  bcr  fibru 
gen  grogcn  (©puobcn  tüurbe  ton  bcn  Üiegcnten  ^tucicr  t>er# 
fd)iebcncu  9ieid;e  sugleid;  auiSgefdjriebcn:  ouf  feiner  ivar  ein 
foId;c5  ©cmcii^e  occtbenta(ifd;cr  unb  orieiUalifdjcr  ^^dtcr. 
Sliif  ber  grogcn  9^icd«ifd;cn  luaren  auö  bcm  ganzen  £)ccibcnt 
nur  imi  Q3cfanbtcbcö  SBifd;of6  üonS^om  unb  S^ofiu^  S3ifd)of 
t^on  (Eorbuba.  SScnu  eö  ölfo  aud;  Dicllcid;t  M^  einzige 
55eifpiel  feiner,  ^rt  i|l,  bog  eine  €i;nobc  il)re  ^d)iu\\c  grie# 
d)ifd)  unb  (atelnifc^  ^ugleid;  obfagte,  unb  ^voax  mit  einem 
mcrflidjen  wec^fel^weifen  Unterfc^ieb;  fo  finb  aud;  bic  Um= 
ftdnbc,  unter  Jreld;en  biefe  <Si;nobe  gef;alten,  ttjurbc,  gan^ 
i)crfd;ieben  i?on  be-n  @d;{(f faleu  einer  jcben  anbern.  3"  bem 
faifcrlid;en  5ilu6fd)reiben  3ur  großen  e|5^cfinifd)en  <Si)nobe 
(im  3a[)r  43ij)-i?3ir^  3tt)ar  aud;  beiber  fü^öieftdten ,  fon?o^l 
SL^eobofcnö  öl^  93afentiman^,  gebßd;t:  ober  mc  i3erfd)teben 
tvai;  iiid)t  ha^  per^dltnig  ^\rifd;en  Slfccobofen  unb  ^aUmb 
niöii  Dün  bc-pt  p3pvl;d[tnig  a^vifd;en  (*on|mn^  un^  ^onflantiuö: 
lik  @t?upb.e  ipar^od)  eigcnt(id)  ^^cobofeuö:5lBerf.  ©oUt* 
e^  nuu,,nid>t  ;na4)  ^Itenji  be,m>,  waß  id)  bUi>cx  gezeigt  ^aht, 
in  tofjem  ©rabc^jjlp.rifijt)  et?ibent  fepn,  bag  mir  ^miM  Originölien 
t)on  ben  farbiccnfifd)cn  (3Jd)lüjKn,  ^aben,  bog  meber  bie  latci«; 
nifd)c  Urfuiibc  md)  bcr  gried/ijc^cn,  nod)  bic  gried;ifd;c  nacö 
bcr  (öteinifd;cn  v?crl)e|]ert  werben  foKe,  bag  feine  üor  ber 
önbcrn  ^or^ug  V)crbie4K;*  bag  ^ur  ^oüftdnbigteir  bei*  2Ifrcn 
biefer  ^tjnobe  fo  voo\)l  bic  (ateinifd}e  aU  gricd;ifd)e  Urfunbe 
gcr)üren.  Die  S3alfcr{nr  Jöbcn  Un  ^mciß,  ber  fi'ct)  für  l>it 
@faubtt?nrbig!eit  i^rcr  /pvpotiKfe  felbf!  awi  ber  ©cfd;id)te 
ber  ©ijnobe  fii^rcn  lagt,  gar  ntd)t  gezeigt  ober  entmicfclt: 
weil  id)  aber  glaubte,  bag  bic  gaujc  53ermut^ung  crft  Jier* 
burd)  me^r  ©etrig^cit  unb  ^id)t  gewinne,  fo  ^abc  id)  ijn 


139 

öu^gcfu^rt.  3ft  nun  alfo  bicfc  grögc  toUfowmcn  Berichtigt, 
fo  traben  mv  fct)ou  eine  wid;tige  ^rdmtfl*e  ju  SSeönttijortung 
bev  önbcrn  /  tie  ttJir  je^t  untevfuc&eii  trollen. 

gwefte  S^age:  SSon  tvctd^^r  2(u!torUat  tvar  ba^  far? 
biccnfifd}e  Sonctlium?  ungefal;r  vvie  baö  ntcdttifd^e? 
obev  tei  weitem  nid^t  fo  anfcl;nttd)?  S3Ja6  la^t  fid; 
tntt  {;i|^orifci^et:  @en)t^i;eit  t)on  bem  Stufel^en  fettter 
©d)luffe  xxady  bm  i^^erfd^tcbcnen  gerieben  ber  Ätrd^cnge* 
fd;id;te  unb  itad;  bcnj)erfd){cbcneu  Sdnbern  fagcu? 

§.  4* 
Diefe  gvacjc  mu^  fo  unpartciifd)  unterfuc^t  ircvben,  öl^ 
ob  fie  für  bie  Dogmatif  gar  fein  3"tere|Te  t)atu*  Sütic  ©e^ 
fc^id^tc  i\\  buvc^  t)U  bcjlanbige  9iüdftd;t  öuf  Dogmatt!  unb 
.bogmatifd)e  gragcn  mef;r  t)erit>irrr  unö  mcjr  öcrbre^t  worbeft 
öld  (Eoncilicn3efd)id)te..  ^in  ^^rotcil^^nt  fann  Mit  beitt  gr5gtc« 
3f^cd;t  fagcn,- baß  e6  für  i^n  gar  fein  3nterefle  Jabe,  xt>ai 
öud)  ba^  afiefultat  feiner  Unterfud)ung  fei>  Unb  wenn  auc^ 
t>ie  farbicenfifc^en  ^dter  ben  romifd>en  ^ifc^of  ju  bem  ge= 
madjt  l^dtten,  tua^  er  in  ^fcuboifi'bor^  Dcfretalcn  i^,  unb 
Itecnn  bie  farbicenftfd)c  igwnobe  eben  ba^  Slnfe^en  ge^a^t 
Jdtte,  olö  bie  nicdnifc^e :  fo  binbct'e  i§n  nid)t,  tMi  Mt  mv* 
jebn  3al)rbunberten  dnc  aufel;nlid}ö  5at)l  Derfammelter  IBi* 
-fcl^üfe  befcblojTen  batte»  2lber  ber  Gat^oltfe,  er  fc^  t?on  ber 
jffrengcrn  (|urlali(lem^örtei  ober  t>on  ben  ^Scrt^cibigern  ber 
^ird)enfrei&eiten/:5at  .bei  biefer  Unterfud)ung  enttt>eber  ^u 
gewinnen,  ober  un^nblid)  mc(  ^  verlieren.  I5cnn,  folltc 
tag  farbicenfifc^e  ^ncilium  Sluftoritat  eine^'  ©cneralcon^ 
ciliumö  Ijrtben,  fo  lebt  mU  il)r  exid)tcr,  Dupinö,  gebro^ 
Hiuffe.    Unb  finb  bie  farbicenfifc()cn  canones  nic^it^  weniger 


140 

M  ©timmc  ber  ölfgemeincn  Äird)c,  fo  i(!  benjenlgcn,  welche 
bcr  Partei  bcr  ^ellavmine  unD  ^aroniuffe  folgen,  eineö  ip 
rcr  (^dvf|len  ^iftorifclKu  Slvgumente  entiiffcn.  5IUe  ©ruube 
uiib  ©cgcngvönbc  werbe  ic()  nidot  öufuftrcii,  fonbeni  imr  bic 
bunbigften;  benn,  befpnbcvö  bic  altern  ^uriaüilen  JaK'u  oft 
fo  ungefd^tdfte  ^pologi^ii  unb  fo  ubcl  paflfenbc  ^rce^^tionen, 
t}a^  cö  nid)t  ber  !DZu{>e  «?crtf>  mdre,  fte  an^ufujren  oDcr  ju 
tüiberlegen.  ^on  ^Öertfieibigcrn  ber  farDlcenftfd;cn  ©»nobc 
\vai)k  id)  blog  bic  iöallerini,  nebil:  Söaroniuö  wnb  S3(llar* 
min»  53on  if;ren  ©egnern  ober  5S)?avfa/  ^ic^er  unb  Dupin. 
S^le  pdrfjlen  ©runbc  ber  erjleni  ftnb  ungefejr  fol^enbc: 

§.    5. 

I«  ^te  farbicenfifd;c  ©ijnobe  Ijat  alle^,  wa^  man  mn 
einer  ofumenifc^cn  i^ijnobe  fobern  fann.  25aö  5Iu6fd)rciben, 
wobiirc^  bie  ^ifd)ofe  ^ufammeugerufen  tvurben,  ergieng  an 
jöUe  SSifc^bfc  ber  ^I;ri(^enjcit  (ober  rid)tiger  be^  vomifd^en 
9teid;.0:  eine  anfeftnlic&e  ^In^af;!  5Bifd)ofe  war  a«9^3f"*  ^^^ 
Sluftoritdt  beö  rbmifd)en  23ifd)of^  war  auf  bemfclben  befon«» 
berö  t^dtig.  ©oll  burcfe  bie  €'utweid)ung  einer  fcftirifc&en 
Partie  t>on  S3ifd;ofcn  ein  ©enerölconcilium  bloß  ^ur  ^arti^ 
lular!J@pnobe  werben,  fo  wdrc  e^  ja  immer  in  ber  Gewalt 
einiger  unruhigen  ^opfe,  eine  (5i?nobc  ^um  @cncral:f 
concilium  werben  ^u  laffen  ober  «id;t.  S)?ag  bic  cufcbiaui^ 
fc^e  ^Partei  immerf)in  ^u  ^^ilippopel  eine  ©cgcnfpuobc  ge^ 
galten  l^aben :  gieng'ö  bi>d)  auf  bcm  ep^eftnifd^en  (^wicilium 
eben  fo,  an  bclfcn  Siuftoritdt  ahct  nicmanb  zweifelt,  ungc= 
ad;tct  bd  t>ier5ig  23ifd;ofe  unter  bcr  ^Infu^rung  So^ann'^ 
\)o\\  3Inrioc()ien  fclbjl  in  ben  fOJauren  Don  (Jp^cfu^  eine  &Cf 
gcnftjnobc  bieten.  : 

(^0  lange  ni4)t  bic  SScgriffc  üon  bfumcuifc^er  unb  uic^t-- 


l'4l 

üfumenifd)er  (Spiiobe  genauer  unt)  einmüt^tgcr  Bcftimmt 
ircrbcn,  fo  lönge  ijl'^  t>crgebllcf)  hierüber  ju  jireiteti.  Denn 
wer  nid)t  nur  in  bte  öllgemeine  €o«Docat{on  feer  S5ifd;ofc, 
ober  in  bie  ©cgcn\tjart  ber  patriard)alifc^en  ©efanbtcn,  fon.» 
bcrn  in  bie  öUgcmeine  Slnna^mc  bcr  <^t;nobalfc()(ufi'e  ben 
a^ten  23egrijf  eincö  ©eneralconcllium^  fe^t,  ber  fann  öUe 
obige  ©d^c  ^ugebcn,  unb  bie  golgerung  Idugnen.  2II^benn 
njirb  bcr  ©treit  gemeiniglich  bogmatifd)  unb  Jijlorifct):  bö^ 
ober  tvdrc  ^icr  ^rrccfnjibrig,  golglid;  trirb  jtc()  t>k  Sßa^rjeit 
am  (t($erften  unb  fd;neKjlen  ftnben,  trenn  untcrfud)t  n^irb, 
wofür  man  im  vierten,  fünften  unb  fed)^ten  ^a1)vim\htxt 
Uc  farbiceuf{fd)e  ©ijnobe  ge^^alten  \)aU:  ob  für  eine  allge* 
mein  Dcrbinblic&c  ofumenifc^c  ober  für  eine  blo^  partüuldre? 
5)3cvtf)cibigcr  unb  Gegner  berfelben  nehmen  auö  biefcn  ^ciun 
ijre  ©rünbe:  wir  ihxm  je^t  noc^  allein  bie  erj^ercn»    5lIfo 

2»  Slt^anafiuö  nennt  in  feiner  anbern  Sinologie  t>k^ 
farbicenftfd^c  (^oncilium  Concilium  magnum  unb  ber  fRbm* 
25.  Sibcriu^  in  eben  ber  @d)rfft  be^  Sltjanaftu^  synodum 
ex  toto  orLe  coactam.  ©oUte  man  glauben,  tia^  gelehrte 
fOZdnner,  wie  ^allcrini  '•'),  folc^c  ©rünbe  fic^  erfaubcn  fonn^ 
ten.  ^It^anafiud,  für  ben  hk  farbicenitfcfeen  53dter  fo  t>or^ 
tbeil^aft  fprad)en,  wirb  bicfer  ©ijnobe  freiließ  rujmlid^jl  ge# 
benfen,  unb  ta^  fte  ben  Söeifall  cine6  r5mifci[)en  25ifd[)of^ 
^ahm  werbe,  baran  ^at  nie  jemanb  gezweifelt. 

25ei  weitem  wichtiger  ift,  Xüa^  fd;on  ^arbuin  unb  dow^ 
flaut  hl  ber  53orrcbc  au  feiner  (Sammlung  ber  pd^ftlic^cn 
©(^reiben  (col  566.  not  c.)  bemerft  Jaben,  t)a^  bie  «öä/» 
'^r  ber  conjlantinopolitanifc&en  ©i)nobc  tom  Söjr  382  einen 


*)  V.   tracl.   de   anliquis  collectionibus  et  collectoribus  cano- 
num  ad  Gratianum  usque.  Pp.  I.  c.  7.  pag.  5o. 


140 

M  Stimme  bcr  ölfgcmeincn  Ä{rd)c,  fo  i|!  benjenigcn,  tt)cld)c 
bcr  Partei  ber  23ellarminc  m\i:>  23aronluffe  folgen,  eineö  il;«! 
rcr  (!dr!jlen  feiftorifcOc»  5lrgumeute  entviflfeu.  2IUe  ©rünbc 
uub  ©cgcngröubc  trerbe  icb  nic^t  önfuOrcn,  fonberu  nur  bic 
bunbigften;  benn,  bcfpnbcv^  bic  dltcrn  ^uriaüften  JaK'«  oft 
fo  ungcfd^icftc  5(po(ogi^ii  unb  fo  ü6el  paflfenbe  ^rccptionen, 
bag  eö  nid)t  ber  ?[)Zuf)e  wcxti)  W)äxc,  fte  ön^ufujren  oDcr  311 
wiberlegen.  ^on  53crt^eibigcrn  ber  förD[cenfifd;en  @»nobc 
i»d^(e  id)  blog  bic  Sallcrini,  neb|t  ^Saroniu^  unb  Södlar* 
miih  SSoii  ifjrcn  ©egncrn  ober  5Q?itrfa^  diiä^cx  unb  Dupin. 
S)ie  |!dr!j!en  ©ruubc  ber  er(!cni  finb  ungcfejr  folgenbc: 

§.    5. 

!♦  25ic  farbieenjifd;c  ©tjnobc  J^t  öUc^,  wä^  man  Don 
einer  ofumenifdjen  ©pnobc  fobcrn  fönn.  Dai  2Iu^fd)rci5en, 
wobiircb  bic  ^ifd)ofc  ^ufammengevufen  tt>urbcn,  ergieng  a\\ 
öllc  S3if4)5fc  bcr  ^[;rij^en&cit  (ober  ricbtiger  be^  romifd;cn 
S^cic^.O :  eine  önfc6nnc()e  ^lin^aljl  ^ifd}6fc  war  zugegen :  bie 
5Iu!toritdt  be^  rbmifcben  S5ifd)of^  n?ar  auf  bemfelben  bcfon^ 
berö  t^dtig.  @oU  burcb  bic  €*nttvtid)ung  einer  fcftirifc^cn 
Partie  t>on  5Sifd)ofcn  ein  ©encralconcilium  bloß  jur  ^arti^ 
fular^@i)nDbc  ivcrben,  fo  trdrc  cö  ja  immer  in  ber  ©cmalt 
einiger  unruhigen  ^opfe,  eine  (5i)nobc  ^um  ©cncraf^ 
concilium  njcrben  ^u  laflfen  ober  nid;t,  50?ag  bic  cufcbiant^ 
fd)e  ^Partei  immerhin  3U  ^^ilippopel  eine  ©egcnfi)nobc  gc^ 
galten  l^aben :  gicng'ö  bod)  auf  bcm  ep^efinifdA'n  (SwKiüum 
eben  fo,  an  befcn  Sfuftoritdt  abc^?  nicmanb  aweifeft,  ungc^ 
ad)tct  bü  t>icr3ig  23ifd;of«  unter  bcr  ^nfü&rung  So|>ann'^ 
Don  2Inrio£()ien  fcI6(l  in  bcn  ÜiJ^auren  i)ßn  ^p^cfu^  eine  &Cf 
gcnftjnobc  hielten. 

^0  lange  ni<^t  bic  Söcgriffc  t?on  ofumcnifc^cr  unb  uicf)t' 


l'4l 

ofumeiiifd;cp  (Stjnobe  genauer  unb  einmutjlgcr  bcftImmC 
TOcrbcH;  fo  lönge  ift'6  t>ergeblicf)  hierüber  ju  jlrciten.  Denn 
wer  nid)t  nur  iit  bie  allgemeine  €out>ocatton  t)er  S3ifd)bfc, 
ober  in  t)ie  ©egentravt  ber  patriör(t)alifc^en  ©efanbtcn,  fon^ 
bern  in  bie  allgemeine  Slnna^mc  ber  @i;nobalfcl)lüffc  t^m 
deuten  25egriff  cineö  ©eneralconcilium^  fe^t,  ber  !ann  alle 
obige  ©d^c  zugeben,  unb  bie  golgerung  Idugnen.  ^l^benn 
wirb  ber  ©treit  gemeiniglich  bogmatifd)  unb  ^ifforifc():  ba^ 
aber  wdrc  Jicr  ^rrccfwibrig»  golglid)  wirb  jtc()  bie  Sßa^rjeit 
am  jtd^erjlen  unb  fcl;nelljlcn  ftnben,  wenn  unterfud)t  wirb, 
wofür  man  im  vierten,  fünften  unb  fec^öten  SöJrJuubert 
t)k  farbiceuftfc^e  (Sipnobe  gehalten  ^aUt  ob  für  eine  allge^ 
mein  üerbinblic&e  ofumenifc^e  ober  für  eine  blo^  partüuldrc? 
^crtjcibiger  unb  ©egner  berfelben  nehmen  au6  biefcn  ^ciUn 
i§re  ©rünbc:  wir  ^bren  je^t  no($  allein  bie  cr|!ercn.    Sllfo 

2»  SIt&anafiuö  nennt  in  feiner  anbern  Slpologie  \ik^ 
farbicenfifc^e  (Eoncilium  Concilium  magnum  unb  ber  9t5m* 
S3.  Siberiu^  in  eben  ber  (Sd)rfft  be5  Sltjanajtu^  synodum 
ex  toto  orbe  coactam.  ©ollte  man  glauben,  H^  gelehrte 
fÜidnner,  wie  ^allerini '-'),  folc&e  ©rünbe  jid)  erlauben  fonn^ 
ten.  ^t^anaftud,  für  ben  bie  farblcenfifcfeen  S3dter  fo  t>or^ 
tbcil^aft  fpracfeen,  wirb  biefer  ©ijnobc  freiließ  rü6mlid)(!  ge# 
bcnfen,  unb  \)a^  fte  ben  SSeifall  eineö  rbmifc^en  25ifdS?of^ 
Jaben  werbe,  baran  f^at  nie  jemanb  gezweifelt. 

23ei  weitem  wid)tigcr  ift,  xcai  fci[)on  ^arbuin  unb  (Sou^ 
flaut  tu  ber  53orrcbc  ^u  feiner  «Sammlung  ber  pdpftlic^en 
@4)reiben  (col  566.  not  c)  bemerft  Jaben,  bag  Vit  ^ä^ 
Uv  ber  con|lantinopolitanifc&en  ©tjnobc  i)om  3a^r  382  einen 


*)  V.  tracl.   de   anliquis  collectionibus  et  collectoribus  cano- 
num  ad  Gratianum  usque.  Pp.  I.  c.  j,  pag.  5o. 


144 

eine  govtfc^ung  t)et  ^iföiiifd)cn  ober  für  ein  neucö,  Don  iencr 
unab^dn^iöc^  €oncilium  öujufc^cn  feio»*^)  25cm  ^apjl 
Sodann  I09  öUeö  Uran,  eine  ^eja^ung  bicfer  gragc  ^u  er* 
galten,  bcnn  ijm  wdre  baburc^  gleic^fam  fcf)on  sunt  Q3orauö 
feine  brcifac^e  ^ronc  öerfid;ert  gcnjefen.  (^r  voav  ber  DIöc^^ 
folger  bc^jenigen  ^ap|Ie6,  beu  bie  :pifanifc()cn  «ödtcr  ern^d^It 
Rotten:  nun  konnte  ölfo  ba6  co(tni^ifd;e  ^oncilium  if^m  nid;t 
entgegen  fin;n,  wenn  e^  fid)  gfeid;  önfangö  erüdrt  ^dtte,  blog 
baö  SBer!  auö^ufü^ren,  treld;c6  t)ic  pifanifc^en  ^Bater  ange^ 
fangen.  Denn  ber  tra^re  ©inn  biefer  ^'rfldrung  tndre  aU^ 
bcnn  gewefen  —  blog  t)k  Slbfe^ung  ber  beiben  ©egcnpd^jte 
©regorö  unb  S5enebi!t^  ^u  i^oüfu^rcn,  2Iuö  alUm  bi^^erigcu 
erhellt  nun  fomel,  M^  eö  in  ber  Äirc^engcfc^id;te  gar  feine 
frembe  <Bad)c  ift,  tvenn  ^wei  53erfattimlungen ,  bie  and)  in 
jiemlic^er  ^eitentfcrnung  bon  einanber  gehalten  n?urbcn,  aU 
3ufammenl;dngenb  angcfejen  ti?crben,  t>a^  mvUid)  oft  bie  fpd* 
ter  gehaltene,  biejenige,  JDctc^e  bloß  aU  gortfcgung  angcfc^en 
werben  folle^  unter  bem  Flamen  ber  frühem,  b.  u  berjenigen, 
beren  gortfel^ung  fie  fci)n  folle,  angeführt  wirb:  unb  al^benn 
t(l  auc^  M^  gewig,  ^vod  (^oncilien,  t)k  ftd;  xiok  Einfang  unb 
gortfe^ung  gegen  einanber  uer^altcn,  muffen  ton  glcicl^er 
2lu!toritdt  fei)n.  ©oKte  t>iellcid)t  je^t  obige  golgerung  mcjr 
Deutlid)feit  unb  me^r  SBaJrfd^cinlic^J'cit  Jaben,  ali  fie  bem 
crjlen  Slnblicf  nacö  I;atte?  SlBenn  cö  gewig  ijl,  ba^  bie  Qllteu 
bfterö  (auf  ^k  ^engc  ber  ^Beifpiele  lommt  Jier  fe&r  i?iel 
ön)  \:>k  farbicenjtfd)en  ©cfelöffe  aU  nicdnifdje  angeführt  Jaben, 
fo  ijl  groge  Sßa^rfc^einlic^feit,  fte  Jaben  ha&  nicdnifc^e  unb 
farbicenfifd;e  ^oncilium  aU  cincö  angefejen.     @a^cn  (Te 


0  @.  ^etrn  donfiflorialrat^  SQaW^  miUjim  &er  Äirc^enwr« 
fammlungen.   ®.  810. 


bcibc  al^  cineö  an,  fo  muß  id)  jugcbcit,  baß  fic  bcibeu  auct) 
glcid;c  ^2Iiiftovitdt  beigelegt;  fo  ift  ein  Jpauptfal^  t)cr  fuvialifti^ 
fc()en  ^>artel  erliefen.  2Ilfo  nun  ^ur  Untcvfucl)ung ,  ob  e^ 
folc^c  25clfpie(c  gibt,  iro  fcjvblcenfifd;c  (gd;lujfc  alö  nicanifd)e 
angcfuf;rt  irevDen,  ob  biefe  25cii>ielc  fo  finb,  bag  fic  bereifen, 
unb  ob  fic  für  ein  fo  wid)tigc6  gactum  in  gcnugfamer  ü)2enge 
Da  fiub.  3c^  t&citc  X>k  ^eifpielcin  ^(aflfen,  um  i^ven  SßevtJ 
befto  getvifler  beurt^etlcn  3u  !6nnen:  t>a^  blo6  foId;c  beweis 
feub  jTnb/bic  öuö  bem  vierte«  Vi^  neunten  S^Wunbert  gc^ 
nommen  ivorben,  ücrjlc!)t  ficf)  Don  felbft. 

2)ic  crj'te  klaffe  cntl)d(t  Xik  ^a\o^m^t  ürientanfd)cr 
®i)Moben.  2)icfc  finb  DoUfommcn  ben?eifenb,  benn  orien^ 
talifd;c  @i;nobcn  werben  nid;t  M  2(nf;dnger  be6  r5mifd)cn 
33ifc^of^  t>ermut^et :  '  i()r  3»^"Ö»i6  ^^^^'ß  Ö^Ö*^"  ^^^^  ^^9"^ 
9^cd)te;  alfo  fe^r  bunbig:  unb  ba  man  überhaupt  im 
Orient,  n?o  \>[t  Partei  beö  SIriuö  unb  d'ufebiuö  weit  (Idrh'r 
war,  al6  bie  Partei  be^  Slt^anaftu^,  t?on  ber  farbicenfifd)cn 
@i;nobe  gar  nid;t  uortbeil^aft  benfen  fonnte,  fo  würben  ji0 
alle  Umfldnbe  vereinigen,  um  biefc^  3<^"9"iß  ^'^^f  Jjollfom^ 
mcn  beweifenb  5u  mad;en.  ^parbuin,  ^oujlant  unb  bic  S3aU 
Icrini  glauben  wirflid)  ein  fold}e^  3^'"9"^ß  gefunben  ^u  Ija^ 
ben.  ©Icic^  \>c^^  3al;r  nad)  ber  berühmten  antimaccbonia* 
«ifcf)en  ^ird)enüerfammlung  famcn  faft  eben  biefelbe  ^i^ 
fd)ofe,  weld>e  auf  biefer  waren,  nod)  einmal  nac^  ^onjlanti* 
nopel  ^ufammen.  ^iel(eid;t  wollte  i^nen  ber  ^aifer  2&eobo^ 
baö  @d)reibcn  mittjeilen,  woburd;  fi'e  ber  S5ifd;of  t?on  Olom 
ju  einer  allgemeinen  3"f^*"»^<^"^ii"ft  »ac^)  ERom  einlub,  unb 
wenn  5U  biefer  r6mifd)en  ©i;nobe  Dcputirte  im  O^amen  ber 
orientalifd)cr  ^rdlaten  gejen  füllten,  fo  fonntcn  biefe  freilict? 
©pitrier^  fdmmtl.  5öerf^  Vlii.  gst».  lo 


146 


nic()t  anberö  aH  auf  einer  @i)nol)c  gemd&lt  werben.  X:k 
^^evrlcl)tunc^cn  biefcr  ^weiten  conftantinopolitanifcfeen  5ßcr* 
fammlung  mögen  nun  aber  gewcfcn  fet)n,  i\?eld;c  ftc 
moUcn,  fo  ^at  un6  X^eoborct  (bist  eccl.  L.  V.  c.  9.)  ein 
fi:5r  mdjÜQi^  @i;nobaifd)rci(>en  üon  berfelben  aufbehalten, 
au6  n?elcl)em  folgenbe  ^orte  lieber  ge:b&;Veii:  De  admini- 
stratione  autem  singularum  Ecclesiarum,  cum  yelus, 
uti  nostis,  lex  oblinuit^  tum  sanctorum  Patrum  in  Con- 
cilio  Nicaeno  decisio,  ut  videlicet  singularum  provinci- 
arum  antistites  unacum  finitimis  (modo  ipsis  ita  visum 
fuerit)  Episcopis  ad  Ecclesiarum  commodum  habeanl 
ordinationes.  9lun  beißt  ber  nitdnifd}e  €anon,  n?e(d)er 
t)on  ben  £)vbinationen  banbelt,  bIo6  fo '-O*  Episcopum 
oportet  maxime  quidem  ab  omnibus,  qui  sunt  in  pro- 
vincia,  Episcopis  ordinari.  Si  vero  boc  difficile  fuerit 
sive  urgente  necessitate  sive  itineris  longitudine,  cerle 
omnino  tres  Episcopi  in  unum  debent  congregari,  ita 
ut  etiam  ceterorum  absentium  consensum  et  sentenlias 
per  litteras  teneant,  et  ita  faciant  Ordinationen!.  Pote- 
stas  sane  vel  confirmatio  pertinebit  per  singulas  provin- 
cias  ad  Metropolitanum. 

^pingcgcn  ber  favbicenfifd;c  Sanon,  ber  ])'kU^  öcbbrt, 
lautet  folgenbeimagen '"'^0  *  Osius  Episcopus  dixit:  Si  eve- 
nerit  in  una  provincia,  in  qua  plures  sunt  Episcopi  or- 


*)  V.  Codex  canonum  eccJesiasticorum  et  constitutionum  se- 
dis  aposlolicae,  in  III.  Tom.  Opp.  Leonis  M.  Ed.  Baller. 
pag.  5o. 
'^f)  V.  cit.  Tom.  .tertius  Opp.  Leonis  M.  pag.  591.  WO  eiwc 
fcf)r  alte  lateinifcbe  lieber fei.^unß  Der  farD.  @cl)lit|Te  \tcljt.  3m 
®rie*ifd)eu  iflMefer  (^^anon  ber  M^te,  beim  S^ionn^  m\\> 
3riJ)or  ber  fünfte. 


147 


dinandi^  unum  Episcopum  remanere,  et  hie  ob  quan- 
dam  negligentiam  noluerit  convenire,  et  (consentire) 
ordinalioni  Episcoporum  5  plebs  autem  conreniens  ro- 
get  fieri  ordinalionem.  Episcopi:  primum  oportet  eurn, 
qui  remansit,  per  litteras  primatis  Episcopi  provinclae 
hoc  est,  metropolitani,  commoneri^  <juod  populus  petit 
sibi  pastorem  dari:  aestimo  oportere  hunc  exspectar^^^^ 
ut  veniat;  et  cum  eo  fiat  ordinatio.  Si  autem  neque, 
per  litteras  rogatus  advenerit,  nee  scripserit :  satisfiei  i 
populi  voluntati  debet,  et  rocandi  sunt  de  vicina  pro- 
vincia  Episcopi  ad  ordinationem  Episcoporum.  53ou 
Rnitimis  Episcopis  ftc^t  alfo  ind)t^  im  canone  Nicaeno ; 
^imgcgcu  im  Sardicensi.  ^lllfo  muffen  bic  (^onftaiittnopolit. 
^dtcr  bicfcii  farbiccufifd;cn  (^anon  bei  (Eitirung  cincd  niaif 
«ifd;cn  gemeint  ^aben.  golgenbc  (^rünbc  i?erl;inbern  mid;, 
\>k\cv  i)??etnun3  beizutreten. 

1.  "Sft  ind)t  au  errccifen^  baß  bie  (^onftöutim  ^ätcx 
in  il)rem  ©i;nobaIfd;reiben  ben  (^anon,  tuorauf  ftc  ^icU 
Uli,  vohvtüd)  gcuöu  önfüf)ven  iDoüten.  ÖBav  e^  aber  ibrc 
5Ibfid;t,  iijtt  bloö  feinem  iSinnc  nad)  ön3ufül)ven^  fo  muptcn 
fte  beinahe  ba^  ©ort  finitimis  I^ineinfet^tn.  Um  bic 
Süeifefoflcn  ^u  crfparen  unb  bem  ianc^tii  Sluffc^ub  ber  Dvf 
binationen  ab^ujelfen,  erlaubt  ber  t>ierte  nicdnlfd)e  (^anon, 
ha^  e6  funftigf)in  an  brei  ^ifd)üfcu  genug  fei)n  foUe,  burd^ 
welche  bic  Drbination  gefd)ebe*  25ag  man  unter  bicfen  breien 
bie  brci  ndcjjjHicgcnben  t>crftef)c,  ergab  ftc()  ja  au^  bem  gan«» 
3cn  '^ii^ammaiiaiiQ ,  unb  bcfonberö  auö  ben  angegebene» 
Urfad;en. 

2.  3n  bem  Zitate  ber  (^onjtantinopolit.  ^dtcr  ^eij;t  e<5 
finitimis  Episcopis:  im  farbicenfifd^cn  dmon  aber  de  vi- 
cina provincia  Episcopis.   ^wd  ganj  t)crfd>icbene  2^ingel 


U8 


€^  wdrc  bic  {)c>d;fte  9^ad)lagi9fcit  im  ^itircn,  ttjcnn  in  bcm 
<S»not>alfd?rcibcn  roirÜid)  bcr  farbicenftfdjc  (Janon  angeführt 
fe^n  foUtc.  ©c^r  ofr  war  ein  Episcopus  ricinae  provin- 
ciae  nid)t6  weniger  aU  finitlmus,  unb  tnand;cr  S3ifd;of 
^attc  gar  feine  onberc  finitimos  öIö  Episcopos  ejusdem 
provinclae.  SBenn  f\d)  alfo  auc^  ber  im  @V)nobalfc^reiben 
angeführte  (5anon  nirgenb^  fdnbe,  fo  fanu  er  boc^?  fein  \atf 
bicenfifc^er  (ianon  ^cr)iu 

3.  Die  Berufung  ber  33ifc^üfe  einer  benad;bartcn  ^ro< 
öinj  iur  bifd)bftid)en  ^rbination  {lai  felbft  nacl)  bem  3n- 
5ölt  be^  farbicen(tfd)en  €anon^  blol  in  einem  einzigen,  ge= 
wig  fe^r  öugetorbcntlic^en  gaKe  (latt.  i';>ingcgen  bie  ^oiu 
(!antino^)oL  ^dter  berufen  ftd)  al^  öuf  ein  alteö  Idngjl 
5ergebrac()te^  ^erfommen  unb  alö  auf  bie  gemo^nlidK  or^ 
bentlid)e  Siegel,  ha^  bie  £)rbination  ben  benachbarten  ^^i* 
fd/ofen  ge{)bre.  Sßeld^er  ^ertjeibiger  ber  farbicenftfc()en  @i?* 
nobc  iat  fic^  noc^  jemals  unterftanben,  gegen  bai  einmü^ 
t^igc  ^cugnig  beö  Slltertbumö  ^u  bcf^auptcn,  baß  baejcnlge, 
waö  im  5.  can.  Sard.  in  ^nfe^ung  eineö  gan^  augerorbcnt* 
(ic&en  gall5  feftgefel^t  tt>urbe,  fcl)on  Idngftcn^  Dörfer  ©es 
wojnbeit  gettjefen  fei)?  Sffiic  f bunte  ber  farDicenjifd;c  ^auon 
vetus  lex  I)eigen,  ^a  faum  Siüan3ig  3a^r,  e^'  er  gemad)t 
ttjurbe,  auf  ber  nicdnifc^en  ©i)nobe  fclbft  nad)  bem  ©c= 
ftdnbnig  meiner  Gegner  t)a^  ©egcnt^eil  au^gcmad;t  wovfcen 
war?  3d)  will  e^  nun  gar  nid}t  weiter  entwicfeln,  weld;er 
niebertrdd)tigcn  ^(lüane,  ober  welcher  bebaurenöwürbigen 
Unwiffcnfreit  bic  (^onjlant.  ^dter  ftd)  fct?ulbig  gemac()t  Jdt# 
ten,  wenn  fte  ba^  M  orbentlid;c  Sieget  citirten,  wa^  bod) 
bloß  ganj  bcfonberc  23cftimmung  für  einen  bod;ft  augeior/ 
bcnt(id)cn  Sali  war,  ß:ince  i^m  beiben,  entweber  (^tifane 
ober  Unwiffcnbcit,    mug  man  bei  i^nen  i^wau^fe^en^  wenn 


149 

mau  behaupten  voiU,  jTc  Ratten  ^kx  bcn  farbicenjifcfecn  €a^ 
noii  angeführt. 

Dicfcö  if!  böö  einzige  '^cüQm^,  baömön  t)on  einer  oiu 
c«talifd?cn  @i;"ot)c  5U  ftnben  glaubte:  alfo  bleibt  für  bic 
crjle  ^(a^Te,  tjou  bereu  25eifpieleu  am  mcillcn  (Ben3ig(>cit  ^u 
(soffen  tüar,  iiad;bcm  bicfeö  einzig  bcigebrad)tc  3c"g"iß  n)i> 
berlegt  irorbcu  ift,  gar  nic^tö  me^r  übrig. 

§.    8. 

3ur  ^weiten  ^(afl*e  rechne  iä)  ^^uö^ific  üccibeuta(ifd)cr 
©ijnobcn  unb  cin3elncr  occibentalifct)er  53dtcr,  nur  burfen 
ed  feine  romifd^cn  23ifd)üfc  fc^n,  (Souftant  unb  hk  S3aUe^ 
rini  ^)  geben  einige  23eifpielc  für  biefe  klaffe.  3n  ben 
canonibus  Synodi  Romanorum  ad  Gallos  Episcopos^  bic 
©irmonb  ^uerft  bcrauögcgeben  iat,  unb  xddd)c  man  geuici; 
niglid)  für  ein  2Scrf  beö  ronufd)cn  23ifd)of5  Snnoccn^  I. 
Jdir,  ungeachtet  ^ouftantö  fO^einung  wa6rfc()einlid;er  ift,  bag 
fie  bcm  23ifct)Df  <Siricuö  Qc\)hxm,  in  biefen  canonibus  jtnb 
einige  53crorbnungcn  unter  bem  Flamen  ber  9licdnif(^cn  aixf 
geführt,  bic  bod;  @arbicenfifd)e  fei;n  follen.  3c&  ^'t>»nt|:  cö 
gcrabe^in  zugeben,  vodi  ha6  ^eugnig  einer  r5nufd;en  (^j)# 
«obe,  befonber^  einer  ford)en,  t>on  tt?eld)er  allc6  fp  im  ^oljcn 
©rab  ungctvig  unb  fd;wanfenb  ifl,  unmoglid;  mc^r  hf:\mu 
fen  fann,  alö  ba^  '^cüqiü^  cincö  romifdjcn  S3ifd}üfö  felbj;. 
5lber  cö  iji  nid;t  einmal  rid;tig,  bag  baejenigc,  xca^  in  tik-^ 
fen  canonibus  al^  nicdnifd;  freist,  nid}t  eben  fo  gut  au$  t>m 
nicdnifd)en  aU  farbicenftfd)cn  @d;(üffen  hergeleitet  wer- 
ben !&nnc.    Um  ber  Äür^c  willen,   unb   mil  f)'m  bod;  bic 


*)  erflerer  T.  I.  Epist.  Rom.  Pontlficum  col.  695.  696.  2€t^-- 
tere  in  bcm  obcnangefüfjrten  'irnftat  de  «niijjuiö  can.  co! 
lect.  pag.  57. 


150 

0ac6c  tiic^t  Dou  9lcic()cr  SSIc^tigfcit  i(!,  fönn  id)  Die  <BtcU 
Un  nic^t  auöfu^rlid)  ^crfc^en:  fecmjcnigen  aber,  bcr  fid)  bic 
^hf)t  nehmen  mü,  bie  58crgleid;ung  fclbj!  ön^uftcUcn,  lucrbe 
ic^  ücvjldnbüd)  genug  fci;n,  warn  id)  fage,  baß  bie  (Stelle 
ouö  can»  5.  n.  i3«  tteldje  fid;  auf  can.  i3,  u.  can.  2. 
Conc.  Sardic.  bc^te^cn  foll,  mit  gleid)  grofjem  9\ed)t  au(J 
bcm  zwölften  lucduifd^en  (beim  Dioup^)  hergeleitet  itjerbcu 
fonne.  Can.  5.  n,  16.  foU  au6  can.  Sardic.  i.  genommen 
fe^n*  €'ö  fommt  aber  bloö  auf  eine  fe^r  fd)tcf[id)e  un^ 
uatmlidK  d'vndvung  ber  ©teile  an,  fo  !ann  jie  ftd)  gar 
iDo^l  auf  can.  Nie.  i5.  be^ie&en  '0* 

5IBid)tiger  aU  ba6  bieb^vigc  tudrc  bie  (Stelle  beö  5?ie* 
ronjjmu^  im  84-.  ^i'icf  an  ben  Dceanu6.  @ie  ijr  fofgcnbe: 
Höc  in  Nicaena  synodo  a  Patribus  est  decretum,  ne  de 
alia  in  aliam  Ecclesiam  Episcopus  transferatur,  ne  vir- 
ginalis  pauperculae  sociotate  contempta,  ditioris  adul- 
terae  quaerat  amplexus.  25a6  folt  nun  genau  uberein* 
flimmen  mit  can.  Sardic.  I.  Osius  Episcopus  r^ixit: 
Quanto  magis  mala  consueludo  nocentlssima  est  rerum 
cori'uptione,  ab  ipsis  fundamcntis  eradicanda  est:  ul 
nulli  Episcopo  liceat  de  civilale  ad  aliam  civitatem 
transferri:  hujus  enim  caussa  occasio  maniffesta  est, 
per  quam  tales  tentantur.  Nunquam  enim  potest  Epis- 
copus reperiri ,  qui  de  majori  civitate  ad  mihöräm 
ti-ansferri  sludeat.     Unde   apparet  appetilionis  flagrante 

*)  (JoujTant  unb  hie  SBrtHertni  fagen,  im  mcämidfcn  (Janon  fep 
\>Iq6  bie  SSerfe^unö  ber  23ifc&6fe  öerbotcn,  aber  oöue  »veitere 
(Strafe,  al6  ba^  ie^er  tt»tebcr  ju  feiner  ^ird^e  öcbracfct  ivci'-- 
ben  folle.  9?acl?  ben  biö^frigcn  £efearten  b^ben  fie  recijt: 
aber  iw  ber  alten  lrtteinifd>en  Ueberfei,nm^,  melcDe  leitete  pag. 
582  IC.  brtben  abbrudfen  lafTe«/  (tebt  auebrüctlid)  babri;  aut 
si  redire  noluerit,  xommunione  piivelur. 


151 

modo  peruri  hujusmodi,  et  superbiae  potius  servire, 
ut  videantur  majorem  possidere  poteslalem.  3d)  laugiic 
Mcfe  Ucberclnftinimuiig  gar  \nä)t,  aber  fo  lauge  fid?  eine 
gleiche  Ucbcrcinftimmung  mit  einem  nicdnifdjcn  (Janon  fiubeii 
Idßr,  fo  \y^ä^  ido  uid)t,  voa^  crjrerc  bcit)cifcu  folL  ^?icr  i(t 
t>er  fuuf5c()iitc  nicduifd;e  (ianoiu  Wlctn  fc^c,  ob  iiid;t  ^?ic* 
voin)mii6  bicfcn  gemeint  Jaben  !5nnc.  3d)  fc^e  i^n  nad) 
fccr  vetus  interpretatio  latina  f)cr,  mcld;e  bon  ben  ^aU 
Icriui  3ucr(t  herausgegeben  würbe:  Quicunque  nee  peri- 
culum  nee  timorem  Dei  habentes  prae  oculis,  neque 
eccle?iasticum  canonem  seientes,  discedunt  ab  Ecclesia 
sua  Presbyter!  vel  Diacones,  vel  de  quibus  canon  sla- 
tuit;  hujusmodi  nequaquam  sunt  ab  alia  ecclesia  reci- 
piendi^  sed  omni  eos  necessitate  debere  compelli,  ut  ad 
proprias  redeant  parochias^  aut  si  redire  noluerint, 
communione  privari.  Si  vero  audet  aliquis  alterius  cle- 
ricum  in  sua  Ecclesia  promoviere,  fiatre  cujus  fuerat 
non  praebente  consensum,  secundum  canones  ördinalio 
ftxistat  infirma. 

3c^  füge  bie  3fiborifd}e  Ucberfe^ung  nod)  bei,  treil  bicfc 
an  einigen  ©teilen  I}icr  genauer  zutrifft,  unb  weil  ftd)  M^ 
benn  and)  au6  ber  5BergIeid)ung  biefcr  Ueberfel^ung>en  geigen 
fann,  tia^  man  nid)t  gcrabe^u  t)a^  Urt^cil  fprecl)en  barf, 
biefe  ober  jene  ©teile  fei)  nid)t  nicdnifd),  ttjeil  fie  ent\r>eber 
nid)t  im  gr{ed;ifd)en  Zcxt  ober  in  einer  bcr  (ateinifd;en 
Ueberfd^ungen  nic^t  i?orfommt.  9]cd;  in  feinem  biefer  aU 
teilen  ^oncilien  ijl  hk  xvaijvc  Sefeart  Dollfommen  hitifd) 
getreu  bcflimmt;  tt^er  alfo  cntfcfeeiben  n?ill,  ob  btefe  unb  jene 
©teile  Dlicanifc^  ifl  ober  ©arbicenftfc^  fct),  follte  erjl  btc 
lüa&rc  Scfcart  fefrfcl^cn.  3fiborfd;c  Ueberfd^ung  be^  funf^ 
5cf;ntcn  0]icdnifd)cn   Canons :     Propier    multas   perlurba- 


15U 

tiones  et  seditiones^  quae  fieri  solent,  placuit  omni 
modo  abscidi  istam  consuetudinem^  si,  contra  regulam 
repertus  fuerit  in  aliquibus  partibas  e  civitate  ad  civila- 
tem  transire  yel  Episcopus  vel  Presbyter  vel  Diaconus 
vel   Clericus. 

3ct)  9c|ieje,  md)t  cin^ufc&en,  xoaxnm  bie  Uebercinflim* 
mung  5tt?ifd;en  bicfcm  i5.  €cinon  unb  bcn  ©orten  be^  $ic? 
voupmuö  nic^t  fo  qvo^  fci?n  follc,  bog  man  glöubcii  Vonntc, 
5?icroin;ttui6  \)aU  bei  feiner  €itcition  biefen  ^anon  im  ©c: 
bacf)tnif  gel;abt.  3ni  ©ebad)tnig,  fage  id):  benn  er  ift 
öUegirt,  wie  nian*^  öu3  bem  ©ebdd;tniß  gcirof^nlid;  tl)wt: 
ojne  forgfditige  S3cibcl;altung  bcr  5Borte,  o^nc  t>a^  ^axat 
p^vfljTren  unb  ©lopiren  ju  Dermciben.  SBie  e6  mit  öUcn  M* 
Jcrigen  ^eifpiclcn  wav,  fo  ift  cd  öud;  mit  ber  ©teile  öuö 
bem  ©d)reiben  ber  Galla  Placidia  an  ben  ^aifer  Sl^eoboftu^, 
n)o  jtc  Don  ben  ©efanbten  beö  romifd;cn  ^ifd;ofö,  bie  rtuf 
ba^  (Soncilium  giengen,  fngte:  quod  secundum  definitio- 
nes  Nicaeni  Concilii  consueti  sint.  2luf  ben  bcfannten 
fed;öten  nicanifd;cn  ^anon  !ann  Jicr  gar  iroljl  cmgefpielt 
fcj;n:  eö  i(I  ölfo  nicl)tö  treniger  not^ig,  alö  ^u  ben  farbicen? 
ftfd;en  feine  3«P^«4)t  S«  nehmen. 

§.    9. 

IDic  britte  ^lajTe  begreift  S5eifpiele,  ivefct^e  ani  iSriefen 
ber  rbmifd;en  SSifdjbfe  genommen  finb.  Q:in  romifd;er  Ö5i* 
fc5)of  i(I  bicr  immer  $mc^c  in  feiner  eignen  ©öd;c,  benn  ber 
Sluftoritdt  feineö(5tu&lö  gilt'^,  ob  t)a^  farbicenfifd)e  ^oncilium 
t>on  gleid;em  ^Infc^en  i|I  <iU  böö  nicänifc^e,  unb  bog  f{c 
baö  ^u  bef}aupten  immer  fe()r  geneigt  geircfcn,  f)at  nie  jemanb 
gezweifelt.  Ucbcrbicf?  Traben  fclbft  t)ic  gefd;id'teften  ^crtbci^ 
biger  bcr  farbicenfifd)en  ©^nobt  eine  ircit  tt?öjrfd;einlict)crc 


153 

Urfact)c  öngcgcBcn,  voo^cx  c5  fomme,  baß  t)OU  bcn  rt>nnfc()c« 
$öifd)bfcn  incanlfd)c  unb  farbiccnfifd^e  ©d)lüffß  bftcrö  t>civ 
njcc^felt  trcrben^  alö  bicjcnige  i(x,  baß  man  jTe  für  gleich? 
gültig  gehalten  ^abc.  Sft  alfo  aud)  ba^  gactum  üoüfommen 
rid)tig,  baß  üonr6mifd)cn^ifcb6fcn  bic  farbiccnitfd)cn  ©djlujTc 
aU  nicdnifd)c  öngcfujrt  irevbcn,  ja  Ratten  aud)  üdu  bcn 
S3cifpiclcn  auö  bcr  crf!cn  unb  ^weiten  Äfafl*e  einige  zugegeben 
werben  muffen,  fo  i^  boc^  bie  Folgerung  falfc^. 

53i5^er  t>on  ben  ©runben  für  bie  Qlufrorität  ber  farbiccn^ 
ftfdjcn  @d)(uj]'e.  $Sci  ben  ©runben  wiber  biefelbc  werbe  ic^ 
mid)  nid}t  fo  lange  auf&aften,  bcfonber^  ba  einer  ber  fldrfftcn 
erjl  burd)  Erörterung  ber  britten  '^xaQC  in  fein  red;te^  £icf)t 
gefetzt  werben  fann, 

§.   10. 

5D?arfa  (de  concord.  sacerd.  et  imp.  L,  7.  c.  5,  n.  5.) 

nimmt  einen  ^?aupteinwurf  gegen  biefe6  €oncilium  bal^er, 
weil  e^  öom  ^pilariu^  unb  Epip^aniuö  concilium  occiden- 
talium genannt  werbe:  alfo  fei;'ö  feine  Q)eneralfpnDbe.  5Öenn 
ftd;  aud)  gegen  biefc  SD^cinung  be^  ^UxU  feine  cxegetifd;e 
Einwürfe  mad;en  liegen,  unb  bie  Erfidrungen  biefer  ©teilen, 
weld)e  üon  ben  S3allerini  gemacht  worben  (tnb,  weniger 
S[Öabvfd;cinlic^fcit  bdtten,  fo  folgt  boc^  barau6  nicfet^  3um 
9]ad)t6cil  biefer  ©i)uobe,  ha^  ber  gr5gte  2l)eil  feiner  ?8äter 
au^  £Jccibenti3lcn  beflanb.  (2o  6dtte  man  tk  große  nicduifd)c 
0i)nobe  mit  gleidjem  9^cd;t  Synodum  orientalium  nennen 
fonnen. 

2.  5[öenn  bie  farbicenfifc()e  6t)nobe  eben  ba&  ift,  \m^ 
bie  nicdnifd)e,  warum  ffnbet  man  fie  felbj!  Ui  ben  Sibmcrn 
nie  unter  bie  üier  große  ^pauptconcilien  ge^a^lt?  S^Barum 
wirb   immer  nur  ba^    Dlicdnifc^c,    Conftanttnopolitanifd;i:, 


154 

(fV^iKitiüfd^c  unb  Öyötcct)bhtfd)c  rtngcfujrt?  6cIb|I  tn  bcr 
professio  fidei,  bic  jcbcr  v6mifd)c  ^ifd;of  t>or  feiner  ^^r^ 
tinöttou  öblcßcn  mujltc,  ftc^t  fein  Sßovt  i^on  bcr  farbiccnft* 
fd)en  (Si;iiobc,  ungead)tet  alle  übrige  ©enerakoncilien  öufgc? 
3a{;It  werben:  imb  bi^  jum  €nbc  bcö  brci^ejnten  S^^r^un^ 
bcrt^  war  bod;  biefc  professio  fidei  (jlcid)fam  ^ansleiformel 
De^  romifd^en  <Stu{)I^.  M\o  bii  ^u  ^nbc  be^  brci^e()nrcn 
3aI)rE)unbcrt'J  bcit  man  hk  farbicenjtfd)e  (Si;nobc  felbft  ^u 
9?om  für  leine  ©eneralfi;nobe  crfannt,  60  trejfenb  bicfcr 
Einwurf  ;;«  fei;n  fd;e{nt,  fo  gibt'6  bod;  einen  2(ui3iveg,  il;m 
3U  enti^cljen,  SlBic  ber  ©ricd}c  fein  quinisextum  nid)t 
iai)Uc,  fonbcrn  unter  bcm  vierten  unb  fünften  fc^on  mit 
t>cr(tunb:  fo  ivurbe  ha^  (Sarbicenfifd)e  öud;  unter  bem  Dli? 
cdnifd}en-  ücrftanben,  X>ic  ©eneralconcilien  irurben  Jaupt* 
fdd;lid)  hx  9^ucffid)t  öuf  t)ic  ^e^ereien,  wcld)c  jte  anatf^cmö^ 
tiftrr-en,  oufge^a^^lt:  mil  '^ftlt  ber  SSann  be^  D^icdnifd)en 
unb  ©arbicenf{fd)en  nur  W  5irianer  traf,  fo  war  eö  nid)t 
not^ig  jebe^  befonber^  anjufü^rcn.  50ian  beruft  fid)  über; 
t>k^  auf  ben  ^,  3u|tinian,  bcr  a\\  mUxx  Dx'tcix  ^wcix  nur 
bic  \)Ut  ^eneralconcilien  anfut'rt,  aber  bie  farbicenfifcftc  ^xy- 
NObc  bed)  öeOumenicanl  nemic.  (Tom.  VT.  Concil.  col, 
393.)  SJa^  ^eigt  ttun  freilid),  auf  ein  jM^orifcfje^  gactum 
ttitt  einer  ^?i;pott>efe  öutworten,  unb  ^war  mit  einer  folc&cn, 
\>k  Im  ©runbe  nid)t  beflfer  i\l,  aU  eine  petilio  principü. 
Denn  ba^  ift  einmal,  btc  noc^  üncrwiefcnc  ipauptfrage,  ob 
hk  (5arbicenfifd;e  <gv)"obc  ffir  einen  fo(d)en  2In(}ang  ber  Oli* 
cdnifd)en  ju  gölten  fc^^.  ^iefe  53e3riffe  bon  Jortfel^ung  unb 
€*nbi3ung    einer    (Si;nobe   ixcid)   3tt»an3igjd^riijcm   3^^Md;cn» 


*>  Libcr  diurnin  Romanor.   Pontificum.    paris.   1680.  4.    pa^ 
32,  55  —   S7. 


155 

raunt  jtiib  für  hai  t>iertc  3al)vr)imbert  ml  in  funftlicl);  unb 
n?cr  tDirb  barin  ©riinb  genug  finbcn,  3n?ci  (^viioben  bcö# 
wegen  aU  (5ine  ^u  betrachten,  wdl  fic  fid;  niit  gleichem 
Objeftc  befd}aftigten,  ober  n?eil  i^re  @d)lüffe  o^nc  Untcr=^ 
fd)teb  nad;  cinanber  ()tun?eggefd;rtcben  tv>orben  finb? 

3.  Dupln  In  fetner  nouvelle  Libliotheque  des  au- 
teurs  ecclesiastiques '"9  fuf}rt  al6  einen  ©runb  gegfnble 
farbicenftfc|)en  ©djfuflfe  an,  ba{5  ftc  nid;t  in  bcm  codex 
Cftnonum  Ecclesiae  universae  flehen,  beu  bic  ^^alccbonts* 
fd;en  ^ater  befrdtigt  l^abcn.  ^^icfer  groj]c  ©eMrtc  begel)t 
Jier  einen  geMer,  rvdd)cv  t?or  unb  nad)  i^m  fo  un^dljügc* 
mal  begangen  irorben  ijT,  baß  inan  bie  <Bad)t  beinahe  für 
ganj  unftreitig  gewiß  anna()m,  ungead)tct  fetbf!  ta^  S3ud?> 
worauf  man  ben  3rrtf)um  fd)üpfre,  ^rdmiffen  genug  ^n 
^'ntbccfung  bcr  5[3af;rbcit  cntf;ielt.  X)k  gan3e  ^ad)c  i(t  fur^ 
Mefe.  Suftcll,  bcr  ftd)  um  t>a^  diteftc  fanonifd;c  9lcd}t  fo 
«n(Terb(id)  J^crbient  gemad;t  \)at,  Qah  i6io  eine  Sammlung 
0ried}tfd;er  canonum  ^erauö,  ton  xocld}^v  er  bejauptcte,  fte 
fet)  ber  codex  canonum,  ben  man  anf  ber  d?aIcebonifd;en 
©tjnobe  gebraud)t  ^at  *"'*):  benn  begannt  ijt,  baß  man  in 
ber  t>iertcn,  eilftcn  unb  brei^ejnten  (Sefficn  biefcö  Concilii 
gcwiflfc  canones  torgekfen  f)at,  unb  baß  befonberö  fogar 
noc^  bei  einigen  bcrfelben  beftimmt  war,  bie  wie  tjicfjlen  in 


*)  Paris  i685.   4*    Tom.  II.  pag.  329. 

**)  3)a  nad)  U^  altern  ^ufleU^  ^o^e  bie  tjerfdjiebenen  einzelnen 

(Sammlungen  alter  ^ircl)engefe^e,  tuelc&e  Diefer  nac^  unb  na* 

Ijerau^ijegeben  ^atte,  »on  feinem  eoOne  «nb  bem  «Boellu^/ 

nebft  nod)  mer)reren  jum  altetlen  fanonifc^en  med}t  ßcborigen 

€*riften,  in  ber  bekannten  Libliolheca  juris  canonici  (Paris. 

1661.  2.  voll,  in  fol.)  ebirt  nnirben:  fo  crl)ielt  biefer  codex 
canonum  Ecclesiae   universae   bm  crflcn  ^Ma^  IM  berfelbeu. 


156 


l)or  jDrbnung  fic  im  codex  gca^cfen  fctjn  "^0*  ^^^^  ^i'<Jf 
c§  (td)  t>oUfommcn,  bog  btcfe  canones  tu  bem  3u|^cUifd;cu 
codex  gerabe  aiid)  bie  ndmlld;e  Dhimmcrn  Ratten:  c6  wav 
fein  ©itnber,  t)a^  ftc^  cö  fo  traf,  beim  SuffcU  Jat  feinen 
codex  gör  ntc^t,  tvtc  man  t)crmut6cn  foUtc,  auö  einer  ölten 
jjanbfc^rift  fritifc^  getreu  abbrucfen  lajTcn,  fonbcrn  er  Ut 
feine  ^anbfc^rift  fo  lang  gednbert,  bi6  i^m  öllcd  auf  bic 
91ac{)ric^tcn  in  ben  Elften  bcr  d)aIccbonifd)en  ©pnobe,  unb 
in  mancf)en  ©tucfen  anä)  auf  bie  collection  Dionysü 
exigui  ju  ^a^m  fd;ien.  ©o  glaubte  er  alfo  bcn  codicem 
Chalcedonensem  wUhcx  Jergejiellt  ^u  I;aben.  2Beil  2)ioni)(5 
in  ber  53orrebe  ^u  feiner  Sammlung  melbctc,  er  ^ahc  bie 
farbicenfifc^en  @d}lüjTe  griec^ifc^  nid)t  ftnben  fonnen,  fq, 
fd)Ioß  3"fft'K^  ölfo  f)abcn  jic  bamale  nocö  iiid)t  gried)ifc^ 
erijlirt,  alfo  ifr  c6  bloß  Ueberfe^ung  fpaterer  3^'if<>'"/  ^^^ 
man  unter  biefem  9Zamcn  nod)  gried}ifd}  (»at,  alfo  it>aren 
bie  farbtcenfifd;en  0d;lujfe  ganj  getrig  nid;t  in  bem  €obcr, 
ber  auf  ber  d)aIcebonifc^en  i^i;nobe  gebraucht  ivurbe.  Unb 
ba  er  c6  mit  feinen  Olummern  grabe  fo  rid;ten  fonnte,  ha^ 
bcr  fec&^^etintc  antiod)enifcöc  ^anon  ber  fünf  unb  neun^igftc 
in  ber  ^rbnung  würbe,  (al^  hm  fünf  unb  neun^igften 
fubrtc  ittan  i^n  5u  (5f;aIcebon  an)  fo  freute  ftd;3uftell  red^t 
l^cr^Iic^,  ha^  er  bem  Siatö  feinet  greunbeö,  bee  bcrü()mten 
SaFob  !üed)ager,  mit  fo  großem  ©lucf  gefolgt,  unb  bie  ge? 
lehrte  5Bc(t  mit  einer  fo  n?id;tigcn  ^'ntbccfung  bcfd;enft 
l^abc.    Sßenn  nid^t  alle  biefe   9Zad;vid)tcn  au^  Sufttüö  eigc* 


*)  2ßer  bie  (StcUcn  ^etm  nöcfcfeOen  mochte,  xmb  ni<bt  gleich 
eine  (^Ducilienfammlung  bei  bcr  J>anb  Ijat,  firtbet  \ic  cxcct- 
pirc    in   Salmon    traite    de    l'etude    des     conciles    (Leipsic 

1755.  8.)  pag.  214.  etc.  unb  iö  ^pertfc^cnö  ^tflorie  bcs  fa: 
uontfd^e»  Oiedjt^. 


157 

ner  ^ovrcbc  genommen  xcaun,  fo  mügtc  c^  bic  gri)bftc  5}ev< 
laumt)ung  fd)eiuciv  jn?ci  ©elcjrten,  mc  £cd;a6er  unb  SujIcU 
iliib,  foId}e  ungereimte  <Bd)lü]fc  beizulegen,  alö  bei  biefem 
ganzen  53erfaf)ren  gemaci)t  Sorben  finb.  2Iu^  ben  Elften  bor 
c^alccbonifd^^n  @i)nobe  erbeut  gör  ixid^t^  voütcx,  a(5  bag  iu 
bem  ^ober,  worauf  üorgelefen  tvuvbe,  antiod;enifc&c  unb  ni* 
canifcl)e  @cf)(uffe  ftunben,  unb  bag  t)u  canones  in  ^iifam* 
menbdngenber  ^rbnung  gefd;rieben  irart^n,  fo  ta^  bcr  fcd;ö= 
jebntc  öntiod;enifd;e  aU  bcr  fünf  unb  neun^igjle  ge^dbft 
inirbe.  ©ober  fonnte  nun  Suftcü  mit  ^mi^^üt  m\\in^ 
voai  für  canones  bic  erjtcn  t)icr  unb  neunzig  tvören?  unb 
\)a  f{c6  bic  SInjabI  bcr  canonum  im  3uftenifd;en  codex 
Ecclesiae  universae  auf  jtt^ci^unbert  unb  jTcben  hdai\]t, 
wober  njugte  er,  wie  i?icl  unb  was  für  canonei  im  (i^aU 
ccbonifd;en  codex  nacf)  ^bem  fünf  unb  neun^igllen  ftunben? 
X)a  bk  ganjc  @tdr!e  beö  Dupinfc()en  ^inwurfö  barauf  be*» 
rubt,  bag  bcr  3uftellifcf)e  codex  canonum  wirflid)  ta^ 
fe»,  wo^u  i\)n  fein  jj)cvau^geber  gcmad;t  3U  l^aben  öorgab ; 
biefcr  aber  blog  burcl)  ben  b«nbgreiflid;iTen  ^aralogi^muö 
cntflanben  ijl,  unb  bcfonber^  bic  Unzulänglichkeit  bcr  Ur* 
fad)C/  warum  Sul^ell  bic  farbicen(tfd;en  ©c^lüflfc  blog  auf 
2)ionv)fen5  t>ermeintlic^c  Sluftcritdt  Jinweglicg,  genugfam 
gezeigt  worben :  fo  bewcij^  I^upinö  (Einwurf  gegen  bic  far^ 
biccnjtfcl)en  @d)lüflc  mö)t  baö  gcringftc.  X)er  Einwurf,  hx 
feiner  wabren  ©ejlalt  vorgetragen,  würbe  fo  b^gcn:  Sßeil 
Suflett  tu  \icn  codex  canonum,  ben  cr  ftd)  nacö  feiner 
^böutafte  grbgtentbeilä  fd^uf,  unb  für  ben  €^aIcebonifcf)en 
al^bann  ausgab,  bic  farbiccnftfcbcn  @d[)Iüffe  an^  bcr  Urfad)e 
m6)t  cinrücf tc,  weil  Diou)?^  ber  !leine  (te  nic^t  batte  grie? 
d)ifd?  finben  fonncn :  fo  ftnb  biefe  farbicenftfd)e  (Scl^lüflfc 
nic^t  ton  ber  ganzen  Äird;c  angenommen  gewefen. 


158 

©0  uitftd)er  ift  in  bcr  Äird;cngcfcl)ic^tc  \^k  5Iuftovirdt 
bcr  grüßten  Männer  l  (£-6  ij^  traurig  3u  fc^en,  n?ic  ölige« 
mein  fid}  tiefer  Sn't^nm  Don  biefem  öermeintcn  codice 
Ecclesiae  unirersae  ober  codice  Chalcedonensi  auegebrei^ 
tct  f)at*  gloren^  in  feiner  2It)I)anb(iuig  de  origine^  arte  et 
auctoritate  juris  canonici ,  njeld)c  im  erjteiv  ^(>eil  feiner 
5öerfe  ffe^t,  mad)te  €"iniüurfe  gegen  bie  5led)t^<:it  biefe^ 
3n|tel(tfd;en  codex,  bcfonber^  ttjar  bcr  rtD(3e  ^itel  beffcl: 
bcn  mef;reren  önftojjig:  ober  alle  i^rc  (Einwurfe  ntören  ent« 
iiöeber  biege  petitiones  principii,  ober  fonjl  Don  geringer 
25ebeutung.  91ur  i)m  S5allerini  blieb  bie  ^1;re,  b'ic  gan^e 
©ac^e  nid?t  allein  burd;  ©rifnbc,'bif  aitö  3«ftellö  eigner 
^orrebe  genommen  fiub,  fonbern  öud;  burc^  anbere,  auf  M* 
ttfauifd;e  j)anbfd)riften  ftd;  bc^iel^enbe  2lrgumente,  in  ba^ 
JcUfte  Sic^t  SU  fe^en.  V.  Appendix  ad  S.  Leonis  M. 
Opera  (Venetiis  l'jSj')  P«  i«  C.  i.  pag»  8  —  ii.  X>n 
iDid)tigftc  (I'inttjurf  gegen  hk  Sluftoritdt  ber  farbicenfifcf)cn 
©d;lüfl'e  bcn\l)t  auf  ber  Unterfud;ung  unfrer  britten  grage. 

3*  5Ba§  ijt  bk  Yt>al)xc  SQc\d)a^c\xl)dt  M  ©ttcitö  ber 
afriEatttfc{;en  SSdtet:  mit  hm  xbmx\d)m  23ifd)6fcn  ^ofu 
trtitö  mxb  SMcfiiu?  ^ie  war  c§  mh^lid),  ba^  t)ou 
tiefen  ein  paax  favbtcenfifci^c  ©d}Iuffe  für  «icdnifd;e 
ge{;aUen  tverben  Eomtteu? 

§.  II. 

Urban,  ^ifd)of  t>on  @iffa  in  D^umibien,  cvfommunicirtc 
ben  ^refbv)ter  ^ipmmß,  weil  er  ircgen  i?icler  groben  ?3er# 
brechen  oerflagt  itjorben,  unb  md)t  einmal  red)t  orbinirt 
ivar.  25em  dTfommunicirten  trdrc  tk  2l).'>pellaticn  on  eine 
^roüin^ialft^nobc  offen  gepanbcn,  ober  an  bcn  «Primaten  (benn 


159 

bcr  92amc  ?9?ctropoliran  ivav  in  Qlfrifa  md)t  recl)t  gewoljnlicl), 
un3ead;rct  er  and)  in  afvifanifcl)en  (^pnoben  ciiugemal  i?or# 
fümmt);  aber  t^a  fein  (^{)arafter  mib  feine,  gan^e  ^cbmßaxt 
begannt  xvav,  fo  Jattc  er  iDeniQ  5?ülfe  tjon  biefcn  jn  Joffcn. 
(^r  inanbtc  fi'd)  ölfo  an  ben  rbmifd^en  23ifcfeof,  unb  oer« 
langte  t)on  bicfcm.^c^u^  gegen  feinen  25ifd;of.  ID^nc  crjl 
Pm  Sifc^of- Urban  ^u  ftovcn,  ober  o^nc  jTd;  n)egen  ber  gu* 
Idgigfeit  Nefcr  ^ppcKation  SebcnFcn  ^n  n\ad)cn ,  fd)icft 
^ofimuö  brei  Segaren  nad)  ^ixi^Oi,  gauftin,  23ifd)of  t>on 
^otentina  in  ber  anfonitanifd)cn  'Maxf,  ^Jilipp  unb  21fell, 
^Mod  ^redIJV)terö.  üluf  einer  (Spnobe,  benn  bic  (5ad)c  voav 
i)on  33id)tig!eit,  unb  @ad;en  öon  5Bid;tig!eit  trurben  ba* 
nial^  immer  auf  ©vnobcn  tcvfjanbelr,  eröffnen  t>k  romifc^en 
l^egatcn  if;rcn  ^2(uftrag.  ^t  betraf  i>tcr  ^uni^te.  i)  Die 
SIpellationcn  an  ben  romifc^en  ©tu()l.  2)  X)a^  unnot^igc 
Steifen  ber  ©etitlid;en  an  ba^  f'aiferlid)c  ^oofTager.  3)  din 
©ei|l[id)er,  bcr  fid)  üon  feinem  25ifd;of  gefrdnft  glaube,  foll 
fi'c^  an  bcn  benachbarten  ^ifd)of  trcnben  fonnen.  4)  ^if 
fd;of  Urban  foll  ba^  ©efc^el}cnc  ^urucfne^mcn:  wo  nid^t, 
fid;  cntnjebcr  3U  fRom  ilcUm,  ober  foglcicl)  in  Slfrifa  cxhmf 
municirt  werben.  (X's  war  ein  feiner  ©riff  »on  S5tfc^of  ^o^ 
fimuö,  ba^  er  fo  ba^  ©ewiffe  mit  bcm  Ungewijfcn,  ta^ 
gan^  unzweifelhafte  unb  alte  mit  bem  ftreitigen  unb  ncus 
oufgcbrac()ten  ju  öcrmengen  fud)te.  Ulm  ^weiten  ^unlft,  ber 
t)orgelegt  wurbe>  jwcif^tc  niemanb:  baß  jlunb  gan^  un|Irci< 
tig  in  bcr  nicdnifc^en  ©^nobc  fclbff,  freiließ  aber  !am  auc& 
in  ber  farbicenfifcbcn  baöon  öor.  5lbcr  allgemeine^  €r(lau= 
neu  erregte  bcr  übrige  «Bortrag  ber  romifc&cn  Legaten.  9lad) 
bcr  bi^^crigen  ^ird)cnbifciplin  buvftc  burc^au^  nicl)t  an  bcn 
benachbarten  23ifcl)of  a)>pcllirt  werben,  aud;  wußten  bic  SBa* 
tcY  nid;t,  mit  weldjcm  S^cdjte  ^ofimuö  in  einer  6treirig!eit 


160 


tcr  afiüanifd;en  ^irc^c  \o  entfc^cibcnb  urtficKcu  föune.  (Eie 
gcftunbcn  ifere  ^^^cifcl.  Die  ©efanbten  beriefen  )iö)  öuf  ni* 
canifc^e  ©cl)Iu(fe.  91icdnifd;e  @cl;lu|Te?  2)lc  öfrüantfdjeu 
S>dter  ttievfren  aUc,  t>a^  biefer  if;re  Sluftoritdt  cutfd)eit)eiil> 
tudrc,  tretl  bie  tiicdnifd;e  6i;nobc  für  öUe  ^rot)tii5en  be6 
rbmifc^cu  3^eid;^  gunbamcntalcjefe^  iioar.  X)a^  dxcm^ßlav 
ber  uicduifd^en  (Sd;Iufl*e,  hit  23ifd;Df  (^dciliön  ju  ^art^ago, 
tou  bcr  @pnobe  felbj'^  mitgebracht  fiatte,  \m\)  aufijefd)lagcn, 
aber  —  hin  5Bort  war  t>on  bemjenigen  barin,  tvaö  bie  Se* 
gaten  vortrugen.  Dlun  nod)  erftauter  unb  wod)  3U''eifcI^after 
waren  bie  ^dtcr:  boc§  auö  2(d)tung  für  hm  crimen  ^ifd)of 
be0  ^ccibentö,  unb  weil  man  t)iclleid)t  bod)  su  §Kom  ge? 
nauere  (Jremplaricn  t)on  ben  nicdnifd;en  (5d)lüfi'en  6^^^« 
fonnte  aU  in  Slfrifa,  fo  cntfd}Iicgcn  fic  fid;  untcrbeß,  h\6 
5U  genauerer  Prüfung,  bie  ^ropofttion  ber  Legaten  unter  cini* 
gen.  (^infcferdnfungen  gelten  3U  laffen.  Slbcr  gicid)  3«  2In^ 
fang  bcö  folgenben  3^^rö  wirb  ein  (Seneralcoucilium  gc^a[? 
ten,  um  über  eine  füld;c  @ad;c  üon  allgemeinem  S^tereffe, 
\y)dd)c  ber  ganzen  »^pierarc^ie  mit  einemmal  eine  anbere 
gorm  geben  würbe,  be|to  rciflid;cr  gemeinfd;aftlid)  3U  rat^? 
fc^Iagen.  Die  romifd;en  Legaten  waren  felbjt  noc^  3ugegen, 
bö  bie  (5i;nobe  ben  fünf  unb  ^wan^igften  Wlai  eröffnet 
würbe.  3^^^^^)""^^^*^  ""^  ft'cb^c^n  ^ifd;ufe  nod;  außer  t)cn 
jle^^enben  Diafonen.  ^i^d)  ^erlcfung  ber  Snjtruftion  ber 
Legaten  fam  man  miteinanber  überein,  ©efanbtc  nac^  €on^ 
(lantinopel,  2I(eranbrien  unb  Qlntioc^ien  3U  fd)icPen,  um  t)on 
biefen  Äird)en  beglaubigte  (Kopien  ijrer  nicdnifd;en  ©cj^lüffc 
3u  erhalten. 

S3efonberö  wichtig  war  ta^  ^rcmplar  t)on  ^onftantif 
nopel,  weil  man  cö  für  baö  £)riginal  Jielt.  Den  rbmifc^en 
53ifd;of  S5onifaciuö   (biefer  war  feit  biefen  ^er^anblungcu 


161 


t)cm  3ofimu«  nac^gcfofgt)  tvolltc  mau  bitttw,  glcicbfallö  ©c# 
fanbte  an  bicfe  .^ird;cn  3U  Wicfcn^  bamit  öUc  Slvtcn  öoii 
?Sctru9  unmüjjlid?  gcmad;t  ivuvbcn.  Slplariuö  \rurt>e  tn^ 
gwifc^cn  tijiebcr  iii  bic  ^ird)cngcmetnfd;aft  öufgcnommcn, 
ober  will  bod)  bie  Gegebenheit  grogeö  Sluffc^en  gemocht 
Jötte,  unb  man  öuc^  bem  23ifc().of  üou  ©iffa  einigeö  SRed^t 
woKtc  rciberfa^ren  laffen,  fo  iturbc  ijm  tjerbüten,  bei  ber 
^irc^c  i>oii  ©iiffa  irgcnb  eine  öotte6DJcnf!Iicf)c  ^pönblung 
5u  t>erri(^ten:  fonfl  für  etile  anbere  ^irc^en  befam  er  gdnj* 
lid^e  Srci^cit.  £)l;ne  mid;  iu  bie  ^r^d^lung  bcö  ^erjöltenö 
ber  r5nnfd)en  ©efanbten  ein^ulaffcn ,  ober  in  hu  (^wtwid^ 
lung  önberer,  s^ar  nid)t  uniüic^tiger,  ober  bod)  Jicr  nid)t 
gani  ^rvecfmdgigcr  UntjTdnbe:  fo  bemerke  id)  bloö  t)cn  dx^ 
folg  ber  surüdffommcnbcn  ©efanbf4)afr.  X)k  ^wci  nkanu 
fd;cn  (£d)Iüj7e,  worauf  ftd;  bie  gobcrung  bcö  romifd;en  23i< 
fd;ofö  grunbete,  würben  in  be«  C'rcmplarien  ber  Orientalin 
fd)cn  5lird;cn  nidjt  gefunbcn. 

$t3egen  ba^wifdjcngefommcner  politifcl)er  Unruhen  t>er^ 
50g  fic&  t>k  @ad)c  nod;  nngefd(;r  bi^  inö  3af>r  426,  ba  bk 
2lfvifauer  ijoni  ronufd)en  Gifd}of  ^Meftin  dn  fc^r  entfc^ei* 
benbe^  6cl)reiben  erfjieltcn,  bcn  ^refbtjter  SIpiariuiJ  Dolllg 
wicbcr&iT^ujlctlen.  2luf  ber  ®i;nobc,  x\^dd)i  t>mvcQcn  iix 
5Ifril'a  gehalten  würbe,  fagte  man  eine  2lntwort  ab,  tjoH  ber 
nad;bvucElid;rtcn  ^orftcllungen  gegen  ba^,  x-cai  \id)  ^olcfiin 
Sum  9^ad)t6eil  ber  afvi^anifd)en  ^ird)c  bcrau^genommcn, 
u.iö  bffonberö  beflagte  man  )xd)  ober  bö^  gcwalttl;dtige  iöc* 
tragen  beä  romifd^en  Segaten  gaufflnu^:  übrigen^  erffdrfen 
bie  Slfrifiincr,  feinem  -Borfabren  fcl)on  gefd)rieben  5U  b^^ben, 
bag  eö  hixK  nicdnifd;c  ©d^Iuflfe  fei;en,  waß  man  ibnen  mv 
ter  bicfem  Olamcn  borgelcgr  l;abc.  ^piariuö  gcjtunb  alle 
feine  fcbrccflic^c  ^erbred)cn,  unb  wxu^c  ölfo  auf  iw'i^  t?on 
epirtkr'jJ  fämmrl.  2Bevfc  Viii.  m  ^  xi 


162 

allen  9J^inifterialt?crrid;tmigcn  (Ju^gcfd)loffcn.    ©ein  ©cftant): 

niß  mußte  bcr  ^'t^rc  bcfifcn  fct)r   nad^t^cilig   fcpn,   t>cr  (id) 

feiner  mit  fo  öielcm  (Jifer  angenommen  ()atte. 

5(uö  biefcr  ganzen  ©cfc^ic^tc   erhellt  junacbfl  fo  tiel, 

bag  man   bic  farbicenfifc^en  6d}(uflrc  in  2Ifiifa  nic^t  unter 

bcm  Q^amcn  ber  nicanifd)en  gcfannt  (jabc:   aber   in  Slnfc« 

fiung  SRomö  entließt  bic  gragc,  wie  war  ci  mbglicb,  t^a^ 

man   bort  bic  @d)(ujTe  ber  nicanifd^en  unb  farbiccn(tfd?fn 

@i;nobi'n  »erwccf^feltc  ?  war    c^    abjid;tlic6c '  ^cnred^ölung, 

ober  lagt  jtc^  ein  ^ufall  crbenfcn,  au^  welchem   o^nc  53er/ 

le^ung  ber  ^örc  bcö  r5mifd?cn  23ifd)ofö  begreiflicj^  gemacht 

werben  fann,   wie  cö  ctvoa   jugcgangcn?    5(1  biefc  grage 

auegemad^t,   fo   wirb  ftc^  mit  ©cwig^cit  entfd)ciben  lajTen, 

wa6  bon  bem   Slnfcjcn  ber  farblcenftfcf)cn  @t?nobe  ju  ^aU 

tcn  i(l. 

§.     12. 

S3aroniu6  unb  25eKarmin,  bic  mön  immer  jueril  fra^ 
gen  muß,  wenn  man  bei  gcwiflfcn  bcm  romifcfecn  ©tu()I 
nacf^t^eiligcn  ©efd;id)tcn  allcr^anb  {ünftlidjc  ^^ipologien  Icfcn 
voiU,  bringen  mand;crlci  ctcnbc  Urfac&cn  tor,  wc[d;e  t^eil^ 
bie  2lut&cuticitat  bcr  auö  (^onflantinopcl  unb  2IIcranbricn 
naö;)  Slfrifa  gcfd)icftcn  nicanifd;cn  @d;löflfe  wibcrlegcn  follcn, 
tfji'iH  tiai  ^crfa^rcn  bcr  vomifcfjcn  ■Sifd)ofe  red)tfcrtigcn. 
■Bie  cö  gcmeiniglicf)  ge^t,  wenn  man  ein  offenbar  fa(fd;cö 
Sactum  3U  ücrt^cibigcn  unternommen,  bog  man  üom  ^hcxf 
glauben  auf  einmal  auf  bcn  uncntfdjulbbarficn  @cepticid^ 
mu6  berfdllt:  fo  ging*^  aud)  bem  53erfaffcr  bcr  ^ird)enan? 
nalen,  er  wagt  ipi;^'iot^cfctt  obnc  bcn  geringjtcn  ^urcicfjcnbcn 
bijtorifcI)cn  (^ruub,  er  läugnct,  wa^  boc&  icbcm  unparteii* 
fd)cn  Sefer  bcr  @cfcf)icbte  ind  5lugc  fpringt,  er  bleibt  tahci 
c6  feven  bocfe  nicdnifcl;c  ©ct)lu|Te  gcwcfen,  \\W  Jöpmuö  unb 

/ 


165 


feine  9?ai^foIgcr  gegen  Me  afrlfanifc^en  53dteT  öngefujrt  5a# 
ben.  löcUarmin  <*)  gejle^t  ^u,  bag  eö  farbicen(tfcf)c  (Sc^Iufie 
genjcfen  fcpcn,  aber  er  fagr,  wenn  eö  ein  geiler  fct),  bag 
ber  romifdK  Sbifc()of  <te  ölö  nicdnifc^e  angeführt  f)ahc,  fo 
fct)  biefcr  "S^^jUx  nid)t  großer,  alö  wenn  ^attiau^  (Söp. 
27)  ben  Seremiaö  jlatt  beö  ^acfeariöö  cirire.  Durc^  bic 
neuere  Äriti!  t|!  ijm  ^xcav  je^t  btefe  Snffön^  entriffen  wor* 
ben:  aber  gefegt  and),  ba^  fSeifpiel  wdrc  vcaiv,  liegt  nicfct 
bei  ber  ganzen  53ergleid)ung  eine  offenbare  pelillo  principJi 
3um  ©runbe?  (^Jerabe  barübcr  ijl  ja  ber  ©treit,  ob  bic 
nicdnifd)e  unb  farbicenftfd)e  @t?nobe  eben  fo  i>olIforameu 
gleic()gültig  gen^efen^  aU  ein  paat  ^rop^eten.  iD?an  ffnbet 
tioc^)  mejr  folc^e  apoIogetifd)e  ^runbc,  tit  alle  t)on  glet* 
c^em  ©c^Iag  füib:  unb  e^  laflen  fid)  and)  njirflic^  feine 
beflerc  Jeruorbringen,  wenn  man  einmal  ^u  bcwcifen  ftd) 
torgenommen  \)at,  ha^  ber  romifc^e  33ifd)of  nid;t  gefehlt 
iahe:  blüht  man  aber  blog  bahd,  t)a^  fein  geiler  feingej^ 
ler  abfid)tlid)er  ^So^Jctt  unb  ^?crrfcf)fud}t  fei),  wie  iüd)t  mu 
beutlic^  einige  5lat^o(ifen  ni\\i  ^rotcftanten  ^u  evfcnnen  ge^ 
ben,  fonbern  ein  Sc()[cr  ber  Ucboreilung,  ber  uacö  allen  Um* 
(Idnbeii  fe!)r  Ieid;t  begangen  n?crben  founte,  fo  i]t  '^ofimu^ 
genugfam  tcrt^eibigt,  unb  fo  votit  xdd)m  w»irflic^  gegruni» 
bete  Jijrorifcöc  53evmut5ungen^ 

ffienn  man  hd  ^eurtjeifung  biefer  ©acfte  Feine  anbcrc 
©runbe  iatte,  aii  bic  \id)  auö  bem  ganzen  53erlauf  ber  ©e^ 
id)id)tc  fclbjl  ergeben,  fo  irürbe  eö  ctt?ig  ^ireibeutig  fdjeinen, 
ob  gojimuö  Setruger  ober  23etrogner  genjefen.    Unbegreiflich^ 


*)  De  Romano  Ponlifice   L.  II.  c    25. 


iü^ 


ftljeint'6  frcilid),  bog  irgcab  jcniöiib  thuix  fold)eii  6trcic^ 
tv^gcii  \olUt,  n?ü  ed  immer  taiifcnt)  öCjjen  einmal  lua^v* 
fcl;eiii(tG()er  ijt,  bag  er  mif  bcm  ?L>crluft  feiner  ganzen  ^'^re 
fntbccfr  wcxbi,  ^BoUfornmen  rid;tig  war  ee  ^um  i>orauö  ^u 
i;)evm litten,  ba^  bic  QlfrÜancr  bei  Vorlegung  cine^  nicani* 
fd;eu  vSvnobtjIfd^iuJi'e^,  ber  i^rer  gan3cu  sßerfafiTung  mit 
einemmöl  bcn  bolligftcu  <Stog  geben  mugtc,  in  I5rcn  eignen 
(rvemplavien  nad;fcl;cn  \t>urben:  Slrifrofratcn  erfcnncn  i\\d)t 
fo  leidet  hie  33cfc^Ic  hi\\c\\,  ber  auf  einmal  mit  mi?navd)i^ 
fd;en  goberungcn  Jevi-^ortritt:  unb  bie  biege  2Ba()rfc()ciiilict)= 
feit,  t>a^  bic  2lfrifaner  in  if)ren  j?anbfd;riften  nac()fe6cn 
fonntcn,  mußte  beu  ^oftniuiS  t>on  jeben  bctrügerifd?en  53cr* 
fucl?cn  5urucfgcfd;recft  Daben.  25aö  2lngcbcnfeu  ber  nicdni^ 
id)tn  ©tjnoDe,  feit  mldi)cx  nod?  fein  Si^ljr^unbert  uerftoflTen 
irar,  mugte  in  aller  ©cbad;tnig  getri§  immer  frifd;  fei;n, 
t^eilö  rüeil  man  bod;  mit  bcn  Ölriancvn  bcftdnbig  nod;  5u 
fdmpfen  iattc,  tjcilö  weil  fcitbem  feine  fü  erlauchte  <Spnobc 
mefer  gehalten  itjovben,  unb  bic  nicdnifd)cn  <Scl)lü)Te  gunba^ 
mentalgcfcg.  für  ha^  gan^c  vbmifdK  fRcid)  n?aren,  Slßar 
alfo  nid)t  auc^  ol)ne  ha^  9^ad)fc^lagcn  ^u  Dcrmutl;cn,  ha^ 
biefcr  ober  jener  ber  afrifanifcfeen  ^I3dter  fid}  erinnern  fonnte, 
!U:  feineu  nicdnifc^eu  ©c^luffcn  nic^t  bergleidKii  el;mal^  ge^ 
Icfen  ju  ^aben?  ?)}?an  mü}5te  fic^  ben  ^ofimuö  al^  bcii 
bummjten  25etrugcr  t>DrrtcUen,  ircnu  er  bei  fo  ()ol>em  ©rabc 
ber  ®a^rfd)einlid;feit,  entbecft  ^u  rcerben,  bennod;  hie  ^a* 
^i  unternommen  ^dttc.  SIber  uod)  nidjt  genug:  fonbern 
t>a  möu  3U  Slom  fie^t,  \>a^  ©treit  über  ber  2lutl;enticitdt 
ber  t>orgelegten  nicdnifd^cn  <Bd)[i\^e  entfielet,  fo  cnvartet  man 
nod?  baö  JRefuItat  ber  gcnauef!en  Unterfuc^ungen,  fold)er  Un# 
terfud;ungen ,  n)0  man  ganj  unfc^^lbar  furd;tcn  mußte  eut» 
beeft  iw  werben.     €^   fd)eint  gcgew    alle   fciftoiifct^c   ©afr« 


165  1, 

f<tetnlicbfcit  311  fcpn,  bi.ig  fic^  and)  bcr  c^rgci^i^jitc  53ifcl)Df, 
nlc^t  biirc^  OUn^tücnbigfcit  gcbrungen,  fonbern  bloß  weil  er 
jc^t  ciiic  (i)elc9cn5cit  bö^iifcpn  glaubte,  feine  rcöicvMng3fud;# 
rige  ^rojefre  au^3ufu&ren,  einer  faldjen  üjtentlicl;en  ^xo^iuw 
riou  auöfel^en  foUtc.  2Iuf  ber  öubeiu  (Seite  juib  eben  fo 
tiefe  ©ruubc  gegen  beu  t&mtfcl>en  Sifc^of.  ©efc'^t  nud), 
bie  angeführten  canones  luaren  dd;t  gcroefcn,  fo  ift  boc^ 
fowojl  baiS  gan^c  SSetragen  ber  Legaten /aU  ber  ^u^ait  i^'t 
reo  2{ufrrag5  gegen  alte  a^iegcln  ber  23il(tgfeit  unb  bcd  SKcd}{5. 
3n  betbcn  bcrrfdyt  ein  2^on,  irie  bcr  Zon  bes  Dcfpoten  ifr, 
ber  3u  fd)vccfcii  fitd)f»  £)()nc  M^  ihbaii  nod)  gol;ort  tvor« 
ben,  foK  5lpiariu5  n)icber^ergeiTelIt  werben :  mit  bcr  grbiltcn 
91ad)gicbigfeir  bcr  afrifanifd)cn  55ater  finb  bic  Scgntcn  nfd)t 
jufricben,  unb  bic  gercd>tefren  gorbcrungen  bcrfelbcn  xv^lU 
fen  ftc  nid;t  gcfrattcn.  X)ic  2Ifrifancr  forbcrtcn  bcn  \bn\u 
fd)en  33ifd)of  ^^onifaciu^  auf,  nad)  i^rem  S5eifpicl  Qjcfan'bte 
nad)  (Soujlantinopcl,  Slleranbrien  unb  2lntiod)icn  ^ju  55efid)* 
rigung  ber  bortigen  nicdnifd)cn  Urfunben  3«  fd)fctcu,  \>ahüt 
feine  5lrt  beö  ^etrug^  öorgcf)en  fonnc,  warum  ()at  c^  So^ 
nifaciu6  nid)t  getOan?  2Bar  er  feiner  (Bad)c  ^um  tjoräu^ 
fo  gewig,  ober  fo  ungewiß?  ©oball>  bie  Kopien  bcr  nicd-- 
nifd)cn  <5d)(u(fc  t)on  €onflantiuopcl  unb  5([eranbrren  augc^ 
fommen  waren,  fo  fd)icftcn  ftc  t>'K  afrifantfd>en  53dter  nad) 
Slonr:  unb  boc^  war  ^Meffiu  nad)  bem  Herflug  einiger 
Sa^rc  nocf?  einmal  fo  breijl,  feine  gorbcrung  wicber^ofcn  3U 
laffen,  oI>ne  ha^  geringflc  öuf  bie  (^vceptten  ju  antworten, 
wefcf)e  mau  feinem  53örfabrcn  fo  bcurftmbet  'gemad;t  l)attc. 
^^  muffen  große  Sficfen  in  bicfcr  ganzen  ©rfcfeid^tc  fe»n, 
btc*  c6  unö  unmbglicb  mad)en,  t>on  bcr'' ganzen  '3)ad)c  oui 
bcr  bloßen  (^r^a^Iung  mit  (5)cwiß5eit  ^u  urt()cilcrt.  eo  ütcl 
fc^ctnt  rid)tig  ju  \cm:   futwcbcr   war  ^cftmuiV^^iiccl)  terwe^ 


166 

gencr  M  ^fcuboifibor  ober  er  ntug  feiner  (2acf)e  t)ollfom# 
ntcn  geroig  ^u  fepn  geglaubt  iahen:  bciin  fein  ganjc^  95e* 
tragen  ij!  entrccber  H^  25etragen  eineö  DoUfornmen  cbrli* 
d)cn  ^amu^,  bcr  im  Dollen  23ctt)uj3tfei;n  einer  geredeten 
©ac^e  red>t  breij!  unb  gerabe^u  Janbelt,  aber  burcf?  eine  un# 
glucPIidje  53evhiupfung  ber  Umjidnbe  einen  Srrtt>um  bc# 
l)a\x)ßtct:  ober  cö  ijl  baö  25etragen  be^  entfd;tDflfen|Ten  S5e# 
trugerö.  2öiß  cö  möglich  fep,  bag  fic{)  ^oftmuö  geirrt  Ja* 
ben  konnte,  werbe  id;  je^t  geigen. 

©c()on  au^  ber  ©efc()i(^tc  bcr  c^aIccbonifd;en  ^^nobc 
tat  man  langftenö  gercufr,  ha^  bic  canones  eljmalö  in  ^u« 
fammenl^angcnbcr  diü^f  --/»»c  ha$  bic  @d)lu|Tc  t>crfd;iebe' 
ner  ©tjnobcn  orbentlic^)  t)on  einanber  getrennt  irorben,  gleiclj« 
fam  aU  ein  ©ort  in  einem  Jinweg  gefct?ricbcn  n>orbcn. 
fOZan  Jat  bic  ^eobac{)tung  ^u  n)eit  öu^gcbe^nt,  ba  man  bc# 
Jauptete,  fic  treffe  alle  alu  Codices  canonum;  auögcmad)t 
aber  ijt,  bag  fic  auf  mehrere  fotDoJl  gried;ifd)e  öIö  latcini* 
fd)e  ge^t.  2}on  bcn  erftcrn  bcireifl  eö  gcnugfam  bcr  codex, 
auö  n?clc()cm  auf  bcr  d)alccbünifd;en  @i;nobe  üorgelefen 
würbet  aud)  bcr  codex,  bejTcn  ftc^  bic  spif{t)ifd)c  25ifcf}5fe 
bei.i^rem  ^djxdbm  an  bcn  ^aifcr  Sco  bebicnten '"0-  ^«5" 
bcn  Icgtcrn  bcircijl  c^  Dionysius,  unb  einigermaßen  ber 
codex  canonum  ecclesiasticorum,  ber  im  brittcn  X\)C\l  bcr 
SSerfe  Sco  beö  ©rogen  abgebrucPt  i(l.  9}?an  ftebt  Jierauö 
tt)ie  leidjt  eö  möglich  war,  ben  €anon  einer  @v»obc  mit 
bem  (Sanon  einer  anbern  3u  i?erwcct)feln,  befonberö  wenn 
ber  t)erwed)felte  ^ano«  glcicl^fam  auf  bcr  ©rduie  (ag,    ent# 


*)  V.  Ballerinior.  tract.  de  ant.  can.  collect,  pag-  36. 


167 


wcbcr  unter  bcn  kiiUn  bcr  einen  ober  unter  bcn  crjlcn  ber 
flnbern  ©vuobe  war.  ©teilt  man  fiö)  auf  bicfc  2Irt  tor, 
baß  nicdnifcbe  unb  farbicenjtfc^jc  ^ä)ln\{c  in  einem  ^ufarn* 
mcnftang  gefct^vicbcn  werben,  fo  war  c6  fejr  Icid;t,  bcn  bicr* 
tcn,  fönften  farbieenftfd^cn  Sanon  uod)  für  einen  nicanifc^cn 
5u  {lalten,  befonberö  ta  Jpofiuö  aud)  auf  ber  ntcanifc^en 
<5i)nobc  eine  angcfe&enc  9^Dlk  fpielte,  unb  Jofimu^,  ivic  man 
a\\6  feinem  gaujen  23ctr03en  in  ber  pelagianifc^en  (Streitige 
feit  ftcf)t,  genjiß  nid)t  ^u  bcn  ©c(ef;rtejlen' geborte.  Da  aber 
iDcbcr  in  bcm  (^ober,  bcr  auf  ber  d;aIccbonifd?en  (Stjnobc 
gebrandet  ii?urbc,  noc^  in  bcm  (Sober,  ben  Dionv)ö  bei  feiner 
Ucberfc^ung  braiidjrc,  btc  farbiccnftfd;cn  @d)Iuflfc  unmittelbar 
auf  bic  nidiiifd;en  folgten;  le^tcrcr  fanb  fte  in  feiner  gric* 
d)ifd)en  j>anbfct)rift  gar  nid}t,  ob  ftc  im  cvjicrn  frunben, 
i\)ciß  man  nld;t  gcit)i0;  baS  wci^  man  genjig,  t>Ci^,  wenn 
ftc  t>axin  waren,  fte  gewig  nidjt  unmittelbar  auf  bic  nicd^ 
nifd;en  folgten:  t)a  älfo  ^n^i  fo  wid)tigc  Urfunbcn  gegen 
bicfc  unmittelbare  53erbinbung  bcr  nicduifd;cn  unb  farbicen^ 
fifd;en  canonum  ^cugen,  fo  muß  crj!  ein  fcfer  genauer  unb 
toUjldubigcr  ^ewci^  geführt  werben,  cIk  wir  ba»5  S^^t^MWi 
annehmen  f'onncn.    Die  ^cugen  finb  folgeube: 

I,  3n  bcr  fogeuanntcn  prisca  fofgten  bk  nicdnifd)ett 
unb  farbtc:nftfd;en  (Bd)lii^c  gan^  gewiß  unmittelbar  aufein* 
aubcr.  SSflaix  lajTe  ftc^  burd)  bcn  SIbbrucf  ber  prisca  beim 
Sujlell  nid)t  irre  mad)cn,  fonbcrn  öcrglcic^e  bic  D]ad;rid)tcn 
weld)e  S3alu3C  in  feiner  53orrebe  ^u  9}2arfa'ö  ficincrn  üBcr* 
fen  n»  10—13.  "0  liefert»  dUn  gcf;brt  bic  prisca  fcjr 
wa^rfc^cinlic^    in    ba^    (Eiibe    beö    fünften    ^a^rjunbcrtö; 


0  (Srcerpirt  finbet  man  fie  ttt  meiner  fritifc^en  Unterfut^ung 
bed  fecljiiöften  laobicenif(^eö  Sanonö. 


2)ion9€,  bcr  tu  ber  erftern  ip^ffte  bc^  fcd)$tcn  3aürtwi'bcn3 
feine  Ucbcrfc^uug  m\\i  (Sammlung  mcid)tc,  fanb  ft'e  fd;on 
t)or  jtd),  ^[fo  fd)on  im  fünften  Sa^r^unbcvt  gab  cö  Codi- 
ces canonum  in  bcv  Iarcinifd)cn  ^ird)c,  ircld;c  auf  bie  ni* 
cam^d)t\\  <5d;Iu|Tc  unmittelbar  bie  favbiccnfifd)en  folgen 
Hegen.  Söa^rfd^einlid)  n?urbc  t>ic  prjsca  in  Italien  ge^ 
madot,  t^eilö  ftnbct  man  ftc  am  ^aufigffcn  iu  ita(idnifd)en 
Sammlungen,  tU'iU  Derrat^  fid;  aud;  ber  ^IJerfafifer  bä 
Ueberfe^ung  be^  fcdjöten  nicanifd^cn  ^unonö  aU  einen  be# 
fonbern  Renner  ber  italianifc^en  ©ac^en,  unb  I^ionpö  fanb 
ffe  ^u  3flom  aU  geii^b^nlid;  gebraucht, 

2.  3n  ber  S}iitte  beö  fedjeten  ^abr^unbcrta  fd^vicb  ein 
2)ia!onui^  SU  ^art^ago,  gufgcnriue  gerraubuö,  eine  bre- 
▼iatio  canonum  ecclesiaslicorum :  in  bicfer  nun  maö^t 
ex  ten  leisten  nicdnifd;en  ßanoii  ^um  crften  farbiccnftfc^en. 
^r  begebt  ölfo  umgete()rt  gerabe  e^en  ben  geiler,  bai  $o^u 
mu^  begieng.  5)a  ftd?  fein  gefjler  nid;t  Ieid}t  auf  eine  bcf» 
ferc  2(rt  erfldrcn  la^r,  als  ha^  man  annimmt,  entn?eber  er 
felbjl  iahe  einen  codex  canonum  gcbabt,  wo  bie  cano- 
nes  in  fortlaufenber  Jajlenreifjc  unb  ^war  hk  farbieenfifdKn 
unmittelbar  nac^  ben  nicdnifd;cn  gefd;rieben  geirefcn,  ober 
fc{)on  ber  2lbfd;reiber  t^c^  codex,  ben  er  Dor  fid;  ge()abt, 
fei)  burd)  einen  folc^en  ^ober  ^u  biefer  fe&(erf)aftcn  ^btbei^ 
lung  verleitet  worbcn :  fo  ift  e^  billig,  ben  gefrier  beö  Söi* 
fd)of^  ^'^jtmu«  auf  gleiche  2lrt  ^u  crfldren.  5Sol;l  ju  mer« 
hn  ift,  bag  S^^ranbu^  blog  eine  breviatio  canonum 
unb  feine  Ueberfegung  fdjrieb,  fonbern  er  gebraud)te  t>k  la* 
teinifct?en  Ueberfegungen,  bie  man  ^u  feiner  ^(it  in  2Ifrifa 
featte:  fein  S5cifpicl  beweifl  alfo  nur  für  bie  larcinifdjen 
Codices^  unb  nid)t  für  bie  gried)ifd)en. 

3.  ©er  eine  gauie  SRei^e  üdu  ^?anbfc()rtfte«  angejetgt 


16« 

U\cn  vom,  in  welchen  öUcn  cum  {old)t  unmittelbare  53crbine 
tung  bcr  nicdnifd)eii  unb  farbicenfifcl)cn  ©d^Iujfe  ©tatt  f)at, 
t»cn  mug  id)  auf  bie  föaücvinifd}e  ^b^anblung  @.  59.  60» 
6i-  ücmcifcn.  ^loge  t)]amen  itiiirben  bem  Scfer  ntd)t5 
nu^cn,  unb  umjlanb(id)c  ^efd}rcibun3,  genaue  S5curt6ei(ung 
bcr  j'?anbfd)rifrcn  iDÜrbc  ein  gauje^  23uc^  erforbern.  (5^ 
wirb  unnot&ig  feijn,  sugleid)  3U  erinnern,  ha^  man  Ui  ber 
53aUcrinifrfKn  21bf;anblun3  nie  Dcrgefifcn  mug,  bag  man  c5 
mit,  einem  fc^r  gclc&rten  ^ertbeibigcr  ber  curiali(!ifd)en  S^Y)* 
potf)efcn  ^u  ti)m\  f)at.  SQ^and^c  ber  angeführten  Jeugniflfc 
beiüeifen  gar  nidpt^,  mand;ie  ben?eifen  ba§  nid)t,  wa^  ftc 
bereifen  foUcn.  £)aö  crftcrc  trifft  befonber^  bei  bcn  ?öei« 
fpielen,  n?oburd}  gezeigt  werben  foH,  t>a^  ai\6)  in  ber  gric« 
d)ifd;cn  ^ird)c  hd  ben  codd.  canonum  eine  foldjc  Serbin? 
bung  ber  nicdntfd)en  unb  farbiccuf{fd}en  (Bd)li\f\c  gcfunben 
tverbe.  <^k  berufen  fic^  auf  hai>  ©pnobaffc^reiben  ber  cou* 
jlantincpoIitanifd;en  ©tjnobc  t^om  ^a^v  382,  tro  farbiceu' 
ftfcf)e  @cl)lijiflfe  M  n{cdnifd;e  angefuf)rt  »erben.  Diefe^  5Sei* 
fpiel  i\i  fd)on  oben  tt?iberlegt  iDorben.  gerner  auf  ^k  ^Udi)p 
ric^t  be^  Olicol.  (Jomnenuö  ^^apabopolu^,  iveldjer  in  feinen 
praenotlonibus  mystagogicis  pag.  364  f^gt,  baß  2^^eobor 
^robromuö,  bcr  dltcjlc  unter  allen  griec&ifd)en  Sluölegern 
bcr  canonum,  ber  nod;  fru()er  lebte  al«  ^^otiu^,  tik  far«« 
bicenfifd;cn  6c{)Iöflfc  unter  bem  5?amen  ber  nicdnifc^cn 
anfüf)re. 

©0  lange  hk  6c()rift  bc^  ^robromu«  nid}t  gebrudft  ifr, 
unb  ^xüax  nacf?  fejr  glaubnjurbigen,  offenbar  unt)crdnbertcn 
^?anbfd)riften  gebrucft  ij!,  fo  lange  la^t  ftd)  nid}t  mit  ©c^ 
tt)i@6eit  urt^cilen,  m'd  ^apabopofuö  nur  im  Vorbeigehen 
glcic^fam,  biefc  3^acl5)ric^t  feinen  Scfcrn  Jinivirft,  o^nc  bie 
6teUen  ober  bie  ©rette  auebrucftici)  an^ufüjiren.    '^aix  Um 


170 


hmd)  t>aß  23eifpicl  bcß  q).  ^cujTönt  unb  bcr  S3allcriiü 
fclbfl  genugfam  gctvarnt  fci)u,  nid)t  allc^  für  ^(iifu^rungcii 
bcr  fflrbiccnjifc^cn  ©d^lüffc  ^u  Jaltcu,  iraö  gemeiniglich  ba* 
für  gehalten  wirb:  ubcrbieg  ijl  cö  bod)  bcfrembeub,  baß  bic 
93öltcrini,  irclc^c  fon|1  su  fo  biclcu  t>ovrrcjflicöcn  9}?anufcripi 
tcnfömmtungcu  unb  95ibliot[;cFcn  bcn  ^ntvitt  Jattcn,  gcrabc 
bicfcö  n)id;tigjtc  3^"3"iß  i"  6crid)tigcu,  fonjt  \rcitcr  uid)tö 
finbcn  fonntcn.  ©ollfc  t)k  ©d;vift  bcö  ^robromuö  nivgcnbö 
5u  finbeu  gctücfcn  fcijh?  Dbcr  J'Jtten  fie  ©runbc,  bicfcö 
^cugiiif^  feiner  ftrengcrn  Untcrfud)ung  ju  untermerfen? 

Sllfo  öKciu  latcinifc^e  J^anbfc^riftcn  fiub  cö,  in  tt?eld)fn 
lic  nicdnifd)en  unb  farbiceufifd)en  ©d)luflfe  fo  unmittelbar 
mit  cinanbcr  t>erbunben  fiub.  ^ic  (5)iünbc,  it?obiivd)  bic 
S3allcrini  ein  gleid;e^  für  bk  gvicd)ifd)cn  ^2flnbfd)viftcn  bc* 
a^cifen  tvollen,  fiub  bei  ii?eitcm  ind)t  binlangltd),  berufen 
ti)cii^  auf  falfd)cn  53ovau^fc^ungen,  tl^eite  ftnb  au3  rid^tigcu 
^orauöfe^imgcn  falfd)c  @d}luflre  gebogen,  ^mn  einzige  dou 
tax  orientalifdjen  Sammlungen,  wcber  bic  fi;vifd;c,  nod;  ir* 
genb  eine  bcr  anbcrn,  \vdd)c  bic  farbicenfifd)cn  ©d}!!!!!«-'  &ö^ 
Dcrhiupft  ftc  unmittelbar  mit  bcn  uicanifd)en,  fonbcrn  fie 
fi'nb  mciftcnß  unter  bic^articuIarfi)noben.'©d)lüjTc  gcjrcllt  "')• 
Diefcr  cl)araftcrirtifd)e  Unterfd)icb  bcr  Iatcintfd)en  ^?anb* 
fc^riftcn  Dou  jcbcn  anbcrn  Sammlungen  muß  feinen  guten 
©runb  in  bem  üor^ügtid^crcn  Slnfef^en  5<ibcn,  ba6  bcn  far# 
biccnfifd;en  Sd;IujTcn  in  bcr  Iateinifd)en  ^ird;c  beigelegt 
ttjurbc,  üiclleic^t  aud)  sugicid;  in  bcr  früheren  2(nna&mc  bcr.» 
fclbcn:  unb  mmx  bic  ©cfd)id)tc  bcr  Sfiborfd^en  Uebcrfcl^ung 
cinft  burd;  bcn  getreuen  SIbbrucf  manc(?cr  biöjcr  noc()  uubc* 


*)  6.  bit  bei  @rtlmon  (traite  de  letude  de«  concües  pag. 
275.  etc.)  angcfül)rte  9(ad)rici?ten  beö  Otcnaubot  a\i6  bcr 
pcrpetuite  de   la  foi.  Tom.  V.  L.  9.  c-  3. 


171 

nu^tcr  ijanbfd^riftcn  mcjr  öufgcfidrt  trerbcn  irlrb,  fo  lagt 
fic^  c^  t>icücid)t  jur  tJollFommenftcn  ^Iftorifdjcn  ^t)ibeiij  brin* 
gen,  ba^  bicjcnigc  lateinifd)c  jpanbfd;rifti:n,  in  tvcicfccu  eine 
folcfec  53erbiubung  bcr  nicdnifd;eir  unb  farbicenfifcfecu  6d)lujfc 
gcfunben  tvirb,  überbieg  mei(!en5  nur  italidnifc^e  ^?önb* 
fd;rifrcn  nnb  romifc^en  Urfprung^  ftnb.  ©djon  öuö  bcn 
9^ad)rid)ren,  bie  man  bind)  ben  gelehrten  gleig  bcr  S5öUc» 
rini  erhalten  f)at,  erteilt  fo  tiel,  baß  uon  benjenigen  ^panb» 
fdjriften,  bie  man  jel^t  fd}on  fennf,  mcljr  aU  ^mi  Dritt^cile 
ganj  gctvig  urfprunglid)  auö  Stallen  ^crjiammen:  alfo  cu 
gcntlicb  ntd}t  ber  ganzen  latetuifd)en  Äird)e  ©efinnung  bc* 
TOcifcn,  foubern  iod;ften6  t)k  ©cj^'unung  ber  italtdnifci^en 
^ird)f. 

Sel^t  wdrc  alfo  ölleö  t)or()crclt?t  ju  ^-ntfdicibung  bcr 
wid^rigcn  S^-agc:  tvav  hk  farbiccnf{fd;c  (^tjnobc  ohimenifc^^ 
ober  nicbt?  roaö  i\t  überhaupt  ton  bcm  SInfeJcn  bcrfelbeu 
^u  galten?  lagt  ftc^  au6  ber  ©cfd)td;te  bcr  öfrifantfd;cn 
i^trcirigifcit  ctx\)a^  gegen  btcfelbe  fd}(lcgen  ober  nic^t? 

Dag  mon  Hß  letztere  nur  nod)  fragen  fonntc,  nur  nocö 
barubcr  flreitenl  Sßenn  farbiccnfifd;c  ©^nobe  fo  ofumenifc^, 
fo  tJoUgültig  rrar  aU  ntcdnifcbc,  njarum  fagte  €6lejlin  Un 
ölfrlfanern  nic^t,  bag  fic  bcr  ©d)ulbigfeit  su  gejorcfcen  ba* 
burc^  nod)  gar  ind)t  entbunben  fci;cn,  wenn  fie  beriefen 
hatten,  bag  biefc  ©c^luffe  nid)t  nicdnifd;  fet)en?  2Barum 
erwarten  bie  <»fri!anifcf)en  5)dter  fo  gcrabe  ^u,  bog  md>ti 
aU  nicdnifd^e  ©cblöfie  fte  t>erbinben  fbnnten?  @elb(!  öu« 
2Ifri!a  waren  mehrere  auf  ber  farbicenfifc??en  @i)nobc;  alfo 
felbft  bei  einigen  bcrer  Äircf)cn,  hk  bod;  tf;rc  Deputirte  ^u 
©arbifa  gcjabt  Jattc»^  galten   biefc  ©c^lujfe  nic^t*    Die 


172 

rtfrifanifd)en  ©dtcr  fonnteit  bic  üorgelegtcn  ^c^Iuffc  nic^t 
mir  in  ben  nicdnifd)en  canonibus  nid)t  jtnbcn,  ba^  ^ob  ftc^ 
bii  21ufflarmig  ber  ganzen  (Sac^c  üou  fclbji:  foubcrn  fic 
ftMinteir^  in  i^rcn  ,Hircl)cnard?it)cn  ober  in  i^ren  coUectio- 
nibus  canonum  (am  5Iu6brucf  (tegt  ^icr  nid;t^)  gar  md)t 
ffnbcn.  T)k  23atlcrini  Dcrmut^cn,  fie  niugten  nld)t  rccbt 
gcfuc^t  Jobcn.  @e()r  unwa^rfdjcinlicb.  Einmal  bei  tincr 
fo  wict)tigcn  @ad)c,  bei  einem  einige  3a6rc  feinburc^  baureui 
ben  ®treir,  bei  einem  ©treif,  auf  ^e\\  man  fo  uiclc  ,^ofren, 
bie  Sofien  einer  eigenen  Scgötion  mö)  (5anfrantincpel  unb 
Slferanbrien  iranbte,  bem  ^u  Siebe  einige  ©tjnoben  gehalten 
jDurben,  wo  c€  nicbt  ber  €1)re  nnb  ben  ^Kedjten  be^  einzigen 
«Bifdjof  Urban^,  fonbcrn  ber  Unabf)angigfeit  bon  ganj  ^Ifrifa 
galt.  3^^^^^ni^/  nirgend  war  man  in  2lnf6ewa()rung  ber 
^i^nobalfcfelüffc  forgfaltiger  öle  in  Sifrifa.  Die  ^eifajTung 
ber  afrüanifdjen  ^ird}C  tcax  bü  weitem  arifIo!rarifd)er  aU 
bie  53erfapng  ber  übrigen  morgen^  unb  öbenbldnb(fd)en  Sir* 
d)en,  unb  feine  Sird)e,  ali  bic  afrifanifd)e,  Jartc  bie  ©e* 
n>of)n^eit,  bie  ©d)fujire  ber  i>orf)ergctenben'(Si;noben  auf  jcbcr 
©«nobe  n^iebcr^olen  ^u  lajTon.  ^Uii  fe^c  tic  ^ftcn  ber  bc* 
riUmten  förr^ag{nenfifd;en  ^crfammlung  t?on  419.  SÖJo  ein 
einziger  ber  SlrifloFraten  nad)  unb  nad)  ben  53ionard)en  ^u 
fpielen  fud)t,  t^a  fonnen  ©efe^e  unb  canones  nocb  unb  md^ 
in  53ergeflren&eit  gerat^en,  aber  gewtg  ba  bei  iDcitcui  fd;werer, 
iro  baß  fKc(i)t,  über  ber  Beobachtung  ber  ©efet^c  ^u  \\?ad)cn, 
unt>ert^eilt  bei  mehreren  ifl.  gfeuri)  •")  fagt,  bie  Donatiftcn 
hatten  bic  äd)tcn  farbicenftfd)en  ©djföflTc  beifeit  gefd)öffr, 
unb  bafür  bie  ©d;IüjTc  ber  örianifcf)en  ©cgcnfnncbc  ju  W\f 


*)  Histoire    ecclesiasli^jue    L,  XXIV.  pag.  5oo.   Ut    ÖCtaööU^- 
^ate  BruxelUi  1726. 


t  173 

lippopel  untergefc^obfu.  @ü\?ip  \{\,  bag  baö  ©V)nobaIfd;rei6eii 
bcr  Kt^rcrii  aud)  nnc^  2lfriFa  gefommcn,  unb  ^iDar  bag  c5 
iiici)t  öii  bcn  ort^oborcu  53if(^of  3U  ^artjago,  fonbern  aw 
X)i\\  bouatirtifd)cn  öbbrcgtrt  würbe  '"')•  ^^^r  nirgenb^  i(t  bic 
geringlte  @v>ur,  bag  bic  Donatrfreu  W  Elften  ber  rec^tmdßU 
9€n  farbicenjtfc()cn  6)pnobe  ju  t>crti(ge«  gcfui^t  Ratten:  unb 
gefeilt  ouc^;  bcnu  Dtig  jTc  benifelbeu  entgegen  waren,  Idugne 
xd)  nld)t;  wie  fonnt'  cö  i^ncn  gelingen,  ^a  25if4)Df  Gralus 
von  ^arffecigo  fclbft  ^"^^  ber  red;tmdgigen  farbicenfifd)en 
©wnobc  bcigcwoI;nt  ftattc,  ba  er  alfo  aud)  felbft  t>on  ©ar^ 
^'xla  \>k  ©d)lü|Te  mitbringen  fonnte;  unb  fd?on  lange  watr 
SU  58ifd)of  ©ratuö  ^üUxx  ber  bonatijtifcfee  (Streit  in  bic 
bcftigftcn  glammen  au^gefc^lagen,  \>a^,  wenn  t)on  ber  ortfjo^ 
boxen  5))artei  bie  farbicenfffd;en  @d)(ü|Tc  wirflic^  einmnt 
angenommen  waren,  fic  gewig  fo  balb  n{d)t  t?erfd(fd)t  ober 
unterbrucft  werben  fonnte.  5l(fo  nic^t  einmal  groge  5[Babr* 
f*einlid;fcit,  i?ielwenigcr  I^iftorifdje  ©ewig^eit  )^at  glcuri)'^ 
53crmut()ung,  un^ead/tet  fte  bei  weitem  erträglicher  ij!,  aU  bie 
33allerinifc^e.  j?6rt  man  ben  ganzen  S3erlauf  bicfer  G)c* 
f4)ic^tc  ol)nc  allcö  53orurt6cil,  obne  irgcnb  fd)on  t)orI)er  für 
ober  wiDer  bie  farbicenftf4)eu  8c^(ujTc  Partei  genommen  ^u 
Jabcn,  fo  wirb  man  fiel?  \>ixx  Jufammenbang  aller  biefer, 
bem  erften  vScl)cinc  nac^  ftrcirenber,  SSegebcnJeiten  ungefähr 


*)  ^errn  ^enfiftorialratb  2öaW  ©efc^.  ber  Älrdjenoerf.  <B.  181. 

**)  Unter  ben  ©ubfcriptionen  feblt  jjuar  fein  92ante,  über 
er  fottimt  auöbructiid)  genannt  Dor  can  7.  Sardic.  (nacb 
ter  2lbtbfilun9  besJ  grieAifchen  Xertf^)  unb  ganj  geivi^  er- 
I)eat  aucb  ffine  Slnivefenbeit  |u  ©arbica  au^  bem  fünften 
(5anon  ber  ©ijnobe/  b'\t  unter  feinem  eignen  QSorfi^  im  3abr 
348  ju  ^art^flgo  ^ebfllren  »purbf.  r.  Hardaio  concil.  T.  I. 
»g   685, 


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fo  bcn!en.  951  Wof  ©ratuö  toax  3u  ©arbifa,  unb  Jalf  bic 
©cl)ltiflrc  bcr  (Spnobc  cnttrerfcn,  er  mag  (le  aud)  mir 
nad)  ^art^cigo  genommen  t)öben:  ober  er  mug,  aU  fclbll 
gegenwärtig  öuf  ber  farbiccnftifd;en  <5i;nobe ,  feine  gute  Ur* 
föc^en  gewußt  I;aben,  warum  er  biefe  6c()Iüfl*e  bcn  üjfcnt* 
liebe«  Sammlungen  ber  canonum  nid;t  beifugte.  2)ic  ui^ 
cdnifcf^en  ©cfelujfc  iawtcn  ftc^  ganj  rid?tig  in  biefen  @amm* 
(ungen:  warum  fott  ©ratu5,  befonberö  ha  \a  ber  2lfri faner 
in  t>m  farbicenftfct^en  @c()lufl*en  au^brucflid)  gebadet  wirb, 
nad;Iagiger  gcwcfen  fetjn,  aU  €dcilian,  weldjcr  ber  nicdni^ 
fd)en  ©i;nobe  bciwo^nete?  SlOaö  ij!  billiger  aU  ^u  fagen: 
©raruö  trug  bie  farbieenfifc^en  ©d^luffe  be6wegcn  nicbt  ein, 
weil  (tc  nic^t  waren,  waö  bie  nicdnifd)en  gewefen  ftnb. 

Statte  man  mehrere  9lact)rid)ten  üon  ber  ^efcbaffenjeit 
ber  dltejtcn  (^nmmlungcn  ber  canonum,  wie,  burd;  wen, 
auf  wcflfen  ^cfcf;l  neue  Canones  in  bic  offcntlid^e  ©amm^ 
lungen  eingetragen  worbcn,  ob  e^  um  biefe  "^dt  fd;on  ojfeut^ 
licl)c  Sammlungen,  ober  wenigftcnö  t>ffentlid)e  (Jremplare 
t)0u  ^M'iüatfammlungen  gegeben  —  Diele  ^crmut^ungen  unb 
5Ba()rfd)cinIid;fcitcn  1)at  man  über  biefe  gragen,  aber  feine 
biftortfd)  bofumcntirtc  9lad)rid;ten.  —  Statte  man  biefe,  fo 
liegen  fic^  wo^l  alle  Zweifel  beantworten,  unb  wa&rfd;einltd) 
würbe  man  bm  53ert^cibigern  ber  farbicenftfcl)cn  ©puobc 
einen  ganj  unaufloebaren  knoten  hiüpfen  fbnnen. 

§.  16. 

Der  nicdnifc&en  ©t?nobe  fann  man  alfo  bie  farbicenfu 
fcbe  nimmermehr  gleich  fcl^"^  ^<^""  baö -wdrc  fonf!  eben 
fo  Diel ,  al6  ben  23tfc^of  €ble(lin  einer  ^iemlid^en  unterieij* 
üd)cn  Ungcfd)icflid)Feit  in  ^crtbeibigung  feiner  fKcd)tc  ho 
fd;ulbigen.    Sie   war  alfo  nid;t  ofumcnifd;?  —  5ßic  man 


176 

büi  29ort  nehmen  will,  unb  xva^  man  )id)  unter  einem  ge* 
n?ü^nlid)  fo  fc^wanfenb  gebraud^ten  2Iuöt)ruc^  3u  benfcn  be* 
liebt.  3cl)  ^ctße  jcbc  6t?nobe  oFumcnifc^,  bie  burcb  baö 
ganjc  rS)nufd;c  Sf^cic^  auögcfcferieben  n?urbc,  ober  nacf)  ber 
$icrard;ie  fpdterer  3^itcn,  tk  an  an  alle  Dicr  ^atriarcteii 
öuö3ef(^)ricbcu  würbe:  bcnn  biefc  hielten  nrtd>  cmpfangnem 
2(u5fd)reibeii  bcö  Äaifcrö  t^re  ^atriarc^alfpnobcn.  ^^  i(l 
wunberlicö,  hei  blefer  ganzen  (Sad)c  an  bcu  ^ap(!  ^u  ben» 
fcn,  man  mußte,  um  bicfer  5?vpot(>efe  eini^n  ©c^eiu  ju 
geben,  tjor^er  olle  X)ofumente  unb  Jijtorifc^e  9lact)ric^tcn  ber 
fieben  crjlen  3ö&rjunberte  Derbrennen.  5(uf  biefen  ^atriar* 
c^atf^noben  würben  alebann  I5eputirte  Qcwäiit,  welche  im 
OJamcn  bicfcd  ganzen  ^atriarcbatö  ber  ©pnobe  beiirojinren. 
j^attc  ber  ^aifcr  einmal  eine  <Si;nobe  inö  gan^e  fRci^  an^f 
gefc&ricben,  fo  war  feiten  bic  gragc,  ob  wo^l  auc^  genug 
Söifc^ofe  fommcn  mod)ten,  um  bic  ganjc  ^irc&e  ^u  rcprd«' 
fentiren.  ^em  ^aifer  mußte  man  ge^orct^cn,  unb  eö  fam 
auc^  nid;t  fo  gcrabc  auf  eine  gewijTe  ga^l  on,  wenn  nur 
ein  numerus  ba  war.  Sm  fünften  unb  folgenben  3'a^r» 
l^uubertcn  lagt  fid)  auc^  mit  mehrerer  ©ewig^cit  Den  ber 
(5adi)C  urtf;cilen;  benn,  wenn  bic  2)cputtrte  ton  bcn  Dier 
grogcn  Patriarchaten  unb  alfo  aud)  Don  bcn  Dier  gro^ 
ßen  ^atriard)aU5[>erfammruugen  tia  waren,  fo  l)atu  man 
bic  SReprdfcntüuten  ber  ^irc^e  bcö  romifd^cn  ^ddi)^.  2Bcr< 
ben  bie  ^Begriffe  einer  ofumenifc^en  @i)nobe  fo  cnttoiddt, 
unb  benft  man  fid?  unter  ofu^ienifcö  burd)au^  nidi)H  anbcxß, 
alö  bic  cl)ri(ilid)c  Äird)c  beö  r5mifd)en  0?eid)ö;  fo  i(I  cö 
nicfet  5U  Idugnen,  bic  farbicenfif^c  6t)nobc  war  ofumenifc^e 
@i)nobe.  ©ie  war  t>on .  benjenigen ,  ^wif(tcn  welchen  ftc^ 
ba^  romifcfec  «Kcic^  t^ciltc,  in  alle  ^promn^cn  auögcfd)ricben, 
au6  ben  nuijlen   ^roinujcn  erfdjien  eine  jicmlidjc  Sln^ajl; 


176 


ob  fcfecu  nidi)t  au^  allen  ^roDinjcn,  unb  ob  fd)on  bei  rvci* 
Um  mehrere  anö  bem  Dccibent,  alö  auö  bcm  diente  tai 
fragt  nid)t3  ^ur  <^ad)c  bd.  ^ilud)  nac^  Slbfonbcruug  bcr 
Gufcbiauer  waren  immer  bod;  noc^  über  neunjig  ^ifd^ofe 
gegenwärtig:  waren  wo&l  mebreve  auf  ber  (p[)cftnifct)fn 
(Spnobe,  nad?bem  Sobann  ^ifd)of  j?on  Sintiocfcien  mit  fci# 
ner  Partei  ficb  getrennt  l)atul 

SIber  bfumcnifct^e  @i;noben  finb  bcgwegcn  nid}t  im« 
mer  allgemein  i>crbinblid)e  iSv)noben.  X^ic\c  ^mi  ^i* 
griffe,  welche  fo  ganj  i)On  einanber  t?erfd)iebcn  finb,  werben 
bcfldnbig  t>erwed)fe[t,  aU  fo  i^bllig  gleicbgültig  bebanbelr, 
\)a^  man  glauben  foKte,  i^r  Unterfd)ieb,  wenn  je  einer  ta 
fet;,  fonne  bon  ganj  feiner  ^ic^ttgfeit  fet)n. 

'^aix  fagt:  üfumeuifd)c  «gi;«oben  finb  untrüglich,  un# 
truglic^e  (5v)noben  finb  allgcmeinüerbinblicf;.  Daß  ber  ilircüc 
beö,  romifd)en  fKdd}^  ein  Privilegium  ber  Untruglic^!eit 
gegeben  fei),  ijl  wo^l  fd)werli(^  ^u  erweifen:  man  fd;reibt 
auc^  biefeö  53orred)t  fonjl  gcmeiniglid)  ber  ^irdje  über^au)>t 
unb  nid)t  ber  ^ircfee  beö  rbmifcbcn  D^eicfciö  3U,  folglich  Fann 
cö  aud)  nid)t  auf  ohimenifdje  »Stjnoben  paffen,  wenn,  man 
jie  in  bem  @inne  nimmt,  ben  id;  fo  eben  feftgefe^t  iahe. 
2lm  leid)teften  ftellt  man  fi'd)  wdI;!  bie  (gacbe  i^or,  m\m 
man  fid)  unter  ber  ©i^nobc  einen  Saubtag  für  geiftlid;c 
©act)en  benft.  Die  sperren  beö  ^anbtageö  fonncn  freiließ 
beffimmen,  ):\)a^  if^nen  gutbünft,  founen  M6  ©efel^  cntwer* 
fen,  fbnnen  entweber  burc^  53ertrdge  ober  auc^  felb|t  nacö 
«öcfc^affenbcit  beö  ebjefr^,  über  welc&e^  gerat^fcj^lagt  wirb^ 
ba^  groge  '^öcrrec^t  ^aben,  t)a^  ber  ^Regent  in  ibre  Sßcratb» 
fc^lagungen  fid?  nid)t  mengen  barf:  aber  wenn  cd  nun  bar? 
auf  ankommt,  ba^  ber  Entwurf  bcr  £anbtagöbcrrn  ©cfe^ 
werben  foH,   wenn  i>on   feiner  ^eobacfttung  ober  ^iierlcfeung 


177 

t):x  ®cnug  ober  53erlu(l  t)er  bfirgcrlic6:n  Siechte  öbtdnöcn 
foK^  alöbcun  geroig  Jat  ber  3fiegent  aui*  ein  SBort  Dabei  ju 
f|)recl)eiu  ©ein  (Siegel  muß  bem  ^ntrourf  aufgebrucft  reiben, 
wenn  er  biefe  G)u(t{g!eit  befommen  foU.  ^ejldtigt  ber  gürjl 
ben  (Entwurf  nicf)t,  fo  wav  ^wav  Sanbtag,  jinb  öuc^  <Bad)m 
auf  bem  Sanbtag  auögemacl)t  njorben,  aber  el  i(!  alle^  b(o^ 
©utad;ten;  ttjer*ö  t^un  xoiU,  tjut'^,  roer'^  nic()t  t^un  mÜ, 
Unix  beöttjegen  nid^t  geilraft  trerben,  ^nö)  felbf!  i>on  ben.» 
jenigen,  t)k  bö^  gcfd)eiterte  ©efe^  auf  bem  £anbtag  fe§r 
t>ertf)eibigt  Ratten/  i)<it  al^benn  jeber  ^ai  fRcd)t  nac^  feinem 
©utbunfen  lieber  ab^uge^en»  ©erabc  nun  fo  i(l  eö  mit  bm 
ofumenifc^en  ©^noben»  91id)t  bie  föifevlidi^e  ^ü^ammmU^ 
rufung,  ojne  biefe  bdtte  ja  o^nebieg  feine  üfumenifd)e  6i;nobc 
jufammenfommen  f&nnen;  nicfet  bie  groge  ^In^ö^I  ber  \>cv* 
fammelren  53dter,  \\\d)t  hk  ©cgenwört  ber  SBIfctofe  au^  ben 
t>erfd)ieben|ten  ^rotjinaen  —  baö  ölle^  macijte  nocf?  feine  @i> 
nobc  för  t)cn  romifcben  S3ürger  ^ur  t>erbinblicl)en  ©i)nobe/ 
fonbern  wenn  ber  ^aifer  hk  (^i;nobalfd)Iüflre  ^um  «Keidö^gefeij 
mad)te»  SlBo^er  fommt  t:)a^  aUgemcine  große  2(nfe^cn  ber  ni? 
cdnifd;en  ©i;nobe,  bag,  fobalb  ein  ^anon  berfelbcn  ange^ 
fujrt  würbe,  a\U  eilten,  ©ejorfam  3U  Icijlen?  Sßarum 
migfiuinten  hu  5lfri!aner  biefe  nid;t,  wie  t)k  farbicenftfcfee? 
£>ie  Urfad)e  jle&t  beim  ^ufebiuö  im  Scben  Sonflantin^,  (c» 
161 9)  wo  erjd^It  wirb,  bag  ber  ^aifcr  ben  (^cI;orfiim  gegen 
bie  nicdnifc^en  (Sc^IüflTc  burcl)  einen  eigenen  S5efel;l  allen  auf^ 
erlegt  b^be*  S)ie  ©c^lujfe  ber  conftöutinopolitanifcl^en  <Bp 
nobe  b<Jtren  Ui  weitem  nic^t  gleic^eö  ©lucf:  S^bßoboö  fett 
ibnen  jwar  aud)  M^  2(nfeben  offcntlidjer  ©efc^e  gegeben 
baben,  aber  man  betrugt  ftc^),  wenn  man  glaubt,  e6  b^be 
biefeö  auf  bie  canone»,  welche  wir  noc^  unter  biefem  9?amett 
©l^ittler^  (ammtl.  mxU  VIII.  m*  I2 


178 


i^abnx,  feine  ^JSejicJung.  Sd)  fc^e  v>oxaue,  xoa^  iö)  tiad> 
t)cu  ©rangen  meiner  Slb^anblung  Jier  «icfet  cnueifen  fann, 
t)i^Ö  bei-  5.  6.  unb  7.  (^anon  Cmd)  ber  Slbt^eilung  beö  ßricd;!. 
fd^eii  2:ertcO  undc^t  jTub^  unb  inä)t  au  biefer  (E^pnobe  gc* 
\)hxci\ :  nod?  finb  ölfo  bicr  übrig :  unb  hei  bicfen  t>icren  ent? 
fle^t  bie  gragc,  ob  c^  trirfid)  canones  ber  conftontiuopoU* 
tanifd)cn  ©pnobc  fetjen,  ober  t)ielleid}t  nur  (5*rcerpte  au^ 
beu  ^panblungeu  berfelben,  bie  fid;  t)k  SQätcv  gemöd^t  ^abcn 
mbgen.  Sei;  Hbc  entfc^eibenbe  ©runbe  für  t)a^  (entere,  bie 
iö)  aber  Jiev  nic^t  entivicfcln  fann:  unb  id)  ^ci^c  blo^  t)a^ 
SRcfultat  an,  bag  2^^cobo6  Diclme^r  bie  53erbömmung  ber 
niacebonifd)en  3n*tf;unier  ^um  af^eic^lgcfelj  Qemad)t  liabe,  aH 
ta^imiQC,  wa^  wix  unter  bcm  9^amen  ber  conftöutinopolis 
tanifc^cu  canones  befil^en.  ^a^er  Unuix  and)  biefe  ©djluflFc 
er(I  md)  bem  d^alcebonifcfeen  ^oncilio  felbjl  ha  ben  ©riedjeu 
tu  ijren  codex  canonum,  unb  wie  lange  fte  in  ber  occi* 
bcnta(ifd)en  Kird)e  nid;t  angenommen  worben,  i(t  bcfannt, 
dlcd)  ©rcgor  ber  große  fd)reibt  (L,  7.  Epist.  54.)  Romana 
Ecclesia  eosdem  canones  vel  gesta  illius  Synodi  (Con- 
stant.)  hactenus  non  habet,  nee  accepit:  in  hoc  autem  ean- 
dem  Synodum  accepit;  quod  est  per  eum  contra  Mace- 
donlum  definitum»  Öliemanb  leugnet,  l>a^  bie  conftantinDpo«^ 
litanifd;e  ©i;nobe  eine  bfumenifd^e  genjefcn,  unb  bod)  ftnb 
i^re  6d;Iü(fc  er^l  nad;  unb  nad;  burd;  freiwilligen  5Seitritr 
ber  ^ird;en  allgemein  geworben.  5Öo(>er  anber^,  alö  weil 
©d^lüffe,  t^ic  burd)  feinen  faiferlic^en  23efebl  au  9leic^^ge# 
fc^en  gemad)t  waren,  blo0  burd)  freiwillige  Unterwerfung 
©efe^  werben  fonnten?  S)ie  epb*^fi«ifc&c  <Siniobe  ()at  feine 
canones  gemacl)t:  man  laffß  pd;  nid;t  irren,  ta^  einige  unter 
biefem  Flamen  bei  2iliu^  unb  S3et)eribge,  bei  bem  le^tern 
Qmd)i\d)  unb  arabifc^  fielen:   ce  fiub  eigentlid)  nicfet^  M 


179 

Grcerptc  0116  ben  ^panbluugcn  bcr  ©i;«obe.*)  Wit  ben 
d;aIccbouifd)cn  ijTö  tviebcrum  gcrabc  wie  mit  bcu  ntcdnifd;cn. 
^aifer  ?[^arcian  beftdtigte  bicfe  (5d}Iufi'r.  t)on  nun  ön 
war  im  Orient  gar  nic^t  me^r  \ik  grage,  ob  man  9ef)ord)cn 
foUc  ober  nid)t.  Da^  3^cid)09efc^  war  einmal  ba.  ^pinge? 
gen  ^u  SKom  macf^te  man  freilid)  taufenb  SQenbungen,  unb 
ba^  fonnten  fte  auc^  mit  bem  größten  S^ec^t,  benn  ÜJJarcian 
war  nid;t  9^om^  ^?err.  I5a  in  bem  erjlern  c6aIcebonifd;ett> 
Canon  bie  ©d;luflre  aller  t)or6ergel)enben  Synoben  auf6  neue 
bekräftigt  werben,  unb  bie  faiferlid^c  5Sej!dtigung  ber  c^alce* 
bonifd)en  ©i;uobc  jegt  alfo  aud}  bcr  con(!antinopolitanifc^jen 
unb  anbern  ^u  jlatten  fam,  fo  war  eö  hin  SBunber,  bag 
ber  codex  canonum  bcr  ©riechen  um  fo  t)iel  früher  Dor 


0  ©a^  Me  epl)ffini|'d)e  ©ynobe  feine  canones  Qima<i}t  f)ale,  tfl: 
nidjtnur  bei  lyeitem  geiuiiTer,  al^  meine  chi^c  ^Sermutöung  t»on 
ben  conflantinopol.  ©cijlülTen,  fonbern  e^  Idpt  ]i(b  aud)  rec^t 
biflorifd?  bemonflratio  feigen.  5Iuc^  itjenn  id)  meine  2>ermutbun(i 
oon  ben  le^tern  nicl)t  beljaupten  rooüte,  fonbern  jugeben,  ba^ 
biejenige  canones,  ujelcbe  wir  unter  bem  ^tarnen  ber  (Ion|lant. 
Mm,  mttiidke  canones  fepen,  fo  würbe  mein  geführter 
55en)et^  baburcfj  bo*  nid)t  unüoüjldnbig.  @ere^t  H&eobofen^ 
ilVflättgnng  fep  roirfUcö  auf  bie  canones  gegangen ,  fo  wat 
e^,  wenn  id)  mid)  fo  anöbrücfen  fann,  eine  blo^e  (ian^Uih-- 
fldtigung.  (Jö  war  bem  Oiegenten  fein  re(t)ter  dvnfif  ba^  fie 
in  ©ang  gebrad)t  werben  foQten:  er  tl)at  e^  well  eö  bie  (Se-- 
wobnMt/  baö  Oiegentenanfeben  fo  erforberte;  übrigen^  l)6rte 
er  bie  ^))rote(lationen  an,  bie  man  bagegen  mad)te,  unb  brang 
riebt  auf  @et)orfam.  3)ie  ?Ü?aterie  jjon  ber  93ffldtigung  ber 
©pnobalfc&lülTe  burc^  bie  Oiegenten  erforberte  eben  fo,  wie 
bie  gj?aterie  von  ben  ^rdfibenten  ber  ^oncilien,  eine  ganj  eigne 
rlnlologifc^e  llnterfucfeung,  wenn  alle  SJerwirrung  in  biefen 
^D^aterien  gehoben  werben  foUte.  ^v.  (5onfi(l.  SBalc^  tjat  im 
fünften  Xbeil  feiner  »ortreffltdjeit  ®efd)idxte  ber  Äe^ereien, 
felbjl  au^  ben  (SdjicPfalen  ber  epOefin.  ©pnobe  gejetgt,  war? 
um  (le  gewip  feine  canones  gemacht  l;aben  fann. 


180 

Um  latcinifct)«]  t)cmietrt  rourbe.  ^(fo  ön  beu  ©cifpiclcii 
bcr  Dicr  grogcn  ^auprfpnobcn  iatu  i^  Q^<\Qt,  mt  \i)xt 
6c&Iö(fe  erjl  burct)  bic  S^atiftcirung  be5  S^cgcntcn,  ober  uieU 
mcfr  wenn  ber  9^cgent  jtc  hi  SKcic^^^efc^  t>crn?anbeltc ,  t^re 
t)oltc  ©ülttgfcit  erhielten.  X)k  con(Töntinopolitanifc^c  (Ev 
nobc  t^igt  in  ben  ^^nobölfd^rcibcn  ber  53dtcr  bc6  bafigcn 
Conc.  t)om  3ajr  382.  oecumenica  synodus :  unb  bod^  tfl 
jTe  langer  aU  ein  falbc^  S^&r^unbert  t^cilö  t>on  @ricd)en 
tidU  t)on  Sateinern  nicbt  angenommen  worben:  alfo  muß 
bic  9lot5tt>enbig!eit  ber  ^Innajmc  eineö  €oncilii  iiic^jt  eigene 
lid;  Darin,  t)a9  c5  ofumenifd)  ijl,  feinen  ®runb  ^aUt\,  fon* 
bcrn  barin,  weil  e6  ber  ^aifer  fo  befohlen  Jat.  91un  war 
bie  farbicen(tfcj)e  ©pnobe  burd)  feinen  faiferHd^en  ^Sefc^l 
3um  9lcic|)ögrunbgcfe^  gemac()t:  fet)  jte  alfo  immerhin  ofume^ 
ni^d)  gcwcfcn,  bic  5lfrifancr  fonnten  gc^orc^cn  ober  «id;t 
gc^orcf^CH/  wie  c^  i^nen  gcfteL 


181 


^ntbcitimg  5eö  wahren  SßerfaflTerä  tn  5(n^ 
gilramnifcl)en  Kapitel  *^'). 


5.    r, 

©owojl  Mc  @amm(cr  Der  ^cmxaUondütvi,  6uriü^,  @ir# 
monb,  55tniuö,  Sabbe  unb  anbcrc,  ül^  niic^  ^ar^Jcim  ui 
feiner  Sammlung  Der  teutfd)eu  €onciIien  **),  Jöben  ciu  fefic 
mer!n)urbigeö  Olftcnflucf  unter  bem  Zitü  capilula  Angil- 
ramni  abbrucfen  laflfen.  SBcil  fclbj!  fctjon  bcr  njajre  SHtcl 
bc6  ©tücfö  (Ireitig  i(l,  fo  will  id)  ijm  untcrbeg  nur  biefcii 
^njeibeutigeu  9Zamen  geben,  biö  ic^  unten  ^k  <Bcid)c  genauer 
unterfucJ?e.  gör  bie  ^riti!  i)t  biefe^  ©töcf  freilid)  üon  feinem 
Söertjc,  benn  cö  enthalt  fajl  nic^tö,  alö  q)feuboifibprfd;e 
^>robufte:  aber  bc(!o  n?ic&tiger  i(!  e^  für  bie  @efe^id)tc  eben 
beö  $Sctrügerö;  unbwjer  tt^eiß  nic&t  waö  für  einen  wichtigen 
Z1)üi  ber  @efd)icl)tc  beö  mittfern  Jeitalter^  bk  23egebcn{>etten 
ber  $fcttboiftborfd;en  €rfinbung  auömadjen?  Die  gen?o^n# 
lidje  2lrt,  t)k  ^nt(Iebung^gcfc&id;te  biefer  angilrattinifcfeen  (5a* 
pitcl  3U  er^dMen,  trar  bieder  folgenbe.  Unter  bcnjenigen 
©eiftlid)en,  tDetc^e  ^avl  ber  ©roge  bejidnbig  ^u  2Iu6vi4)tung 


^♦>  Tom.  I.  pag.  149  —  258. 


182 

feiner  ©cfd;dfre  bei  fid)  an  feinem  i)ofe  Jatte,  xmx  ^ngiN 
ramn,  S3ifc(?of  ober  Gr3bifc|)of  tjon  ^e^.  3n  ben  @ct)(uff"cn 
bei-  grogen  granffurter  ei;not)e^'')  njirb  er  mit  lefeterm  3:itel 
genannt,  fo  voic  in  ber  gol.qe  auc{)  (^{irobegaiig  mib  I)rogo 
benfelben  bcfamen.  ^r  n?ar  faiferlic^er  ober  bamal^  nodj 
foniglic&er  ^T^capeEan,  alfo  ^arln  für  befldnbig  unentbebr.» 
lief).  Diefe^  2Imt,  woburcf)  er  nicl)t  nur  über  feine  WiU 
brüber,  t>k  übrigen  5Sifcl;6fe,  fonbern  aud)  felbfl  über  feinen 
![RetropoIitan  an  '^ad)t  fo  fcl;r  erhoben  ivurbe,  30g  ibm, 
Dielleicl)t  nid)t  gan^  o^nc  feine  ©ct)ulb,  grogen  ^}äb  au. 
X)k  alten  ^ircl)cngefe^e  gaben  einen  t)ortreff[icl}en  «ßonranb, 
\f)m  red)t  webe  ^u  rbun.  d^  wav  in  benfelben  gan^  entfd;ei«! 
benb  befohlen,  ba^  ber23ifd)of  bei  feiner  ©cmeinbc  fid)  auf«« 
galten  foUe,  unb  ber  unovbentlicl)e  ^'fjrgei^  bcr  33ifd}üfe 
gab  öftere  ©elegenjeit  ^ur  (£'rneuerung  ober  irenigftene  ^um 
neuen  2(ngebenfen  biefeö  ©efe^e^.  2lngilramn  merfte  bic 
£i|l  feiner  ©egner,  unb  n?ußte  tt?o^l,  t>a^  Äarl  um  feinet* 
iijiKen  nid)t  alle  ilird;engefe^e  ju  ^oben  treten  würbe:  er 
fuc{)te  alfo  3u  9lom  ipülfe,  bei  bemjenigen  ^^ifd;ofe,  burd) 
bejfen  Unterftül^ung  ber  ^ater  feinet  ^onigö  wobl  nod)  me^r 
auögefübrt  Jatte,  alö  bie  ^erlel^ung  eiueö  ^ird;engefe^e^. 
25urc&  ben  apoftolifdjen  ^egen  beglücft,  ivarf  biefer  feinen 
^bnig  t)om  !Ibfone,  unb  feilte  ftd)  felbjl  barauf,  obnc  bag 
jiemanb  t)on  bcn  ©rogen  ober  üon  ber  DIation  i^m  wiber^ 
fprac^.    2l(fo  wirb  boc^  eben  ein  fold^er  apo)lülifci)er  ^ad)U 


*)  Can.  55»  Dfxit  enim  Dominus  Rex  in  cadem  Synodo,  se 
a  sede  Apostolica,  i.  e.  ab  Hadriano  Pontifice,  licenliam 
habuisse,  ut  Angilrainnum  Arcli  iepisc  opum  in  suo 
Palatio  assidue  baberet  propler  ulilitates  cccicsiaslicas  etc. 

©onjl  mx  befanntli*  ber  33ifcbof  ton  9?iei  fei«  ?!)ietropo» 
litan.     cf.  Sirmondi  nola  ad  bunc  canonem. 


185 

^pnid)  öu*  einem  25ifc^of,  gegen  bie  S3cmö6iingcn  feiner 
Cioniprot>in3tal»S3lfcljbfe^  feinen  ^put  t>crftd)eru  fonnen.  ^ie 
nun  biefe  (Streitigfeit  5U  8^om  unterfud;t  trurbe,  fo  foll 
2lngilramn  bcm  tomiföen  ^ifd)of  Slbrion  g«.  feiner  53^er^ 
tdeibigung  \>k  5lu^3ugc  öuö  ben  ölten  ^irc^engefefecn  borge* 
(egt  Jaben,  bk  ncd)  unter  feinem  Dicimen  in  bcn  ^Dn* 
cilienfammlungcn  freien;  ober  nacl)  efner  önbern  ^r3af)htng 
gab  SIbrian  felbjl  bcm  bebrängten  $Sifd;of  biefe  (Sammlung 
alter  ^ird)engefe^e,  in  ber  ^bfid)t,  «3ic  man  glaubt,  bag 
er  fid)  burc^  biefelbe  gegen  feine  gcinbe  beflo  leidster  fcl)ul^en 
fbnne«  'SJlan  fc^t  t)k  d'utlle^ung  biefer  (Kapitel,  nad)  bem- 
Jeugnig  einiger  ber  glaubtrurbig(!en  ^?anbfd}viftcn  berfelben, 
inö  S^Jr  785.  X)er  ganae  gufammcn^ang  biejer  ©efctid)te  *) 
i(l  mxtüd)  fo  befcfeajfen,  ba$  man  baburd)  ben  grogen  ^ors 
t\)di  getüinnt,  hk  fonjl  fa|I  unbegreiflic(je  Sluebreitung  ber 
pfeuboiftborfd)en  ^probufte  b^to  gfucf(ic()cr  crfldren  3U  fonncn. 
5öenn  eö  t)a^  3nterefl*c  eine^  ber  erilen  foniglidjen  fD?ini(Ier 
erforberte,  biefe  falfd)e  SlBaare  au  bebitiren,  m\b  i^x  überall 
5Infcben  a"  t?erfd;affen,  tt?enn  ber  ^5nig  felbft  gevüijTcvmagcn 
baburcö  a«  geirinnen  fd)ien,  unb  überhaupt  bic  @ad)c  feine« 
(^racapfanö  boc^  immer  aucf)  feine  ©ad)c  ii?ar,  wenn  t)on 
9^om  au«  fo  gar  hin  5[Bibcrfpruc^,  fonbern  üielme^r  Untere 
ftul3ung  au  crmarten  n?ar:  fo  ift  c«  gewiß  weniger  a«  tt?un# 


*)  2Iu^er  einigen  rieincn  9cebenumflänbenr  bte  jlcb  ober  I)ier 
tticfct  erörtern  lölTeu/  er^d^It  buic  ©efdjic^te  eben  fo  ^orir 
in  feiner  5ib(}anb(un3  de  appellalionibus.  v.  Concordata 
nalionis     german.    inlegra     varifs     additamenlis    illustrata. 

Tom.  II.  pag.  147  —  149.    3)a^  2lnton.  öluguftin  in  feinem 

^üd)  de  emendalione  Graliani  bei  ber  @efd)id)te  be«  ^fCU- 

botfibor«  aud)  üon  biefen  Öfngilramnifdjen  <5aptteln  tueitlauf: 
rig  banble,  ift  befannt.  «ffiegen  ber  QSermebrnngen  uub  iBer- 
beprunaen  mup  man  23aluien«  3luöjji^b^  i)n\)Cih  Paris.  167«. 


184 

bern,  ha^  fic^  au  einer  Jcit,  njo  ©cfci)id)tc  nub  bie  barauf 
fic^  grünbcnbe  ^ritlf  Dbllig  unbefannt  war,  eine  folc^e  ©amm^ 
lung  t)oll  ber  Janbgvelflid^jlen  S5ctvugercien  ausbreitete,  grci^ 
Ud)  feigen  fid)  gegen  alle  biefe  53ermut6ungen  fe^r  balb  groge 
©cbnjierigfeiten ;  fo  groge  ^  t)a^  \d)  ber  gewöhnlichen  ^r^ä^f 
(ung,  aud^  noc^  e^e  id)  bic  (Baä^t  auf^  genauefte  geprüft 
^arte,  boc^  nic^t  beitreten  fonnte» 

§.  2, 
^avU  SJegierung  mar  boc|?  bei  weitem  nic^t  fo  fejr  bie 
geit  ber  l|nwiffen6eit,  \)a^  ftc^  ein  folc^eö  ^robuft,  aH  biefe 
3(ngilramnifd)e  (Kapitel  ftnb,  ganj  bjfentlic^  Jdtte  geigen 
burfen,  t>a^  man  e5  bei  ^ntfcbeibung  einer  fc^r  tvidjtigen 
©trcitigfeit  ben  forfc(;enben  Singen  fo  mUv  ©egner,  ivelcbc 
olle  bw-cj)  dhit>  unb  geinbfd^aft  gegen  Slngilramn  boppelt 
gefc^drft  waren,  ^ur  Prüfung  iätU  tJorlegen  fbnnen.  @oU 
man  annehmen,  \)a^  ^feuboiftbor^  Sammlung  f4)on  Dor  ain^ 
gilramn  fo  befannt  gewefcn,  ^a^  biefer  3u  feiner  S3ert&eibi* 
gung  gar  wo^l  l;abe  (J'rcerpte  barauö  mad)en  fbnnen,  fo  ij^ 
eine  fo  frö^e  SluSbreitung  jener  bctrugerifd^en  (Sammlung 
ganj  gegen  alle  ©efd)id;te:  unb  trat  SIngilramn  aucrj^  mit 
berfelben  Jeröor,  wie  ift'ö  m5glid;,  ^a^  er  gar  feinen  ©iber^ 
fprud)  erlitten?  ^pabcn  bocb  fa(!  Junbert  3a^rc  nad;l;cr  hu 
fran3bftfc&en  iSifc^ofe  an  ber  Slut^enticitdt  biefer  3fiborfcl)en 
2)efretalcn  unb  (Soncilienfd;lujTe  gezweifelt,  t)a  D^icolau^  I. 
ta€  berühmte  @c()reiben  beöwegen  an  jie  ergeben  lieg.  Unb 
bamaU  waren  biefe  boc&  fcf)on  überall  ausgebreitet.  SSenn 
biefe  Kapitel  wirf(id)  entweder  üon  Slngilramn  ober  t?ou 
^\>xian  fclbfl  fepn  foUen,  fo  mügte  entweber  einer  biefer  bei^ 
ben  fclbjl  ^feuboifibor  gewefen  fei)n,  ober  müßten  jie  wenig* 
(lenS  tk  crften  gewefen  feiju,  bic  biefe  2Baaren  befawnt  ge^ 
macl^t  l)abcn. 


185 

25(jg  ^Ibrian  ntc^t  q)fcuboijit)or  gctrcfen  fcp,  ober  öuc^ 
nur  feine  ^robuftc  juerj^  befannt  gcmadjt  ))abc,  lagt  ji(^ 
öufba^  uber^cu9cnb(!cben)cifen:  unb  wer  w>iU  fid?  überreben, 
bog  Sln.qilramn  ber  Sammlung  feinen  9^anien  öorgefe^t  J)ätU, 
wenn  er  burc()  biefe  23etrugerei  fiegen  woHte?  SSetröger  pflegen 
fiä)  t>od)  voo^i  nietet  fclbjl  öuf  eine  fo  bumme  2lrt  ^u  t>er* 
ratzen.  «Bergleic^t  man  enblid?  ben  3njalt  ber  (Kapitel  mit 
ben  Uniftdnben  ber  ©treitigfeit,  ju  beren  (fntfcbeibung  ftc 
dienen  foKten,  fo  mug  man  fic^  gewig  fe^r  wunbern,  bei 
weitem  fa|l  gar  nid;t6  in  benfelben  anzutreffen,  ta^  gan^ 
jundcfel^  3U  biefer  ©treitigfeit  gebbrt  Jdtte.  Die  meijle« 
Janbein  batjon:  wer  unb  vok  man  einen  ?5ifc^of  xidotm 
!5nne:  wer  einen  S5ifc^of  ober  irgenb  einen  anbcrn  ©ei|!lid;en 
t>er!lagen  bürfe,  wie  man  bei  biefer  ^fage  ^u  terfa^ren  f^ahc: 
©trafen  ber  falfc^en  5Jer!ldger:  ober6errItd;e©ewalt  ber  pdpj!# 
Helfen  Segaren  ober  bie  ^roi^incialfvnoben  k«;  aber  t>on  bem* 
jenigen  ^  )ma^  man  boc^  billig  ^nnäd)^  erwarten  follte,  t>on 
ber  aieftbenj  ber  SSifc^ofe  bei  ijren  ©emeinben  —  gan^  fein 
5öort.  5[öenn  jtc^  2(ngilramn  einmal  erlaubt  Jatte,  feine 
©ac^c  burc^  eine  fol(te  Kompilation  untergefd;obner  Äirc^en« 
gefc^e  iju  t?ert§eibigen:  fo  Jdtte  er  gewig  auc^  eine  2)e!retale 
ober  einen  @t)nobalfd)lug  erbic^tet,  worin  ben  25ifd)5fcn  in 
gcwijTcn  gdllen  erlaubt  worben,  ftc^  t)on  ibren  ©emeinen 
auf  einige  Saftre  ^u  entfernen.  SBenigflen^  ij!  gewig,  bag 
bicfcr  €anon  ber  ganzen  Äirct)ent)erfapng  nic()t  mejr  ent* 
gegen  gewefen  wdre,  al6  bk  mei(!en  unb  wic^tigjlten  ber  fib* 
rigeU/  i»  23.  can.  42.  ut  provincialis  Synodus  relractetur 
per  Vicarios  Romani  Pontificis ,  si  ipse  decreverit.  Unb 
voa^  feil  man  öollenbs  beim  fcdj^ten  Kanon  ober  Kapitel 
benfen?  war'ö  mbglicl?,  bag  bicfcö  ein  Q5ifc()of  t>on  9^om 
im  ad;ten  3«{irjunbert  ober  einer  ber  crftcn  teutfd)cn  fxäf 


186 

latcn  am  jjofe  ^axU  t>c5  ©roßcn  fcfericb?  Si  quis  aulem 
putaverit,  (pk^  (lub  feine  5t3ortc)  se  a  proprio  ISIelropo- 
litano  gravari,  aput  Primatem  Dioeceseos  aut  aput  Con  - 
stantinopolitanae  civitatis  sedem,  agat  Judicium 
et  reliqua.  ^c^  tt?eig  gar  nld)t,  waö  man  feicvauf  aucb  nur 
mit  einigem  6d)cinc  anttrorten  fann.  ^apjl  SIbrian  fann 
biefe  SBortc  ganj  unmbglicfe  alö^irc^engcfe^e  niebergcfd;riebcn 
ober  ausgebreitet  \)ahcn :  unb  eben  fo  n>enig  fonnen  fic  einen 
teutfd?en  ^rdfaten  jum  ^erfaflfer  Jaben.  5[Öann  iji  je  einem 
berfelben  eingefallen,  ftc^  an  ^m  SSifc^of  ju  €onjlanrinopel 
5u  wenben,  unb  \^k  i!onoIatrifd)en  ©ä^rungen  trehnten  gcrabc 
bamal^  t^k  occibentalifc^e  ^irc^e  t)on  bcr  orientaIifc(;en. 

§.    3. 

2lngi(ramn  l(!  alfo  gen?ig  nic&t  ber  ^Jcrfaflfer  ober  (Bamm^ 
Ux  biefer  ^apitd,  aud)  nict)t  $apj!  SIbrian,  fonbcrn  cnt;^ 
ircber  ^feuboiftbor  felbj!,  ober  ein  würbiger  ?3orgdnger  tjon 
ü&m,  ober  auc^  dix  iDurbiger  9^ad)foIger.  53ief  ^ur  Qi\u 
fd)eibung,  irem  unter  biefen  bret  ^erfoncn  bic  d^xc  biefer 
©c^riftflellerfcfeaft  gebühre,  irirb  bie  Unterfuc()ung  ber  t?or^ 
läufigen  Srage  beitragen,  ob  ^feuboifiborS  (Sammlung  alter 
i(l  aU  2(ngilramnö  Kapitel,  ober  nid)t?  ob  le^tere  t)ielleid)t 
blog  dn  Siuß^ug  ber  erflern  ftnb,  ober  ob  erjlerc  bioi  eine 
termei&rte  unb  mit  Dielen  23ereid)erungeu  umgearbeitete  2lu^= 
gäbe  ber  le^tern  i|l?  (5tne  Jierin  üollig  entfct)eibenbc  ^eob^ 
ad)t\xttQ  f)aUn  t)u  35allerini  gemad)t.")  3ni  fünften  ca- 
pitulo  Angllramni  ijl  ein  tt)eitldufige6  2)c!ret  einer  erbicl)te^ 
tcn  (S^nobe  unter  einem  rbmifc{)en  55ifc&of  gclix*  angcfü&rt. 
9luu  fommt  tu  ^feuboiftborö  Sammlung  ein  gairjcö   er* 


*)  Tract.  d«  antiq   canon.  collect,  pag.  zzo« 


187 

t>id)tctci  ^d)xc\Un  ton  bicfcm  gcHr  1.  ön  bic  galltfc^cii 
23ifd)5fc,  unt)  in  tiefem  @d)rci6cn  i(t  t)on  bicfcr  @t)nobc, 
ijrcr  ^13erau(a|Tung  unb  ^öer^anblungen,  9^ecfecnfcbaft  gegeben. 
2iuc^  ill  jene  gan^e  ^tellc^  n?tc  fte  in  ^ngilramn^  Kapiteln 
flejt,  ganj  unücrdiibert  bem  SSrief  einverleibt.  3(^  ^^  ^cm* 
nac()  nicf^t  tiel  tt?af)rfcöeinlid;er,  ^a^  ber  ?23ricf  unb  alfo  bie 
pfeuboiftborfc^e  Sammlung  ^uerjl  föbricivt  irorben,  aU  bag 
bcr  33etrüger  einer  feiner  alten  giftionen  gleid)fam  er|l  noc^ 
^opf  unb  @cl)n?ani  angefc()ni^clt  föbe?  ^pie^u  fommt  no(^ 
ba^  ^cuQtxi^  einiger  vati!anifd;en  ^panbfc^riften.  Die  ^üU 
lerini  ^aben  fel^r  forgfdltig  bewerft,  bag  ^fcuboifibor  nic()t 
mit  einemmal  feine  Sammlung  fo  oerme^rt  ^erauö  gegeben 
^ahc ,  wie  wir  fie  je^t  bcfi^en,  fonbcrn  ba^  er  fie  curis 
posterioribus  überlieg.  9]un  \lcl)m  aber  ^ngilramnS  Kapitel 
in  ber  erjlen  2luögabe  gar  nid;t,  hingegen  in  ber  ^weiten, 
unb  jnjar  in  einer  ber  dltejtcn  oatüanifc&en  ^?anbfd)riften, 
unb  in  einer  folc^en,  bic  pur  3fiborifd)  ifr.  Sllfo  ftnb 
ÖIngilramna  Kapitel  junger,  al^  ^feuboifiborö  Sammlung, 
unb  weil  man  überhaupt  jte^t,  M^  «pfeuboiftbor  gan^  o^nc 
©ebülfen  gearbeitet  ^at,  fo  i(!  e6  fe^r  wajrfc()einlic6,  bag 
er  felb(!,  bei  SÖermeJrung  feiner  erjlen  Slu^gabe,  unter  bem 
betrogenen  O'lamen  capitulorum  Angilramni  t)iclleicfet  ^u 
einer  gewiflTen  5Ibjtcbt,  bit  mit  Slngilramn^  ^<idi)c  einige 
«Berwanbfcftaft  gehabt  ^abm  mag,  bic  wir  jegt  aber  nic^t 
nte^r  wiflfen,  biefen  fleinen  Sfu^^ug  au6  feinem  grogern  SBerf 
gemac()t  ^aU. 

§.    4. 

Mc$  biö^erige  ^at  öuf  bie  ^c(!immung   ber  wahren 

Stuffcferift  biefer  capitulorum  einen  Jbc^j^  wid?tigen  (Einfluß. 

2)aö3eugnig  ber  ^;anbfc()riften  i(!  jwar  ^ier  tor^tiglic^  ent* 

fd;etbcnb,  aber  man  wirb  burc^  hai  bi^Jcrigc  boc(?  üorbcrcitef. 


188 

bic  inncrn  ©runbc  ber  SJor^üglid^fcir  einer  Jcfeart  öor  bcr 
öiibcrn  beflo  beutli4)cr  ein^ufe^en.  X>U  bei  weitem  beflferen 
^?anbfd;riften  ^)  lefen  folgenben  Eitel :  Ex  Graecis  et  Laii- 
nis  canonibus  et  Synodis  Roinanis  atque  decrelis  prae 
sulum  ac  principum  Bomanorum  haee  Capitula  sparsim 
collecta  et  Aogilramno  Mediomatriciae  urbis  Episcopo 
Komae  a  ß.  Papa  Adriano  tradita  sub  die  XIH.  Kalenda- 
rum  Octobriuin  Indictione  IX.  quando  pro  sui  negotii 
causa  agebatur.  Da^  einzige  ^iü^iü^  S^intmaxi,  '^'^'O  bcr  iii 
feiner  ^nbfc()rift  einen  9[eic()en  2^itel  Jatte,  wäre  Jinreid^eub 
genug,  bie  2(ut&cnticitdt  biefer  Uebcrfc^rift  ^u  beweifen.  (^in 
fOiiöuerjlanb  i(I'ö,  ben  öud)^?crr  j^orix'^^^-^O  ju  begeben  fd;cint, 
wenn  man  au6  biefem   ^litel  fd;(iegcn   will,   baß  5lbrian 


*)  I.  c  pag.  2 »9  ffnb  angefü&rt  Tat.  63o.  1340.  1344.  3-91. 

IC.  bie  UtMcn,  welche  Jparj&eim  digressione  ad  See.  VIII. 

pag.  35 1.  für  bie  anbere  3luffc^rift  anfu&rt,  bemeifen  gar 
nic^t^.  €ineii  l)oI)en  SBegrijf  t)Ott  ben  Äenntnilfcn  beö  ^rn, 
.^arj^eim^  mu^  man  <\\x6  ber  ^Inmerfung  befommen,  quod 
notas  Antonii  Augustini  nan  addiderit,  cum  ad  Scholas 
pertineant  et  ad  crisin. 
*•)  ^infmar  d  3?.  yon  üil)cim^,  tvö^rfc^eutlic^  ein  SeitgeMpffe  be^ 
^feuboangilramn^J,  fc^refbt  in  feinem  2Berfci)en  gegen  ben 
.^^infmar  33tfcb0f  ^U  2«on  c.  24-  De  sententiis  vero,  quae 
dicuntur  ex  graecis  et  latims  canonibus  atque  decreti* 
praesulum  et  ducum  Romanorum  collectae  ab  Adriano 
Papa  et  Engelramno  Melensium  Episcopo  dalae ,  quando 
pro  sui  negoiii  caussa  agebatur.  etc.  cf.  Ballerin.  cifc. 
pag-  aig. 
*♦*)  €r  nimmt  jtrar  nic^t  bieienige  9Iufrrf)rift  an,  bie  ()ier  alö  ac^t 
angenommen  lüorben  i{t,  aber  er  behauptet  bocb  eine  apolo^ 
getifcbe  ^:21bftc^t  ber  SserfaflTung  biefer  (Japitel.  3(1  (^^^^  »ott-- 
fommen  bü^orif*  geiin^  luad  id)  in  3lnfebung  beö  23erf.  bief*r 
Äapitel  gezeigt  babe,  fi)  muffen  nocb  mebrere  Umfldnbe  in 
ber  vf^oririfcben  erid^lung  anber^  benimmt  merben.  cf.  cit. 
diss.  de  appellationibus  pag.  148«  149«  1^2. 


i8ü 


bcni  meiifc^cn  25ifcl;of  biefc  ©ömmlung  gegeben  tobe,  um 
ftc^)  bcfto  bejfer  t^crtfteibigen  311  fonnen.  Dai>on  jle^t  nic{)t5 
tu  ber  SlufWrift,  \\>cid)c  t>on  beibeu  man  and)  aU  ad)t  aiu 
nimmt:  uub  t)lc  Sluffcferift  i(l  bocb  unfvc  einzige  biflorifd;c 
Clucllc.  2Die  Äarl  ber  ©roffe  bei  feiner  Slnnjefen^eit  31t 
9(om  t)om  bajtgen  23ifci&of  2Ibrian  einen  cod«x  canonum 
erhielt,  fo  crbic^tete  ^feuboifibor,  bag  aiid)  ^(ngilramn  ein 
gleicl)ea,  aber  nur  t>erfd;iebene5  ©cfd)enf  crl;alren  Jabe.  Der 
Söetruger  mad;t  e^  bier,  ttie  hü  feiner  Sammlung  uberbaupt. 
^•r  nabm  genjiflfe  aUgcmcinbefannte  bif^ofifc^e  Umjtdnbe,  biefc 
erweiterte  er  burc^  allerbanb  ^•rbid)tungcn,  unb  gab  burc^ 
biefe  ?3ermenguug  t)on  5Babrbeit  unb  3rrtbum  feinen  5Se^ 
trugereien  einen  beflo  beflfern  5l(njlrid^,  @o  legte  er  M  feiner 
betrugerifc()en  ©ammlung  bic  n?abrc  (Sammlung  be^  be<» 
r&bniten  3jibor6  ^um  ©runbe:  im  hd  ben  (Kapiteln  bebientc 
er  jtc^  ber  aücn  nod)  im  2(ngebenfen  fcf)webenben  SSegeben* 
J)tit,  tia^  SIngilramn,  um  (Jrlaubnig  su  bekommen,  mit  $5et* 
bebaltung  feine«  23iötbum«  bejldnbig  cm  fonigfid^en  ^ofe 
3u  bleiben,  felbff  nac^  9^om  ju  5Ibrian  gegangen.  SDap 
SIbrian  einem  !9?ann,  ben  er  ebren  wollte,  eine  ©ammlung 
oUcr  Äiri^engefe^e  jum  ©efc|)en!  machte,  ^a^  war  man 
fc^on  an  ^axli  Seifpiel  gcwobnt:  alfo  war  eö  nic()tö  bcfrem^ 
benbe«,  wenn  eö  aucft  bei  SIngilramn  gcfd;ab. 

Äcin  2?«truger  war  noc^  ie  leid)t  bei  einem  fo  bojen 
®rab  ton  25ummbeit  boc^)  ^ugleic^)  fo  glöcflic^,  M  q)feu# 
boijtbor,  biefer  öermutblic{)e  ^erfajTer  ber  5(ngilramnifd[;cn 
Kapitel.  @o  iat  fid)  noc()  xnd)t  Uid)t  ein  23etruger  t)cr# 
gcjfen,  aU  biefer,  bag  man  glauben  foKte,  auc^  obnc  fon^ 
berücke  biP^ortfc^)e  Äenntnifli  würbe  beim  bloßen  Sefen  feiner 


190 


^öpitcl  fcinS3ctrug  öugcnblicfltd;  cntbccft  werben,  uiib  boc^, 
unglaublich  iftö!  Sttf)r&unt)crte  Ijiiiburc?)  Jat'ö  gcbauert,  bi^ 
man  btc  fo  fonnenflare  Spuren  cMid)  gefunbcn  t)at.  Oben 
6abc  i(fy  bcö  fünften  ^apitel^  ale  cineö  gan^  cntfc{)clt)enben 
©runbe^  gcbacl)t,  ba^  unmogltcl)  iveber  5Ibrian  nod)  2lngiU 
vamn  53erfaflfcr  biefcr  Kapiteln  fci)n  fonnen:  icl)  nnig  gc^ 
(tc^cn,  bag  ic^  aucf)  nlct)t  begreifen  fann,  waö  fclbjl  nur 
bcr  33etrugcr  hei  biefem  2(bfd)nitt  gcbacl)t  Jaben  mag, 
ober  tu  tt)eld)er  2(bfid)t  er  biefen  ^anon  fe^tc:  über  unbeä» 
greiflic^er  hkibt  mir  boc^  noc&  immer,  ttjie  man  biefen  (äa^ 
non  jemaU  lefen  fonntc,  obne  augleicfe  bie  jtc^tbarfte  93e? 
trüger^fpuren  ^u  feben.  (So  ftnb  nod)  mandje  anbere,  aug 
benen  fic^  ^^cin  gefunbcr  5}erftanb  berauebringen  lagt:  unb 
manche  antcrc  tinbcvfpred)en  ftd)  febr  untereinanber.  ^in 
fejr  feiner  ©riff  beö  ^feuboifiboruö  »ar  c^,  feine  ©amm«» 
lung  burd)  einen  folc^en  ^u63ug  aügcmcingangbarer  unb 
oUgcmeinbrauc^barerju  machen:  fo(d)e  fur^e  abgeriflfeneEdgc, 
aU  bicfe  Kapitel  grbgtentbeil^  ftnb,  mußten  öuc^  bem  un^ 
gelebrtejlen  ^Icricuö,  bcr  oft  faum  ^wn  gerieben  im  5"* 
fammcnbang  bcn!en  fonnte,  ganj  angcmeflTen  unb  trillfom» 
men  feipn.  Dag  ber  ?8ctrögcr  bem  Sluö^ug  einen  uom  S^anpu 
werf  gan^  t)crfd;iebenen  2litel  gab,  ba^u  ^atu  er  febr  gute 
©rünbc.  ^o  foUte  eineö  ta^  ^cuQui^  beö  anbcrn  be!rdf* 
tigen;  ber  Uniriflenbe  glaubt  immer  gerner,  ira6  er  in  ^voci 
23ud)crn  bon  t>erfd;i ebenem  S^itel  lie(l,  alö  wa^  nur 
in  einem  jle^t;  fo  iam  man  bem  ©d)cin  nad)  gleid;fam 
<tu^  SKom  unb  an€  ©panien  fejr  glaubtrurbigc  3f"9^n  für 
t>k  2Iutbcnticität  ber(Stucfc,  n?omit  biefer  S3etüger  bic  ^elt 
befd)cn!tc.  ^in  folc()e  ^;)armonie  jwifd)en  jtvei  fo  weit  w>n 
einanber  entfernten  geugcn  fbnnte  bod)  unmbglicf)  ^tatt 
^aben,  wenn  fie  \}\d)t  SBa^rJcit  zeugten! 


191 

§.     6, 

Olod;  einiget  t>on  bcr  n?atrfd)cinlid?cn  2Ibfid;t  bcr  ^cr# 
fcrtiguug  bicfcr  (Kompilation,  fo  fern  jTe  fid)  öu^  ber  ©d;rift 
fabil  abjlratiren  lagt,  ^r^cbung  teö  rbmifc^en  $Sifdjof3 
!ann  unmbglid;  bie  öKcvndcf)|le  2Ibf{d)t  bcö  ?ßerf,  gcwefc» 
fci)n,  bcnn  ba^in  gcjen  unter  bicfcn  ad;t3ig  Kapiteln  unge= 
fa^r  ein  Jalb  iDu^cnb :  man  fic^t  öucf)  nad)  ber  gan3en  53er* 
binbung,  baß  bicfe  blo^  aU  '^imi  unb  nic^t  aU  gn^ccf  ba 
finb.  ^ielnu'[;r  gcf}t  fajT  aUea  barauf,  ben  (Ilerifuö  t)or  allen 
5inflagen  beö  £at;cn  fieser  ju  jlcKen,  unb  befonberö  bie  ^tia 
!(agc  einc^  ^ifc^ofö  fo  3Ü  erfd)n)eren,  bag  man  ^um  öor^ 
öuö  auc^  bei  ber  offenbar  gered)tepen  (Bad)t  alle  gcrid)tlid)c 
Verfolgung  aufgeben  mußte.  @o  jle()t  auc^  tk  ^r^ebung 
be^  romifdjcn  SSifc^of^  mit  ber  5lbfid)t  be^  53erfaflfer^  iu 
Verbinbung,  wül  bod?  immer  ^um  Dorauö  ^u  tjermutjeii 
\va\\  bag  jeber  baburd)  abgefcferecft  werben  follte,  wenn  bem 
25ifd)of  ber  5ß3eg  offen  (lunb,  burcj)  eine  Slppellation  an  beu 
romifc^en  6tu&l  ben  qjroaeg  re^t  foftbar  unb  langwierig 
5u  mad)cn. 

53erriet&  nid;t  ber  53erfafi*er  feine  ganje  Slbfic^t  fc^)on 
burcö  ben  einzigen  ^wei  unb  fiebjigften  (Kanon?  ^raft 
bcfen  foll  fein  33ifd?Df  anber^,  ali  burcfe  ben  ^unb  t)o« 
iwei  unb  fiebrig  Jcugen  Derurtjcilt  werben  fonnen.  Diefe 
Jeugen  foUen  alle  Clerici  feipn;  ojnc  irgenb  eine  Snfamie; 
unb  muffen  grau  unb  ^inber  Jabcn.  @o  braucht  cö  gegen 
t>m  ^refbi)ter  Dier  unb  öier^ig  ^tuQcn  k.  unb  bü  allen  \iH0 
fen  3eugcn  muffen  immer  wieber  obige  ^igenfd)aften  gefun* 
ben  werben. 

^aix  übcrbenfe  nur  biefeö  einzige  C^efe^,  weld^e  gan^ 
uugebunbene  grei Jeit ,  weld[)c  tj&llige  53er(id)erung  t>on  3«t* 
punitdt  aud)  bei  ben  greulic^jten  ?Öcrbred;cn  ein  33ifctof  ta* 


192 

\>üx6)  ei-Jielt.  2Beld;c  fein  fcl)clmlfc^)e  gorbcrung  eö  war, 
t»aß  t)tc  3^"9^"  S^^"  ^"^  ^Infccr  {la&en  foUtcu.  (Soweit 
war  bicfcr  S5crruger  ein  fc^r  genauer  Kenner  M  ge* 
meinen  Scbenö,  bag  er  wo^l  wugte,  wie  bei  weitem 
weniger  berjcnige  ^um  wagen  aufgelegt  i(t  (uub  bie  9In!(age 
cincö  ^(ericuö  war  immer  ein  fe^r  grogeö  ^öageftucf),  befen 
6orgc  uic^t  nur  auf  feine  eigne  ^oljl^axtf),  fonbern  auf  eine 
hd  feinem  3u  befurd)tenben  Unglucf  üollig  Julflofe  gamilic 
get;en  mug.  €*in  9}?ann,  bcr  grau  unb  Sinbcr  I}at,  wirb 
überbieg  meiflcnö  burcl)  gamilicnt>erbinbungen  ge^inbcrt,  wenn 
er  a\xd)  allen  ^Zut^  Jaben  foUte,  fo  ctvoa^  auö^ufu&ren.  SBer 
mcrft  nid)t  noc^  taufenb  anberc  ^olitifcl^e  ©riffe,  tu  unter 
biefer  forgfdltigen  $Sc(Itmmung  t>erborgen  liegen?  Unb  nur 
},vod  unb  ficbcn^ig  fold)er  ^cuQtn  unb  alle  lauter  Ö5ei(!lid;e, 
(ollen  Jinrcic&eub  fe^nt,  wenn  ein  $5ifcf)of  uberwiefen  werben 
(olle:  unb  tJOn  bem  Delator I^cigt  c5:  aut  lingua  capuletur, 
aut  convicto  Caput  amputetur.  Delatores  autem 
sunt,  qui  invidia  produnt  alios.  (caplt  49«)\3c^  !6nnte  ^ter 
md)  ber  ^rbnung  ber  Kapitel  nocl)  (el^r  tjiele  @d;wierig# 
feiten  s^igen,  bie  burc&  biefe  Kapitel  bemjenigen  gemad;t 
ftnb,  ber  gegen  einen  @ei(tlicl)en  unb  befonbcrö  aixö)  gegen 
einen  25ifcbof  9fted)t  fud()t:  biefe  einzige  aber,  t>k  i6)  bicr  gezeigt 
I>abe,  red)tfertigt  mic?)  genug,  warum  id)  tk  ^pauptabftc^t 
biefer  ^feubo;2Ingilramnifc&cn  ©ammlung  (o  unb  niö:)t  aiu 
bcrd  angegeben  ^aU,  ^i  i(l  nad)  allem  J&d)|^  waljrfc^ein^ 
liefe,  ^feubolfibor  ober  ^feuboangilramn  (bie  9?amen  jTnb 
gleicfegMtig,  benn  ftc  ftnb  ja  9lamcn  ctncö  3[^anneO  war 
ein  Sßejlfrdnfifc^er  25ifc(?of.*^)  SRifulf  Wör  cö  nic^t;  bcnn. 


')  3)ap  er  ein  «Bifdjof  mar,  er&eHt  au^  tm  H^fteriöen.    X^mx, 
n^enn  matt  ettva  au(^  fagen  wollte,  ti  fönnte  \»io^  ein  ^t- 


193 

lattc  du  5}?ctropoIitan  bicfc  falfd)e  5öaare  tcrfertigt ,  fo 
würöe  er  för  bic  ^ctropolitauc  mc^r  geforgt  (jabcn:  aber 
ein  ^lfd)of  au6  ber  main^ifd^cn  Diocefc  mug  e^  geirefe« 
fctjit,  beim  fd;irevfidj  >i?urbe  ein  anbercr,  0I0  ein  ttiaiii3ifd;cr 
Suffraganeus ,  fo  Diel  aui  ticix  vSriefcn  be^  S5onifaclu^, 
unb  bcn  SSvicfen  bev  SIcbtiffin  (^angit^  an  ben  25onifaciu« 
genommen  faben. 

@o  genau  lagt  ftd)  ungefähr  ^feuboangiframn  burc^ 
^onjcfturcn  beflimmen,  feinen  Dramen  aber  irirb  man  ttjajr* 
fdjeinlic^  nimmermehr  mit  ©ewig^eit  erfahren.  Sllfo  nid&t 
einmal  ben  SRu^m  einc6  ^perojlratu^  geniegt  bicfer  öetrugerl 


f(^6fli*9C|7nnter  ßettjefen  fejjn.  fo  Idpt  Wi  «u*  tjon  bem 
aflereifrigfleu  ©ettircr  nicfet  btnUn,  60p  er  blo^  für  ftcb  ia 
bet  ^tiüe ,  oljne  irgmb  einem  ^kenaten  ein  Kompliment 
babur*  möcben  jn  JuoUen,  unb  ibm  alfo  bai  SÖerf  a\6  fein 
ööerf  ju  probuciren,  eine  folc^e  Komi^ilation  ber  lügenööftei 
flen  Urfunben  ma*en  fönte,  ^atte  alfo  aucb  otelleicbt  ein 
S3ifcbof  bte  §eber  eine^  anbern  gcbraucbt,  fo  gilt  e^  bocb  für 
fein  2Berf,  jveil  e^  feinem  @c^u$  erjl  feine  recbte  (Jriftens 
ju  banfen  befam.  2)ap  ^feuboifibor  ein  2Be(lfrönte  mt, 
baö  b«t  f*on  Slonbett  bemerkt;  ju  feinen  35eweiö0ranben 
taben  nocb  einige  febc  bünbige  binjugefägt  bie  IBaQerini  tract. 
dt   ant.  can.  collect*  pa^«  224, 


^pitfteriJ  fdmmtl.  OBerfe  vm.  «&,  13 


194 


VI. 

Prüfung   einet  J?j)potl)efe  in  9lunf)ifd()en 

^m$fd)rift  »on  i)ct  9l:ec^törtanl)fd)aft  in 

93ifcö6fe  unt)  2let)te  -'O* 


Sa  bic  5r6(td)t  bc^  ©cfd)lc6töforfd)cr6  i)T,  nic&t  nur 
bl^Jev  uubcmerftc  SScgcBen^eitci:  ober  ^iftorifctic  S[BaJrfd;cint 
lic^fciten  inö  Sic^t  ^u  jlellen  unb  öltgemciii  befannt  ^u  machen, 
fonbcrn  öud)  einzureißen,  n?o  nicl)t  fcjl  gebaut  worben  ijis 
«nb  bcn  ©ert&  mand)er  ^iflorifd)en  ^?i)potf)efe,  tk  t>ieUeid^ 
burcfe'^  5l[tcr,  Dielleicftt  burd)  bevüfjmte  Dramen  gefc^u^t, 
großen  $Seifall  erhielt,  5cröb<jutt?urbigen :  fo  (lejt  üiellcic^t 
«ad)foIgenbc  Unterfud)ung  Jier  nid)t  ganj  öm  unrechten  Ort. 
Sin  Sßibcrfprud)  gegen  biftorifdK  ^J^pot^cfen  ijT,  wenn  auä) 
nic^t  immer  bie  gan^e  SBa^rJeit  öuf  feiner  ©eitc  fetjn  follte, 
bod;  immer  ton  bem  D^lu^cn,  baß  man  ©tdrfe  unb  @($n3ddjc 
bcr  ^?t)pot&efe  am  genaueften  fennen  lernt.  Denn  nad;  einer 
leicht  begrei|Tid}cn  25cfd)affen^eit  unferö  ©eifteö  i(I  Weber 
berjenige,  bcr  bk  ^ptjpotbcfe  ^uerft  njagtc,  nocfe  überhaupt 
ieber,    mld)cx    fic^    nid;t  mit  ^O^u^c  an  jircng  ^if^orifc^c 


195 


^cmouflrationcn  gcti?üf)nt  Jöt,  ^u  einer  genauen  ^prufung 
nd)t  9efd;icfr,  (I'igentlic^  voäx'  eö  freilid)  (^ad)c  t>ct  fKamf 
fenten  gevüefcn,  bei  ber  Öln^eigc  bcr  9^unbifd;cn  ^rcij3fd;rlft, 
\vk  i^v  5)ot3U9lid;c^,  fo  öuc^  i^re  (Scl)n)dd;en  ^u  bcmciten, 
unb  ölfo  bic  Sunbanienta(Ji()pot^efe>  öuf  ireldje  fid)  enbltc^ 
oUc^  gvunbet,  vcd)t  ftrenge  ^u  untevfuc^en.  Sd^  evinnere  midi) 
nid;t,  t)a^  eö  ijon  irgenb  einem  gefd^ejen  ijl:  fo  li?irb  ölfo 
f)kt  feine  unnu^e,  5\t)edfn)ibrige  2Irbeit  unternommen. 

9]ur  in   benjcnigen   9^eid?en^    fagt  9lunbe,    entjtunben 
9?cid)0tdge^  tüo  bei  noc^  ungcbtlbetcr  ©taat^öevfapng  burc^ 
tk   25ifd)üfe   ber  fatf;olifd)cn   ^artjie   (^oitcillen   eingefübrt 
unb  gerattert  ttjurben*    €onciIienI;aIten   wax  blog  ber  fatI;o? 
l\\d)tn  ^ctrtjte  eigen:   unter  ^Irianeru/  bcnn   bon  biefen  i(l 
im  (5)egcnfa^  gegen  bk  fat^olifd;e  q)art^ie  ^ier  eigentltd)  ^it 
9lcbe,  irurben  feine  ^oncilien  gehalten/  alfo  konnten  aud; 
feine  3^eid;^tdgc  hei  5Öolfern  entfielen,  tfit   ber  SIriantfd)en 
6efte  ^ugetjan  traren.     ©ie^e  bie   Siunbifcfce  q)rei6fd)rift 
©.  19*    ^d^  ober  bö^  €onctlienJaIten  wixUido  c&araftcri^ 
flifc^er  Unterfd)ieb  be^  (Sat^olict^muö   unb  Slrianiemu^  fei?, 
foU  t^eitö  öu6   bem  ©etft   biefer  betben  S^eligion^partbien 
fd)on  sum  Doraua  begreiflid)  fei)n,  t^ciU  and)  burd)  I)illori^ 
fcl)e  Snbuftion  benjiefen  ti?erben  fonnen.    Der  crj^ere  S5e^ 
t\jeiö  wirb  @.  69.  70.  folgenbermaßcn   geführt:   bic  Sebrer 
biefer  ©efte  waren  öue  bem  romifd;en  ^cid)  ^u  einer  geit 
bertrieben  worben,  too  ^xcax  3anffud)t  unb  Sntoleranj  fd;ou 
genug  unter  hm  ©eiftlicf^en  Jerrfd)te,  reo  man  aber  nod)  nic^t 
fejr  große  ©c^ritte  auf  bem   SSegc  ^ur  ^ierarc&ie  getjan 
Jatte*    aufrieben  i^ber  Bie  ftc()ere  Buflucl)!,  bic  fie  unter  bcu 
norbifd)en  53ülfern  gefunben,  lebten  fie  rubig  ojnc  befonbere 
5Berbinbung   untereinanber*     (^in    ^ifc^of  Würbe  nic^t  für 
borncjmcr  alö  bcr  anberc  gehalten.     (E'ö  fehlte  alfo  au  ci* 


196 


nem  gcmcinfd;aftltc^cn  S"tcrcjfc,  wcld)cd  jte  f)attc  nl>tf;l9cii 
foniicn,  bic  j)a^^c  in  ©taat^fad)cu  ju  mifcftcn,  um  mit 
vereinigten  Gräften  fiel)  empor  ju  fd}\ringen.  ^a^  ^rioat* 
intereflfc  ^attc  ^u  folc^er  5l()fic()t  nicl;t  @eaMd;t  genug,  ter^ 
fc^ajfrc  and)  tmu  önbcrc  öl^  ^rit>att)ort^eilc.  Um  bie  5Iuö: 
breitung  if;i\T  Se&re  fann  e(5  iE>nen  aud;  nid;t  fc^r  ju  tl^uit 
gewefcn  fei;n,  tvenigjlenö  fiuben  wir  unter  i^nen  nidjt^  t)oa 
bödin  ab^ielenben  ^Inftöltcn.  ^U  ein  2:f;eil  ber  l;iftorif4)eii 
3nbu!tion,  n5cld;e  ^um  23eireiö  bienen  foll,  gilt  ©.  70: 
3m  2öc(^got[)ifc^en  fRcid)  ift,  fo  lang  hk  2IrianifdK  ©eftc  bic 
Jerrfd)enbc  SKeligion  wör,  ein  ein^ige^  ^onciliiim  unter  So? 
nig  Seobigitb  im  3a^r  58i'  au  Solebo  in  biefer  ^b\iö)t  gc^ 
Jalteu  tijorben.  9^oc&  finb  ^ic  unb  t^a  einzelne  (Stellen  bcr 
<Prci0fd)rift,  bic  ^ur  weitern  ^ejtatigung,  ^ntwitflung  unb 
SJert^ieibigung  biefer  23enjeifc  gefroren;  c^  würbe  ^n  weit* 
Iduftig  fei;n,  fie  Jier  alle  ab^ufdjreiben.  3d)  werbe  aber  bä 
meinen  ^vceptionen  öftere  SRücffi'c^^t  öuf  biefelbe  nebmen, 
unb  wiinfd)te  alfo  febr,  t>a^  meine  Sefer,  cbe  fic  weiter  ge* 
Jen,  burcl?  eine  nochmalige  Scfture  bic  gan]C  SKunbifd)e  ^ui^f 
fc^rift  fid)  wicber  in3  ©ebdcf^tnig  a^^^wcfrufen  mochten. 

§.    2. 

©egen  ben  erftern  35ewei3,  weld)er  an^  ber  ^Scrgfct* 
c^ung  bc3  ©eijle^  ber  fatbolifd)en  S^cltgion  mit  bem  ©ei|Tc 
be5  Slrianiömu^  gebogen  i\i,  finb  mir  folgenbe  ^^^^'^K^  ^"f' 
gejliegen.  55ei  bem  vj'ntfteben  ber  örianifd^en  (QdU,  unb 
noc^  mebr  su  ben  ^dun,  t>a  jtcj)  bcr  2(riani^mud  befonber« 
burc^  Q3efürberung   beä  Äaiferö  53alcnö  =^')  öuöbrcitcte,   war 


*)  y.  Chron.   S.  Isidori  mit  bin  ttotötgm  ^ertcbtifluttijen   bei 

Pagi  Crilica  in  annales  Baronä.  ad  a.  589.  n.   VIII. 


197 


t)ic  ^Icrarc^ie  bcr  Älrc^c  fd;on  fo  weit  reif,  aU  ^um  €on^ 
cilicn^fllten  trotzig  war.  Scnc  crjlc  urfprönglid^e  ©IcIc^O^it 
bcv  S3ifd;üfc  war  Idngftciiö  öufgc^obcn,  größere  unb  fleincre 
©prengel  abgc^ivFclt,  gaii^e  *$>rot?in3cn  ber  Sluftoritdt  eine« 
^ifd)of^  üor3ug[id)  untergeorbnet,  and)  fd;on  ©trettigfeiten  über 
bcn  ©raupen  bicfcr  ©prengel  unb  über  t)m  ©raupen  bei  bcm 
erfreu  ^tfd}of  beflTelbcn  fd)ulbigcn  ©e^orfamö^-^.  Die  oleimc, 
ber  ^oncilienanjTalten  waren  alfo  cilU  ba:  ber  ^Hriaiur  fann  fic 
ö(fo  öud)  bei  feiner  53erjToflr»"g  öuö  bem  9\ümifd)en  9\eic^ 
mitgenommen  Jaben,  unb  er  fjnt  fte  wirüid;  mirgcnommcn. 
(Jö  lagt  ftd;  gar  nid)t  erweifen,  bag  bic  2lrianer  hm  Unters 
fcl)ieb  ber  ^ifd;ofe,  ber  fc()on  hei  ßnt(!e^ung  i^rer  ©e!tc  war, 
fodten  anfgeI)oben  Jaben;  el  griff  aiid)  biefel  gar  nid)t  in 
il;re  Se()rfdl^e  ein:  wa^S  follte  e^  ^inDern,  jel^t  feine  ^r^bi* 
fd/ofe  ober  Sf^angorbnung  ber  S3tfc^üfc  me^r  Jaben  ^u  wollen, 
weil  >er  Sogoö  nid)t  Joc^ifter  ©Ott,  fonbern  bloß  er(!er  SIeon 
an  ©Ott  feir"""0»  9lur  burd)  bie  ^eifpiele,  \iic  man  au5 
ber  5Ifrifanifd)en  ^ird;engefd)id;tc  bringt,  mug  man  fid)  nicf)t 
fd)rccfen  ober  betrögen  laffen:  benn  begannt  ijl,  bag  bie 
ftrd)lid;e  (^inrid)tnng  üon  Dlumibicn  unb  5}^auritanien  gan^ 
i)erfd;ieben  war  üon  ber  (Jinrid)tung  bcr  übrigen  ^ird;en  be*. 


*)  2lIIe^  bU^c^  erOeüft  fc^on  genugfam  a\x6  Kicaen.  can.  6  unl^r» 
Jüo  biefe  I)icrard)ircöc  C5-inrid)tun9  öuäbrücflic^  mos  anijquui 
beijjc:  fie  wat  alfo,  wie  md)  aui  anbcrn  ^iiT-orifcl)i*n  Tm^s 
ricf)ten  erfreut,  um  vielem  alter,  al^  bie  @nt(tel)uii3  beä 
9Jri(ini^muö. 

**)  QSenn  man  unter  neubefebrten  (irianifd^cn  S.'sölfern  nt*t 
g(eid&  ^rjbifd^cfe  unb  ^ifcfcofe  (tntriffr,  fo  l)at  ta^S  eine  ganj 
anbere  Urfac^e/  a\6  weil  fie  ^rianer  waren,  ^lan  fiel)t  bie: 
feö  beutlicb  barau^,  weil  ju  ben  Reiten,  ba  fai^  bie  meiflen 
Mfd)ofIid)en  etütjk  bt6  fKomifcben  Drientö  mit  ^Irtaiierti 
befe^t  waren,  ta€  alt«  ©uborbinationöf^ftem  boc^  tio*  fort* 
HutU. 


198 

gibmifc^cn  3lcicf)^.  S)ißfe  beibe  ^roDinjeti  Jetten  feine  6c* 
j!immtc?i}?etropolttrtnfil^e:  ^er  altcjle  ^tfd)of  n?av  bcr  cr|Tc, 
nur  fein  ^Iter  t>erfd)affte  i^m  ba^  ^^orrcd;t  be^  3^ang^,  bic 
SSiWüfc  ölle  jufammcn  warm  ölfo  bIo6  ön^ufe^cn  a(^  ^ru^ 
bcr  einer  gam{(ic,  unter  bcm  dlt^jlen  23rubcr  aU  \t)rcm 
Raupte  vereinigt  S^at  alfo  öuc^  nacl)  (Jinfu^rung  be6  ^xiaa 
ni^mu^  biefc  ©leld)5cit  fortgeöauert,  fp  wav  fie  boc^  gcttjij5 
nid)tgoIgc  ber  t>crdnbcrtcn  SKeligionögefinnungen,  fonbcvn  c^ 
ttjar  beibc^aftene  altere  ^'inrict)tung  ''')» 

Uebcrf)aupt  f)at  i^crr  9^unbc  t>on  bcm  ©an^en  bcr  (Eow 
cilienanflalten  ctvoai  unbillig,  unb  njcnn  id)  nid)t  irre,  auä) 
«nbiflcrifc^  gcuvtf)ci(t.  S"r  fIcKt  bic  ©ad)e  Dor,  öl^  ob  hcn 
fatI)oIlfd)cn  Sifc^ofcn  nid)t6  übcr(^onciIicnf)aIten  unb  (Joncili^ 
cntaufcn  genjcfcn  iudre,  unb  bod>  laßt  jTd)  gcrabe  ba^  (Bcgen? 
t^c'd  beireifen,  n^cber  5^etropoIitane  nod)  $Sifd}6fc  waren  mit 
ten  ©i)nobaIan|!aftcn  i^crgnfigt.  Dem  ?l}?ctropolitan,  bcr 
gern  bic  ©rangen  feiner  5i}?act)t  ernjeitern  wollte,  waren  fic 
unüberjleiglid)c^  ^pinbcrnig:  bk  S^cvni  (Kollegen  in  corpore 
nahmen  \id)  immer  cjer  bic  'S\'d\)dtf  mit  i^rcm  iperrn  fO^ctro? 
politan  ein  nacf)brucflid;c^  SBort  ^u  fpred;en,  al^  wenn  fte 
»crcin^elt  i^rc  9f^cd;tc  Dcrt^cibigcn  folltcn;  hingegen  Ratten 
öuc()  fclbj!  bic  S5ifd)ofe  hk  ©«nobc  fcf)r  ju  furcf)ten,  bcnn 
jTc  war  i^r  D?id;tcr,  an  weld)cn  fid;  jcbcr  ^cbran^tc  mit 
befJo  größerer  ^^offnung  cine^  gluiflid;cn  d'rfolg^  wcn&en 
fonntc,  t>a  bod)  immer  jeber  S3ifd}of  einige  geinbe  ober  TiUf 
gunjligc  unter  feinen  5[^itbifd;bfen  Jatte.  23enn  alfo  webcr 
taö  3«tercfl*e  bc6  geringem  nocft  M  ijornejmcrn  $8ifc6of5 


*)  5«  früfjern  Reiten  fcöctnt  biefc  afrifanifc^e  Äir^eneinri*' 
t\xm  öucb  i»  fleitt  Olfien  geiuefen  su  fepn,  lueuigfteu^  lapt 
fiel?  fo  ctmx^  fc^liepen  m^  Eusebü  ll.  E.  L.  v.  c.  23. 


199 

(Sv)uobaIauftaltcn  erforderte:  tvörum  foll  nianbie  !atJolifd}cii 
23ifd;6fc  aU  fo(cl)c    CEonciIienlic()^al)er  m\tf  ^onciliculaufer 
örtfcfeen?   a^arum   foU  rwaxi  g(au5,en,  bog  fi'e  gegen  allV  i^v 
eigene^  3»tcre|Tc  fülc()c  2inf!alteu  bcforbert  Jaben?   Sffiarum 
bdtte  möii  bie  2Ibwefcu|cit  ber  23ifd)üfc  öofi  bew/^puoben,, 
fo  ftrcnge  bejirafeu  müflfcu  ''"9,  ,n?enn  fcl^on  für  fici?  bie  9lei= 
gung  ber  ^ifd)ofc  311  (Soncilicn  fo  groß  gcii^efen  njdre?  unb 
fi'iibct  man  iiid)t  häufigere  ha\tlid)c  ©puren  i?on  fingen  ber. 
Q3ifd;ofe    ubfr   t)aß    bcfd)werlid;e   ^oncilienreifen,    über   bie, 
grogvii  bamit  t?crfnü»ften  Unfoflcn/  über  t)m  @c()aben,  ber^ 
öu^   iörer-  langen    2{bn?cfcnl;cit  t?on   tl;ren  ©emeinben   ent^ 
fiünbe'"""0?  Svcilld;  finben  ft'd)  aucf)  klagen  über  bie  kngen 
^J^erfdumniffc  uid;t  gcljaltncr  (5onci(ien:  aber  t)a^  jtnb  nic^tö 
weniger  aU  plagen  foId;er  D])?diuKr,  \re(d)e  politifd;er  ^ifeel, 
j^ic^t,  fonbern  c^  ijt  Qtb^tnüljdU  ii?armer  €;ifcr  für  bie  t>cx* 
fallene  ^ird;en3ud;r,  beren  gan^e  ©tdrfe,  beren  gan^eö  Sebeti 
in  ber  fl^igigeu   @t)nobenI;aUut\g   be(lunb.     Da^  (^oncilien 
geröbc  gegen  öUe  if;re  m'fprünglid)e  2Ibfid;ten   enblic^  ntig^ 
hxaixdjt  irorbcn  finb,  bag  fte  mciftgnö  mc^tige  25dtrdge  ^uc 
traurigjlen  ©d;t(bcrung  hc^  worölifcfeen  unb  litcrörifdKn  3^^ 
(lanbö  ber  ©ciftlid)feit  geben,  bai  lagt  fic^  geti^ig  t)on  feinem 
e^rltc{)en  Kenner  ber  @efdpid)tc  Idugnen:  ober  9}?igbrauc& 


*)  9?ian  fel^e  5.  SB«  Concilium  Constanlinop.  a.  869.  can.  17. 
*"')  5n  ten  altern  Reiten,   5.  35.    hei  ber  erjlen  epl)efmifcfeett 
©ijnobe,  i(l  eö  ganj  9eiü6l)nli(i),  foldjc  Alanen  s«  ^oren.  Slber 
aud)  in  fpatern.    @o  fagt'Oregor  üon  2;ourö  L.  X.  §.  20. 

Tunc  Rex  —  dingens  epistolas  —  ad  omnes  regni  sui  pon- 
'  tifices,  Tit  medio  mense  n^no  ad  discutiendum  in  urbe 
supradicia  adesse  deberent.  .  Erant  autem  pluviae  validac, 
aquae  immensae,  rigor  intolerabilis,  dissolutae'luto  viae, 
amnes  littora  excedentes-  Sed  praeceptiöni  regiae 
obsistere    nequiverunt. 


200 

Ijcr  ©ac^e  i|I  boc^  nid;t  2lbftc^t  ber  ©öc&e:  unb  man 
muß  t>on  feiner  2Irt  t>on  9}?euf(^eu  me{ir  forbcrn,  aU 
fte  nad)  ^eit  unb  Umjlanben  fcpti  f^nncii.  Sene  fo  oft 
mit  unbilliger  Jpeftigfcit  gebranbmarfte  G)cift(irf)feit  bc« 
mittlem  ^citaltcvß,  ircld;er  mau  ic^  ireig  oft  fclbjlt  nid)t 
tt)a6  für  ireit  au^fe^enbe  politifd;e  2lbfid)ten  beilegt,  fcnnte 
fte  »oon  ticn  9^cd)ten  ber  ^Regenten  unb  ber  iveltlid}en  !D?ad)t, 
i?Dn  bem  wahren  53er5dltnige  i^rcö  <Stanbe^  3um  (Staat  alle 
jene  feinbcjlimmte  SBegriffc  Jiaben,  tt)eld)e  bei  un^  er(!  baö 
Slefultat  einer  burd;  öiclen  @c()aben  gelernten  ^lug^eit  fmb? 
Unb  neben&er  follte  man  immer  and)  bic  grage  nad)  '^dt 
unb  Umi'ianben  wo^i  ertragen,  ob  eben  baejenige  *I)cr^dltni0 
^\i3{fd)cn  <Btaat  unb  ^irdje,  ircld;e^  je^t  nad;  ben  ridjtig* 
jlen  p[;ilofopS)ifd;en  (Spekulationen  feftgefe^t  i^,  aud)  jenem 
ganj  t?erfd;iebenen  5[}Zcnfd)enalter  angemeflfen  gewefen  waxtl 
X)od)  id)  verliere  mid)  Jier  3U  n?eit  t?on  meinem  S'^vcd, 
@en3ig  ifi  alfo,  \>a^  man  mit  ber  2(rt,  tt^ie  J?err  SKunbe 
begreiflich?  ju  machen  fud?t,  tuarum  unter  hm  SIrianern  feine 
€oncilien  gehalten  trorben,  unjufrieben  ju  feijn  Urfad;e  bat: 
ober  biefe  ©riiube  a  priori  ftnb  in  einer  biftorifd^en  ©adjc 
obnebieg  immer  mebr  crlduternbe  al^  bettjeifcnbc  ©runbc: 
alfo  fc^cint  t)a^  5Bic{)tigfte  feiner  2lrgumente  ncct)  übrig  3U 
fet)n.  ISlic!'  in  bie  Qk^d)ld)tt  fclbft,  wo  eö  aUbann  inö 
2luge  fpringt,  ta^  ^rianer  bei  weitem  feine  ^oncilien  ge* 
balten  \)abm  in  53ergleicf)ung  mit  ber  ortboboxfatbolifd;en 
^ircljc.  60  balb  le^tcrc  in  einem  0taat  fid?  auebreitete, 
fo  war  aucf)  gleid;  ha^  ^"f'^ttimenlaufcn  ber  55ifd;bfc,  gleich 
(S^nobc,  gleich  53ermifd;ung  ber  gei|llid;en  unb  iveltlid)eii 
^dnbel,  unb  wie  fi'c^  biefe  ^p^dnomene  alle  weiter  cntwicfcl^ 
ten.  35ic  Ovationen,  bereu  Q)efct?id)te  bicr  ^um  ^cwei«  bie# 
ncn  muß,  ftnb  2Bc(!gotJcn,  £)ftgotJeu  unb  SSanbalen» 


201 


§.     3. 

3m  3a6r  472  breiteten  fiel)  bie  ©eftgot^en  unter  i^rem 
^onig  (Zurief?  in  ©panicn  anß,  (f.  bie  iRunbifd^e  ^xciif 
fcl;vift  @.  20.  §.  8)  (le  bract;ten  bie  arianifct)e  Se^re  mit, 
unb  erft  589  trat  SReccatcb  mit  feiner  Dlation  feierlich  5ur 
ortf;oborfat&onfd}en  Sircl)e  ober.  3n  bicfcr  ganzen  mc^r 
aH  ja&r^unbcrtlangcn  SRei^e  ton  S^tren  finbct  ffd)  nur 
eine  einzige  i^on  ^6nig  Scoijigilb  a.  581.  3U  ^olcbo  gcfjaltene 
örianifd)e  ©i;nobe.  jpingcgen  t)on  ben  !atf)olifcl)en,  tk  bocö 
ntct)t  bie  Jerrfd;enbe  ^art^ie  waren,  fiubet  man  in  cUw 
bcujcnigcn  tdiibern,  welche  ber  ^enfc^aft  ber  Sßcflgotfien 
untcrttjorfen  gen>efcn,  —  ficbcn  €onciIien.  2l(fo  ein  merf* 
itjürbiger  ^ontraill  X)k  6enfd)enbc  ^ird)e  I;alt  feine  <gi;no# 
ben,  l^ingegcn  bei  ber  fatI;oIifc()en  fd;cint  e^  rect?t  (55runb# 
marime  ^u  fci;n,  benn  ftc  t)alt  ftcben  6t)noben,  biö  i^xt 
(5C9nerifd;e  ^ird;e  nur  eine  (Sipnobc  l)alt,  unb  ungeacfjtet 
if;rc  9^cIigion  nid;t  bie  EKcIigion  M  ^Regenten  ifl,  unb  alfo 
tvcnig  Unterftu^ung  t?on  S^o\c  ober  9lod;fict}t  ern?arten  barf, 
fo  laufen  ^k  S5ifd;üfe  boc^^  ^ufammen,  unb  njiffen  Srlaub^ 
nip  v>om  S^egcnten  für  i^re  3«fi^"^»^f"^"»ffc  S»  erhalten. 

3d)  würbe,  biefen  Jijlorifdjen  23cweiö  fejr- gerne'  gelten 
laffcn,  wenn  id)  mir  folgenbe  '^xveiid  bagegen  ^inrcic^jenb 
aufjulofen  wugte: 

a)  konnten  nid)t  mk  unb  wichtige  örianifc^e  (Spno* 
ben  in  biefem  3^'it^«wf  gehalten  worben  fcpn,  unb  bod;  aud 
Jiftorifdjen  Umflanbcn  bcgreiflid;  gemacl)t  werben,  warum 
i?on  feiner  berfelben,  bie  £eot>igiIbifct)e  auegenommen,  ta^ 
2Inbcn!en  auf  unö  gefommen  '\\il  33efannt  i(l,  mit  weld/ 
blinbem  difcr,  jum  unerfeyic()en  6d)aben  für  bie  (55efc^id)tf, 
lic  fat()olifc()e  ^ircfee  fe|)r  oft  jebe  6pur  ber  9?acferid)re» 
mÄcfeer«  unb  fe§erifc^e«  Äirc^en  ijertitgtc«    ^'\n  fat|oIU 


202 


fc6er  23tfd)of,  wdd)cx  t>cr  Oladjfolgcr  ciiic^  Wiaimß  war, 
mad)tc  fidy^  jur  cr|len  ^flic^r,  etile  2ln(^altcn  feinet  ^or* 
fa^rcn^  um3urroj5cn ;  öllc^  wax  unter  hm  S^auhcix  feinet 
J'e^erifc^cii  ^orgdnger^  mtrodi)t,  öllc^  mußte  al\o  öud)  rok^ 
ber  nmgebilbet  unb  jiei^t  gleid;fara  cr(l  gt^eiligt  a^evbcn, 
^a^  2lnbeniPcn  bcr  €onciIieii,  wenn  e^  nid)t  außerDvbentlid) 
tt?id)tlge  ftnb,  erhält  fid)  ofincbieß  fc^r  fcl)iver, ;  unb  meificn^ 
blog  ^burd)  ble  2lbfd;rift  bcr  canones,  vomx:  ik.'ni  bcu 
^Irc^enard^iüen  l^interlegt  iDorben.-  9]uu  warb  mit  bem 
S^Jr  589  btcjat^olifcl^c  S^eligiou  mit  eiuemnwl  hk  Ikh*^ 
fc^cnbe:  wirb  woI)l  bcr  ifatf;olifc^e  5Bifd;of  bie  canrones  bcr. 
SIriancr  m  feinem  ^ircl)enard)iüe  fernerhin  ö^bulbeß;Jaben? 
9lid)t  einmal  t5on  bcr  £eoi?igilbifd)cn  ©i^nobe  I;at  man  bie 
canones  j  fonberu  bloj^  benientgen  €anon  bcrfellven.  weiß 
man,  welct)eu  ein  fat&oIifd)er  ©d}nft(!eller  begwegen  öufbe^ 
wabrt  Utf  weil  auö  bemfelben  für. feine  ^artl;ie,  ein. groger 
©cfeaben  entflunb  '"0.  Unb  iti>d)  mu0  \d)  Jinaufegcn,  ba^ 
bicfe  !i^oj)i0ilbifd;c  ©pnobe  erft  feit  1701  in  unfern  ^oncili^ 


*)  2iae^,   mß  wir  tjön  Mefer  <S»nobe  tt)f(fenr.fceWt:<tttf  bcr 
9ia(i)rtc^t_.ber   (ii)xonit    ^e6   ^bt^    S^bann,  von  ;S3iclrtro 

(v.  Canisü  lectiones  antiquas.    Ed.  Basnagii.    T.  I.  p.  öSg). 

5oI)ann  ^attc  ^^ParticuHarinferejTe/  vom  ^cnig  SebPi^ilb  unb 
von  feinem  @ifer  für  tm  Qlrtanlömu^  unb  gegen  ben  -Satbcs 
Üci6mvi6  aOe^  ju  fagen,  W(i^,er  nur  roupte.  Denn  er  felb|T: 
I)atte  bie  tum  nacbtbeilige' ^Qirningen  biefe^  (Eii'erß  erfabreu 

(v.  Dupin  nouvelle  bibliollieque  des  auteürs  Ecclesiast. 
Tom.  V.  pag.  95).  3llfo  aud)  felbfl  ba6  Qlnbenfen  ber  ein= 
jiöen  arianifcben  6»nobc,  t)on  welcher  ivir  ai\^  tiefem  grtn= 
Jen  Zeiträume  etiva^  anffen,  rodre  verloren  gegangen,  wenn 
nt*t  ein  erzürnter  fatboIiicl}er  5lbt  bur*  ginf^eidjnurig  einer 
!)tac^ricbt  berfelben  an  feinem  «Berfolger  fid)  ju  rndjen  qc- 
fud)t  bdtte:  ober  wenn  nicbt  eine  nadjfolgeabe  fatbolifcfce  Sv- 
tiobe  für  notbig  gebalten  bßtt^/  biefe  ©pnobe  namentlicb  um: 
luj^Dpen. 


203 

cnfammlungcn  ffcjt;  ^attc  alfo  ^?crr .  3flunbe  uugcfdjv  \>ox 
3wai]3t3  Sauren  gcfd^ricbcn,  fo  iDurbc  er  gcrat^eau  mit  ©er* 
weifung  öuf  bie  hoä)  fc&r  tjollftdnbige  colctifd;e  ©ömmlung 
Düllig  geldugnct  Jabcn,  bag  in  bcm  ganzen  ^^Itxaixm,  t>a 
bic  5ßcftgotöen  2Iviancr  trarcu,  irgenb  ,elne  ©»uobe  t?on  beu 
^ifd;5fcn  bcrfclbcn  gehalten  tüprbcn  fci>  jpcrru  SKuiibc*^ 
ga«3C  2lrt  Jicr  ^u  fd)licßcn,  ift  cigentlid;  a  silentio  scrip- 
torum  hergenommen;  benu.  ci»  pofi'titjea  Jeugnig  Jat^  er. 
nid;t  öngefü^rt/  voo  ein  alter  ©efd;id}t.fd)rctber  hk  Slnmer^ 
fn.ng  fclbft  gcmöd)t  ^dtte,  bag  bei  ben  Slrianern  fejne  (Spno^ 
ben  gehalten  irprbcn  fepen;  wit  I;pd;l^  ungetvig  i|!  ober 
nid;t  bcfonberö  Ui  öorliegcnben  tlm|Tdnbcn  baö  2(r;guraent. 
t)om  @tillfd;\veigeu  ber  ©cfd;id;tfd;veiber  uub  Dom  5D?anget 
ber  9]ad;rid;ten;  in  einer  ©efd)id)te,  wo  man  ojncbicg  fo 
wenige,  unb  meiftcnt^cil^  fo  öbftd;tlid)  mangelhafte  dUd)^ 
xid)tcix  ^atl  dlidi)t  ^u  gebcnfeii,  wie  hd  weitem  nicl^t  forg- 
fdfrig  unb  fritifd;  genug  and)  nur  baö  wenige,  b^^,maii 
})at ,  bearbeitet,  gefammctt  unb  geläutert  worbcn  1^4 

1>)  (i^  ift  wabr,  t>on  472  hi^  589  waren  bie  SSeflgo* 
tben  alö  ^rianer  in  (Spanien,  unb  e^  mag  «teinetwcgeir 
jc^t  einen  2(ugenblicf  aud)  zugegeben  werben,  bag  in  bicfem 
ganzen  gcitröum  n«r  eine  arianifc^e  @i;nobe  unb  bod;  jte* 
hm  fat^olifdje  @i)noben  gewefen  fe^en;  vck  unbillrg  ift  «^ 
bennoct),  eine  parallele  ju  ^kUn  unb  ^ierau^  folgern  ju 
wollen,  bag  ^oncilien  unb  (^cncilienanftalten  nid)t  inf -ari^. 
anifd)e,  fonbcrn  allein  in^  fat^olifc^e  ^ircfeenfpflem  i?erwebt 
gewefen  feijen.  ^m  mugte  i)or^er  bie  grage  suüerldgig 
entfd)eiben:  x\)k  t?iel  waren  arianifd)c  ^ifd)bfe  im  SSeflgo* 
tjifc^en  ^tid)  in  55cr.gleicl)ung  mit  ben  !atbolifc^en  23ifd)ü^. 
fen,  bic  barin  waren?  benn  unter  ftinfaig  !atJolifc()en  ^ii 
fcf^pfen  fbnnen  freiließ  me^v  M  wod)  einmal  fo  mU  <^p 


20 '4 

«oben  gehalten  »orocn  fctjn,  M  unter  jnjön^ig  Slrtöiicrn. 
5Ber  foUtc  aber  glaube»,  bag  befonberl  in  \>m  erjTcn  S^b« 
reu  ber  Eroberung  ber  @panifd)en  5prot>in3en  burd;  bie  '^2c\if 
gotbcu  bic  Slnjabl  ber  arlanifcl)cn  ^ifd}ofe  uicllcidjt  aud) 
nur  bie  5?dlfte  ber  fat^onfd)en  25ifd)ofe  geivcfcn  fei;?  T)od) 
id)  getraue  mir  nicl)t,  bei  ber  großen  2)uufcUKit,  \iJorin  bic* 
fer  Z^(i{  ber  ^irc{)engcfd)id;tc  liegt,  irgenb  üvoai  5U  bcftim» 
tuen,  unb  ju  einer  forgfdltigern  Untcrfud)ung  reid?t  meine 
gegenn^dvtige  ?Ühtge  nid;t  ^in,  S^m  tRm\hc  ^ax  bod;  im^ 
mer  einmal  t)k  53ermutbung  gegen  fid):  wollte  er  alfo  fei^ 
neu  S3emci6  t>ollfommen  fuhren,  fo  m&ßte  er  wod)  ben  tt)lc^» 
tigen  ünb  fd;tt)eren  6at3  ernjeifen,  in  n?cld)cm  sßer^dltnig 
hk  3iil;l  ber  fat6olifd;en  unb  arianifd)en  $5ifd}6fc  gegen  ein» 
anbcr  gciücfcn  fci> 

c)  (So  fcbr  c6  auffallt,  wenn  man  t>on  ficbcn  !atl)oIi* 
fd;en  ^oncilicn  f)hi't,  inbeg  nur  ein  arianifd;eö  gebalten 
worben,  fo  t>erminbert  fict)  bod;  biefe  53cnininberung  um 
Dielet,  wenn  man  hk  Qln^a^l  ber  hd  biefcn  (^oncilien  ver< 
fammcltcn  ?Sifd;ofe  anfiebt,  unb  man  mug  not^wenbig  auf 
ben  ®eban!en  geratben,  bie  fatbolifd)e  ^ird;e  bßbe,  nac^* 
bem  fte  einmal  bie  b^^rrf^cnbc  geworben,  bie  canones  jeber 
öuc^  nod)  fo  !leinen  53erfammlung,  bie  ibre  ^(ixtl)k  nod) 
im  ©taube  ber  Unterbrucfung  gebalten,  forgfdltig  aufbe* 
wabrt.  Sllöbann  mug  frcilid)  auf  ber  einen  ^citc  eine 
große  2ln5a^l  bcrau^Fommen,  wenn  alle«  mit  ber  gewiffcn^ 
bafteftcn  ©enauigfeit  ^ufammengerafft  wirb;  b"ig<^gc"  ^uf 
ber  anbern  ©cite  fbnnen  obnc  einen  fcbr  wunbcrbaren  ^uiaü 
unmbglid)  Olac^rid^ten  erwartet  werben,  weil  alle^  ^ufam^ 
menfloß,  un^  biefe  au  rauben.  Ueberbicg  bdtte  id)  febr  gf# 
tt)ünfd)t,  bag  ftc^  S^m  Slunbe  erfldrt  bdttc,  warum  er  hai 
im  3<Jbi^  475  ju  Slrlcd  gebaltenc  (Soncilium  ali  ein  folcf^ed 


205 


<ü\\'uf)t,  ^a5  im  n?cftijot6tfc()cn  D?clc^  gcjaftcn  wovhcw,  bcnti 
t)ov  476  fiiit)  bic  ©cjlj^ot^en  tiid;t  3)ZciiIer  t)on  SIrIcö  ge* 
tvcfcu  '^).  SIujTcr  fccr  @i)iiobc  5U  SIgbc  (im  3ft&r  5o6) 
fiub  aik  fünf  übrige  üo»  ivcnigcr  ^ctrdd;tlid)fcit.  5(uf  bic* 
fcr  njavcu  \>icx  unb  3Wati3icj  ?Sifd;üfc  ^-""0,  (tcbcu  ^rcebpter^ 
unb  ^roei  Diafoneu  aU  Dcputirtc  eben  fo  mUv  •Bifd)üfc: 
hingegen  auf  bei*  ©pnobc  ^u  ^alcn^a  unb  Zokbo  voaxcn 
nur  fcd)3:  öuf  bcr  3U  Seviba  öd)t,  öuf  ber  ^u  ©ironnc  ftc- 
ben,  cnblicf?  auf  ber  ju  Slarragon  ^djau  "^aix  bcbcnfc  bcii 
weiten  Umfang  be^  ®cfIgot{)ifd;cn  SRcidje;  man  bcben!e^ 
baß  Jicr  üon  einem  gan3en  3^r;rl;unbcrt  bk  ^ctic  ift,  ^trar 
üon  einem  3abr(?unbert,  ^a^  bic  fat&oIifd)c  ^irc{)c  unter 
ungläubigen  ©b^r  toiclmcf)r  fe^erifd^eu  Königen  burd)gelebt 
f)at,  aber  bei  biefem  allem  bod)  mcijlen«  toleranten  Siegen» 
ten:  unb  it?irb  man  fid)  nod)  immer  berechtigt  galten,  burc^ 
5))arallefen  ju  jeigen,  wie  tief  ba^  (^oncilienjalten  in« 
©pjlem  ber  fatl^olifc^en  Äirc^c  t>erwcbt  gewcfen  fep,  wie 
wenig  in«  ©ijftem  ber  arianifc^en? 

^ad)  altem,  wa«  id)  bi^Jcr  gezeigt  J^be,  !&nnte  alfo 
t>k  QJefd)id)te  ber  5[Befigot5en  nic^t  ^um  ?Sewei5  ber  Dtun? 
bifc^en  Jpi^potbefe  bienen.  ^^oc^  mit  mejrerem  SRc(tt  aber 
unb  fafl  auö  gleichen  ©runben  Iafl*en  fid^  gegen  t)m  25cwei«, 
ber  öuö  bcr  ©efc^icfete  ber  £)|igot5cn  unb  53anbölen  gcnom» 


•)  2)cn  IßettJei^  ^icoon  f.   in  Pagi  Criiica  in  annales  Baronii. 

ad  a.  477.  n,  20. 
•*)  ®a^rfd)einlid)  i(t  e«   ein  S^rucffe^er  in  ter  fottfl  fo  ßc« 
nauen  SBaldjifcfeen  ©efc^ic^tc  ber  Äirc^entJerfammlung  rocun 
eö  ®.  349  öeißt,  e^  fcpcn  ad)tiiQ  «ifcfeofe  un^  Scputirtc 
poa  se^n  anbern  ocrfammelt  getpefcn. 


206 


tticn  vohh,    n)ld)tlgc  SinVüciibuitgcrt  tttacl)cn,     S^Jeobcrid), 
bicfc^  5}?u|Ter  guter  unb  rcd}tfd)affncr  ^rin^cn,  n>ar  ^trar 
bcm  2lrl(tnt^muä  ergeben,  ba  er  Stallen  feinem  ftegreid;cu 
2Irm  untern^arf:  aber  felbjl  nad;  bem  $mQm§  Fat^olifc^er 
©c^riftfleller/  ttjar  er  ^ugleld)  bcr   gutigiTe   S3cfd)u^er  beö 
^at^oüci^mua.    ^'r  na^m  o^ne  2(itftanb  fat^olifd;e  ?0^uii|ter, 
unb  t^at  biefer  ^ircfec  t>tel  (3i\u^,  ungead)tet  gcrabe  in  feine 
^ätcn  mand)e  geiler  ber  romifc()en  QJrafaten  fielen.    SSlan 
ffcllt  fid?  alfo  bod)  rao^l  nic^t  \>ov,  l)a  X^edberid)  Jperr  öon 
Stallen  warb,  t^a  n?avb  Stallen  arianifd;.    ©ewig  fefer  um 
tidjtig  1    Denn  bic  gau^e  53erdnbcrung  war  n?o^l  nur  biefe, 
bap  burd)  einen  (oId;en  polltlfc^en  5Bcd)fel  ein  paar  arlanifdje 
S3ifd;üfe  nac^  Stallen  famcn.    SSte  t>iel  l^rer  gewefen  finb, 
lagt  ftd)  bei  ben  wenigen  Unterfud)ungen,  welche  über  bicfe 
?9?aterien  gemad)t  woiben  ft'nb,  gar  tud;t  entfcfeeiben :  aber 
mit  jtemlid)er  ©ewig^eit  lagt  ft'd)  tcrmut^en,  M^  e^  nur 
fcjr  wenige  gewefen  feijen.    @inb  eö  aber  nur  fe^r  wenige 
gcwcfen,   fo   tft  leid)t  begreiflid),   it>arum  man   nid)t^  t)on 
©ijnobaberfammlungen  ^ort.    ^od)  wdre  öieücidjt  fogar  bic 
grage  ob  eö  nur  fo  weit  gefommen,  t)a^  e^  mehrere,  burd) 
gewiffe    bejiimmtc    ©prengel    regierenbe,     arianifd)e    23U 
fc{)ofe  gab:  unb  gob   e^  nid}t  mehrere  t?on  biefer  2Irt,  fo 
Jebt  ft'd)  o^nebicf  ha^  ^oncillen^alten  t?on  felbjT  auf.    Dag 
ober  bie  !atJoIlfd)e  ^irdje  il;rc  alte  ©itte  hcibci^altcn  ^abc, 
unb  noc^  immer  wichtigere  ©trcitigfeiten  öuf  @t)noben  cnt^ 
fc&iebcn,    t(l   fein    5[öunbcr:    jtc   war   unter    bem   ©d;ut^c 
fo    gutiger    ^Regenten,     M   bie   £)(Igot5ifcl)en    SiJZonard^en 
waren,  meijlcnö   eben  fo  frei,   alö  unter  SJegentcn  gleid)er 
Sieligion.. 

2Iu6  biefem  wdre  öffo  fejr  begreiflid;,  warum  man  t?on 
fatjolifdjcn  unb  iud)t  tjou  arlanifc^en  ©pnoben  Jbrt,   obne 


207 


feine   ^nfi\id)t  311    einer    äJcrfcfciebenl^eit    bcv    Jierarc&tfd;«! 
5^Zarimen  Der  SIrianej:  unb  £)rt^obox'en  3U  nehmen» 

5l6er  dix  ganje^  3^&r^«nbert  wcitm  bie  ör{anifrf)cit 
^Banbafcn  in  5Ifvifa  ü}?ci|Ter;  bcr  Min^  lieg  öftere  feinen 
©laiibcn  eben  fo  na c^brucf (id;  prebigen,  aU  Sub^uig  XIV, 
burc^  feine  2)ra9oncr;  mit  ©en?alt  fc^te  ffd)  öffo  ber  Slria^ 
nilmu^  in  ben  S5eftt^  ber  ^ird;en,  unb  bod)  in  bicfem  gan^ 
Scn  3*^itf^"ni  feine  <2pur  einer  ariantfdjcn  ©pnobe,  Jinge* 
gen  fobalb  ficö  nur  ber  ^öcrfolgung^geijt  be^  ^?ofe^  dn  we^ 
nig  gelegt  ^atte,  fo  i>evfamme(ten  ftd^  bie.  !at&o(ifc^en  S5i* 
fd)6fe.  ^bcr  n?eld;c  einlKimifd;e  Ülac^ric^ten  Jat  man  benn 
tjon  bcr  arianifd;*t)anbalifd)cn  ^irc{)e  in  2lfrifa?  ©ön^ 
feine,  Sagt  fic()  alfo  au^  bem  Mangel  übriggebliebener 
^aä)vid)Un  auc&  auf  ivirflic^  nid;t  gehaltene  6t?noben 
fd)liegen?  (Sclbfl  bie  poIitifd;e  (3c\d)id)tc  ber  tjanbalifd^en 
a^egicrung  m  Slfrifa  i(l  mit  fielen  Dunfcl&eitcn  bcDccft/  t^u 
fi'd)  nid)t  auffldren  laffcn,  n?cil  e6  an  feiflorifc^en  ^ofu^ 
menten  fef;lt:  n?ie  i^iel  mc^r  alfo  bleibt  bk  (^cfd)id;te  biefer 
^ird)c  ^ocl)(I  ungen?iß,  bcfonbcrö  \)a  hd  einem  blog  friege= 
rifd)en  ^^olfe,  trie  bie  -öanbalen  tvaren,  bei  einer  beäpoti^ 
fc()en  SRcgicrungeform,  wo  alleö  t?on  ben  i>erdnberlid;en  ©e^ 
finnungen  ber  ^Regenten  abging,  tüeber  (Staat  nod)  ^irc^c 
jemals  einige  Sa^rc  Jinburcl)  ^u  einer  tva^rcn  fonfiftirenb^i 
gorm  !ommen  fonnten*  ^nd)  auf  bie  ^urgunbifc^e  ©es? 
^d)id)U  Vonntc  id)  unter  gettjijfcn  SSeftimmungen  anwenben^ 
voa^  id)  hü  ben  SBeflgot^en,  S'i'tgDt&en  unb  5ßanbalen  cr^ 
innert  iahe,  aber  id)  überlade  jef^t  alleö  weitere  Sym^nrd^f 
[ü^ren  burcf)  5Seif)3iele  einzig  bem  9^ad)ben!en  bcr  Sefer^ 
ic  ti  mcHeic^t  auc^  faltblütiger,  aU  id),  ererben  beurt^ei^ 


208 


len  f&nnen,  ob  \d)  mid)  nid&t  burc^  polcmifircn  Jöbe  t)n\f 
relflcu  laflfcn^  unb  burd)  einen  ©prung  auf  bö^  cntgegcngc^ 
fe^rc  dxtvcm  ber  5[öa^rf;cit  bicllcic^t  t)crfe^It.  34)  fdjllcße 
mit  bcm  a\umjlcn  unb  Jod^ac^jtung^öoUellcn  25an!  gegen 
^pcrrn  Siunbc^  für  bö^  fc^rrcic^c  Vergnügen,  ba5  er  mir, 
einem  geringen  Z^c'd  feineö  ^ublicumö,  burd)  feine  mci* 
^Icrjöfre  unb  p^i^ofop^ifc^  <  fc^arfftnnige  €nrn?icfclungcn  ge? 
fc^enft  hat. 


209 


VII. 

95on  einer  ^in&clanftalt  ju  Strier  im  jteben^ 

teil  Sa^rlnint)ert,  nebft  ^etradjtungen  über 

Die  93ort&eile,  bie  bct  ^leruö  i)em  mittlem 

Seitalter  brad)te  ^'0- 


§.  I. 

;Dag  man  in  ^^eutfcblöub  fcfcon  im  ficbcntcn  cbcr  öcb= 
ten,  t?icllcicl;t  gar  im  fcc^etcn  3a^r{)unbcrt,  gciriflTe  bcftimmte 
giubelanjlalren  antrifft,  i|t  gcnjig  fo  \vid)tiQ,  unb  für  hu 
©efc^id)te  ber  Äumaniftrung  ^^eutfc^Ianbö  fo  mcr!n?iirbig, 
t)a^  bie  ^öegeben^cit^  ^or^uf.  ftc^  biefe  ^emcrtung  ftü^t, 
ouöge^eid^nct  ju  n?erben  D^rbicnt.  Sn  bcn  actis  sanctorum 
im  imiHix  ^om  be^  3uliu6  ftcfet  ©.  327  —  346  ha^  ^c^ 
bcn  bc§  Jeif.  ©oar.  Unter  feinen  anbcrn  5Bunbern  ivirb 
öud)  folgcnbeö  cr^a'dlt  @V  335.  (Jbcn  ba  ber  Jeif.  Q3oar 
tDcgen  öicler  23efct)ulbigungcn  i?or  bcm  ^r5bifd)of  S^uftifu^ 
t)on  2!ricr  jtd)  uerantnjortet,  unb  ba  bie  Diic^ter  t)on  ber 
Unfc^ulb  beS  bciligen  9}?anneö  baburd)  nod)  nid)t  gcnugfam 
überzeugt  n?urbcn,  baß  er  i?or  if;rcr  aller  2(ugen  feine  93Juljc 
an  einem  ©onnenjIra^J  auf^ieng,  aU  ob  biefer  ber  fcftejic 
klaget  wäre,  fo  ereignet  (ic{)  folgenbe^: 


*)  ffluö  «ö?eufcl'^  ©efc^ic^tdforfdjer.    ^01.4.    1777.    ©etfe 
220  biö  248. 

eplrtler'ö  fammtl.  2?t'rfe  VIII.  ^3^  14 


210 

Venil  puer  de  Clero  Trererorum,  nomine  Seob- 

gisus^  portans  in  brachio    euo  infantem,  Ires  noc- 

tes  bAbentem^   qui   fuit  conjactatus  in  illa   concba 

marmorea   ante    oslium   ecclesiae,    siculi  est  con- 

suetudo  Treverorum,    ut  pauperculae    feminae  in- 

fantes  suos  soleanl  jactare.     Haec   autem  erat  con- 

suetudo    illorum^    ut   quando    aliquis    bomo  ipsos 

infantes    projectos,     quos     nutricarios  vocant^   ab 

illis  matriculariis   S»    Petri  enumerare  videbanlur, 

Episcopo  ipsum  infantem  praesentare  deberenl,  et 

postea  Episcopi  auctoritas  ipsum  bominem  de  illo 

nutricario  coniirmabat. 

Der  ?5ifd)of  tjcvlöngt  üon  bcm  f)til  @oör,  er  fcH  ^um  25e^ 

Vüeifc  feiner  Unfc()ulb  ben  53(Jtcr  tiefet  gefundenen  ^inbe« 

anzeigen.    Q^ic^t  nur  ba5  t^ut  ©oar,  fonbern  er  niöcfet  nod;, 

baß  bö^  bi'dtäQiQt  ^inb  bcn  5!}?unb  fel6|!  öffnet,   unb  mit 

Dcrne^mlidjer  ©timmc  lüdjt  nur  feine  ÜJZutter,  fonbern  and) 

feinen  i^errn  53ater,  t^cix  S3ifd;of  felbjt,   nennt.    X^a^  Wi^ 

rafel  felbfl  if!  nun  freilich  bic  6önbgreiflid)(!e  %aM,   ober 

berjenige,    ive(d)er    bajfclbc   ^uerfl  fc^riftlid)    terfagte  ober 

ttiünblid)  öuebreitete,  muß  bod;  bie  bitten  unb  ©etro^n^cif 

ten  ber  9}?enfd)cn,  benen  er  böö  9}iira!el  3ufd)reibt,  beobad)> 

Ut  l^aben,  ober  um  gan^  ftd)er  ^u  fd)ließcn,   ircnigilcnö  3u 

ben  Reiten   M   ?8erfafferö  biefcr  Scbcnebefd^reibung  muffen 

bie  ©cnjo^njeiten  öllgemein  begannt  gewefen  fcyn,    bic  er 

bei  feiner  S'r^d^fung  aU  fo  gön^  unge^tijeifelt  gewiß  i?oröu^^ 

fe^t.    9lid;t  fo  gar  feiten  i(I  eö  ^wax,  baß  ein  ^akv  fein 

Slroja  mit  Kanonen  bcfd?ießt:   ober  barauö  erhellt  alöbann 

bod>  fo  mi  gcttjiß/  baß   U  ^u  ^dUn   biefe^  £l}?aler^  fd;on 

Kanonen  gegeben  {lat. 

2)cr  Jeilige»  QJoar  lebte  ungefähr  hU  xni  Sabr   575. 


211 

dma'  a^t  Sajre  tot  feinem  Zot^  foU  flct  obige  ©«geben* 
Jcir  zugetragen  Jaben.  ©enn  ölfo  ber  SJerfafifer  bic  @itte» 
feinet  3citalterö  bcm  Sa^rjunbert  beö  JeiL  ©oar^  nic^t  uu# 
tergefc^obcn  f)at,  fo  waren  im  fßd)ötcn  3al;r^unbcrt  orbent<i 
licöc  giubcfanilalten  ju  Xrier:  unb  ^at  er  fic  t^m  ait^ 
wirflicfe  untcrgefc()obcn,  fo  tttad)t  e^  faum  einen  Untcrfc^icb 
ton  einem  ialhm  Sa&r^unbert.  Senn  SlBanbelbcrt,  bcr  fcinft 
(^r^d&Iung  ton  bcm  billigen  ©oar  um  ba^  ^al)v  809  fcbricb^ 
beruft  ftc^  tahci  auf  vetasta  unb  peranli^ua  exemplaria, 
öuö  bcnen  er  neben  anbern  ÜIad)rid)ten  feinen  ©toff  gcnom^ 
men  b^be.  2)ie  in  ben  actis  sanclorum  abgebrucften  ^?anb^ 
fd)riften  finb  «jirfUc^  alter  al5  ©anbclbert,.  ttjabrfd)cinlic(> 
ftnb  e5  alfo  bicfe^  auf  \mld)t  er  pd)  berief.  Sft  c^  <iber 
glaublich,  ba§  er  (le  vetusta  unb  perantiqua  nennen  fonnte, 
itenn.fte  uid)t  n)cnig(!en6  ein  Sabrbunbert  dtter  itaren  al6 
fein  Sluffalj?  Unb  wenn  tiefe  ^r^d^Iung  a(fo  ttirflid)  ton 
einem  (5d)riftfteller  öu^  ter  erj^crn  Jpdifte.  be^  achten  Sabr* 
bunbert^  ift,  fo  burfte  vtobl  t>u  ©ittc,  :auf  bic  fid)  feine 
^r^df^lung  grünbet^  feine  gan^  neue,  erjl  ijor  fur^em  in 
©ang  gefommene  (Sitte  fei)n;  fonjl  iturbe  fid)  ber  S3crrug^. 
all^ubeutlid)  unb  öijcö  bem  uncrfabrnern  aü^üii<i)tbav  gqcigt 
baben.  5I(fo  ^iemlid;  gewig  i(I  e^  (BitU  au5  ber  (entern 
5?dlfte  be5  ftebenten  Sabrbunbcrt^,  ober  tielleicbt  nod)  ge^ 
«auer  au^  ber  5}Zitte  beffelben.  Olöd;  ^i«  wid;tiger  ^welfcl 
t(l  übrig,  \icn  id)  anzeigen  unb  wo  moglid)  auflofen  muß, 
eje  tc^  aur  weitem  5inali)(irung  ber  9]actri4)t  fclbjl  geJeM/ 

3Die  gan^e  6acbe  fott  ftd)  im  Sajr  566  ober  667  unb 
Swar  unter  bcm  Sr^bifdjof  SRuftüuö  ton  2;ricr  zugetragen 
baben.    91m«  ft?iflren  alle  aubcre  glawbwmbige  Q)cfc(?tc^tf(^rci^ 


212 

&cr;itnt  bicfc  'Jeit  tvon  feinem  vlricrlfc()en  ^r3lnfcf)of- ober 
a3ifc()of  IHuftüu^,  fonbern  auf  ben  9lketiu5,  tjou  bcm  nmn 
nod)  üom  ^aljv  565  eine  Urfunbc  Jöt,  laflfen  jie- unmitteli 
bctr  ben  SDkgncYif«:^  folgen,  ^o  fü^rt  ^evr  üon  J)ont^eim 
(hi&tor.'Trörar.  diplom»  T.  L  p»  52)  ein  »©ebiiit  beS-' 
2)enäntlu0'  gortunötuö  du,  lüorin  et  ouf  beit  S^licctiu«^  mv- 
ttiitulhax  ben  9}?ö9neriftt6  folgen  (dfh  Unb  gortunatu^  ijl 
ein  fc^i*  glaitbtT^uvbigcr  $mQ(*  Ungefähr  um  baö  Sci^f 
564  "^0  föm  er  öuö  Stallen  nöd;  ©allicn,  n)Urbc  fe^rgc* 
twJüdr  gr^unb  br^  53ifcl)of6  9]icctiü^,  bre  ^dbicf-föle  bei' 
>^ri&rifd?eR  ^ircfedfonnten  i^ms^dlfo  auc^  md)t  lUibeFannt 
f^ijn-/ unb  W%t'<iKc6  für  (Tt!?;.bert.Dlad;folger  feine^^  greunbcö 
^h'iau  gcwügt-'^u'^abhu  ©ein  3^"9"iß  -ill  bcttiuöd)  gän^ 
g'etvig  ditcrv  öI^' Ija^'geugnig  be-^-'^iog rapiden  beö  -{^eiL 
(5)6arg ;■  bcnu-^ö  ijl-t)«^  3^^'ö"'i6  ■  ^i*^^^  ^ei^ö^n'^lT»^*^/  ^  tin^ 
Warum  foÜ '  man  9^ac^ri4)t'en  ciiVe^  2inoni;rtiu^ ,  "'^öil^^beffcu 
Xeben^umjlduben'  man  nicfet  bie  gefingjle  9^ac()rid)r-]|aty'bäg 
tnött  ettt)a  taraw'^'-urtbeilcn  fonnte,  ob'  er  genugfamc  ©cI^<jcm^' 
8cit  Jatte  bie' 'Iffiäl^r^cit  5U  crfö|ren/trörum  foll  mön  bicfc^ 
ben  91ac^ri4)teft  'eirieö-  ^cl^nft^teUerö  tjor^ief^en ,  ber,  ;nöcf; 
öllen  feinen  Seben^umjldnbeh'  3U'  Urtt>cileil',^  ble'SBa^rJett  ge# 
tt)uft  ^abe-n  mug,  nnb  gan^  feinen  ^ßort^ei!  ge^öM  ^öben 
fünn,  fte  ^u  ber&n-gen,  ober  folfclje  9löcl)rid)teh  mitä-^ufdyiebcn. 
Sben  fo  i(!  in  bcii  gestis  TreVirorum  c,  87.  be^  Dliccti«^ 
unmittelbarer  9]ac{)fo(gcr  —  9}?agnerifu6.  2)icfe  gesta  Tre-^ 
virorumaber  pnb  ^u  dnU  beö  neunten  S'a^rjunbertö  (Mt 
^ont^cim  0.  26)  öon  einem  Wlhud)  ^ber^arb  angefangen 
tt?orben,  ^od)  fe^t  ^?err  t>on\^?ontf)eim  !)in5U,  bog  mit 
btcfem  geugiug  fibereinftimmc    quidcjuid    est  venerandae 


*)    @.  Pagi  Critica  in  annaies  Baronii  ad   h.  a.  nro.  V 


til5 

anticfuiiAtis.  ^v  mac()t  affo  bit  ric^ttgc  ^emcrfttttg;  •  böß 
SBaiibelbcvtö  3^'y9»^8  ^"^  ^^^  neunten  Sa&r^unbert  btcfen 
ticii^  atrern  tl)üU  bd  weitem  glaubwurbigcvn  ^a\Qm  nic^jt 
enrgcgengcfd^t  iverben  fonne.  Denn  aud)  ^ben  gcill  onge* 
nommeii,  t}a^  Sßanbclbcrt  bie  ©öt^  eben'  fo  geiriß.  ttJifTc» 
fonnte,  al^  gortunatuö  .un5  öl6  bcr  ^crfaflfef  ber  gestorum 
Trevirorum,  bag  n.  cJben  fo  ivenig  öl^  bicfc  3»tere(fe  Mf 
bei  ^atte,  bic  ^aM)cit  nid?t  5«  fagen:  fo  öevbicnen  bod) 
bicfe  fd?on  beöit)L\qen  ben  ^or^ug,  weil  fte  I^icr  eigentlid) 
bic  gofgc  ber  2^ricrifcl;en  53ifd)üfe  ^emcrfen  trollten,  olfo 
bo^  gum  ^au^t^wecf  i^rer  Slrbeit  Rotten,  öuf  ben  fte  folg? 
lid)  alle  ?[Ru^e  njanbten:  hingegen  Ui  Slöönbclbert  unb  bei 
bem  altern  ^iograp^en  be6  ^eiligen  ^©oar,  ber  in  ben  2lntt 
tt?erpif4)en  i?eil{gen«Seben  abgebrncft  ift,  war  t^a^  blog  Die?» 
benfadje.  9?ic^tlge  93emerfung  beö  92amcu^  be^  53ifd[)of^, 
anter  xt)dd)cm  \id)  bk  ^ad)t  gutrug/  tvar  nicl)t  jundc^ft  ifer 
^auptgwecf,  al^  tielmebr  d'r^dl^lung  ber  großen  SBunber 
i^rea  X^Jeiligen.  Uub  ha^  jene  ölte  33iograp{)en  bcr  j^eiligen 
gn  !ritifd;en  Berichtigungen  unb  Unterfucl)ungen  nicl)t  gcrabe 
bic  gcfd)icfte(ren  Seutc  ivaren,  Mvaix  wirb  vooU  niemanb 
gitjcifelm  Zä^t  ftd;  alfo  fein  2lnön?eg  beulen,  biefe  beibc 
,t>erfd;i ebene  ^eugnijfe  gu  vereinigen,  fo  muß  iä)  gef!eben, 
ta^  t>it  ^?ont5eimifd)c  53KMnung  in  meinen  2Iugen  noc^  im^ 
racr  ben  ^Jor^ug  öerbieut,  unb  eö  i|I  ein  $Ben?da  bcr  Un< 
iiMflenbcit  be6  ^?errn  ^.  ^para^cim^,  it>cnn  er,  bem  gelehrten 
jjjont^eim  gn  tt)iberfpred)en ,  im  erftcn  Sontu6  feiner  ^onci^ 
lienfammlung  0.  17.  fd)retbt:  inter  vetöres  Archiepisco- 
pos  Trevericos  pauci  tarn  clare  ex  scriptls  demonstrati 
quam  Rusticus  hie  seound.us.  ^ei  eben  bcrfclbcn  ©cU* 
igcnjcit  unb.  auf  chni  berfelbcn,  (BdU  t)errdt{>  ftd)  in  einem 
jwar   fleincn    cjber   ivic^tigcrt   Um|lanb    bte   Untreue  biefc^ 


214 

€onciIicnfammIcrö.  X^k  ^anbfc^riff,  öuf  bercn  5llter  cä  bei 
biefer  ganacn  ^ad)i  Jauptfdc^Iicf)  anfommt,  beflimmni  bie 
2Iiitn?crpifd)cn  ^Sammler  blog  im  SlUgcmcincn  burc^  folgenbe 
2iuffd)rift:  (S.  Goaris)'Vila  auctore  anonymo  forte  8ub- 
AequalL  Ex  MS.  Bertihiano  vetustissimo  ad  alia  MSS. 
collato.  3tt)icfad)  ift  bic  ^(i6)la^\Qhit  ober  Untreue,  vocld)t 
S^av^^cim  bei  ^(nfii^rung  bicfcr  5Bortc  bcgcjr.  S'i n ma f. 
ÖBae  bic  ölnttrcrvcr  Don  bem  ^erfaflcr  bcr  £eben^bcfd}vci* 
biuig  fagcn,  Umt  er  auf  t>k  J?anbfd;rift  felbft.  ^r  will 
ben  ^bfc^rcibcr  ^um  üubaequali  beö  ^eil.  ®oar5  niad)cn, 
gerabe  gegen  bic  bcftimmtef^cn  SBortc  feiner  Urfunbc.  ^wci^ 
ten^.  Die  5(ntn3crpcr  fc^en  3irctfcl^öft  forte  subaequali. 
5Bcil  Äcrr  Jpcrr^K'im  gefujlt  {)aben  mag,  ha^  t^a^  forte 
feinem  gan3cn  ^Seireiö  gegen  Jpont^eim  bie  ©tavfe  nehmen 
würbe,  fo  lagt  er'6  ihixtc^,  iinb  fe^t  Pinius  detegit  codii 
cem  Bertinianum,  a  subaequali  anonymo  scriptum, 
©ewig,  ti  überfteigt  aUcn  Glauben,  ta^  ftc^  ^u  unfern 
Reiten,  hü  ben  rcict)en  Gelegenheiten,  t>k  man  Jaben  fann, 
burc^  Kollationen  bic  ^rcue  cineö  ©ammler^  au  ^Jrufen, 
^a^  fid)  ein  9}^ann  unterftanben  bot,  burc^  folcfee  ^crfdU 
fd)ungen  ^u  einem  Eingriff  öuf  ^nx  un(!erblid)  i?erbienten 
ipont&eim  fi'd)  ben  2Beg  ^u  babnen.  Uebereilungen,  flöc^ti» 
ge6  Uebcrfeben  würbe  id)  ea  nennen,  wenn  bicfe^  ber  cinjigc 
Sali  wdrc,  wo  J?ar3belm  auf  biefe  2lrt  terfubr:  ober  M 
man  in  hm  wic^tigflcn  Urfunben  gleid)e,  ton  ibm  willfubr^^ 
lic^  gemad;te,  53erdnberungen  cntbccft,  unb  t>ielleid)t  mit 
ndd)(!em  bem  ^ublifum  auf  ba6  augcufd)cinlid;|lc  burd)  eine 
gan^c  9f^eibe  bcr  treffcnbftcn  ^cifpicle  bcwcifen  wirb:  fo  cr^ 
forbcrt  c6  bic  ^6rc  bcr  Sßabr()cit  unb  baö  fonft  migbraud)te 
3«traucn  be^  ^ublifumö,  ta^  c^  gegen  einen  bloßen 
©ammler  billig  folltc  [Jabcn  fbnncu,  tax  fe^dnbli^cn  (EJa* 


N      .  215 

raffet  bcd  ^c^jriftiTellcr^  ungcfcteut  auf3ubccfen«  ^m  5Jer# 
eiiiiguug  bcr  ^ad)x\d)Un  beö  @o(jrfd;cii  ^iograpjcu  mit  bcn 
übrige«  9lac{;rid;tcu  t)0«  t>cr  Otci^cnfolgc  t>ev  ^vicrifd;en 
S5ifd}üfc  fd^lage  id)  folgende  3n3ci  "iQcQi  oor,  t>ic  id)  über 
ga»5  bcii  prüfenden  Sßerfud^cu  meiner  Sefer  uberlaflfe: 

i)  55cnu  bcr  S5ifc()of  S^ujlifu^^  bcjTeii  in  ber  ©oar« 
fc^en  !lle,ben6befd?rcib«ug  gebad;t  i(?,  ctvoa  gön^  furjc  3^^^ 
crroa  nidjt  einmal  ein  \>o\ii$  Sa&r  regiert  l)ättCf  fo  liege 
fid;  '^  tro()l  begreifen,  warum  feiner  tveber  in  ben  gesti» 
TreveroruiTi;  nod}  in  bem  ©ebid;t  be^  gorlunat«^  gebac^t 
t(l^  Die  ^ortf)eiIe  m\b  9lad;t5ei(e  biefer  j';>v)pot{)efe  fann  ic^ 
Jier  nid)t  cntiuicfeln,  befonber^  t>a  bic  ganac  Untcvfuc^ung 
l^ier  nid;t  S^an);>t\ad)c  ijl. 

2)  Sßenn  ma«  önnimmt,  bag  ber  Sbnig  ©igcbert, 
beflfen  am  (Jnbc  ber  £eben6befd;reibung  gebac^t  ijl,  feine 
9lac^frage  wegen  bem  53crbred;en  beö  9iufti!u^  crft  lange 
^cit  nadi)  gcfdje^ener  Z^a^  unternommen  ^dtte,  fo  fann  ber 
S3ifd;of  S^uftifu^,  t>on  bem  ^ier  t>k  9^ebe  i|1,  berjenige  fev)n, 
t)n\  ^pont^eim  ©♦  60.  nad)  bem  gibiciuö  unb  Dor  bem 
Slprunculuö  fe^t.  Se^tere  fD^einung  fcl)eint  mir  bd  weitem 
t>k  wa^rfd)cinlid)ere.  9lur  mug  man  bei  Unterfud;ung  ber* 
felben  bic  53orftd)t  gebraud)cn,  immer  me|r  ben  ^Siograpjen 
beö  ^eiligen  ©oavö,  wie  er  in  ber  2(ntwerpifd)en  @amm* 
lung  abgebrucft  i(!,  t?or  Slugen  ^n  f)abm,  aU  bic  S'r^ab' 
lungen  ©anbelbertö,  Sencr  ift  in  53ergleid;ung  mit  le^tc/ 
rem  offenbar  Quelle.  25em  ®efentlid;en  meiner  S3emer!ung 
würbe  eö  nic^tö  fd)aben,  wenn  fclb|l  aud)  ber  9Zame  be^ 
S5ifd)ofö  falfd)  wdre,  fo  wenig  aH  fte  burd)  bic  Unwal)rbeit 
beö  gan3en  Facti  verliert.  Se^t  ^ur  2Iaa(j)fumtg  ber  ^<idi)c 
fclbft. 


216 

3«  einer  ^ert  ölfo,  über  welche  w^  gcmetnlg(ic^  mit 
fo  mUv  ©clbjtgffdlligfeit  fpottcn,  vocii  ba^jentgc,  tpovubcr 
ftd;  fpotten  ia^t,  fo  9<xr  leidet  iuö  Slugc  fallt,  unb  weit 
man  ftd)  burd)  5?orfdl^licbe  ^SergcATun^  bcr  '^cit  unb  bcr  Um* 
ftdnbe  hm  (Spott  nodS)  crleid;tcrt,  ^u  einer  g^^t/  ^^^  fvcilict) 
tjcrglidjen  mit  bcr  unfrigen  er(!  noc^  ^eit  bcr  Äinb^eit  unb 
bcö  Snt\T?icfclii6  ift,  ftnbet  (tc&  eine  bcr  mcrfiDurbigjIcn  ^iv 
ftaltcn,  trobiird)  Dtcllcidjt  bie  ^olicci  manc()cr  teutfc^en  ^ro* 
t)tn3  (jegcntüdvtig  nod)  bcfd;dmt  tvcrbcn  fonnte.  2)a^  mag 
5n?ar  in  jcbcm  woblgcorbnctcn  (Btaat  fctjn,  ha^,  wenn  au^# 
gcfcl^rc  ^iiibcr  gefunbcn  werben,  bic  C^brtgfeit  fid)  bcr  53eV'' 
forgung  bcrfclbcn  annimmt:  aber  ihr  i(t  bei  weitem  mcl}r. 
^  ift  ein  ^Ma§  fcflgefegt,  wo  bic  ^inber  Eingelegt  wer^ 
hen  follcn,  c6  ifl  eine  eigne  ?llvt  t)on  Clerici  öufgeftcllt, 
welchen  bic  53crforgung  bicfer  aufgefegten  ^inber  aufgetva* 
gen  ijl;  alleö  gcfd}icl)t  unter  obrigkeitlicher  5hiffid)t,  beim 
bem  ^ifd;of  wirb  ba^  gcfunbene  Äinb  angezeigt,  unb  wollte 
aud?  jcmanb  ein  fold)e6  ^inb  ^u  fid)  nel)mcn,  unb  bajTclbc 
«ic^t  bcr  Oorge  jener  bcftimmten  ^lerifet  übcrlaffcn,  fo 
fonnt'  e^  nid)t  anberö  al^  unter  bcr  5lu!toritdt  bcö  S5ifcl)cf^ 
gefd)cbcn.  Ob  nun  bicfe  2In(Ialt  Jier  urfpriuiglic^,  ober, 
weld)c^  bei  weitem  wa^rfd)einlic&er  ifl,  Jicbcr  t)erpflan3t  ifr, 
baran  liegt  nid)t  haß  ©eringjTc»  ©enug,  fi'c  war  fc^on  su 
bicfer  3eit  ba,  unb  mclleict)t  nidjt  gcrabe  bie  Safter  unfrcr 
53oreltern  ^aben  fic  not^wenbig  gemad;t:  fonj!  wcrbcir  frei? 
lic^  ginbel^dufer  bind)  fran^ofifd^e  (Sitten  cincö  ^olU  gan^ 
wncntbc^rlicl) :  fonbern  in  (Staaten,  wo  !ein  ©cwcrbc  blübt, 
unb  5lcferbau  immer  nur  ben  S3cmittclten  ndbven  !ann,  weil 
nur  bicfer  Ölecfcr  «nb  Soften,  ben  5Icfcr  ju  bauen ^  bcftt^t, 
wirb  für   bic  untcrjlc  klaffe  bcr  SDienfc(>en  eine  folcfee  3In# 


217 

jrart  rcc^t  not5n?enbig,  roenn  |te  öttbcrö  nid^t  gan^  für  bie 
S3ci?olfcrung  ucrlorcn  Qt\)m  foU«  2Bö()rfd}c{iifid;  tjl  WtUi* 
bcn  t)ic  9}?uttcr  t)tcfcr2In(lalt:  poIitlfcl;c  2lbfici)ten  c;nvig  nic^t, 
beim  baö  poIitifd)c  (Spefullrcn  n?ar  nod?  feine  (Sad)c  icner 
3citcii  unfcrcr  53drcr.  Hub  bcr  ^(eru«  ijl  e«,  bcr  ^(eruö 
ifr  c^  —  beffcu  53orforgc  btcfc  ölnftalt  anijßvtraut  war. 
^Jicrul&cr  erlauben  mir  meine  Scfer  eine  fleine  ^rebißt, 

§.    4. 

a^  ift  ^Kobetjcma,  red;t  wi^iQ  su  tl;un,  fobölb  ^on 
bcm  ^leru6  be6  mittlerit  ^dtalut$  bk  a^tebe  i(!,  in  bcn^ef^ 
tigjlcn  3nt?eftiücn  gegen  bicfen  gönnen,  Sa^vbunbert«  ^in# 
burc^  Jerrfdjenbcn,  ©tanb  feine  ?l}?eufd)cnlicbc  unb  bie  ^lugp 
^eit  feinet  Sabr^unbertö  ^u  geigen«  X)a  unfcre  ^dtcr  tor 
britt^alb  Junbcrt  3a()ren,  burc^  SDZofe  Sutbcrn  geführt,  öuö 
Sfegwpten  giengen,  noc^  auf  bem-  92acfen  bk  tiefen  CRarben 
feigen  fonnten,  hk  ibnen-baö  Sodf)  ber  get(^Iid)en  ^baraonc 
eingebrucft  Jatte,  unb  immer  im  bangen  ©d)vecfen  wanbel^ 
Ui\,  t>a^  fte  boc()  nid}t  bcr,  biejer  fclbft  gcfronten  ^pdnptern 
fo  fürchterliche,  Q3atifanbli§  ereile:  ba  war  e6  fein  5Bunbcr, 
ta^  eö  %kb  beö  ©ele&rten  unb  Ungele^rten  war  —  grcube 
über  \)aS  ^erbrocljene  3oc^,  bitterer,  aber  für  jene  Reiten 
wabrer  Sifer  gegen  tk  2^i?rannei  bc^  ^lerul  unb  befonberö 
be^  crften  unb  aUgewaltigften  ^riefterö»  Der  5J}^enfc&,  weU 
cfcer  fo  eben  hk  5[Bivfung  einer  genommenen  Dofiö  ©c^ier^ 
ling  in  feinem  3nner(len  Derfpuvt,  wirb  frcilicl^  in  53erwun- 
fc^ungen  gtgen  ben  ©c^ierling  fein  (5nbe  ftnben:  aber  wenn 
nun  boc^  ber  ©c^mer^  üertobt  f)at,  fo  i(t  eö  bocl?  finbifci), 
immer  bloö  über  (Schierling  unb  (Schierling  flagen,  unb  ba^ 
bei  md)t  and)  auf  hcn  Einfall  fommen,  ob  nict?t  ber  gü-- 
ti^ftc  ^?err  ber  Dlarur  aud;  wenn   er  ^nm  ^IBacl;^t{ium  beö 


218 

©c&icritngö  fein  ©ctcijen  Q\bt,  immcir  tiod)  gutigjicr  ©ojl* 
tl)atcv  fct).    gaft  über  ciu   Oalb  3af;rraufent)  \)nt  hcv  «Batcr 
ber  i9?cnfd;cu  bc«  befteii   brauc&barrtcn   Üf^cil  feiner  dllmf 
fcl;enfamilie  bem  Jartbrucfeubeu   3oc^)  be^  (Sleru^  mitcnror? 
fen.    ^^ne  gutige  2I5fict)ten?  £)r)ue  ^artbeil  felb|l  aud;  für 
bic  ©ciieratipucu,  h'u  in  bicfem  &a(beu  3a&rtaufeiib  Icbrcn? 
Söar  baö  3od)  nic^t  au*  ^ugleicö  ?SJöl;(tbat?  uub  t)icllcid)t 
war  M^  Qaix^t  geitalter^   ba5  mifef  ©elbtlbunhl  bebauerr, 
feiner  anbcr«  ^oi)U^atüx  faf)tg,  a(^  fotc^er,  idcIc^c  gcrabc 
mit  biefer  Portion   SBermutb   unb  ^alle  t)ermifd)t  waren. 
^3  n?are  ©toff  für  ein  gan^c^  S5uc&,  ^u  jeicjcn,  weldjen 
ölhro^Itbatigen  (Jinfluß    bic  @d)tcffale  jencö  in  unfern  ^u< 
gen  unglü{flid}en  3<J&i^b"»berta   fclbft  nod)  auf  uufrc  ^ciHn 
unb  auf  bie  Reiten    unferer   fpateften   9lad?!ommen   ^abcn: 
iä)  fd)rdn!e  micfe  Jicr  beöwcgeu   blog  barauf  ein,  bic  grof 
fcn  ^ortbcilc  ^u  cntwicfeUi,    welche  felbft  jencö   ^citaltcv 
einzig  unb  öllciu  eben  benjcnigcn,  wcld;c  wir  aU  bic  S^ps 
ranneu  ibrcr  ^dtm  branbmarfcu,  ^u  banfen  l)atu.    2Ibcr 
nod)  vorläufig  bic  gragc,    \vdd)C  mir  t>ieltcid;t  meine  Scfer 
cntgcgcnwerfen:  Sßar'^  aud)  2Ibfid)t  bcö  (^Ieru6,  jene  2Bo()U 
tb^tca  ju  crwcifcn?  wenn   c6  nic^t  feine   2Ibfi'd)t,  foubcrn 
hio^  zufällige   gotgc  gewefen   i(!;  warum   jene  3nt>cfti\>en 
mitbern?    3"'^  Xf)di  war  e6  wirHid)  2Ibfid)t^  wie  wir  im 
weitem   Verfolg    fe^en   werben:   unb   wenn    wir  un^  bann 
ba5   flrcnge  (^efclj    madjcn,    immer  crwiefene   2Ibfid)t   be« 
ööobltöunö  fcbcn  wollen,  cbe   wir  bic  ©obltbat  aU  ^ot)U 
tbat  ernennen;   wenn   wir  nie  burd)  baö  gan5e  0}Zcnfc^cngef 
tiJimmel  ^inburd),   bon  bem   ©uteö  unb  ^ofe^  auf  un^  ^u? 
f[iej3t,  auf  ben  bt»fd)aucn  wollen,  ber  @d)mcr,5  unb  ^olluft, 
Xraurig!cit  uub  53crgnügcn   an  ibtcU   auiTcrften  €nben  Der? 
fnupft  Jat:    fo  lajjt  mi^   über   unfcvc  ^iixcn  eben  fo  fcjr 


219 

ffagcn  ölö  über  jene,   bcnii  bloß   ber  Dlanic  unfcrcr  5!rci6^ 
Do^tc  (at  ftci)  geändert« 

§.  5. 
SSJliUtavi^d)  wav  Me  ERegicruitg^art  (?^lobo»ic^ö  unb 
feiner  erjlen  Dlad^folgcr;  beim  fo  ticl  man  and^  immer  öon 
einer  i>or(>ergef)cnt)cn  teutfd}ett  grei^eit  fprecf)eii  ma^,  fo  war 
\if^t  bod^  burd;  bic  9cmad;tcn  Eroberungen,  burc^  tat  fo  long 
baurenbe  (^ommanbo,  tai  einer  über  alle  feint  iOZitbrüber 
wecken  be6  langen  ^rieg^  not^n^enbig:  fcabcn  mugte,  hxnd) 
bcn  ftrengen  ©e^orfam,  welchen  ber  ^olböt  bcm  Sclb&errn 
Iciften  muß,  in  ben  ©itten,  ber  I)en!ung^art  unb  bem  gan^» 
3en  S5etrageii  ber  DIation  eine  fo  i?6llige  53cränberung 
torgegangen,  t>a^  ton  ber  torigen  Unab&dngigfcit  eincö 
teutfdjen  SOknnea  ton  einem  anbcrn  teutfd)en  5}?ann  jc^t 
nid)t6  me^r  übrig  blieb.  SKegcnt  unb  Unterregenten  waren 
nid)t5  al6  @oIbatcnf5pfe,  Seute,  ton  3"gf"b  öuf  gettobnt, 
ba^  SRed)t  mit  ber  gaujl  ^u  entfdjeiben,  unb  ton  E'robe* 
rung6fud?t  geplagt,  behielten  (tc  auc^  im  grieben,  auc^  im 
betragen  gegen  ifjre  Unterttorfene,  bciv  Srobcrungögeijl. 
^urd)  bie  gcubalterfajfung  würben  biefe  ©cftnnungen  erjt 
nod)  rec^t  fortbaurenb  gemac{)t:  ifere  gcfa^rlicl)e  Sofgen  aber 
ÖUC&  be|!o  me^r  entwicfelt.  2)cr  Seben^mann  battc  fo  gut 
einen  militarifd)en  ^opf  at^  ber  Sebenö^crr:  nid)t  obne  gro' 
ße6  Unglucf  für  ben  ganzen  «Staat  mußten  pä)  biefe  ^opfe 
oft  3ufammen|logen,  unb  Mb  mußte  ftcfe  biefe  ©ä^rung 
iti  ben  fc()recflic^(ien  2)e^poti^muö  auflofcn,  ofterö  bloö  mit 
bcm  gdn3lid;en  3fluin  beö  (Staate  fid;  cnbigen,  ttenn  nid)t 
eine  britte  Wlctd)t  ba^wifcfeen  fdme,  itcld)e,  burd)  ben  ^cU 
tritt  balb  ju  bicfer  ba(b  ju  jener  ^art^ic,  bem  ^taat  fRwhc 
uuD  ber  <5taatötcrfatTung  eine  fcftc  gorm  gab.  Dicfe  britte 
^art^ie  ijl  ber  (^Icru^.    Er  ^at  bie  Wla^t  ber  Äbuigc  butc() 


9S 


20 

gute  unb  bofe  Wittd  (SJ^oralitdt  bcr  9)?lttcl  ober  r|t  tter 
nid;t  bte  grage,  fonöcrn  t)on  Dem  inteubirtca  imb  crreid)tcii 
^tib^wccf  i\t  bic  Diebe)  cnblid?  ba()iii  fterrtböcpimnu,  bag 
burcfe  jte  nidn  alle  grciUit  bcö  58urgcrö  miterbrucft  warb, 
bcr  iRcgeut  nid)t  aH  ©eneral  einer  2Irmee  ^anbleu  fonnte, 
fonbeni  ficö  nac^  unb  md)  au  benjenigen  S^on  geiuof^ue« 
ntußre,  irorin  cm  Slegcut  mit  feinem  SQoit  fpreci?tut  füll. 
53enii  niemanb  mc^r  ein  5Sorr  fprec^cn,  unb  bem  Dc^pos 
Un  diu  vöorflcllung  möd)en  buvfte,  fo  wax  c^  ber  Söeicl)t» 
x>ater  ober  bic  9ici(^5gei|llic^feit  in  corpore.  Unb  trenn 
pc  fid)  öucf)  nid)t  felbji  ön  ben  ^bnig  getrauten/ fo  iruj3ten 
fie  ben  !DJiniilern  haß  (Bernden  ^u  fdjarfen,  unb  irenn  auc^ 
biefer  feineu  ^ifc^of  nidjt  aU  ben  ^.oten  cnjigcr  (Seligfeit 
ober  5ßerbammung  önfa^,  fo  !amen  boc()  bic  galle  gar  ^u 
oft,  «30  ber  3}?inijter  bcr  5?ulfc  beö  ^ifd)of^  wiebcrum  no^ 
tfeig  ^atte:  er  mugte  ftd)  alfo  fe[)r  ungern  mit  i^m  abtt>er^ 
fcrt»  5Bo.  grei^it  iix  irgenb,  einem  ber  f)i\inQm  curopdifc^eii 
öleic^c  ift,  unb  ^wat  grei^eit,  bic  ftc^  auf .  alte  §}ertrdgc 
unb  @taat6t>crfaj]rung  grunbet,  ha  ift  f{c;©erf  bcö  ^lerue; 
unb  ba  hä  allem  Hinflug  bea  ^(cruä  auf  9legierung  unb 
©taat^öerfapng  hu  bcjten  unb  größten  unfcrer  teutfdicn 
Ötegenten  öon  manchen  Unmenfd)Iic^feitcn  nic^t  konnten  ^u^ 
rucfgebracf)t  lücrben:  (mc  tjcrfu&r  ^arl  ber  ©rogc  mit  fei* 
«eu  ^Sruber^fü^nen,  ^ubmig  mit  feinem  SSrubevafo^n  -Sern^ 
6arb!  vo'u  mußte  nic^t  Ott  ber  ©roge  oon  feiner  ÜJeiftlid); 
feit  gelenft  unb  geleitet  treiben !)  fo  ift  Icidjt  ^u  fd)lie|5cn, 
n)eld;er  oricnralifc^c  De^potiömu^  alle  unfcrc  curopdifd^eu 
fKcidQZ  ter^ecrt  Jaben  irurbe,  wenn  v\'ui)t  bicfc  brittc  iDiad^t 
fotvofjl  bic  Soberungen  be^  53olfa  gemdßigt,  alö  bic  Slnnia.* 
gungen  ber  9?cgenten  eingefd)rdnft  I)dtrc»  X>a^  fid?  bcr 
aUviii  bei  biefcm  allem  nicmalö  fclbft  ücrgciTcii  Jabe,  Iduguc 


22i 


fd)  gar  incl)t:  foU  man  ö5cr  an  ?cü*r^  vrcH  fic  tonfuTirt 
fi'nD,  iibermcnfc^Iic^c  gorbcrungca  machen?  rcer  unter  ailcu 
bicfciv  ircld^e  ()ier  in  ^onrürfcn  gegen  Den  (Slcruö  fo  njt^ig 
t^un,  an'irDc  h\  gleid;em  gallba^  (»eilige  ©ra6  umfonft  ge# 
^utet  Nbcn?  .  Der  ireMt^^tigs  (Hinflug; ;be^  ^(iru^  öuf  beft 
©taat  bcittc  nocfc  lange  nic()t  feine  öoKc  üöivfung  gezeigt/ 
nac{)bcm  öuc^  tu  gefiTeln  beö  Despotismus  fd;on  ^erfd^tögcii 
waren ;  benn  je^t  war  wod)  ha^  weit  fd^njerere  2ßevf  311 
öoIIeuDen^  ben  ganzen  aufbraufcnbcn  Qjeijl  bef  Dlation 
3ti  madigen  ^  ben  (Sd;aben  ber.cwrgen  äStfe^bungcn  ,fo  md 
nioglid;  ju  hemmen;  benn  o(;nc  Öiucffe^r /einer  beSpotifc()en 
©eti?a(t  Ratten  fie  -.unmoglid)  mit  'dnemmal  Tonnen  auSge= 
rottet  werben;  eS  wax  alfo  anfangs  genug  Dlu^en  gefo^afft, 
njenn  nur  ber  .@d;aben  ein  wenig  geöemmt  würbe,  -^pier 
t(l  Urfprung  unb  nocö  nie,  gerü&mter  53ort6eil  ber  treuga 
Dei.  5(ber  i)aS  allcS  gieng  bod)/bloS  burct)  religiofc  $5etru^ 
gcreien?  —  @o  fd)impfe  benn-  mit  gteid)em  ^ifer  gegen 
bie  Dluma^S  «nb  fo  J?iete  anberc  groge  5l}?dnner  ber  altern 
5Belt,  welche  burc^  gleiche  !D2afcfeiuen  bem  ©türm  beS  un* 
banbigen  53olfS  geboten.  .  2)er  raifdnnirenbe  ©efc{)id}tfd)rei<: 
ber  foll  nic^t  ben  SJeoIogen  macf)en,  fonbern  Urfacf)en  unb 
(Erfolge  fpa^cn,  ftc  a\xi  cinanber  erflarcn,  unb  i^m  fann  «5, 
gleid)i?iel  fet)n,  ob  biefer  ^eibnifd)e .  unb  jener  c&riftli(^e  SRe* 
ligion  s«  Leitung  beS  ©taatS  mij3braud)t  ^au  Scner  5Sti 
fcfeof,  ber  ben  Einfall  Jattc,  \3k  ®elt  ju  |>ereben,  er  ^abt 
3u  (Stiftung  einer  foIc|)cn  treuga  h\  einer  göttlichen  ^ffcn= 
barung  SSefe^I  befommen  *^),rtwar  t>icUeid;t  im  ganzen  tnitt* 
lern  Zeitalter  ber  grogtc  SSo^ltfjdter  i?on  (Suropa;    er  t>eri' 


*)   eiel)e  ©ie^ebertS  oon  ^emblourS  (Jbrou:!  00m  3aßt  1032^ 
bei  <püttern  im  ooHitaubigen  j;flni)bucb.  I.  ^i),  pag.  206. 


222 

fc^öffte  wcnigjlcnö  auf  einige  ^age  bcf  Söoc^e  öHgctticine 
©ld?criclt,  bracl;te  5?önt)cl  uub  ©enterbe  ttjiebcrum  in  ©ötig, 
entwöhnte  nac^  unb  md)  einen  großen  ^()ei[  feiner  ?9Zit<» 
bürger  beö  9f\aubcn^,  unb  xctutc  ta$  !ücben  un^aljligcr 
^erfoncn.  '^Un  Jat  in  nnfcrn  3^itcn  gegen  bte  Slf^Ie  unb 
ba^  t>on  ber  ©eiftltd;!cit  gcforberte  jus  asjli  für  Äird)en, 
^Ibjfcr  u.  f.  n?.  auf  baö  Jefrigfle  loegeaogen.  ©cnn  bic 
Snöefriüc  hei  unfern  ^ciUn  'flehen  bleibt,  fo  ijt  (le  t>ollfoin# 
tuen  gcgrönbet;  benn  hd  unferer  ^'-'Utigfn,  burd)  bic  ©cfe^c 
fo  genöu  bcftimmtcn  Slrt,  ©ercc^tigfeit  ^u  t>crn?ö(ten,  ftnb 
biefe  3"P«cl}t6orter  nid}t  nur  unnbr^ig,  fonbcrn  bem  2Bob( 
beö  ©an^en  dugerft  fd)dDlic|):  aber  man  benfe  fi'c^  in  bic 
Reiten  be^  cilften,  j^tjolften,  brci^c^ntcn  3af;r6unbert^  I)tn* 
ein,  wo  nod)  immer,  ungefähr  voic  unter  ben  Sfia^^tcn  in 
bcn  erjlen  Reiten  ber  ^ilbung  i^re^  (Staate,  gamilienracbc 
unb  ©clb(l^u(fe  ©tatt  ^attV  tvp  bic  ©eric&t^^ofe  feiten  uirb 
in  ben  ©erid^tö^ofen  eine  genaue  ^nfü^pficQt  nod)  fcitner 
tt)ar,  wo  ber  ©djwdc^erc  gegen  bic  23ebrucfun^n  beö  (Btax^ 
fern  wenig  obrig!eitIid)c^?ulfe  ju  bojfcn  ^attc:  wa5  !onnte 
tibd)  einzige  i^ulfe  für  ben  <5d)wadien,  für  ben  unfd)ulbig 
SÖerfofgten  fet)n,  aU  ha^  e^  gewiffe  ^(dl^e  gab,  bercn  borgen 
gebene  ^eiligfeit  bod)  I)ie  unb  t)a  einen  9^duber,  einen  gc* 
walttbötigcn  geinb  abfd;recfen  fonnte?  greilid)  würbe  burc^ 
eben  bicfc^  jus  asyli  aud)  mand;er  (Sdjulbtge  ber  (5)ered)tig* 
hit  entzogen,  (So  gicng  e^  atfo  im  ©ruubc  nidjt  fd}llmmff 
unb  nid;t  beffer,  aU  eö  über^auv't  in  bicfcr  beften  Sßclt  a« 
geben  pflegt.  3cbe  mit  großen  53ort^eilcn  tjerhrnpftc  6ad}c 
bat  aud)  ibrc  nad)t^eiligc  (Seiten;  fo  lauge  ober  (nad;tbeili 
uom  53ortbeiI,  wie  in  gegenwärtigem  galle,  weit  übertroffen 
wirb,  fo  bleibt  bic  ^nftalt  bod;  nod)  immer  fobenewürbig. 
'^an  i)at  tiefe,  oft  mcnprbfc,   53ercc^nungen  gcmad^t. 


223 

it»ic  ml  ber  5Jct)Mfcning  burcf)  ben  €&Iibat  ber  ©ei|IIid)!cit 
unb  burd?  M^  ,^loftcrIebcn  entzogen  worbcn:  niöii  Jat  bei 
bicfcn  S3creciniun9cn  gegen  t>u  cinmütl)igc  9^ad)rici;t  ber  ©es 
fcf)id)te  öller  Reiten  t)orauögcfc<^f,  bog  jcber  ^lerifcr  bei  Ue^ 
berncbmung  bcö  €5li6atö  aufge^brt  Jöbc,  für  gortpftöii^ung 
be«  menfcl;{id)en  ©efc^fed^t^  ju  forgeii;  man  Jat  mcljTen^ 
tergeflfen,  wie  ftav!  aud)  Jier  ber  Ö^ei^  beö  5ßerbot^  getrirft 
iahe:  unb,  worauf  id)  ^ier  {>auptfdd)Iic()  fe^e,  man  Jöt  nid)t 
jugleid;  erwogen^  ^a^  man  t^  einzig  biefem  gelfilid;en  (^5^ 
libat  3U  banfen  Jat,  bag  nid)t  jteutfdjianb  in  lauter  Heine 
^?errfd)aften,  bloö  t)om  Umfang  ctlidjer  ©tunben,  verfallen 
ijl.  ^in  Sanb,  \ia^  fo  ^erftucfelt  gewefen  wdrc,  aU  Zmt\d)f 
lanb  bei  nod;  nid;t  eingeführtem  ^r(!geburtöred;t  not^wen^ 
big  ^erftudfett  worben  wdre,  wenn  tiic^t  mancl)er  ^rinj  im 
Älojier,  mancher  M  ^öifcfeof  abgejTorben  fctjn  würbe,  l^dttc 
unmöglich  jemals  ju  einer  bctrdcbtlic()en  ©tufe  Don  ^cnid}- 
liebfeit  unb  Kultur  fid^  emporfd)wingen  fonnen.  fO?an  fie^t 
cö  nirgenbö  treffenber,  alß  in  fleinen  SReid;^jIdt)ten,  \m  fei^r 
ftcb  in  einem  folc^en  DiminutiDu^  l^on  ©taat  bie  alte  23ar^ 
barei  öm  fc()werften  üertreiben  lagt:  waö  würbe  2^eutfd)lanb 
geworben  fe^n,  wenn  c^  in  lauter  folc^c  ^tucfcben  verfallen 
wdre?  Unb  wie  t>ielen  (Streitig!eiten  würbe  baburcb  t>orge^ 
beugt,  welcl?e  über  !$:^ei(ungen/  burcf)  Siferfud)t  be^  ©erin? 
gern  gegen  ben  ©rogern,  be^  altern  25ruberö  gegen  jun* 
■  gere  S5ruber  ober  ber  jungem  S5rüber  gegen  ben  altern  notj^ 
wenbig  entjlanben  fet)n  würben,  wenn  nid;t  mancher  ber? 
felben  in^  ^loper  gegangen,  mand)er  burc^  eine  ^rdlatur 
Abgefertigt  worben  wdrel  Slber  fo  ftnb  burc&  eben  tk^cn 
•  2öeg  and)  manche  ^^dufer  au^geftorben?  Q^cvahc  ha^  iil 
'  rccbt,  bamit  ftc()  ^eutfc{)lanb  in  grogere  ©tucfe  Dereinigte, 
unb  burd?  53crminberung  ber  regiercnben  ^bpfc  auö;)  mejr 


24 


^\t\tvad)t,  olfo  öitc^  tttejr  2Öir!famf cit  jum  ölTgcmeiiTcu 
Söojl  Ttiüglid?  gcmac^^t  tvüröc.  Söa5  liegt  t)cr  ©dt  baran, 
ob'C^  «od;  2)i?na|tcn  üon  (^ranic^felb  ober  I^puailen  i?ou 
Ji^uvningcii  gibt,  ob  nod)  ©rafcii  ton  (5a:)>penberg,.  $8omcncsf 
bürg,  91oIf'c>  Ööafungcn  n.  f.  tt>,  criftiren  ober  nid^tj  ober 
ba^  ift  für  baö  ©o^I  t?o«  S:eutfcl)Ianb  intcrcflfant,  bng  jTd? 
jeöt  untef  bcm  Olamen  M  ^;)er3ogt5umö  ©trtentbevg  Qkid)* 
(am  ein  gau^cr  ^lumpca  c^maligcr  ficiuer  ^v^f'R^»  "»b 
©rafcn  ücreiuigt  bat^  uub.biefcr  (Staötefürpcr,  iu  ii?cld)em 
jcgt  nur  ein  (Seift  lebt,  bei  i^citem  fcf^neller  uub  glucflictjer 
gcbilbct  werben  tann,  aU  c^maU^  \^a  iebeö  ^taht  uiib  ^mt, 
baa  jel^t  nur. '©lieb  ijl,  für  jid)  fclbftjianbiaer  Körper  \i?ar. 

§,    6. 

2)er  bitterflc  Vorwurf,  ben  man  bem  (Hkxü^  M  mlttf 
lm\'^ütalta'i.ma(i)t,  tjl  gcmeiniglid)  bi.efcr,  bog  burd)  ib» 
bcr  Sortgang  in  ben  ^Siflfenfcbaften  gcbinbert,  SBarbarei  pri* 
tjifegtrt,  unb  t)a^  ^olt  an^,  interefilrten  Slbficbten  mutbiriT^ 
lig  in  ber  UntoijTenbett  crbatten.morben.  Da  ic!?  micb  bici* 
einzig  barauf  cinfcbranfe,  ju  seigen.,  voit  t)icl  ber  ^Icru^' 
fclbjl  bcn  gelten  genügt "babje/.bic  Joir  aU  unglücflicfjc  bc* 
bauer«,  fo  gcbcnfc  icf)  b^flVtr  ;grt?.Hid)i^  bag  man  alle  ^b^ 
fc^riftcn  bcr  alten  JHufteren ,  alle  Ueberbleibfel  biftorifcl^er 
9lad)rid)ten  au6  bem  mittlem  Zeitalter,  alle  Uvfunbcn,  tuor^ 
öuf  ba^  5[Bobt  unb  bie  ;33?ad)t  n\<n\i)ct  unferer  jetzigen  teut^ 
fd;en  Staaten  beruht,, «in^ig,  bem  gleigc  be6  €Icru^  ^u  ban? 
fen  iat:  fonbern  Id)  mcrbe  cinjjg-  ^u  erweifcn  fucben,  bag, 
tücnn  ber  €lcru^  ind^t  gemefen  mdre,  gan^  3^cutfd;Ianb  in 
eine  fiebenfad)  tiefere,  hü  m^item  unübcrminblidjcrc  giiifrcr? 
uig  gefunfen  feijn  würbe,  (^rftlic^  ift  bicfe  ^^lage  in  bcr 
Qillgcmeinjeit,  mic  man  fie  gemcinlid;  Uüvbrin§t>  t?bHiti  bi*- 


225 

(!orlfc5  iincrtriefcn,  2)cr  €leru5  Jöt  freillcö  bcn  gortgaiij 
hl  Den  ©ijTcnfcbaftcu  gc(?int)cvt:  aber  in  feinem  fc^limmcru 
©inne,  ai6  man  5.  iö.  üom  (San^Icr  ööolf -mit  Dem  gr'otjteu 
iKcc^t  aud)  fagen  fonntc/  er  Jabc  bcn  gortgang  ter  $biIo# 
fop&ic  gcf)inbert.  €5  i|t  uc^mlt:^  gemeine  3Irt  bcr  meiftcn 
Sebrcr,  ba|]  fic  ntd)t  gerne  fc(ien',  wenn  bcr  (5d)iilcr  auf  ib* 
Ten  ©c^ultcrn  ftcbenb  über  fi'e  J)ina\i€  fd)aut,  er  foU  geröbe 
nur  auf  bm  ^unFr,  nur  an  t>a^  ^id  ^infcben,  ba^  fte  i\)m 
gejTecft  Jabcn,  nur  biejenigc  ©attung  üon  SBiflTenfd^flfre» 
hidvbdun,  bie  fie  fi'cf)  jum  Liebling  wallten.  ©c^war^eSi^ 
ferfuc^t  mit  i^rem  ganzen  fc^redflid)cn  ß)cfo(gc  mugte  fic^ 
befonbcrö  in  jenen  rof^ern  ungebilbeten  ^'•'if*''"  ^^^^  furd)ter# 
lid;er  duj|crn/  aU  in  unfercm  Sö^fjun^crt ;  unb  tvetl  man 
fiä)  nidjt  fdjneller  Reifen  fonnte,  fo  t>enucbte  man  allc^  mit 
ber  Su'liglon:  wer  ^i'ilo^op^k,  wer  alte  einmal  beglaubigte 
@cfd)id)te  antajtcte,  würbe  aU  t)errud)ter  S^cligion^fcinb 
auögefc()rien:  aber  tt)at  ba^  allein  bcr  dUxü^  be6  mittlem 
geitaltcr^?  ©o  wirb  ber  Sauf  ber  Sßclt  bi^  an^  (5nbe  bcr 
5tage  bleiben^  jeber  webrt  fic&  feiner  S3eftljungen  fo  gut  er 
fann,  ber  eine  weig  feine  SBaffen  beiJer  ju  i?erbergen  al^ 
ber  anbere,  im  ©runb  ift  c^  eine  SKoUe,  tk  gcfpielt  wirb. 
^wciten^.  2In  bcm  !D?angcI  beS  gortgangS  unb  ber  5lu^> 
breitung  ber  S[öi(fenfd)aften  war  thm  fowo()I  eigene  ganlbcit 
ber  Zar)m,  aU  mut^willige  ^erjinbcrung  be^  (^Icruö  6d)ulD, 
benn  fte  lichten  alle  ben  Degen  t>or3ugIid)er,  mü  Don  gü&^ 
rung  M  Degens  meftr  53ort^eil  ^u  ^ojfcn  war,  unb  tc^  wei^ 
mäi)t,  ob  man  boUig  bcweifenbe  25eifpiele  in  grogcr  ?0?cngc 
ftnben  wirb,  au5  wz{ä)in  erjelle,  bag  ber  ^Icru^  bcm  Sia\m 
bie  ©elcjrfamfcit  unb  tit  ^ulf^mittel  ^ur  ©ele^rfamfcit 
wirflid)  entzogen  \)abc.  Dritten^.  2Bcr  anber^  nod), 
alö  05ci|I(id)!cit,  \)at  im  mittlem  3«-'iti^^f^'f  f^r  Crritc^unge* 
©pittkc'^  fiuuntl-  iSerfc.  VIH.  5Ö&.  J3 


226 

önjlaltcn  geformt?  n?o  finb  ©d)uten  jucrjl  aut>  auf^  i>or3U9* 
licfef^e  angelegt  n?orbeu,  aU  bei  ^loftern  uub  ^at^ebralür«^ 
d)cn?  n?eld;er  ©tanb  voav  c^,  bcr  öUciu  o^ne  einige  ©elefer* 
famfeit  nid^t  bcfte{>en  fonnte,  al€  ber  clerifalifd)e?  benii 
tttenigften^  Icfen  mugte  bod)  ein  ^(erifuö  fonncn:  Jinge*» 
gen  ölle  übrige  öcrgagen  and)  biefe6  getrofl.  ©o  lauge  5lun|t 
^u  lefen  unb  ju  fd^reiben  unter  einem  ^olfc  nod)  übrig  ijl,  fo 
lange  ftnb  hod)  nod)  ixidjt  bie  ^auptfad;Iic^ften  ©ubfibien  üer^ 
loren  gegangen :  unb  bcrjenige  ©tanb,  ber  fte  bem  53erberben 
entreißt,  t>erbient  ben  X)ai\t  feinet  unb  ber  folgenben  $iiu 
alter.  SÖdren  ,fie  aha-  nicfet  verloren  gegangen,  wenn  fte 
nic^t  ber  ^leru6  erhalten  Jdtte  ?  ^ 

S!)er  Unterricht,  ben  ber  ^leru^  gab,  mag  nun  an  ben 
tticij!en  £)rten  immerhin  fc^r  fd)lcd)t  gcn^efen  fei;n,  fo  a^ar 
c5  bod;  Unterriefet,  unb  er  war  bod;  frei,  unb  wenigrten^ 
Slnfangö  o^nt  ^ojlen.  ^an  i^  ubcrbig  fe^r  unbillig,  wenn 
man  tU  ©d)ulen  nnb  ^r^ie^ung^anflalten  jeneö  geitalterö 
nac^  unfern  tjerfeinerten  pdbagogifcfeen  ^gegriffen  abmißt: 
ba^  gan^e  3<^italter  war  Äinbbeit,  alfo  möflfen  aucfe  alle 
3(n(!alten  unb  33emü6ungen  be^  3^^^^^^^^'^  Ge^jrdge  ber  Mn^* 
l^eit  an  ftcb  tragen. 

Unb  üerbiente  benn  ein  ©tanb  fo  hitHxc  53orwurfe,  fo 
{eftige  ©cfemdf;ungen,  hd  welc&en  bie  ^c^Uv  beflfelben  im? 
ttier  fiebenfad;  t>crgrbgert  gezeigt  unb  feine  gute  eigcnfd;aften 
nie  bemerft  werben?  thi  (Btai\\>  —  bem  wir  Slnlcgung  ba 
ginbell^dufer,  ^Jofpitdler,  Sa^aretfje  u.  f.  w.  ^n  banfcn  ^aben: 
burcfe  ^c^cn  <öorgfalt  alfo  ba^  Mm  fo  manchen  23urgcr^ 
gerettet,  fo  manche  ©cfeanbt^at  bereutet  würbe!  ^an  red;nct 
t€  23afcbpwcn  ^um  wahren  ?ßcrbienft,  bag  er  mit  fo  Diclcr 


227 

iBetriebfamfelt  fein  gan^e^  ^^itölter  in  ©d^rung  3u  fcßeii 
Süd)t ,    um  für  2)cflrau  ungefähr  eben  t)a^  ju  werben,  ivatf 
granfe,  \)üxö)  Eintreibung   milber  93dtrdge  für  Stiftung 
be^  SBaifen^aufe^,  ber  ^tabt  S^aüt  xoaxb.    Unb  bem  €Ieru« 
bc^  mittlem  ^citalter^  folltc  c5  nld^t  aU  53erbienjl  ange# 
rec^^net  werben,  ha^  twxä)  ijn  folc^e  bem  ^enfd)engefd;Iec^t 
nö^lic^c  3"f^itute  angelegt  unb  erhalten  worben  finb?  j^dttc 
bie  Stiftung  fotc^er  3n|litute  erjl  tm  2Iugenblicf  abwaxUn 
muffen,  bii  in  ber  Seele  eine^  bIo5  für  graben  unb  Ärieg 
lebenbea  gurjlen  biefer  ©ebanfe  ber   ^enf(^lid)feit  aufge^ 
(liegen  wäre:   fo  waren  fie   wojl  nimmermehr  ju  <Stanbc 
gefommen.    gortgang   ber   Kultur   be^  il}?enfd)engef(^rcc6t^ 
fangt  unter  anbern  wid)tigcn  Umfldnben  auc^  ton  ber  ^Ber* 
binbung  ber  5}?enfd;en  untereinanber  ab,  ton  ber  wec&fel^* 
weifen  jlommunifation  ber  oft  burc&  ^lima,   ^itttn  unb 
Slegierung^art  getrennten  53&Ifer,  ba^  öllc^  fo  auf  unb  tu 
cinanber  wiri^t,  al^  ob  alle  fo  fc^r  t>erfcf)iebene  SQhiUx nur  eine 
©efellfd;aft  auömac^ten.  3e  großer  t>ic  (^pjdrc  ber  5öerbinbun^ 
gen  unb  G)efeUfd)aften  i(I,  worin  ber  SDZenfd)  Übt,  bejlo  me^r 
(tejt,  be(Io  me^r  fort  er,  bcflo  me^r  wirft  t>on  außen  auf  i^tt, 
«nb  bejlo  me&r  ^rdftc  werben  alfo   in  i^m  felbjl  f^rüorges 
locft.    ©rogent^eil^  fam  hie  SSarbarei  beö  mittlem  JeitaU 
ter^  auc^  ba^er,  ha^  tic  DZarionen  fajl  gar  nic^t  unter  (Tc^ 
tjerbunben  waren,  unb  bie  geringe  23erbinbung,    bie  uocö 
übrig  blieb,  Jatte  man  einjig  bem  Eleruö  ^u  banfen.    Un> 
ter   bem    Raupte   be^   X^aiai    Sama*^    in  9lom  tjcretnigt^ 
mad)te  bie  burc^  alle  europdifc^e  £dnber  5er(!reutc  ©ei(t(ic^« 
licftfeit  nur  einen  Körper,  nur  ein  ©pjlem   au^:    burc^ 
fie  Jieng  alfo  ber  Olorben  mit  bem  ©üben,   baö  b(!Iic{)i!e 
unb  ba5  weillic^e  (Europa  ^ufammen,  Sdnber,  welche  o^ne 
bicfe«  bielleic(?t  (mejr  alö  3ßtt^u"^^'rt0  cinanber  unbefannt 


228 

flcblicben  wären.  25er  5profeIt)teneifer  trieb  be«  €Ieru5  weit 
um^er,  unb  biefcr  ^rofcl^tencifer  ^atte  ötöbönu  öuc^  tiefen 
OZu^c»,  bag  Golfer  mit  536lfcrn  öerbunben  würben,  Jjanb? 
lung  belebt,  ÄemitnifTe  wec^^fclcwei^  mitget^eilt,  ^war  feine 
wiffenfc()aftlic^c  Äenntniflfc,  ober  bod)  fc^r  t>iele  fold)c,  wo» 
burd)  bic  '45equemlic&!eiten  be^  Mcn^  beforbert  würben. 
9)2an  lefe  bie  ©efc&{d)tc  ber  päp(i(icl?en  ©efanbfc^aften  an 
beu  S^artarifd)eu  ©rogd)ön  Oltai  unb  feinen  ^riu^en 
©ajuf :  fo  gering  unb  nicl)töbebeutenb  auc^  ber  Erfolg  biefer 
©cfanbfd)aften  blieb,  fo  fic^t  man  bocfe,  xck  ungeheuer  grog 
für  jene  $dttn  ein  folclje«  ^rojeft  war,  unb  xoit  dllein  ber 
^apjl  mit  fejr  geringer  Wlhi)t  ^txoai  unternehmen  fonnte^ 
W03U  öUe  onbere  curopdifd^c  gurjleii  «icf)t  9KutJ  ober 
tiic^t   SScrjIanb    genug   (>attcm 

§.    8. 

91un  öHc  biefe  unb  noc^  mehrere  53ort5eiIc,  aU  \d)  biö^ 
Jer  gezeigt  \)ahc,  brad&te  ber  fatbolifc^e  €Ierua  feinem  '^dv 
ölter:  ic^  ubcrlaffc  anbern  ^nx  ©toff  für  eine  eigene  2Ib# 
Janbtung,  ju  jeigen,  weld)en  gropcn  DZu^en  nod)  felbft  wir 
auö  mand^en  fo  fejr  tcrfpotteten  2(nj!alten  eben  biefcö  ^(e^ 
ruö  ^ie^en,  mc  wir  einen  grogcn  S^cil  unfern  QBobI* 
jlanbö  allein  bem  (Sleru^  beö  mittlem  ^^it^lterö  ^u  bönfen 
Ibaben:  biefer  Slu^fö^rung  mußten  erft  mand)c  biftorifd)c 
Unterfud)ungen  t?orau^gefd)icft  werben,  welche  für  meine« 
gegenwärtigen  (Snb^wecf  ju  weitläuftig  ftnb. 

Sem  ^one  unfern  3a§rjunbert«  mag  c^  freili*  fcbr 
wibcrlicö  fetju/  ön  ^fajfen  unb  9}?bncl)öanilalten  bed  mit» 
fern  ^citalUx^  eine  gute  @eitc  entbecfcn  ^u  wollen:  ber 
©claoentricb  unb  ba§  ©flaoened^o  ift  in  einem  Sabrbunbcrt, 
toit  im  aubern;   im  zwölften  unb  t>cn  ^aax  nacbfolgcnbcn 


229 

3a5r5wnbcrtcn  Jicß  <«  pro  redemtione  animae:  jeljt  fprlc^ 
man  t)on  nid;t^  M  SSonjen.  ©eil  biß  ^ou3en6rut  t>oc^ 
niemals  ganj  ausgerottet  ttjerben  fann,  unb  öud;  nur  ber 
geringftc  Ucberrejl  ta€  fc^recflid;(le  Uebct  für  bie  menfc^Iic&e 
(Befellfd;(jft  ijl,  fo  fanu  ntön  unferem  p5iIant5ropifc{)en  geit* 
alter  feinen  (Jifcr  gar  wojl  ^u  gut  gölten.  SIber  ber  @c* 
fd)id)tforfd?er  foU  nid)t  blo6  t>k  Sofung  feine«  Söjrjunbert« 
n^icbcr^allen:  fonbcr»  ojnc  föaterlaub  unb  ojne  9leligiün 
fc^reiben* 


230 


VIII. 

ißij!orifd&c  Slnmerfungen  über  SBömbergö 
Exemtion  -^X 


^ad)  bem  unglucfn^en  Xobe  ©röf  2IIbrcd)t'^  ton  S5am# 
Bcrg^  roeld)em  im  Sö^r  9o5.  fröft  fcicrlid?en  Urtjcl  unb 
fRcd)U  bcr  ^opf  abgefc^)(a9cn  würbe,  fiel  ber  grogtc  ^^cil 
feiner  ©uter  an  ben  foniglicj^en  gtefuö,  dm  Zi)c\l  berfclben 
tnugtß  jur  (5ntfd)dbigun9  terjenigen  ternjönbt  werben,  welche 
turd)  ^lbuö:)H  ^Sefel^bungen  bl^^er  gelitten  Jötten,  unb  tin 
SJeil  warb  befonbcrö  ber  gamilie,  welche  2llbre(^t  fo  fe()r 
»erfolgt  ^attt,  ber  götnilie  $5ifcl?of  3?ubolf6  Don  SBuraburg; 
ttd)  waten  U  nod)  immer  einige  betrdd;tlic(?e  ©öue,  toü(i)c 
Um  ^onigeJaufi'elen. 

^i^  3u  Dtten  II.  blieben  biefe  ®uter  (Jigentjum  ber 
Ärone;  biefer  ober  fc^enfte  fie  im  S^^r  975.  feinem  9]effen, 
^er^og  ^peinric^  ton  SSatjern  ^''*). 

din  ©o^n  biefea  S^dnrid)^  tvor  ber  in  ber  teutfcfeen 
©efc^ic^te  beö  cilften  Sajrjunberta  berühmte  Jeilige  ^öifer 


•)  Olutf  «Weufel'^  ®ef(*i*t^forfd?er.  Zf}l  6.  1778.  ©eite  3o 

(i^  48. 
'♦)  ©ie&e  Mc  llr!un&c  a\^i  fcem  Original  abgebrncft  in  ber  SBam« 

triflifc^en  2)eburtion  n^aen  $ürt(;.  Cod.  probat  N*  1. 


231 

j)finric6 :  öuf  bicfcn  Um  ölfo  neben  bem  53ejig  ber  übrigen 
t>dterlict)en  ©uter  öud?  baö  ^igcnt^um  ber  Ucberrcjle  be6 
S3abcnbergifct)eu  (Eomitöt^. 

53ielleid?t  öuö  blojTer  gr&mmig!cit  im  ©efc()mödP  jener 
Reiten,  t>icllcid;t  ober  öud)  auö  ©etviffeuötricb,  ttJcil  i^m  bie 
©djidffale  beö  lehren  ©röf  2ilbrecl;t^,  bic  gon^e  (§3efcl)id^te 
feinet  burc^  ^rjbifd)of  Xpatto  Don  ^aini  bcfbrberten  2obeö 
nid)t  unbc!annt  fcmt  fonntc,  gerietb  ^peinrtcfe  auf  bcn  ©e# 
banfcn,  mit  biefcn  Uebfrre|Teu  beö  S5abenber9ifd;en  (Somitatd 
ein  neu  ^u  errid)tenbe^  15il3t6um  ju  begöben.  Diefer  (^i\U 
njurf  würbe  ijor^ugtic^  ^uevfl  bem  ^apft  eröffnet,  unb  nöd;« 
bem  er  beffelben  ^•inwlüigung  f)atu,  fo  boffte  er  um  fo  t>ie( 
Ui(i)tcr  ben  SötberjUanb  ^u  bcfiegen,  inomit  einige  teutfc&c 
^rdlaten,  beren  Sntcrefi'e  tor^üglic^  bflvunter  litt,  i^n  gleich 
anfangt  nb3ufcf)recfen  fucfjren. 

^T^bifd^of  ©illigi^  t>on  '^aln^  berief  im  ^a^v  loo/^ 
eine  ©t;nobe  nac&  granffurt,  öuf  n^elc^er  \iu  ©öd;e  ent^ 
fd)ieben  irerbcn  foUte^^'O*  ^^  erfd)icnen  fed)6  unb  breigig 
25tfcf)bfe,  öUe  in  ^>erfon  auffer  bem  23ifd)of  S^dmid)  ton 
Söur^burg,  ber  blog  feinen  Kaplan  fdjidte.  @r  trollte  fic^ 
m(i)t  felbft  öuf  eine  ©i^nobe  wagen,  wo  cr>  perfonlic^  ge^ 
gentvdrtig,  nid;t  allein  bem  Unwillen  ^;>einric^6,  fonbern 
oud;  ben  ^ubringlicfeen  53orftellungen  anbrer  SBifdbbfe  mebr 
auögcfe^t  war,  fonbern  gab  nur  feinem  Kaplan  auf,  in 
feinem  Flamen  ^u  proteftiren.  2)ie  ©aue,  \vM)c  je^t  ©uter 
be«  neu  ^u  erric^tenben  S5igt^uma  werben  feilten,  {jatten  au 


*)  2}on  biefer  ©t)nobefiel)e  bie  (Jrjdöluitg  bei  ©itntöru^;  bixi 
eigene  (Schreiben  ber  ©Duobalcdter,  me  ei  in  obiger  2)ebuf= 
tton  au^  bim  original  9?.  5.  abgebrucft  ifl;  unb  b'xe  9(a(fe< 
rid>tett  in  gD?artin  ^cffmann^  annal.  Bamb.  t>ei  £ubemia 
Scriptt.  Bamberg.  T.  I.  pag.  41. 


23St 

feinem  ©prcngcl  gc^&rt;  Ui  bcr  ^crminberun^  fein  c3  (Spreng  ct<5 
fonnte  er  alfo  nic^t  gleichgültig  bleiben^  unb  wenn  e^  il;m 
öuc^  njenigcr  barum  ju  t^un  gcwefen  tt?are,  fo  Joffre  er  bei 
Diefer  (Gelegenheit  öielleic^t  ^r^bifc^of  3U  «werben  ^  unb  bcn 
neuen  S3if(^of  öon  Bamberg  nebjl  Dem  S3ifd;of  uon  Sict^ftabt 
ju  ©uffraganeen  511  bekommen.  Ör  wußte  voo^i,  t>a^  biefe  Stif» 
tung  üiel  ^u  fe^r  Sieblingögebanfe  bc^  Äaifer^  war,  aU  Oög 
er  jTd;  burc^  gemachte  (Sd)tt?ierigfciten  öbfd;recfen  lieg,  er 
hoffte  alfo  aiiä)  t)k  SIbftcbt,  burrf)  bie  Sr^bifdjoflic^c  ©urbe 
cntfd;abigt  ^u  trerbcn,  be|lo  (eid;rer  ^u  erhalten.  2lbcr  ber 
^apjf  lieg  fi'd)  nic^t  bcttjegcn,  ben  2lbftc{)ten  be^  $öifd)of^ 
Don  5Biir3biirg  beizutreten,  ber  25ifc^of  t>on  ^ic()ftabt  wollte 
nid;t  ©uffraganeua  t>on  SBurjburg  werben ,  unD  auf  einer 
@miobc,  wo  ber  €ribifd)of  t)on  SJ^ainj  ben  53orjt^  b^tte, 
war  obncbieg  feine  Hoffnung,  t>a^  SBur^burg  bie  erabifdjof* 
liebe  5Sarbe  erhalten  follte» 

Ungead;tet  be^  ööiberfpruc^^  be(J  ®fir3burgifcl?en  ^a* 
plan^  ftimmten  alfo  alle  oerfammclte  53dter  nad)  bem  5öillen 
be^  ,^atfor^,  unb  ber  nug*?ergnugte  25if''4)of  mugte  fid)  mit 
einigen''')  ©tuefen  2anb^  begnügen^  welche  i()m  bcr  ^aifcr 
obrrat,  unb  mugre  noc^  ben  SJerbrug  erfafiren,  ^a^  fein  neuer 
^ollev3e  mancbc  ^or^uge  öor  ibm  erhielt. 

^incr  ber  widjrigftcn  33orjügc^  ben  25amberg  bamal^ 
burd?  hk  auf  bem  granffurrifd)en  ^oncilium  Angenommene 
^ulle  ^apjt  SoJiJnn^  erbalten  \)abci\  foU,  ober  3U  bem  e^, 
nad)  anbrer  Meinung,  wcnigflen6  nic^t  lang  bcrnad)  gelangte, 
beflunb  in  ber  (Exemtion  t)on  ben  5D?ain3ifcl)en  ?0?etropolitan« 
redjten,  bag  bcr   neue  25ifct?of  unter    feinem  öubcrn^rzbiÄ 


*)   Vita   Henrici    S«   cdita   «   Cretsero ,     ap.    Ludewig.    !•    c 
P«g.  »77- 


fd;of,  fonbcrn  einzig  unb  unmitclbar  unter  bcm  ^a^ßft  ftcjcii 
foUc. 

S^ixv  i5d;mlbt  in  feiner  Diflfertatlon  de  praerogativis 
Episcopatus  et  principatiis  Bambergensis  brucft  jlC^  @« 
55  fo  öu5 :  inier  priuilegia  vero  et  jura  in  Ecclesia 
e^imia,  quibus  noruin  Episcopalum  Caesar  condecora- 
rit,  primarium  boc  est,  quod  euin  nulli  Archiepiscopo,. 
sed  immediale  Komanae  sedi  subesse  et  omnes  Germa- 
niae  Episcopos  antecedero  roluerit.  Istbanc  immedieta- 
tis  praerogativam  ut  Episcopatai  a  Pontifice  impetraret, 
Fundator  censum  annuum  centum  Marcarum  argenti  et 
ec[uum  candidum  phaleratum  ßenedicto  Vill.  Papae  — 
est  pollicitus^  quem  tamen  doinceps  traditione  Beneventi 
redemit.  —  Hoc  ad  unum  omnes  rerum  Bambergen- 
sium  Scriptores  atque  prima  hujus  Episcopatus  fundati- 
onis  Diplomata  unanimi  ore  ac  sensu  tradunt  docentque, 
Imperatorem  Henricum  sanctum  omnibus  Episcopatibus 
antiquioribus  praefulgentem  et  Arcbieplscopatibus  baud 
dissimilem  saepe  dicti  Episcopatus  Bambergensis  erecti- 
onem  animo  cordique  ita  babuisse^  ut  quo  amplior 
Episcopatus  esset  honor,  nee  ipse  aliquid  ad  egregium 
ejus  decus  omisisse  videri  posset. 

S)?artin  ^pojfmann  in  ^ifeincn  Q3am5ev3ifd)cn  STnnafcu 
Jdt  folgcnbe  5ßorf!cllunglart.  ^r  rcbct  (3,  54.  i>on  bcm 
S5cfuci)  bcö  ^apil  SScnebift^  ^u  iQamUvQ,  unb  gcbcnft  bei 
bicfer  ©ßlcgcn^eit  bcr  öom  ^ap(t  erneuerten  ^rit>itegien. 
Inde  privilegia  renovare  aggressus  beneficia  et  jura  a 
praedecessoribus  suis,  ut  nulli  arcbiepiscopo  aut  metro- 
politano  sed  uni  pontiHci  Romano  subjectus  esset.  Qua 
de  re  Henricus,  album  et  pbaleratum  equum  ac  cente- 
nas  marcas  argenti  5.  Petro  et  successoribus  ejus  in  »in- 


234 

gtilos  annos  dandas  oblig-avit  Inlerfuerunt  et  subscrip- 
serunt  Episcopi  duo  et  septuaginta.  Ab  eo  tempore 
Episcopus  Babebergensis  in  dltione  8ua  par  in  bonore 
archiepiscopo  fuit,  et  ia  comiliis  imperatoriis  et  publl- 
cis  aliis  imperii  conventibus  prlmum  ab  Archiepiscopis 
locum  obtinuit.  Ipsa  vero  Ecclesia  libera  et  specialis 
Romanae  sedis  filia  ideo  fuit  appellata,  (jaod  conifirma- 
tio  ejus  et  consecratio  ad  solum  Pontificem  pertinet. 

Der  «öolljidnbtgfcit  wegen  unb  um  mandjcv  t)on  felbj^ 
oföbann  ftc5  ergeScnbcr  5Inmcr!ungett  trilleti  fuge  id)  wodi) 
eine«  XJieil  M  Paragraphen  bei,  worin  S^cxv  üon  6cIcbow 
in  feinem  ^ompenbium  bcr  SRcid)^gcfd)ic^te  öon  ^'rrlcfjtung 
bc^  $öi^töum^  $Sambcrg  Janbelt,  ^M^'m^  unb  ©ur^burg 
wiberfegten  ftd;  bemfclbcn  (ber  (5rrid)tung  bcö  neuen  ^iß* 
t^um^)  anfdngticf),  würben  aber  auf  ber  granffurtifd)en 
^irc{)eut>erfammrung  ^u  iferer  (Jinwidtgung  bewogen.  Da^ 
neue  ^i^t^um  crf)ie(t  anfc^nlicbe  greibeiren  unb  würbe  bem 
|)ap(t(ict)en  ©tufil  unmittelbar  unterworfen/^ 

iSclc&e  ^erfc^icbenbeit  ber  (Jr^d&Iung  einer  unb  thm 
terfelbcn  ^ad)c,  bIo6  au^  hcm  '^m^c  breier  Männer,  unb 
t)on  jebem  biefer  brei  5Didnner  foUte  man  SSabrbeit,  lauter 
iint>ermifd)tc  Sßabr&eit  erwarten  fbnnen.  ^?  off  mann  bat 
fte  öud;  noc^  am  unt>ermifd;te(!en ,  unb  mMd)t  i(l  bic 
SJermutbung  nic^t  ungegrunbct,  ba^  fid)  nod)  Ur!unbcn  ffn* 
bcn  werben,  welche  benjcnigen  ZWd  feiner ^•r^df)(ung,  ber 
gegenwärtig  nod^  nid)t  bofumcntirt  werben  fann,  auf  baö 
t)ott!ommen(!e  bekräftigen,  ©eine  2Innalen  jinb  fon|I  fo  oft 
nur  öu5  ben  eigenen  ^Borten  ber  Urfunben  jufammengefei^t, 
warum  foUte  er  fi'c^  l^ier  untreu  geworben  fepn  ? 

©c^mibt  f)at  iw  feiner  Sr^dbtung  nic&t  allein  nicftt  bie 
nbtjige  Jijlorifc^c  25e(!immtjeit,  fonbcrn  fic  1)at  and)  mej* 


235 

rcrc  Unricfetiöfciten  cU  JJoffniann«  er^djlwng.  Jpoffmönn 
jctgt  c«  blog  aU  golge  bcr  großen,  bcm  S3ifcl?of  ton  18am# 
bcrg  eingeräumten,  SSorrccttc,  t>aß  er  lien  erjlen  ^la%  m^ 
tcr  allen  teutfd;cn  25ifd?6fen,  bcn  erjien  q)lfl^  gleid)  md) 
ben  Srabifdjofen  öiif  SKeicfeötagcn  erjalteu  Jabe:  (hingegen 
6cl;mibt,  tcr  Jier  (U  bei  ber  ^pauptfac^c  feiner  Olbjantlung, 
bopvct  genau  b^tte  fepn  foüen,  orbner  bie  ©ac^^c  in  feiner 
Gr3dblung  auf  eine  folcbe  2lrt,  baß  man  tjermut^cn  muß, 
aud)  biefcö  53orrcd?t  grünbc  ftc^  auf  einen  eben  fo  beutlicl)en 
S8ud;(laben  ber  ^dp(!lic5)cn  Privilegien,  alö  t)a^  S3orred?t 
ber  ^remtion. 

^err  Don  ©eld^on?  bat  aujfer  ben  gemeinfc^aftlic^cn 
geilem  nod;  einen  gan^  eignen,  unb  3U>ar  einen  folc^en, 
ber  fic^  mit  feiner  bif^orifc^en  ^reue  luiD  gezeigten  23elefen# 
beit,  je  nacbbem  man  iiö)  einmal  t>on  beiben  23egriffe  ge^ 
niac^t  Jat,  cntweber  gar  nicl)t  vereinigen  ober  voUfornmen 
gut  Dereinigen  lagt.  S^icbtö  founte  ber  ganjen  ©efd)id)te 
biefer  Reiten,  nic^tö  ber  (Jr^d^lung  M  Sitjmar,  ber  febfl 
öuf  ber  granffurtfcben  <St)nobe  zugegen  n?ar,  nid;t^  bem 
Sn^alt  aller  Urfunben,  votld)c  mv  von  biefer  für  ^eutfcl)* 
lanb^  ^ircbengefdjicbte  fo  n?ic^tigen  S3egeben^eit  Jaben,  mejr 
gerabe  ^utoiber  feijn,  aU  ba^  fic^  EO^ain^  eben  fo  wie  ^hxy- 
bürg  ttJiberfegt  Jaben  foKe.  d^  fbnnte  3ön!fud)t  fcbeiuen, 
einen  folcben  ge{>ler  rügen  ^u  n?ollen,  aber  e6  ift  ein  gebier, 
ber  fc^lect)terbingö  ben  ganzen  ©cftd;töpunft  ber  6öcf?e  ver? 
tucft;  bcnn  tvarum  foUte  fid)  i9?ainj  tt?iberfe^t  baben? 
Sßeil  Sßör^burg  feinem  (Sprengel  entrijfen  ttJurbe?  Slber 
gerabe  biefe«  ijl  falfd),  $Samberg  trurbc  bem  9}^ainaifd;en 
©prengel  ni4?t  entrijfen,  unb  am  allermnigften  fcbon  bei 
feiner  erjlen  Stiftung  entriflem  ©efe^t  aber  auci?,  c^  itdre 
wair:  weither  6c&rift(lcUer  craajlt  benn,  ml^c  Urlaube 


23a 

glBt  Äcnn^cic^cn,  tög  jtc^  5)?nin^  tribcrfc^t  JöBc?  jpattc 
ntd}t  btx  tanirtligc  ^ifcl)of  ijon  fDZöina  feine  gute  Urfi3d;cn 
^abcu  f&nncn,  um  Qmi^c  anbete  2lbf{d)tcn  ^u  erreichen,  ber 
Verringerung  fcineö  ^irc^ftu^ngelö  fic^  nicfet  ^u  iviberfe^en? 
^-^  ift  nict)tö  feltene^,  bog  man  in  neuern  Jiftorifdjen  ®d)rif*5 
tcn  burd)  (Jinrücfung  fold;er  ^onjefruren^  aU  ob  fte  baarc 
©a^r^cit  waren,  feinen  ^r^ajilungen  mcf)v  anmutf;igc  ^öoU* 
jidnbigfeit  5U  geben  fuc^t,  ojnc  bod;  bic  5??u^c  5U  {)aben^ 
jeben  fteinen  Unijlanb  cr|l  burd;  53erglcid)ung  bcr  <Bd)viiu 
fidUx  unb  Urfunben  öuf3ufud;eu  unb  ju  bewahren.  Sllfo 
öud^  M  Sabcl  ctneö  unfcrm  Zeitalter  fc^r  gemeinen  gejlerö 
flejt  biefe  fleinc  ^pifobe  ^ier  in6)t  am  unrechten  £>xU 

Sllleö  fommt  bemnad)  nun  barauf  on,  anö  ben  pa^P* 
lic&cn  $23ullcn  felbft,  bie  wegen  Bamberg  ergangen  flnb,  s" 
aeigen,  wefe^e^  benn  baö  Ji|iorifcl)  wa^rc  «öerbdltnig  fcp, 
in  n>eld;eö  ^Bamberg  tjcild  gegen  ben  ö^omifctien  ©tu^f, 
t&eil^  gegen  ?D?aina  gefegt  ttjurbe.  9}?an  wirb  mir  gerne 
jugeben,  ta^  i^kx  nicf)t  nad)  bemjenigen  gcurtjcilt  werben 
fann,  wa5  ftd)  öieUeic^t  5Samberg  nacb  unb  nöd;  unb  mit 
öfterer  SBenüöung  ber  ©d?wdd;e  beö  ©cgentjeil^,  ber  feine 
Sicd)U  oft  etwa  nid;t  genau  fannte,  Jerauönal&m,  fonberu 
Ui  bloß  nad)  bem  23ucl)|Iaben  ber  ©cfefee  unb  ^rii^ilegieu 
geurt^eilt  werben  mug. 


X)a^  erfte  ^apiiüö^t  Privilegium  '•)  für  t^cii  neu  mic&^ 
tßtc  S5ißt}um  95amberg  war  ton  %  Sojann  XVIII.  gerabc 
ba^jenige,  wclc^eö  bic  fcc^«  unb  breißig  S3ifcöbfe,  wclct^c  fid) 


^)  Ex  hbro    Privileg.    Eccl.  Bamb.   itt  ttt  SBamb«^ifctett  tt'- 

buUii>n  ivegen  $üttl)  ^r«  4. 


.137 

im  3a5r  1007  öuf  bcr  6t)nobc  ja  granffurt  t>erfammclt 
Ratten,  mit  ifircr  fctcr(id)cu  23eiftimmung  befrdftigtcn,  Die 
Ööorte,  Die  öuö  bcmfclbm  Jic[;cr  geboren,  füib  folgenbe : 
Officii  nostri  est  omnium  sanctarum  Dei  ecclesiarum 
eommoda  generaliter  considerare^  et  maxime  earum^ 
quae  specialiter  sub  jure  ac  dominio  nostrae  Romanae 
Ecclesiae  consistunt^  si  quod  est  incommodum  abolere. 
etc.  2Il3Daim  hnmxt  ber  Ucbcr^ang  auf  SSamScrg,  unb  bie 
ijauptftcUe  hierauf  i\t  folgcnbc:  Sit  ille  Episcopatus  über 
et  ab  omni  potestate  externa  securus^  Romano  tantum- 
modo  mundlburdio  subjectus  :  quatenus  Episcopus  eo 
melius  cum  canonicis  suis  servitio  Dei  possit  insistere, 
et  primi  constructoris  ejusdem  loci  et  recuperatoris  ja- 
giter  memoriam  habere.  Sit  tarnen  idem  suo  metro- 
politano  **)  subjectus  atque  obediens. 

SBi'r  bei  Sefung  biefer  ©teile  noc^  für  feine  befonbcre 
Jjtjpot^efc  eingenommen  i\t,  »irb  fie  meinet  ^radjten^ 
folgenbermagen  t>er|le^en.  Daburd),  \ia^  Bamberg  aU  sub 
jure^  dominio^  mundlburdio  Romanae  Ecclesiae  angefcs» 
Jen  werben  follte,  baburd)  Jbrte  e6  nic&t  auf,  SEftaiixii\d)it 
(guffragan  ju  fei)n,  benn  ^llaitt^  tt)irb  bo4)  i«  f^kt  M  fei» 
SJJctropoIitan  angegeben,  gegen  weld^en  i()m  ber  ©ejorfam 
gar  nic^t  erlafl*cn  wirb.  SfovU  cö  aber  nic^t  auf  SJ^ainji* 
fc^er  ©uffragan  ju  fepn,  fo  xoav  c^  md)t  cremt,  fo  jlunb  c^ 
nid)t  allein  unter  bem  ^ap|l,  fonbern  juglcid)  aud?  unter 
SÄaini,  al^  feinem  ^O^etropoliran.  5öa^  folltcn  bann  aber 
«Ifo  bk  Sluöbrucfe  bcbeuten:  sub  jure,  dominio,  mundi- 
burdio  Romanae  Ecclesiae?     3d;  f bunte   gctrofl  gcjlejeit 


*)  ?7acb  ?ublVt(]  I.  c.  png  879.  lieft  Codex  Yicnnensis:  suo  me- 
tropoÜUno  archiepiscopo  Moguntino. 


258 

e«  ntd;t  ^u  wiffen,  benn  für  meinen  jnjecf  wäre  U  bo(^ 
fcl;on  genug,  gezeigt  3U  \)abm,  n?enig(len0  ba^jcnige,  voa$ 
man  ^nmtion,  wa^  man  Smmcbietät  ^cigt,  liegt  nid^t  barin; 
unb  umfo  getrojier  würbe  lA)  m'id)  auf  genaue  SSeftintmung  ber 
unter  obigenl^Borten  licgenbcnSbecgar  nid;tcinlaflfen,  weil  |tc^ 
fajl  öorau^  üermut^en  la^t^  bag  t)ic  ^hi)c  ucrgeblid)  wdre. 
SO^an  fuc^t  für  mand;e  SInöbrücfe  ber  @d;rtft|leücr  unb  Ur^ 
funben  beö  mittlem  ^citaltcrö  genaubeftimmte  begriffe,  unb 
bie  «Berfafifcr  felb(l  l;a5cn  feine  gehabt;  wie  folltc  man  alfo 
finben  voa^  nie  t)a  war?  @ott  a6er  je  m  genauer  S5egriff 
ongegeben  werben,  fo  mag  Dielleid^t  fofgenber  ber  2Ba(>r&eit 
am  nad)ilen  fommen.  Da^  neucrricfttJte  SSiötJum  $Samberg 
War  befonber^  aud)  in  honorem  beatissimi  Petri  Apo- 
stolorum  Principis  gcfliftet*  Sßa^  für  biefe  2lbftc()t  geflif? 
tet  würbe,  war  nad)  ber  (^rfldrungöart  ber  bamaligen 
Reiten,  nad)  ber  ^rfldrungöart,  weld^e  befonberö  ber  9i6* 
mifd?e  ?Sifd)of  begünfligte,  gleid)fam  eine  (5d;cn!ung  an 
bie  9l6mifd;e  ^ird)e,  ober  c6  fd;ien  gleic^fam  ein  Sc? 
flanbt^eil  berjenigen  ^ird)e  unb  besjenigcn  ^ird)engutö  ^u 
werben,  vodö:)t  aU  er(Ie  ^ixd)c  unb  aU  $aupt!irc^)engut  bc3 
Slpojlel  fpetruö  angefe^en  würbe.  5öenn  alfo  Bamberg  sub 
jus,  dominium,  mundiburdium  Romanae  Ecclesiae  fam, 
fo  würbe  baburc^  me^r  fein  politifdjeö  aU  fein  firc6lid;cö 
SSer^dltnig  gegen  t>k  r6mifd)e  Äird)e  beflimmt,  unb  e5 
fonnte  in  politifc()em  5Jet^dltntß  (Jigent^um  ber  9i&mifc^c« 
^irc^c  werben,  o^ne  boc^  auf^ujoren  nacfc  bem  !ird)lid)cn 
5ßer(idltntjTe  (^igentftum  bcö  QJZain^ifd^en  ©prengelö  ^u  fcwn. 
25loß  um  bem  neucrrid)teten  ^Ut^iim  einen  grofifern  ©lanj 
t)on  ^eiligfeit  unb  Un^erle^barfcit  ju  geben,  würbe  eö  fo 
genau  mit  ber  romifd^en  ^ird;e  berbunben,  baß,  wer  bie 
fRtd)U  unb  ©üter  bed  23ambcrgifd?en  Sifcf^ofö  ocrlcfee,   bie 


259 

SRccfetc  be6  Siomifc^en  25ifd)of^  ju  üßrlc^cn  fc^ienc.  ^3 
wirö  (td?  weiter  unten  noc^  bcutlidjer  ergeben  >  bag,  wenn 
(id)  je  m  obige  2Iu6t>rucfe  ein  beiulic^er  unÖ  beftimmter 
^inn  bringen  ia^t,  biefer  bcr  einzig  wajrc  fep. 

§.  3. 
^on  3o5<Jnn'5  9^ad;fü(ger  ^ap^  ©erglüh  iat  man 
feine  ^ude,  Bamberg  betrejfenD:  nnb  in  ber  Suüe  $5ene* 
bift  beö  VIII.  Dom  ^rt^r  ioi2  *),  worin  er  t>k  Privilegien 
be5  23iöt^umo  bcitdttgt,  ftnb  bie  ^u^brücfe  mciilen^  fo  öü* 
gemein,  bag  ftc  un^  bicr  nid)t^  ^ur  genauem  $5eflimmuug 
itöl^en.  5Iber  ba^befonberc  ©einreiben  S5enebiFt'ö  an  beii 
crften  33ifc^of  ^ber&arb  entf)d(t  einige  merifraürbige  Um^  * 
fidnbe  *'0«  X)k  ipauptflcllc  ift  folgcnbe:  Venimus  ergo 
Babenbergam,  ubi  ab  eodem  imperatore  suscepti  su- 
inus^  prout  poterat  et  noverat  melius.  Ecciesiam  autem 
cum  omni  integritate  episcopatus^  sanctae  Romanao 
Ecclesiae,  cui  Deo  auctore  praesidemus,  et  nobis  ob- 
tulit.  Quod  videnles,  aequum  consideravimus,  seriem 
hujus  nostri  privilegii  et  episcopatum  confirmare  in 
perpetuum  ^  eumque  tibi  dileclissime  et  iuis  successori- 
but  concedere,  ea  yidelicet  ratione^  hoc  ordine  ut  nul- 
lus  unquam  yiventium,  cujuscunque  sit  dignitalis  vel 
ordinis,  contra  hanc  nostram  confirmationem  Episco- 
patus  venire  audeat,  vel  contra  te  tuosque  successores 
ob  hoc  agere;  neque  liceat  ei  de  Omnibus,  quae  nunc 
habet  vel  habiturus  est  praelibatus  Episcopatus,  vi, 
fraude  aut  iniqua  calliditate  aliquid  abradere:  Vel  te 
tuosque   successores  de   bis  omnibus  inquietare   aliquo 


*)  Vita  Henrici  S.  ap.  Ludewig.  1.  c.  p.  3oa. 
••)  1.  c.  pag.    3o4.  s.  s. 


240 

modo,  ila  sane,  nt  singulis  qulbusque  indictionibus, 
sub  nomine  pensionls,  equum  unum  album  nobis  no- 
strisque  successorlbus  persolval,  cum  «ella  conveniente 
Romano  Pontifici« 

§.    4. 

53oii  btcfcr  eigenen  €r^df>Iung  $5encbi!fd  gctcn  bie 
9^ad;rid;tea  beö  2co,  ÄarbinaU  t>ou  Cjlia*),  in  feinem 
chronicon  Cassinense  bei  einem  wid^tigen  Umflaub  ob. 
Sluger  bemjenigen,  waö  ?Sencbift  öl^  lai)tiid)tn  ^h\€  ber 
^Sambergifcfeen  ^irc^c  öngibt,  gebenft  2co  nod;  Junbert 
fKarf  ©ilber^,  unb  fein  3^ugnig  ijl  nid;t  nur  an  unb  für 
fid)  febr  gtiltig,  weil  fiel)  Seo  mei|len^  öuf  t>k  Urfunbcn, 
bie  er  in  feinem  Älofterard^it?  fanb,  be^og,  fonbern  man  bot 
and)  tüixtüd)  nod;  C^uittungen,  \mld)i  bie  ^öpfle  für  (in\f 
^fang  biefe^  census  öu^geftcllt  b^^cn.  ©o  b^it  mön  i*  25. 
bie  Quittung  ^.  Älemenö  II.  ;t?om  i.  Ü^ODcmber  io47  unb 
in  biefer  trirb  auflfer  bem  gefältelten  q)fevb  aud)  ber  b"»bcrt 
^laxl  ©ilber^  geböc^t  '-""0.  €*ntiDeber  mug  alfo  obiger 
25rief  tont  ^.  Q3enebi!t  an  ^berbörben  mangelbaft  fei^n^ 
ober  ftnb  biefc  Junbert  ^axt  ^iibcx^  cx\i  in  ber  golgc  bö3u 
gekommen. 

2Sa6  folgt  benn  ober  an^  biefem  ^dpfllic^en  ©(^reiben 
für  bie  gewobnlid^c  5i}?einung  t)on  ber  (Jvemtion  bc^  23am* 
bergifc^en  SBi^tbum^?  3|1  baö  offerre  im  !ircl)licl)en  ober 
im  politifcf)en  53crjlanb  ^u  nebmen?  (5ntfd)eibet  nid;t  ber 
babei  aufgelegte  census  fd;on  genugfam  für  ta^  leitete? 
2)ic  ?8ambergifd)c  ^ird)c  \Durbe  burd)  biefc  Oblation  gleid>* 
fam  €-igentbum  ber  romifcfjen  ^irc^c,  ber   ^apjl  aber  t)er« 


•)  L.  11.  c.  47- 
**)  Hofimanni  annal.    Bamberg.    L.  Jl.  p.  71. 


241 

langte  nur  ein  iaftrlicöc^  aflcco^uitiouöijclb,  bag  t>ißfc3  wirf* 
Ud)  gef(^efien  fep.  25aburc(?  Jbrre  Bamberg  boc^)  nod?  nic^jt 
fluf,  i!)?ain3ifc^cr  (Sujfragaa  ju  fci;n.  Doct)  Jier  f6untc  bic 
@ac6c  njirflld;  ^a^cifcljaft  Wcinai,  D?cnu  nid^t  fparcrc  Ur# 
funbcn  cntfc^icbnu 

Jrtjar  cntf;dlt  bIc  SSw'flatigung  bcr  ^ÖambergifcOen  $ri« 
tllcgicn  t>on  ^Icmcu^  II.  ''')  grtr  nidjt*3^  ba€  einige  ^*rldu* 
icrung  ober  genauere  SÖeftImmung  angeben  fonnte,  uiib  i?on 
biefem  ^a\>\ii  hatte  nun  c§  am  Dcrju^Iicbilen  entarten  fol;^ 
len,  l^a  er  felbjt  bon  bem  iSambcrgifd^cn  (Stu^^l  auf  bcn 
SRc)mifd;en  (rieg.  €*ben  fo  irenig  bcfonbcrce  ift  aud?  in  ber 
85uUe  üon  Seo  bem  IX»  enthalten  "'^"') ,  worin  er  bcm  ^u 
fc^^of  t)on  35amberg  bei  genjijfen  ^d:cn  unb  ©elegenöeiten 
taö  pallium  3u  tragen  erlaubt,  nur  \^a^  ^ier  au^brucffic^ 
tie  wicl^tige  (Ilaufel  beigefc^t  tt?irb,  salva  aucloritate  Dom- 
nae  Metropolitanae  Mogundnae  Ecclesiae. 

Öllfo  noc^  im  3a&r  io53  (biefcö  ift  fca5  S^^r  obiger 
S5ulle)  nad)bem  fi'cö  Bamberg  fc^ou  mehrere  3<J()vc  ^inbnrd) 
turc^  Sei|lung  eineö  gen^iflTen  $'u\\c^  gfcid)fam  alö  ein  Cri" 
gentium  ber  9ibmifd)en  ^irc^c  erfannt  \)Cittc,  nod?  im  3^i)r 
io53   wirb   Bamberg   bü   einer  Gelegenheit,   voo   c^  einen 


*)  Vita  Henricl  S.  ap.  Ludovig  1.  c.  p.  2S5.  03üfcbitt'^  in 
feiner  (Srbbefcbretbung  be3el)t  bei  il^at^öerö  einen  foubcr^are« 
gebier:  /,®(eicl?e  (fagt  er)  mib  upcb  meörere  §rfil)i'iten 
iinb  23or5'49e  erljielt  aucb  ber  jnjeite  Q3ifcbof  ©uibaer  uoii 
SÄapenborf  »om  ^l)apil:e  ^lemen^  H  "  Tom  i\x  aber  ©uibvjer 
felbfl  Eeiiie  auberc  ^perfo»  ßlö  >Vmt  ^^lemcns  II.  2lu5  bem 
SBifd^of  ©uibgcr  nJ^r^e  ^])ap(l  (Jicmenfi,  alfo  bat  ber  Sifcbcf 
©uib^er  öviu^  äiMtJt^  feine  '5^nöiie:;i?n  vom  %''i^\i  (i'temeUiJ 
erbaltcii. 

*•*)   I.  c.  p.  :3H. 


24'i 


fo  wichtigen  ^or^ug  erhielt,  aU  Prägung  bc5  pallii  war, 
t>on  bcm  ^apjle  fclbj^  erinnert,  beu  (Jr^blfcbof  öon  iOiainj 
ungcad;tet  bicfcö  neuen  ^orjugö  al6  feinen  fO^etropoliten  ju 
erfennen,  unb  nid)t  ^u  glauben,  bag  bic  ?0^ain3ifd)e  ^u!to« 
ritdt  über  S3amberg  baburd)  gefd;it)dcbt  werbe.  Sßid)tigcr 
ober  unb  nod)  frud)tbarer  an  mannigfaltigen  S3emerfungcn, 
t(t  ba^  ©djreiben  £eo'6  bcö  IX»-)  ton  ^ribur  ben  i3. 
9^oDember  io52.  iDOvin  er  gfeid}fam  3fied;enfcl)aft  gibt  ijon 
allem  bemjenigen,  it»aö  er  auf  feiner  leisten  Steife  ju  55am5 
bcrg  get()an  ^ahc.  gofgenbe  ^telie  au^  bemfelben  i(t  fo 
gan^,  fclbfl  ben  ^Borten  nac^,  ber  oben  angeführten  ©teile 
öuö  ber  23ulle  ^.  3o^ann'^  Dom  3a&r  1007  d^nlicfe,  t>a^ 
man  über^eugenb  fie^t,  e^  i)at  ftd)  feit  ber  geit  nid)t6  in 
bem  !irc^Iicl)cn  S3er5dltnig  be^  ^ifd;of^  t)on  S3amberg  ^um 
9^ümifd;en  unb  aum  ^ain^ifd^en  ©tu^l  gednbert;  $8amberg 
war  io52  nod)  eben  fo  ©uffragan  t?on  '^a'm^,  ungead)tct 
C^  sub  mundiburdio  Romanae  Ecclesiae  (!unb,  aH  im 
3a^r  1007.  ^ie  5ß3orte  ber  55ulle  Seo'ö  welche  Jic^er  ge^? 
Jbbren,  ftnb  folgenbe:  Sit  ille  Episcopatus  über,  Romano 
tantum  mundiburdio  subjectus  —  sit  tarnen  idem 
Episcopus  suo  metropolitano  Episcopo  Moguntino 
in  canonicis  caussis  tantummodo  subjectus  et  obe- 
diens.  JDa  aud)  hicimlQtn  @cl)rift(Ieller ,  treidle  nid;t 
fogleid)  ta^  neuerricl)tete  6tift  S3amberg  ^um  immcbia^ 
cten  ober  cremten  ©tift  mad;en,  irenigflcnö  boc^  bic 
€poc^e  feiner  C^remtion  unter  ben  ^^ap(l  Seo  feigen,  fo  weig 
ic^  nicfet,  ircld)cu  ©runb  fte  für  i^rc  ^JJJcinung  angeben 
werben,   3n  Seo'^  wie  in  3o^ann*^  ©einreiben  Ui^t  iD^ainj 


*)  Ex  autographo  in  ber  Samberöifc^en  2)ebuftion  wegen  ^ürtb, 
Cod.  probat.  N.  53. 


243 


^trroßolltan  ton  23amberg,  wirb  bem  Q5ifct?of  bon  95am» 
berg  ©cfjcrfam  gegen  beii  (Jr^bifcljof  üon  5D^öinj  alö  gegen 
feine«  5}?etrov^oIitan  öufevlegr,  unb  Me  in  Seo'ö  iSdjrcibeii 
cingerucfte  5ß3ortc  in  caussia  «anonicis  fonnen  bier  feine 
53eranberung  mad)cn,  benn  bic  ^Ud)t  beß  ^jjctvov^oliran 
über  feinen  süffraganeum  unb  bic  ©rangen  be^  (^c[)oifam*, 
welchen  ber  6u|fragan  feinem  ?9?ctropoIitanen  ^u  feiflen  \)at, 
müjTen  o^ncbieg  burdj  bie  ^irc^^engefe^e  unb  canones  bci» 
(limmt  werben. 

2(uf  eben  ber  Steife  be^  ^apfl^  nac^  ^eutfd)Irtnb,   öu« 

beren  (Gelegenheit  crjltgebadjreö  pdpft(id;eö  ©djreiben  erging, 

gefc^ab  öud)  eine  tt)id;tige   53eranbevung   tregen  beö  census, 

t>cn  23amberg  bi^bcr  ber  9l6mifd;en  5\ird;e  jabriid)  gefcijlet 

tötte»    3^  wiü   t)U  eigene«  SBorte  ber  swei  ®d)rifriTelIer 

bieberfe^en,   vocl<i)c   un^  biefc  25egebenbelt  öufgeieid)net  bö* 

ben,  um  ölebenn  befto  [eid)ter  urtbeilcn  laffen  ^u  fonnen. 

Leo  Osliensis  L.  JI.  c.  84.  Tunc  inter  ipsum  Aposto- 

licum  et   Imperatorem    facta   est  commutatio    de 

Benevento  et  Bambergensi  Episcopio. 

Hermannus   contractus  ad  a.  io53.     Imperator  cum 

Domino  Papa  multisquo  Episcopis  et  Principibiis 

nalalem  Domini  Wormatiae  egit.    Vh\  cum  Papa, 

sicut  dudum  coeperat,  Fuldensem  abbatiam  alia- 

que   nonnulla    loca   et  coeriobia,    quae  S.  Petro 

antiquitus  donata  feruntur,  ab  Imperc»tore  repos- 

cens  exegisset,    demum    Imperator  pleraque    in 

ultramontanis  partibus  ad  jus  suum    perlinentiaf 

pro  Cisalpiiiis  illls  per  concambium  tradidit. 

I^iefc  beibe  6te(Ictt  ftnb  wcU  fc()Ifd)tcrbingö  nidjf  ön« 

bcr^   tjcrfrdnblid),    ölö   \Denn   niö«   obangefiibrtc   ^'rfldrung 

r>o\\  ben  Slu^brucfen  öunimmt  «üb  joro  et  dominio  Rama- 


b 


24'i 

nae    Ecciesiao   ««se,     ort'erri    Ecclesiae    Romatiao.     ;^er 

^apf!  nuc^re  x\id)t  •2lijfpnic^  (Tn  Bamberg  öf^  unmittelbar 
unter  if)u  gefj^rig,  benu  baö  whw  6ad;e  ge«?efcn,  bic  er 
mit  bcm  25ifd)of  Don  ^iJJain^  battc  au6mad)cu  mögen,  unb 
um  berentivillen  if)m  ber  ^aifjr  nid}t  irürbc  S3enei>cnt  üb-- 
gctreten  Ijabcix,  fonbcrn  er  behauptete,  t)a^  23ietbum  fe^  bem 
^eiligen  ^etcr  gefd^enft  tnorbcn,  alfo  fei;  eö  auc&  politifdjei 
^igcnt&um  beÄ  I;eil.  ^^cterö  ober  ber  Sibmifdjen  ^ird)e. 
X)od)  bamit  fei?  e^  aucf)  nun  vok  c5  wolle,  wir  ()aben  gcfe» 
I)cn,  im  3a^r  ro52,  nac^  biefer  DU'ife  be5  $ap)T3  ncic^ 
^eutfc(?Ianb ,  geborte  Bamberg  noc^?'  immer  ^u  beu  6uffra^ 
öanecn  t^ou  ?9?aiui. 

§.    6. 

®rcgor  VII. ,  biefer  ©c^recfen  ber  9?egeuteu  \m\>  ^i» 
d)bfe  feiner  ^dt,  mad)te  (td;  befonber^  aud)  in  ber  ^am* 
bcrgifd)en  ®efd)id)te  merFn?urbig.  Sißegen  befdpulbigter  ^'u 
monie  cntfeljte  er  bcii  23ifd)of  ^perrmann,  m\b  hi  bea  @d)rci* 
ben,  weld)c  er  beöivegen  erlieg,  fommen  üerfc^iiebcne  ^u^f 
brucfe  t>or,  weldjc  ^tuar  ben  j^auptbegriff,  ben  wir  futbe«, 
nic^t  genauer  beftimmen,  ober  bod)  ücrbunben  mit  bem  53or^ 
Iberge^enben  fo  t)iel  geigen,  e^  war  nid}t  ba^,  wai  man 
iiad)  ber  gemeinen  ?9?einung  glaubt. 

3n  Gregor^  (Sd)reiben  "=0  an  bie  «Sambergifdjf  (5^eiil. 
lid)!eit  {)eigt  c5:  quod  Bambergensis  Ecclesia  specialis 
quodammodo  filia  adhaeret  matri  suae  Romanae  Ec- 
clesiae. 

3n  bem    S^rei^e   an    Jltaifer   ^?einric&:  ***)     Caeterum 


*>  In  CndJcTillo  diplom.    Bamberg.    N.    J4.    ap.     I-udimlg  l.  «. 
p-tg    I  160. 
*^)  1.  «.  ^.   i6. 


de  Bambergensi  Ecclesia^  qiiae  sui  fundatoris  instita- 
tione  sanctae  et  apostolicae  sedi,  tanquain  hurneri  c«- 
pili,  mernbrum  scilicet  propinquius,  specialiori  quadam 
cura  sollicitudinis  inhaeret,  vehementer  «Jolemus  — 
Bambergensem  Ecciesiam  apostolica  beati  Petri  tuilione 
munitam  —  beali  Petri  nomini  et  defensioni  allitulat« 
est.  Uiib  in  t)cm  ^rci?c  an  (5r3bifd;of  6icgfricb  i>on 
9}?ain3:  *)  circa  eam,  quae  beato  Petro  specialiter 
commissa    est   ecclesia. 

^aiiur  2lu6bruLfc,  öu6  bencu  ftd)  \nd)t^  fid;crc^  06-- 
jlra^ircn  la^t.  Dci^  ^rci>c  an  bcn  ^r^bijU'of  i?üu  ^?ain^ 
enthalt  aber  boct)  foId;e  (S|nircn,  ou^  bencn  man  fc^cn 
fann,  tag  fclbft  ©rcgor  bei  ireitcm  nid)t  foId}c  23cgriffc  \>on 
bcm  53cr^dltnii3  bcö  23ifd)of^  ijon  Bamberg  ^um  3iümifd)cn 
©ruf)(  gcbabt  Ijat,  ciU  voam  c6  unter  fRom  unmirtdbar  glcicfc^ 
fam  aU  unter  feinem  ^Qietropolitan  ftunbe.  ^n  ^'Jlaiu^  cr# 
ge^t  bic  ^rma^nung,  bcforgt  ju  fcüu,  bag  ein  neuer  25ifd)of 
gcn?df)It  iverbe :  tudre  ^Bamberg  bamaU  frei  t»on  aller  (Eub* 
orbination^\)evbiiibnng  mit  ?)?iainj  getDefen,  fo  f)atH  ber 
^"»a^-^fl  feine  ^'imahutng  an  ben  SSambergifc^en  ^(eruö  unb 
liiert  an  €ie(}p-ieb  mv.ifm  er^eücn  lajfen.  ^1  i^  aberauc^  in 
bcm  ganzen  55ret)c  an  ben  Cr5bifd)of  tjon  ^Olain^  nid)t  bie  gc* 
ringftc  <Spur,  bag  er  bicfe  ^Seforguncj  ber  5ßieberbefegung 
be5  erlebigtcn  «Stifte  0leid)fam  M  dn  i^m  befonber^  aufge* 
tragneö  Ü)cfd:dft  beforgen  folte,  fonbern  er  n?irb  in  bcm  Zont 
crma()nt,  wie  einer  an  feine  ^fiid)t  erinnert  wirb.  Cßdrc 
ber  55ifd)of  i^ermann  t)on  35ömber5  fein  Suffröganeus  ton 
9}?ain5  c^emefen,  njic  fonnte  ber  ^apjt  bem  fei^tcrn  tonrerfen, 
„quod  in  praedicto  Simoniaco  neglig'^nter  pß^Uti?-^ 

*)  1.  c    >'.   SV 


246 

SBem  ober  litcfc  ©pnrcn  tiictt  l)cutlid)  genug  fd)cincn, 
bem  f^nncn  uoä)  ^cwcife  au0  23ul(cn  $.  ^afc^aliö  be«  II. 
vorgelegt  trerben. 

3ii  bcm  @d)reiben  worin  ^afd^öll^*)  bcn  ^.  £)rto 
feinem  funfrigen  ©tift  empftefilt,  i(!  folgende  (Stelle:  „ad- 
huc  etlam  cracis  vexillum,  inlra  Babebergensis  Eccle- 
siae  parochiam^  ante  faciem  tuam  portari  concedimus^ 
salva  videlicfct  Moguntinae  metropolis  reverenlia/' 
$[öcr  fiel)  aber  a\xd)  bier  mit  ercgetifd^cn  ^unjlgriffen  su 
verteil  glaubt,  unb  wer  einmal  ein  eigene^  3^"9"i6  ^^^^ 
einem  ^ifcl^ofc  ijon  Bamberg  verlangt,  bem  lege  id)  folgenbe 
©teile  t)or,  anö  einem  ©einreiben  eben  biefeö  33ifc^of  IDttene  ^'■'') 
m  iUn  benfelben  ^apjl  ^afd;aliö.  „Quam  nimirum 
propterea  a  tuae  sanctitatis  manu  tantopere  expetimus, 
quia  melropoUtanus  noster,  etsi  per  te  babeat 
consecrationis  gratiam,  tarnen,  quod  sine  lachrymis 
fateri  nequimu?,  magnam  cooperatorum  spirltualis  doni 
patitur   injuriam/^ 

3c()  bredje  f)Hv  ah,  benn  id)  l)aU  blog  bif^orifdjc  ^In^ 
merfungen  unb  feine  gan^e  ©efdjic^te  ber  53ambergifd)cn 
^'remtion  i>erfprod)en,  unb  bie  bieberigen  2Inmer!ungen  er« 
weifen  bocb  meinet  ^rad)ten^  tia^  genugfam,  waö  id;  er^» 
weifen  wollte,  ^a^  bie  bi^bcr  gewobnlid)c  ^orftellnngöart  bie* 
fer  ^ad)t  ganj  nnrid)tig  fei),  unb  baß  Bamberg  nod)  im 
Qan^m  eilften  Sabrbunbert  ^ain^  ^um  ^Metropolitan  gebabt 
J^ahc,  unb  alfo  nic^t  unmittelbar  unter  bem  ^ap|l  fonne  gei» 
jlanben  fet)«. 


♦;  De  vila  S»  OltonU   op.    Ludewig.    Scripit.      Bainb.    T.    I. 
pagr.   414. 
**)  l.  o.  pag.  41a. 


247 


IX. 

feineö  ©efretg  -)* 


anonifd)c  9\cc()t,  ba5  in  bcn  älUni  gelten  entn?cbcr  ganj 
j?ernad?Idfft3ct,  ober  boc()  nur  aU  ein  5uv  X^eofogic  ge^origcc 
S&eil  bc^anbelt  würbe '-""O/  burd;©rattan  unb  fein  Defret 
5uerft  ciu  irtiTcnfd)aftIid)e§  ^nfe&cii.  d^  fehlte  3«jar  öuc^ 
in  t)cn  altern  3»^itf"  "icf)t  ön  etn3e(nen  ©c[el;rten,  bic  fic& 
biefcr  5tBiffenfd;aft  iribmeten^  unb  Sammlungen  öon^ircljen^ 
gcfcgen  Dcrfertigren;  allein  i^re  5Irbeit  erjlrecftc  fid)  gemei? 
niglid?  irciter  nid)t  aU  eine  fO^enge  t)on  Kanonen  jufammen 
5U  [(^reiben,  o^nc  tiabü  einer  gut  gctra^lten  IDrbnung  unb 
fcftgefe^tem  @i;i1em  ^u  folgen.  Unterfc^ieblid)c  bicfer  6amms 
lungcn  ^ahm  fic&  bil  auf  unfere  ^ütm  erhalten,  unb  liegen 


*)  ^u6  (^bele'd)  ?0?awit  für  ^ircbenrec&t  unb  ^irdjenjje^ 

fcbic&re.    l'eipjig  1778.  (5rce.  i.   (5.  i  —  3o. 
**)  Caes.  Egas.  ßulaeus,    Hist.   Univ.  Paris.  T.  II.  p.  58 1.     De 

cJaris  Archigymnasii    Bononicasis  Professoribus  a  See.  XI. 

usque    ad    See.    XIV.    edidit     Matiru»    Fatlorini    Abba« 

Cainaldulensis.  T.  I.  P.  I.  p.  247. 


tf}ciU  nod)  utigebrucft  inS5ibliot{)efcn,  tl)c\U  fuib  (ic  bereit« 
&nrd)  bcii  Driicf  bcFannt  gemad)t  wovbcu.  Unter  bcu  nod} 
itiigcbrucf tcn ,  btc  großtcnt^cit^  in  bev  ^atifantfdjen  35ibIioc 
thd  ^u  3flom  öufbc^altcn  iDcrbcn,  5cid)ncn  jtd)  bic  ©amm«« 
hingen  ^blpfarpu^^  bte  be5  ^arbinalö  "Deufbcbit,  be^  23i« 
fd;oiö  IJInfelniuö  5u  ^Ma ,  unb  bc^  .^arbinal^  Saborani?^ 
tjor^ij^ltcl)  ou<^.  Unter  ben  gebrucften  aber  öerbienen  bic 
^ömmfunqen  be^Sftbor^,  9lef5inon5/  ^3urd)arb0  i>on  2Bcrm« 
unb  bte  boppclte  ©ammüing  bc^  3t>o^  23i|a;of6  3U  (5^artve6, 
bic  cvfie  '^XiXU,  3»  biefcm  3"ff^»^c  "^"^^"^  ^^^  fanonifd?c 
EKcd)t  \>\^  anf  ©ratian,  ber  burcfe  fein  I)efrct,  ba^  er  nctd? 
bem  Ü5cfd)mcicf  feinet  ^eitalter^  einjuric^ten  wngte,  bicfer 
®t[fenfd)ciff  mehrere  ^ercbrer  üerrdjafftc. 

■Bon  (^hatian  iinb  feinen  6d}icffalcn  er5al)fen  un«  bic 
iiftcron  @efcbid)tfdjreiber  t^eil^  fcf)r  tveniij,  tbeils  offenbare 
£[)?d()rd)en.  ®cr  feine  Crfrern  gen^efcn  finb,  ttiflTcn  n?ir  nid)f. 
21  n  1 0  n  i  n  n  ^,  ^•r3bifd}of  jn  S[eren3  \\\  ber  ^\XXt  beö  X  Vre« 
3af}rbiinbcrt^ ,  cr3ablt  iinö  ^nsar  ^xxoa^  \j\iSi^\\ ,  \i(!^^  ober 
ganj  einer  gabel  a^nfic^)  fi'e()t  ''•^),  (rr  n?ar  ein  !toffann-, 
ßu^  ber  ©fabt  (Ebinfi"-"-').  gontanin^-'-'^'O  mfld)t  ibn  ju  ei* 
nemMonachus  Abbatlae  monlis  Orbetani  dioecesis  Urbe- 
vetanao^  ex  opido  Carraria  prope  Ficulas,  weld)e5  er 
öu^  einem  ^ober,  ber  i^or^er  an  ^encbig,  JeBt  aber  5U  SKem 


*)  Antonini  Chronicon  P.  III.  tit.   i3    c.  6. 

♦•)  Fatlorini  loc.  clt.  T.  I.  Part.  I.   p.  »60.     Diplovataccius  In 

Gratlano  beim  Faltorini  I.  c.  T.  I.  P.  II.     -Append.  p.  sSg. 

Guid.  Panclrnlus    do  clarls  legum  inlerpret.    üb.  III.  c  a. 

Oiidinus,  de  srriptoribus  ecclesiae  «ntiquis  T.  II.     Disi.  de 

•*'')  Jiisl.    l'out.-.i)K.n«i    in    }'rai»fat;oiie    ad    D^crfUnn  Cr»1.   T»r 
renriualae.  ^     .1. 


r\9 

ci\\bcf)alUtt  ivivb,  begreifen  ivitL  I^icfcr  ^ober  I;at  Mc  Uc6cr« 
fd^rtft:  De  viris  illuslrlbas,  iinD  Sc&vinnc^  (ioinmnji  füll 
bor  53cvfajTcr  batjon  fci)n.  €'ö  fann  aber  noc^  mitcrfdjicb' 
licl^c^  gegen  biefeu  .^ober  cingetrenbct  njcrben,  unb  ©örtiu^, 
bcr  i^ii  gefeiten  ^at,  irill  be{;aupten,  baß  er  ©puren  an  fid) 
^abe,  ivorauö  ftarfc  ^cwcifc  gegen  bae  i()m  beigelegte  2lUer 
unb  feine  5Ied;r|?cit  gefu^vt  iverben  !onnen'"0.  3n  ber  f^ittc 
t^ii  5n?6lften  S^f^r^unbcrt^  lebte  ©ratian  3U  Bologna,  in 
bnn  Älcjlcr  bc^  ^eiligen  gelii*,  wo  er  aud)  fein  Defret  auif 
(ixhäuu.  ^ic  er  aber  nad)  ^^ologna  ge!ommen  \a) ,  unb 
iro  er  fi'd}  üor^er  aufgehalten  ^o^oz,  Idjit  fid)  nid;t  beftimmen. 
Stiele  nennen  i^n  Alumnum  MonasterJi  Classensis  apud 
Ravennain  urbe/n  '""'').  ^>arirengo  fagt  DOU  i^m:  ^'-'^^  Gra- 
tlanus  Monachus  Monaslerii  de  Classe,  quod  prope  Ra- 
vennam  est,  Bononiae  apud  S.  Felicem  commorans,  De- 
cretorum  librum  composuit,  qui  toto  orbe,  ubi  fide» 
calholica  viget,  insignis  babetur.  vBielleidjt  ^QiX  @rattan 
bei  \^i\\  ^laffenfern  ba^  ^vben^gelubbc  abgelegt,  unb  ifl 
t?on  '^Oi  ix\\  nact)  SSofogna  in  "^o^i  51  (öfter  beö  j).  gelix  gc* 
fonimen.  i^onberbar  ift  c^,  '^Oify  er  i>on  allen  (£d}riftftellern 
Monachus  Ordinis  S.  Benedict!  genannt  irirb,  ba  bod) 
biefe  beiben  ^lüftCK  banial^  nic^t  ^u  bem  33enebiftiner,  fonbern 
iu  bem  Äamalöulenfer  Serben  ge^a[)[t  rombcn.  (56  n?ar  i^m 
flifo  aud)  um  fo  leid;ter,  bon  einem  biefer  ^tüjTer  in  ba5 
auberc  ^u  ge^en.  I5a^  ^lofter  .5\Ia|Ta  n^irb  i>on  ©ualter, 
(Ersbifctof    gu   9^at>enna,    im    Sabr    11 38»  unter   bic    bem 


•)  Pattorini  i.  c    T    1.  P.  J.  p.   160-  26,. 
*•)  Trilhpjm    de    Scriptorihus    Eccleslap .  cap.  .'jt.t.     Antoniniis 
Obronioon,  P.   fll     tit.   j8.  cas^.  fi. 


250 

^amarbulenfcr^^rbcn  jugcjorigcn  ^lojlcr  gcred&nct  ^*>  3« 
ten  ;DlpIomcu  ^afc&aliö  beö  U/'^'''o  ^ugcniuö  bcö  111.  *=-^'') 
Slferaubcr  be^  111.  ^^^^^)  unb  Urban«  beö  HL  f )  wirb  ba« 
^Io(!cr  t>c^  S2*  S^üv  au  SSoIogna,  bem  ^ama(bulenfer^£)rbcii 
augqd^lt.  3n  t)cn  Diplomen  bcr  $apjle  bc6XlIL3a()r6unber« 
ober  f ommt  ha^  Älofler  M  S^,  geüx*  ntct;t  me^r  unter  bcn,  bem 
^amalbu[eufer=£)rben  ^uge^brigen^  t)or.  (5ön?irb  al^o  \c^v  wai)Vf 
fc^cinüd),  bag  e^  in  fpdtern  3^tten  in  ein  S5encbiftiner!IojIer 
j>ern?anbclf  werben  fet).  2>ieg  fc^eint  and)  bie  Uvfad)e  ju 
fei?n,  bag  ©ratian  t>on  ben  fpdtern  (üd)rift(tellcrn  immer 
ein  ^enebiftiner  genannt  wirb,  ha  c6  boc^  fe^r  wa6rfcf)cin* 
lic^  i|l,  ha^  er  ju  ben  ^ömölbulcnfer^50?bnd;en  gebort  U^c. 
gu  Bologna  in  bem  ^fofler  beö  j).  S^^^  '^^^^^  ©ratian  lange 
$dt,  wibmcte  fic|)  gan^  bem  fanonifd)en  fKcdyt,  unb  arbeitete 
ön  feinem  Defret,  ba^  er  ^w^ifc^en  hm  ^a^xm  1140— ii5i 
cnbigte  ff).  Söae  i^n  eigentlich)  ^u  biefcm  mubfamen  (^e? 
fd)dfte  bewogen  H^c,  ifl  fd?wer  ju  bejiimmen.  53ielleid)t 
war  e6  mebr  ^f^eigung  unb  eigener  2^ricb,  öl^  irgenb  eine 
onbere  diiATcrc  Urfadjc  gcmefen,  hk  wir  hü  bem  gdn3lid)eit 
©tillfcöwcigen  ber  (?5efd)id)tc  wenigfren6  nic()t  5ut>erldfftg  an.- 
geben  f5nncn.  ^^  bebaupten  awar  einige  ©clebrte,  ©ra^ 
tian  iahe  fein  Dcfrct  auf  ^ureben  bcö  illbt6  23ernbarbö  au 


*)    Annales  Camaldu^enscs,  T.  III.  ad  annum   ii58. 
**)   Annales    Camaldulenses,    T.  III.    p.  525.     Apiiend.    p.   245. 
ßulla  Paschalis  cdit«    a.   iii5.    qua    recensentur  et  suscip?, 
untur  sub  apostolica  protectione  monasteria  Camaldiilensia. 
„In     Episcopatu     ßononiensi     Monaslerium    S.    Archangeli 
juxta  Castrum  S.   Britli,  S.  Felicis". 
***)  Annales  Camald.  1.  c    Appcnd.    p.  464. 
♦***)  Annales  Camald.  1.  c 
t)   Annales  Camald.  I.  c. 
tl)  Fallurini,  I.  «.  p.   265. 


251 

(Ekivbaviv  Qz\d)\-khm,  unb  bicfcr  fbU  c6  bcm  ^np|!  ^ugcn 
bcm  III.  cmpfo()Ieu  ^aben  ^0*  ^i^  ()i(torifd;cn  üSctrcife  aber, 
Mc  man,  um  bicfc^  SSorgcbcn  ju  bcjlatigcn,  gebraucht,  fallen 
bei  genauerer  Unterfud;ung  gan^  n^eg.  X)cx  feel.  ^anjlcr 
S5oI}mer  irill  in  ber  angeführten  2)i(Tertation  biefeö  ?ßorge* 
hm  mit  einigen  bifforifcl;en  ©runben  untcrftu^en,  unb  be^ 
tiift  jid)  bc^ttiegen  auf  ben  5[l?anrique3*'^0  ber  eine  Stelle  au5 
bcm  Dubrat)  ercerpirt  iattc,  um  fte  ala  SScivci«  gebrauchen 
SU  füunen.  Sd;  irill  beibe  ©teilen  beibringen,  bamit  meine 
Sefcr  felbfl  urtbeilcn  Tonnen,  tt?a^  ein  9??ann,  ber  trie  '^aiu 
riquej  erccrpirt,  für  ©lauben  Der^ienc.  9}ianriques  fagt  in 
feinen  Slniialen  ^um  3abr  Ii5i:  Hoc  ipso  anno  compi- 
laturn  Decrelum  per  Gralianum  Monachum  Benedicti- 
num,  ex  Codice  Blbliothecae  Vaticanae,  Baronius  no- 
tat:  Decretum  Gratiani  Monachi  S.  Felicia  Bononiensis 
Ordir.is  S.  Benedict!,  compilatum  in  dicto  Monasterio 
anno  Domini  MCLI.  tempore  Eugenii  Papae  tertii.  Ve- 
rum neque  id  sine  Bernhardo  factum  esse,  lego  in  nolis 
ad  historiam  Joannis  Dubravii  ;  Sancti  Bernhardi, 
(inquiunl)  Gl  a  rae  va  1  en  sis  Abbatis  hortatu, 
Gratianus  Pontificum  decreta  compilavit. 
Ut  opus  illud  Annales  hos  concernat  dupUci  titulo,  et 
quia  auspiciis  et  consilio  Bernhardi  et  quia  sub  Eugenio 
collectum  fuit . . .  X)c^  Dubrat)^  (BuUc  aber,  ber  in  ber 
«Dritte   bcö  XVIten   S^^r^unbcrtö  lebte,   ijlt  folgenbe '"-''''O*- 


*)  Just.  Henjg.  Boehmer,  Corp.    Juris   Canon.   T   I.  in  Disser- 

tationo  praeliininari  ,    de    varia    Decreli    Gratiani    fortuna 

p.  VIII    §.  X. 
■•)  Ang4  Manriquez   Annales    Cistercienses ,    T.    II.     ad  annum 

I  i5i.  cap.  V.  n.  6. 
**)  Joh.  Dubravii,  Olomucensis  Episcopi.  Hisl.  Bolcmica,  a  Thom. 

Jordano  cdita,  ao.  ijjS.  Üb.  IX.  p.  76.  vnt  p.  83.  nota  g. 


25^ 

Obierat   diem  suum  Otlio   Olomucensis  Marchio  Juos- 
que  filios,  Suatoplucum  et  üthonem^  superslites  relique- 
rat:   horum    Gerardus   tutela  suscepta.  Jus  haeredilati» 
contra  Uralislaum,  qui  sibi  succejsionem  vindicabat,  tu» 
tabalur^  subscribente   Conrado,  induxeralque  ambos  in 
iirbis  et  aliorum  bonorum  possessionem.     Ob  hanc  rem 
Uratislaus    indignatione    motus^    Venceslaum,    quem   a 
sacrificiis  habebat ^  aem.alum   fratii  comparabat,  qui  il« 
lum  de  Pontificatu  Olomucensi  submoveat.    Variae  hinc 
cogitationes^   Gerardi  animum  diversa  agitantem,  solli- 
citum   babebant.     Viribus  enim    ad   resistendum    fratri 
se  imparem  agnoscebat^   et  ad  Caesarem  iter  praeclusum 
erat  5   quoniam    Lotbarius   omnia  jura  (g)  IJbertatesque 
Ponlificias,  Romano  Pontifici  restituerat.     Romam  igi- 
tur    queribundus   ire  parat.  .  .     3"  ^^^  ^l^tC  (g)  frc{)t: 
Bernhardi  C  1  ara  e  va  1  en  sis  Abbatis    hortatu. 
Sub    hoc  Lothario  et  Gratianus  Ponlificum 
Decreta    compilavit.      ^d)    bitte    mcitic    £cfcr,    bic 
^tcUi  bc^  5}knrtquq  unb  U^  Dubraü^  D^otc  gegen  dm\u 
bcr  3U  galten;   unb   bcr  betrug  bc^  ?Diaiivic|uc5  ivii..'»  jcbcm 
in   bic    Slugcn   fallen.     I^te    ©orte    in     S^übrauö    Olote: 
Bernhardi  Claraeva lensis  Abbatis    hortatu, 
belieben   ftcö   offcnbör   öuf  bic   etrcttigfcttcn  ^irlfcl^en   bcm 
^aifcr  unb   bem   «PöpjT,   bic  burd;   «BcrmitlUmg  23evn()avbö 
üon   dlairüöur  beigelegt  univben,    unb   fbnncn   ba^er  nid^t 
öuf  bflö  nöd;fclgcnbe:    Sub  hoc  Lothario  et  Grali- 
anus   Pontificum  Decreta  compilavit,  gfa^^S^" 
werben;  ireld;eö  auc^  mit  bcr  3nterp«n!ticn,  lik  fid)  5}?an^ 
rique^,   um    biefe  6tellc   ju  feinem  53Drgeben  braud)bar  ju 
ma<*i-n,    ^u  anbern   crlöubt  bot,    ilrcitcn  würbe.     Ucberbcm 
tft  ID^brat»,  bcr  im  3<j()r  i55^  förb,  ticl  yd  jung,  öl«  ba^ 


*i53 


trir  t(?n  nlö  fincn  gültigen  ^ciiQiih  in  einer  6öc^e,  bk  M 
tu  tcr  9}^itte  bcd  ^wolfrcn  Sa^vjunbertö  Sugctragcn  ^at, 
Annehmen  {6nntcn.  '^dt  bicfcm  {)ifloiifd}cu  ©runt>  fallen 
^ucjtcid)  alle  übrigen,  bie  bcr  feiige  ^ön^lcr  S55^mer  t)or* 
bringt,  um  feine  5?i;pot6cfe,  bag  ndmiid)  S3crnl)arb  Doti 
^lairt^aur  bic  ^riebfcber  üon  ü)ratian^  Unternehmen  fe^, 
311  bolarfen,  n?eg.  <5ie  grunben  iid)  grogtent&eilö  auf  ba« 
OÄlendarium  vetaslisslmum  ßononiense,  WOUon  id)  mu 
Ten  3u  reben  ©clegen^eit  l?aben  ivcrbe. 

Sil  weld)em  'Scii)v  ©ratian  fein  DcFret  befannt  gemacht 
iaU,  Unn  mi)t  genau  bejlimmt  werben,  ^an  nimmt  ^njar 
faf!  allgemein  ba^Sa^r  ii5i  für  ben  ^eit^unft  ber  23efannt* 
mad^ung  bicfe^  Dc!ret^  an,  unb  glaubt,  bicfeö  burd)  ein  noc^ 
t)crbanbene^,  bem  Qirarian  errid;tete^  !0?onument  bciücifen  ju 
fbnnen,  rcorinncn  erftgenannte^  3a^r  angegeben  n^irb.  X)k* 
fv^  3»^"9"'ß  n?urbe  allerbingö  entfdjeibenb  fei;n,  tuenn  t>a6 
9}?onument  irirflid)  fo  alt  wdre,  aU  man  fid;  Dielleic^t 
uberrebet.  d^  i\i  ^voav  feinem  J^^'^'if^^  untera^orfen ,  t^a^ 
widit  bem  ©ratian  eutttseber  noc^  hei  feinem  Seben,  ober 
tod;  balb  nad;  feinem  ^obe  ein  Denfmal  errid)tet  trorbe« 
Tei>n  foUte;  altein  bon  biefem  alteren  I5enfmal  i|I  nic{}t^auf 
bie  9]ac^n?elt  gefommen,  M  baflelbc  im  i5ten  3öl;r5unbert 
fd}on  fo  jerfallen  unb  t^evmobert  it>ar,  tci^  man  t>k  barauf 
befinblicfee  Schrift  nid?t  mebr  lefen  fonnte.  ^een?egen 
n>urbe  im  Tsa^v  1499  bem  ©latian  ein  neue^  :i^en!ma( 
errichtet,  unb  bicfcö  neuere  ^enfmal  ijl  e^,  worauf  man 
ftcb,  ^ier  beruft.  Diefeö  neuere  S}?onument  aber  f5nnen  wir 
nid)t  aU  entfc^eibenb  in  biefer  iSacfte  önncjmen.  Slnbcre 
tt^cüen    aw^   ber   ^Ivpellatiru^fprmel  *')   be^   ©ratian^,    bew 


')  C.  po5l  appcllal.   II.   q    Vt. 


254 

3eitpun!r  bcr  ^cfönntttiad)ung  fcfncö  ^cfietö  bcflimnicn; 
ober  vok  id)  glaube,  mit  fc^v  unglucflic^cm  Erfolg,  ©ra-» 
tian  gicbt  ^icr  bloö  ein  gormulav,  tcornaä)  bic  2I))pclIari* 
onefovmel  abgefaßt  mvben  foUre.  X^ai  Krempel,  ireld)c5 
er  Jie^u  brauct)te,  !anu  eben  fottjojl  öuö  einem  Slnbevn,  öU 
feinem  ^^it^^^cr  genommen,  ober  gar  crbidjtet  fct^n:  irentg.» 
f!en5  fann  man  bod)  gcit>iß  nici[)t  ()ierauö  auf  bie  3«^it  ber 
fSefanntmad}ung  feinet  ^cfrct^  fd)Iicflren.  jpuguccio,  ber 
aitciic  5lu^legcr  be^  ©ratian^,  f'^Öt'-'):  ©ratian  \)abc  fein 
^efret  aufgearbeitet,  cum  Jacobus  Bononiae  Jus  civile 
interpretabalur,  et  Rolandus  Bandlnellus,  qui  postmo- 
dum  creatus  Pontifex,  dictus  est  Alexander  III.  sacras 
litteras  docebat.  Slolanbu^  SöanbineÜuö  würbe  im  Sabr 
1159.  ^apjl,  obngefd^r  9  ^af)xc  aber  torber  «Harbin aP-'-^» 
dv  ttjar  alfo  ^\t)ifc^en  ben  ^ai)vcn  1140— ii5i  ^rofeffor 
3u  25o[ogna,  in  voddgc  $at  man  alfo  auc^  bie  S5efanntma^ 
c^ung  bcö  ©ratianifc^en  ^e!rerö  fegen  muß.  ^ic  übrige« 
©d)icffale  hc^  ©ratian^  ftnb  un^  beinahe  eben  fo  unbekannt. 
Qx  lebte  ncd;  eine  geitfang  ^u  ^Bologna,  unb  lehrte  ta^ 
fanonifc()e  9^ed)t  waö)  feinem  heftet.  Einige  geben  tor, 
er  fei;  nac^bcr  aU  S5ifd?of  ^u  ^bi«it  geftorben '"""•');  allein 
fie  tbun  biefe^  obne  einen  ^ut>erlafft'gen  ©runb:  Ugbelli  <^'^'*'*) 
gebenft  wenig(Ien6  feiner  gar  nid)t.    Sllberifu^  f )  «f"«^  i^n 


*)  Huguccio  in  C  post  appell.  in  Cod.  Vat.  Mss.  2280  cujoi 
descriptionem  Faltorini  1.  c  in    Append.  p.   194  exhibet. 
**)  Faltorini,  1.  c.  P.  I.  p.  264. 

•**)  Roberlus  de  Monte,    edit.   Dachery   ad  annum  il3o.     Jo. 
Columna,   I.  c.  Guid.  Pancirolus  de  claris  leguin  Interpre- 
tibus,  Hb.  IH.  cp.  2. 
****)  Ughelli  Italia  Sacra,  T.  III.  de  Episcopis  Cluslnis, 

t)  Albericus  trium  fontium  Monacbus,  in  Chronico  ^uo, 
edid.  a  Leibnit.  in  Acccssion.  Histor.  Script.  Rer.  Gerroan. 
T.  II.  p.  328. 


255 

Sarblnaf.  d^  i\i  aber  Mefcö  offenbar  falfd),  benn  tm 
önt>erer  ^itriftfteller  fagt  uii^  ctwai  ^icDoiu  ^ülbevifuö  mclbet 
nod)  me[)rere  i\jiberfpred;cube  5^ad)rtd)te»  t>o»  unferm  ©ra«« 
tian,  5.  ^.  er  babc  fein  2)cfrct  unter  bem  ^apjl:  Slleranbcc 
bem  HL  aufgearbeitet;  ün  gewij^cr  ?)}Za(ji(Icr  £)mnibonu^ 
^abc  ein  ^uc^  3efd}rieben ,  treld^c^  er  OmneLonum  ge^ 
nannt  Ijabc,  biefeö  l)abc  (3vatian  hM  t)ermcbrt,  unb 
barauö  fep  fein  S>eFret  eiitftanben  *  .  .  ^Iberifu^  üer^ 
tDed;fe(t  unfern  ©ratian  mit  einem  anbern  eben  biefe^ 
Ö^amenö,  ber  3U  ^'nbe  be^  Xllten  unb  ju  SInfang  beö 
Xlllten  3af)r()unbcrt6  Äarbinal  irar  ^^)*  5Bie  lange  ©ratiatt 
gelebt  babe^  m\^  ob  er  3U  53ologna  gejiorben  fep,  t(t  un* 
getvig.  ^a\x  geigte  ebcmal^  in  bem  ^(ofter  be^  ^,  gelir 
bic  $cüc  beö  ©ratiane;  aber  nad)bßr  fi»b  an  bicfer  (Stelle 
neue  ©ebaube  aufgeführt  trorben^  25artboIomdu^,  ^bt  biefeö 
ÄIo(ter^,  (Giftete  im  3^Jr  1374,  an  einem  anbern  Ott  bem 
©ratian  ein  Denfmal  burd)  eine  5luff4)rift  auf  eine  mar* 
morne  Zafd,  bie  je^t  nirgenbö  me^r  5U  finben  i(!.  ©ic 
foU  folgenben  Snjalt^  fepn^-"-): 

Hanc  aulae  partem,  lector  reverenler  adito» 
Namqueloci  MonachiisDecretum  hie  condidithujus 
Divinum  Gratianus  opus,  ijuanlumlibel  arcto 
Contentus  septo,  quod  jam  reparando  caducum 
El  vetus  hoc  claustrum  tolli  fuit  inde  necesse» 
Id  tarnen  Abbate  et  constructum  est  Bartholomaeo 
Mille  trecentis  decies  septem  atque  quaternis 
Annis  a  Christo  pura  de  virgine  nato. 


*)  Just.    Henig.    Boehmer,    1.    c.    §.  X.  not.  ».     Faltorini,  1.  c. 

P.  I.  p.  268.  seq 
**)  Faltorini  I.  c. 


1J56 

^oit  bcm  ©rabe  beö  (55ratlauM  t|t  ^u  i^orogna  ferne 
6pur  üorNnbcn.  ^ancivoluö  *0  gcbenft  jwar  einer  @rab^ 
Wrifr,  bic  aber  nircjcur>^  t>orf)anbt'ii  fei;it  foU^^'''-).  (Jin  g}?o/ 
nunteiit  bea  ©ratinn't?  ift  ncd)  in  bcr  .^Irc^e  be^  S^*  ^\'tro> 
iiiu^  5u  53oIo3na,  fol^cnbcii  3n&alt6 : 

D.    O.  M. 

Gratiani  Clusini  Caesarei 
Jur.  et  Pont.  Enuclealons 
Prope  divinl:      Qui  Monacliu» 
In  Martyrum  Felicis  et 
Naboris    aede    absolutiss. 
Ibidem  opus  Decretoruni 
Anno  Gratiae  M.   C.  LI. 
Compilavit:     Monumentum 
Quod    illic    carie     Ruderibusqu» 
Obsorduerat;    Hie 
Magnificentius    renovalum  : 
Joannes  Pranciscus 
Aldrovandus  Bononiens, 
IUI.  Dictator 
Aere    publico 
Instauravit. 
Anno   Salutls  MGCCCLXXXXVllII. 
Idibus  Junii,  Joanne  Bentivolo 
11.^  P.  P,  Rem.  P.  fe  Heiter  gubernante. 

5)01!  bew  (5ct?icffalen    bc^  @ratianifcl)eii  .Defvcf«  i^aben 
wir  jtvar  mehrere  9Zac^vici?ten,  öle  t>en  fciiuT  ^erfo«,    bic 


•)  Paneirolu».  |.  c.   lih.    Hl.   cj>    2, 
♦*)  Falto:ini,  I    c. 


257 

über  aud)  tod){i  önjuocrfaijfg  ftnb,  ^efbfl  brc  Ucberfc^rlft, 
hie  er  feinem  23uc^  gegeben  f}at,  la^t  (Tc^  n{d;t  mit  GJctvig* 
feit  be)nmmeu.  Die  d(tefteu  j'janbfcbriften  lefeu  t^cili 
Decretum  Gratiani  Monachi,  tf)üi^  Decreta  Graliani, 
tbciU  Codex  decretorum  *J.  Die  Ueberfc()rift  Concor- 
dia  discordantium  Canonum,  fott  In  bcu  dltcflcit  ^?Cinb* 
fc^riften  i\\d)t  ^u  ftitben  feiju,  ttjenigiTen^  ^aben  ^wei  ticr 
dltelien  9lr.  621.  622  in  ber  ^(rtiftjuifd)ert  S5lb(iotbßJ  bie« 
felbe  nicfef^'O-  ^^t  altc\lc  2lu^fegcr  bcö  ©rattan'ö,  ^?u# 
guccio,  iat  \väi)t\d)di\[ii)cv  Sßeife  bei  feinem  €'mtiplar  gör 
feine  Ueberfd)rift  gebabt.  ^r  fc^rieb  einen  ber  boUjTdnbig* 
f!en  Kommentare  über  ben  ©ratian.  3n  ber  ^orrebc  fagt 
er  fcbr  bicle^  t>on  ber  ^inridjtung  unb  2lbfid)t  be^  gaujeti 
Söerf^,  of^nc  jebod)  einer  Ucberfcf)rift  ^u  gebenden,  trclcfte^ 
er  bod)  nac^  ber  ©citjobnbeit  feiner  3dt  tiicl)t  itnterlafl'ert 
l)abcn  würbe,  njenn  fein  (^remplar  fte  gehabt  ^attc*  53on 
ber  2ibfic()t  M  ©ratian*^  fagt  er:  ne  igitur  ex  tanla  va- 
rietale  canonum^  aut  dirersa  viderenlur  adversa,  aut 
varia  viderentur  contraria;  Magister  Gratianus  com- 
muni  consulens  utilitati,  disperses  Ganones  in  unum 
Golligere^  et  si  qua  videbatur  inesse  contrarietas^  pro* 
posuit  solvere  *J<>*). 

3n  fur^er  ^cit  erlangte  baö  Defret  citi  erflaunenbe^ 
lÄnfeben.  3"  23oIogua  njurben  53orlefungen  barüber  gebaU 
ten,  unb  eine  bcfonbcre  gafultdt  be^  !anonifc&en  fRc6)ti  ge< 
jliftet.    5llle  5flac&fo(ger  be^  ©ratian'^  bielten  t^rc  ^oxkf 


*)  Jast,  Fontanin.  in  Praefat.  ad  Decretum  Gratiani  Turre- 

crcmatae,  p.  VI. 
•*)   Faltorini  U  c.  P.  I.   p.  Ä71. 
•**)  Codex  Vaticanui  228o  beim  Pattorini;   1.  C.  V.  I.  p.  Ä71* 

©pittUrö  (immtl.  SSerfc  Viii.  SBö.  17 


558 


fuiigen  \xh(x  t)a\ft\b(,  unb  bcvcid;crtfn  t^  mit  tjren  ^lojTcu 
unb  Kommentaren.  S3ün  tBoIogna  fam  cö  iiöd)  ^^öri^. 
5üic^  bafelbft  truvbc  eine  Safultdt  bc6  fononifcbcn  fRcd)t^ 
gcfciftt't,  unb  ^I^orlefungcn  über  ba^  DcFfct  öugcjIcUt  ="7, 
3u  ftrciticjen  gallcn  bcbifntc  man  ftd)  beffelbcu  bei  gcijin* 
cl)cn  ©erid^reu,  unb  felbft  einige  $ä)?j!e  berufen  fii)  bi^* 
weilen  bei  5IufüE)rung  ber  Äirc^engefe^c  barauf'^'-').  2Iud) 
in  £)eutfd)Iönb  belfani  biöf  Defret  burd)  bic  Deutfcl)en,  bic 
^u  ^Sologna  fiubicrten,  fel)r  balb  ein  grogeö  2fnfe^en,  m\t) 
man  braud)te  eö  bftcrö  felbft  hü  büvgerlidKn  ©crid)ten  **='^=)» 
^aifer  griebricö  ber  II.  fd)eint  burd)  eine  befonberc  53erorb^ 
nung  Dom  ^a^x  I235  ba^  ©ratianifc&e  I5e!ret  Ui  ben 
gcijKicben  (S)crid)ten  al^  ß)efegbud)  eingeführt  ^u  I)aben  ^'-^^^^ifj^ 
^ic  (StcUc  in  bem  SKeid;^abf4)iebe  ift  folgenben  ^uiaU^: 
■yy^iv  gebiet&en  auö)  fejüglid),  \ia^  man  in  allem  SKomi^ 
fcf)cn  SReid),  an  gai filieren  liingen  nad;  ©ebot  unb 
nac^  ^att  beö  (rr^bifd)of^  ftd)  ^alt,  unb  ber  Söifc&of  unb 
ber  (Er^priefter  nad)  gaiftlid)em  3ftcd)t,  unb  wer  bawi* 
ber  ijl,  ben  foll  man  f>aben  für  ungläubig/^  X)a^  ölnfe^en 
bc^  De!ret^  erneuet  noc^  me^r  auö  einer  ©teüe  be6  <Sc^n?a^ 
benf|)iegel6  f):    ,,Unb  all  t)k  ^abjl  unb  Kaifet  ^u  Äon^ 


*)   Hist.  de  rUniverwte  de  Paris,    par  M.  Crevier.    T.  I.  liv. 

I.  p.  241  seq.    Caes.  Egas.  Bulacus,    Hist.  Univ.    Paris.  T. 

II.  pag.  58o.  seq. 

**)   Faltorini,    I.  c.  Innocenlius   III.    in   Epistola  ad  Archiepi». 

Compostel. 
♦*•)  Jos.    Ant.    Rieggeri    Eq.    Opuscula   ad   hist.    et    Jurisprud. 
Eccles    in  Dissert.   de  receptione  Corp.   Jur.  Can.  in  Ger- 
mania, pag.  2o5  seq. 

**♦*)  ©ammlunj  ber  Ü?eid)öabfcl)iebe.    ^ranffurt  174'.  fol-  IW- 
pag.  24. 
t)  Senkenberg,  Corp.  Jur.  Germ.  T.  Jl.  üb.  1.  cp.  5. 


i^39 

filicn  «rtb  I«   JJofeti  ^abtn  gef^r^t  «nö   geboren  au^  bcro 
X)cfrcf  unb  Dcfrctalc«,    roaim    aua  bcii    atucieu   S5üc^)crn 
nimbt  man  öUc  9^cc(?r,  ber  gaiillic^e  mib  njelrlic^e  ©cric^^tc 
bebörf/^    ^aifcr  ,^arl  bcr  IV.  lobt  einen  ^rofciJor  ^u  ^rag 
in  einem  ©c^reibcn  an  benfclbcn  *'),  baß  er  auf9e()ort  Jabc 
über  bic  2)efrctalen  ju   lefcn,   unD  \ciit  feine  ©orlefungen 
«jiebcr  über  ©raiianö  Defret  Jalte.    Um   bicfe  ^rfd;cinung 
bcjTo  beffer  crflaren  ju  fbnnen,   iabcw  ünterfc^iebiid;e  oltcre 
©efe^rtc  behauptet,   b(t^  DcFret  fer^  ^^om  ^a)>\i  ^ugcn  IH. 
beftati^et  worben  *'-')/  "»^  öu6   bicfcr  Urfac()c  Jabc  eö  ein 
fo  grp0e6  SInfeJen  erbalten.    @o  gefd^icft  auc&  bicfe  ^?i?po# 
tjcfc  i\%  fic^  ba«  5Infcbcn  bcd  DcFrctö  ju  erfldren^  fo  fann 
fic  boc^  nid;t  mit  bi»^^"9lid)cn  bijtorifdjcn  Scwcifcu  unter* 
jlugt  werben,    deiner  ber  dltcjlcn  Üluelcgcr   be6  ©ratian'd 
gcbenit  biefcr  25eftatigung  ^^^),    3"  ^t'"  23uUen  unb  5öric* 
fen  be^  ^.  ^ugen  111.  fommt  a\id)  nid;td  bat)On  t)or.    (^« 
würbe  ölfo  biefe  SO^einung    ton  bcn  neuern  ©elc^rren  ter* 
worfen,  biö  ber  fcl.  ^auilcr  2$5&mer  in  bcrjcntgcn  DijTctta* 
tion,  tu  er  bem  Corpus  juris  Can.  torfeljte,  fi'c  mit  neuen 
bijlorifdjen  ©runben   ^u   unterftu^en  fuc^te.    ©eine  ©rünbe 
waren  au0  bem  Calendario   vetustlsslmo    Bononlensi   ge» 
tiommen,  worauf  un^  Slferanber  5?tac^iaueU  Diele  (5'rcerpte 
itt  ber  neuen  2lu^gabc   bei  ©igoniu*   geliefert   ^at  '■-^-'=»'), 


•)  2)er  J^err  ton  Oitegger  f)at  biefert  95tlef  in  feinen  Opusc. 
ad  Hist.  et  Jurisprud.  eccles.  p»  2o5.  §.  i5  abörucfen  laffen* 

♦♦)  Trilheim  de  Scriptoiibu»  eccles.  Cap.  ^jo.  Unö  in  feinem 
chronic.  Hirsaug.  p.  184.  (ionialcz  Tellez  Comment.  per* 
pet.  in  V.  libros  Decfetal.  T.  I.  iii  bem  »orgeff^ten  Appa* 
ratu  de  orig.  et  progressu  juris  canon.  p.  Zd,  Not  4g. 
•**)  Fattorini  I.  c.  p.  «79. 
••♦•)  Car.  Sigonii  Opera  omni«.  McdioJ.  l7i5.  T.  III.  L.  III.  irt 
historia  Bononlensi. 


260 

25Hmer  3weifeltc  ^av  uic^t  ön  ber  5lcd)t5eit  bca  ÄalenbarU 
um€,  t>iclleicöti  weil  er  e5  nie  ^inldiiglid)  uurcrfucbt  Jatte. 
SXJJoöJeim  •*')  erregte  aucril  gweifel  bagcge«,  bod)  o^nc 
(le  mit  ^en?eifeit  ^u  untcrftu^etu  3d;  glaube  aber,  bag  fic^ 
au^  ben  t)Ovf)aubcneu  G'rcerprcu  fclbjl/  ^inldng[td)e  33cweife 
»Ott  ijrer  Uudcf)t^cit  fuhren  laflfeu  ^'''0*  Scb  will  \)kv  beii 
S5eweiö  t)OU  meiner  53crmut{)ung  fuhren:  .SDieine  Scfcr  wcr^^ 
ben  mir  um  fo  mejr  bicfc  5(uöfc^njeifung  j?er5ci()cn,  ba  ba^ 
ilaleubarium  Diele  ^ad)nd)tm  3ur  ®c^d)id)U  Deö  ©ratian'3 
unb  feinet  5>cfretö  ent&dir. 

^^ilipp  3lrgelati  üeranftaltete  in  ben^.SöJv^«  I732  xu\h 
1733  eine  neue  Slu^gabe  bcö  ©igoniu^,  iro^u  unterfd)ieblic^c 
ttalienifd)e  ©cle^rte  DIotcn  verfertigten.  Den  brittcn  Zi)dl 
ber  <Sigonifd)en  2öer!e*  ber  h'u  Historiam  ßononiensem 
enthalt,  bearbeitete  ^lleranber  50?ad;^at>ell  ^rof.  t>c^  fanoni» 
fc&en  fRcd)t^  ^u  23ologna,  bereic()erte  ijn  mit  D^^oten,  unb 
lieg  einige  (5*rcerpten  au6  bem  ^alenbarium  felb|l  abbrucfen 
ojne  ieboc^  eine  nähere  ^ad)xid)t  t)on  bemfclben  ^u  geben. 
Slrgelati  giebt  unö  aber  nur  in  wenigen  2ßorten  feiner  53ort 
xttt  folgenbe  O^ac^ric^t:  lAus  est  (Machiavellus)  ul  plu- 
rimum^  Calendario  honorifico  perpeluo  Ar- 
ehi-Gymnasii  Bononiensis^  ejusque  Academiae 
ao.  1280.  edito  et  ad  nostra  tempora  deducto,  in  quo 
res  ab  ao.  usque  1000  referuntur,  ob  eamque  rem  ap- 
prime  quadrat,  continuandae  Sigonianae  Hist.  cui  finis 
in  ao.  1267,  alque  illud   eliam  in  tui,  lector  humansi- 


•)    Mosheimii   Institut    Hisl.   eccles.   See.   XII.  P.  II.    Cp.  i. 

§    6.  not.  c. 
**)  9lud)  Fationni  1.  c.  fprid)t  »Ott  bem  Äalfnbarium  aU  »oit 

einem  unterfcfeobeuen  2Berf,  bo(i)  of)m  t6  iröenbtpo  befon« 

ttx6  3u  wiberleflen. 


261 

simc,  gratiam,  appendicis  loco  post  Sigopian,  Hisl.  Im- 
pressum volebal.  Sed  cum  ex  Ambrosiana  Bibliolhcca, 
dono  dar.  atque  doctiss.  Saxii  praefecli^  Diss.  habuerim, 
ab  eodem  Sigonio  scriplam,  cui  Titulus,  de  studiis 
BonoTi  iensibu  s,  editionem  dicti  Calendarii  post 
eam  Diss.  additis  ejusdem  Machiavelli  adaotationibus, 
Deo  dante^  inter  alia  inedita  nostri  auctoris  opera,  con- 
cinniorem  atque  opportuniorem  ad  locum  amandatam 
volui.  Untcrbcfffu  ift  nid}t^  mc^r  t?om  ^ölcnbörium  cr# 
fc^)icncn.  9}?ad)iat>cn  ]iaxh,  i^t  er  fein  53crfprecl;cn  erfüllen 
foniite.  £)oc^.'t?ielIctd;t  unterlieg  er  e^  mit  53orfa^,  hanüt 
fein  33etrug  iud)t  offenbar  n)urt)c  '"0-  ^^^  S^n^e  ^alenba^ 
rium  grunbet  fid)  auf  ben  (Stiftungsbrief  beö  ^aifer^  ^^co^ 
bo^  tcß  Jüngern,  in  n?cld)cm  biefcr  ^aifcr  bcm  S3ifct)of  ^c* 
troniu^  ^u  53ologna  in  ber  erj'ten  ^?alftc  be^  Vrcn  2a\)xim\f 
bert^,  bic  (Jrlaubnig  erteilt  \)ahcn  foü,  eine  (Schule  bafclbjl 
ju  emdjtcn  ^'^')» 


"^y  ^(ift  ycn  diie^Qn  tu  feinen  Opusc  ad  bist  i^t  Jurisp.  ec- 
des.  fagt  in  ber  DJssert.  de  Gratiano  p.  271.  ISunc  qui- 
dem  typis  editum   fuisse  Calendarium,    fama  publica  acce- 

pimus.  Met  9)?üt)e  aber  ungead^tet,  tot\ntt  t*  bocö  noc^ 
feine  jutJerld^ige  9iad)rid)t  von  biefec  2Iudgabe  ted  .Kalenta' 
riiimiJ  erl)fllten.  3cf)  jiDeifTe  aud),  cb  ivir  jemaliJ  baoon 
mebr  al6  bie  Dorbaab.ene«  (Jrcerpte  im  ©isoniuö  fe^en 
werben. 

*♦)   Alex.    Machiavelli     Apologia    augustissimi    diplomalis    pro 
Archigymnasio  Bononiensi.     TiiiU'i    33uc^   enibdit,    Wie  Xd) 

»crmuttK,  oiele  9ta0ricbtenr  bie  etwa^  mebr  i^icbt  über  biefe 
ganje  ©acfce  verbreiten  fönnten.  3^)  bebaurt  UMr.,  bfl^  iä) 
e^  biä^ernoc^  nid)t  babe  $u  fe()en  befornmen  fonnm:  foüt« 
td)  eö  ober  in  ber  ^ufunft  erbalten,  unb  tnctne  SSecmutbung 
gegrünbet  fepn:  fo  werbe  i*  in  einem  ber  nddjfren  Stürfc 
tiefet  Waflaiin^  bie  lieber  fleb^rigen  ??ad?r(cbten  mittbetlfti. 


2t>2 

©igoniu«  fclb(!  *)  Jälr  rt  ffir  fin  fcfoßca  «Oorgcbfn, 
tat  t)ie  ©cfeule  t>om  ^aifer  S:t)cobo5  bcm  jungern  geftiftct 
Würben  )ct),  X)Ci^  Äalcnbarium  ober  beruft  ft'c^  beinö^c  in 
allen  tjor^anbcncn  (Jrccrptcn  ouf  biefcn  ^tiftungebrief,  beffcn 
2Ibftd;t  uhnHüpt  ^u  fet)n  fdjcint,  baö  Slnfe^en  unb  ^Iter 
ber  Uniüerfitdt  3U  ^Sologn«  ^u  erbeben:  Dö()er  bie  bielcn 
^>ap|te,  tk  5U  JSologna  ^rofefforen  gettjefen  fepn  feilen, 
ivoi?on  man  boct  fonjl  in  ber  ©cfc^tc{;te  feine  9]ad;ric(?t 
ftnbet. 

gofgenbc  €xcerptc  nu«  bcm  ^afenbarium  Dcrbienen  aH 
25cifpielc  tjorjuglicl)  angeführt  ^u  ererben.,  ©igoniuö  fngt 
3Um  2af)X  1 122 '""'')*  schola  in  qua  artes  liberales  exer- 
cebantur^  quantum  colligi  conjectura  polest,  nondiim 
erat  ea  famae  celeLritate,  qua  postea  fuit,  neque  schola- 
res  ullum  adhuc  corpus,  ut  postea,  neque  corporis  Caput 
nacti  erant,  verum  eidem  foro,  eidem  legi,  cui  reliqui 
cives,  parebant.  tiefem  n)ibcrfprtd)t  ^ad)ia\)c]l  in  einer 
9!ote,  wnb  fubrt  eine  (Stelle  au6  bem  ^alcnbarium  ön, 
worin  gefagt  wirb,  t>a^-  fc()on  feit  ber  Stiftung  burc^  ^. 
S^eobp^  ben  jönjcrn  bie  v^djufc  einen  abgcfenberten  ^bryer 


*)  Sjgonius,  1.  c.  T.  III.  p.  33.  Derfllid^eu  mit  p.  536.  5«  ^ft 
erften  tllu^gabe  feiner  Histor.  Bonon.  batteSigoniu^  gefaßtr 
M  He  95olognefer  fi*  rüljmten,  einige  2)iplcmc  au  befi^en. 
worauf  fle  beiveifen  fonnten/  fcaP  il)re  ^*ule  vom  Ä.  Xtfio- 
ho^  bem  lungern  gefliftet  ludre.  2)ierfö  tabelte  ber  ^arbinnl 
S.  36ifti  mit  folgenben  Sl^orten:  confirmatum  «e  (civi- 

tas  Bononiensis)  gloriatur  habere,  quasi  dicat ,  licet 
verum  non  sit  quod  habeat,  igitur  haec  verba  sunt  mu- 
tanda,  et  simpliciter  dicendum ;  habuerunt.  !^arauf 
antlUOrtet«  ©igoniu^:  gloriatur  «e  habere,  quod  citri- 
tatis  Rectores  excogitarunt,  scribam,  hab  et,  ut  latisfacianit 
non  quod  ita  sentiam- 
••)  Si^on.   1.  c.  T.  ni.  Lib.  II.  pag.  ic6.  ^ol.  n 


263 


öuöniac^e,  bie  @d;olrtrcn  mir  Dor  bcm  Kollegium  bcr  iöof* 
torcu  unb  ^vofcjTorcn  belangt  tucrbcu  fonucn,  unb  in  \lrci* 
ÜQm  Sallcii  bic  (^ac^c  bcm  2lrd?ibia!on  übergeben  treiben 
foUe.  Die  gnn^e  Q)c\d)id)tc  t)on  $SoIogna  Ijl  gegen  bicfe 
^a6)vid)t  t>c$  Äalcnbariumö.  3"  l^eincr  ber  altera  (ii)xo* 
nlfen  Don  SSclogna  ^  njoDon  un^  SQlurötori  •-•')  ^wci  ntit^ 
9ct()eilt  \)at,  ift  etn?a5  bauon  ^u  ft'nbcn.  ^ielmef^r  liegt  öm 
XciQ,  t)a\i  crit  im  S^Or  ii58  Äöifer  griebrid;  I.  ben  Se^^ 
rern  311  ^^ologna  biefe  (^credjtfamc  burd)  bie  befannte  5\Dn' 
<th(itiün  Auth.  hab.  ne  filius  pro  patre,  crt^eilt  f)ai  '"'^'). 
2Iud^  foU  ficf?  in  ben  2Ird)it)en  311  $8ologna  feine  ^pur  fin« 
ben,  ttcrau^  man  fc^liepcn  fonnte,  t)a^  bic  UniDerfitat  fd;on 
tor^er  fiel)  biefer  ©ercd;tfame  angemaßt,  ober  fk  gar  auöge^ 
uht  \)ättc  ---). 

gum  Sa^r  11 24  wirb  im  ^alenbarium  bic  ^r^ebung 
^?onoriu6  II.  auf  ben  ^äp^l  ^tüU  öngcmerft,  unb  babei 
gefagt,  ^a^  er  aud)  ^rofeflTor  ^u  58ologna  gen?efen  fet;:  2IU 
lein  in  feiner  einzigen  £cben^gefd;id;tc,  bie  wir  t)on  biefem 
$))apjt  bi^bcn  *"'"""''0/  ""^  '»  feinem  feiner  bor^anbenen  ^Briefe, 
ijl  bic  geringfte  <B^\xv  t)on  feinem  ^>rofejforat  3U  23olDgna 
3U  cntbccfen. 

3um  Sai)v  II 33  unb  bcffen  ÜDZonat  SD^dr^  mcrft  ba« 
^alenbarium  folgenbc^  an  f):   „hac  die  de  ao.  ii53;  ge- 


*)   Muralori  Rerum  Italic.  Scriptores  T.  XVIII. 
**;  Otto  Morena,  bist,    rcrum    Laudens.    bei    Muratori  T.  TI- 

1.  c.  p.  ioi6-  seq. 
***)  FallorJni  1.  c-  Part.  I.  p.  9    seq. 
•♦**)  Muralori   1.  c.    T.    HI.    p.    431   seq.    unb   T.    VIT.    p.   i8j. 
^r.  .St.  Ol.  (5bf.  ®ill).  ^^'  2ßa((t)'ö:  (^ntJvuvf  einer  ücllftin- 
tigen  .^ijlorie  ber  romifcben  ^ipt^e.  p.  246. 
i)  Sigon.  1.  «.  T.  lil   p.  118.  ^.  i2. 


minis  terrarum  orbis  princlpibus  Roinae  exlantibus,  sq 
una  convenientibus  in  ferendo  de  juribus  nostrae  Eccle- 
ßiae,  Academiae  et  patriae  judlcio,  de  plenitudine  eoruiu 
potestatis,  Innocentius  nempe  II,  et  Lotharius  quoque  II, 
Caesar  august.  et  Imperator,  amplissime  ea  apud  Latera- 
num  confirmarunt,  et  ampliarunt,  largito  dlplomate  desu- 
per  re  bac  dato,  Irco  Beccario ,  famosiss.  legum  inter- 
preti,  Pillio  Bargarotto  celeberr.  glossat,  hujus  Lycaei 
publico  lectori,  Antonio  Torello,  et  Caeseo  Petri  de 
Bulgaris  Ec[uitt.,  (jui  pro  Bononia  legationem  ad  cos 
obieriint, . . , 

(Sigoniu^  im  öugcf,  D\'t,  mi^  \üd)H  t>ou  t»iefor  ©c* 
fanbfd)aft>  unb  bcr  genannte  3i*ci:ö  ?Scccariuö  ift  feinem 
©c^rifrftcller  fonft  bdaiuxt,  aü6)  foll  in  Den  2l!ten,  .hk  mä) 
3U  SSoIogna  Dor^önben  finb ,  fein  92öme  gar  nicl)t  üorfonu 
mcn  '•')»  2)er  Jier  genannte  ^illiu^  25argarotnö  i|i  au3 
^mi  ^erfonen  3ufammen  gefegt,  ^MUiuö  n?nrbe  ^rofepr 
ber  burgerlidjen  9ted;te  ^u  SSotogna  im  3a^r  1170  ^'^'O^ 
^v  lebte  noc()  im  Slnfang  be^  i3.  3aDi'&»»bert^.  3n  ^n\ 
Urfunben  be^  ^x^ivtS  ^n  ?5o(ogna  füll  fein  9]amc  fc^r  oft 
t)or!ommen  "^^^),  ^argarottuö  hingegen  n?ar  ^rofeflfor  ^u 
S3oIogna  t>om  Sa^re  1202  bi^  1242«  gattorini'"'"'^"-')  niclbet 
au^  ^(i\  Elften ^bie  ^u  23oIogna  im  ^h'd)i^  liegen,  t)iele^. 
t?on  i&m.  ^a^  ^alenbarium  begebt  alfo  ^ier  offenbare  Jifto 
rife^e  unb  cf)ronoIogifd;e  geiler,,  voddoi^  boc&  mdi)t  U\d)t 
Jdttc  gefct;e6en  fonnen.,  wjemrc^/jric  2frge(ati  unb  ^adfu 
aijell  borgeben,  au  berjcnigcn  ^dt,  t)a  biefe  9}?anner  gelebt 


•)  Fattorini  1.  0.  P.  I.  p.  no, 
**)  Pancirolas  U  c.  Lib.  11.  Cap.  21. 
♦*♦)  Faltorini  I.  o.  P.  1.  p.  72. 
****)  Fattorini  I.  c,  P.  I,  p.  107.  leq. 


265 

Ijabcn,  0cfd)ricbcn,  unb  öüc  mcrfiüurbigc  10cgcbcn()cifcn  t)i)n 
2:ag  311  ZciQ,  (n?ie  jene  bc&aupten)'gcfrffu[id}  cingcrvd^cu 
worbeu  waren.  3""^  S^^i^  JM4  in^  f0?onar  ?DMri  mcrft 
ba^  .^alcnbrtrium  folcjeiibc^  öu ''•'):  ,ja  12.  S.  Gregorü 
Magni  Papae,  et  Ecclesiae  Doct.  etc.  hac  eadem  die,  ao, 
11 44»  electus  fuit  in  Roman.  Pontlf.  166,  dominus  Ge-' 
rard,  Cacciaminlcus  de  Urso  nobiliss.  ex  Prösap.  Bohoniae^" 
et  ante  Cardinalalum  hujus  Lycaei  publ.  Prof.  doctiss. 
atque  multa  pietate  ornatus^  et  hie- fuit  secundus  Papa 
Bononiensis,  qui  apellatus  est  Lucius  II,  de  nostra  pa-. 
tria,  Academia,  et  universa  Catholica  Eccles.  vMe  me- 
ritus.^^ 

2Iud;  t>ou  bicfem  ^>ap(I  ftnbct  ftd)  weber  in  bcn  i>on 
i^m  t)Or^anbencn  Scbcnebefd^rclbnngcn '"'*0/  nod)  in  feinen 
55ricfcn  eine  9lad?ric^t  tvon  feinem  ^rofefforat  ^u  SSoIoc^na. 

^\xm  3afjr  ii5i.  im  '^onat  '^ar^,  mevft  bal  S\ak\u 
barium  folgenbe^  ön'""^*"')t 

,jHac  die,  (Martii'21)  Gratianus  Monaclius  cele-» 
beirimus  S.  Felicis,  cognomento  Magister  Decretorum/ 
et  a  pluribus  annis  sacrorum  Canonum  iii 
hoc  Lycaeo  Publ.  Professor,  obtulit  de  ao.  itS« 
universis  lureconsultis ,  publicis  nostris  Interpretibus  ei 
Scolaribus  dantibus  hie  operam  legibus,  insigne  opus 
suum  a  pluribus  annis  retro  sub  magno  lab'ore  conge- 
stum,  et  modo  absolutum:  Concördia  discordan- 
tium  Canonum,    quod  appellatura  est:  Decretum^, 


*)  Slgonius  I,  c.  T.  III.  p.  124.  IV.  29. 
*♦)   Ughelli    Italia  Sacra  T.  I.  p.   128.  seq.    Muralori  1.  c.  T, 

III.  p.  473.  J^r.  ^.  0?.  ©alct)  I,  c.  p,  25i. 
♦♦*)  Sigon.  I.  c,  p.  127.  N,  40. 


266 

rogans  eos  dimisse,  ul  sibi  compatiendo  dignarentur 
illud  examinare,  et  corrigere,  ac  postea  ofTerre  domino 
Apostolico  Eugenio  III ,  ut  de  sua  venia  posset  publica 
legi  et  explicari,  prout  laudato  solerliss.  authore,  Rev. 
D.  Archidiacon.  nomine  Academiae  spopondit  facere, 
et  onuiS  assumsit ,- ac  porro  etiam  obtinuit  cum  magna 
SAtisfaclione  dd.  D.  Papae  de  ao.   ii5a. 

Hao    die    (Novemb.    4.)    de   ao.   ii52.     ,,  Rev.     D. 
Archidiac.  Bononiens.  tanquam   major    hu- 
jus  studii     generalis    Cancellarius,     convoca- 
tis  Omnibus    publicis    jur.  Interpret,  et  Cap.  Nat.  Scho- 
larium  Legist.  in  S.  Petri,  promulgavit  lilteras  Aposto- 
licas  D.  Eugenii  Papae  III,  ad  ipsum  datas,  Romae  2i. 
octbr,  praeter.,  per  quas  dabat  suum  Placet  super  hoc, 
quod   compil.    Mag.  Gratiani ,   superiori   anno   per  eum 
huic  Lycaeo    oblata,    et   a   dicto   D,  Archidiac.  Romam 
missa,  uti  sana  et  canonica  publice  posset  legi  et  expli- 
cari^   commendans  insuper  summopere,  et  maxime  Cle- 
ricis  hoc  Studium  sacr.  Canonum,  spem  denique  dando, 
fore  se    magis    honoribus   atque    dignitatibus    cumulatu- 
rum  eos,    qui    proficiscent  in  hac  facultate ,  et  proinde 
hac  eadem  die  fuerunt  assumti  duo  publici 
jur,   Interpretes,    qui   dictum   Decretum   le- 
gere inceperunt,  et  fueruntidem  M.  Gratia- 
nus  MonachusS.Benedicti  et  M.  Raynerius 
.Bellapecora    Canonicus  Regularis  usque  ad 
exitum  vitae  suae. 

Äalcubarium  aH  einen  ^cugen  f6r  bie  Söcftatigung  beö 
©rflttönifdjcu  Dcfret^  l^D^  (Jugcn  III.  in  t>erwerfcn.  Die 
ticUn  (^iporifd^cK  geiler,  welche  in  be«  t^Dr^evQcJcnben  Ör. 


267 

ccr|?rcn  bjefvd  ^alcnböriiim  torFcmmcn,  finb  «nö  f)hila\\Q* 
l!cl)c  23ctt)cife,  böß  c^  unacfet,  unl)  iinmoglid;  5u  bcrjcnigcn 
3cit,  tu  tt?cld;cr  bie  33cgcbcn^citcn,  bic  cö  bcrid^tet,  tjorgc* 
ftiUcn  ftnb,  gcfd^ricbcn  fci)ii  füunc.  3"  ^^^^^  ftnbcn  <Td;  öud; 
fdbft  in  bicfcu  eben  ^öngcfu^rtcn  9lad)rid;tcn  be^  ^ölcnba* 
nnm  gcMcr  unb  5ffiibcrfprud)e:  3«  S5.  ©ratiön*^  S3uc^  ttjirö 
Concordia  discordnntium  Canonum  genannt,  tt>elc^cn  !Iitc[ 
c^  bod)  ^u  ber  3^^^  ^^^  ©ratian*^,  unb  folglich  öuc{)  ^ur 
3oir  ba  biefe^  ^alcnbarium  gcfd)vieben  fc^n  foÜ,  nid;t  QCf 
l)ciht  Ht ,  tric  id)  bercita  oben  bcnierft  babe. 

gerner  toom  ©ratian  felbf!  trirb  gefogt,  bog  er  fd}oii 
Imigc  vor  ber  23e!anntmöd)ung  feinet  Defret^,  ^xo^.  be3 
fanon.  SRcc^t^  gen^efen  fep,  ba  bod)  nad)  bem  3fW9»ig  öUer 
2IIten,  erj^  nad)  ber  23e!anntmad)uug  beg  ©rötianifdjen  De 
fret^  eine  bcfonberc  Safuttat  —  be^  fanonifcf)en  9fied)t6  3U 
23o(ogna  crvid;tet  irorben  ijt  •'*)• 

5Iud)  tt)iberfprid)i  ftc&  baö  ^öfenbarium,  trenn  c^  nac^ 
ber  t?orgcgcbenen^ejtdtigung  d'ugen^  III.  fagt,  t>a^  jegt  crjl 
3ivei  Sc(}rcr  beö  fanon,  3f\ed)tö  bcftellt  werben  fei)en,  t)On 
n)cld)en  ©ratian  einer  wdre,  ba  boct>  faum  einige  gelle» 
t?DrI}er,  ©ratian  fc^on  a  pluribus  annis  sacr.  Canonum 
in  hoc  Lycaeo  publicus  Professor  genannt  lüirb. 

S)cr  oben  öngefufirte  M.  Raynerius  Bellapecora  ijl 
bei  feinem  ölten  <2c^riftjleller  befannt.  ^p^ncirolu^  n>ei^ 
ond)  nid)tö  i?on  i^m,  unb  in  ben  5Irc^it>en  ^u  ^Bologna  foll 
fein  9lanic  niemals  tjorfommen  '•"")• 

3um  Sa^r  ii53  im  iÖ^onöt  SKdr^,  merft  ^a^  ^aUiu 
barium   folgenbeö    an  **"^') :    „hao   die  (Mart.  7,)  de  oa. 


*)  PtttorinI  I.  e.  P.  I.  p.  147  —  s8i 
♦*)  Mem  I.  e.  p.  182.  t85, 
***)  Siföaitti  I.  f , 


268 

11 53;  in  generali  conventu  pub.  jur.  Interpr.  et  Schola- 
rium  dantium  operam  legibus  in  ulroque  jure,  habito 
de  ordine  Her.  D.  Arclidiac.  tan  quam  major  Can- 
cell.  hujus  studii  generalis  in  S.  Pelri,  edila  est  consti- 
tutio  domini  Apostolici  Eugenii  III«  Papae,  data  Later, 
14.  Febr.  bujus  anni,  et  per  eum  Iransmissa  ad. dictum 
Rev.  Archidiac.  super  facultate  ipsi  collata  constituendi 
Baccalaureos ,  et  Licentiatos,  atque  eosdem  creandi 
distinctim  a  gradu,  vel  censura  in  jure  civili,  Docto- 
res  sive  Magistros  in  jure  Can.  cum  iisdem  honoribus, 
dignitatibus  praerogativis  etc.  quibus  fruuntur  et  poti- 
unlur  conslituti  Baccalaurei  et  Licentiati  et  creati 
Doctores  Bonon.  in  jure  Caesareo,  et  artibus  per  dic- 
tum Arcbidiac,  ita  quod  in  Omnibus,  et  per  omnia, 
qui  creati  eriint  Doctores  sive  Magistri  in  jure  Canon, 
posthac  Bonöniae  per  dictum  D.  Archidiac,  sint,  ha- 
b^antur  ad  instar,  et  aequi  parentur,  sine  ullo  dis- 
crimine,  Doctoribus  ita  creatis,  vel  in  jure  Caesareo... 
^^  faim  and)  ^kv  mit  Jciucra  önbcrn  3^«S"i6  bcfrdtigt 
ircrbcn,  ^öß  fcfeon  unter  ©ugcir.III.  öic  öfabcmifc^cu  5ßür* 
bcn  ouc^  ■  bei  ber  §«! ultat  bciS  föiion.  iKcd)t^  ö^braud^lid) 
gcircfcii  fci;u  foKtcn.  $m  '^dt'  hti  ^npfr^  3nu6cciit  III. 
fommt  bie  S5encmuing  Doctores  Decretorum  jum  elften? 
ntal  in  einem  (gd}rcl6cn  biefeö  ^tjpftö  ^  ad  doctores  De- 
cretorum Scholarum  Bononiensium  t>or '^').  Jur  ^cit 
Slleranber  III.  aber  mug  ber  2:irel  Doctores  Decretorum 
«od)  ntd)t  genjo^nlict)  gcircfei!  fe^n:  Denn  irir  bo-beriv  einen 
S3rief   i?on   biefcm  ^ö^ft   an   t^k  Unioerfitdt  Jöologna  *^), 


•)  Balluiius     Epist.    Iimoc.    IJI.    T.  H.  Lib.  X.  p.  65.  et  I.ib. 

XII.   Fp.  GXF.. 
**)  Fattorini  I.  c.  p.  36;.    acripsit  hanc  Epist.  .ilexander ,    rix 


269 


worin  er  ficb  ötlc  Wlht)z  Qicbt,  fic  hei  ber  3WcifpaUigeii 
^ap|livaf)l  auf  feine  ©citc  a«  brliiijen.  S}kv  '\\i  c^  aber 
Jaum  g(ciublid),  ba0  er  indjt  bei  tiefer  ©clegenficit  auci) 
bic  Doctores  Decretoruin  befouberö  genannt  i)ahcti  foUte, 
wenn  biefer  Xitel  fd)on  3U  feiner  Jett  befannt  gcwefen  wdre» 
e^  ift  a(fo  aud)  biefe  9lad)rid;t  bcö  ^aleuJDarium  I;üd;rt  un* 
juüctLagig.  S36()mfr  '0  ergreift  \k  ^war  mit  bdhcii  S^aiu 
ben,  unö  baut  diu  fo  funfttic^e  j)i;por()efe  barauf,  bie  ma« 
nur  lefen  barf,  um  ]id)  t>on  if;rem  Ungrunbe  ^u  überzeugen. 
Der!iitcIbc^2lrd;iblaCv  major  studii  hujus  genera- 
lis Cancellarius,  nimmt  feinen  ^2Infang  crffc  imi3.  ^^^r^» 
Junbcrr,  unb  nid)t  wk  eö  im  ^aleubarium  ^cigt,  ab  an- 
tiquissimis  temporibus,  seu  ab  ipsaTheodo- 
sii  Junioris  aetate.  ©o  lange  ttk  ^a^jU  fid)  feine 
SfJec^te  über  bic  «Schule  ^u  SSologna  anmagten,  fo  lange 
iatte  auc^  ber  %d)ibiacon  mit  biefer  @c&ule  nic^ta  ^u  tbun» 
ßrfl  bie  ^apjle  3»«ocent  III.  unb  5?onoriuö  III.,  fud^teu 
fi'cf)  eine  j?errfd;aft  über  biefe  @d)ule  an^umagcn.  j^onoriuö 
III.  ernannte  ben  ^rd)tbiacon  ^um  5)orfteber  ber  ganzen 
Uniöcrfitdt.    ^r  lieg  S^efretc  ergeben  '-""0^    trorin  bemfelbeit 


dum  creatus  Pontifex,  ut  eos  praeoccuparet,  sibique  ob- 
stringeret,  in  feriali  schismale,  quod  tunc  in  Ecclesia 
conflari  videbat.  c(.  ßaronii  Annales  T.  XII.  ad  annum 
,.59. 
♦)  3.  S^.  336&itier  1.  c  §.  r3. 
♦*)  Ex  Tom.  XXVir.  Codicis  Diplom.  Bonon.  beim  Fatlor.  I. 
c.  appendix.  p.  177.  Scripta  est  haec  Epist.  ao.  1219*  d. 
28.  Jun.  Honorius  servus  servorum  dei ,  dilecto  filio  Ar- 
chidlac.  Bonon.  salulem  et  Apostolicam  benediclionem ! 
Cum  saepe  contJngat,  ut  minus  docti  at  docendi  reglmen 
assummantur  ,  propter  quod  ,  et  Doctorum  honor  minua- 
tur  et  profectus  iinpediatur ,  Scholarium  valentium  eru- 
diri,     Kos    eorundem    ulililate,     et  honori  prospicere  ca« 


270 

ta$  SÄcc^t,  Sc^rer  ja  95oIogna  ^u  U^icUm,  aaöfc^jlicjTung^ 
TOcifc  enteilt  wirb,  ^on  tiefer  '^cit  an  erlangte  bicfcr  im« 
mer  ttie^r  Slnfc^cn,  eignete  fict)  allein  ta^  S^ecljt  ju,  afa# 
tcmifd;e  SBurbeu  au^^ut^cilciw  unb  jlelltc  gleid;fam  bcn 
^anjler  bcr  Unit^erfttdt  t?or  *•').  3d)  glaube  nun  meine 
5Dleinung  mit  gcnugfamen  Söeifpielen  beftdrigt  ^u  Jabcn. 
S5iefe  betveifen  ivenigftenö  fo  ml,  ha^  t>a^  ^alenbarium, 
nun  in  feiner  ©ac^e  mebr,  aH  gültiger  '^cwqc  angenommen 
ju  werben  t>erbient.  2luö  ben  übrigen  (Jrcerpten  würben 
ftd)  leid)t,  wie  ic^  glaube,  hei  genauerer  Unterfud;ung  noc^ 
mehrere  23eifpicle  anfuhren  laflfen  '-""O* 

3c6  fomme  nun  wieber  auf  bic  @d?icffale  be5  ©xatiaf 
ttifcöen  Defret^  ^urucf.  ^a6  Defret  erhielt  burc^  ben  bduftgcn 
GJebrauc^  unb  burd)  \^k  tjielen  Kommentare,  \^ie  in  ber  golgc 
ber  ^üt  barubcr  gefd;rieben  würben,  immer  grbgreö  Slnfe^en: 
5U  bem  auc^  t>k  ^dp|!c  felbft  Dielet  beitrugen. 

©onberbar  i(!  aber  bod)  jene  53erorbnung,  wefd?c  wegen 
te^  25cfrctö  auf  einem  (^iftercicnfcr  Kapitel  im  3abr  1188. 
gcmad)t  würbe;    worin   ne^mlic^  ber  allgemeine  ©ebrauej^ 


pientes,  auclorilate  praesentium  ('uximus  ßlaluendum, 
ut  nullus  ulterius  in  cirilate  praedicta  ad  docendi  regimen 
Assummatur,  nisi  a  te  obtcnla  licentia  examinalione  prae- 
hablta  diligenti,  tu  denique  contradiclores,  si  qui  fuerint, 
vcl  rebelies  per  censuram  eccles.  appellalione  remola  com- 
pescas.  Datum  Romae  VI.  Calend.  Jul.  ponlificatus  nostri 
ao.  III- 
•)  Fattorinl  1.  c.  P.  I.  p.  s5i,  26?.  P.  II.  p.  12.  26.  seq.  Ap- 
pendix p.  57  —61.  U.  p.   172—  178. 

♦•)  Unter  bie  <BU\ltn  bc^  Äalenbarium,  in  »eichen  man  noc^ 
mebrere  ^mcik  feiner  Undcljtr^eit  fi'nbfn  fönnte,  fdjf inen  mir 
»orjüglid)  folgenbe  ju  geboren.  Sigonius  I.e.  T.  III.  Mb. III. 

f.  15 1.  Not.  18.   Lib.  IV.   p.   167.  ^.  8.  p.  176«  I^'-  ai.   J'»^' 
V.  p.  116.  K.  16.  p.  255.  N.  46-  p.  2^2.  N.  91. 


271 

bcö  Dffrcr^  verboten  xvmU,  trcll  man  Mcfc^  S3uc^  trirflict) 
für  gcfa^rlid)  öiifafe  ♦^).  Der  ^anoit,  n?cfdjcr  bc^njege« 
gcmnd;t  lüurbc,  i\l  fcfgcnber:  „Liber,  qui  dicitur  Cano- 
num^  sive  Decrela  Graliani,  npud  eos  qui  habuerint, 
secrellus  custodiantur ,  ut  cum  opus  fuerit,  proferan- 
tur.  In  communi  armario  non  resideant,  propler  varios, 
qui  inde  provenire  possent,  errores. '^ 

3m  Sa&r  1190»  tjcrior  ba^  Dcfret  ^UUi  t?on  feinem 
biö^crigen  SInfc&en,  burd)  bie  Dcfrctakn?  Sammlung  bc5 
*öcrn6arb  üon  ^at)ia.  3«  25oIo3na  würbe  gicid)  über  biefc 
neue  Sammlung  gclefen,  unb  btc  gc^rer  bei  fanonifdjcn  Slec^tl 
fd)rieben  iUnmcrfungcu  bajir-^^'O»  2)ie  gan^e  gafultdt  befam 
nun  eine  neue  ©eftalt,  unb  t^elfte  fic&  in  jwei  Älaflfen,  in 
Dcfretijlen  unb  Defrctaliften.  Die  nad)fo(genben  De^ 
frctalen?  Sammlungen  WwdcJ^ten  t^a^  2(nfe^en  bei  DefretI 
immer  me^r.  Die  De!reta(i|tcn  maßten  fic{)  sßorjüge  über 
bic  Dcfreti(!en  an,  bie  fi'e  and)  md)  unb  nad),  unterjTü^t 
t>om  papfllicfeen  ijof,  njirHid)  erlangten.  Die  ^dpfte  bc? 
f5rberten  fie  ju  ^^renftcUcn  unb  einträglichen  SIemtern,  wtU 
ö;)c^  and)  ttixKid)  bal  bcjle  Wittd  war,  bal  De!ret  t)on 
bcn  afabemifdjen  Se^rftüMen  ^u  berbrdngen,  unb  an  befifen 
©teile  t>k  Defretalen  einzuführen.  Die  neuen  Defretalen^ 
Sammlungen  id)idHn  bic  ^dpfte  icbelmal  fogleic^  nad) 
S3ologna,  befat)len  ben  borllgenSc^rern  bei  fanonifd)enSKed)tl, 
fie  ben  bafclbjt  ©tubierenben  3U  erfldren,  unb  fo  würben 
fte  balb  allgemein  befannt,  X)k  Seftrer  tc^  !anonifc&en 
SRec^tl  waren  nun  fd)on  fo  fe^r  für  bie  Defretalen  einge# 


*)  Marlene   Thesaurus    Anecdot.    T.   IV.    p.  I263.      le  Beuf, 

Dißsert.  sur  J'hlstoire  eccTes.  ei  civile  de  Parifl.  p.  214» 
''*)  F«tlorini  1    c.  P.  I.  p.  5o2.  seq. 


272 


nommcn,  bag  (Ic  3«  S'ubc  tc3  x3ten  S«H«nbert5  beu 
Safob  (Sa|Mtu^,  ^rofciJor  bc5  fanonifc^cn  9^ec^t^,  an  beii 
^apft  55oiufadii^  Vlll.  fc()icf teil,  unb  um  eine  neue  Dcfrctalcn^ 
©ammlmig  bitten  lieflfeu  '-').  5Soulfaciu6  öcranflaltcte  fic 
aud;  fog(eid),  uub  fd)t!fc  ftc  imc^  Bologna. 

3u  5))art6  behauptete  ba6  Defrct  fciu  Slnfe^en  langer 
üU  ju  33o[ogna,  unb  erft  Im  Sa[;r  1234  würbe  cö  burc^ 
Mc  Dcfretalen?<3amm[ung  ©regor^  IX.  üerbrdngt,  ber  in 
einer  $8ulle  bie  Defretalen*  (Sammlungen  ben  ^arififcben 
Scjrern  nad;brucflid)  empfahl  =-"'0.  3u  ^nbc  be^  XIV.  3a Jr* 
JunbertI  würbe  tia^  fanonifd)e  9led)t  üor^ugtic^  ftar!  \^a* 
felbft  jlubiert.  2)ie  Uvfad;e  baüon  fc^eint  bic  Slefibenj  bcr 
q)apfte  ^u  2lt>ignon  gcirefen  ^u  fei;n:  25enn  wer  einmal 
fagt  ^uldu^,  25oftor  be6  fanonifc^en  ^cdot^  war,  gieng 
ton  ^ariö  nacfe  ^loignon,  wo  er  Don  bem  ^apft  ju  be« 
flrbjten  ^f}ren(Iellen^  unb  eintraglid^ften  Slemtern  bef&rbert 
würbe  '-"^"'0.  2)a6  De!ret  würbe  «Ifo  aud)  Jier  gan^licj)  burc^ 
bieDefretaten  tjcrbrdngt,  unb  bic  bafigen  2e5rer  {hielten  gar 
nic^t  me()r  über  ha^  25e!ret  ^orlcfungcn.  ^ie  Urfad)c  ^ap 
t)on  war  bic  nemtid)e,  xok  ju  25ologna***'--"^"')»  ^i^  2)e!rc# 
talen  eri^ielten  aud)  Jicr  einen  fo  allgemeinen  SSeifatt,  bag 
man  im  S^^r  1641,  3oo  ©tubcnten  ^u  ^ari^  sd^lte,  welche 
bie  93orlefung  über  tk  Defretalen  befud)tenf)» 

X)ai  Parlament  faj  fic^  enblid;  im  Sa^r  i553  ge* 


♦)  Fatlorini  1.  c.  P.  I.  p.  1S9, 
**)  Histoire  de  I'universile  de   Paris   par  Mrs.    Crevieur  T.  T. 
Liv.  II.  p.   378.     Caesar.   Eg.   Bulaeus,   Historia   Üniverf. 
Parisiens.  T.  III.  p.   i55.  seq. 
***)  Bulaeus,  I.  c.  T.  IV.  p.  888.  891. 
♦••*)  Bulaeus,  I.  c.  T.  VI.  p.  457. 
f)  ßulaeus,  I.  c.  T.  VI.  p.  369-573. 


^2/0 


notjigt,  bell  bortigcn  ^profcjToveu  bard)  ein  befonberc^  ©efeg 
ju  befehlen,  ha^  pc  ©vatian'«  Defrct  wieber  in  ifiren  J?or»= 
fafen  einfuhren  foütcn  -)•  -^^c  ^In^a^l  ber  ^lofcjTorcn  In 
biefcr  gafiiltat  wav  fd)oii  lange  ouf  fcd)ö  gefeilt,  uiib  nun 
truvbc  bcfonbcr^  öcrorbnet,  bag  in  ^ufunft  immer  ^m\  bic 
I^cfrctölcn,  anjci  ba«  fcc^öte  S3uc^  unb  bie  (SIcmenttnen,  unb 
^ttjei  ba«  grogc  Dcfret,  al^  bic  einzige  loo^re  £lueüc  beö  fano^ 
«if*en  9^ed)t^,  cvflavcn  foüten. 


•äf)  Crevieur  1.  c.  T.  V.  Liv.  X.  p.  471  —   471.     Bulaeiis 
T.  VI.  p.  458. 


©pittler^  fänmui.  \2Beiri'  MjI.  '<<b.  IS 


X. 

DISSERTATIO  ACADEMIGA 

DE  USU  VERSIONIS  ALEXANDRINAE  APUD 
JOSEPHUM.     GOTTINGAE.     1779. 


Jl  ostquam  amplior  litterarum  ebraicarum  cognitio,  maxime 
dialectis  affinibus  in  auxilium  revocatls,  nostra  aetate  ef- 
floruit,  neque  amplius  dissensus  vcterum  interpretum  a 
communi  nostra  lectione  et  interpretatione  malam  eorum 
fidem  aut  inscitlam  arguere  videbatur:  Josepho  quoque, 
ancipiti  prius  fama  agitato ,  ingenti  consensu  ea  laus  tri- 
buta  est,  quod  omnium,  quibus  patrIa  disciplina  contine- 
batur ,  callentissimus ,  in  condendis  gentls  suae  originibus 
archetypum  ebraicum  secutus  sit.  Cum  plurima  et  gra- 
yissima  loca,  maxime  autem  errores  quidam,  quorum  oc- 
casionem  solus  ebraicus  textus  offerre  potuit,  fidem  hu  jus 
rei  indubitatam  facerent:  observata  tamen  sunt  non- 
nuUa,  in  quibus  Alexandrinos  interpretes  consuluisse,  eo- 
rumque  auctoritate  regi  passus  esse  videbatur  *).  ünum 
obstitit,  quo  minus  placeret  opinio,  quae  consensum  Josephi 
et  versionis  Alexandrinae  ab  ipsa  auctoris  consuetudine 
repetiit,  quod  üs  argumentis  demonstratura  esse  pulabalur, 


*)  Michaelis  Orient.  Bibl.  P.  V.  et  VII. 


275 


textum  ebraicum  secutum  esse  Josephum,  quae  omnem 
versionis  Alöxandrinae  usum  excluderent.  Multa  igitur, 
in  quibus  erat  unum  sufTragium  Josephi  et  versionis 
Alexandrinae  contra  textum  ebraicum ,  ab  ipso  codice 
ebraico  Josephi  profecta  esse  dixerunt,  qui  lectiones  tcJi/ 
d  tueretur:  pauca  autem  illa,  in  quibus  non  tarn  lectio- 
nem  quam  interpretationem  Alexandrinorum  secutus  vide- 
batur,  si  primum  detraxeris ,  in  quibus  fortuitus  Konsen- 
sus esse  potuit,  ab  interpolatoris  manu  inserta.  Neque 
mirandum,  si  talia  passus  fuerit  Josephus,  qui  quondam 
fere  unice  eorum  patrum  manu  tractabatur,  quibus  nihil 
sanctius  videbatur  versione  Alexandrina,  quique,  ne  in 
concertationibus  suis  cum  Judaeis  obmutescerent,  ebrai- 
cum textum  corruptionis  arguebant.  Operae  igitur  pre- 
tium  facturus  mihi  videbar,  si,  quae  sint  utriusque  opi- 
nionis  momenta,  expenderem,  ut  certum  hujus  rei  Judi- 
cium constitui  possit,  quae  ad  rectam  descriptionem  anti- 
quissimarum  rerum   christianarum  tarn  arcte  spectat. 

Qui  Josephum  unice  ex  ebraico  texta  hausisse  affir- 
mant,  primum  ad  ipsa  professionis  Flavianae  verba  *)  pro- 
Tocarunt,  eorumque  ambiguitatem ,  cum  appellatio  libro- 
rum  ebraicorum  etiam  ab  auctorum  gente  petita  esse  po- 
tuerit,    feliciter  sublatam  esse  putarunt,    si  probe  intelli- 


)  Prouem.  2.  3.  Tavtijp  de  ttjv  evE:cä6av  tyKEx^ipits^ai 
itpay/xattiav  —  jj-bWei  yap  nepuEciv  ajta6av  trjv  naß 
rjfiiv  apxaioXoyiav  trjv  Siata^iv  m  rcoXiTEv/uatof  bk 
r<a)v  EßpaiKoäv  fiES^EpfirjVEvofjLevrjv  ypa/Li/Liatci)V- 

O  ÖE  tcöv  naß  ij/LiLV  apxiEpE<äiv  ovÖEvof  apEtrj  ÖEvte- 
pos  EXEttSapos,  trj  npoEiprjuEva)  ßa^iXsi  tavtijf  ano- 
Xavdai  tr)S  (a^EXEiai  hk  e^B^ovtjöe'  navtats  avtsincdv  av 
ci  ßtj  natpiov  1JV  ijßiVf  to  fiijöev  c;^£iy  tci>v  naXcov  anop- 
pijtov'  Kai  £/iiavt(ä)  öij  npEneiv  £voßi6a,  tu  jjlev  apxiE- 
pEcai  aißijciaa^ai  ro   iJ.EyaXo^vxov- 

18  ♦ 


276 

galur,  quid  secum  ferat  defensio ,  quam  operi  suo  ab 
exemplo  Eleazari  sumrai  sacerdotis  petebat,  quo  prorao- 
tore  versio  Alexandiina  sit  instituta ,  adeoque  res  sacrae 
externa  ac  peregrina  lingua  enunciatae.  üt  vero  prae- 
termittam,  constare  huic  defensioni  omnem  vim  suam ,  si 
vel  unice  Alexandrinos  secutus  fuerit  Josephus,  cum  a 
solo  usu  linguae  Graecae,  et,  quae  conjuncta  erat,  pro- 
miscua  rerum  sacrarum  enunciatione  invidiam  timuisse  vi- 
deatur:  nihil  certe  inest  huic  argumento,  quod  Josephum 
unice  ebraicum  textum  secutum  esse  efficere  possit.  Om- 
nium  enim  consensu  constat,  narrationi  rerum  e  libris  sa- 
cris  haustarum  multa  eum  admiscuisse,  quorum  auctori- 
tas  erat  penes  illos  incerti  nominis  scriptores,  qui  histo- 
riam  sacram  interpretationibus  auxerunt,  vel  ancipiti  stu- 
dio ea  collegerunt,  quae  longa  abhinc  seculorum  memo- 
ria haereditatis  instar  a  patribus  ad  nepotes  devenerant. 
Quae  assumenta  cum  veritatem  professionis  illius,  utpote 
ad  partem  longe  maximam  spectantis,  non  tollant ,  nihil 
'profecto  quoque  eidem  inest,  quod  impediat,  quo  minus 
etiam  Alexandrinara  consuluisse,  et  ex  ea,  quae  in  rem 
suam  erant ,  decerpsisse  existimari  possit. 

Incertiora  adhuc  sunt,  quae  ex  iis  sumuntur,  quibuf 
negat  Josephus ,  Graecorum  quemquam  posse  tale  opui 
scribere  *),  cum  ipsa  orationis  series  declaret,  non  in  ec 
esse  asserti  rationem  quod  Graecus  homo  vel  ex  ips( 
ebraico  archetypo  haurire  non  possit,  vel  versionem  Ale 


*)  Antiqq.  XX.  11.  2*  Xey©  Se  Sapdijdaf  tjSij  Sia  trjv  tau 
TtpoteS-Evtcav  (ivvt£\Eiav,  ot  fxrjSeii  av  etepos  ijövvijSi 
^tXrffiai  i  fxijte  lov&aiof  firfte  aWo^vXoi  j  trjv  rtpayßia 
teiav  tavtrjv  «tcoJ  anpißtas  tii  EWrjvaf  e^frf  j'KCir  •  eyt 
6e  <a/no\oyyuijv  Jtapa  t<av  ojuioES-p<av  itXeiSov  avt(ai 
MQta  ttjv  £7tixa>piov  Ttaiöeiav  bia(ptptiV' 


277 


xandrinam  minus  accurate  intelllgal,  sed  quod  amplisslma 
cognilione  domeslicae  Judaeorum  discipHnae  carere  non 
possit,  qui  tale  opus  aggrediatur.  Magnifica  autem  verba, 
quibus  in  prinao  contra  Apionem  *)  integritatem  librorum 
sacrorum  depraedicat,  primo  piano  non  pertinent  ad  pro- 
f'essionem  Josephi ,  unde  res  suas  hauserit;  dein  si  vel 
cum  ea  conjungantur,  ne  id  quidem  efficiunt,  Josephum 
secutum  esse  textum  ebraicum,  multo  minus  unice  eum 
ante  oculos  habuisse,  cum  iisdem  fere  verbis  etiam  con- 
yenientiam  versionis  Alexandrinae  cum  texta  ebr.  effe- 
^^^w**).  Aptissimus  quoque  est  is  ipse  locus  ad  evertenda 
^Si,  quae  de  versione  Alexandrina  apud  Judaeos  Palae- 
stinenses  maxime  contemta  disputantur,  eoque  tutlus  Jo- 
I  sepho  tribuuntur,  quod  is  fuerit  disciplinae  Pliarisaeorum, 
quibus  nihil  magis  odio  fuisse  dicitur,  quam  omnia  Grae- 
corum  instituta.  Quo  majori  enim  cura,  et  quo  ampliori 
yerborum  apparatu  ipse  etiam  Alexandrinus  Judaeus  om- 
nia congerere  potuisset,  quae  ad  celebrandam  hanc  ver- 
sionem  spectabant,  quam  Josephus  ***)  ?  Quin  si  ea  etiam 
detraxeris,  quae  magis  ad  celebrandam  ipsam  Judaeorum 
genlem  et  demonstrandos  honores  pertinent,  qui  ab  exte- 
ris  suramis  regibus  ei  sint  habiti;  illustris  adhuc  super- 
est  locus,  quo  Demetrium  Phalereum  ita  loqu^ntem  indu- 


*)  §.  8.    Toßovta  yap  ai<a)Vosi)dij  rtap(ä>xr}Kotof  yre  Ttpoi- 
Seivai  tis  »8ev  ute  acpEktiv  avtcuv  yte  fietaSeivai  ttto\- 

firjKEV. 

*^)  Antiqq.  XII,  8.  12.  artavicdv  8e  avt<äv  ertaivedavt^v 
ti}v  yva)jüii]v  j  Ene'^'Svöav ,  £i  tif  rj  7tepi6(Sov  ti  rtposye- 
ypafjLfievov  opa  tta  vo/ncäy  tj  XciTTor,  TtaXiv  sTtiSKOTtevta 
tovto  Kai  Ttoiavta  cpavEpov  öiopSavt  (Sca^povcdS  tovto 
TCpartoviEfy  iva  to  Kpi^ev  arta^  fX****  Ka\<ai  eif  a€i 
8iaiJ.eivrj' 
***)  l.  c.  iiitegro  capite  secundo. 


278 


cit,  ut  ipsius  Dei  sufFragium  huic  versioni  non  defuisse 
rideatur  *).  ütut  tandem  verissima  essent,  quae,  repeti- 
tis  quoque  demonstrationibus  nondum  satis  confirmata,  de 
odio  Judaeorum  Palaestinq/isium  et  maxime  Pharisaeorum 
aduersus  lltteras  graecas  traduntur:  quis  ignorat,  quoti- 
diani  esse'exempli,  desciscere  aliquem  ab  opinione  qua- 
dam  eorum,  in  quorum  alia  omnia  verba  jurasse  visus 
est?  Quis  in  Josepho,  litteris  graecis  optime  instiucto, 
iniretur,  si  illam  dogmatumPhaiisaicoi  um  asperitatem  in- 
genii  praestantia  vicerit? 

Unde  vero,  si  arcem  argumenti  oppugnare  liceat,  un- 
de  constet,  Josephum,  cum  oiigines  Judaicas  conderet, 
Pharisaicae  disciplinae  fuisse  addictum.  Juvenem  eum, 
annos  undeviginti  natum  **)  Pbarisaeorum  dogmatibus  se 
addixisse,  ipse  in  vita  sua  narrat;  bocque  uno  argumento 
sunt  usi,  qui  in  opinionibus  Pharisaicis  tarn  certum  judi- 
candae  Archaeologiae  adjumentum  reperisse  laetabantur, 
neque  meminisse  eos  video,  quam  raro  accidat,  ut  quae 
jüyenes  patrum  forte  auetoritate  adducti  accepimus,  ea 
plurium  annorum  usu  subacti  et  ab  ampHori  doctrina  in- 
structi   tueamur.      Josephus,    quinquagenario    major***), 


*)  1.  c.  n.  13.  Omnibus,  qui  liactenus  publicis  scriptis  historiam 
et  argumentum  legum  Mosaicarum  tetigerint,  mala  quavis  a 
Deo  inflicia  esse,  narrat  Demetrius,  Regi  suo  de  forlunato 
suscepti  consilii  eventu  subobscura  adulatione  graiulatus. 

**)  Opp.  T.  II.  p.  2.  EweaKaiSena  6'  er?;  £X(b)v  >  ijp^a/uLijp 
fB  TtoXitevEöSai  fq  ^apidaKuv  aip£6ei  hataKo'XovScov*  rj 
napaTc\ij6ioi  esi  nj  nap  EX\tj6i  :2ta>iKr]  Xeyofitvrf' 
*^^)  Opp.  T.  I.  p.  982.  Kav  to  Seiov  crrirpf-Ti;  ♦  Kata  Tttpi- 
öpojLLTjv  v:tojuvij<Soi>  7ta\iv  tu  XE  TtoXtiJLa  Kai  t(£>v  avußeßt]' 
Kot(ä)v  ijfiiv  fitxpi  trjs  VW  evEScdöijf  rjij.Epaf ,  rjtis  est 
tpidKaiÖEKaiB  fiEv  Etyf  trjf  JofiEtiavov  Kaiöapof  apxv^* 

tflOl    ÖE    QTtO    yEVEÖEOäS    TtEVTlJKOSS    KUl    CKTö, 


279 


»rigines  Judaicas  Romae  scripsit ,    concinnato  jam ,    quod 
pse  ctiam  testatur,  opere  de  hello  Judaico.     Yiderat  igi- 
ur    internecinam    populi    sui    cladera    et    furorem    illius, 
naxime   artibus  Pharisaicis  excitatuni ,  inli'mo  animi  sensu 
aepissime  deploraverat,  ciimque  in  omnibus  ad  nutum  Im- 
leratoris  et  Romanorum  se  componere  consuetus  esset,  a  re- 
iquis  ejus  moribus  abhorrens  yideri  debet,  si  constanter  cum 
llius  sectae  honiinibus  stetisset,  quibus  crimen  seditionis  in 
Romanos  domesticum  erat.  Sunt  quoque  satis  manifesta  in 
psis  originibus  yestigia,  quae  animum  a  Pharisaeis  plane 
alienum  produnt,  et  in  quibus  non  homines  modo  accusat, 
sed  parum  abesse  videtur  ab  ipsa  dogmatum  insectatione  *). 
Quis  tandera  illura  Judaeum  genuinae  indolis  Pharisaeuin 
existimet ,   qui  gravissimum    de  Messia    vaticinium ,    cujus 
•Teram  vel  receptam  interpretationem  ex  scholis  Pharisai- 
cis probe   noverat,   ad  Imperatorem  Romanum,    eumque 
qui    Judaeae   plurima    mala   inflixerat,     transferre    ausus 
f'uit  **)?    Quis  Pharisaeum  in  eo  agnoscat,   qui  de  mira- 
culis,  quibus  Deus  patrum  Israeiitarum  res  gessit,  tarn  fri- 


*)  Antiqq.  L.  XIII.  c.  10.  n.  5.  6.     De    beUo  Jndaico  L.  I.  c. 

5.  §.  2.  coli.  Autiqq.  XIII.  16.  initia  dominaiioiiis  Pharisaeo- 

riim  ita  describit,    ut  subdolos  favoris  mulierciilarum  captato- 

res  fiiisse  significet.     Sunt  quidem  alia  loca,   in  quibus  caus- 

eaiu   eorum  lueri  videtur    CAntiqq.  XVIII.  1,  3.)   neque  vero 

ea  probaiit,   Pharisaeum  fuisse  Josephum,    cum   ibidem  etiam 

Kssenos   depraedicet.    cf.  Knittels  Synodalsclireiben   über   das 

Zeugniss    des   'osepluis   von    Christo.    Braunschweig   1779.  4. 

"^'^^  de  bello  Jud.  L.  VI.  c.  5.  n.  4.     To     Ss    enapav    avtovs 

f.iaXi:a  npoi  tov  TtoXrjfioVi  ijv  xPV^^^^  ajjLcpißoXoi  ofxo. 

ia>s    €v    toii    lepoif    evprjfievof  ypaß}ia(Siv  "(e)f  itata  tov 

•ttaipov  EKEivov  arto  tr)i  x^P^^  *^^    avtcov  ap^ei  trjf  oi- 

Kov^EViji.      Tovto  Ol  fitv  cdS  oiK£iov   E^t'Xaßov,  Kai  ÄOX- 

\oi  t(a)v  6o(p(ä>v  En\avi]^ri6av  rtepi  tijv  npiöiv   edrfX»  ö* 

apa  TiEpi  tov  Oveöitaviavov  to   Xoyiov  ijyEfioviap» 


280 


gide  seiiserat,  ut  ipse  ßdem  eorum  minus  inclubitatarn 
existimare  viderelur  *)?  Qui  eam  Mosis  allorumque  le- 
gislalorum  comparationem  instituere  non  verebatur  quam 
religiosior  quisque  Judaeus  non  potuit  non  detestari  **)? 
Apparet  ex  bis  omnIbus,  Josepbum,  si  quid  Phari- 
saici  dogmatis  adhuc  tenuit,  cum  in  scribendis  originibus 
versaretur,   tarn  inconstantem  tamque  levem  in  eo  fuisse, 


'0  Additis  qiiippe  verbis :  nspi  tovrcav  cof  EKasci>  öokei  öia- 
XafißavEtci)-  Cujus  seiueiuiae  iiividiam,  quam  Joseplius  ftre 
siiigulorum  miraculorum  uairatioiü  subjuiixit,  muliis  amovere 
studuit  Relandus  Opp.  Jos.  T.  I.  p.  115.  not.  b.  nihil  ea  quaeri 
significans ,  quam  ne  gentiles ,  quibus  librum  destinaverat ,  a 
rellquis  legendis  abslerreantiir.  Alia  sunt  apiid  Ven.  Eruesti 
in  priina  exercit.  Flavianar.  §.  24.,  quibus  autem  duo  (antum 
Josephi  loca  defenduntur.  Facile  quidem  largimur,  esse  alio- 
rum  quoque  scriptorum  loca,  in  quibus  narrationi  ex  ipsorum 
persuasione  certissimae  talia  verba  subjiciuntur,  sed  addidit 
interdum  quaedam  Josepluis,  quae  a  religione  Judaei  non  ex- 
pectanda  videbantur.  E.  g.  coniparatio  transifus  Israelitarum 
per  mär«  rubrum  cum  trajectu  exercitus  Alexandri  per  mare 
Pamphjiium  (Antt.  II.  16.  5.)  neque  nihil  suspicionis  movet 
tam  affectata  carminis  ambigui  repeiiLio. 

*^)  Contra  Apion.  II.  n.  16.  p.  482.  KaXijf  ovv  avrcd  (Mtäu- 
/5£i)  npoaipe(J£(a>i  nai  npaB.e<ä)V  /uE^^aXtav  £n:trry;^af  oaercov» 
eiHot(ä>f  evojj,iSojLLEv  ijyEjuova  ts  Hai  övfißovXov  ^eiov 
ex^tv.  Kai  TteidaS  JtpotEpov  Eavtov^  oti  Kata  ti)v  ekeivov 
ßüXrjtSiv  areavia  :tpattEi  nai  ÖiavoEitai,  tavtrjv  <a)Eto  Seiv 
Ttpo  TcavtoS  Ejn7toiij6ai  tyv  vnoXtjrfnv  tois  7i\i)3-E<Siv'  oi 
yap  TtiSEvöaviES  EniSKonEiv  Qeov  r«J  Eavx(ä>v  ßiovSy  üSev 
avExoviai  E^ajmaptEiv  toivtoi  /lEv  öi)  tif  avtos  ij/ulcdv  o 
voßo^Etjji,  ö  yoijs,  uSe  üTtatEdiV'^  anEp  XoibopavxEi  Xe- 
yu(Siv  aÖlKbai  •  aXX'  oiov  Jtapa  rois  EXXrjßiv  avxvßiv  top 
Mtrcj»  yEyovEvai  Kai  fiEt  avxov  tovf  aXXaf  vo/bio^Eiaf 
Ol  fXEv  yap  avtdüv  tovs  vo/ulovS  vJtotiSEvtai  (^aito  0e» 
evpESyvai^ '  o  de  ye  Mircos  eXe^ev*  oti  eis  tov  yinoXXta 
Kai  xo  AEXcpiKov  juavXEiov  xai  Xcäv  vofxatv  fxavxEiai  ar- 
scpEpEVi  i}Xoi  taXtj^es  ovxas  ex^^^  vojxi^ovxtiy  rj  ^tEi" 
6EIV  paov  vTCoXa/ißavovtES' 


281 

ut  nihil  incle  argumenti  contra  usum  versionis  Alexandri- 
^^fte  peti  possit. 

^^E  Ipsa  igitur  professionis  Flavianae  verba ,  si  nihil  ne- 
^^ectum  fuerit,  quod  iis  ex  persona  auctoris  vim  aliquam 
addere  possit,  rem  plane  incertum  relinquiint.  Neque 
plenior  demonstratio  ex  re  ipsa  vel  collatione  plurium  lo- 
corum  Josephi  allata  est.  Quod  enim  primo  sibi  sumunt, 
Josephum  non  posse  graecam  versionem  secutura  esse, 
quod  haud  dubie  pluribus  in  locis  cum  ebraicis  exemplis 
consentiat  contra  graeca ,  eo  reFutant  omnes ,  qui  unice 
graecam  versionem  a  Josepho  adhibitam  censent,  pacatos 
autem  dimiltunt,  qui  Josephum  ex  graeca  quoque  versio- 
ne  multis  in  locis  profecisse,  et  medium,  prout  e  re  sua 
duxerit,  nunc  ex  ebraico  textu  nunc  ex  graecis  aliqua  de- 
cerpsisse  existimant.  Accedit,  quod  plura  hie  loca  con- 
gerantur,  in  quibus  ob  ineluctabiles,  quae  sunt  in  consti- 
tuendis  lectionibus  toov  6,  difficultates  certo  judicari  ne- 
quit,  utrum  contra  graecam  senserit  nee  ne  ? 

Illustre  exemplum  est  in  Cainane  postdiluviano,  quem 
Demetrius  (ineertura  utrum  gentilis  an  Judaeus),  qui  ex 
sola  septuagintavir.  versione  profecit,  jam  duobus  fere 
seculis  ante  Lucam  et  Josephum  in  suo  exemplo  legerat  *). 


')  Apud  Enseb.  de  Praepar.  Evang.  IX.  21.  exstat  fragnientnm 
illiiis,  quo  ea  annorum  siippiitatio  continetiir,  quae  Cainanem 
postdiluviaiHiin  necessario  supponit.  Joseplius  L.  I.  c.  Apion. 
11.  23.  Demetrium  huiic  fmsse  Demetrium  Plialerenm  existi- 
mat,  ex  quo  iusigne  robur  accederet  lectioni  Cainanis.  Quem 
ciiim  graviorem  illiiis  lestem  excitare  possimus  quam  ipsum 
Bibliotliecae  Alexandriuae  Praefecluni,  ad  cujus  aetatem  nata- 
les  hujus  versionis  referuntur.  Sed  probabilis  estHuetii  con- 
jectura,  noiniuum  similitudine  in  errorem  abreptum  esse  Jo- 
sephum.    Vixisse   euim   videuir   Demetrius    noster    usque   ad 


282 


Ipsis  temporibus  Josephi,  exemplo  Lucae  constat,  com- 
munem  fuisse  illius  lectionem  apud  Alexandrinos,  neque 
tarnen  ille,  dum  Cainanem  silentio  praetermiltit,  contra 
graecam  versionem  sui  temporis  sensisse  censendus  est. 

Eupolemus  enim,  isque  etiam  duobus  fere  seculis 
prior  Josepho,  eundem  non  legit,  et  in  pluribus  exemplis 
seculi  tertii  et  quarti  illum  non  extitlsse,  praeter  Julium 
Africanum  ,  Theophiliim  in  libro  III.  ad  Antoljcum,  ma- 
xime  exemplum  Eusebii  probat,  in  cujus  canone  Patri- 
archarum,  ut  est  apud  Sjncellum  ad  supputationem  Alex- 
andrinorum  interpretum  constitutus ,  plane  non  deprehen- 
ditur,  neque  injuria  librariorum  eura  excidisse  suspiceris, 
cum  Syncellus  hanc  ejus  omissionem  in  Eusebio  gravis- 
sime  reprehendat  *). 

Cum  igitur  antiquissimoruin  versionis  graecae  exem- 
plorum  tarn  gravis  fuerit  dissensus,  isque  in  loco,  ubi  fa- 
cile  omnium  oculos  feriret,  quam  cauti  simus  necesse 
erit,  ne  dissensum  Josephi  a  nostro  textu  ita  accipiamus, 
ut  contra  Alexandrinos  Interpretes  sensisse  censeatur. 

Alterum  argumentum,  ex  rebus  ipsis  petitum,  quod 
Josephus  in  multis  ita  a  graecis  dissentiat,  ut  interpretatio 
ejus  manifestam   habeat  ebraici  textus   notam,   plane  est 


imperiunl  nepotis  Ptolemaei  Pliiladelplii,  quod  aegre  congrueret 
in  Plialereum  (v.  Prideaux.  P.  II.  p.  60.)  et  multuin  quoqiie 
hiic  facit  auctoritas  Hieroiiymi  de  Script.  Eccl.  Cap.  XXXVllI. 
Nee  non  et  de  Judaeis  Aristobuliuii  qiieudaui  et  D  e m e  t r i u m 
et  Eupolemum  scriptores  adversus  Gentes  refert  Clemens  qui 
in  similitudhieni  Josephi  ap;!taioj5o>'ta>»  Moysi  etJudaicae  gen- 
tis  asserueraut. 

*)  cf.  Hieron.  de  Prato  dissert.   de   chronicis  libris  duobus  Eu- 
sebii Caesar,  pag.  591.   etc. 


285 


iterum  ejus  generis,  ut  omne?m  versionis  Alexandrinae 
usum   non  excliidat. 

His  Omnibus,  quae  hacteniis  disputata  sunt,  eam  cri- 
tlcam  aequitatem  lectori  nos  persuasuros  confidimus,  ut,  si 
qua  in  Josepho  deprehendat,  (juorum  est  manifestus  cum 
Alexandrina  versione  consensus,  vlm  a  patiibus  seculi  se- 
cundi  vel  tertii  Josepho  illatam  non  statim  accuset,  neque, 
si  Josephus  cum  Josepho  pugnare  videatur,  quod,  in  gravis- 
simo  ebraici  et  graeci  textus  de  eadcm  re  dissensu,  aliis 
locis  huic  adhaeserit,  aliis  locis  illum  expresserit,  hanc 
optimara  conciliandae  rei  rationem  existimet,  cum  omnia 
ad  normam  ebraici  textus  revocentur. 

Notissimum  est,  in  restituenda  Josephi  chronologia 
unanimi  feie  consensu  ita  judicatum  esse,  ut  loca  cum 
ebraica  veritate  consentanea  pro  lege  accepta  sint,  quae 
aliis  in  locis,  Alexandrinae  versioni  consentientibus,  teme- 
rariam  Patrum  antiquissimorum  vel  librariorum  manum 
arguat.  Sunt  autem  profecto  niulta,  quae  iis,  quibus  probe 
perspecta  est  indoles  Josephi  (3t  fidei  illius  Jiistoricae  cha- 
racter,  canonem  hunc  criticiim  parum  probabilem  red- 
dunt.  Scripserat  Josephus  origines  gentis  suae,  ut  glo- 
riam  ejus,  apud  scriptores  graecos  ineptissimis  fabulis 
oppressam,  vindicaret,  omnibusque  iis,  quorum  ea  aetate 
aliqua  laus  erat,  anxie  conquirendis  provincia  suscepta 
bene  defunctus  esse  videtur.  Hinc  anceps  illa  miraculo- 
rum  narratio,  quae  illis  respondeat,  qui  primordia  gen- 
tium, divina  humanis  miscendo,  angustiora  esse  voluerunt, 
et  iis  etiam  satisfaciat,  qui  ex  genio  illius  seculi  hanC 
rerum  divinarum  humanarumque  conjunctionem  fabulosam 
piaeque  super^titionis  plenam  judicarunt,  Hinc  multa  ab 
eo  silentio  praetermissa,  quae  probe  cum  scivisse  rix  ne> 
gari  polest  *) ,  vel  mutatis  rerum  circumstantiis  ita  narra- 

"'^)  e.  g.  historla  idololatriae  Israelitaruni,   cujus  gravem  culpai 


28'4 


ta,  ut  criminaüonibns  graecorum  occurrere  videatur.  Hinc 
usus  oraculorum  Sibyllae  (I,  4,  3.  T.  I.  pag.  19.),  quibus 
historiam  turris  Babylonicae  graecis  liominibus  commen- 
dare  voluit:  neque  enim  probari  potest  opinio  Yen.  Er- 
nesti,  qui  hunc  quoque  locum  ad  interpolationes  Patrum 
antiquissimorum  refert.  Hinc  copiosa  in  iis  enarrandis 
ubertas,  quae  demonstrant^  quanti  olim  sint  Judaei  a  sum- 
mis  etiam  regibus  habiti.  Quin  illa  Graecis  placendi  cu- 
pido  hominem  Judaeum  eo  abripuit,  ut  (in  libro  II.  c. 
Apionem  T.  II.  p.  490.)  prohibuisse  Mosen  contenderit, 
quo  minus  quisquam  Diis  gentilium  illuderet  aut  maledi- 
ceret.  Ecquis  igitur  non  existimet,  in  jactitanda  quoque 
gentis  suae  antiquitate,  qui  fuit  fere  locus  communis  plu- 
rimorum  graecorum ,  buic  suo  studio  eum  indulsisse  ? 
Gratum  sane  accidere  debuit,  paratam  habere  liujus  lau- 
dis  materiam  in  textu  Alexandrino,  cumque  non  esset  tarn 
religiosae  fidei,  ut  uni  ebraico  textui  inhaerendum  exi- 
stimaret,  nee  eorum  censuram  timeret,  ad  quorum  noti- 
tiam  libros  suos  fere  unice  perventuros  videbat,  ipsi  enim 
yersionem  graecam  frequentabant;  quid  obstet,  quo  mi- 
nus accepisse  dicatur,  quae  tarn  commode  oblata  erat, 
Unicus  est  locus  libri  I.  contra  Apionem,  qui  Josephum 
ab  hac  suspicione  tueri  videatur.  Cum  enim  in  eo  libro 
laudes  Israeiitarum  ab  antiquitate  desumtas  raaxime  trac- 
tet,  et  Alexandrinum  habcat  adversarium;  breviori  tarnen 
textus   ebraici    supputatione  utitur  *).     Quae   vero   in   iis 


ipse  etiam  Aaron  liabuit.  Messiam,  in  cujus  tarnen  memoria 
et  exspectatione  fere  omuis  erat  Judaeorum  religio,  tantum 
»Oii  dissimulare  videtur.  =* 

*)  Ovros  o  XP^^^^  ^^^^  ^^"''^  condiio  «sque  ad  mortem  Mosis) 
.    aJtoXsiTtei  tpi(Sx0^i<i>>v  oXiyov  cr<aj>. 


285 


contra  Apionem  observantur,  non  omnia  statim  transferri 
possunt  ad  origines  Judaicas :  saepe  enim  defenslo,  quam 
rei  nostrae  paramus,  modum  capit  ex  persona  adversarii, 
et,  dum  de  varietate  lectionum  Josephi  nondum  certissime 
eonstat,  uni  voculae  paruhi  tuto  innitimur. 

ünde  autem,  si  Josephus  chronologiam  Alexandrlnam 
secutus  esse  dicatur,  unde  illi  numeri,  in  quibus  est  ma- 
nifestum supputationis  ebraicae  vestigium?  Inlerpolatos 
eos  esse ,  eo  fortius  negant  plurimi ,  quod  nemo  patrum 
antiquorum  ,  ad  quem  ea  res  probabili  conjectura  referri 
pojsit,  satis  ebraice  doctus  fuerit,  vel  de  integritate  tex- 
tus  ebraici  tam  bene  existimaverit,  ut  graecam  versionem, 
communi  fere  opinione  pro  ^-soTtvsv^dO  agnitam,  corrup- 
tionis  argueret. 

Equidem  vero  haud  dubitaverim  multa  eorum  loco- 
rum,  in  quibus  ebraeorum  chronologia  servata  est,  ad 
ipsum  Josephum  auctorem  referre.  Qui  enim  in  aliis, 
quae  ad  summam  religionis  spectabant,  haud  constantissi- 
mus  fuit,  ab  ea  fraude  alienus  judicari  non  potest,  ut  in 
iis  locis,  ubi  supputationem  annorum  mundi  quaeras,  quae- 
que  in  fronte  operis  posita  omnium  facile  oculos  feriant, 
productiori  chronologia  uteretur,  in  aliis  autem,  minus 
illustribus,  textui  ebraico  fideliter  inhaeserit.  Neque  vero 
ad  fraudem  omnia  referas  necesse  est,  sed  facile  fieri 
potuit,  ut,  cum  antequam  libros  hos  ederet,  plurimum 
uteretur  chronologia  textus  ebraici,  nunc  opere  in  longo 
parum  memor  calculi  in  gratiam  graecorum  mutati,  priori 
consuetudine  iterum  se  abripi  pateretur,  vel  ut  incautus 
quaedam  ex  libro  aliquo  acciperet,  cujus  auctor  textum 
ebraicum    fuit    secutus  ^),     Hujus   forte    generis  ea  sunt, 


■^)  Coimuode  liuc  (rahi  potest  opiiiio  Bigotii  et  Huetii^  de  diipKei 


286 


quae  L.  VIII.  3,  1.  occurrunt.  Quamquam  enim  epocha 
templi  a  Salomone  conditi  homini  Judaeo  memoratu  dig- 
nissima  fuit,  facile  igitur  exspectandum  erat,  historicura, 
in  hac  periodö^  versantem ,  de  elapso  annorum  spatio  cir- 
cumspecturum  esse,  ea  tarnen  maxime,  quae  de  aera  Ty- 
riorum  adduntur,  haud  obscure  indicant,  commentarios 
quosdam  historicos  Josepho  obversatos  fuisse,  unde  varias 
hasce  annorum  supputatlones  desumsit.  Id  unum  adhuc 
addere  liceat,  quaedam  loca,  in  quibus  supputatlones  illae 
conjunctae  apparent,  adeo  corrupta  adhuc  videri,  ut  cer- 
tum   universae  rei  Judicium  plurimum  impediant. 

Qui  numeros  textui  ebraico  congruos  unice  a  Joscphi 
manu  profectos  existimant,  in  vexatissimo  ioco,  qui  chro- 
nologlam  postdiluvianam  ex  serie  patrum  Abraharai  con- 
stituit,  verba  TCarrjp  6e  ovros  ^ßpajLiov  yiverai,    o;  Sf- 

KttTO!    ßSV    eSlV    ajtO    NoOEOV    SfUTfpCa)    §£    STSl    Kai    EViVrj- 

nos(a>  Jtpos  diaKodiois  jueta  ri)v  ejrojußpiav  eyevero,  tan- 
quam  ansam  arripiunt,  qua  imprudens  calculorum  Josephi 
vitiator  possit  teneri.  Cum  enim  non  satis  dillgens  fuerit 
in  eliminandis  veris  lectionibus,  intacta  eum  reliquisse 
verba  illa,  quae  sequentem  calculum  interpolatum  facile 
redarguant.  üt  vero  taceam  talem  hie  somnolentiam  in- 
terpolatori,  qui  eam  rem  studio  quodam  et  certo  animi 
judicio  suscepisse  dicitur ,  tribui ,  qualis  vix  in  librario 
recte  supponitur:  verba  illa  bevrepoi)  de  im  nai  ivivr)KOsm 
jtpos  5iaKO(?tO£;  jusra  ti)v  ejtojußpiav  eyeveTo    tam  mani- 


ediiione  Archaeologiae ,  a  Josepho  curata,  quarum  altera  he- 
braici ,  altera  giaeci  texliis  chroiiologiam  expressisse  dicenda 
esset.  In  iinum  confiisae  utriiisqiie  editionis  lectiones  eam 
gravissiniarum  variaiuium  segetem  attulissent ,  quae  tania  est 
in  Josepho,'  quanta  vix  in  iiUo  alio  scriptorc. 


287 


festa  habcrit  signa  glossematis  alicujus,  margini  forte  pri- 
mum  modo  adscripti,  clein  in  ipsum  textura  intrusi,  ut  sa- 
nioris  critices  regulis  convenienlius  agere  videalur ,  qui 
pauca  haec  verba  ejiciat,  quam  qui  plurium  linearum  tex- 
tum  ex  eaium  norma  corrigere  ausit.  Manifestum  enim 
esse  videtur,  occasionem  glossae  margini  adscriptae  in  eo 
fuisse,  quod  Abrahamus  decimus  a  Noacbo  fuerit  dictas. 
Omissionem  Cainani,  quae,  ut  vidiraus,  nondum  probat, 
Josephum  contra  Alexandrinam  sensisse,  ita  incertus  ille 
accepisse  yidetur,  ut  jam  exploratum  habuerit,  auctorem 
a  supputalione  textus  ebraici  non  diseessisse:  margini  ita- 
que  forte  primum  id  adscripsit,  quod  ipsi  cum  eo,  quod 
decimus  a  Noacbo  fuerit  Abrahamus,  necessario  conjunc- 
tum  esse  videbatur.  Quid  enim  mirum,  si  verba  illa  li- 
brario  alicui  vel  patri  antiquo  fraudem  fecerint,  cum  viri, 
critices  peritissimi,  iisdem  seduci  se  paterentur,  ut,  quod 
Abrahamus  decimus  a  Noacbo  postremis  annis  seculi  quarti 
post  diluvium  natus  esse  feratur,  optime  eam  ob  causam 
convenire  arbitrarentur ,  quod  solenne  fuerit  antlquis  hi- 
storicis,  yeveav  triginta  annis  aestimare.  Gravis  enim  om- 
nino  est  error,  in  illa  hominum  longaevitate  eodem  tem- 
poris  spatio  definiri  yeveav,  quam  sequentibus  seculis:  ne- 
que,  si  decimus  a  Noacho  fuit  Abrahamus,  ad  decimam 
post  diluvium  generationera  eum  pertinere,  recte  dici 
poterit. 

In  omni  autem  hac  lite  notandum  est,  plures  versio- 
nes  graecas,  neque  unam  Alexandrinam  primo  jam  seculo 
circumlatas  esse,  et  antiquissimos  Patrum,  antequam  om- 
nis  facultas  restituendae  versionis  Alexandrinae,  laboribus 
Origenianis ,  eriperetur,  eo  illius  textu  usos  fuisse,  cui 
plurima    jam    ex    aliis    erant   immixta  *).       Inique    igitur 


')  SiKOth»  Beiirä^e    zur    Kritik  über  die  LXX  Dolmetscher, 


288 


agunt,  qui  eos,  quibus  convenientia  cum  textu  ebraico 
suspecta  videtur,  contra  omnem  primorum  seculoruni 
consuetudinem  opinari  arbitrantur,  quod  etnendationes  ex 
ebraico  factas  ei  aetati  tribuant,  quae  minime  fult  ebraice 
docta.  Atqui  ex  ebraico  facta  sit  hac  emendatio  minime 
necesse  est,  sed  ex  graeca  aliqua  versione^  ad  fidem  tex- 
tus  ebraici  accuratius  expressa,  fluxisse  existimelur.  Ac- 
cedit,  quod  ipsius  etiam  Alexandrinae  versionis  corrupllo, 
quam  nos  jam  dolemus,  non  linius  hominis,  neque  unius 
temporis  fuisse  videatur,  cum  exemplo  Cainani  postdilu- 
viani  satis  constet,  ipsi  chronologiae  primum  forte  injuria 
temporum  et  librariorum,  cui  maxime  obnoxiae  erant  nu- 
merorura  notae ,  labem  illatam  fuisse ,  quamquam  dein 
Studium  alicujus  male  seduli  acce^sit,  qui  numeros  illos 
jam  corruptos  ad  certam  opinionem  confirraare  studuit  ^). 
Haec  vero  sufficiant  de  chronologia  Josephi ,  quam 
minime  exemplum  certissimum  petimus,  in  usum  vocatam 
esse  a  Josepho  versionem  Alexandrinam,  sed  eos,  qui 
rem  pro  judicata  accipiunt,  quod  unam  ebraici  textus  sup- 
putationem  secutus  fuerit,  interpellari  posse  existimavimus. 
Neque  jam  ad  singula  quaedam  loca  provocabimus,  in 
quibus  cum  Alexandrinis  interpretibus  ab  ebraipo  textu 
discedit  Josephus,  cum  nihil  probare  videantur,  quam 
consensum  codicis  ebraici,  quo  Josephus  fucrit  usus,  cum 
leclione  Alexandrinorum,  quamquam  quaedam  illorum 
sint  ejus  generis  ut  certo  consilio  Alexandrinos  ebraico 
texlui  praetulisse  videatur.  In  ipso  Pentaleucho ,  in  quo 
Judaeo    religiosiori   minime    discedendum    erat  a  lectione 


Justin  dein  Märlyrer  und  andern  Kinhenväiern .    im    ;i\veite!i 
Tlieil  des  Eichhonischen  Beperloriuius.  ii.  111. 
•)  Michaelis  coinmeniai.  de  chronüloyjia  Mos'is. 


289 


textus  ebraici,  Aegyptiacum  nomen  Josepho  a  Rege  m- 
dictum,  prorsus  ex  consuetudine  interpretis  Alexandrini  ex» 
pressit  *) ,  ea  probabili  ratione,  quod  in  re  Alexandrino 
domestica  hunc  Optimum  ducem  se  habiturum  putaverit, 
Eadem  est  illius  loci  ratio  '^*),  in  quo  argutatur,  cur  Mo- 
ses primam  creationis  diem  unam  dixerit,  vel  ejus,  in 
quo  filios  Dei  (Gen,  VI.)  per  ayysXovs  ^eov  interpreta- 
tur,  cum  illam  rerum  explicandarum  rationem,  quam  Ju- 
daeis  Alexandrinis  communem  fuisse  ex  Fhilone  discimuS| 
in  aliis  quoque  locis  Josephus  acceperit. 

Quodsi  vero  etiam  numerosiora  et  certiora  essent| 
quae  huc  congeri  possunt,  et,  in  illa  locorum  paucitate^ 
suspicio  lectionum  ex  Alexandrina  interpolatamm  tolli 
posset  ***),  nihil  inde  elicitur,  quam  quod  ad  felicius  in« 
terpretandos  libros  sacros  etiam  ea  conquisiverit  Josephas, 
quae  apud  interpretes  graecos  obvia  erant :  sed  graviora 
sunt  alia,  et  ad  judicandam  Archaeologiae  indolem  multo 
aptiora,  in  quibus  ita  usus  est  Alexandrinis,  ut  eos  non 
tantum  adjumenti  loco  haberet,  sed  tanquam  primarium 
et  unicum  fontem  consuleret.  Atque  omnino  mirandura, 
nuUam  eorum  rationem  habuisse,  qui  de  fontibus  Archaeo- 
logiae diligentissime  disputavit,  cum  tarnen  nulla  sint  cer- 
tiora vesiigia  textus  Alexandrini  a  Josepho  in  usum  rocati. 

Fragmenta   Estherae   apocrypha,    et,  quae   commen- 
tariis  Esrae  apud   Alexandrinos   accesserunt,   reliquis   ex 


^*^)  L.  I.  c.  1.     Kai  avttj  /xei»  av  £irj  ij  Ttptiottj  rffiipa'  Moav- 
(Jijs    Se    avTijv    juiav    eine-       Trjv    6e    aitiap    iKaPOf    ^ev 
£1^1  axoduvai  ttai  vvv    ereei  6'  vtcexvi^^^  "•  *•  <*• 
^'"^*)  cf.  Kriiesti  de  siilo  Joseplü  ad  scripta  Joseph!  iuteligenda  el 
emendaiida  profuturo.  n.  2. 

©pittlcr^  fiHmmtr.  SSerFe  VIII.  ©b.  19 


290 


solo  ebraico  fönte  petitls  ita  coagraentavil  Joscplius,  ut 
una  omniuin  auctoritas  esse  videretur.  Multa  qnidcin  in 
ijs  sunt,  quae  silentio  praeterraittil ;  multa  in  quibus  cir- 
cumstantias  rerum  ita  descnbit,  ut  a  fönte  suo  discedat: 
neminem  autem  hoc  commoveri  existimo ,  qui  meminit, 
qua  arte  in  aliis  quoque  historiae  suae  partibus  versalus 
sit  Josephus,  et  quae  fuerit  sequentium  seculorum  luxu- 
ries  in  augendis  et  amplificandis  iis ,  quae  minus  sincera 
versioni  Alexandrinae  jam  accesserant.  Graecus  homo, 
qui  fragmenta  Estherae  reliquis  sinceris  miscuit,  aetatem 
rebus  narratis  longe  posteriorem  satis  eo  prodiderat,  quod 
Hamanem  Macedonem  ßnxit:  Josephum,  qui  nee  in  bis 
rebus  narrandis  ab  ebraico  textu  oculos  plane  a^ertit, 
nomen  gentis,  unde  in  ebraico  textu  descendisse  dicitur 
Haman,  similitudine  sua  Amalekitarum  antiquissimorum 
gentis  Israeliticae  hostium  admonuit.  Inde  factum  est,  ut 
Amalekitam  fuisse  Hamanem  diceret.  Somnium  Mar- 
dochaei  (cap.  I.)  preces  ejusdem  et  Estherae  (Cap.  IV. 
17.  etc.)  apud  illum  non  exstant:  neque  sunt  ea,  quibus 
historicus  carere  non  potuisset^):  sed  exempla  edicti  re- 
gii  de  excidio  Judaeorum,  et  illius,  quo  periculo  hu  jus 
cladis  iterum  sunt  erepti,  aliaque  nonnulla,  quibus  aucta 
est  narratio  apud  Graecos**),  ita  protulit  Josephus,  ut 
quem  secutus  sit,  dubitari  non  possit.  Inventa  quidera 
haud    ita    pridem    paraphrasis    Chaldaica    fragmentorum 


*)  Omissionis    haud  dissimilis  exemplum   est  in  Caniico  Annae, 

matris  Samiielis. 
**)  Pal'it  nota  Spanliemii  (Ed.  Haverc.  T.  I.  p.  .'»72)  iiarraiio- 
neni  de  gravi  Esdierae  metu  et  deliquio  nee  in  Hebrapo  nee 
in  Alexandrino  textu  extare.  Hieronymi  enim  testimonio  cer- 
tum  est,  jam  seciilo  qiiarto  eam  in  graeco  textu  fuisse.  Opp. 
Hier.  (Ed.  VaUarsi)  Tom.  IX.  col.  1586.     • 


291 


quorundam  Estherae  *) ,  quae  videri  posset  dubitatlonem 
movere  aliumque  fontein  indicare,  unde  sua  desumserit. 
Eadem  autem  adhuc  mutila  nondum  illas  partes  habet, 
ad  quarum  collationem  res  raaxime  redit,  et  preces  illae 
Mardochaei  ac  Estherae,  quas  fere  solas  afFert,  ampliori 
adhuc  verborum  apparatu  sunt  digestae,  quam  apud  Ale- 
xandrinos.  Neque  vero  dubitare  licet,  annon  etiam  ebrai- 
cus  textus  ea  olim  habuerit,  quae  jam  in  sola  graeca  le- 
guntur ,  ut  si  non  ex  eo ,  quem  nos  habemus ,  certe  ex 
suo  archetypo  ebraico  haec  omnia  haurire  potuerit  Jo- 
sephus.     Sunt  enim    pleraque   talia,    quae,    ut  Hieronymi 

Ibis  utar,  ex  tempore  dici  poterant  et  audiri;  sicut  so- 
m  est  scholaribus  disciplinis  sumto  themate  excogitare, 
bus  verbis  uti  potuit,  qui  injuriam  passus  est  vel  qui 
ihjuriam  fecit.  Origenis  quoque  et  Hieronymi  testimonio 
constat,  ipsorum  tempore  ab  ebraico  textu  haec  abfuisse; 
I  quin,  si  certam  habuit  asserti  sui  auctoritatem  üsserius**), 
tarn  exigua  auctoritas  seculo  secundo  his  fragmentis  tributa 
est,  ut  Theodotion,  qui  in  aliis  libris  maxime  etiam  in  Da- 
niele additamenta  Graecorum  retinuerat,  eadem  in  hoc 
libro  contemta  negligeret.  Cujus  rei  plane  contraria  ratio 
apud  Josephum  deprehenditur,  qui,  quanquara  alias  multa 
habet  ex  Daniele  desumta,  eorum,  quae  illi  apud  Alexan- 
drinos  accesserant,  non  meminit. 

Unum  superest,  annon  ex  ipso  Josepho,  studiis  Grae- 
corum omnia  hinc  inde  congerentium,  ad  versionem  Ale- 
xandrinam  illa  accesserint?  Cui  vero  opinioni  nuUa  ex 
parte  veritatis  species  conciliatur.  Primo  enim  imperitus 
ille,  qui  comtam  Joseph i  graecitatem  narrationi  detraxisse 


*)  Ed.  Rom.  vir.  sepiiiagiuia  vir.  Dan.  pag.  434, 
^*)  JSyniagma  de  graeca  sepuiaginta  ijit€i-pr.  vers.  pag.  106. 

19  * 


292 


«licentlus  sil ,  haiiJ  ita  diligens  existimari  potest ,  nt  om- 
nia  purioris  stili  indicia  plane  deleverit:  nihil  autem  in- 
est in  textu  Alexandrino,  quod  aliquam  hujus  rei  suspi- 
cionera  possit  movere.  Tum  si  seculo  demuin  secundo 
hfs  additamentls  aucta  fuerit  versio  Alexandrina,  tarn  re- 
cens  interpolatio  crlticum  Origenis  acumen  subterfugere 
non  potuisset,  neque  eandem  recensioni  ab  ipso  institutae 
intulisset.  lisdem  fere  argumentis  constat,  fuisse  Pseudo- 
Esram,  interpreti  Alexandrino  plerumque  conjunctum, 
quem  in  illis  narrationibus  secutus  sit  Josephus ,  quarum 
nullum  exstat  vestigium  in  textu  ebraico  (Antiqq.  XI,  3. 
1.  c).  Fatendum  vero ,  dubitari  posse,  an  ipsis  jam  Jo- 
sephi  temporibus,  a  graecis  Judaeis  tauti  habiti  sint  Pseu- 
do-Esrae  commentaiii,  ut  librorum  sacrorum  numero  eos 
accensuerint.  Cum  enim  Origenes  in  Ep.  ad  Africanum 
plura  enumerat,  quibus  graeca  librorum  sacrornm  editio 
narrationes  ebraici  textus  auxit  vel  mutavit,  et  ipsius  etiam 
Esrae  mentio  (pag.  27)  commode  inciderat:  nulle  verbo 
monet,  apud  Graecos  copiosiores  exstare  comraentarios 
illos,  quam  apud  Ebraeos,  licet  ad  demonstranda  ea,  quibus 
Africano  respondit,  baud  pauca  inde  congerere  potuisset. 

Ne  quid  incerti  igitur  accedat  demonstrationi  rei  no- 
slrae ,  et  testimoniis  abuti  yideamur ,  qaae  in  recensione 
librorum  sacrorum  duos  Esrae  libros  commemorant;  cum 
notissimum  sit,  Nebemiae  librum  pro  altero  Esrae  com- 
raentario  habitum  esse,  quanquara  forte  haud  desint  eorum 
quoque  exempla,  qui,  Esra  et  Nehemia  pro  uno  volumine 
numeratis,  alterum  adhuc  afFerant  Esrae  librum*):  in 
probando  Alexandrini  textus  usu  ad  sola  Estheris  frag- 
menta  provocabimus. 

Dixerit  autem  quisquam,    in  bis  omnibus,    quac ,   ad 


*)  »f.  l»idor.  Origg.  VI.  4. 


295 


demonstrandum  hunc  usiim,  tam  anxie  con(]iiisita  sint,  ni- 
hil inesse,  quod  non  ex  universa  Josephi  indole  faciie 
conjici  poluerit ,  eundem  quippe  illum ,  qui  ex  scriptori- 
bus,  a  sacris  suis  plane  alienls,  undecunque  omnia  com- 
pilaverit,  quibus  historiae  gentis  suae  lux  aliqua  posset 
ailundi,  ea  quoquc  laetum  arripuisse,  quorum  auctorilas 
eo  certior  videri  debuit ,  cum  ab  insigni  Judaeorum  nu- 
mero  libiis  divinae  anctoritatis  conjuncta  sint.  Multa  au- 
tem  omnino  sunt,  quae  causam  noslram  plane  dissimilem 
f'uisse  demonstrant.  Quodsi  enim  sacro  quodam  odio  dis- 
juncti  fuerant  ab  Hellenistis  Palaestinenses,  neque  Jose- 
phus  ab  hao  domestica  opinione  liber  existimandus  sit: 
minime  praeter  exspectationeni  accidisset,  si  congestis  Om- 
nibus, quae  apud  scriptores  ethnicos  se  obtulerant,  has 
Hellenistarum  narrationes  abjecisset,  cum  acerbiores  sint 
interdum  dissensiones  diversarum  ejusdem  professionis 
partium ,  quam  hominum  ab  una  fide  alienorum.  Fuit 
praeterea  is  scopus  Josepbi,  cui  Studium  illud  in  conqui- 
rendis  scriptorum  ethnicorum  fragmentis  apprime  inser- 
Tiebat,  cum  omnia  ad  commendandam  gentis  suae  cele- 
britatem  conformaret,  neque  quidquam  eam  illustriorem 
ostenderet,  piaeque  fraudis  suspicionem  certius  averteret, 
quam  quorum  memoria  ab  ipsis  acerrimis  hostibus  servala 
fuit.  Neque  vero  apparet,  quid  ea,  quae  sunt  apud  Jo- 
sephum  ex  apocryphis  Estherae  fragmentis  petita,  ad  au- 
gendas  Judaeorum  laudes  contulerint.  Ipse  etiam  delec- 
tus ,  quem  in  illis  graecorum  additamentis  habult ,  mani- 
feste ostendit,  minime  eam  fuisse  Josepbi  aviditatem  in 
locupletandis  annalibus  suis,  quae  omnem  narrationum  cri- 
ticam  respuit.  Nihil  enim  ex  Tobiae  historia,  nihil  ex 
libro  Judith  desumsit,  quamquam  plurima  in  iis  fuerant, 
quibus  laudi  Judaeorum  consultum  videri  potuisset.    Mnh- 


294 


tum  denique  Interesse  putem ,  itlque  maxime  apud  homi- 
nem  Judaeum  sanctissime  libros  suos  colentem,  accipere 
ea,  quae  quis  scopo  suo  congrua  apud  alios  invenerit, 
vel  spurias  librorum  sacrorum  appendices ,  quarum  est 
haud  exigua  auctoritas  apud  alius  disciplinae  homines, 
narrationi  ex  libris  sacris  petitae  ita  intexere,  ut  ab  im- 
peritis  nequeant  dignosci.  Si  ex  communi,  quae  hac 
aetate  obtinuisse  dicitur,  Judaeorum  superstitione  judicare 
liceret,  vel  si  vera  essent,  quae  de  Pbarisaica  Josepbi 
religione  praedicantur:  aut  plane  omittenda  fuissent,  quae 
ex  bis  attulit,  aut  ea  certe  praefatione  afferenda,  quae 
reliquorum  honori  et  auctoritati  consuleret. 

Confecta  igitur  disputatlone ,  quae  nihil  dubitationis 
superesse  patitur,  quod  Alexandrina  versione  et  addita- 
mentis  illius  usus  fuerit  Josephus,  paucis  indicasse  juva- 
bit,  quid  inde  fluat  ad  rectara  descriptionem  antiquissi- 
marum  rerum  Christianarum. ' 

Primo  non  ad  solam  ebraici  sermonis  inscitiam  ne- 
que  ad  ineptum  Judaeorum  odium  referenda  esse  videtur 
opinio  pluribus  Patrum  ecclesiästicorum  communis,  quae 
^iOTtvtvSiCLV  versioni  Alexandrinae  tribuit.  Cum  ipse  Jo- 
sepbus,  Judaeus  Palaestinensis ,  tarn  amplis  laudibus  Ale- 
xandrinam  versionem  extulit,  et  narratio,  Aristeae  nomen 
mentita,  viro  rerum  Judaicarum  peritissimo,  probata  ha- 
Leretur,  nee  non  auctoritas  scriptorum  N.  T.,  frequentis- 
sime  illa  utentium,  tam  grave  testimonium  ei  perhiberet :  om- 
nino  haud  mirandum,  tam  ingenti  consensu  ab  antiquissimis 
Patribus  versionem  giaecam  tanquam  erroris  expertem 
esse  acceptam,  neque  ipsum  Origenem  a  fraude,  quae 
inde'nascebalur  recensioni  librorum  sacrorum,  satis  sibi 
cavisse  *).     Quis  tandem  erit,  cui  ex  nostra  loquendi  scri- 


*)  Euseb.  H.  E.  VI,   25. 


295 


bendivc  subtilitate,  vagae  plurimum  et  incommodae  Pfttrum 
lücutiones  explicandae  videantur,  cum  certum  sit,  et  plu- 
ribus  exemplis  maxime  ex  historia  Synodoram  Oecume- 
nicarum  desumtis  confirmetUFj  Tocabulis  Scojrvfu^o;,  SfOJr- 
vevsia  eam  vira  patres  antiquos  non  subiecisse ,  qua  nunc 
valent  apud  accuratiores  Theologos.  Ceterum  memora- 
bilis  est  Hieronymi  locus  *) ,  post  alios  a  Caipzovio  quo- 
que  excitatus,  qui  demonstrat,  narratlonem  illam  qualls- 
cunque  divinae  originis  certe  apud  doctiores  Patres  non 
ita  obfuisse  criticae  sacrae,  ut  abjecta  sit  omnis  cura 
emendandae  graecae  Tersionis. 

Secundo  multa  ex  bis  sumi  possunt,  quae  ad  bi- 
storiam  Canonis  prudentius  describendara  faciant.  Recen- 
sionem,  cujus  capita  tantum  primaria  babet  Josepbus  con- 
tra Apionem,  multi  eo  vitio  laborare  existimarunt,  quod 
solam  Pbarisaei  professionem  contineat,  neque  ea ,  quae 
a  Pharisaeis  traditionum  cupidioribus  accepta  sint,  com- 
muni  Judaeorura  calculo  probata  existimari  queant,  si  non 
aliunde  certum  ejus  rei  argumentum  exstet.  Quod  unum 
vero  si  obstaret,  profecto  baud  admodum  imperfecta  fo- 
ret  demonstratio  ex  hoc  loco  petita,  cura  ex  iis,  quae  al-, 
lata  sunt,  exploratum  sit,  Josephumy  cum  origines  Judai- 
cas,  librosqne  contra  Apionem  bis  adbuc  posteriores,  scri- 
beret,  aut  dudum  a  Pbarisaicis  dogmatibus  recessisse,  aut 
talem  fuisse  Pbarisaeum,    qui  avpias   eorum  hoE,as  reli- 


^)  Praefat.  in  lihr.  Paralipomeiion :  Ita  in  graecis  et  latinis  CO- 
dicibus  liic  iiominum  liber  (Paraliponienon)  vitiosus  est,  ut 
non  tain  Iiebraja  quam  barbara  quaedam  et  Sarmatica  nomina 
coiijecia  arbitrandiim  sit.  Nee  hoc  LXX  interprelibus ,  qui 
spiiitu  S.  pleui,  ea^  quae  vera  fuerimt  (nomina)  transtuleranf, 
eed  scripionim  culpae  adscribendiiBi ,  dum  de  emeudatis  ine- 
mendata  scriptiiaut  etc. 


296 


querat  Majus  est  illius  recenslonis  incommodum ,  quod 
numerum  tantum  librorum,  oeque  singulorum  nomina  con- 
tineat,  nostraque  disputatione  multum  illud  augeri  fale- 
mur,  quod,  quae  certissima  ratio  videbatur  diluendae  hu- 
jus  difficultatis ,  illius  pretio  multum  ea  detractum  fuit. 
Qui  nomina  librorum  a  Josepho  pro  divinis  habitorum 
exquirebant,  restigla  illius  persecuti ,  quid  in  aliis  locis 
de  quibusdam  libris  sentiat  *) ,  vel  quibusnam  libris  in 
condenda  historia  sua  usus  sit,  assiduo  et  felici  studio 
collegerunt.  Iudicata  sunt  inde  nonnulla,  quorum  aiiqua 
dubitatio  esse  videbatur,  eaque  hanc  ob  causam  gravior, 
quod  auctoritate  Rabbinorum  hac  in  re  haud  contemnen- 
da  nitebatur.  Notissimum  est,  juniores  quosdam  Judaeo- 
rum  Doctores ,  de  Daniele  tenuius  sensisse ,  et ,  quam- 
quam  Sp.  S.  afflatum  fuisse  dixerint,  nomen  tarnen  pro- 
phetae  ei  negasse,  in  quo  summam  scriptoris  sacri  prae- 
rogativam  ponunt.  Quae  Juniorum  Rabbinorum  commen- 
ta,  ex  antiqua  aiiqua  opinione  quibusdam  fluxisse  credita, 
auctoritati  scriptorum  illius  aliquid  detrabere  videbantur. 
Ex  Josepho  autem  constat,  summo  loco  primis  illis  tem- 
poribus  habitum  fuisse  Danielem  **),  ejusque  oracula,  ma- 
xime  etiam  quae  ad 'ultima  reipublicae  Judaicae  tempora 
»pectabant,  tanquam  clarissimum  divinae  in  bomines  pro- 


*)  De  Esaia  et  duodecim  propliells  {minoribiis.  Antiqq.  X.  8. 
snb  finem.  De  Jeremia  et  E;jeclüele.  X.  5. 
*^)  Antt.  X.  c.  XI.  n.  7.  AS,iov  6e  ravSpos  tovtov  nai  o 
fiaXisa  Savfia(Saito  tii  av  nnovöaf  SieXS^eiV'  .anavta  yap 
avt(ä>  Ttapaöo^tas  &>!  Evi  tivi  tcäv  /ueyiscdv  evtvxv^V  ^P^' 
<pi]t(av  K'  t.  %. 

Ta  yap  ßißXiay  oda  Srj  (fvyypa^a/i£voS  ttataXeXoiTtet'^ 
avayiv<a>6i{£tai  rtap'  ijjliiv  £ti  nai  vW  nai  neniSEVHantv 
£^  avtcäv  y  Ott  JavitjXof  oDfiiXei  f  o  Sea '  ov  yap  ta 
^iWovta  ^lovov*  k»  t.  X* 


297 


vidcntiae  docuraentam  acccpta  esse.  Egregium  profecto 
est  adjumentum  historiae  librorum  sacrorum,  si  quod  ex- 
stat  Joseph i  Judicium  de  libro  sacro:  sed  universim  af- 
lirmari  posse  dubitamus,  eos  libros  a  Josepbo  pro  divinis 
habitos,  quibus  usus  est  in  concinnandis  originibns,  quod 
eidem  operi  etiam  spurias  Graecorum  appendices  admis- 
cuit.  Praestat  igitur,  libris  chronicorum,  Estherae,  Esrae 
alios  antiquissimae  eorum  auctoritatis  testes  excitare,  quam 
Josepbum:  neque  eo  evertitur  borum  librorum  causa, 
cum  opportune  accidat,  ut  Estherae  libellus,  in  quo  con- 
firmando  minime  sufficere  videbatur  Josepbi  testimonium, 
darum  haheat  Nazarenorum  sufFragium  ,  ex  quorum  ore 
certa  rerum  Judaicarum  traditio  exspectari  potest. 

Neque  vero  propterea  accipimus  conjecturam  de  ap- 
pellatione  librorum  sacrorum  apud  Josepbum,  quae  iis 
communis  fuisse  dicitur,  qui  quidem  numero  illorum  XXII. 
non  erant  inclusi,  sed  tarnen  singularem  aliquam  aucto- 
ritatem  vel  ex  persona  scriptoris  fuerant  nacti,  vel  quod 
incertas  antiquissimae  historiae  narrationes  ab  oblivione 
vindicarunt.  Necessaria  visa  est  haec  opinio  ad  liberan- 
dam  Josepbi  fidem,  qui  omnia  ex  libris  sacris  se  hausisse 
tradat,  plurima  autem  narret,  quorum  ne  littera  quidem 
apud  sacros  scriptores  reperiatur,  cum  de  judicio  lecto- 
rum  tarn  securus  fuisse  existimari  nequeat,  qui  fidem  suam 
contra  malevolas  adversariorum  criminationes  pluribus  lo- 
cis  tuetur.  Tales  libros  sacros  intellexisse  visus  est  Jo- 
sepbus,  quos  Antiqq.  X.  iO.  6.  apxata  ßißXia,  Eßpaidov 
ßißXhf  appellat.  Sed  is  ipse  locus,  quem  omnium  exem- 
plorum  instar  afferunt,  vanitatem  hujus  conjecturae  ar- 
guit*:).     Quae  enim  ibi  exEbraeorum  libris  ea  religione 


)  EyxaXeatj    6e    /uloi   ^ijöeif  utoof  snasa  tBtcDV  atsayyeX- 


298 


desurata  esse  dicit  Josephus,  ut  nihil  ex  suo  sensu  vel 
detraxerit  vel  addiderit,  ea  omnia  in  prophetia  Danielis 
narrantur.  Neque  placet  illa  interpretatio  ,  quae  solenne 
Carmen,  quo  Josephus  narrationes  quasdam  omnem  fere 
fidem  superantes,  ut  est  illa  de  Nabuchodonosore  ad  be- 
stias  abjecto,  vel  alia  quaedam  graviora  loca  confirmare 
voluit,  de  universo  opere  dictum  contendit,  adeoque  cum 
bis  verbis  sensum  subjicit,  qui  ab  universa  serie  oratio- 
nis  alienus  Josepbo  mendacium  obtrudit,  ne  illa  quidem 
opinione  excusandum,  quod  appellatio  librorum  sacroium 
ad  plures,  quam  qui  nostro  canone  continentur,  pertinue- 
rit.  Quis  enim  scriptor  historicus  in  aliqua  fontium  suo- 
rum  varietate  vel  copia  hanc  operi  suo  laudem  tribuet, 
omnium  eorum,  quae  illis  continebantur ,  nihil  ab  ipso 
omissum  nihil  ita  expositum  esse,  ut  rerum  causas  et  or- 
dinem  ex  suo  sensu  constituerit.  Praeterraisit  Josephus 
aliqua  notatu  dignissima ,  quorum  memoria  in  ipsis  libris 
divinis  exstabat:  minime  igitur  defendi  posset  veritas  pro- 
fessionis  illius ,  si  vel  ad  solos  libros  divinos  examinata 
fuerit;  quid  si  plurium  librorum  sacrorum  usum  eum  ha- 
jbuisse,  illamque  ad  omnes  eos  spectasse  existimes?  Fefel- 
lisse  videtur  doctos  homines  haud  satis  adslricta  recen- 
tiorum  temporum  comparatio  cum  iis,  quae  Josephi  aetate 
valuerunt,  speciemque  probabilem  ei  conciliaverant  loca 
quaedam  N.  T.  in  quibus  aliqua  excitantur,  quorum  nul- 


?iovti  5ia  tijf  ypa<ptji,  cd(  tv  toid  apxaioii  evpidKca  ßi- 
ßXioii.  Kai  yap  evS'Vf  ev  apxv  *V^  isopiai,  npos  rovf 
£TiL^r]tr]6avtas  ti  tcäv  Ttpay/uatcäv  y  fie/jxl'o/nevovs  ijöcpa^ 
%i(Sa/üii]V3  jJLovov  te  fxita^pa^eiv  taf  Eßpai<e)V  ßißXovS 
£i7t(B)v  eif  ttjv  EX\i]vi6a  yX(ä>ttav  uai  tavta  ötjXcaöeiv» 
p,t]te  TtposiSeif  ti  tois  npay/iaöiv  avtof  löiov »  fitjt* 
a^aip^iv  V7f exiJ/iJL^Pos. 


299 


lum  est  vestlguim  in  nostris  ebraicis  ypa^aif.  Sed  clu- 
dum  alia  felicius  sunt  tentata,  quibus  tollitur  dlfficultas 
ex  bis  locis  prognata  :  neque  ulla  plane  necessitas  iis  inesse 
videtur,  quae  ad  hanc  opinionem  compelleret. 

Praeter  ea  autem ,  quae  ad  explicationem  loci  vexa- 
tissimi  (L.  1.  c.  Apion.)  jam  monuimus,  solvenda  est  una 
adhuc  difficultas,  cui  opinio  nostra  de  usu  textus  Alexan- 
drini apud  Josephum  haud  parurn  roboris  addere  vide- 
tur.  Disputat  in  boc  libro  Flavius  contra  Grammaticum 
Alexandrinum,  h.  e.  contra  illum ,  qui,  si  quam  habuit 
librorum  sacrorum  notitiam,  communem  Alexandrinorum 
sententiam  tenuisse  dicendus  est,  apud  quos  multa  adul- 
terina  libris  sacris  ea  jam  aetate  inserta  atque  assuta  fuisse, 
ob  ipsam  Josephi  auctoritatem  negari  nequit.  Tpse  qui- 
dem  ille  non  ea  fuit  religione,  quae  a  dogmatibus  Hel- 
lenistarum  abborreret,  et  a  patribus  tradita  contra  novas 
horum  opiniones  tueretur.  Quo  igitur  indicio  manifestum 
habemus,  nihil  cum  Hellenismo  in  hac  enumeratione  con- 
cessisse?  Huic  ipsi,  si  modo  integer  omnis  locus,  nota 
satis  certa  inest,  iniquam  esse  hujus  inoonstantiae  suspi- 
cionem.  Dum  enim  annos  enumerat,  quorum  historia  in 
libris  Mosaicis  continealur,  eam  summam  subducit,  quae 
longe  minor  est  calculo  Alexandrino.  Qui  igitur  in  con- 
cedenda  tali  re  minime  indulgens  fuit,  eum  multo  minus 
in  illis,  quae  ad  arcem  causae  pertinebant,  aliquid  con- 
cessisse  suspicamur. 

Si  tandem  tertio  ea,  quae  lluunt  ex  observationibus 
nostris,  cum  communi  opinione  de  mutuo  Palaestinensiura 
€t  Alexandrinorum  odio  comparentur,  ad  accuratiorem 
illius  descriptionem  plurimum  ea  profutura  putamus,  cu- 
jus rei  magna  vk  esset  in  antiquissimam  rerum  cbristia- 
narum  historiam. 


500 


Aliqiia  dissensione  se  junctos  fuisse  Palaestinenses  et 
Alexandrinos,  eamque  non  tantum  invidia  laetioris  horum 
fortanae,  sed  maxime  historia  templi  Heliopolilani  natam 
auctamque  fuisse  minima  diffitemur.  Non  ea  tamen  hu- 
jus  dissidii  acerbitas  vel  diuturnitas  existimari  polest,  quae 
mutuum  eorum  commercium  impediverit,  vel  ad  ipsa  quo- 
que  rerum  christianarum  Tempora  pertigerit.  Insigni  aii- 
tem  errore  ad  omnes  universim  graecae  habitationis  Ju- 
daeos  tranferuntur ,  quae  tantum  in  Alexandrinos  cadunt, 
cum  constet  eos,  qui  Asiam  minorem  incolebant,  arctis- 
simo  vinculo  Palaestinensibus  fuisse  conjnnclos,  neque 
opus  sit  hac  opinione  ad  explicanda  loca  Aclorum,  in 
quibus  mentio  fit  dissidii,  inter  Palaestinenses  et  Helleni- 
stas  orti.  Facile  quoque  concedi  potest ,  utriusque  parlis 
plebem  aoerbius  mutuo  exarsisse,  ob  accuratiorem  disci- 
plinae  Judaicae  conservationem  Deo  cariores  se  exisli- 
masse  Palaestinenses,  et,  cum  plurimum  litterarum  esset 
apud  Alexandrinos,  illos  inscitiae  suae  tenebris  se  invol- 
ventes  liberaliori  Iiorum  ingenio  succensuisse :  sed  exem- 
plum  Josephi,  laudesque  Philoni  Alexandrinorum  principi 
ab  eo  tributae  ostendunt,  generosiores  extitisse  ipsos  sa- 
cerdotes,  neque  id  tantnm  indulgentioris  ingenii  Flaviani 
fuisse  videtur  vel  factae  animorum  mutationis,  postquam 
eadem  fere  calamitate  et  Hierosolymitanum  et  Oniae  tem- 
plum  opprimeretur  (de  Bello  Judaico  VIT.  10.  4.).  Sunt 
enim  in  ipsis  Actis  App.  (II,  10.  VIH,  28.)  ad  quae  in  hac 
causa  saepissime  provocant,  loca  claiissima,  quae  demon- 
strant,  in  iis  quoque  terris,  ubi  fama  templi  Leontopoli- 
tani  plurimum  viguisse  videbatur,  haud  paucos  fuisse,  qui 
Deum  Hierosolymis  adorandum  censerent;  et  fervescente 
Hte  Samarltanos  inter  et  Solymitanos,  quae  Alexandriae 
coram  Rege  judicanda  erat,    adjuti   sunt  hi  ab  ipsis  Ale- 


501 


xandrinis  Judacis,  hac  a  Josephe  ratione  addita,  x^^^^^^S 
yap  t<pEpov^  £1  TOVTO  (to  tv  lepoöoXvßOLf  upov)  rivef 
aaraXvcyhCiiv,  vTWf  apxociov  nai  hiaör)fJ,oraTov  roov  na- 
ra  tyv  oinovjusvt^v  vjtapxov. 

Neque  ea  fuit  ingenii  et  institutorum  dissimilitudo, 
qua  tarn  ferale  odium  potuisset  accendi.  Superstltiosa 
ßde  omnia  collegisse  Alexandrinos ,  quae  a  palribus  tra- 
dita  ad  confirmandam  vel  i  11  us trän  dam  gentis  suae  histo- 
riam  doctrinamque  facere  videbantur,  probant  maxime 
spuriae  illae  accessiones,  quibus  libri  sacri  apud  eos  fue- 
rant  aucti.  Atqui  haud  dissimilia  eorum  Palaestinensi  Ju- 
daeo  in  Paraphrasibus  Chaldaicis  servata  sunt,  cumque 
Josephus  nulla  necessitate  compulsus  (nam  sepositis  quo- 
que  Estherae  fragmentis  integra  et  perpetua  fuisset  Ori- 
ginum  series)  narrationi  rerum  e  libris  sacris  haustarum 
illa  intuiit,  non  adeo  ab  ils  abhoiruisse  videntur  Judaei 
Palaestinenses.  Quod  autem  in  explicandis  patrura  histo- 
riis  et  fidei  dogmatibus  fere  una  fueiit  omnium  ratio, 
certe  in  eo  dissensu ,  qui  inter  ipsos  Palaestinenses  super 
hac  re  obtinuisse  videtur,  haud  pauci  iique  doctiores  Ale- 
xandrino  more  allegorils  indulserint,  non  modo  plura  N. 
T.  loca  subobscure  indicant,  sed  et  Josephi  exemplo 
comprobatur. 

Diversorum  temjporum  historiam  incauti  miscuisse, 
eamque  animorum  acorbitatem,  quam  invalescens  Christia- 
nismus apud  Judaeos  accendit,  parum  intellexisse  viden- 
tur ,  qui  versionem  Alexandrinam  tempore  Christi  inter 
Palaestinenses  contemtim  habitam  sine  ulla  dubitatione 
contenderunt  *).     Carpzovius    provocat    ad    solenne    illud 


*3  Eniesti  de    odio  Jiidaeornm    veteriim  adversus  litteras  grae- 
:as.  pag.  11.     Ex  fifio  ip^c»  —  diliiidir   dubitatio  mota  adver- 


502 


jejunium,  qnod  teste  Megillath  Taanith  pag.  50.  col.  i.  in 
tristissimara  rei  hujus  inauspicatae  memoriam  die  VIII. 
mensis  Thebeth  constitutum  fuerit,  et  dudum  ante  Tal- 
mudistarura  aetatem  acerrimum  odium  inter  Palaestinen- 
ses  et  Graecissantes  exaisisse,  historia  templi  Oniae  com- 
probari  arbitratur,  neque  fieri  potuisse,  quin  versio  ali- 
qua,  in  gratiam  sacrorum  Graecissanlium  concinnata,  Pa- 
laestinensibus  admodura  exosa  fuerit. 

Supervacanei  autem  profecto  laboris  esset,  ea  repe- 
tere,  quae  contra  illam  fabulam  Talmudicam,  et  quibus 
inde  adjuta  est  historia  hujus  versionis  apud  Judaeos,  a 
viris  doctissimis  dudum  optime  sunt  disputata :  quis ,  si 
cetera  omnia  essent  paria,  testem  tot  seculis  posteriorem 
laudabit  ?  Merae  autem  sunt  conjecturae ,  eaeque  ad  ce- 
teras  Judaeorum  rationes  parum  accommodatae,  cum  in- 
vidia  templi  Leontopolitani  ita  augetur,  ut  Palaestinenses, 
quidquid  fuerit  Alexandrinorum  Judaeorum ,  sacro  odio 
detestati  esse  dicantur.  Quae  tandem  conjunctio  versio- 
nis Graecae  cum  templo  Oniae?  Ne  in  illius  usum  con- 
fecta  esse  credatur.  Oniae  enim  templum  integro  fere 
seculo  post  Ptolemaeum  Philadelphum,  ad  cujus  aetatem, 
si  modo  quidpiam  veri  admixtum  Fuerit  fabulae  notissi- 
mae,  referenda  est  versio  Pentateuohi,  regnante  Philome- 
tore  conditum  esse  novimus.  Neque  sunt  ea,  quae  de 
corruptione   loci  cujusdam  Esaiae    (XIX,  11.  19)  tradun- 


sus  locum  disputationis  Flavianae  enm,  in  quo  Palaesiinis  Jii- 
daeis  versionem  Alexandrinain  noii  adniodum  placuisse  dlxi- 
mus :  in  quo  adeo  consentiunt  virfi  dociissimi,  si  ab  iis  reces- 
seris,  qui  cum  Vossio  Morino  aliis»iue  paucis,  versiüuem  illam 
ebraico  exeraplo  praeferunt,  ut  id  pro  cerlo  concessoque  in 
illa  dispuiaiione  sumere  licuejfir.  C-eterum,  qiü  tarn  viil«;aia 
jgiioret,  eum  ad  Veiier.  Carpzavii  critic.  S.  P.  11.  c.  8.  amandeni. 


303 


tur,  aliqiia  rationc  probabilia,  ut  inde  occasio  nata  esse 
possit  rejiciendae  versionis  omnium  librorum.  Ita  nee  iis 
quoque  immoramur ,  quae  ex  historia  versionis  Aquilae 
ad  confirmandam  opinionem  vulgarem  petuntur,  cum  Epi- 
phanius,  homo  promtioris  linguae  ad  criminandum,  fere 
unicus  et  gravissimus  sit,  cujus  auctoritate  stand  um  esset, 
nee  prorsus  consentanea  videantur,  quae  ijTse  Hieron}  mus, 
alias  haud  mitissimus  Judaeorum  adversarius,  ingenue 
prolitetur  *). 

Sublato  igitur  fictitio  Judaeorum  Palaestinensium  et 
Alexandrinorum  odio  facile  tandem  intelligilur,  quo  modo 
fieri  potuerit,  ut  fere  omnis  Theologia  primorum  Eccle- 
siae  Christianae  seculorum  colorera  Alexandrinum  traxerit, 
et  quamquam  plura  alia  gravissima  huc  accessisse  non 
negamus ,  haud  infimam  tarnen  contagionis  tarn  late  gras- 
santis  causam,  primis  maxime  temporibus  ,  in  eo  fuisse 
compertum  habemus,  quod  Synagogae  Alexandrinae  tarn 
praeclara  f'uerat  fama,  tamque  inponcussa  auctoritas.  Cu- 
jus pei  argumenta  historica  persequi  si  velimus ,  largissi- 
ma  quidcm  dicendorum  copia  suppeteret,  sed  plenum 
aleae  opus  defiigimus ,  cujus  tractatio  plerumque  inustas 
gerit  opitiiones  dogmaticas  scriptoris,  quo  nihil  fieri  po- 
test  turpius ,  nihil  veritati  historicae  perniciosius.  Tarn 
alte,  cum  ea  meditaremur,  in  animum  descendit  hujus 
periculi  timor,  ut,  quod  unum  maxime  facit  disertum, 
commoto  pectore  verba  nos  facturos  arbitraremur,  si  pu- 
blicae  orationi ,  qua  munus  Professoris  Philosophiae  or- 
dinarii  clementissime  demandatum  legibus  academicis  au- 
spicari  jubemur,  id  critices  ecclesiasticae  Caput  seh'gamus, 


"^)  Commentar.  in  Habacuc.  Cap.  IH, 


504 


quod  vim  opinionumdogmaticarum  in  histo« 
riam  rei  Christianae  accuratius  declarat.  Enimvero 
laetissimus  exultat  animus,  dulci  officio  fungi,  cujus  sua- 
vissimam  necessitatem  singulare  REGIS  MAXHII  benefi- 
cium  imposuit,  atque  publica  pii  animi  testificatione  A.u- 
gustissimo  Regi  et  summis  Georgiae  Augustae  Mecaena- 
tibus  YOta  nuneupare.  Dieta  est  huic  rei  hora  XI  proximi 
diei  Saturni  in  auditorio  majore,  et  ut  faveat  praesentia 
Magnifici  Domini  Prorectoris ,  lUustrissimorum  S.  R.  I. 
Comitum,  Patrum  Academiae  et  Professorum  celeberri- 
morum ,  Doctorum  omnium  ordinum ,  Commilitonum  ge- 
nerosissimorum ,  nobilissimorum ,  ea  qua  par  est,  obser- 
vantia  vehementer  rogo  atque  obsecro.  Scrib.  d.  Sept. 
MDCCLXXIX. 


XL 

©efd?td[)te  ic6  Mü)$  im  2li)ent)mal;l 
Semgo.  nso. 


53  0  r  r  e  b  e. 

^k  2lbit*t  bicfcr  ©c()rift  i|!,  tvi'e  fc&on  bcr  ^Ütel  fagt, 
gör  nlcfct  polcmifc^.  I)ic  (?5cf($tcfetc  beö  SlbenbmaJIfcIc^^, 
ober,  n?aö  mir  bicgmal  Qkicf)  ml  gilt,  bie  ©cfcfeic^tc 
bcr  (JiuMung  Der  (Kommunion  unter  einer  ©cjialt  Jat 
ijre  fo  gattj  eigene  knoten  unb  Sluflofungen,  bog  eö  mit 
jum  5)ergnügen  iDurbe,  bicfclbe  öuf^ufuc^en,  unb  bog  t^ 
ben  ©taub  ber  @d)oIafIifer  nic^t  fd;eute,  bcu  ^n^ammm* 
Jang  öUer  bieder  gebbrigen  23cgebenbeitcn  DoIIiger  5U  ftnben^ 
aU  er  h'Ui^x  hdannt  war,  gurc^t  öor  ben  ©^olaflifern  be^ 
iwolften  unb  brei^ebnten  Sabrbuubertö  i(!  obnebieg  ungerecht, 
ta  ^raciiton  unb  Dcutltd)!cit  ibrc6  ^ortrögö,  felbjl  öucfe  bei 
Unterfuc^ung  bcr  weitgctricbcnjlcn  gragcn,  bm  2efcr  öuf  eine 
Jbc^j!  angcnebmc  2lrt  fcffcln  fbnnen. 

©corg  Äalirtuö  ^')  unb  Sojönu  SInbr.  ©c^mib  *=^0  ftnb 


*)  Dissertatio  de  commniüone  sub  iitraqne  specie   cum  Cassan- 

dri  dialogo  de  eodem  argiiiueiito.     Helmstadii.  1642.  4. 
**)  De  ftitis  Calicis  Eiicharisüci   iii  Ecclesia  Romana  a  Concilio 
Constantiensi  ad  nostra  iisqiie  tempora.   Helmstadii  1708. 

©pittler^  fämmtL  2öerfe  VIII.  Sßb.  20 


506 

bei  bicfcr  ®cfc(;ic6tc  bie  ^mt  gr^gtcn  meiner  ^Jorgdngcr.  ?lBic 
bclo&nt  füllte  id)  nüd)  für  ölle  Wlü\)i  öucö  oft  mißlnugencr 
gorfd)un9en,  in  ©efcHfctJöft  mit  bcm  crften  öuf  einem  QBcg 
ju  gcöcn,  unb  bk  ©roge  bc6  gclc^rtcflen  lut^crifcfeen  ^^colo? 
gen  bcö  ganzen  vorigen  ^aMaubcxU  rcc^t  in  bcr  dUl)c  Fen# 
nen  ^u  lernen.  <Sd}mib  i(!  in  bem  ^^Jeil  ber  ®cfd)id}te, 
njeld)cn  er  mit  feinem  5Imt6*  ^orfa()rcr  gemein  f)at,  nid)t5 
weiter  ölö  (J'pitomotor :  aber  tk  ®efd)ic^te  ber  boNifdjen 
^eId)forberungcn  unb  bcr  S!rientifc^en  53er^aub[ungen,  cr^aljlt 
er  hl  einer  fo  feinen  frud)ibaren  ^ür^e,  bog  man  ijm  febr 
gern  einei/'^la^  in  ber  ne§m(ic(?cn  Sinic  mit  Äalirtu^  cm 
räumt. 

©er  t)telle{d)t  manchem  2Iuge  anjlogigc  9le{d)tbum  mci? 
ner  Zitaten  ^c'iQt  nod)  einige  anbcre  neuere  ©djriften,  \veld)c 
tc&  md)t  ol)iK  allen  D^ußcu  nac^gefd)Iagen  böbe.  Um  einem 
folc&en  leicht  geärgerten  2luge  einige  (5'rleic^terung  ^u  t)erfc()af^ 
fen,  tvarf  id)  ben  grbgtcn  ^^bcil  ber  Zitaten  in  einen  SInbang; 
mc  man  baö  Urfunbenbuc^  ieber  (5)efcbicl)tc  befonberö  beilegt. 
©egen  ben  Äcnner  tnerbe  icb  mid)  i?ielleid)t  me§r  tt?egen  ?[J?angeIö 
mancher  Zitaten  öertbeibigen  mijflfen,  al6  wegen  UebftflujTeö 
berfelben.  53on  mehreren  gdüen  gebenfe  id)  Jier  nur  eineö 
cinjigen. 

Unter  bm  ©i;nobaN  53erorbnungen  beö  tjter^ebnten  3abr^ 
Jiinbert^  ft'nbet  man  bduftge  ©efe^e  wegen  be^  ^elcb^/  au^ 
welchem  ^a^m  unb  befonbcrö  aud)  Äranfe  communicirt  wur^ 
ben.  Der  crpe  Slnblicf  foId)er  (^teilen  trugt  gew&Jnlicb,  bag 
mau  eine  neue  gcwiffe  ©pur  ber  Kommunion  unter  bciben 
©e(lalten  gefunben  ju  baben  glaubt.  23ei  forgfdltigerer  ^^er«» 
gleic^ung  ftebt  man,  bag  in  biefem  Kelcf)  bie  ^?ofticn  fic^  be^ 
fanben,  unb  nic^t  ber  ^dn  in  bemfelben  gereicht  würbe.  ScÖ 
übergicng  alfo  alle  folct)c   ungewifle  ©puren,   unb  tieüeidjt 


507 


TOfig  mir  ber  fi^arffinntgerc  Sorfd)cr  mtitQ  ©auf  bafür,  bog 
tö)  lieber  bequemern  Scfern  irenigcr  unangenehm  fet)n  wollte, 
ölö  i^m  ?0?ateriaIicn  geben,  auö  a>eld)en  er  ficb  ta^  ©an^e 
öuc^  ha  nod}  \)aitc  jufanimen  feigen  f&nnen,  wo  iö)  nicfet 
2Iugenniaag  genug  fatte,  böö  gufammenpaflfen  bcr  S3ruct* 
jlucfe  3u  fejen. 


§.     i. 


9}2an  fann  alö  cntfd)tcben  annehmen,  bog  ber  ötigemein 
bjfentlid)e  ©ebraud)  bcö  ^eld)ö  im  ^eiligen  Slbenbmaftl  M 
inö  ^tt)5lftc  Sa^rfiunbcrt  ununterbrochen  fortgeböuert  Jabe. 
f9?e^rere  ber  einfid;töt>oajlen  fat^olifdjen  6ct)rifr(IeUer  f)aUn 
cö  onerfiinnt  '-'),  unb  bie  ^oc^e  i|l  öucb  fo  Hör,  bog  pe  ba* 
bei  faum  befonbereö  £ob  ber  SBa^r&eiteliebc  ücrbienten. 

(E'inigc  einzelne  S5eifpicle  mbgen  jtc^  gtt?ar  etwa  and)  in 
biefen  S^J^r^unberten  auftreiben  laflTen,  bog  ^ic  unb  ba  einer 


*)  25ou  Dieten,  n)eld)e  I){er  cieuannt  merben  fonnten,  fü^rc  tc^ 
nur  brei  ber  kit>v;I)rteilen  Beugen  an:  ^arbinal  ^ona,  dn 
fet)r  gültiger  9'?id)ter  in  gjiaterien  be^  firc^ltd)en  ^Hltert^um^ 
Ber.  Litiirg.  L.  II.  18.  Certum  est  omnes  passim  clericos  ac 
laicos,  viros  et  mulieres  sub  utraque  specie  mysteria  antiqui- 
tiis  siimsisse.  Scniper  et  iibiqiie  ab  Ecclesiae  primordiis  iis- 
qiie  ad  seculimi  duodecimam  sub  specie  paiiis  et  vini  commii- 
nicarimt  fideles.         ^ 

3Iabilloii  in  Commeiit.  praefixa  Miisei  Italic!.  T.  II.  pä«;  .61. 
Conimimionem    sub    utraque   specie   vi^uisse   ad  iiiilia    seculi 

duodecimi,  constat  ex  iis,  qui  tunc  florebant,  auctoribus 

Quo  proiiide  tempore  communio   sub  utraque  specie  ab  Eccle- 
e>ia  iinmutabiliter  retiiiebatur. 

Jperr  güril  3(bbt  ©erb er t  in  feinen  gelehrten  disquisitioni- 

/       20  * 


508 


Mog  bic  $o(!ie  unb  nicfct  bcn  Äclcfe  empftcag,  bog  man  htt 
foiibcr«  iu  Äraufcu  unb  <2tctbeubcn,  welc^eu  man  eifciib« 
nocf)  ci«  «Biatifiim  gcbcrt  wollte,  oft  nur  bic  geweifte  ^ojtie 
unb  feinen  9öcin  brachte,  ülber  vcaQ  tt?urbc  ftd)  nic^t  enblic^, 
unb  befonbcr^  in  bcr  2lrt,  baö  ülbenbma^l  ju  ftaltcn,  bcnjei* 
fcn  laffcn,  wenn  m\€  (olc^e  einzelne  befonbere  gdllc  gum  ^e# 
wci^  einer  allgemeinen  ©ewo^nbcit  bienen  fonntcn,  wenn  wir 
aH  allciemein  angenommene  9iid}tf4)nur  anfe^en  follten,  wai 
oft  IJInbad)!  of;nc  (Jinfic^t  unternahm,  wa^  irgenb  jcmalö  ci« 
nacl)Iagiger  ober  flfigelnber  ^ricfier  im  einzelnen  galt  tiat. 
©oll  eö  auc^  ©ewo^n^eit  gcwefcu  fcj)n,  in  noraine  Patria, 
et  filia  et  Spirltua  sancta  ju  taufen.  Weil  einmal  ein  ^aar 
©eijllidje  in^öi;crn  fo  getauft  t^abm"^ 

^x'fannt  iji  wo^l  aud;),  ta^  in  fe^r  üiclcn  ^irct)en  bei 
bcr  5J2eflfc  am  9iuf{fag  gar  fein  fonfefrirter  ööein  genoflTett 
würbe.  ?ßon  ber  (S^arfreitagmefie  würben  ^pojtten  aufge^o^ 
hcn,  unb  allein  mit  bicfen  würbe  t^k  S^effe  bc^  folgenbeu 
Slagcö  gehalten  '^).  Slbcr  ber  %a\i  gcjiort  gar  nid)t  bief)cr. 
I)enn  btefe  Äird)cnccremonic  Jattc  ijre  ganj  befonbercn  ^er* 
anlaflfungen,  unb  felbf!  ber  ^riejlcr  genog  an  biefem  2^agc  fei^ 
iicn  geweiften  ^cld),  alfo  ijl  auc^  biefe  ©ewo^njeit  !ein  21«^ 
fang  ber  ^criobe^  ba  bcn  Sajpen  ber  Äeld)  allgemein  entzogen 
würbe.  Unb  wenn  eine  foIc^C  missa  praesanctificatorum 
nacl^ile  Ji(torifdE)e  Veranlagung  ^u  jenem  öügemeinen  53erboi 


bu9  IRurgicis.  Tom.  I.  pag.  389   tritt  bicfen  Urt^idlfn  dü^  ei 
gener  &m(id)t  »odfommen  bei. 

Q6  erregt  Unwillen,  löeim  man  |iel)t,  taie  IBoffuet  in  (eine" 

©ilnt'ft  von  ber  (Kommunion  unter  einer  ©eflalt  eiura  fö  rta 

J'eiüieffueu  l)ifrorir(^en  Sui}  burd)  hie  (»uffallenbOe  ^l^if»uie  ^in 

ivec^jubrelKn  fui1)t. 

^)  V,  Ordo  Roinaiius,  a  Melcb.  Hiiiorpio.  Coloo.  1586  foL  ediiu«; 


509 


ber  Äirct)e  ßcttjcfen  irdre,  fo  Jatte  tiefet  53crbot  öor^uglid) 
in  bcr  griccfeifcben,  unb  nic^t  in  bcr  lareinifcfeen  ^ird;e  cnt* 
j!ejen  foUcn,  bcnn  jene  mad}te  fogar  fct)on  im  Sa^r  692  *) 
TOcgen  bicfer  2Irt  »on  iOZelTen  ein  eigene^  ©efcl^,  !onfcfrrrrc, 
hk  ganzen  großen  göflen  Jinburcl),  nur  beö  (Sonntag^,  unb 
braud)fc  in  ben  übrigen  Xagen  ber  SBocftc  \)it  am  ©onntag 
flcnjci^tcn  ^oj^ien  *"'). 

eben  fo  wenig  ijt  ber  ©cbröuc^  ber  S^rinfro^ren  bei  bem 
2Ibenbma^l  eine  ber  erjlen  ©puren  ober  Slnnd^erung  ^um 
Äelc^rflub.  @c^?on  im  neunten  S^br^unbert  bröucfete  mön 
c  SKbJren  bd  ber  Kommunion  ^^^).  X)k  fRhmi^äjc  ^irc^c 
'am  jtc  nocb  froher.  9lic^t  nur  baö  23ol!,  fonbern  m  t>te^ 
len  ^irc^en  öuc^  t)k  ^rte(!er  trönfen  burc^  biefelbe.  ^t\t 
über  üierbunbertjdjrige^  Sllter  Jötte  ölfo  bicfe  (3moMüt,  ba 
man  anfteng,  ben  ^a^m  ben  Mä)  ^u  nehmen:  ip'^  bemnöc^ 
iva^rfcbcinlict/  bag  fte  in  fo  genauer  Jip'orifc^er  53erbinbung 
mit  ber  allgemeinen  ^nt^iejung  beö  ^elcfeö  ftel^en  foü,  befon^ 
bcr^  t)a  fein  einziger  ber  Sllten,  welche  boc^  voc^l  am  beflen 
«?ijTen  fonnten,  burcfe  wa^  für  ^Seranlaflfungen  biefe  ©emojn^ 
Jeit  aufgefommen  fe^,  öuc^  nur  t)on  ferne  barauf  beutet. 
^trar  ip'ö  unleugbar,  H^  ^um  X^eil  ebenbiefelben  ©runbe^ 
iroburd)  man  ftc^  nac^  unb  mö)  auf  ben  ©ebanfen  leiten 
lieg,  bm  ®enug  beö  Äelc^ö  ^um  ^rit>llegium  für  ben  meg^^ 
Jaltenben  $rie|!er  ^u  machen,  auc|>  ben  ©ebraucj^  biefer  S!rinf^ 
robren  empfohlen;  —  (Jcfel  aii^  bem  SSec&er  ^n  trinfen,  an 
njelcfeem  man  ©puren  faj  ober  ^u  fejen  glaubte^  tag  fc^on 


^0  Leonis   Allatii    dissertatio   de   missa  praesanctificatorum  sub- 
juiicta  libro  de  Consensu  Ecclesise  Occidentalis  atque  Orienta- 
lis. Colon.  Agripp.  1648.  4. 
^*)  Caiiou  53.  Syii.  TruUanae. 
^^*)  Gerberti  disquisit.  liturgicae.  Toiu.  I.  ^ 


510 


ein  önbcrcr  barauö  getrunfen  t)at;  nberglaubifc^e  gurrf)t,  ein 
S^ropfen  M  geheiligten  5Bein6  m&cl)te  t)erlorcn  geben.  2lber 
in  wclc^cö  Sö|)t&"«bert  mugte  man  nid)t  ^urucfitcigcn,  ti^cnn 
man  Jicr  bcn  crj^eu  gaben  uuferer  gegenirdrtigen  ^iftDrif(ten 
(5ntn?i(flung  anFnupfen  wollte?  Unb  biegragc  fann  ()ier  ni(^t 
fcpn,  wann  hk  53orberfät^c  öufgefommen  fet;en,  burc^  trelctc 
man  cnblic&  barauf  gebracht  würbe,  tik  ^infegung  (S^rifti  fo 
wiüförlic^  SU  dnbern,  fonbcrn  wenn  man  cnblid)  auö  ge* 
wlflfen,  Dielleicfet  fc^)on  langjl  angenommenen,  ^orbcrfd^en  eine 
öUen  üorjergejcnben  3<Jjr^unberten  fo  gan^  unentbecfte  goU 
gcrung  gebogen  iahi.  gur  bie  Sogif  ber  9}?enfcl}cn  unb  be^ 
fonberö  ber  ^^eologen  gibt  eö  eine  eigene  ©eograp^ie  unb 
(^Jronologie.  (5ine  golgerung,  welche  unö  je^t  fo  gan^  not^^ 
ttjenbig  in  Ik  Singen  ^u  fallen  fd)eint,  blieb  üor  ein  paör 
Sö^r^unberten  bieüeicfet  bem  fc{)drf(ien  Denfer  nod)  unbemerFt, 
ober  war  bei  i^m  mejr  ungefähr  entfallener  Slujbrucf  ali 
JeHe^  Slnfc^auen  ber  SlBa^r^eit  ber  ©acbe,  fonnte,  wenn  etwa 
Cüd)  einige  ^bpfe  fo  weit  in  bie  gerne  fa^en ,  nic^t  in  aÜgc* 
mein«  ^irculation  fommen,  weil  ber  grof^e  Raufen  ^ur  2In# 
najme  berfelben  gar  nicfet  genug  t)orbereitet  war.  S'rft  aUf 
hann,  wenn  ficl&  üvoa^  aud)  bem  menfd)licben  2lugc  ftcbtbar 
wirfenb  in  ber  großen  ^ette  ber  Sffieltbegebenfciten  ^eigt,  erfl 
al^bann  ergreift  ber  p^ilofopfifcbe  ©ef4)ic^tforfc^er  bie  bc* 
merfte  ©pur. 

a5iö  iu  ^nbe  beö  eilften  SaJr^unbertS  iff  e«  ölfo  ein^f 
mötjige  Stimme  öller  Äire^enödter,  ^dbjle,  (Joncilien  unb 
onbcrer  (Statuten,   ha^  hd  bem  Slbenbma^l  be«  ^errn  SSrob 
unb  ^m  genojfen  werben  foU. 

ga(l  über  feine  ^atcxk  war  feit  ^afcfeafiuö  Reiten  bi« 
^u  ©regor  VII.  fo  t>iel  gefd;riebcn  worben,  aU  t)om  5eib  unb 


511 


SSlut  M  Socxxn,  fa(!  in  feinem  (Jnbern  Slrtifcl  fo  fcjr  aU  tu 
tiefem  ^aben  fic<)  bte  t&eologifdx'ii  ^i^ccjvijfe  tiefer  fcrci  3^^!^* 
l^unbertc  immer  fcflcr  unb  uini?it)cv(e9lid;cr  gebilbct,  fiub  burd) 
iieuc  ilircfeengewoI;nf;citen  crtveitevt  iinb  oft  uiiertijartet  be* 
reict)crt  ivorben :  aber  noc&  ^eigt  ftd;  in  bem  ganzen  ^citröum 
feine  ©pur,  bag  aud;  einer  ber  fpiiaftnbigftcn  ©d;olailifer 
barauf  gefallen  wäre,  ber  ilird;c  ^u  ratzen,  ben  Md)  öom 
Slbcnbmabl  binweg  3U  laffau 

M^a  fd)uc^tern  waren  bie  Sebrer  biefeö  ^citaltcrö  gewig 
nidjt.  Denn  gan^c  Soncilien,  felbf!  unter  bem  53orft^  beö 
rümifd)en  S3ifd)ofö,  brucften  fid)  fogar,  wenn  fte  ein  ©lau^ 
bcn^bcfenntnig  auffegten,  fo  maffttv  auö  ^«0/  ^^ß  ^'^^  ^"  f"^^' 
genben  Reiten,  t^a  bod)  t)ic  Sebrc  t)on  ber  ^Srobücrwanblung 
fd}on  ^ird)engefeg  ju  fei)n  fd)icn,  forgfdltig  ju  warnen  Ur^» 
fac^c  fanb,   folc^e  Äonfeffionen  nid)t  all^u  genau  ^u  ucjmen. 

Wit  ©djauer  unb  Slbfdjeu  Itcöt  man  bie  gragen,  welche 
im  neunten  Sabrbunbert,  bcfonberd  bü  ber  immer  me^r  rci^ 
fenben  £e^rc  ber  23robt)erwanbIung  ^um  55Drfd)ein  fameu. 
©d)on  ber  DIame  (Sterforaniömuö,  wenn  e^  aud)  nie  eine 
^artbie  gegeben  b^ben  foUte,  weiche  ftc^  wirflicfe  bafür  erfldrte, 
—  bcweiöt  binldnglid),  wie  weit  man  cafut(llfd)e  <Spifef{nbi9^ 
feit  unb  profaneö  Sragfpielen  h\  ber  ^eiligften  ^ad)c  getrieben 
batte:  aber  aUeö  fam  bod;  bamalö  nur  nod)  barauf  an,  bie 
3irt  ber  ©egenwart  beö  Jücibeö  unb  ^lutö  ^^ripi  im  Slbeub^ 


)  :^er  (^vubinal  Xpumbert  fe^te  bie  2öiberrMfun<j^forme(  auf, 
ml(l)e  ber  3(rrf)tbiaron  33erengar  auf  ber  römifd)en  ©pnobc 
im  3abr  io59  befrf)«)ören  niu^te.  ©ie  tarn  nad)ber  mä)  in 
©ratian^  ©ammlung,  unb  ber  aucior  Giossae  Gratiani  feijt 
bie  2Barnung  hei ,  man  muffe  tk{i^  ©(fluben^befenntnifj  mit 
S3ebacbt  ju  uerfteben  fucben,  fonjl  fömic  man  burcb  baffelbe  in 
eine  gröf^ere  Äe^}erei  verfatten,  aU  93erengar^  gewefen,  SSer^l. 
Hildebrandi  lüst.  Coucilior.  pag.  265. 


512 


ma^l  SP  bcflimmen,  2Iu3brucfe  für  tk^lhe  ^u  fi'ntcn,  wcld)t 
t)er  allgemeinen  ^olfömcinung  unb  fo  mandjcn  5fonomifc()5 
pnnretd;en  Söeranfialtungen  ber  ^lrd;e  gcmdg  fei;n,  ^uglcid) 
öuc^  bcn  fpi^fi'nbigen  ^^ilofop&en  bicfer  gciralter  alle  ^üuile 
unmoglld;  machen  folltcn,  bcm  fird;Iicl)cn  Sprachgebrauch  c'u 
neu  gclinbern  (Sinn  ^u  unrcrfd)iebcn.  SBar  crj!  baruber  wcf 
nigjlcnö  fo  n?eit  auögeflrittcn,  tia^  man  o&ne  gurd;t  ber  ^er* 
fe^erung  t)on  bcr  einmal  eingefd)lid;enen  ober  angenommenen 
Sc^rform  nicfet  abgeben  burfte:  fo  griff  man  nac^  wcircrn 
Unterfuc^ungen.  Q:txta^  mu0  immer  ha  feijn,  an  bcm  ge* 
rec&tet  unb  gebiirflet  lüirb,  unb  ^um  Unglijcf  ober  3um  ©lucf 
waren  in  bicfen  ^dtaltmx  immer  nur  einzelne  Sebrpunfte, 
unb  nie  hai  gan^e  @i)flem  nacl)  bem  ttjec{)fclönjeifen  SQcrhälu 
nig  aller  feiner  Zf)ük,  über  beffen  23e)limmungen  ge(!ritten, 
wnb  befien  oft  Heinlle  ^artialbegriffe  erbrtert  njerbcn  foüten. 

§.•     3. 

©ie  @c()ola(tif er ,  bereu  S^JeoIogie  fa(l[  ein  blogeö  fRati^ 
felbuc^  war,  unb  bie  hti  jebem  flcinen  Umflanb  punftiid)  wif* 
fen  wollten,  warum  e6  gerabe  fo  unb  nicl^t  anberö  gefc^cben, 
famen  freiließ  auc^  fc^)on  auf  ^k  gragc,  warum  S5rcb  unb 
^ün  genojTen  werben  foU,  t)a  man  bod)  fd;on  unter  jcbcm 
biefer  beiben  ben  ganzen  (äi)xi^ü^  genicge.  21ber  vok  eö  ibnen 
nie  an  ^xaQitt  fe^lt,  fo  auc&  nie  an  SIntwortcn.  Siner  ber* 
felben  t>om  erffen  9f?ang  gab  folgcnbe  Urfac^e  an  '"0:  Srob 
bebeute  ben  2cib,  SSein  bk  ©ecle,  bcnn  ber  5ßein  erzeuge 
25lut  unb  im  S3lut  fct)  hk  Seele:  ^rob  unb  SlBein  muffe  gc# 


*)  IV.  senteut.  dist.  ii.  Sed  qiiare  siib  dnplici  specie  sumifur, 
cum  sub  alteriitra  totus  sit  Christus?  ut  ostcuderetur  (otaai 
humanam  naturam  assumsisse,  ut  totain  rediineret.  Paiiis 
cnim  ad   carnem  refertur,    viuum  ad  auiniau:    quia  viiium 


515 


«offen  werben,  nl^  t6»5ticic6  ^efcnntnlg,  brtg  ^fvIfTuö  ^dh 
imb  ©eclc  cvl5öt  f)ahc.  ^wax  fci)  eö  wie  bei  bcm  SOJanna 
Der  Sfraelitcn.  ^IQcr  öllcin  baö  25rob  gcntege,  gcuiege  nici)t 
weniger  alö  berjenige,  weld)er  öud)  ben  ^eld)  trinfe,  aber 
man  mü|Tc  nun  bod)  belbeö  genießen,  unb  fic^  büburc^  offent^ 
Üä^  für  jene  ^voci  wichtige  Se^ren  beFennen. 

^etruö  Sombarbuö  genog  im  zwölften  3(Jl;r6unbert  ein 
tjeologifd^eö  2Infc^en,  böö  je^t  fein  ortfjoborer  ober  ()ereroborer 
5I()eoIoge  mef;r  cri)a\tm  fann.  ©eii;:  9}?einung  ij!  ölfo  nid)t 
nur  aU  Wldnmu;^  beö  ^riöarle^rer^  fe^r  wid)rig,  fonbern  öl^ 
SUieinung  be^  ^DZanne^,  nöd)  wc[d)em  ftd)  fein  gan^eö  ^ciu 
alter  bilbete,  über  beflfen  t6eo(ogifd;c^  (^ompenbium  mejr  öl^ 


operaiiir  sanguinem,  in  quo  sedes  anirase  a  physicis  esse  di- 
citur.  Ideo  ergo  in  duabiis  speciebiis  celebratiir,  ut  anima? 
et  carnis  susceplio  in  Christo,  ut  ulriusque  liberatio  in  nobis 
ßignificetur.  Valet  enim,  ut  Ambrosius  ait,  ad  tuitionem  cor- 
poris et  animae,  quod  percipinuis:  quia  caro  Chvisti  pro  sa- 
lute  corporis,  sanguis  vero  pro  anlma  nostra  ofFertur,  sicut 
prsefiguravit  Moses.  Caro,  inquit,  pro  corpore  nostro  ofFertur, 
sanguis  pro  anima:  sed  tarnen  sub  utraque  specie  sumitur 
totus,  quod  ad  utrumque  valet,  quia  sub  utraque  sumitur 
Cliristus.  Sed  si  in  altera  lantum  sumeretur,  ad  alterius  tan- 
tum  id  est  animse  vel  corporis  non  utriusque  pariter  tuitionem 
valere  siguificaretur.  Sub  utraque  specie  tamen  totus  sumi- 
tur Christus,  nee  plus  sub  utraque,  nee  minus  sub  altera  tan- 
tum  sumitur.  Eadera  enim  ratio  est,  ut  ait  Hil.  in  corpore 
Christi,  quse  in  manua  praecessit.  De  quo  dicitur.  Oui  plus 
collegerat,  non  habuit  amplius,  uec  qul  minus  paraverat,  ha- 
buit  minus.  Et  licet  sub  utraque  specie  sumatur  totus  Chri- 
stus ,  tamen  non  fit  conversio  panis  nisi  in  carnem ,  uec  vini 
nisi  in  sanguiuem.  Nee  debent  dici  duo  sacramenta,  sed 
nnum :  quia  sub  utraque  specie  idem  sumitur.  Neque  debet 
itcrari  sacramentum,  quia  benedictio  non  repetitur  super  spe- 
ciem  eandem. 


514 


trci  3a^r^unt)crtc  lang  unermabct  fommentirt  würbe.  Zf)iiH 
fd)ou  feine  ^dtQCuo^cn,  t^cilö  uoä)  me^r,  etliche  Ü^jeologeu 
t)eö  folgenben  3^^^^^^^^^  tüoUrrn  ^tvar  einige  t>ogmatifcl)c  Uii* 
rii^tigfcitcu  in  feinen  ©enten^en  fi'nben;  bie  ^örifer  gafultdt 
t)crurt^ei[fe  trirflid)  andk)  mehrere  ©d^c  berfclben  ^"):  aber  bie 
ficr  angeführte  9}?einung  Don  bcr  ^^ot^iüenbigFeit  beö  2lbcnb? 
ma^Iö  unter  beiben  ©eftaltcn  ift  nicl)t  baruntcr;  alfo  aud) 
biejenigen,  trelc^c  bod)  barauf  auögiengen,  Jpeteroborien  bei 
bem  Sombarbuö  ju  ftuDen,  unterftunben  jtd)  boc|)  nidjt,  bie* 
fen  @al^  anau^eidjncn.  ßß  mug  fo  ganj  unjlreitig  angenom* 
mene  Se^re  getrefen  feijn,  tia^  ^rob  unb  ^ein  im  5ibcnb? 
ma^l  genoffen  weroen  muffen. 

ßin  noc^  älterer  ^arlfer  ^^^cologe,  ber  burc&  feinen  @d)ü<' 
ler  5lbdlarb  berühmte  9Bil§elm  (A),  erüdrte  eö  ^trar  gerabc* 
l)h\  für  legere! ,  luenn  man  nic^t  glauben  iti>oUe,  ta^  unter 
bem  S3rob  ober  unter  bem  SLBein  ber  gan^e  (^feriftuö  genoflfen 
werbe:  aber  er  Derfic&ert  ^ugleid),  t)a^  ^u  Äird;e  baö  @a!ra* 
nient  unter  beiberlei  ©eflalten  unberdnbert  beibehalten  iahe, 
um  jicft  t>a^  Seiben  (5&ri(li  bejlo  lebhafter  bar^ufteUen.  Unb 
ein  berühmter  2§eoIoge  ^u  Süttid),  gcitgenojfe  beö  ^etruö 
£ombarbu6^  ein  ^aim,  ber  fon(!  gewig  in  ber  Se^re  Dom 
^eiligen  Slbenbma^l  Eiferer  für  feine  Dogmati!  war,  erfldric 
gerabejin  (B):  (iß  fei)  nidot  jtd)t,  5Srob  o^nc  Stöcin,  ober 
^m  ojne  $Srob  ^u  geniegen. 

Die  öngcfe^enj^en  Se^rer  ber  franiofif(ten ,  italienifc^en 
unb  beutfd;en  ^ird;e  fennen  in  ber  2[J^itte  bc^  zwölften  ^q^v^ 
^unbertg  noc^  gar  !eine  e-nt^ie^ung  beö  ^cld;ö,  unb  brucfen 
ftcj)  fo  au6,  bag  mau  bcutlic^  ftefet^  fie  würben  biefelbe 
äugerfl  mißbilligt  Jaben,  wenn  (le  fie  je  gekannt  Jdtten. 


")  9)?rtn  finbet  biefen  cataiognm  crromm  geiüiJljnlid)  t)\nUx  icbn 
Oftavausigabe  be^  Sombarbu^. 


515 
§.    4. 

3u  (^'iiglanb  aber  böcf)tc  man  bamal^  fcfcon  anbcr«,  unb 
man  fann  glelc^fam  btc  ©pur  erc;reifcii,  tro  fie  fo  eben  aiv 
ftengen^  anberö  5U  bcnfen» 

Sf^obert  q)ullct)n  (C),  ein  gleich  groge^  ^idjt  für  Cvforb, 
aU  ^etcr  Sombarbuö  für  ^öriö  voav,  voill  (5l)rifti  ß-infc^ung 
beö  Qlbcntma^I^  burcfcauö  nicfet  geanbcrt  ^abcu.  Döö  55rüb 
foU  nic^t  in  bcu  ^ein  getaucht,  fonbern  jebe^  bcfpnberö  ton 
bera  ^rie(!cr  geiiofTen  werben.  S[ßa6  aber  bic  Saiden  betreffe 
(fagt  er),  fo  böbe  S()ri(lu^  bem  ©utbün!en  feiner  25raut  ber 
^ird)e  überlaffen ,  n?ic  i^nen  t)a^  Slbenbma^I  gereicht  n?erben 
foll.  Unb  Jier  fci;  eö  eine  fcl)bne  (Jinrid)tung,  ta^  biefen 
bloß  25rob  au^gct^eilt  irerbc,  mil  fo  leicht  t)om  SBein  »er? 
fc^üttet  werben  mod;tc,  befonberö  wenn  man  i^n  3U  ^ranfcn 
bringe. 

©0  cntfc^eibenb  biefe  ©teile  kuUt,  aU  ob  man  fcßon 
bamalö  bem  Saiden  überhaupt  feinen  $dd)  me^r  gegeben  ^ätu, 
fo  lenft  boc^  eben  biefer  S^JeoIoge  fogleicö  barauf  wieber  ein, 
unb  billigt  e^,  wenn  mön  bem  ÄranFen,  ber  bie  ^ojtic  öllein 
nid)t  fcl}(u(fen  !5nne,  aucft  ben  gefegneten  SlBein  5U  trim 
fen  gebe. 

(Kommunion  unter  einer  ©eftalt  war  gewig  noc^  xnd)t 
fe^r  allgemein,  wenn  man  ben  gefegneten  ©ein  fogar  uod) 
5u  ^ran!en  bxad)tL  ^hu  2Irt  i:)on  ©pülfelc^  war  um  biefe 
geit  fcbon  in  manchen  ^ircfcen,  wenigjlenö  bei  einzelnen  ©e? 
legenjetten,  gcwo&nlic^.  (Kommunion  unter  beiben  ©e(!alten 
mug  alfo  noc^  febr  bauftg  unb  allgemein  gangbar  gewefeu 
fcpn;  bag  bicr  auf  ben  gall,  wenn  ber  ^ranfe  tk  .^ojlie 
ntc^t  follte  fcl)lucfen  Tonnen,  nic^it  blog  ben  ©pülfelc^,  fon^ 
bem  felbf!  ben  geweiften  SBein  3U  geben,  gerat^en  wirb. 

©ollt'  cö  eine  unwajrfc^jeinlic^e  25efc&ulbigung  fc^n,  t>a^ 


316 

eö  Ik  cnglifc^c  ^ircfee  xttar ,  mld)t  bcii  SInfaiig  niflc^rc,  bcn 
£ai)cn  fcen  ^cfc^  ^u  ent^ic^cn?  Ju  eben  bcr  3eit,  \vv  uodo 
fein  einziger  ^^cologe  ter  übrigen  9ieicl)e  tiefe  neuaufgefom^ 
ntene  ©ciro^^n^eit  fannre,  n?o  fi'e  ftd)  faft  mit  öuebrücflictjen 
SBorten  bagcgen  erüdren,  öuf  nllerftanb  bogmatifc^e  fünfte 
benfen,  um  tik  Se^re  ton  ber  ^oncomitan^  gegen  einen  ftar^ 
fen  e-innjurf  ^u  retten,  ju  eben  ber  ^cit  röbmt  (le  ber  be? 
röNtcpe  !IbcoIoge  ber  englifcfeen  ^irc^e  |ct)on  alö  eine  orbent* 
Iid;e  fird)Iid)e  (5tnrid;tung.  ^r  fprid;t  mit  ^ifer  gegen  bie 
©en?obn6cit,  baö  gefegnete  SSrob  in  ben  SBcin  blog  ein^utau^ 
c&en,  unb  fe^t  bcrfelben  aU  eine  bcj^ere  5U?et5obc  entgegen,  bem 
Saiden  ben  ^elc^  Qm\h^  entstehen,  weil  Jier  bie  ©efa^r, 
emai  t)on  bem  gefcgneten  50ein  3U  toerlctutten,  offenbar  n?eit 
pcfeerer  t)ermieben  werbe.  Dlirgenbö  gerabe  mejr  «la  in  ^ng» 
Iflnb  war  3ntinftion  gleid}fam  gefe^mdgig  gewob»lid>/  ober 
wenigllenö  föum  t?or  fRohme  S^'^tm  in  Dier  engltfd;en  ^ir? 
cfeen  fo  aufgefommen,  ba^  man  fte  a\ß  fejjr  t)ort&fiIbaft 
empfahl,  ^aum  attJ^n^ig  S^^re  t)Dr  ^Roberten  fcl)rieb  ^rnulp(>, 
S5ifc(?of  ton  9?od)e(!er  '*),  einen  auöfü^rlic^en  S5rief,  um  biefc 
neue  ©ewo^njeit  3U  üert^eibigen,  t)cn  welcher  er  nun  fc()on 
cU  t>on  einer  ganj  aütdglid)en  9}?obe  fpridjt,  bie  aber  boc^, 
wie  alle^Dieuaufgefonimcne,  noci)  Jdufige  ©cgner  ft'nbet.  (Seine 
©runbc  ftnb  grogfentf;cil6  fajl  ganj  ebenbiefelben  alö  biejenigen, 
Welc()e  für  bie  gan^lic^c  ^nt^iebung  bcö  ^eld;6  in  ber  golgc 
gebraucht  würben.  2luc&  er  beruft  ftc^  barauf,  ba^  eö  in  ber 
GJewalt  ber  ^irc^e  ileje,  folct^e  5(enbcrungen  ju  machen;  öud) 


*)  Dachcrii  Spicileg.  (Ed.  prim.)  Tom.  IL  Epislola  Ermilfi  ad 
Waicheiimim.  2)a(3  e-rttulpl)  33irii)of  gerabe  ju  SKoc^efler  \mx, 
bringt  febv  ml  3uratttmenl)aug  h\  t>k{c  ®ercf)trf)te,  wenn  mon 
ftd)  erinnert,  ta^  ÜioUxt  ^uUepn  bei  eben  berfelben  StixdjC  aU 
5lrd)ibia!onuö  flanb. 


517 


ijm  i\Vi  cin^iij  barum  ^tt  t^un,  bag  bei  orbentlic&cr  Sluöt^ci* 
lung  bc^  Äeld;ö  nianct)c  Derbricglidjc  gdUe  Dorfommcn,  tro 
baö  25Iut  bc^  jpcrrn  fajl  unöcrmcibllc^  cntnjci^t  trcrbc.  gwar 
war  man  überhaupt  auc^  in  g'^önfreicö  ""^  Stalicn  WJöbr* 
fdjcinlic^  burc^  tik  SSercngariufi'fd^en  ©trcitigfeiten  öuf  raan^ 
d)crlci  Einfalle  9cbrad)t  trorben,  bem  ^Ibcnbitia^l  M  S^mn 
rcd)t  iianrei4)c  S'ftrenbc^cugmigcn  3U  cnrcifen:  2Iber  bic  ^pabjle 
i?erbotcn  fon?o&I  in  ^riüotfc^reiben  öU  in  <B\)i\cba\^d)iuifm 
öud)  nur  bic  3»^nhion,  unb  befahlen,  baß  55rob  unb  SlBein 
bcfonbcrö  gcnoflfcn  werben  foU  (D).  2In  bcn  Slu^rceg,  bem 
Sapcn  lieber  bcn  ^elc^  gan^  ^inttjeg  3u  nehmen,  fc^eint  {ier 
noc^  Oltemanb  gcbacl)t  ^u  ^aben. 

©elbjr  in  (Jnglanb,  ^u  einer  fo  geiDoI^nlic&cn  ©ac^e  öuc^ 
(Jrnulpb  ^it  3ntin!tion  macl)t,  muß  fte  nun  hod)  fo  eben 
faum  crü  entflanben  fevn,  S^enn  nur  je^n  ^a^vz,  c^ß  ^r^ 
nul^^^  fcferieb,  ircig  ber  er^bifc{)of  t?on  ^anterburtj,  5lnfelm, 
Mocft  gar  nid;t^  bon  «iner  folc^en  Sßeife,  noc^  Diel  vreniger 
fennt  er  ben  f(^5nen  Einfall,  überhaupt  \icn  ©ebrauc^  M 
^elö^ß  nur  öuf  hk  (?)eifilid)feit  cin^ufc^ran!en  (E). 

5Bic  fic^  bod}  oft  bic  n?id}ti9Jtc  <Bad)t  innerhalb  brcigig 
Saferen  änbcrn  !ann!  25ie  3D^cnfd}en  fommen  gleic^fam  wk 
S^rdumenbc  ba^u ;  crjl  nac^bem  hu  ^crdnberung  fd)on  eine 
geraume  geit  gefc^eben  ift,  fd)iagen  jte  bic  Ölugen  auf,  unb 
tt?ugten  ind)t,  vok  ibnen  gefd)ab.  3«  ben  erRen  je^n  S^^ren 
M  gtrblften  3^brN»bert^  ift  eö  in  (Jnglanb  noc6  allgemeine 
@ctt?obubett,  bä  bem  5ffentltd;en  ©cbrauc^  beö  2Ibenbma|il^ 
ÖÖcin  unbSSrob  befonber^  ^ugeniegen;  im  ^weitenDecennium 
iff  fc^on  3"tin!tion  febr  gen?obnlict),  unb  weil  man  mt  biefer 
nid)t  aufrieben  ift,  ta  fie  bem  gefud)ten  (Jnb^wecP  nic^t  ent^ 
fpric^t,  fo  t)erfdüt  man  im  britten  Sabr^ebnb  auf  hk  ©e^ 
wo^nbcit,  auc^  ha  bem  üifentlid)en  ©ebrauc^  hei  2ibenb= 
mabl^  bem  ?ai)en  ben  ^clc&  ^u  cnt^iejen. 


518 


aBaö  c5  iüd)t  (lud)  anUra^t,  wie  eine  getriffc  9}?einung 
in  ber  Sißclt  eingefuf)it  rcirb!  ^ancl}cr  Sifdjof  bce  ctifrcn 
3a5vf)uut)crrö  ()attc  t)idleicl;t  t)or()er  aud)  bcii  e-tiifaU  ^abcu 
f5nnen,  ber  SScforgnig  einer  mannigfaltigen  (i'ntnjeiljung  bcö 
S5Intö  be^  J?errn  auf  biefe  2frt  auö^mreidjen,  21bcr  fein  (5in* 
fall,  trenn  er  aud)  bamalö  alleß  ju  enrartenbe  G3Iucf  gehabt 
Jdtte,  rrdrc  ^ud)jlcnö  t)on  feiner  Dioccfe,  ober  etira  aud)  auö 
92ad;a&mung  t?on  ein  ^aar  benad;barten  2)i5cefen,  unb  \va\)x* 
fc^einlic^  nur  auf  eine  geitlang  angenommen  trorben,  bi^  d* 
ttcr  feiner  D'lad^fülger  wieber  aü\'^  D^eue  eine  «öerdnbernng  ge* 
mad)t  ^dtte. 

Da  nun  biefer  ^'infaü  in  ber  crjlen  ^?dlfte  be^  ^n^blften 
3af}rf)unbcrrö  fam,  fo  ^attc  er  me^r  gu  fagen.  Der  gulauf 
jlubirenber  3u"9^i«*5^r  voddjcn  ctvoa  t)or^er  berühmte  ^lofter? 
unb  (5tift6fd)iilcn  Ratten,  lieg  fid)  mit  ber  Stenge  nid;t  Der? 
0leicl)cn,  nH'Id}e  nun  aul  ben  t)erfd;ieben)Ten  ©egenben  unb 
Sdnbern  nad)  ^avi6  unb  Cvforb  ^ufammenftromte.  (J'ine 
neue  iDJcinung ,  an  einem  folc^ien  Ort,  t)or  einem  fo  folgfa^ 
men  ^publifum,  al^  bier  ^u  enrarten  voav ,  borgetragen,  unb 
Don  bem  5lnfel;en  eineö  beru^mren  Se^rerö  unterftu^t,  muffte 
eben  fo  fd}nell  als  unbermerft  in  bie  allgemeinfte  (Sirculation 
fommen.  Stöbert  ^uilei;u  ^attc  ^u  £)rforb  unb  ^u  ^ari^, 
tt)al;rfd)einlic^  über  feine  eigenen  ^enten^en,  gelefen;  fonnte  er 
in  einer  ern?ünfd)teru  Sage  fetjn,  um  allen  moglid)en  Einfluß 
öuf  fein  geitafter  ^u  iahen  ?  (Sein  2lnfe^cn  ^u  ^^ari^  irar  fo 
groß,  t>a^  felb|l  ber  Jeillge  S3ernbarb  nad;  ^nglanb  fc^rieb, 
man  mhd)U  il)i\  bocl)  nic^t  ^urucfrufen.  Uiib  bod)  —  wie 
ficö  oft  noc^  fo  entfd)eibenb  fdjeinenbe  Umflanbe  in  ber  SBelt 
gegen  einanber  aufbeben  —  iveil  ^ijllei;nö  (Sentenzen,  (iver 
u\Mp  warum?)  nicfet  ()errfd)enbeö  (^om^x-nMum  ber  Dogma» 
ti!  würben,  wiil  unmittelbar  auf  i^n  ein  '^aun  folgte,  beffen 
25ud;  gleidjeu  Ziuli  in  ^ur^em  fajl  einzige«  ^^uc^  aller  Jltieo* 


519 


logen  war,  unb  in  bicfcm  Fein  Söort  t>on  ber  neuen  9}?einung 
fianb,  fü  9cl)t  eö  mit  üfuebrcitung  berfelbcn  ttel  langfcimer, 
üI5  man  eni^artcn  folltc.  Jn^flr  iDar  fie  felbf!  öuc^  hü  ^uU 
lepn  mel;r  nur  aU  guter  9tat{>,  bcnn  alö  Zi)c{i^  tjorgetragen, 
ober  ben  @d)ritt  t?om  guten  9^iat^  biö  jum  verpflichtete« 
©laubenöartifcl  nahmen  tk  S^^eologen  bicfe^  Jeitalterö  fonfl 
nicbt  fo  fibnjer,  e^  mug  alfo  in  ben  augern  Um(!dnben  feine 
gute  Urfact)e  gef;abt  Jaben,  njarum  eö  biegmal  fo  langfam 
gieng. 

§.     5. 

^c^r  ^auftg  fie^t  man  bie  Sateranifd)c  ©ijnobe  vorn 
3ar;r  1215,  bie  jid)  fonfl  in  ber  ©efcl;icl)te  ber  !^!e^re  i?om 
2Ibenbmaf}I  fo  auö5eid)nenb  &ert)orr^at,  auc^  bier  aU  eine 
neue  ^v^odjc  an.  3d)  ^vonfic  ob  mit  ©runb,  benn  man  fann 
t)k  S5robt>ern?anbIung  glauben,  o^ne  nod;  on  ^pinn^egna^me 
M  ^dd)^  5u  benfen;  foqar  Se^re  t)on  ber  (^oncomitanj 
iüar  lange  ^dt  tjollfornmen  ^crvfcbenb,  o^ne  ha^  man  e^  al^ 
eine  nor^ivcnbigc  golge  bicfer  ?D?einung  angefe^en  f)am,  bem 
Sa^en  ben  ^eld)  ^u  ent^ie^en.  Ucberjaupt  Jat  voo^l  biefc 
©j)nobc  auf  i^r  eigene^  ^dtaltcv  ben  unmittelbar  fct>neücn 
unb  großen  Hinflug  nid)t  gehabt,  ben  man  bfterö  Dermut^et. 
Snnoceuij  batte  bk  gan^e  ©^nobe  viel  ^u  fe&r  beinahe  ^u  fei^ 
nem  ^ojTenfpiel  gemact)t  '"0/  t)ag  i^r  2Ingeben!en  in  t^tti  Jei? 
ten,  wo  alUi  nod)  in  lebhafter  Erinnerung  ivar,  unmöglich 
öugenefjm  fei;n  fonnte,  unb  ircnn  anberö  hk  t^eologifdje  ga«» 
fultat  SU  q)ariö  t^re  Dogmati!  rccbt  üerllunb,  fo  glaubte 
man  noc^  ein  gan^eö  S^ferjunbert  i\aä)  biefer  (Sijnobe,  tci^ 
Sejre  Don  ber  25robber\vanblung,   nad;  bem  ©inne,   tok  fte 


•^)  Mauligeus  Paris  ad  a.  lÄlo. 


20 


nun  bk  rümifct)e  iltrd)c  nimmt,  in  bcm  bdanntcn  Nation 
tcv  £atctanifd)cn  ®i;nobc  nodS)  gar  nic^t  entfd)icben  fci;.  Un* 
gefa&r  um  ba§  3af)r  1304  jlcUtc  ein  Dominüaner  Sodann 
ju  ^ariö  bk  ^pppotlKfc  ^uf,  ^:örob  unb  2öciu  fonnc  üiellcicl)t 
im  2lbcnbmaf}l  eben  fo  mit  bem  Scib  unb  S5lut  (^^rifii  t)cr^ 
einigt  fei;n,  wk  bk  göttliche  9latur  uuferö  ^rloferö  mit  bcr 
tticnfd)Iic^en.  ^r  t>cx{id)cxt  babei,  feine  9}?einung  foglecd)  öuf» 
jugeben,  fobalb  man  i^m  bcirctfen  fonne,  ba^  burcfe  irgenb 
ein  ^ircl)engefe^,  c§  Kp  6i)»'^^^If*^ii6  o^^J^  pdbrtlicl)C  ^on* 
(titution,  bic  bamalö  Jerrfc()cnbere  S[)?einung  bei*  Zxan^^übf 
ilantiatiott  befo^fen  fet)»  Die  ©ac^c  fam  ^u  ^axU  t)or  ba^ 
Kollegium  magistrorum  Theologiae,  unb  biefcö  gab  bem 
Dominifaner  red;t,  erüdrfc  benjenigen  für  wiat^ematifirt,  bcr 
behaupte,  eö  fci;  ©laubcn^artifcl,  entn?eber  3!ranöfub(!antia^ 
tion  an^une^men,  ober  fic&  ^u  obiger  ^ppot^efe  ber  ^Iflfunu 
tion  ^u  befennen.  Sodann  war  fo  getroften  59?utN/  unb 
Jieft  ftd)  feiner  ^adoc  fo  Derfid)ert,  ba^  er  fogar  tiad)  fRcm 
oppetlirte,  aU  i^m  S5ifc^of  ^tl^elm  t)on  ^ariö  wegen  ^?etc* 
roborie  baö  Se^ramt  unterfagen  trollte  *). 

©0  gar  nid)t  a(fo  ^ielt  man  felbjl  aud)  nur  baöjenige  für 
cntfcfeteben  buvc^  bie  Söteranifd)e  ©i)nobc,  voa§  von  gewöhn* 
lid)  eigentlld)  aU  i^x  3Berf  anfeilen.  9^od)  weniger  gewi0 
if!   ijr  Hinflug   öuf  bk  ©c^icffale   bcö  Md)^  "*')•    ^Benu 


*)  2)te  %Hcn  blefer  (Btvcitl^hit   finben  \id)  in  d'Argeutrö  Col- 

lectione  judicionim  de  novis  erroribus  T.  I.  pag.  264.  23crgl. 
Histoire  de  rEucharistie.  Amsterd.  1669.  pag.  579.  etc. 
**)  3nnocenx  iii.  felbft  jetgt  red)t  genau,  wie  man  bie  £ef)re  t>on 
ber  $lran^fub|lanttatton  unb  ^oncontifani  nic^t  bat){a  beuten 
fo((,  ba^  e^  überflütTig  fei),  hcibc  ©cilaltca  5U  genicjjen.  Dte 
mysteriis  sacri  aliaris  L.  IV.  cap.  21.  unb  e^  fiin&en  ftdv  tt)ie 
fc{)on  ©avpt  (®efd).  ber  3:rientfchen  6i)n.  vi.  35.  §•  104)  be« 
ttterft  t)at,  in  feineu  eii^enen  €iln*iften  ©puren,  M  5u  feiner 
Seit  bk  SBeiber  bei  bem  ^Kbenbma^l  bcn  ^eld)  empfiengen. 


321 


um  bicfc  $c\t  eine  gcmiffc  fc^olaflifc^c  ^i;potJefc  ober  eine  ge? 
wlfle  (5)ett)o6n6eit  cinjeliier  ^ircl)cn  sur  öUgemeiiien  £)vt()o* 
borie  unb  ^um  oHgemeinen  Oiitual  werben  follte,  fo  gieng  e^ 
nld)t  mc^r  burd;  ei;nobölfcl}lujTc,  tok  im  fünften  unb  fcc^^^ 
ten  Sa^r&unbert.  SBir  i)ahm  faum  oben  gcfe^en,  n?er  bieje^f 
nigen  ftnb,  beren  ©timmc  je^t  bebeutcnbcr  geworben  ij!,  als 
baö  Urt^eil  ber  23ifdjüfe. 

Die  @ac^c  i|!  noc&  einer  forgfditigern  SBctröc&tung  mxt^, 
um  ben  SBeg,  öuf  weldjem  fid)  ber  fcl)5ne  Ginfall  ber  engli^ 
fc(?en  ^Jeologen  tt?eiter  fortpflanjte,  bcfto  gewiflfer  ^u  treffen. 

§.    6. 

Gnglanb  unb  gröufreicJj,  Sranfrcic()  unb  Sralien  waren 
in  allju  genauen  poIitifd)en  unb  firc^Iid;fn  ^erbinbungen  un^ 
tcr  einanber,  bag  nid;t  9}?elnungen  unb  ©ewo^n^eiten,  weld)e 
bic  cnglifc^e  ^irc^c  3uer(l  in  Uebung  bracbte,  fßgleic^  auc& 
nacö  ^ariö  getragen  unb  bort  befannt  worbcn  waren.  Unb 
vok  o6nc  25cbenfen  niugren  fte  nid;t  angenommen  werben, 
wenn  o^iicbieg  in  ber  ganzen  ©cfinnung  M  Jcitalterö  öllc^ 
fo  torbereitet  war,   ta^  nur  einer  fehlte,  ber  einmal  önfi'cng. 

Die  dugere  -Bcre^rung  beö  ©aframentö  Jatte  burcf? 
mand)e  neu  aufgefommene  (Zeremonien  nun  bic  ^5d)j!e  ©tufc 
crreld)t.  X)k  ©orgfalt,  t^a^  fein  tropfen  beö  geheiligten 
SQSein^  t)crIoren  ge^e,  fonnte  alfo  nid)t  ßod)  genug  getrieben 
werben;  ^inbern  würbe  nun  erfl  feit  ber  Wim  beö  zwölften 
3a6rf)unbert5  bae  5ibenbma()l  gar  nid)t  me&r  gog.cbcn'');  f<^lbi! 
bem  ^rlcficr  wugte  man  nid)t  SRcgcln  genug  öor^ufc^reiben, 
mit  weld;er  ^orftd[)t  er  ba^S  Saframent  be^anbeln  foUe.  ^enn 
er  in  einem  2^ag  ^wci  ^O^cffen  la^,   fo   feilte  er  nicfct   beibe^ 


• )  eine  QSeränberung,  u)elcf)e  eben  fo  gvojj  iil,  aU  ^k  &tKfül)run9 

ber  (Kommunion  unter  einer  ©eflalt. 
©pittler^  fänuutl.  2ßerfe  VIll.  S8b.  21 


322 


mal  ten  ^elcf)  trinfen.  5Slc  U^U  er  jic^  nic&t  ju  Juten, 
trtg  iiic&t^  a»  bcr  «f^nnb,  nicfct^  dm  9}?unb  l^angen  blieb! 

©0  (lieg  öuf  bei*  einen  ©citc  ^erejrung  bc6  (^aUanmitß, 
öuf  ber  önbern  ©elte  ^eigt  f{cl;^tt)cntg(Icn6  uiitei*  bem  SQolt 
eine  groge  ©leidjgultigfeit  gegen  ben  ©enug  beffelbcn.  X)U 
€oncilienfd}Iu|Te  founen  um  biefe  gelt  bie  ^rma^nung'  nidjt 
oft  genug  lüiebcrfiolen,  bog  boc^  jcber  njenigjlenö  breimal  beö 
3af)r^  ba^  ^{benbmajl  gentegen  foUc.  2In  manchen  ^rtcn 
war  man  froj,  tt>enn  man  eö  nur  einmal  bajin  brachte.  Wi» 
berfprud)  n^ar  alfo  nicl)t  fcftr  ^u  beforgen,  trenn  man  eö  Jie 
unb  ba  wagte,  53erauberungen  einzuführen.  ?3crdnberungen, 
beren  ©runb  eine  recbt  Jod}gefpanntc  SReliglofitdt  ijl,  wenn 
fte  anber^  nic^t  fe^r  Idjiig  fi'nb,  laßt  (td)  o^uebieß  baS  53olf 
fejr  gerne  gefallen,  unb  tt?ar  aud;  burcfe  t^k  2lrt,  wie  gewo^n^ 
lid)  Traufe  communictrt  würben,  fcfcon  einige  geit  Jer  bar* 
auf  vorbereitet. 

97iemanb  mugte  mUid)  biefe  53crdnberung  erwünfc^ter 
ergreifen  unb  frdftlger  bkforbern,  aU  bie  (Scl)oIaftiFer.  Diefc 
fonnten  fid;  gewo&nlid)  nicbt  Reifen,  wenn  bie  grage  t>orfam, 
warum  im  5Ibcnbma6l  25rob  unb  5öcin  empfangen  werben 
mußten,  ba  bod)  unter  jebem  bicfer  beiben  ber  gan^e  (5&ri(lu5 
enthalten  fet).  ©ie  warfen  (td)  in  ben  t)erfd)ieben(ten  i'pi;po* 
tiefen  Jcrum,  unb  füllten  boc^  ^u  fc^r  ha^  un^uldnglidjc 
bcrfelbcn,  baß  ifjucn  nid)t  bcr  SKci^  unwibcrfte^Iid)  ^ditc  feyn 
follen,  bk  dinfc^ung  (SJrifti  üwaß  pa(fcnber  auf  t§re  2?og? 
mati!  ^u  mad)en.  9iod)  fam  Jin^u,  ba^  fid;  ber  ^leruö 
burd)  bie  entfd;eibeub(len  6iegc  iix  ber  3"^c|^iturfactc  üon 
bem  (Idrfjlen  55anbc  ber  ©uborbination  faum  Dörfer  lo^ge^ 
ri(fen  {latte.  3c^t  füllte  er  (td)  eine  betrdc(?tlic^c  ©tufc  über 
ben  2aj;en  er^Mjt,  unb  fo  flug  war  man  wo^l,  wenn  man 
bem  2ai)en  ctwa^  ent^ieljcn  wollte,  nicbt  bei  ben  ©roßcn  an* 
iufangen,  fonbern  er(l  tüß  2Jolt  baran  ^u  gewonnen,  baö  fid) 


325 


mit  forglofer  Unfd)uW)  bcm  ©utbönfcn  feinet  ^rlcfler^  öber^ 
Heg.  yiid^t  einmal  bei  großen  ©tabtgcmeincn  fieng  mau  öiu 
2luc()  bicfcr  if)v  ^amn  ober  igcbrete«  Jdtte  ju  fruj  ollgc* 
meine  5lufmcrFfam!cit  wccfcn  fonnen.  5(m  ftdKiftcn  fc^ie« 
e^  bei  f (einem  Sanbgemcinen,  ober  hd  ben  f leinern  ^ird;eit 
unb  Kapellen  in  ben  (Stdbten  anzufangen,  wo  fid)  auc^  fc^icP«» 
lieberer  53ornjanb  fanb,  bie  Üleuerung  einzufahren.  Dem  ^rie* 
(ler  bei  folc^eu  5)orfgemcinen,  njcil  bocfc  ^ein  Sanfranc  unb 
Ölnf^elm  Dorfparocvuö  würbe,  traute  man  felbjl  nid;t  fo  Diel 
2(ufmerffam!eit  ^u,  baß  xnd)t  hd  bem  ®enug  bc^  J^iligen 
SBeinö  bisweilen  ein  geiler  Dorgejen  feilte.  Die  I^orfgc" 
meine  würbe  gerabebin  für  rober  unb  ungcfttteter  ober  für 
beibnifd)  abergldubifd;er  angenommen,  baß  abftcbtlic^er  ober 
uad)ldßiger  Wi^hxand)  beö  Md)^  beforglict)er  z«  fci)n  fc^)ien» 
2öabrfc^einlid;  würbe  bit  (Jut^iebung  beö  ^elc&6  hd  ben 
großen  feierlid)en  Kommunionen  aud)  t>icl  fpdter  gew5bnlicl[). 
©cfeon  ba  bic  neue  ©cwobnbeit  fa(!  allgemein  geworben  s« 
feijn  fd)ien,  blieb  bod)  an  Dielen  £)rten  ber  QJebraud)  bc^  ge= 
fegneten  SBein^  hd  ber  großen  IDffercommunion.  SQ3a5  fann 
man  nid)t  bem  9}oIfe  nehmen,  wenn  mau  e^  i^m  nur  nac& 
unb  nad)  nimmt! 

^ad)  biefcn  epod)en  fcbetnt  fid)  bie  neue  ©ewobnjeit 
ber  ^-nt^iebung  be^  ^elcb^  nad)  unb  md)  in  granfreid)  unb 
Stalien  ausgebreitet  ^u  baben.  Unb  wir  armelJeutfc^e!  SBo 
tft  benn  ber  gaU  in  ber  ganzen  ©efd)icl)te,  ba^  wir  unö 
nid)t  burcö  bai  $8eifpiel  ber  ^ngldnber,  gran^ofcn  unb  ^ta^ 
liener  bdtten  leiten  laßen  ?  3n  ber  ^eriobe,  wo  bie  ent^iebung 
beö  Äeld)^  öuffam,  bitten  wir  obnebieß  fogar  nicbt  einmal 
eine  eigene  UniDerfttdt,  alfo  x\id)t  einmal  ba^,  wa^  bod)  bat 
maU  ungefdbr  nod)  ber  er(!e  <^d)xitt  zu  einiger  litterarifcben 
©elbjiftdnbigfeit  gcwefen  wdre.  ©aren  aber  auc^  noc^  Jie 
unb  ba  hd  ^Ibpern  unb .  @tiftsfc()ulen  berubmte  Scanner, 

21  * 


.24 


\Kvci\  93cn[junberung  unb  ^"^^"f  einigen  (Schotten  bon  Uni# 
Dcrfitdt  ^crt>orbrad)te,  fo  iattcn  bocl)  getrig  bicfc  fclbfl  ^u 
^ariö  ober  auf  italienifcten  Unlöcrfüatcn  gelernt  ober  gelcfen, 
unb  i^r  ganzer  ^ortrög  wav  fe^r  oft  ntc^tö  njeiter,  aU  SlBie? 
ber&all  beffen,  ttaä  ftc  bort  gefrort  Ratten,  Da  mv  aud)  cnb? 
Ilc^  eigene  Unioerfitatcn  be!amen,  fo  lüar  bk  Uniöerfttdt  ^axU 
bai  einzige  ?OZu|!er,  m6)  welcher  alle  eingerichtet  truvben. 
53on  ber  q)ragifct)en  i(!  eö  Idngjl  befannt,  unb  hü  bem  langen 
5Iufcnt5alt  ^axU  lY.  am  fran^ofifd)en  ^ofe  gar  nidjt  uner^ 
wartet;  aber  auc&  ber  fajl  gleid)  alten  ^eibelberger  UniDerft^ 
tat  würbe  el  gerabefeln  in  bic  ©tiftung^urfunbe  gefetzt,  bag 
fic  (icO  ganj  nac^  ber  ^ariftfc^en  richten  follte.  Einrichtung 
unb  ©cfc{;ict?te  ber  britten  beutfc^en  Uniöerfttdt ,  mldn  1565 
3u  ^im  errichtet  würbe,  t>crrdt6  bollig  ein  ©fcicf)eö. 

3n  bu{m  S^tm  war  e^  noc^  nic^t  einmal  wie  in  bcn 
fpdtern,  baß  bu  SlBa^r^cit  ofterö  burcö  Unit?erjitdten  2Inttpa^ 
tjie  unb  €ifcrfuci)t  gewann,  ba^  ba^  ^ublifum  immer  auf* 
merffam  fr^alten  würbe,  nic^t  ^u  fcf)r  SlBittcnberg  unb  g}^e* 
lancbr^onen  ju  folgen,  mil  3ena  gar  gu  laut  wiberfprac^. 
^ariö  unb  Drforb,  gleic&fam  bk  ^Umt  aller  iibrigen,  ge- 
noflfen  üon  allen  übrigen  finblid;en  Sf^efpecr,  Xik  wic^tigften 
Sc^rer  ber  beutfel)en  Unioerfttdten  waren  bod)  md)t  auf  beut# 
fc^en  Uniüerfitdten,  fonbern  ^u  $ari3  unb  ^rforb  gebilbet 
worben. 

25od)  —  id)  fcjlc,  wenn  id)  bie  (^onclufton  bor  bcn 
^rdmiflfen  fage:  nur  i(!  cö  ein  geiler  me^r  ^um  ^ad)ticil 
bc6  ©djriftfiellcr^,  al^  ber  (5ad;e  unb  bcö  Sefcr^,  weld;em  ba? 
burd)  nur  t>or^cr  bie  5(ugenmerfc  auögc3cid;net  werben,  auf 
wclcl)c  allcö  anfommt, 

§.    7. 
^oc^  in  bem  ganzen  brciscjuten  S^^rJ'Utt^^^tt  erfcfeeint  im^ 


325 


mergln  jtc^tbarer  Untcrfdjicb  s^ifcfecn   t)er   cnglifc^cn  Äircfcß 
m\^  tm  ^ircften  ber  übrigen  9^cid;e. 

Sllcranber  Don  S)aU^  (er  blühte  In  (Jnglanb  um  baö 
Sajr  1236)  gicbt  eö  fc^on  föjl  für  flllgcmeiuc  ®e\roJn()cit 
auö,  bag  fein  Sai;e  bcn  Äcld)  im  2lbcnbmö()l  gcuiegc  (F). 
ööenn  e^  ober  aud)  xvai)x  ivdre,  bog  bicfe  ©eiro^n^cit  fd}on 
bamalö  fo  ausgebreitet  gejierrfdjt  ^aU,  fo  gefd)a^  eS  boc^, 
tt)ic  au^  eben  biefen  ©cferiftjlellern  erhellt,  gar  nid)t  ojnc 
®iber|"prud;.  9]ur  ?a^en  jtnb'S  tud;t,  welche  ffc|);w>iberfe^ten» 
S!}?it  ber  ©leid;gültig!eir,  womit  jTc  jtc^  bie  S5ibd  nehmen 
liegen,  fa^en  fte  auc^  ber  ßnt3ie^ung  be^  ^eld)ö  ju.  Slber 
Wond)c  \Debrten  fid},  unb  —  njaS  oft  im  mittlem  Zeitalter 
ben  bcgmattfd;cn  knoten  auflofen  muß  —  ein  fOJirafel  be^^ 
fd)dmt  fte  *0-  25oc^  überfjaupt  wcit  biefe  (Jnt^tebung  be^ 
^elct)ö  wa&rfd^einlicfr  blog  im  (Sirfcl  berjenigen  ^irc^en  allgc^ 
mein,  welche  5IIcranber  gerabe  Dor  Qiugcn  J)am.  25enn  felbj! 
hu  Dogmati!  ber  6d;Dla|iifer  ^attc  nod;  lange  nid)t  tk  (tit* 
fd)elbenben  ©dl^e,  a^eld}e  bod)  t)or§er  in  ben  5?5rfdlen  tetQC^ 
tragen  iterben  mußten,  c^e  eine  fold)e  ©eit»o§n^eit  ^ur  allgc* 
meinen  Uebuug  «werben  fonnte.  2Ileranber  gefleht,  ha^  bcrje^ 
nige  ha^  ©a!rament  nid)t  DoUfidnbig  geniege,  ber  eö  nid)t 
unter  beibcn  ©cfraltcn  geniege,  bag  er  bcö  bo^en  üO^aageö  ber 
©nabe  nid)t  t()ei(böftig  \\>c\t)C,  bag  er  foId)c  5[Bir!ung  \üd)t 
erfahren  fonnc,  alö  bzi  bcm  vereinigten  ©enujTe  M  23rob^ 
unb  bcS  SBeinö*    ^o  l)ahm  t>k  ^ogmatifer  nid;t  me^r  ge^? 


*)  In  IV.  seuteiit.  qii.  53.  inembr.  I.  ha  ettt  pMt  tO?Ön(f)e  brt^ 
5ll)cn^maI)t  unter  Mben  ©ejlalten  gar  gu  breifl  forbcrn,  fo  ge^ 
fd)id)t%  ba\i,  \m  einmal  ber  ^riefrer  bie  Jpoilie  jerfericbt,  bie 
^atene  voll  23lut  t|l.  konnte  man  mebrern  fSmcU  Derlangen, 
ba{i,  mv  bie  .<po|lte  aud)  atlein  geniejje,  boc^  immer  jugleic^ 
M  23lut  M  S^mti  empfange? 


526 

.fproc{)cn,  bö  ble  neue  e'inrtd)tung  f^cn  öllgcmein  war.  Xitx 
2:011  ijl  Jier  noc^  ^u  fc|)uc^tern,  unb  bie  ©runbe  für  bcn  ©c* 
MUß  bciDcr  ©eftaltcn  füib  felb)l  bem  ©a;oIapi!cr  noc^  gör  ^u 
aujfalleub  beutitct). 

^ßugnifTc  ber  3citflenofl*cn  cntfc&cibcn  cnblic^  toUhrnrnm, 
tag  biefe  ©etro^njeit  bamal^  nocfe  nic^t  Jerrfc^enb  aar. 

§.    8. 

©clbf!  im  53atcrlanbc  2llcrönberö,  ölfo  ta,  wo  bie  9}iobc 
aucrjl  auffam,  ivar  jtc  boc^  bamal^  nur  noct)  ^artifulörmobe, 
unb"  fo  fc^r  nur  ^artihilarmobe,  ba^  i^r  fclbji  in  ojfcnriicfecii 
^ircOcngefß^en  triberfproc^en  n^irb.  3m  3abr  JL220  ermahnt 
eine  (S^t)nobe  5U  ^urjam  bie  ^riejlcr  (G),  ben  ?öt)en  boc^ 
njo&l  ju  unterrichten,  bag  ba^,  ira^  er  im  2Ibcnbmabl  trinfc, 
S5Iut  beö  ^errn  fet).  gran^  ton  ^gifi  in  einem  öUgemeinen 
pardnetifc^en  (Sirculorfc^reiben  an  SOJonc^e,  ©eiftlidje  unb 
Satjen,  fpricftt  nicßt  nur  i^om  unn?ürbigcn  ^flfcn,  fonbern  öuc& 
Dom  unnjürbigen  Xrinfen  ")•  ©ein  gcugniß,  bnö  t>on  t>ie* 
len  ©kic^^eitigcn  unter(!ugt  ttirb,  bcrceiöt  fiir3talicn,  unb  i(! 
Jier  um  fo  tt)id)tigcr,  wenn  mein  |ic()  erinnert,  bag  ber  erjt 
öngefüjrte  2l(erönber  Don  S^ak^  ein  gianciöfaner  war.  ^^ 
mug  bamal^  wa^rfc^einlic^  nod)  nid;t  ^ur  granci6fancr*2:5eo^ 
logie  0e^5rt  Jaben,  ftc&  für  ober  wibcr  (Kommunion  unter 
einer  ©eftalt  ju  erfidren. 

Sllbert  ber  ©roge,  ein  geborner  I5eutfc&er,  unb  ber  ^m 
grbgten  Z\)ü{  feinet  gebend  fa(^  eiuitg  al^  q)rofepr  ber 
^^eologie  in  (5bln  ^ubrad^te,  fcnnt  ble  neue  ©cwobnbcit  noc^ 
gar  nicftt.  d^  evfjeUt  biefc6  n{d)t  öllein  auö  benjcnicicn  ©fei* 
Icn,  wo  er  mit  fo  öieler  ©icrigfcit  nad;  allen  mo9lid;>cn  S^x)^ 


*)  Waddbi«^  aimales  Miuorif.  Tom.  I. 


327 


^^otjefen  greift,  um  bcn  bogniötifctcn  5IÖ{berfprud)  3«  fcben, 
l)a0  ^^rij^uö  iwav  fotro^l  unter  bcm  $örob,  aU  unter  bem 
SBein  gan3  entf;alten  fcp,  bog  ober  boc^  beibe^  geno(fen  ti?er^ 
ben  muffe;  fonbern  menn  er  fic^  enbltc^  ble  gragc  öufgibt, 
ob  berjcnige  eine  ©unbe  ^um  Xob  begebe ,  bcr  ta^  2Ibenb* 
majl  önberö  jiafte,  aH  eö  t>on  €()ri(Io  cingefe^^t  fe^,  fo  citirt 
er  bei  biefcu  anbern  fehlerhaften  SIrten  t)or3ugIicö  auc^  bic 
befannte  ©teile  be6  ©elaftuö,  fet^t  fein  SlBort  jiin^u,  bog  tit 
irgenb  einer  ^ircfcc  eine  foId[)e  ©en^ojnbeit  öngenommen  fe^  "). 
Unb  Jim  gefd)n:>iegen  ^ättc  er  gewiß  nidjt,  njenn  i^m  ettra^ 
be!annt  gcn)efen  wavi.  ^enn  ma6  Jattc  nic^t  ein  (Scftolöili^ 
fer  bafur  gegeben,  einen  neuen  Casum  ^u  ttjiflfen,  unb  «lieber 
ein  jpalbbu^cnb  2Inttt>orten  öuf  ein  tjorgclegte^  SKdtJfel  geben 
V  f&uuf"-  ©c{)reibr  boc()  Gilbert  baruber  ein  paar  SSIdtter 
\>o\U  «)ie  i?iel  SLBaffer,  unb  rtctß  für  5*3affer,  unb  trarum 
SBaflTer  bem  2(benbma5Injetn  ^ugcgoflfen  rrerben  muffe;  tjut 
er  bocl;  ^ier  ber  ©etuo^nbeit  ber  t)erfd)iebenen  $C^onc^6orben 
SJielbung,  meld;e  gar  fein  5öaffcr  sugogcn.  Unb  ton  ber 
tvMdjtigcn,  borber  erff  nocfe  ^u  bcantn?ortenbcn  Srage,  ob  über;? 
baupt  uid)t  ^rob  allein  genug  fci;,  foUtc  er  gan^  gefd)tt)iegen 
baben?  T)od)  —  tt>a^  hr(iud)t  eö  erj!  Diel  örgumcntiren  öuö 
bem  ganzen  3"f<5iumenbang.  2)tc  ©teilen  finb  beutlid)"*): 
„Sie  ^5rtftt  ^hit  för^aüe  tjergoffcn  mürbe,  fo  mirb*a  aucö 
im  Slbenbmabl  allen  ^u  trinfcn  eingefcl)enf't."  €'r  ffebt  eö 
iiDd)  alö  au0brucflid)c^  ©ebot  (S^rijli  an,  $Srob  unb  ^c'm 
im  5Ibenbmabl  ^u  gcniegen,  er  fennt  noc^  gan^  gmingenbe 
llrfad?en,  marum  gerabc  biefe  beiben  ha  biefcm  ©öfröment 
fci)n  mußten* 


^)  Opp.  Tom.  XYL  pag.  207, 
■'•'0  Alberli  Op.  Tom.  cit. 


\ 


528 


fHIbcrt  muß  nlcfet«  t>on  bcr  ©cnjo&njicit  gewußt  Jabcn, 
bie  Söpcn  bloß  mit  ^^rob  ^u  communicircii,  ölfo  trcniöfrcnö 
in  feinen  ©egcnbcn  Dcutfc^lanb^,  unb  fo  weit  feine  S5cfannt< 
f(^aft  reicfete,  toav  fic  gewiß  nod)  nic^t  ^errfdjenb.  5lßic  fe^r 
(!immt  biefc^  aucö  mit  anbcrn  {lifforifc^en  9^ad)rid}ten  3ufam* 
mcn!  ^an  f)at  eine  alte  2Inwci(ung,  wie  ©eiftlidjc  niit^ran^ 
fen  umgeben  foKcn,  hk  ungefähr  in  eben  biefe  gciten  fallt, 
unb  jur  (£a(3burgifd;en  ^irc&e  geborte  ^0;  Ji^r  ¥^i^  ^^  "«^cb 
ganj  beutlid):  „2)er  ^rieffer  communicirc  bcn  ^ran!en  mit 
bem  Scib  unb  25Iut  beö  ^crrn."  ©enn  cö  fiibft  nod)  bei 
^ranfencommunion  gcwofjnlid)  war,  bcibe  ©ejralren  ju  rci* 
c^en,  fo  iat  gewiß,  wenigffcnö  in  bicfen  Sdnbcrn,  bie  S'nt^ie^ 
6ung  M  ^dö^i  faji  nod)  i\\d)t  einmal  ben  erften  2Infang  ge* 
mad)t.  Unb  bie  gan^e  2Irt,  vok  Zf)oma^  ton  2lquino  (H) 
berfelben  gcbenft,  fcbeint  beutlic^  ^u  geigen,  haf,  fte  nod)  im^ 
mer  flud>  su  feinen  '^dtm,  alfo  fclbft  in  bcr  9}^ittc  bce  brci^ 
^e^nten  Saf^rfunbert^,  weit  noc^  nicbt  allgemeine  (5)ewoI;u5eit 
gewcfen. 

§.    9. 

S;§omaö  UU\i\>tct  5ucrft  gan^  nad)bvucclid;,  ta^  man 
nic^t  warnen  foll,  ba^  -2lbenbmabl  fci;  unnotbigcr  3Bcife  un? 
ter  zweierlei  ©cpalten  cingcfcl^t,  weil  bod^  unter  jeber  einzeln 
genommen  Mb  unb  ^lut  ^brifti  cntbalten  fci;.  d^  fci)  nun 
einmal  bem  ©cbraud)  unb  ber  ganzen  23cbeutuug  biefce  ^at 
frament^  gcmdß,  ta^  jebeö  befonber^,  ^rob  unb  SLÖcin,  ben 
©laubigen  gegeben  werbe;  cö  würbe  fonft  nic^t  t)ollfommcneö 
©aframent  fci)u.  2Ilöbenn  aber  fallt  er  in  einer  anbcrn 
©teile  ein:  53orfid)t,  U^  feine  ^-ntwci^ung  i?orgebe,  fci)  bcc^) 


'"")  Marlene  de  antiqtiis  Eccles.  rilibiis 


329 


immer  baö  ©ic&tigjle.  ^3  fei)  ölfo  löbliche  ^lugieit  einiger 
^irc^ßii,  bei  ber  an  2Ilter  unb  ^injtc&t  fo  ücrfcbicbencu  SD^enge 
bcr  ©Idubi^en,  ben  Söi)en  gör  feinen  ^cld)  3U  geben. 

5Scnn  blefe  ©tetlc  nur  in  einem  önbern  6d;riftftener^ 
nur  in  einer  nnbern  @d)rift  beö  doctoris  angelici  geftanbe« 
njdre,  fo  l^dtte  jte  wa^rfc^einlic^  feinen  6cl;aben  get^nn.  fKc^ 
bcrt  ^uUei;n,  in  fo  öugerorbentlic^  grogem  Ölnfe^en  er  oucö 
Xüav,  brachte  bod)  tk  neue  ©enjojnfeit  nic^t  fejr  empor; 
benn  ^ctruö  Sombarbu^  xvav  ber  gangbarere  <Sd;rift(Ie(ler, 
unb  blieb  nod;  in  ben  jjdnben  ber  jungen  ^f;eoIogen,  ha  ^uU 
U\)tt  Idngfl  trtcber  i^ergeflpen  v»ar*  2lber  nac^  ^etruö  Soms» 
haxbn^  tt?urbe  feiner  fo  t)erfommentirt  unb  t>crgIoff{rt  unb 
3um  fanonifdjen  ipanbbud)e  ber  Sl^eologic  g^mad;t  aU  Zf)Of 
ma^  (Summe.  Die  Slutorirdt  berfelben  j!ieg  fogar  nocö  Jb^ec 
aU  hk  Slutoritdt  beö  Sombörb'^,  benn  Sombarbuö  irör  fei« 
S^rbcn^mann,  hingegen  bü  Z^omaß  lag  bem  ganzen  I5omini^ 
fancrorben  baran,  ijren  X?crrn  unb  Wlcificv  immer  in  ^'^reit 
3U  erSalrcn.  Unb  ^um  Unglucf  erfldrte  M  ^(^^  SW'citc  ^xa^ 
fei  biefeö  geitaltcrö,  beflien  Sluöfprüd^e  fonfl  bem  Z^omai  fo 
oft  entgegen  tt?aren,  Jier  noc^  tiel  po|Ttit)cr  für  bie  (lommu^ 
nion  unter  einer  ©cjlalt. 

23onat)entura,  ber  ^elb  M  granciefanerorbenö,  gel&t  ba^ 
burc^  einen  merflic{)en  (Schritt  n?eiter  al^  Zi)on\aß,  U^  er 
glaubt,  t)ic  2ßirfung  tcß  «Saframcnt^  unter  einer  ©ejlalt 
fci;  gan^  eben  biefelbe,  alö  bei  bem  Genug  unter  beiben  ©e^ 
jlaltcn,  unb  fajl  rdtfr  er  gevabe^in,  man  foU  bem  Saipen  be« 
Md)  nid)t  geben,  weil  fonjl  leicht  bie  ^egerei  einreißen  fonnte, 
ta^  man  glaube,  nic()t  unter  jeber  einzelnen  ©eftalt  fei;  ber 
gan^e  ^^rifluö  enthalten.  -^'^  i(!  in  ber  Z^at  fonberbar,  unb 
es  mad)t  üon  ber  fouft  fo  belobten  djriplicpen  ^ircfte  ber  er^ 
ften  Safer^unberte  gar  feineu  guten  23egrijf ,  ta^  man  cxfi  ju 
25omaS  unb  25onat>entura  Reiten   fo  flug  geitjorben  ifl^  tk 


550 


©efö6r  cin^ufcjcn,  welche  mit  bem  öHgemcinen  ©eiiuß  UU 
t>cr  ©epalren  »erbunben  fa;.  X)k^ltm  Wtten  eö  um  fo  cjcr 
einfcjcn  foUen,  ba  bei  i^nen  bie  Sln^a^I  bcr  Sommuuifantcn 
^ctü&önlid)  fogar  biel  grogcr,  bie  Kommunionen  fogar  üiel 
Jauftger  waren,  X§oma^  t^ut  fcjr  ängftlic^,  n)ie  c5.tt?oM 
mit  bem  ^elc^  ^u  möc^en  fei;,  trenn  mön  eine  gan^e  grogc 
©emeine  ^u  fommuniciren  iahe,  e^  gebe  ja  feinen  fo  grogen 
^eld),  unb  baö  ^in^  unb  ^erfd;utten  öuö  bcr  ^anne  in  ben 
^elc&  it>drc  bei  bem  t)ernjanbeltcn  SBcin  unbefd)reiblicl)  gcfa^r* 
Ud)  gen^efen.  X^k  guten  Sllten,  tt?ic  ^öben  benn  mobl  biefe 
fid)  gcbolfcn?  SBarum  M  bocö  ber  r5mifd)e  25ifc^jof,  bsm  eö 
ja  feit  beö  ^eiligen  ^eter*ö  $dtm  öufgetrogen  i|!,  über  bem 
SBobl  ber  Äird)e  s«  ttjac^en,  fo  gar  lange  gleichgültig  ^u,  M 
bcfonberö  in  altern  ^citcu  täglich  bk  fd;recflid)fte  ^ntweibung 
ter  bciligl^^tt  ^ad)c  ^ix  befurdjten  war?  2Barum  überlaßt  e« 
bie  Sorgfalt  be^  beilige«  53aterö  bloß  bem  zufälligen  gort* 
fommen  einer  fejr  5ufdUig  aufgefommenen  ©ewobnbeit, 
ob  nodj)  fernerbin  ba6  ©aframcnt  beö  Seibcö  unb  23lut^ 
^brijli  entbciligt  werbe?  Stßarum  begunjligt  er  nic^t  einmal 
tiefe  sufdüig  oufgefommene  ©cwobnbeit?  Socfe  man  mug 
tiic^t  mit  all^u  t>iele«  gragcn  bcfc&werlic()  fallen. 

§.  10. 
9?un  jTd)  hk  swei  ^dupter  ber  bamalö  au^gcbreitetften 
IDrben  för  tik  neue  (Sewo^nbeit  er!ldrt  b^bcn,  nun  il^  e«  ge^ 
Wiß  nic^t  unerwartet,  wenn  balb  hk  t)or3Üglicl)ilen  ^ird^eii 
bev  blubenbflen  europdifd;cn  9leid?e,  wo  tk  großen  unb  flci^^ 
tien  25ruber  b^rum  terminirten,  bicfelbc  anncbmcn  muj^tcn. 
X^k  ^cttclmoncbc,  unb  befonberö  bie  granci^fancr  unb  I^orni^ 
iiifaner,  waren  üom  ^pabjtc  glcid)fam  ^u  parochis  Kcclesicx» 
universa?  gemad)t  worben ;  fte  blieben  gcwbbnlid)  nid;t  fo  gc^ 
tiau  Ui  ber  S5ibel,  wie  bei  bcn  Jeiligen  SlBorten  i{>rcö  Xboma« 


^1 


351 

«nb  S3oiiöt>cntura,  jtc  trugen  alfo  öuc^  bie  tieue  ©cwo^njeit 
in  flUc  StBelt  au«.  Unb  jcl^t  ftnbet  man  auc^  fcfeon  ^ircl)em 
gefc^e,  lüclc^e  baruber  terfagt  würben,  nnb  (getvig  nic^t  o^nc 
53ernjunberung)  al«  ba6  crjle  —  ein  Statut  eine«  (Sipercien? 
fcr  ©encralfapitel«  bom  3ajr  1261  (K). 

,,5Iu«  bem  (Seuug  be«  S3Iut6  be«  ^errn,  ba«  bcn  qjer^ 
,,fonen  uufcr«  £)rbenö  nac&  ber  ^eiligen  (Kommunion  im  Äelc^ 
„ju  trinfen  gegeben  wirb,  entfpringen  fejr  beforglicfee  2)inge^ 
unb  fonncn  noc^  ml  beforglicftere  entfpringen:  beetregen  ht» 
ejlt  ba^  ©eneralfapitcl,  bag  fein  Wlhtidi  uub  fein  Saijen^ 
vorüber  unb  feine  9lonnc  be«  £)rben«  furftig^in  ben  ^dä) 
,,me5r  geniegcn  follen.  (Jr  bleibt  öüein  ben  9)rie(Iern  be« 
,,5IItar«." 

5[ßir  glauben  jwar  nicßt,  t)a^  biefeS  ©tatut  fo  grogen 
(Hinflug  auf  bie  übrigen  Äircben  Jattc,.  al«  wenn  e«  (Statut 
beögranciefaner^  ober2)ominifanerorben«gewcfen  wdre.  S5cnn 
bk  (^iftercicnfer  burftcn  fraft  ijrer  Orben^regel  feine  ^aroc^ten 
önnejmen,  unb  cö  gab  gewig  auc^  ber  (Siflercienfer  nic^t  fo 
bielc,  aU  ber  23ettelm6iicl^e.  -—  2)er  ®eruc^  i§rer  ^?eiligfeit^ 
ber  3u  ?5ernjarb  ton  ^lairtaur  Reiten  fc  ftarf  war,  war 
^iemlid)  Derbuftet.  5lügemeine  Sluebreituug  einer  folc^en  neuen 
©ewojnjeit  war  bemnac^  ton  ijnen  biel  weniger  ^u  crwar* 
ten.  SIber  eben  biefe«  ©tatut  ^at  nac(>  terfc^icbenen  anbcrn 
9\ucffid)ten  einige  gan^  tor^uglic^e  SJJevfwurbigfciten,  welc&e 
wir  tier  uicfet  übergeben  fc>nnen» 

§.    11. 

Die  ^ircte  ^tk  tai  fRid)t,  über  ben  Md)  ^u  bifponiren. 
einzig  biefer  fd)reiben  e«  hk  @c6olöjlifer  ber  bamaligen  $cu 
ten  3u,  einzig  öuf  biefer  i^re  entfc&eibung  berief  man  fi^  S« 
ben  ^dm\  ber  ^ofttti^er  (£i;nobc.  Sßurbc  benn  aber  tik 
Äircfee  ton  einem  ©eneralfapitcl  ber  ^iflercienfer  reprafcntirt? 


55! 


Äonnte  bic  Äircfec  öon  einer  SJerfammluug  reprdfcntirt  wjer^ 
ben,  hä  vodä)cv  and)  nicbt  ein  einziger  ^ifct)of  fag?  C)bcr 
konnten  t>k  ^ijlcrdcnfer  in  i^ren  ^lrd)cu  onföngcn,  iraö  ftc 
njollteu?  ©ie  njören  sttjar  doii  ber  bifd)bflid;ßn  Suriebiction 
frei,  aber  eben  baburc^  nur  be(Io  Qtnamx  bem  r5mtfd}en  S5t» 
fcl;ofe  fuborbinirf.  ©oute  nac&  bcm  orbcntIict)en  ®aug  ter 
©ai^c  stMoa^  önberö  Jier  gcfunben  trerbcn,  aU  bag  ba^  ®e* 
iierölfapltel  tjon  biefen  beforglicfeen  ©cfa^reu  bcm  r5mlfd;en 
23lfd)of  eine  2In3et9e  gemad^t,  uub  feine  53erfugung  ern:artet 
Jattc? 

26omaö  batte  tt?ö5rfd)cinlid>  noc^  nicbt  einmal  feine 
©umme  gcfd^ricbtn,  ba  bicfcö  Statut  bcr  ^iftcrcienfcr  erfd;ien. 
9lod)  c^c  alfo  hk  neue  ©ciro^n^cit  in  ta^  gongbare  (Sem* 
pcnbium  ber  Dogmatil  fam,  wat  jte  fd;on  burd;  ein  ^ird}en^ 
gefcg  befohlen.  S^^^t  jwar  nur  noc^  auf  t>k  £ai;en  eingc? 
fd)ran!t,  unb  ttjic  man  aii^  ber  53crgleicbung  mit  anbern 
!)^acbri4)ten  '•^)  treig,  fo  iuurbe  felbjl  aucfe  für  tk  Ja^cn  hk 
©nt^le^ung  M  Äelct)ö  ijon  bcn  (Sifiercicnfern  baburd)  Ieid)ter 
gemacht,  bag  fie  etn?a6  wenige^  t?on  bcm  gen^eibten  SBein  in 
gemeinen  SBein  gogcn,  unb  biefen  gemifc^ten  S3cd;cr  bem 
Sßolf  SU  trin!en  gaben,  öllfo  nicfet  allein  bem  3}ie(Te  baltcn* 
ben  $rie(Ier  gcbubrte  bcr  ^eld),  fonbern  noc(j  alle  ^ricfter  gc» 
niegen  ibn«  Xiod)  gerabe  biefeö  ift  ber  fajl  unterfennbare 
3ug,  tt)ie  forgloö  bic  £at)en  bamalö  mig^anbelt  würben,  9ßdrc 
ci  nic^t  billiger  gemefen,  ben  ©enug  be^  ^cld;^  blog  ben 
^a^cn  unb  bcm  9}Zcflre  baltenbcn  ^ricfter  ^u  gcflattcn,  unb 
bie  übrigen  Ojcifllic^en  auö^ufd^licgcn,  t>a  obnebieg  jcber  »on 


*)  Artexaniis  iü.  c.  a.  1330.)  Comment.  in  Senteut.  4.  tit.  17. 
quaest.  3.  Cistercieiises  et  quidam  alii  post  sniutioiiem  corpüiif» 
et  sanguinis  dimillunt  ibi  aliquid  de  sanguiiie,  lit  infunda(ur 
vinum  purum  et  postea  commuiiicÄUtes  aliquid  inde  possiiit 
wunere. 


333 


bicfcn  ^u  feiner  S^it  unb  md)  einer  Drbnung  ^um  ©eituß 
beiber  ©cjlalren  f)attc  gelangen  fonnen?  ©elbjl  bie  größere 
Slnja^l  ber  Söi;e«  fonnte  trenigilcnö  bei  biefem  (^tftercicnfer^ 
©tatut  feine  fd)icf[ic^e  ^ntfcfeulbigung  fei)n;  benn  folfStfi  wojl 
in  mancbem  ^loffer  mehrere  Sat)enbrubcr  gewjefcn  fei)n,  aU 
orbinirrc  9)iün($e?  Der  örntc  Sa^e,  bem  (6  auci)  bei  bcr  Jci^ 
ligften  ©ad)e  fo  Janbgreiflic^)  gemaitt  ttjurbe,  bag  er  ©efcfcopf 
fd)Iecbtercr  2(rt  fe^,  ül^  ber  ^lerifu^.  SBcIdjc  jämmerliche 
9lolle  fpielt  ober  uid)t  bei  biefem  öllem  ter  romifcbe  QSifcfeofl 
Oiut  if)ix  ^u  fragen,  gerabe  gegen  eine  feiner  beutlictflen  Sr? 
Hdrungen,  trirb  tiu  neue  ©enjo^n^eit,  tt?elcl;c  fo  tridjtige  bog^ 
matifd)c  53erdnberungen  nacfe  ffc^  ^icjen  mugtc,  in  ben  Äir^ 
c^en  eingcfufjrt,  in  Sc^rbud^ern  empfohlen,  burd)  ©efe^e  fogar 
aur  Verpflichtung  gemacht.  Unb  biefcr  2rog  ober  biefe  ^df 
flerlofigfeit  irirb  if)m  gerabe  von  benjenigen  ertriefen,  bie  er 
aU  feine  Sicblingöfo^ne  in  feinem  befonberpen  @d)u^  batte. 
Ungefähr  fafl  eben  fo,  irie  eö  hx  bcr  ©efd}ic^te  ber  Sebre  üo» 
ber  2:ranöfub(Iantiation  gicng.  22ic  Jat  fic^  iüc{)t©regorVII. 
nod)  al^  ^llbcbranb,  unb  tvieber  öud),  ^a  er  fd}on  ©regoc 
irar,  fo  funjllid)  genjunben,  bem  örmcu  23erengar  burcfc^uJeU 
fen?  2Bie?  tuar  e^  blog  gurcbt,  felbfl  »erfegert  ^u  wjerbcn^ 
bie  ibn  cnblid)  bcioog,  ben  verfolgten  5U  einer  britten  beftimmj: 
ten  ©lauben^formel  5U  n6t()igen  '^)?  gafl  burd)  hk  gan^c 
®efct)id)tc  bcr  Dogmatil  ^Inbuvc^  ijl  bcr  ^abf!  ©clave  unb 
nict)t  ^?err,  meificnö  mebr  in'ö  Sutereffe  einer  gewiffen  $ar^ 
t&ic  gebogen,  al^  eigener  Urheber  unb  ©rifter  bcrfelben. 

(5in  ©lud?  ttjar  eö  für  bie  grei^eit  ber  ^irc^e,  unb  eiti 
Jerrlic^eö  Wlimi,  ber  5Belt  mand)mal  nocf)  einige  Sa^re  hk 
SBa^r^eit  ^u  erhalten,  bag  feiten  ölleDrbcn  fogleic(?  in  einen 


*)  cf.  gefjTngö  Berengarius  Turonensis.    ^raunfc^wetg.  1770.  4. 


33^ 

Soft  (Timmtcn.  ^aum  ein  paar  3^5«  frujcr,  aU  obigem 
(^tam  beö  (^iilcrciciftfc^cn  ©cneralfapiteU  abgefaßt  ivurbe, 
lieg  ein  ^rioj:  M  Äloflerö  Äamalboli  hk  gotteöDienftlldjen 
(5)ebraiipe  feincö  C)rt'enö  fammel«,  unt>  unter  tiefen  ift  cö 
«oc|?  gan^  unangcfod)tcne  <BitU,  bog  alle  ben  ^clc^  genießen  (L). 
gu  gleictrer  ^ett  aeigt  ftd?  aber  aud[)  in  anbern  ^irc^en  bei, 
feltfame  ©ebrauc^,  fcaö  ^olf,  tüenn  ic&  fo  fagen  barf,  mit 
Jalbgenjei^tem  SBein  ^u  communicirem  ^ö  fet;  unfdjicflid)^ 
fo  Diel  aöein  ^u  iüci&cn,  aU  einer  grogen  WIcuqc  t>on  (Sonif 
municanten  not^mcnbig  fet).  2)er$rie(!cr  lagt  alfo  ein  n?enig 
fonfefrirtcn  SSein  im  ^cld)  übrig,  unb  giegt  fo  ml  ^u,  füllt 
ben  23ec&er  fo  oft,  aU  für  ben  übrigen  Raufen  erforbcrt  wirb  (M).. 

§♦    12. 

^aum  s^an^tg  3a5re  nac^  jener  53erorbnutig  M  (^ijler*, 
cienfer  ©eneralfapttelö  mac^t  3o6flnn  $cfam,  ein  granciefa*- 
ner^  (5ribifd)of  t>Dn  ^anterburt;,  ein  ®efe^  föj!  gleichen  S"' 
Jalt^,  nur  t>a^  er  bie  (Sad)c  fa(I  fdjon  für  befannt  an^unc^^ 
men  fdjeint,  unb  einige  beutlic^jcre  SlBinfe  ^ur  2Iufndrung  ber 
ganzen  ©efd)ic^tc  gibt  (N). 

,,9J?an  belehre  ta^  SSolt,  bag  t)a$,  tvaö  man  i^nen  ^u 
,,trin!en  gibt,  nur  gemeiner  unb  nic&t  fonfefrirtcr  ÖBein  fei), 
„blog  in  ber  Qlbftcfet  bargereic^t,  tag  fie  bie  geweifte  J?o|lie 
,,be|!o  leichter  fd)IudPen  fonncn.  Denn  bei  fo  fleinen  ^cmei^ 
„nen  barf  nur  ber  SDieflfe  Jaltenbe  ^riejler  t>a^  23lut  M  S^cxnx 
^rinfen." 

S8ei  fleinen  ©cmcinen  i(I  alfo  ber  2Infang  gemalt  »vor» 
ben,  unb  biefen  Slnfang  fd)eint  ber  S^tjum  bcgünfligt  ^u 
l^aben,  tia^  manche  ben  ©püIFelc^  für  ben  gen?cil)ten  ^dd) 
Jieltcn.  Die  ©eifilid)!eit  glaubt  jtd)  aber  bei  i^rer  gcmad)- 
ten  53cränberuitg  fo  fidler,  t)a^  ber  erjbifctof  bie  53erorbnung 


335 


mad^m  tflrf,  man  foU  bcm  ^ol!  bcn  Srrt^um  hciu^mtn,  aU 
o5  ifm  ein  öcwei^tcr  Md)  gegeben  werbe. 

§.     13. 

(So  entfc^elbenb  nun  öuc&  biefe  55erorbnung  lautet,  unb 
fo  unbeflritten  biefe  ©ewoftnjcit  ju  fe^n  fc^cint ,  fo  erteilt 
boc^  irteber  gerabe  baö  ©cgent^eil  aiii  einem  Nation  einer 
taum  fec^ö  Saßre  Jernöd)  gehaltenen  ©i)nDbe  3U  (Ercejler,  «pe^ 
famö  53eroj:i)nung  gtcngc  nur  auf  tk  ^rom^  t)on  ^anterf 
burp;  fo  lange  bie  6acbe  burc^  fein  allgemeine^  ^ircl^enge* 
fe^  entfc^ieben  Ware,  fo  fonnte  jeber  Sifcl)of  für  (einen 
©prengel  uerfugcn,  waö  if;m  gut  bunfte  (O  i.), 

„Dag  bcr  S^cufel  btc  2at)cn  nicl)t  t)erfu&re^  an  ber  2BaJr:j 
,Mit  be^  2eibe«  €6ri(ii  s«  zweifeln,  foToU  ber  ^rie(!er' 
„üor  bcr  (Kommunion  (te  unterrichten,  bag  (Te  ben  Selb, 
„ber  für  fie  am  ^reu^  Jicng,  unter  bcr  ^c^alt  M 
„55robö  empfangen,  unb  ba^  5Slut,  baö  für  fi'e  öergofc« 
,/ttjarb,  im  ^elc^  trinfen." 

3cÖ  will  \^k  abwcc^felnben  Stimmen  pro  unb  contra 
uid^t  weiter  fammeln,  ba  id)  nid)t  fo  glucflic^  war,  mel;rere 
eigentlid;e  ©cfc^e  aufzutreiben,  wcld)e  tor  ber  ^ojlni^er  ^t)^ 
nobe  in  biefer  ^ad)c  gegeben  würben  (00),  unb  einzelne 
iDJeinungen  bcr  ^rit)arlc&rer  wenig  entfc^eiben  !onnen. 

2^raurig  ift'ö,  n^ie  feit  bem  (I'nbe  be6  brei^e^nten  ^air^ 
Junbertö  bie  «Stimmen  für  W  (Kommunion  unter  einer  ©e^ 
jlalt  fo  fe^r  fiel)  t)ert)ielfdltigen  (0  2.)^  «"b  faum  ^ic  unb 
t)a  gleicbfam  nur  du  SKuf  au^  ben  ^ißujlen  ftc^  Joren  lagt. 
2:)em  Sodann  Dun^  ©cotu5  fallt  gar  nid)t  mejr  ein,  über 
bie  grage,  warum  unter  hü'ocix  ©cflalten?  ^u  bifputiren;  er 
nimmt  e^  aU  gan^  be!annt  an,  bag  bem  Saiden  fein  ^elc& 
gebühre,   unb  wenn  er  in  feinem  Kommentar  in  IV  librum 


336 

sententiarum  öuf  bie  S5tjlin!tion  !omnit,  wo  Sombdrb  fögt, 
baß  and)  ba^  5i3ol!  WiU  ©ejialtcn  geniege,  fo  ge^t  er  barübcr 
Jinttjcg,  al^  ob  er  im  Xcri  gar  nid;tö  5}?ßrfnjurbige3  gefuu^ 
bcn  tarte  (P). 

§.    14, 

^me  @ett)o5nJclt,  njelcfee  ber  ^Ibcrglaube  tiöd)  unb  tta^ 
eingeführte  unb  ein  ungludflid>cr  einfaß  etlicher  ^iftcrcicnfer^ 
dbtc  3um  erjlenmal  gefe^magig  gcmact)t  ^attt,  trurbe  burc^ 
^•rbitterung  gegen  bijTentirenbe  ^art^ien  ^um  ^J^raftcr  bcr 
Ortjoborie  QCVoa\)lt.  SlBa6  ftc^  Dorjer,  tt)drc  ein  SBiberfpruc^ 
ba^u  gefommett/  »ielleicöt  eben  lieber  fo  verloren  f)äm,  wie 
c6  fic^)  einfd)lic6,  würbe  jegt  mit  Sifer  ausgebreitet,  aU  SRe* 
ligionSartifel  geprebigt,  ber  ganzen  ^irc^e  mit  Gewalt  angc^ 
5Wungcn,  unb  ta^  fKid)t,  ta^  nodi)  in  ber  Witu  t>ci  brei» 
gejnten  Sa^r^unbertö  fajl  jeber  ^^nfl  öIö  €Jri(I  genog,  war 
fc^on  in  ber  9}Zitte  beS  i^ler^e^nten  3al;r6unbcrtö  ^u  einem 
pdbftlidjcn  Dlfpenfationeartücl  gemacht,  ©emcine  Sapcn  jTiib 
bem  ^ifd)of  ^u  fRom  nicfct  fo  wtdjtig,  bog  er  i§rc  23ittc,  hk 
ftc  il)m  bringenb  vorlegten,  gndbig  erfüllt  Jdttc;  nur  ^onigen 
unb  gurfien  wirb  bie  greubc  mQoimt,  fo  wertj  gehalten  ^u 
werben  al6  ^riejler. 


i 


3m  3^5r  1344  erlaubt  ^lemenö  VI.  bem  ^er^cg 
9?ormanbie,  3obann,  bag  er  fein  gan^cö  ^chm  ^inburd?  beir 
^cld)  geniegen  burfe,  fclbji  öl^bann  nod?  gcnicgcn  burfe, 
wenn  er  ^ontg  werben  follte,  wenn  cd\d)  uodj  fo  öicl  (Sta- 
tuten unb  ©ebrdudje  bagcgcn  waren.  Sind)  ber  j'^er^og 
£)tto   bon    S5urgunb   erhielt   im   folgenben  3a^r  gleid)c  föcv^ 


00  i 


gunfiigmig:  nur  luirb  fejr  (Ircng  t>abü  cingcfc^drft ,  3U  ücp 
töten,  bag  fein  SIergcrnig  ijorge^c  *). 
\j^^  5ölc  fc^tvcr  i|V^,  bei  einer  foIc()en  ^olirif  beö  romifcfeen 
^^'J^ofe^  gelfl(Ten  ^u  bleiben!  @ci?aörenn?eife  trcrben  bie  SlBalben« 
fer  gcfc^Iacferet.  2llleö  njirb  aufgeboten,  njöö  menfc^licbe  @c^ 
bulb  crmuben,  menfc()lic6e  @tanb&öfttg?eit  erfcfeuttern  fönn* 
Die  armen  £eute  wollten  ftc^  neben  önbern  a^nlicljen  53cr^ 
brechen,  beren  pe  fid)  fc^ulbig  macbten,  auc^  tm  Äelcj)  nic^t 
nebmen  lafifen.  35nen  wirb  in  feinem  ^unft  nachgegeben; 
tit  gerect)te(!cn  klagen  werben  nicfet  gebort;  wenn  fie  über 
tcn  ^eitfc^enfcblag  feufjen,  werben  jie  mit  ©forpionen  ge^öc^" 
tiget,  unb  ein  paar  fran^ofifcfee  ^rin^en  erbalten  tk  ^rlaub^^ 
nig,  welche  biefen  Unglucflicfeen  fo  bartnacfig  verweigert  wirb. 
3n  allen  ^Schiebungen  biefeö  Sebenö  bulbet  man  ben  Unter, 
f6;)kb  ber  (Stdnbe  febr  gern,  unb  ber  einzige  Zrofi  t>tf  armen 
Unglucflicben  hkibt  gar  su  oft  nur  barin,  ta^  in  ©otteö  ÜIu^ 
gen  fein  ^onig  nicbt  mebr  fei),  alö  er,  fdn  tor^pglicbere« 
Siecht  an  ©ottc^  i^'iuimel  b^bc,  alfo  öuc^  fein  tJor^Sglicfccre^ 
SRecbt  an  bem  55orfc&macf  bimmlifcber  greube,  ber  nacl)  ^bri^ 
f!u$  ^eranilaltung  in  fol(^en  religibfen  ^panblungen  liegen 
foU.  ^ai\  fcl)miegt  fiel)  noc^)  williger  unter  bie  Sbee, 
td^  ber  ^ricl^crjlanb  eine  ganj  befonbere  ©attung  bon  Wlm^ 
fcben  auömacbe,  weld)e  ©otteö  vorzüglichere  ©nabe  geniege, 
cU  unter  ben  emporenben  ©ebanfen,  bag  ©ott  bie  SQ^enfc^en 
nac&  ©tanb  unb  ^Sorben  fcbd^e. 

SEenn  nun  aber  bocfe  ber  2lu0fpruc&  hc^  (BtattWtir^ 
^brijli  aU  (^^rijli  2luöfpruc6  an^ufebcn  i|I,  unb  (Ei)xifii  Sluö-- 
fpruc^  fo  viel  gilt,  al^  ©otte^  feierlid)e  drfldrung,  Yük  quä-^ 
lenb  mugte  eö  nicfet  bicfem  ^dtaltcv  fet)n,  bie  einzige  5ßer* 
fugung  alle^  Äummer^,  einen   ber  labenbjlen  ©rnnbfd^c  ber 


^-)  Raiualdi  aiinales  ad  a.  1344.  n.  «2.  1345.  n.  32. 
©pittlerö  fämmtt.  2Ser!e  VIII.  ^i,.  22 


358 

SRcligion  ftc^  entriffen  ju  fejcn.  5Bir  Jaben  swar  ^u  wetiig 
eigene  ^lacftric^teu  t)on  ben  ©albcnfcrn  fclbjl  *^),  um  burc<> 
5i|Torifcbe  Sfugniffc  ^elgeu  ^u  fbnnen,  wie  fcjr  jte  biefen  Drang 
gefüllt  iahen:  aber  bie  (^efc^icbte  ber  b5§mifcbcn  Unrubcit, 
öuf  «?clcbe  un^  je^t  bk  ^eitorbnung  fut)rt,  bewetet  gcnugfam, 
wie  groß  ba^  53crlangeti  nad)  bem  unöerpummelten  ©enug 
bea  Slbenbma^lö  gcwefeu  fe^  '•''•')• 


*)  ©od)  ffc()t  man  n«^  i^ren  ^(acjen  iinb  au^  ntand^ien  9Ser()ören 
berfelben,  mclfjc  itn^  aufbehalten  fmb,  bajj  ber  ®etj  unb  ©tolj 
bev  ^riefler,  wie  fie  tl)«  bei  5(u^tf)eilung  aller  ©a!rantente 
»erü&ten,  eine  ^auptmM^  i^i^er  fOijenannten  ß-mpörung  gegen 
bie  9)?utterfivd)e  gemefen  fei). 
=■"•)  9)?an  ^at  eine  l){f}or{fcf)e  57arf)ricf)t,  bajj  ^ommunton  wnter  bei^ 
ben  ©eftalten  felbft  nod)  ju  ©nbe  be^  merse^nten  3al)vl)un* 
bert^  in  g-ranfretrf)  geit)öl)nnc()  gewefen  fet).  SBei  ©leiban  (L.  ix.) 
eriäljlt  ber  fran5ürifcf)e  (Sc^anbU  au^  bem  9}iunbe  feinet  ^onig^ 
3=ranj  l.,  ba^  biefer  öftere  Don  alten  £euten  gel)ört  tiaht,  xoic 
fie  füi)  ber  ß'-rjäl)(ung  iljrer  25äter  nocf)  tüot)l  erinnern  fönnten, 
baf?  3u  tl)rer  Bett,  ungefaljr  alfo  »er  120  fahren ;  ba^.  Slbenbs 
'  inal)l  unter  beiben  ©eftatten  jmar  nirf)t  mitten  in  ber  ^h<i)e, 
aber  borf)  in  ben  i^letnen  (Kapellen,  ©acriileien  (saceiiis)  aud- 
getöeflt  njorben  fei;.  5(ud)  ben  Königen  »on  Jranfreid)  werbe 
baffelbe  unter  beiben  ©eilatten  gereid)t.  2Benn  biefe  ^ad)ri(^t 
»ollfommen  rtd)tig  ijl:,  fo  tüirb  ©erfon^  betragen  auf  ber  (5ojl* 
nijer  @i)nobe  ganj  unbegreiflid).  ©erfon  war  fd)on  1363  ge« 
boren,  unb  !am  fel)r  frül)5eitig  nad)  ipari^.  Sßenn  bort  (Jörn» 
munton  unter  beiben  ®eflalten  nod)  fo  ganj  gewöbniid)  war, 
fo  t)ätte  er  bod)  genjijj  baoon  iiniTen  müJTen,  unb  tuie  foU  man 
al^bann  feinen  ß'-ifer  »erflehen,  n)eld)en  er  auf  ber  ^oflnijec 
©pnobe  gegen  bk  93öl)men  beömegen  beseugte  ?  SBenn  ber  ^ö-, 
nig  von  Jvanh-eid)  ba^  Ulbenbmabt  orbentl{d)er  Üßeife  unter 
Mbm  ©efialtcn  empfien«^,  wie  foU  man  e^  verfleben ,  baf?  bem 
^er^og  3ol)ann  von  ber  ^ormanbie  fein  Privilegium  aud)  auf 
bie  Seit  auögebel)nt  wirb,  wenn  er  ^i?nig  werben  follte?  23or» 
ne^mlid)  ßrifer  gegen  bie  SSalbenfer  fiatte  ben  sufriebenen  ©e« 
nu(j  unter  einer  ©eftalt  sum  (J^arafter  ber  Crtl)oboxle  ge* 
mac^t;  wo  mufjte  biefer  (Jifer  notbwenbig  gärtet  fepn,  al^  in 
^ranfreiif)  ? 


359 

©ct)on  3u  ^nbc  be^  Dier^cjnten  3fl}r5unbcrt5  niad)tc  cm 
^rebigcr  ^u  ^rag,  5i}?att6ia6,  groge  SSewegungcn,  bcm  53olf 
feine  SKec^tc  njieber  Jcr^ujlcÜen.    €r  Jielt  and)  wixflid)  ^om* 
munion  unter  bciben  ©ejlalten.    6ein  SSifcfeof  wie«  ijn  ober 
jum  ©e^orfam.    ^r  mußte  öuf   einer   ^rager  ©ijnobc   im 
3aJr  1389  njiberrufen,  unb  «oc^  imS^^r  1410  iturben  feine 
@d)Tiftcn  mit  ben  (Begriffen  anberer  ^eger  tjerurt^eilt  '^).  di 
f(^eint  eine  5Bir!ung  ber  Ölufffarung  gcnjefen  ju  fe^n,  vrelcfee 
man  ber  neu  errid)teten  Uniöerfitdt  ^u  ^rag  ^u  t>erbau!en  ^at, 
bag  befonber«  in  ^bjmen   öUe«  fo  rege  njurbe.    3m  ganzen 
übrigen  Deutfd)Ianb  war  tiefe  2^obe6ru&e.    SSei  ber  Jduftgern 
53erbinbung  3555menö  unb  grönfreicfe«   war  in  bem  crjlern 
Ä&nigreic&   m  ©eij!  litterarifc^er   unb  firc^Iic^er  S^^dtigfeit 
erwacfer,  ber  \)a^  biöderigc  ^od)  unmöglich  mit  ©ebulb  tragen 
fonntc.    2l6er  brucfenb  ^art  war  c^,  ba^  bic  ^irc()e|auc^  gc^ 
gen  t)m  aufgefidrtern  ^^eil  i^rcr  2i}?itglieber  cigenjtunig  auf 
ijrer  einmal  angenommenen  ©ewo^njeit  bejianb.    Unter  ben^ 
jenigen,  wdc^e  jic^  hamaH  ben  Äelc^,  ben  i&nen  ber  ^riejler 
fo  gern  gegeben  idtu,  Inxä)  hcn  2lu^fprucf)  ber  Cbergeiftlicft* 
feit  entreigen  laffen  mugten,  war  gewig  mancher,  ber  fid)  er^ 
Innern  fonnte,  bag  er  felbjl  ober  wenig(!enö  fein  S3ater  bctt 
Äelc^  nod)   getrunfen  iaht,  bag  bei  feierlicl)en  ©elegenjeiteii 
S3rob   unb  Sßein  unter  alle  ^ommunicanten  mit  t>6llig  un^ 
.part^eiifcbcr   ©leid)&eit  au^get^eilt  worbcn.     ößtc  ^arl   IV. 
im  3a6r  1347   mit   feiner  ®ema()lin  33lanfa   a\6  MiVQ   in 
^o^men  ^u  ^rag  gefront  werben,    fo   cmpftengen  noc^  bcibc 
ben  2eib  unb  t>a6  fölut  ^Jrifli  ^'<*) :  unb  brcigig  Sabre  nad)* 


*)  van  der  Hardt  acia  Couc.  Coiisian«.  Tom.  III.  Prolegom.  pag.  *0. 
**)  ^elicl,  Men  ^axU  bei?  iv.  i.  l\^il  @.  i8o. 

22  * 


540 

Jcr  wirb  bcr  ^rcbiflcr  geflrnft,  bcr  tcm  Saj>cn  bcn  Äelcfe  rei* 
d)en  n?tll. 

§.    17. 

^(tum  ^wan^ig  S^^fc  imc^  biefcm  «öorfall  crfc^cint  3o? 
JaniKö  ^ug,  prcbigt  mit  ^ifer  gegen  mancl)c  5L^ißbrdud)e  be« 
^abOTuniö,  fc^ont  befonberö  ber  (5)ei(!Itd;!eit  uub  i&reß  <StoU 
3C«  nicfet,  rebet  mit  bem  ^etvugtfei^n  ber  ^Sa^r^cir,  unb  fönn 
um  fo  uncrfc^rocfencr  fprccf)en,   ba  fein  (Hinflug  hei  $of  fe^r 
f!arf,   unb   fein  5(nfe^en  öuf  ber  Untberfitdt  fe^r  grog  weit. 
Slber  tu  5öa(irjcit  war  je^t  fc^on  fo  fe^r  tjcriorcn,   bag  fie 
felb(!  bcr  gjjöun  nid)t  me^r  fanb,  welchen  (Eifer  unb  SntcrejTc 
ha^w  antrieb,   (tc  unermubet  ^u   fucfeen.    ©leic^  öicr  ^alnc 
md)  bem  feierlichen  SBiberruf  beö  ^att^la^,    ber  bod)  5{uf* 
fe^en  gemac{)t  ^aben  mag,  weil  er  auf  einer  @i)nobe  gcfd)a^, 
würbe  ^pug  ^u  «Prag  55accalaureuö,  unb  im  3^br  1400  i|!  er 
fc^on   'Ddaix   ber   tbeologifc^en  Safultdt   ba|elb(t.    Unb   bocfe 
mad)t  ben  reblic^en  Stöa^r^eitefreunb  nid)tö  argw6|)nifc^  gegen 
t>k  ©ewo^n^eit  ber  Äird)e,    benn  bamalö  war  e«  immer  nur 
«o(^  ©ewo^n^eit,  weil  hk  Kommunion  unter  einer  ®effalt 
Weber  burc^  eine  pdbjllic^e  ^ntfc^eibung  nocfe  burcfe  einen  <Br)f 
nobalfc^lug  sum  Äirc^engefe^  gemacht  worben  war.    gurc^t 
t)or  ^e^erei  f)dtte  i&n  alfo  nid)t  ^mxM  galten  fonnen,   wenr 
ja  biefc  gurc^t  in  ipujTen^  (Seele  fam.    d^  war  ?0?angcl  bei 
(5in(id)t,  roa^  ibm  ^kv  ^inbcrlic^  würbe.    <Bm  gu^rer  5ÜJif 
lif  terlieg  i^n  ^ier,  benn  aud)  biefem  war  ber  ®eban!c  nic^ 
beigefallen,  t>(i^  btc  9?ed)tc  be«  ^olf^  im  Slbenbma^  thcn  f 
verwegen  untcrbrucft  worben  fetten,  alö  burd)  ^ntjtebung  »be 
Jeiligen  ©d)rifr.     göjl   ein   ^albe^  3a^rl)unbcrt  früher   tjerlc 
jtcö  btc  5öa^rbeit   in  ^nglanb  al^   in  SSo^mcn,    unb   ung 
öe^tet  ÜBülif  eilt  fo  wel  cnrfd)lofiVnercr  5SJ?ann  war  aU  S)m 
fo  t»tcl  au^gcbrcitfterc  ^tnfid)tfn   f)Cittc  aii   bicfer,   bie  firc 


341 


Itd)e  l'cjrc  t>om  2Ibcnbmal&(,  unb  Don  bcr  ongenommcncn  5(rt 
ber  ©egentrart  bcö  Selbem  unb  S3lur^  (5^ri)li  öuf  baö  prengftc 
untcrfuc()te  unb  Idugnetc:  fo  fanb  er  boc^  bö^  nidjt,  tt?fl^  er 
3uer|l  f)atu  ftnbcn  foücn,  wa^  \i)m,  ber  jtc&  fo  t>iel  mit  bcr 
S5ibcl  öbgab,  bog  er  eine  eigene  Uebcrfc^ung  berfelben  machte, 
fflj!  unmöglich  ftdtte  unbekannt  bleiben  niüjjen  *). 

SSic  werben  boc^  t>k  ^inft'c^ten  aud)  ber  mut^igjlen  auf" 
gefldrtejlen  Äopfe  t)ou  ber  ginfternig  i^reö  ^eitölter^  befc(jatterl 

§.    18. 

Wit  ^ufl*en  ttjar  eö  fc{)on  ba^in  gefornmen,  bog  er  im 
ftnjlern  Äerfer  ^u  ^ojlnij  erwartete,  mit  welcher  Sobe^art  er 
ben  ^flg  ber  ^lerifci  werbe  bögen  müjTen'"""^:  aU  bie  ^a^^ 


*)  Dallaeus  de  ciiltibiis  relig.  Latinor.  L.  IV.  p.  714.  nimmt  an, 

bajj  aurf)  fd)on  SBiflif  auf  bk  SBteber^erflenunc}  beö  ^etcf)^  ge* 
brungen  Me;  er  üermutl)et  e^  aber  bIo(3  betraut,  weil  SBiflif 
bie  itran^fubilanttation  unb  5(nbetung  be^  ^tbenbrnab^^ö  t^er* 
warf,  ^ie^c  ^^olgeruug  frf)eint  mir  fel)r  ungetüijs  su  fepn.  Weber; 
baupt  ift  e^  gar  nid)t  ratbfam,  einem  ^Unn  aU  feine  ^cU 
nung  juffbreiben,  ma^  nur  ^olcieruncj  (wnb  wäre  e^  öucb  notb^' 
itenbige  ^-olgerung)  au^  feiner  ?[)?einnng  \\i,  T^k  (BUUe  axi$ 
5tl)oma^  tjon  2Balben,  welcbe  2)a((än^  hd^tijt,  UmiU  gar  nid)t^, 
itjeil  \k  nid)t  t)on  ^xHif,  fonbern  ron  QBiflffitflen  fprid)t;  unb 
nirf)t  einmal  eine  ^Oieinnng  ber  ©iBltfi'tlen  tjorträgt,  fonbern 
blo^  etwa^,  ta6  auö  bem  5rrtl)um  ber  SBiHift'ften  notb= 
wenbtg  folgen  (od.  2)aö  \)ölli(|e  ©ttllfcbweigen  alter  berer, 
welcbe  gegen  2öiflif  gefcbrieben  b^ben,  beweist,  wie  mid)  bün!t, 
Ijinlängli*,  H^  ber  rcbltd^e  ^ictm  bfcfe  ©aite  nie  berührt 
ifdlc.  2?ie  Äei^ermacber  baben  fonft  kbc  feiner  g)?etnungen, 
wenn  fte  nur  ein  wenig  »om  bamaligen  bogmatifcben  ©d)len- 
brian  abgieng,  immer  jebnmal  gefäbrlid)er  loorgeflellt,  üU  jTe 
war;  warum  feilten  ik  l)ier  rgefdjwiegen  b«ben? 
**)  Calixtiis  deCommiin.  siib  iina  pag.  101.  glaubt  Unrii"btig/  ^U^ 
fei)  bamalö  nod)  frei  gewefen.  ^ufj  war  aber  fcbon  im  I?ecem= 
ber  1414  gefangen,  unb  erft  im  2lpril  1415  fteng  Safobettu^ 
feine  9\eform  an. 


542 

rict)t  nuö  S5&^men  fam,  bag  i9?önncr  feiner  ^axtJ)H  ju  ^ra^ 
fo  weit  gcgöiigcn  fcipcii,  beni  53oI!  tcu  ^eld^  im  5lbenbraa()l 
ju  reidjcu.  9)?it  einer  ^alh  unruhigen  ©ejnfuc^t  über  t)cm 
unruhigen  ©ci(I  feiner  greunbe,  empörtet  er  gcnöuere  9lacb^ 
rtc^t  t)on  i^ncn  felbjl,  (lejt  t)icllei4)t  baö  gön^c  ©cröcfet  öld 
einen  ^unpgriff  feiner  geinbc  an,  weldje  ijn  turc^  folc^e  Sr^ 
jadlungen  recl)t  t>erbogt  mac^)en  wollten  '-')♦  ^r  erfuhr  aber 
balD,  lüte  eö  zugegangen  fe^,  unO  ber  reblicfce  SD^ann  bequemte 
fi4)  fclbfl  noc^  im  ©efdngnig  ^u  ben  aufgetidrrcrn  Sinitd;ten 
feiner  greunbe  ^^y    Die  ©adje  n?ar  nejmlic(?  folgenbe. 

§.     19. 

3«  ^rög  Jielt  jtc^  ein  gewiflTer  ^eter  t>on  S5reöben  öuf, 
ter  aU  ein  Sßalbenftfc^er  ^eger  t>crtrieben  werben  war*    ^r 


*)  Aeneas  Sylvias  histor,  Bohem.   et  Dubravins  hi&tor,  Bohem. 
fol.   23. 

**)  dt  fcf)n*eb  bamaB  eine  5(b{)anblung  ^  de  sanguine  Christi  sub 

ßpecie  villi  a  laicis  sumendo,  Opp.  T.  I.  pag.  42.  2)iere 
f(t)Ue^t  ftd)  mit  hm  SSorten:  Ex  jam  dicüs  vldetur,  quod  li- 
cet et  expedit  laicis  fidelibu^  siimere  saiigiiinem  Christi  sub 
specie  viui.  2Bie  er  fc^on  »on  Sofinii  hinweg,  auf  bciö  ©c^lofj 
©ottteben  (ii\^xad)t  worben  war,  fo  fd^rieb  {I)m  ün  böbmifcf)er 
23aron,  3obann  uon  (Ibtum  G.  c.  p.  71.):  Roganms  imime, 
qiiod  motivam  et  finalem  iiitentioiiem  vestram  de  commuiiione 
calicis,  si  videbitur,  praeseuti  charia  inseraiis,  amicis  tempore 
Buo  monstrandam.  Quia  fratrura  adhuc  aliqualis  est  scissio, 
et  propter  illiid  multi  turbaiitur,  ad  vos  et  arbitrium  vestrum 
juxta  scripta  quaedam  se  refereiues.  jpufj  antwortete:  De 
sacrameuto  calicis  habetis  scriptum,  quod  scripsi  in  Constauiia, 
in  quo  sunt  moiiva  et  uescio  aliud  dicere,  nisi  quod  Evange- 
lium et  Epistolae  Pauli  sonant  directe  et  tentum  sive  observa- 
tum  fuit  in  prinütiva  Ecclesia.  Si  potest  fieri ,  aitentelis ,  ut 
saltirn  permittatur  per  buUam  illis  dari,  qui  ex  devoiioiie  po- 
»tulaverint,  circumstantiis  adhibitis. 


54: 


l^atre  cjemalö  ^u  ^rag  |lut)irt,..unb  fuc^tc,  ta  er  nun  fonjl 
feine  bleibcnbc  ©tdtte  iattt,  fein  25rob  mit  3nformiren  ^u 
tcrbienen.  (Einern  greunb  bcr  Stöalbenfer  fonnte  c6  am  leicfe^ 
teilen  einfallen,  ^u  fragen:  ift'ö  aucl)  recör,  bog  ^k  !atI)oIifd;c 
^irc^e  bem  Satjen  ben  ^eld)  Dertveigert  ?  $cter,  um  feinen 
Einfall  bejlo  genauer  y>rufen  ju  laflfen,  ge^t  ^u  bem  nad)  5?uf- 
fcn  bamalö  beröjmtcften  Se^rer  bcr  2!6eoIogic  3u  ^rag,  ^a^ 
fobelluö,  unb  bezeugt  biefem  feine  SÖerwunberung ,  ta^  bcr 
grogc  Wi^branä)  nic^t  bemerft  werbe,  ber  fi'd)  mit  (^nt^ie^ 
6ung  bc^  ^eld)^  in  ber  Äirc^e  cin9efd;lid;en  '^aU.  Uneritar^ 
Ut  tjorgejaltene  SBa^rfeiten  fc^Iagcn  fonjl  mit  ber  i^nen  gan^ 
eigenen  ©tdrfe  in  ber  ©eele  ein,  man  fu^It'ö  innigjl,  bag 
nic^t  n>eiter  notbig  war,  alö  nur  bie  <Bad)c  ^u  boren.  2Ibcr 
fo  unbefangen  war  3<j!obelIuö  nid)t.  ^r  fc^Idgt  er(l  weiter 
nad),  ebc  er  feinem  greunbe  ©lauben  ^ujlellt.  5ßieUeid;t  in 
ber  ^ibel?  ©o  mit  war  man  bamalö  noc&  nicbt  gefommcn, 
um  in  biefer  bie  Sßabrbeit  ^ucrf!  ^u  fud)cn.  Um  in  biefer  bic 
^abrbeit  entfc^eibcnb  ^u  ftuben.  2)ie  utidcfetcn  5ü3erfe  be^ 
Dionpjiu^  beö  ^rropagiten  unb  bie  Briefe  be6  ^i;prian  fallen 
ibm  in  bie  5?dube;  weil  er  .in  biefen  ftubet,  ^a^  ^u  ijrer 
3eit  ber^cld)  allgemein  auögetbeilt  wovbcn  fev),  fo  ip  er  nun 
gaui  auf  bcr  ©eite  fcineö  grcuubeö,  unb  fangt  fogleid;  öit^^ 
t>a^  2lbenbmabl  unter  beibcn  ©cjlaltcn  ^u  reid)cnjf). 

§.    20. 

3u  gelegenerer  ^eitbdtte  biefe  neue  begmatifd;c  SRcDolutiou 
nid)t  fommen  fonncn.  5öaö  fd)on  fa(!  ein  Sajibunbert  lang 
©e^nfud)t  aller  Patrioten  ber  ^irdje  gewefen  war,  x\iai  bei 
wicbcrbolten  «öerfucften  biö^er  fo  oft  mißlang,  unb  mit  iebem 


*)  Aeneas  Sylvias  liistor.  Boliem.  vevgl  ttlit  van  der  Hardt  acta 
Conc.  Constant.  T.  III.  Prolej^om.  pag.  18. 


544, 

^iglingcn   bcu  öUgcmcinen  gujlaub  bor  ^ircl)e  immer  t)er= 

fdjlimmerte,   t>aö  war  t>an\aU  eMiö)  ^ut  greube  öflcr  ©uN 

bciiFenben  3U  6ranbc  gcfommen.  gu  (5o|liiii  tvar  ben  5.  9?ot>. 

1414  eine  ©pnobß  eröffnet   iDorben,   tjon  bcrcn  ganzer  d'wu 

xid)ttiiiQ  ")  fic()  crtnarten  lieg,   bag  bic  fo  lange  gcn?unfct)te 

^Keformatlon    an  $aupt  unb   ©liebern   auegefü^rt,    unb   fo 

mancher  biöjer  geii?alrfam  erfticfte  (Seufzer  er^brt  trerben  (5nne. 

Unter  einer   (o  grogen  ^enge  i>on  53ifc^ofen  unb  Dof* 

roren,   al^   jtc^  ^ier  au6  gran!reic&,  2)eutf(^lanb,  Stallen, 

(Jnglanb  unb  Spanien  uerfammelt   Jatten,  war  boc^  auc^ 

eine  betrdc()tlict)e   Sln^a^I  ^u  t)ermut^en,    »reiche  eine  fo  ojfcu 

baliegenbc  ^ai)xicit,   aU  tk  ^c'muu^  beö  ^ahUUu^  xvar, 

nicfet  migfennen  njurben.    Ser  fromme  ©erfon   gldnjtc  aU 

einer  ber  erjlen  S[)?dnner  auf  biefer  «Berfammlung ;    burcb  fei» 

neu  füati  unb  burd;   feine  ^ntfcfeeibung  würben  bk  wichtig* 

pen   53erfi4gungen    ber   <Si;nDbe   bewirft.     %ür  ipuffen   war 

3war  ba^er  nic&t  i?iel  ©ute«  ^u  ^ojfen,  benn  ©erfon  war  ein 

9ZominaIi(!e  unb  ^agte  ben  9^eali(!en  ^?ug  mit  einem  ^ifer, 

ber  gerabe  burc^  feine  grommigfeit  nur  J;)erjldrft  würbe.  2Iber 

war  e^  nic^t  wa^rfc^einlic^,   bag,   wenn   auc^  ^ug  jlerben 

mugte,  bag  man  ben  SSoömen,  i^reu  Unwillen  ^u  befdnfrigen, 

um  fo  williger  in  einer  ©ac^e  nachgeben  werbe,  welche  ojnc» 

tk^  nod)  burcj^  fein  ^irc^engefcg  entfcfeieben  war? 

S.    21. 

©c^lug  ber  (Soflni^er  ©t)nobe,  welche  ben  15  5u»i  1415 
in  ber  breite Jntcn  ©effion  abgefagt  würbe  (AAA): 


**)  35ie  glürflicfte  93errd)iebenl)eit  ber  efnrtcfttung  ber  eoflnt5ifc()en 
6i)nobc  t)er(^(ü-f>en  mit  ber  @innrf)tun()  ber  5orlH'r<iel)entcn  unb 
nadjfolqeubcn  0i;noben,  f.  in  Sald?'^  ®efcf}id)te  ber  (Joncüien. 
@.  810.  811. 


545 

„T>a  in  einigen  @cöcnbcn  t>on  etlichen  SBcmegencn  ho 
,M^ptn  wirb,  ba^  «Bol!  müflfe  ba^  Slbcnbma^l  unter  beibeu 
„©c(ta(ten  nic^t  nur  mit  ^rob,  fonbern  a\iä)  mit  bem  SBein 
^^empfa^cn,  man  fonne,  fclbjl  öuc^,  wenn  mön  nlc^t  mejr 
,,nöct)tcrn  fcj),  nod)  nacfe  bem  ^ffcn  fommuntciren;  burc^ 
//bicfe  iSfZeinungcn  ober  bie  löbliche  unb  fo  rechtmäßig  QibiU 
,MqU  ©eivo^n^eit  ber  ^ird)e  aU  gottlob  verworfen  wirb,  fo 
,Mt  ftct)  bk  ^eilige  ©pnobe  ^u  (Softni^  entfc^lojTcn,  t>k  ©lau^ 
/,bigen  gegen  bicfen  3rrt^um  ^u  Derma^ren.  ^ad)  etngejol^ 
/,ten  reifen  ©urac^ten  mehrerer  ^feeologen  unb  ^anomjlen  itf 
Jläxt,  bef4)Iießt  unb  befielt  jte  ölfo,  wie  folgt: 

,,Der  ^err  ^&rif!u6  iat  awar  baö  Jeiligc  ©aframcnt 
,,cr(l  md)  bem  SIbenbeflen  eingefe^t,  unb  feinen  Slpolicln 
,,unter  beiben  ©ef^ölten  gegeben;  ober  ob  ba^  fcfcon  tcr 
/,i?err  (Sferij^uö  get^an  f)at,  fo  woßen  boc^  bie  Äirc^en^ 
,,gefcge,  unb  eö  i(I  loMic^  hergebrachte  ©cwojnjeit  ber 
„^ixö)t,  ha^  orbentlid)er  SSeife  nacfe  bem  (J(Ten  \>(i^  ©a^ 
,,frament  gar  nic^t  gehalten,  noc^  t)on  einem  ©laubigen 
„genommen  werben  bürfe. 

/,Sn  ber  erjlen  Äircfee  Jaben  ^war  hk  ©laubigen  ba« 

,,©aframent  unter  beiben  ©e(?alten  genojfcn,  ober  iefet 

,/\fi'i  einmal  löblich  eingefii^rte  ©ewo^nfceit,  ta^  f«  nur 

/,ber  Ttif[t  Jaltenbe  $rie(ler   unter  beiben  ©ejlalten  gß* 

„nk^t,  gapen  aber  allein  t>a^  SSrob  empfangen. 

/,SSer  biefe  ©ewo^n^eit  ober  ©efeg  a\ß  unerlaubt  au^s 

,,gibt,  ober  behauptet,  ha^  t)ai  ^eilige  baburd)  gcfcfemdlert 

,,werbe,  ber  irrt;   unb  wenn  er  auf  feinem  3vrtf)um  bejarrt, 

,,fo  ijl  er  ein  ^e^er.    lieber  ihx  fomme  ber  SSifcbof  ober  fein 

„Oifidal  ober   ber  Sn^iuifttor!   Die  ^eilige  ©pnobe  wirb  e^ 

,,ben  gfirüen  unb  ^ifcfcbfen  auöbrucfltc()  aufgeben,  bag  gegen 

„folc^e  aU  gegen  ^e^er  »erfahren  werbe;  man  rufe  ben  weit«' 

/blieben  2rrm  au  ^ulfc,  um  biejcnigen,  welche  fic&  eigenitnnig 


346 


^,mac^en,  bö3  53oI!  unter  bclbcn  Ocpaltcn  ju  communicircii, 
„mit  gcfcftarfter  ©träfe  ^urcc^t  ^u  weifen/' 

§.    22. 

©c&limmer  Jdtte  e^  bod)  nun  irirfllcfe  nicfet  gejen  f6n* 
nen^  al^  e^  gegangen  njör,  unb  ble  ^eilige  Spnobe  ^atre  nidjt 
fcftfamer  entfc^eiben  fonnen,  ali  fte  entfcfcicben  ^au  I5er 
^err  ^^riffu^  Jat  ^n^ar  böö  ^Hbenbrnafel  unter  beiben  ©cftöl* 
len  öuöget6eilt,  bic  erjle  ^ir4)e  blieb  feinem  Krempel  getreu; 
aber  jel^t  foll  man  e6  hd  ^egerjlrafe  für  löblich  ^alt^n,  ni*t 
3U  tjun,  n?a«  ber  ^err  SJrijluö  t^at,  ber  £)bfert)an3  ber  dlte^ 
j!en  (tri(!Iic^en  ^irc^c  entgegen  S"  bönbeln.  2)en  S3b^men 
war  ntc^)t  eingefallen,  (Soncomitan^  3u  löugnen,  ober  ben  ©e* 
iiu§  unter  beiben  ©epalten  für  unumgdnglid)  not^wenbig  ^u 
Jalten;  (i'e  glaubten  nur,  ber  greijett  eineö  jeben  überlaffcn 
SU  fbnnen,  ob  er  baö  2lbenbmajl  unter  einer  ober  beiben 
©ejlalten  geniegen  wolle,  fte  hielten  ftc^  nur  für  berechtigt, 
bie  le^tere  2Irt  öorjuglic^  3U  empfehlen.  Slber  bie  ^dter  ber 
feiligen  ©jjnobe  tbun  boc&  fo  dngfllic^,  man  mochte  ^k  Sebre 
t)on  ber  (ioncomitan^  umflogen  wollen,  (te  faflfen  ijre  dnU 
fc^eibung  fo  ab,  aU  ob  fte  bloß  gegen  folcfce  gebe,  welche  ben 
©enug  unter  einer  ©eflalt  für  unerlaubt  balten,  unb  am 
(Jnbe  ber  ©enteu^  fcbeint  fte  auf  alle  gerid;tet  ^u  werben, 
welche  tia^  SQolt  unter  bdbm  ©ejlalten  communiciren. 

Unter  allen  5Sifcbofen  unb  Doftoren  ber  @i)nobe  ftnbet 
ftcf),  fo  weit  bie  ©cfc^icbte  biöjer  aufgefldrt  i^,  nun  bocb 
<Juc^  nicfet  ein  einziger,  ber  für  tk  Kommunion  unter  beiben 
®e(!alten  gefprod)en  \)ättc;  nic^t  aucf)  nur  ein  einziger,  bem 
nur  bie  ^rt  ber  ^bfapng  be^  Defret^  aU  unfcbicflid^  auf« 
gefallen  wdre,  bem  ^errn  ^Jrifluö  unb  ber  ganzen  alten 
c^riplicfeen  ^irc^e  fo  o^ne  53erfcbonen  gerabe  in'^  5lntlife  5u 
fagen,  bag  man  entfc^loffen  fet;,  ba6  ©egent^eil  Don  bem  ^ 


347 


tinn,  wai  (te  tjotcm  SÖZan  ^dt  ntd}  taB  ®utac?)ten,  böö 
fid)  ble  ©tjnobe  t>or6cr  burd^  einige  S^JeoIogen  jlellcn  lieg: 
unb  ber  @t)nobflIfc^Iug  felb|!  i(!  nt*tl  anberl,  ölö  eine  2lb> 
fur^ung  bcfifcn,  voa^  in  bem  ©utflc^ten  enthalten  war  *).  @o 
gebulbig  liegen  jic&  bie  @pnobaIt)dter  in  biefcr  wicfetigjlen  23c^ 
ratjfc()lagun9  fuhren,  unb  gegen  ijre  fonjlige  ®en?o()n6eit  eilen 
fte  fo  fernen,  aU  ob  bei  reiferer  Ueberlegung  ctnjaö  ^u  t>er* 
faumen  irare,  unb  aU  ob  Äug  nocfc  B^W  iJ«^  Urtjeild  fe^n 
mugte.  Ungefähr  3U  SInfang  be$  SIprilö  fi'eng  Snfobeüu^  ju 
^rag  /eine  fogenanntc  S^ieuerung  an,  unb  in  ber  5iJ?itte  bc« 
Suniu^  njar  ju  €o(!nii  über  feine  5}?einung  öbgcurt^eilt.  @o 
fc^nell  befonnen  ivaren  ^ier  bie  ^rdlaten,  tk  ftc^  boc^  ^ix 
gleicher  3^it  fo  I^Jn^^  n^c&t  cntf4)Itegen  fonnten,  ben  Xejrfal^ 
So^dun'^  M  kleinen  3U  t)erurt6eilen ,  burc^  tt^elc^en  cUt 
©ic^erbeit  im  ^iaat  öufge^oben  worbcn  wäre,  ^an  fonnte 
nic^t  wiffen,  ob  ftc()  bie  greunbe  ber  neuen  9J?einung  eigene 
ftunig  machen  n?ürben,  biefelbe  ^u  behaupten:  unb  boc^  tvirb 
gleicfc  mit  geuer  unb  ^d)mvt  gebrojt,  ttjenn  jte  fid)  ungeföjr 
onterpetien  foUten,  bö^  uod)  ferner  gu  t^un,  wal  ^Jrifiu^ 
unb  feine  erfte  ^irc^e  getjön  Ratten, 

§.    23. 

X)it  S5übmen  erfuhren,  wie  ernjinc^  biefe  l5roiung  ge* 
meint  fci).  ^k  53ert6eibigungen,  »reiche  fte  ^rieben,  würben 
ali  ©timme  ber  §Kebeüton  angefeben^  würben  fogleic^  öuf 
25efebl  ber  (£i;"obe  wiberlegt;  e6  war  nic&t  einmal  an  eine 
gelinberc  25cutung  ^u  benfen,  bie  man  bem  fc()on  gemad^tm 
Defret  ^u  geben  gefucfjt  iäm.  ©in  gan^e«  ^bnigrcic^  würbe 
in  bie  grogte  ^Bewegung  gefegt,  tiel  taufenb  5öi?enfcl)en  wur* 
ben  auf  bie  (Sd[;lac{)tbanf  geliefert,  nur  bag  tU  ©pnobe  ifren 


*)  van  der  Hardt.  Tom.  UI.  Part.  XVH.  Cap.  1. 


548 


togmatifc&en  Einfall  burd)fcgcn  mochte.  Unb  am  ^nbe  war 
ber  gön^e  Einfall  boc^  t\\d)t€  anbereö  aU  (JigcnjTnn,  ber  jcl^t 
gerabe  gegen  bie  SSo^men  feine  9^id)tuiig  genommen  f)atu, 
Die  (Siilercienfcr,  unbeforgt,  traö  bic  ©pnobe  befc^)Ioflrcn  ^abe, 
hlkbm  hd  t^rev  alten  ©enjo^n^eir,  nic^r  bloß  ben  iJjjeffe  (>al* 
tenben  ^rieftet  hcn  ^elcfe  genießen  ^u  laffen,  ^r(t  ^n^ei  unb 
3tt?anjig  Sabre  naci)  obigem  Defret  ber  (^ojTni^cr  6t;nobe, 
nac^bem  unterbcg  ^obmen  fafl  311  ©runbe  gerichtet  n?ar,  ent^ 
fc^lteßen  auc^  fte  jtct)  cnblic^  freiwillig,  ben  ©ebraud)  be^ 
^üd)6  md)  ber  SBeifc  aller  übrigen  ^irc^en  ein^ufc^rmifen. 
©elbfl  aber  aud)  bamalö  war  eö  nic^t  ©cborfam  gegen  bie 
©t?nobaIt)erorbnung ,  ober  gegen  ein  pdbftlicbeö  2;e!rer,  fon^ 
bcrn  freiwillige  Dlac^a^mung  ber  romifc^en  ^irdjengewobnbeit, 
ju  welcher  jte  blog  bie  Jßetrac^rnng  M  eigenen  9lu6en^  einer 
folc^en  ^eranflaltung  bewogen  babe  (Q). 

(E'ö  war,  al^  ob  bk  guten  Wond)c  bk  ^ircfee  immer  ge? 
rabe^u  meipern  wollten.  SBie  noc^  fein  ^ird;engefc^  ba  war, 
woburcö  (Kommunion  ber  Saj)en  »erboten  ober  migratben  wor* 
ben  wdre,  fo  macbeii  |tc  ein  ©efe^  gegen  biefelbe:  wie  bie 
^ird)e  ourc^  ben  feierlid)j!en  6i)nobalfc^Iug  allen,  auger  bem 
ÜD^effe  baltenben  ^riejler,  ben  Md)  abfpricl)t,  fo  braud)en  (tc 
ijn  ung^ebinbert  fort,  unb  vok  tk  Äird&e  ben  ©ebraud)  beffcl^ 
ben  för  benjenigen,  ber  jtc^  bei  fonftigen  ortboboren  ©e(Tnj= 
nungen  barnac^  feb"^/  ö"f  ^^^  91^"^  erlaubt,  fo  mad)en  jTe 
ijn  jegt  cr(l  ^um  ^riöilfgium  M  ?!J?egpfaffcn.  Dod?  bie 
^iflercienfer  waren  lange  nic^t  bie  einzigen,  weld)e  fid),  obnc 
begwegen  gefrdnft  ^u  werben,  um  ben  ©c^lug  ber  ^ojTni^cr 
©ijnobe  gar  nid)t  beffimmerten.  Die  Wmxäiz  t>on  Monte 
Cassino  brandeten  aud)  nod)  im  iSten  Sab^bunbert  ganj  gc< 
wojnlid)  allgemeine  Kommunion  unter  beiben  ©eflalten  ^•)  unb 


*)  Gattula  hiaioria  Abbatiae  Cassm.  pag.  570.  etc. 


549 


im  Äloflcr  (^lugci)  nahmen  jte  e^  nocfe  öm  ^nbe  be^  löten 
Söftr^uiibertö  olö  gan^  hdaimt  an  (R),   bag  fte  mit  9lcc^t 
bic  ©enjD^nljeit  Wtten,   bei  bcr  «DJcflfc  nid^t  bloß  ben  5l}?e(Te 
fyaltenbcn  ^>rtcjter  ben  Md}  gcniegen  ^u  löj^ciu     @o  voax  eS 
and;  in  S.  Denys  -),  fo  t>ieUeid)t  nod)  in  mebrcren  ^loRern, 
t>on  tüelcteu  wir  feine  Olacfericbt  ^aben.    Die  !9^ünd)e  l)aUn 
c^  üon  je&er  mit  bem  ©c^orfam  ^egen  tk  Äirc^engefe^e  «ic^t 
fo  genau  genommen,   mögen  jTe  alfo  öud)  ^ier  i^ren  eigenen 
(ginn  behalten  ^aben:   aber  ba^  ber  $abft  fclbjl,   nocf)  nac^ 
ber  (Sofiniier  ©ijnobe,   M  genjijTen   grogcn  feierlicben  (5om? 
munionen,  2a«en   getDo^nlic^  auc^  mit  bem  Äelc^  communi;« 
cirt  ^at,   wo^ei-  baför  bie  ^ntfcbulbigung?  5Bar  er  fm  t)om 
©efc^,   baö  bie  ©pnobe  fo  o6nc  Sluöna^me  gemacht  l)atu, 
auf  bcflfen  Uebertrctung  S5ann  unb  ^Strafe  gefegt  war?  Wlaxf 
tin  y.  fonnte  bocfe   t>k  ^ojlni^er  ©»nobe  für  feine  unrecht* 
mdgigc  (Stjnobe   galten;   benn   voax   biefe  unrechtmäßig,   fo 
war   auc^   feine  pdbftlid)e  SBa^l   unrect)tmdgig»     SBar  aber 
bie  i^ionobc  tvirflic^  im  b^iügen   ©eif!  öerfammclt  geiuefen, 
fo  ttjar   auG^  ber  @d?Iug- im   ^eiligen  ©eijl  abgefaßt,  ta^ 
ber  ^ab(l    ber  (g^nobc   untern?orfen   fe^,    alfo  53erfögungcu 
ber  ©t)nobe  nic&t  nac^  SBillfur  berdnbcrn,   nicfct  nac^  üBitt* 
för  felbi!   übertreten  fonne.    5[l?ug  eö  nic^t  jebcm  auffcllenb 
6art  fc^einen,  bag  ber  ©efe^gcber,  fogar  mit  53ergiegung  Die« 
Icn  ?[)?enfd)cnblutö ,  über  ber  23eobacbtung  eine^  gewiflfen  ©e^ 
fe^eö  iüad)r,   unb  (elbft  bafltelbc  red)t  feierlich  übertritt.    Sin 
junger  256&me,  ein  23accalaurcu^  ber  S[»jfbicin,  lieg  fc^on  ben 
^abjt  '^Sflaxün  V.    ba€  $dctcrlid;e  unb  SSiberfprecfeenbe  cine^ 
fold)en  23erfaf)ren5  füllen.     5BeiI  er  ercommiuiicirt  fevjn  follte, 
unb   fein  ©eiftlictjcr   ercommuntcirt  fei;n  foUtc,   wenn   er   in 
^ü&men  benÄelc^  geniege,  fo  flellte  er  pd)  ^u  ber  Jeit,  wenn 


''■)  Gerberti  disqiilsit.  lilurgica?.  P.  I.  p.  388.' 


550 


ter  ^abjl  fclb(!  Sa^en  ben  ^clc^  reic^fc^  in  bie  SÄciJe  ber 
€omniunicanten ,  unb  cm^ftcng  alfo  au^  eigener  (lo^er  5?anb 
M  ^abfl€  hcibt  ©eftalten.  Ser  qOabfl  njurbc  nun  feit  tiefer 
$cit  fparfamcr  mit  Darreid^uug  be^  ^elc^^  an  bie  Satjen  *)♦ 
Ueber^aupt  fcfeeint  cö  no4)  eine  feftr  bunüc  ©ac^e  ^u 
fe^n,  wa^  aM  in  ber  ^ojlnljer  ©t)nobe  in  bicfer  ©acfec  öcr^ 
Jönbclt  Worten  fe^.  ^dt^cnoifm  unb  fO^dnner,  weldK  e^ 
toüfornmen  genau  tci^m  fonnten,  wa6  eigentlich  Sn^ölt  i^rer 
2)efrete  gewefen,  läugnen  gan^  beutlicö/  ta^  t>k  ^\x(i)t  ba* 
mal«  fiberjaupt  Sa^en^^ommunion  unter  beiten  ®e(!alten  öer^ 
boten  Jabe.  S^Jomaö  t)on  QBalten,  einer  ber  berö6mte(!en 
©treiter  gegen  t>k  5Baltenfer,  unt  ter  felbj!  auf  ter  ^offni^ 
jer  @t)note  gcgentüdrtig  war,  Idugnet,  tag  irgent  etwa«  Wiu 
ter  Derboten  fe»),  aU  ter  ganj  allgemeine  ©enug  te«  ^clcfe«  (T). 
^ie  Äird)e  b^be  ben  großen  ^rdlaten  t>a^  Sflecfet  ju  bifpenft* 
ren,  fiberlaflfen,  unb  man  Jabe  wirflic^  bäuftge  S5eifpiele  fol^ 
cfter  Difpenfationen.  X)a$  eigene  ©efldntnig  eine«  pdb(tlic|)en 
Legaten  enthält  ungefähr  eine  gleid;c  Dlac^ric^t  (ü). 

§.    24. 

2Iuf  ber  ©ijnobe  ju  23afel  foHte  ter  gebier  öerbejfert 
werten,  welchen  ta«  voreilige  53crfabren  ter  ^o(!ni^ifcfecn  ^d# 
ter  Qcmadot  iatu,  ^an  fab,  tag  e«  klö^ux  gcwefen  war, 
fct)olajlifd)e  ^tjpotbefen  in  einen  St)notalfcblug  ju  t>erwanteln, 
öl«  tiefem  (5i()notalfd;lug  hü  einem  «ßolf  ©ultig!cit  ju  t?er^ 
fcftaffen,  beflen  2li*fmer!famfeit  auf  bie  2Babrbcit  einmal  er^ 
regt  war.  Die  SSaöler  (S^nobe  ^am  fdjon  im  S^br  1433 
Deputirte  nac^  ^rag  gefd;icft,  um  bie  .klagen  unt  teu  gan^ 
jen  3uj!anb  ber  ©ac^e   an  Ott  unb  ©teile  ^u  uutcrfud^eu; 


^)  Calixtus  de  Coraminiiouc  siih  utraque  pag.  48.  ex  narraiioiie 
Ucnr.  Kalt«iseii,  Archiepiscopi  Xidrosiensis. 


551 

bicfe  mettun,  tok  unm&glic^  e«  fc^,  ein  53erlangcn  gn  tau* 
fc^cn,  baö  alle  ©cmut^er  in  ©aftrung  gefegt  {lattc,  unb  Der* 
iiattcUn  ölfo  im  Dramen  ber  @t)nobc  bcn  ©enug  unter  UU 
ben  ©eflalten. 

Die  53ereini9ung,  tvelcfee  im  3^6^  1^36  ^u  Sglau 
3wifd)en  ben  335^mcn  unb  bcr  far^oIifc()cn  ^ircfee  errichtet 
würbe,  grunbetc  fid>  üorjüglid)  öuf  bicfcö  ^rit)ilegium :  unb 
^u  ^nbe  M  nad)fo(genben  3«5rö  würbe  ein  feierlicher  ©t)no^ 
balfc^Iug  in  S3flfel  baruber  öbgefagt;  ober  fo  tJoU  SSeflim^ 
mungen  unb  ?3crfcferöubungen,  wie  man  ftcft  immer  au^brucfr, 
wenn  man  enblid)  eine  ©ac^e  giebt,  tik  man  ungern  gtebt  (S). 
Einmal  foüte  juge(!anben  werben,  bag  Kommunion  unter 
beiben  ©ejlalten  gar  nicfet  fraft  eine«  g&ttli4)en  Sefejlö  norj* 
wcnbig  fe^;  fo,  ^a^  alfo  tu  ^ird)e  bcjlimmen  fbnne,  wie 
berjenige  ba^  5Ibenbmabl  genicgcn  folle,  ber  eö  nic^t  aU 
3}?eflfe  baltcnber  q)riefier  genieße,  gweiten^,  ^oncomitanj 
foll  nic^t  bezweifelt  werben,  bag  auc^  berjentge  ben  ganzen 
^brijlu^,  ba^  gan^e  Slbenbma^I  gcnicge,  ber  blog  eine  ©e# 
jlalt  empfange.  S5ritten^,  man  foll  Kommunion  unter  einer 
©ejlalt,  bie  fo  gar  Ibblicfe  biö^er  gcbalten  worben  fei),  für  m 
Äircl)engcfe^  Jaltcn,  ta^  ojine  (^ntfcfceibuug  ber  ^irc^e  nicfet 
geanbcrt  werben  börfe. 

25aö  gan^e  Defret  war  offenbar  nic^t^  weniger,  aU  freie 
«löicberberftcauug  bea  ^cld)^.  d^  war  me^r  2Ipologie  für 
ba^  53erfaören  ber  (Si^nobabatcr  felbjl,  bag  fte  ha^  fRc(i)t  ge* 
"^aht  batten,  ben  25obmen  ben  Äclc^  ju  gejiatten,  unb  ber 
^aupt^Srrtbum  blieb  noc&  immer  unberührt,  bag  e^  in  ber 
^malt  ber  ^ixd)e  fev),  folc^e  ^erau(!altungen  Sbrifli  wiüffir^ 
lic^  iu  dnbern.  Qlüe  mit  biefem  2ebrfa§  3ufammen6dngenbc 
bogmatifc^e  ©d^c  würben  fovgfdltig  gerettet,  unb  ba  felbjl  um 
tiefe  $dt  bit  Streitfrage  gerabe  in  grogerer  ^Bewegung  war^ 
wer  ben  §bd;ften  entfc^eibcnbcn  Oluefpruc^  in  ber  ^ird?e  1)aU, 


552 


ber  ^abjl  ober  eine  ofumcnlfc^ß  ©pnobc:  fo  voat  mit  bcr 
gönnen  (^ntfc^clbung,  bag  tu  Äird)e  ben  ©eimg  unter  einer 
©cjlalt  erlauben  fonnc,  aUc^  inö  Ungcnjtflfe  hineingeworfen. 
SQ)er  ijl  benn  alfo  bie  Äircbe,  an  welche  ic^  nild)  ^u  wcnben 
5abe?  Sü'^  Difpenfationlartifel  für  ben  ^ab(I,  ober  nur  für 
eine  b!umcnifd;c  (2j)nobe?  Die  25afelfc^en  55dter  trerbcn  njo^I 
ben  erllern  unter  bem  9lömen  Älvc^e  nicbt  gemeint  Jaben; 
ober  wirb  man  immer  fogleicb  ivicbcr  eine  ofumcnifd^e  ^i)^ 
nobe  jufammcnbringen,  bloß  um  in  foId;en  gdüeu  ju  M: 
ipenjiren  ? 

§,    25. 

©0  fc6n?an!enb  unb  jtveibeutig  biefe^  T)dxct  bcr  S5afcli^ 
fc^en  53dter  war,  fo  ^ielt  ftcb  bod)  t^k  ©ijnobe  t>icl  bcrnunf*« 
tiger,  aU  bie  Doftoren  unb  @c^oIa|li!er  hiefe«  $titalmß»  S« 
t(l  ein  trauriger  Slnblicf,  wie  jtd)  tk  ©rünbe  fiir  Sommuniwi 
unter  einer  ©eftalt  fo  gewaltig  »ermejrt  baben,  fobalb  2Bi^ 
berfprucb  entjlanb;  wie  man  ben  befirlttenen  @a^  fogleicfe  in 
öUe  S^^eite  beö  ©^jlemö  ^u  t?erfledjten  fucbte,  um  bemfelbcn 
ein  ©ewicl)t  p  tjerfcbaffen,  unb  volc  man  t>on  einer  Söebaup»- 
tung  3ur  önbern  fortfcbritt,  bi«  man  ficb  enblic^  bajin  ttxf 
kr,  SU  be{iauptcn,  eö  fct)  gegen  €&rijli  eigene  (Jinfe^ung,  ba« 
Slbenbmajl  unter  beiben  ©ejlalten  au  balten.  SSeil  nur  ein 
©Ott  fei),  fo  gelte  aud)  nur  eine  ©eflalt  im  2IbenbmaJI  ^% 

ffite  bie  ©ewobn&eit  auffam,  Sa^cn  ben  ^elcb  ju  ent* 
Rieben,  fo  fprac^  man  bloß  t)on  notjwenbiger  Sorgfalt,  tafi 
fein  2!ropfen  beö  ^eiligen  5Bein^  verloren  gebe ;  man  braucbte 
bie  Se^re  öon  ber  Soncomitanj  aH  (5ntfcbulbigung  bcr  neu* 
Angenommenen  6itte,   nicfet  al«  SHedjtögrunb,   bag  bie  neue 


*)  25tcfen  9?cmet^  führten  G^-fntge  in  evid)fen  jur  3dt  ber  ^Hefbt: 

mntton.     @.  Seckendorf  Iiist.   Luther.   li.   111.   fol.   71. 


553 


©cwo^n^cit  not^tvcnbig  fcp,  d^  fo(!ctc  Wlüf}i,  hi^  man  ftd> 
t>ou  ber  3bcc  losarbeitete,  bag  bod)  im  ^'mpfang  be5  gan5cn 
©aframentö  itic^r  ©uabe  enthalten  fc^,  aU  beim  ©eiiug  be^ 
§8robö  alUhu  ^lan  mad)te  nur  nacft  bem  berrfd)euben  @clfl 
jeiieö  3^italterö  t>iclfad)e  QInmerfungen  barübcr,  ba^  bod;  nid)t 
überall  ^cin  5U  bcfommen  feiv  bag  cö  fo  fc^wcr  ftalte,  hiv 
fefrirten  ^cin  außubcit>af;vcn ,  tveil  er  gar  3U  leicht  faucr 
tüerbc,  ta^  mand)e  9)?enfc^e«,  natürlid)er  SIbnetgung  falber, 
ben  ^cin  gar  iiidjr  fc^mccfc«  fonnten,  olfo  bod)  nur  unter 
einer  ©cfralt  commuuiciren  mügteiu  5Q?it  biefen  ©runben 
tt)ec^felte  man  hi^  ^u  (5nbe  be^  Dier^eßnten  S^^r^unbert^.  dlmx 
wax'i,  aU  ob  mit  einemmal  tu  ©eijler  crjl  cnrad)t  vrdren, 
unb  crft  entbccft  Ratten,  ttjie  baö,  njo^u  fi'c  fo  ganj  sufdllig 
gekommen  waren,  fraft  beö  gan3en  (Si)(Iem^  dugerj!  notß^ 
njenbig  fe^.  ©elbfl  ber  fromme  ©erfon  fanb  ein  ftalb  Du? 
^cnb  ©ruube  me^r,  aU  man  üor.ijm  geiüugt  ^atrc,  unb  lieg 
ftd)  in  $8cmetfe  ein,  bie  unö  t)on  feinem  ^&ara!tcr  eine  fd;Icd)te 
9}2einung  mad)en  mugten,  wenn  xüd)t  burd)  ^0  mk  S3eifpiele 
ber  ©efd)id)te  fldrlic^  beriefen  n?drc,  wie  unfd;dblid)  oft  t>k 
fc^dblic^lten  bogmatifc^en  Meinungen  in  einer  gewijfen  ^cele 
liegen  fonncn  "). 

Der  eigene  Q3organg  S^rijTi  war  immer  einer  ber  (!dr!* 
jtcn  (Einwurfe  gegen  bie  neue  ©ewo^n^eit  ber  ^ird)e,  ©e* 
Wüjnlid)  antworteten  hk  5}ert^cibiger  ber  Ic^tern,  bag  (äi)vif 
jluö  jiicr  blog  feine  5Ipo(lcl  communicirt  ^abc ,  bie  Sfteprdfen? 
tanten   aller  f&nftigen    Se{)rer  ber   Äird}e.     SBenn   ber   ^?err 


)  ^k  nnd)folgenben  53ewetfe  für  bk  (Kommunion  nnter  einer 
©eftalt  finb  auö  ben  @ct)riften  ej:cerpirt,  iüeld)e  im  britteu 
^aubv*  ber  mt^n  beö  (Jofkiijer  Scncilium  entl^atten  iiixt,  ?0?fi^ 
Ocng  fi'uben  \ia  fiel)  in  ber  ©rfnnft  be^  ^attiler^  ©crfon. 

»pittlec^  fämmtl.  SÖevfe  VIII.  95b.  23 


i54 


€6riiluö  hm  ^A)^m  Utk  ttJolTen  baö  Siecht  ^um  ^eld)  cicbcn, 
fo  datte  er  muffen  feine  ^ütUx  Wlaxia  herbeirufen,  feine  ^n^ei 
unb  ftcbcii^ig  Sönger,  ben  ©irtj  mit  feiner  gamllie,  in  bef^ 
fen  ^aufe  er  t»aö  £)ftcrlamm  ög.  ^an  finbe  n?obI,  ba§ 
(S^riftuö  4000  9J?cnfc()cn  mit  7  23roben  unb  2  SHcl)en,  unb 
tt)teber  5000  mit  5  $5roben  unb  2  gM'c&en  gefpeiöt  6abe:  ober 
fein  5Bort  bat)on>  bag  er  i{>nen  ^u  trinfen  gegeben»  gur  bie 
©mauntifcfecn  Sungcr  brac^  er  wo1)l  t>a^  25rob,  aber  er  gab 
i&nen  feinen  SBein.  (Jö  ifi  alfo  gen)ig  nid;t  fein  Stöiüe,  ta^ 
^a\)m  unter  beiben  ^cfialtm  communiciren  foUen»  Der^or* 
bilber  im  alten  ^^ejiament  für  bie  £at)cncommunion  fanb  man 
fo  t)ief,  ha^  Id)  fie  ^ter  nic^t  beifugen  mag;  man  fann  obne> 
bieg  jc^ou  auö  bem  angeführten  fdjlicgcn,  trie  leicht  fiel)  ^ier 
t)ieleö  mag  ^abm  fi'uben  iaffen.  SBcil  ber5Ipo)Tcl$auIu6  an  bie 
(Sorint^er  fc^rieb,  „wenn  i^r  jufammen  fommt  ^u  effen/'  (o 
i(l  baö  offenbarer  ^avti^,  bag  Kommunion  unter  einer  Q)Cf 
fla{t  ttjar,  benn  t6  beigt  ja  nic^t  ^u  effen  unb  ^u  trinFen, 
X>ic  anbere  babci  fte^eube  ©teüe  aber,  wo  ^'ffcn  unb  2:rinFen 
jufammengefe^t  wirb,  beweife  nic^t  weiter,  aU  bag  üiellcic^t 
burd)  93erleitung  falfc^er  Se^rer  aud)  (Kommunion  unter  beiben 
©ef^alten  flatt  fanb,  unb  ber  ^ypoflel  will  anfangt  nur  hU 
grobfrcn  Srrtbumer,  bie  ftc&  bei  tjnen  in  hm  Spaltungen  be5 
2lbenbmal;l^  eingefcfelicfjen  iattm,  t)erbefferm  (3ibt  mau  cub* 
lic^  auc^  ben  SBorten  be^  -SIpojlcl^  tbre  t)oU!ommenfte  Stt^rfe, 
fo  liegt  md)t  mebr  barin,  aU  bag  Kommunion  unter  bcibeu 
©eftalten  in  einigen  oricntaüfdjcn  Äird;cn  gewbbnlid)  war; 
lagt  fic^  aber  bierauö  fcf^liegen,  mt  eö  im  ^ccibeut  gcßaltcn 
werben  muffe? 

§.    27. 

.     Um  ber  mei(!cn  ©teilen  bcr  ^trd}enöafer  M  ju  wevbiu, 
öu«  wdti)m  man   bewies,   bag  ejemal^  ber  ^^i\ä)  allgemein 


355 


aü^Qttf)c\it  «?urbc,  br(iud)tc  man  üor^uglic^)  eincu  ge^Dlflfcn 
cregctifdjcn  Uniöerfalfunjlgriif,  2öenn  in  einer  ©teile  Dorfam, 
t>a§  bk  ©laubigen  ben  Scib  ^^rifti  genojien  unb  ha^  SSlut 
(Sftrifti  getrunfcn  Ratten,  fo  w^x  t^k  fd)üne  S)iftinftion  bereit, 
ba^  le^tere  fei)  concomitative,  aber  «ic^t  sub  proprio  signo 
vini  3u  öerfte^cn» 

Qß  würbe  unerträglich  ermubenb  feyn,  bie  fcbonen  Snter^ 
prctationcn  ^u  geigen,  n?elcl)e  \>oi\  t)tn  bcutlicbl^en  Ölusbrudfe« 
ber  Äird)ent)ater  gemacbt  würben,  unb  wenn  e6  ouf ^  dugerjie 
cntam,  ba§  ftc^  t>k  ©teile  gar  nicßt  nu^x  berbre^en  lieg:  fo 
fagtc  man,  bie  erjle  (triftlid)e  ^ircl)e  Jat'^  gut  gemeint,  aber 
wir  wiflfen'^  nun  bcfl*er,  ©ie  iat  in  manchen  anbern  ^wnh 
ten  geirrt,  wo  wir  bie  ©ad^e  nun  rid)tiger  einfejen;  warum 
foUten  wir  nid)t  auc^  I;ier  unferer  aufgefldrtern  ßinftc^t  fol^ 
gen,  2)ie  alte  ^ird;c  mag  immerhin  gut  regiert  worben  fet)n, 
aber  bk  S^egierung  ber  neuern  ^irc^e  ijl  n od)  Diel  t>ollfom^ 
mener  unb  beffer;  überhaupt  i(!  i^r  ganaer  gujlanb  tiel  trejf^ 
lieber,  al5  ber  Suftanb  ber  alten  Äircbe* 

2Im  ^duftgüen  waren  bie  ©runbe,  welche  man  t>on  ber 
©d)icf(id;!cit  ber  ©acbe  ^efna^m,  unb  üon  ben  mannigfaltig 
gen  ©efa^ren,  weld;e  not&wenbig  barauö  entfpringcn  mugten, 
wenn  (Kommunion  unter  bübm  ©eflalten  eingeführt  werben 
foHre.  (5ö  fci)  ungefcbicft,  ba^  mit  niedrem  Umfiduben  3U 
tjun,  wa^  ficO  mit  wenigem  t^un  laffe.  Sßo&er  ein  fo  groger 
^eld),'  um  eine  groge  ©cmeine,  unb  ^ur  Ärieg^^eit  eine  ganje 
2Irmee  mit  ^ein  ^u  communiciren?  ^iaufenbjdSrig  fei;  fd)o« 
bie  (SJewo^n^eit,  nur  unter  einer  ©ejlalt  bem  23Dlf  ba^ 
Slbenbma^l  auö^ut^eilen,  Dh  bie  Äird;e  biefeö  gan^e  3a5r^ 
taufenb  binburc^  geirrt  Jaben  foU?  Ob  fo  Diele  fromme  g^cn^ 
fcben  geirrt  ^aben  follen ,  welche  ^ba^  ^Ibenbma^l  bi^ber  unter 
einer  @e|lalt  empftengcn,  fo  t>iele  fromme  q}riefter,  weld)c 
hai  2Ibcnbmo&l  biö^er  unter   einer  G)e|lalt  auötbcilten?  ^b 

25  * 


556 

ftd)  uberjöupt  ber  Sa^e  clubilbcn  foö,  fo  öicl  wm^  su  fe^u, 
fliö  ber  ^rlejler?  SBer  foüte  eö  glöuben,  ba^  ®crfou^  bcr 
fromme  ©erfon,  in  feinem  SBiberfpruc^  fo  it>eit  gieng,  ben 
©enug  unter  beiben  ©e(!aften  aU  ein  ^erbrecl;cn  an^ufe^en, 
baö  ewige  ^erbömmung  iidc^  (tc^  ^ic^e? 

lauter  folc^e  ©runbe  unb  «oc^  t>iel  mehrere  fann  mön 
in  bcn  @d)riftett  entn^icfelt  ftnben ,  tüdd)t  ^u  ben  ^nun  ber 
(^ojlni^cr  ©i)nobe  ^ur  SSert^eibigung  bcr  einmcil  angenommen 
nen  ©en?oJn!)cit  9efct)rieben  würben»  Sßer  Jdtte  nod)  im 
Smolften  S^^riunbert  geglaubt,  ba^  jtc^  fo  gar  mU  ©runbe 
für  b'u  Kommunion  iinter  einer  ©efialt  würben  finbcn  laf? 
fen ;  wie  'f)at  jtcö  bk  ©ejlalt  unb  Sln^abl  öUer  bicfer  ©rünbe 
wiebcr  gcdnbcrt,  biö  jTe  jt4)  red^t  an  S3ojfuetö  fcl)opferifd)en 
Söi^  anjufc^miegen  vou^tnu  ;  2)aö  Jdtte  ber  S3ifc^of  i?on 
SKeauv  gewig  M(i)t  nad)gefagt:  wir  jTnb  Diel  fluger  gewor? 
ben,  al6  bie  er(Ie  Ätrd)e,  ^an  mug  er(!  t>iele  ^polemifer  t)or 
fid)  gehabt  f}aUii,  c^e  man  redjt  sufammcn^dngenb  unb  fo 
polemifiren  lernt,  baß  man  nic^t  fein  eigene^  (Si;pcm  untere 
grabt,  ^ba  ber  ^ö^e  wertj  ijl'ö  boc^,  ^ier,  eje  wir  weiter 
fovtf erretten,  cimn  SSltcf  auf  bk  wid)tige  Q3erdnberung  ^uriicf:? 
zuwerfen,  welche  anö  bem  grogen  Hinflug  cntfprang,  ben  nun 
bk  ^oftoren  unb  ©c^olajlifer  öuf  bk  o|fcntIid;en  ^ird;cneut^ 
fd)cibungen  Ratten. 

§,    28, 

^k  ^ifd)ofe  waren  fc^on  fett  etlichen  Sajrjunberten, 
bcfonberö  in  S)eutfd)Ianb,  folc^e  S^mcii  geworben,  ba^  jte 
jic^  um  SKeltgion  unb  Stieologie  ivenig  befummerten.  dhx 
S3ifd}of  i)on  SÖZain^  ftatte  mit  feinen  Äaiferwajlcn  unbjlaifcr? 
cntfc^uugcn,  mit  3?eictötdgcn  unb  SRcicfee^ofen  ^u  t^un,  bajj 
er  nid;t  einmal  feine  ^roöincialfijnoben  rtd)tig  gu  b^lten 
wugtc,   ml  weniger  m  gelehrten   tjieologtfc^^en  ^enntniffen 


5ü7 


SJ^elj^cr  fci)n  fonnte.  Da^  Wlonopol  biefer  5Irt  t)on  ^cnnt# 
nlffcn  gicng  faj!  einzig  auf  bie  Uiiiöcrfttätöle^rer  über.  25ic 
(5ntfcf)elbun9  t)on  biefcn  bejlinimten  £)rt^obor{e  uub  Jpetero? 
boric;  bie  t§cologifc()eti  gafultdteu  waren  nun  baö  geirorben, 
tt>aö  c^emal^  bie  ©ijnobcn  waren,  unb  wenn  jegt  aud)  @t)sf 
noben  ^ufammengerufcn  würben,  alfo  aud)  eine  ®elegen()cit 
jtcü  setgte,  wo  man  ben  ^ifd)of  im  glanjenbjten  ©enug  feiner 
alten  SHedjtc  ^dtte  erwarrcn  follen,  fo  waren  eö  wieber  bie 
I^oftoren  ber  SJeoIogte  unb  be^  fanonifd)en  3^cd)t^,  nac& 
bcren  ©utadpten  alle^  ö'^"9/  weld}c  bcn  58ifd;of  gleic^fam  im 
©dngelbanb  führten,  Die  ^fjeologie  Jat  ton  bicfer  5Jerdnbe^ 
rung  feinen  D^u^en  gehabt,  (i^  i^  i&r  t)on  je^cr  am  bejlen 
gegangen/  wenn  biejenigcn,  wcld)e  hü  t(iren  25ejlimmungen 
ctwaö  C^ntfcfccibenbeö  ^u  fprec^en  Ratten,  in  forglofcm  ^d)lün\^ 
mer  lagen»  Da6  bogmatifd^e  ganfen  entleibet  felb(!  bem 
großen  i^aufen,  wenn  er  fie^t,  mc  wenig  barauf  Qia(i)ta 
mx\),  unb  t)u  Sdnge  ber  geit  bringt  enblic^  bk  notl^igc  2lb^ 
Ju()Iung  tjon  felbfl  f}ert)or,  wenn  nur  nid)tg  wdf)renb  ber  ei^ 
genttidjen  ©d^rung  im  ojfentlid)en  Flamen  ber  ^ird;e  fefige? 
fei^t  wirb,  Qiw  Unglödf  ijl  e^  alfo  immer,  wenn  berjenige, 
fo  ber  I)ifputaror  ijl,  ^ugleic^  aud)  6entcnj  fprec^en  fann, 
unb  baö©efu^I  t)on  ber  5öid)tigfeit  unferer  SS}?einung,  hci€  jtc& 
burc^  baö  I5ifputtren  fclbjl  bfterö  ^u  tief  einbrucft,  wirb  gar 
leid)t  fo  ftarf,  ha§  man  ade^  aufbietet,  um  feiner  ^ijpot^efe 
t>aB  (Siegel  unt)erbrud)Iid)er  ^ird)enort^oborie  aufbrücfen  ju 
lajTen.  (2o  lange  fi'd;  bie  S5ifcbofe  felbft  um  ^^eologic  be^ 
fummerten,  auf  ^roüincial^  unb  oFumenifc()en  ©ijuDben  ijber 
SrrtNm  unb  9^ec^tgldubigfeit  urt^eilten,  Jo  ijl  eö  ewiger 
^ampf,  ha^  jebe  Partie  ibren  tf;eologifd;en  6pra^gebrauc& 
allgemein  ^errfcbenb  mad)en,  burcbauö  in  feinem  SiBort  ber 
anbern  nadjgebeu  will.  SBie  ftc^  bk  (Scenc  ber  itier!*' 
wüfbigen  c^riillic^en  Äirc&engefc(?id;tc  immer  raejr  a«6  timx 


358 


Otknt  in  bcn  Occibcnt  breite,  fo  war  nm\  iud)t  nur  wcgcit 
ber  UinDiflTcnScit  bcr  occibentalifdjen  55ifcl;ofß  t>or  bogmatifc^cn 
©treittgfeiten  lange  gelt  jtc^er  —  bie  ^\)i\ot)al\d)[u^c  finb  in 
biefer^eriobc  nieijtenö  ^olijciocrfögungcn  bcr^ircfee  —  fonbcni 
ber  S3ifc^Df  tüar  überöaupt  mc&r  Se^en^mann  al6  S^eologe. 
Slbcr  iu  ber  legteru  ^palftc  beö  eilfrea  3a^r^unberta  traten 
\ik  ^Jejrer  ber  ö^'^ß'^"  ©tiftöfc^ulen  in  gleiche  bogmatifc^c 
€'iferfuc^t  ein.  ^iefe  ^•ifcrfnd}t  tDurbe  bn  bem  S'ntfieljen  ber 
Uniöerftfdten  burd)  tid^  jcl^t  bejlanblg  fortbaucrnbc  perfbn* 
lic&e  3"f<^ttimcntreffen  ber  geubtc|len  t&eofogifc^en  ©treiter 
auf  ba^  Jeftigl^e  geret^t^  Jdttc  aber  gemig  feinen  @d;aben  gc* 
"^aht,  xomn  ber  23ifd)of,  in  t^eologifd)en  SJJeinungen  felbjl 
mö^t  ganj  unerfahrene  über  hk  ^ppot^efen  ^dttc  urt^eilen 
fcnnen,  welche  ber  ©c^olajlifer  ciU  ^oc^f!  tricbtige  ©laubenö^ 
ortücl  anfa^»  9lun  war  aber  eben  ber  6cbo(aftifer,  ber  mit 
feinem  ©egner  hi^  ^u  ^eigerfeit  bifputirt  f)Cittc,  jugleic^  auc6 
tk  (Seele  bcr  ©i)noben*  (5ö  würben  alfo  ^?i;pot5efen  ein^el« 
«er  fcbolaftifc&er  ©eften  tn  ben  SKang  ber  ©laubenöartifcl 
erhoben,  über  beren  JSeobacfttung  mit  geuer  wnb  ©d;wcrt 
gehalten  würbe. 

§,  29. 
^^  h<^kt  Jtc6  in  ber  ©efc^icbte  ber  Jier  cr^d^Iten  bogma= 
tifc^en  SSerdnberungcn,  i)H^  cö  Dor^üglicJ)  ^pajloren  waren, 
welche  ben  Wi^btaud)  ber  d'nt^ic^ung  be^  5Ibcnbma^IfcIc^e 
wa^rna^men.  üS^att^iaö,  ber  bie  ©ad?e  nod)  t>or  3afobellu« 
rege  machte,  3a!obe(Iuö  fcIbiT,  fein  crfter  2ln()dngcr  SR^cpan^fi 
«nb  noc&  mehrere  t)on  ben  crjlcn  greunbcn  ber  SSieberfierffel; 
lung  beö  ^cld)ö  waren  ^^rebigcr  ^u  ^rag.  5?ingcgcn  alTc 
bicjcnigen,  \mld)c  fid)  bcfonbcrö  gicicb  anfangt  am  bcftigftcn 
wibcrfci^ten,  mit  (Scbriftcn  unb  perfonitdjcm  Slnfc^cn  bagcgen 
fod)ten,  warerf  —  ^rofefforcn.  S5roba  unD  Si)?auririuö  waren 
^rofeflforcn  bcr  ^^cologic  ju  ^rag;   92ifoIauö  m\  X^hnUl 


359 


fpul  wax  q}rofcfi*or  ^n  SBicn;  ©crfoii  luör  (San^Icr  bcr  Unf^ 
Derfitdt  q)öriö;  brtö  ©utad)tcn,  m^  mld)cm  ber  nflcl;t()eili9e 
©c^Iug  ber  ^oftni^cr  ©i;not)ß  cntfprang,  t)crfagtcu  lauter  Dof? 
toren  bcr  ^^^eologic  unb  bee  fanonifd)cn  S^e^tö,  ^n  bcr 
^criobe  bcr  untcrbrucfrc»  unb  unter  bcm  Drurf  cniporflrcben^ 
ben  Sreif;cit  —  t>om  ^ojlni^cr  (Soncilium  an  biö  auf  bic 
geifcn  ber  SKeformation  —  fpred)cn  iricber  öoriuglid;  nur 
^mi  fc^r  berühmte  .^rebiger,  3o[;ann  tjon  ^cfalia  unb  ^ieroj^ 
ii^muö  ©auanarola,  tjon  bem  9]ul^cn  bcö  2Ibcnbma{;Iö  unter 
bcit)Ctt  ©cftartcn.  53icaetd)t  iji  eö  3"föM,  bcr  cö  gcrabc  fo 
gcfpiclt  Ut;  t)tcllcld;t  lagt  fid)  baö^^)&dnomen  «rfldrcn,  wenn 
man  fido  in  \^k  hamaliQC  Sage  bicfcr  beiben  ^laflcn  t)0« 
9i}?eufd?cn  ^inctnbcnft,  irie  jtd)  tiDt&iiJcnblg  3been  bcr  einen 
unb  ber  anbern  bilben  niugten*        ^   ..  ,  ^ 

(5^  ij^  übrigen^  dn  trauriger  ^ettjeiö  ber  brödfenben  %m 
f?ernig,  trcld)c  oft  auf  ganzen  3a6r&unbcrten  rujt,  \>a%  bic 
^rofcfliorcn  ber  S!§eologie  unb  l>tß  fanonifcben  SRcc^t^,  trelc^en 
bie  Qjntbccfung  fo  ml  ud§cr  ^atu  im  2öcge  liegen  folten,  nic^t 
barauf  gefommen  ftnb.  3m  Defret, -— irclcbeö  bod)  baö^?aupt# 
bud)  eine6  jebcn  S^^cologcn  unb  ^anoniftcn  animaö^tn,  (tan^ 
ben  ienc  ^tDci  bcru^nue  ©teilen  t>on  Sco  I.  unb  ©elaftuö,  öu6 
n)clct)en  bie  uut>erfdlfcbte  @itte  bcr  altern  d)rif{lid)en  ^ird)c  fo 
bcutlic^  erhellt.  2Iuc^  tnic  ©loflTe,  ttJelcber  man  boc^  fonjl  itt 
fold;cn  Jetten  mc6r  glaubte,  aU  bem  ^iert  felbjl,  erfidrte  ftc& 
ganj  entfdjeibenb  für  Kommunion  unter  beiben  ©e|laltcn  (X): 
unb  bod)  ^tieber  ^ert  nod)  ©loflfc  fonnten  t^nen  bic  2Iugcn 
offnen,  bcun  über  ber?0?enge  neuer  Defretalfammlungen  fd)icn 
©ratiau'6  Dcfret  mit  allen  feinen  ©loflfen  unb  (Kommentator 
reu  fajl  t?crgcffen  s«  «Jcrbcn,  unb  ber  rbmifd)e  ^?of  t?crlor 
ntc^t^  taUir  trenn  man  baö  alte  ^irc{)enrecl)t  bcrgag,  unb 
t)a5  neue  im  ©ongc  blieb,  ^cinc  23etracf)tung  m  bcr  Q)C^ 
lc^^tcngefd;id)te  fanu  ben  ©eift  fo  fcjr  jur  ^poffnung  neuer 


560 


^ntbccfungen  beleben,  aU  wimx  man  \iii)t,  wie  g(tn3e  (^c^öa* 
rcn  nbrtgcnd  großer  ?9idniicr,  irclc^e  fid)  red)r  cigeiitlid)  25e^ 
nifö  falber  mit  0cnnjfen  Sbcen  befd^dfrigcn  mußten,  oft  burc^ 
SaHunbcrie  Jinburcö  bie  Dffculiegcnbfte  ^ajrjeit  öerfßnnt 
babciu 

Daö  ^ritjilegium,  trelc^e^  bie  SSo^nicn  Dou  bcii  5?dfd^ 
fcfeen  ^dter  erbalten  bitten,  n?ör  Don  ivenigcm  Olu^en. 
X)k  ^i;not)c  trurbe  gefprengt,  man  na^m  nur  baejenigc  baiif* 
barlid)  an,  n?aö  t>iefelbe  ^ur  ^'rleicbterung  be^  pdbftlicben  ^Cf 
c^eö  gctban  b^tte,  unb  für  Deutfcblanb  ging  felbft  ein  gropev 
Z^dl  biefer  55ortbeiIe  burcb  Äaifer  griebricb'^  25lütftnnigfeit 
verloren«  ^cr  eigene  ©cblug  ber  <5t)nobe,  ben  gegennjdrtigen 
@trcitpun!t  betrcjfenb,  war  fo,  bag  man  nicbt  bamit  ^ufrie* 
ben  fcjjn  fonnte.  Die  Sifilbenten  waren  fcbon  longe  in  i^rcm 
Sßiberfprud)  weiter  fortgefcbritten,  aU  fte  anfangt  gewagt 
batten,  ftc  hielten  nun  t>k  Kommunion  unter  beiben  ©ej!alten 
nid;t  allein  für  erlaubt  unb  nöglid),  fonbern  auc^  für  notb* 
wenbig*  Die  @i)nDbe  aber  fpracb  t)on  berfelben  aU  t>Dn  ber 
gleic()gii[tig|Ien  ©acbe,  bcbauptetc  auebriicflid;,  ha^  l)kv  fein 
SSefebl  ^briflt  ftatt  iahe. 

Die  235bnKn  fucbten  ficb  fo  t>iel  mbglid)  mit  ©cwaft 
ber  SBaffen  in  bem  einmal  ergriffenen  53orrcd;t  ^u  behaupten. 
Die  ^iiun  tbreö  Äbnigö  ^obicbrab  waren  ibnen  gunfilg,  aber 
ihte  Partie  würbe  bocb  burd)  eige-nc  innere  Unruhen  fe^r  gc* 
fd}wdcbt,  unb  ii  gieng  wie  bei  ben  meiften  folcber  SReligionö^ 
^wif^igfeiten ;  reblid)er  ^ifer  för  bk  ^löat)r[)ett  mad)tc  ben  ^Uu 
fang,  politifc^e  2Ibftd)ten  ndbrtcn  ta^  einmal  aiige3Ünbete 
gcuer,  unb  ber  große  ^;>aufen  meint  c^  tielleidjt  aud)  nocb 
im  gortgang  ebriid),  aber  bk  2lnfu^rcr  braud)en  tcn  ^ifer 
beffelben  blog  aU  Sßcrf^cug ,  tbre  (Entwürfe  burcbjutrcibeu. 


361 


I5cr  ^ah]i  fujr  fnbeg  noc^  immer  bcjldnblg  fort,  gegen 
tiefen  öllgemclucn  ©cbraud)  Ui  ^clcfe6  im  5Ibenl)ma()l  ^u 
eifern;  er  fu^r  aber  auc^  nod)  immer  fort,  felbjl  mönd)ma( 
Söi;en  mit  bem  Md)  ju  communiciren.  2)en  orientalifc^e» 
€^ripen,  irelc^e  ftd;  ber  £)bcr^errfct)öft  beö  ^pabjleö  unterwarf 
fen,  erlaubte  'man  gen?übnltd)  ben  ®enug  beä  ^cinö  im 
Slbenbma^l;  ber  ^ab)l  fclbjt  freute  i^nen  barubcr  eine  eigene 
S5uÜe  auö'-"').  5D?an  t)klt  {k  für  ^inreid)enb  ortbobor,  trenn 
jte  nur  ben  r5mifc()en  Q3ifc^of  aU  bbct)jlcn  S^ic^ter  ber  ^ircfee 
önuabmen,  man  Qab  nur  ben  9}iiifionarien  ben  gcbeime» 
2(uftrag,  aud?  bierin  uni)ermerft  ©itte  ber  rbmifc^en  ^ircfee 
ein^ufubren  '••''•')♦  5löar  hk  ^uge  biefer  verlornen  orientalifc^en 
^inber  fo  gar  öiel  angencbmer,  aU  ^a&  5ScibebaIten  einer 
blübcn'ben  ^irc^e  beö  IDccibentö,  t^a^  man  jenen  fo  t)iel  nac&^ 
gab,  unb  biefe  fo  (treng  bielt? 

5lber  bei  aller  biefer  Strenge,  womit  man  grogentbeil^ 
<juc^  hk  ©puren  ber  ebemalö  allgemeinen  ^elcbcommunion  ju 
vertilgen  fuc^te,  begieng  boc^  bie  ®eiftli(^!eit  einen  gebier,  ^u 
beffen  (E'ntfdjulbigung  fic&  nic^tö  befercö  fagen  U^t^  aU  'oa^ 


*)  5lnton  ^upfltn,  S5ifrf)of  t)on  S3eviba,  »erjl'cbert  bei  6flrpi, 
(VI.  g3ucb,  §.  104)  bie  ^uUe  felbfl  gefcben  lu  iiaben.  2)ie 
6*rjäl)lun3  biit  5war  einige  Unnd)tic}feiten ,  mld)e  a&er  bie 
v^aiiptrad)e  nid)t  aufbeben. 
^■^3  cf.  Histoire  critiqiie  de  la  creance  des  Coutiimes  des  nations 
du  Levant,  par  le  Sr.  de  Moni  (R.  Simon)  Frcfrt.  1684.  13. 
unb  Lettres  de  Clement  XIV.  Tom.  I.  pa«;.  427.  Les  repro- 
clies,  que  voiis  faites  conliniiellement  ä  l'Eglise  Romaine  sur 
le  Celibat ,  qii'on  prescrit  aux  Pretres ,  6c  sur  la  Coupe  qu'ou 
retranche  aux  fideles  dans  la  parücipation  aux  Saint s  Mjste- 
res,  tombent  d'eux  memes ,  quand  on  pense  que  le  mariage 
&  le  sacerdoce  se  reunissent  encore  lous  les  jours  che^  les 
Grecs  Cadioliques,  äc  qu'ou  y  donue  ä  tous  les  fideles  l«a 
Commimiou  sous  le»  deux  Especes. 


362 


bi€  9J?cttfd)cn  öller  ©tdttbc  über  ba5  öm  njcnigflcn  nödjbenr' 
hxi,  iraö  i^nen  burc^  bcftanbtge  (3mol)ui)clt  öUtdgllcl)  irurbe* 
SÖtan  lieg  bie  ©cmelne  gettjo^nlicö  nac^  ber  (Sommunton  tia^ 
hdannu  alu  Sieb  fingen:  „®ott  fet)  gelobet  unb  gebenebeiet, 
„ber  un5  i^at  gefpelfet  mit  feinem  Skifcfee  unb  mit  feinem. 
„95Iute."  (Sie  bönfren  aUc  für  ben  ©enuj5  be5  gefegneteu 
^elcfe^^  ttnb  feinet  t)on  allen  Jatte  ben  ^clcö  getrunfen '^O- 
^ie  ©emeine  fang  t^ai  ^k\)  bcutfc^,  unb  fang  eö  felbjl  ^u 
ben  $dtm,  tüie  man  burdS)  bie  boömifc^en  Unruben  auf  aUc6 
Jdtte  aufmcrffam  gemacht  werben  foUen,  tt?aö  bie  ©cfd)tct)te 
beö  ^benbma^lfelcfc^  betraf.  2Iber  bk  !^e&re  t>on  bcr  ^onco^ 
mitani  tüar  njobi  ba^  jic^erflc  ^ülfömittel,  folc^e  balbDerbli* 
c^ene  ©puren  ber  JlöaMeit,  aU  ©puren  ber  5Ba^r6eit,  un^ 
fenntlicö  ju  machen*  S[}?ancfce  andere  ©ctrobnbeiten ,  welche 
cr(i  an  i:)erfctiebenen  jDrten  M  Spaltung  beö  Slbenbmabl^  be^ 
tha^tct  tDurben,  waren  eben  folc^e  bunÜe  SInfpielungen  auf 
jenen  e^emalö  glücf liebern  ^uffanb  ber  ^irc^e ,  ta  (^f)xi\ii  ©e^ 
^ot  öon  SD^enfcbenfflgungett  t\o6)  nicbt  Derbrdngt  war.  X)k 
€artbdufer  mifc^teu  immer  ein'  wenig  gefegnetcn  ^dn  unter 
ben  gemeinen  SSein^,  bcr  bem  ^olf  gegeben  würbe  '-"")♦  ^^^ 
^5nig  in  granfrcic^  genoß  tiod)  immer   ben  ^eld;  hei  feiner 


*)  9^teberer,  OTninblung  t)on ©infü^nmc^  be^  teutfcfKu  ©efang^ 
in  bie  et?rtncielifrf)-.lutl)ertfc^e  ^'vcbe.  9]ürn6er(i,  1759.  8.  ©. 
77,  ttjo  hic{e  95emerfung  ön^  £utl)er'^  6d)nft  i^on  ber  ©in* 
felmelTe  unb  ^faffenmeilje  angefül)rt  tüirb.  <Bdh\i  im  ^DTefjcas 
non  ber  römtfcl)en  Äird)e  tjT  eine  beutltc^e  ©teile,  ii>elif)e  vors 
au^)''el3t,  i>a{i  alle  (Jonimunicanten  bctt  ÄeM)  tx'mUix,  f.  Liiien- 
thal  de  canone  Missae  Gregoriano.  p.  147.  154.  SBCi^eu  ber 
9?i0iarabifc^en  Liturgie  üergl.  eine  fll)ulid)e  Söemerfuug  bei  Dai- 
laeus  de  cultibus  religiosis  latinonim.  pag.  657. 

**)  ©.  bie  von  (SatirtU^  (de  Commiin.   sub  lUraqiic,    pag.  294.) 

crccrpirte  ©teile  M  Slatouiu^  uon  ^Palermo,  ber  im  %  I47i 
flarb. 


563 


Krönung*)/  ö«*   t^^^t  ^aifer  cmpftcug  iin  U^W  (tuS  .ber 

tvüt)n(i(^  nld;t  anber^,  aU  bog  öuOcr  bem  ^DicflTc  ^altcnben. 
^ricjlcr  aucl;  bcr  Dia!onu5  utib  ©ubblafonu6  unb  hk  jirei 
5lffi|^cntcn  ben  Äelc^  empftcngcti. 

9?ocl)  e^c  Sut^cr  unb  ^n-'ins^I  »tiit  öufgeüartcrn  (JinficfctCtt 
unb  inic  glucfltc^crem  Erfolg  aU  S^n^  ^h  Wi^hvandi^i  ber 
r6mlf(tcn  ^trd)c  öngrtffen,  fo  lieg  fic^  noc^  f)k  unb  ba  eine 
einzelne  ©tinime  cincö  Patrioten,  ein  lauter  ©cuf^cr  cinc^ 
nnerfcljrocfcncn  SD?önncö  ^oren,  ber  über  tu  «Berflummclung 
be^  ^bcnbma^U  bttterltd)  flögte  '^=^=^).  5lber  folcfcer  Plegien  ein^ 
5clner  SDi'rguergnugten  irar  man  fd)on  yji  fefer  gewohnt,  alö  bag 
man  fe^r  barauf  geachtet  iättc,  unb  mcnn  ta^  klagen  ^u 
laut  njurfee,  fo  wacf)te  bic  Snciuifition.  (5ö  wjar  eine  ^'rfc^öt^ 
terung  not^wenbig,  wie  bicjcntgc,  trefc^e  ?ut&cr'^  ftanbfjaftcr 
^üt\)  ttjagte,  um  bie  fDienfc^en  auö  einem  tiefen  6(^laf  ^tt 
iredfen,  in  wcld)ci\  fie  nun  fo  bcrfuufen  traren,  ta^  fte  ba^, 
rpaa  S3cfe6l  ^Jri(?i  ii^ar,  für  unerlaubt  pleitem 

§.     31. 

Wlan  raug  fejr  Begierig  feijti,  ^u  fefen,  Xük  fid)  unfre 
^Reformatoren  Ui  2Ibjleüung  biefe^  SOJigbrauc^a  betrugen,  m\^ 


*)  5(u5  ben  ?ßerl)anbhnt(iett  ber  Srientfrfjen  0i)nobe  fier)t  matt, 
tüi^  ber  ilönig  von  ^ranfvetd)  tkk^  Sorrec^t  bi^  tn  bte  "iSJiittc 
be^  ferf)^jel)nten  5«()v(ninbevt^  (lanj  ungel)inbert  geno^. 

**)  ivnifer  ^rfebrid)  III.  ^d^mt  ber  erfie  geroefen  ju  fei)n,  bcr  ben 
Äeld)  (lud)  au^  ber  ^anb  be^  ^^abfle^  nicht  empjieng«  ©.  ba^ 
Seugni^  be^  5(u9ufiin  ^atrtciu^,  eineö  Slugenjeugen ,  bei  gjia* 
biüott  in  Conuneutar.  in  Ordhiem  Romanum.  Mus.  Iial.  Tom. 
II.  pag.  63.  • 

***)  6.  hk  fc^on  oBen  angeführten  ^öl^^nn  be  25efölia  unb  ipieron- 
©atjanarola  bei  glöduö  in  Catal.  teet.  verit.  p.  56Q  unb  565. 


564 


wie  fi'cö  ijrc  SSegrIjfe  nad)  unb  md)  flu§  Der  I^ammcrung 
5ert>orfampftßn.  2öeil  bic  23ü6mcn  bcn  fefd)  im  2Ibenbmrt()I 
genoffctt,  unb  bic  ^o^men  für  ^c^er  ge^aftcn  rcurbcn,  bereu 
Sfnbßnfen  um  fo  ber^agrer  war,  ba  (te  ben  Deutfc^en  i^re 
folbatifc&e  SSefc&rung^fucfet  einigemal  fe^r  übel  t)er<joltcn  f)au 
tcn :  fo  wax  tüenigjlenö  ein  groger  ^^eil  beß  ^oIF^  gegen  ben 
©enug  beö  Äelc^ö  ouf  ba6  augerpe  eingenommen,  unb  ^um 
jtjeil  öu^  ben  ldc()erlid)(len  ©runben  gegen  benfelbcn  einge? 
nommen,  tck  benn  Einige  bamal^  fe^r  fct)arfftnnig  fcl)logen, 
njeil  nur  ein  ©Ott  fei),  fo  burfe  öucft  nur  eine  ®c(!alc  im 
@a!rament  fei)n ''). 

^rj^  im  S^^r  1519,  alfo  ^wei  Sö^re  nacf)  ben  crflen 
Sf^eformationöbercegungen,  tiat  Sui^er  ben  erften  Slntrurf  in 
einer  ^rebigt,  n^orin  er  ben  SSunfc^  dugerte,  t>a^  t)k  ^irc^c 
öuf  einer  öllgemeinen  ©pnobe  ben  ®enug  beiber  ©cjlalten 
fon?o6(  \icn  Saiden  aU  ben  ?)rie|Iern  erlauben  mochte.  dVö^t 
tag  er  ben  ©enug  beiber  ©eflalten  ffir  not^wenbig  gehalten, 
nicfet  bag  i&m  Unt)erbrucl)lid;feit  ber  (Jinfcgung  (S^rijli  junt 
©runb  feines  Sßunfc^cö  gebient  Jdtte,  fonbern  eö  fcbien  i^m 
5iemlicl)  unb  fein,  fo  beö  ^aframentö  ©ej^alt  unb  gorm  ober 
geic^en  nid)t  ftücflic^  eineö  Zf)dU,  fonbern  gan^  gegeben 
ttjörbe  (Y).  gf^iemanb  na^m  grogereö  5lergernig  an  biefer  fo 
befc^eiben  gedugerten  9}^£inung  Sut^er'S,  als  «^fr^og  ©eorg 
t>on  ©ac^fen.  Diefer  be!lagte  fic^  in  einem  eigenen  ©cfjreibeii 
an  ben  (S^urfiirfTen ,  vok  weit  fein  SÖittcnbcrgifcber  !I^eolog 
fort^ufc^reiten  anfange,  unb  wie  alleS  ^ule^t  barauf  anfom^ 
men  werbe,  bag  aud)  0acbfen  t)on  ben  3rrt^umern  ber  ^6^* 
ttien  nicbt  me^r  frei  bleibe,  gricbric^  ber  Slßeife,  ber  über? 
l^aupt  feine  jjanb  in  ben  t^eologifcbcn  (Streitigfeiten  gar  ntc^t 
^abm  njoUte,   öcrftc^crte  feinem  "iBctter,  Sutl;ern   felb|l  feine 


*)  Seckendorf,  histor.  Liulieran.  L.  111.  fol.  71. 


565 


sD?einung  öu^fcc^tcu  ^u  laflfcn  *).  Unb  Sut^cr  irör  dud)  mann^ 
.lic^  gcnu^,  fid;  t)ou  tcx  erfreu  <Spur  ber  UBöJr^ett  nic|?t  ju^ 
rucffc^rccfcn  gu  laflcn;  er  tjcrt^eibigtc  feine  ^rebigt  gegen  m 
2)efret=""-0  ^(^^  55lfc^ofö  öoii  9}^eigcn,  unb  nod)  blieb  er  felbjl 
öuct)  in  bicfer  2Ipologic  nur  bei  ber  erflen  ©pur  ber  ^ai)\'idt,  ha^ 
i\i,  er  fanb,  ta^  baö  biö^cr  ©egiaubtc,  fliö  ob  eö  ^e^erei 
fei),  beibe  (l)e(lalrcn  ^u  nehmen,  burcbau6  nid)t  aU  SlBal^rJeit 

Igelten  fonne;  hcix  6errfd;enben  Sfrt^um  abzulegen,  rcat  er 
ftarf  genug,  aber  nod)  nicbt  öufgcHärt  genug,  bie  SSö^rfeeit 
felbd  3u  fcjen.  ©ine  ober  beibe  (^ejlalten  genießen,  er  Jölt 
cö  für  ganj  gfeict)gultig ,  fo  für  gön^  gleidjgültig ,  bog  er 
bömal6  glaubte,  niön  fonnte  and)  gar  feine  genießen;  ober 
,^  „.  weil  er  ihm  fo  glcid;gültig  i(I,  fo  irtll  er  auf  ben  ©enug 
beiber  ©e(!alten  feinen  ^ann  gefegt  tt?t|Ten. 

X^od)  and)  nur  biefe  befcpeibenen  SBünfcfie  ttjerben  tjm 
in  ber  pabrtlicl)en  Bannbulle  unter  biejenigen  S^rt^umer  ge* 
red^nef,  rcoburd)  er  ^rcommunication  t^erbient^abe"'-^*),  unb 
eö  ijl  5u  i)ern?unbern ,  ta§  Sut^er,  welchen  fonf!  ein  unge* 
rechter  Sßiberfprud)  feiner  ©egncr  fo  leiert  ^ur  tiefern  llnter= 
fud}ung  unb  ^ur  ^o^er  getriebenen  SBiberfc^licbfeit  reifte,  bieg^ 
mal  nun  bod^  noc^  fa(!  gan^e  ac^t  3a^rc  blog  tahd  blieb, 
ben  ©enuß  unter  beiben  ©cpalten  al^  bie  t^or^üglid)  beflferc 
©cnjo^n^ett  ^u  empfehlen,  o^nc  ben  alleinigen  ®e«ug  beö 
S5robeö  ju  t>ern?erfen  -f). 


-'^)  Seckendorl,  liistor.  Lutherauismi.  Lib.  I.  Sect.  26.  g.  LXIV. 
**-)  ®a^    ©efret  erc^icng  ben  24.  ^an,  1520.    £utl)er'^  SSert^ei* 

biiiungdfttvift  füllbet  ]i(i)  Opp.  T.  I.  Altenb.  fol.   339. 

***)  iDie  päbftlicbe  33ulle,  von  einem  Oviginalejcemplar  ci&gebrurft, 
f.  in  ©attlev'^  ©efd).  ber  iperj»  \>on  2ßirtemb.  Ii.  SSanb,  fScU 
lagen  n.  93.  i>a^.  218. 
t)  ^'Jlan  fiel)t  liiqc^  auper  vielen  anbern  stellen  aurf)  tu  ber  er* 


566 


«Bon  SO^a^ljIcr  $6tlippeii  ift  e^  weniger  unerwartet  "^0 ; 
nur  founte  tß  fdpeiiieu,   al^  ob  man  im  t^eoIogifd;eu  Som^ 


freu  OTiu^gaöe  bev  fäcf}rtri-f)cu  SSiiTtation^artii^el,  mld)^  im  ^a^r 
1528  evfd)kn,  11)0  nod)  erlaubt  mvi),  ben  ©c^wa^en  ba^  t>(benb* 
ntal)l  unter  einer  ©ejtalt  su  reirf)en.  aSergl.  Äapp'iJ  3)ofu- 
mcnte  jur  Oicformatiuu^Ijillovie.  Tom.  i.  p.  i  — so,  njo  baö 
@utad)teit  aligebruift  i(t,  ba^  gutl)ev  in  biefer  6i\d)c  au^fteUte. 
ß:r  blieb  fid)  freilid)  tüät)renb  biefer  Seit  nic^t  immer  gleid)  in 
feiner  ?Dieinuncj.  3.  95.  in  ber  (Bd)xi\tr  welche  er  im  3al)r 
1525  von  ber  9}ie(Te  Ijcrau^gab,  I}ält  er  für  nötl)ig,  Uit)z  ©e= 
flalten  ju  reid)en,  man  l)abe  mit  ber  (Sc^tt)ad)^eit  ber  Seute 
lange  genug  ©cbulb  getragen;  unb  quf  ben  Slu^fprnd)  einer 
©i)nobe  i^önnc  man  e^  nid)t  au^fei;en,.benn  fonfb  ipürbe  man 
®otte^  £)vbnung  menfd)nd)er  3BilIMr  unterwerfen.  Ser  25erf. 
ber  fäc^rtfdKu  ^BifitationöavtiBet  i\i:  jwar  eigentlid)  0}ieland)tt)on, 
tiUein  man  fann  (U  lüenigften^  ^ier  and)  jum  ^cmi^  ber  @e= 
finnungen  £utl)er'^  gebraud)en,  weil  fi'e  »on  Sutl)er  reolbirt  unb 
gerabe  im  Slrti^el  \?om  3lbenbmal)t  geanbert  roorben  ftnb,  cf. 
Seckeiidorf  histor.  Luiheran.  L.  II.  §.  36.  n.  3.  etc.  Q^  i\t 
begannt,  baj}  in  ber  5lu^gaDe  ber  ^\\itcit'  2lrt.  vom  3.  1538 
bie  oben  bemerkte  ©teile  vom  ©ebraud)  be^  QlbenbmabU  unter 
einer  ©eflalt  I)iniveggelaffen  rouvbe.  55ie' 9lad)gtebigfeit  ber 
ilid)\i\'d)tn  Otefovmatoren  i\l  übrigen^  um  fo  merhvürbiger ,  ha 
in  anbern  ju  gleid)er  3dt  verfertigten  ivird)enorbnut!gen,  j.  5Ö. 
ber  BtaU  35raunrd)iVcigifd)en,  iveld)e  aud),  im  3^\in  1528  er= 
fd)ien,  hie  (Kommunion  unter  beiUn  ©eflalten  ol)ne  ©infc^rän* 
fung  befol)len  mirb.  - 

*)  3n  feineu  locis  theologicis ,  in  ber  crften  Älaife  »on  ^nic^a-- 
ben,  iveld)e  fidy  nad)  ber  vortreffTid)en  etafftfifation  bei>  gelel>r* 
ten  Xprn.  ^ailorö  ©trobel  vom  3al)r  1521  H^  1555  erilrecct, 
erklärte  (id)  9^eland)t^on  im  2irt.  de  abrogatione  legis  mit 
folgenben  SBorten:  Do  Eucharistia  judico  non  peccare,  qui 
scientes  linjiis  lihertatis  Ä  videntes  alieriitra  signi  parle  ntaii- 
lur.  3u  ber  Sln^gabe  ber  locorum  vom  3al)r  1555  im  QUt. 
de  lil)erta(e  Chrisiiaiia,  ha  er  von  maud^eu  observatiouibiiji 
exteriii55  in  casu  necessitatis  rebet:  Hanc  habent  excusat ioiiein 
pii  in  exteris  naiionibus,  ubi  non  possunt  habere,  qui  porril- 
gant  eis  integrum  sacramentum. 


367 


^^cnbiüm,  wo  mau  eö  tod)  nicfet  mc^r  fo  fejr  mit  ©d&wa^ 
cl)eii  ju  tNn  iam,  tid  poiümx  iäm  fprßc()en  fcnncu,  cU 
in  @cl)rifteit  für  tja6  53olf,  ober  für  ben  großen  Raufen  feU 
ner  (Scclforger. 

513a5rfct)einnd)  6«t  ober  boc^  tiefe  ©elinbigfeit  unfcrcr 
9^cformatorcn  in  einer  @ad;c,  «?o  ba^  53olf  gör  leicht  bi^ 
3ur  (Erbitterung  b^tte  gereift  tücrben  fonuen,  ber  2Iu6breitung 
bcr  5Saf)rf)cit  i?Dr3ugIic^  genullt.  (Sd)on  im  3a6r  i524  burf^ 
ten  fic  cö  auf  bcm  Sveicb^tag  ^u  5li4rnbcrg  njagen,  ungeac&tet 
öüer  ^Protejlatiouen  hi^  ^pnig  gerbinanb'^  unb  M  ^Dapftli^ 
d?en  Legaten,  Slbcnbmabl  ""ter  bäten  ©eflalten  itti  bafige« 
Slugufnnernofter  ju  b^Iten.  ?9?ebr  aU  t)iertaufenb  q)erfouen 
genoffen  baffclbe.  ©clbft  bk  ©cfenjefter  bcö  ilflifer^,  bie  ©er 
mablin  beö  vertriebenen  Äbnigö  t)ou  Ddnemarf;  stiele  von 
gcrbinanb*^  5?ofleuten  unb  einige  öom  SHeic^^regiment  liegen 
fic^  unter  beibcn  ©cftalten  communiciren*).  darljTabt'^  frür^ 
mifdjer  S^eformötion^eifer  unb  feine,  mc  e^  Sutber^n  nocfe  im 
Sabr  1522  fd)icn,  öU^uboreiligc  (i'iufubrung  ber  unöerfdlfc&^ 
teren  6iite  mögen  ben  fonjl  fo  feurigen  Sutbcr  bier  fcbr  be? 
bad)tfam  gemad}t  böben.  Unb  man  barf  e4  vooU  "icbt  ol^ 
eigcntlld}e  9}?einung  bicfeö  grogen  fD^anne^ ,  fonbern  nur  aU 
fcHrig  au^gcbrucftc  (Erbitterung  über  tcn  3tt)ang  mcnfc^licjjcr 
^uttcritdt  anfe^en ,  wenn  er  im  ^a^t  152(>  in  feiner  Slöeife 
c^riftlid}e  ?}?cffe  ^u  b^lten  fc^reibt:  ,,3«  »if  fagen  weiter, 
„wo  ftc^  ber  gall  begebe,  ta^  ein  ^oncilium  foId;6  (^bübt 
„(SJcjlaltcn  3u  geniegen)  fegt  unb  aulicge,  wollten  wir  allers^ 
„bing  nid)t  bciber  (^eilalt  brauchen,  ja  wir.  wollten  benn  eril 
„ju  ^cracttung  beibe  beö  ^oucilii  unb  fcineö  (3tbotß  allein 


)  Seckendorf,  historia  Lutlieranismi  Lib.  I.  §.  163.  add.  I.  pag. 
289.  8palatiiü  Diarium  ap.  Schelliorn  ajnoeiiif.  litter.  Tom.  IV. 
pag.  413. 


568 

„tliut  ober  grtr  feiner,  unb  mit  ntc&ten  beibcr  bröud)cn,  unb 
„aUc  bic  "bcrfluc^en,  fo  ouö  Gewalt  beffelben  ^oucilii  unb 
,,feinc^  ^c\i\)H  bcibcrlei  ©cjlalt  bvauel;en  irürbcu." 

§.    32, 

3n  ber  Ölugöburglfc^en  ^onfcfjton ,  im  er(!en  Slrtifel  bcr 
5QJIgbrdud)e ,  erHdren  ftc^  unfere  ^Reformatoren  gön^  entfd)el* 
benb  für  Kommunion  unter  betten  ©eilaltcn,  fie  füljlrcn  ben 
Unterfrf){eb  Xüo\)l,  lua^  e6  ^et0e,  in  ^^rtt>fltfd)rlften  nöc^gcben^ 
ober  öffentlich  öufgeforbert  ein  ^efenntnig  beffen  abzulegen, 
voa^  man  für  SÖa^r^eit  Jalte.  ^et  ben  irenifc^en  53erfuc^en, 
tt)eld)e  noc^  öuf  eben  biefem  Slugeburger  3^eic^ötage  gemad^t 
ttjurben,  trollten  hk  53ert^eibiger  ber  fat&Dlifd)en  Se^rfd^e  ben 
©enng  be^  ^clc^^  einräumen,  aber  tu  Sieformatoren  foUtcn 
öuc^  ben  ©enug  unter  einer  ©ejlalt  aU  red)tmdgig  erfenncm 
^alt  unb  marm  auö  einem  SO^unbe,  greunbe,  ta^  taugt 
liiert,  fprad)  D.  Sut^er'^');  man  tertrarf  tk  öngebotenen 
griebenöbcbingungen. 

55ugcn6agen  fi'eng,  tric  e^  fc^eint,  ^uerj!  an,  in  einem 
Jdrtern  S^on  ^u  fpred)en»  ©r  lieg  1533  ein  25ud)  ^u  OBit«» 
tenbcrg  \üiber  hk  ^e[d;biebc  brudfen.  ©c^on  ber  2itel  t>cr# 
rdtb  ben  feurigen  ^olemifer,  unb  bcr  3n()alt  ber  <Sd)rift  ent^f 
fprid)t  bem  ^itel.  Sut^er  irurbc  gleid)fam  mit  (Gewalt  bin* 
eingebogen,  dvoa^  mebr  in  ^ugen^agcnö  Slon  ^n  fprccljeit., 
^per^og  ©eorg  t>on  @act>fen,  biefer  uuöerfobnlic^e  geinb  b^r 
^Reformation,  gab  feinen  !at6oIifc()en  ©eiftlic^en  25efebl/  allen 
benen,  tt)eld)e  ta^  Slbenbmabl  hei  i^imx  empfangen  iDijrben, 
einen  ^ettel  ^u  geben,  ber  bicrauf  an  bic  C)brigfeit  au<?c\elic? 
fert  xccxhcn  foUte.  2Ber  feinen  ^ettel  b^tte,  tjerrirtb  (id)  ale* 
bann  eben  baburc^  alö  einen  Diffcnter,   mil  er  tct^  Slbenb.- 


t 


*)  Sleidan ,  Commeiit.  L.  IX.  pag.  235. 


le 


569 

majl  mcfet  nnttv  einer  ©ejtalt  cmpföttgcu  n^otlfe.  ^ocj^  cj 
man  bicfeu  SScfe^I  öoll^iel^cu  fonnte,  Jatte  Sutjer  biefcn  armen 
£cuten,  bic  in  einer  grogcn  ^cangfiigung  lüaren,  fe^r  niur^ig 
geantwortet,  nid)t  gegen  i^rc  Ueber^eugung.^u  ^anbeln,  unb 
ju  beharren,  njcnn  fte  iiä)  im  ©eiDijlfen  J>erbunben  glaubten, 
ba^  5Ibcnbma^l  nicl)t  anbcrö  aU  gan^  ^u  genießen»  Sn  Su^ 
tjcr^  ^rief  ftunben  freilt<^  feine  Sobfpriid)c  beö  aberglaubifc^ 
Derfotgenben  ^cr^ogö,  unb  bie  ^ü^n^eit  mancf^er  Slu^brucfe 
beleibigte  ben  (entern  fo  fe^r,  \>a§  er  Sutjern  aU  einen  2Iuf# 
ttjtegler  fetner  Untert^ancn  hei  bem  (SJurfurftcn  berflagtc^). 
^«  war  boc6  wirHic^)  feltfam,  bag  ^per^og  ©eorgen  !ein  ^unft 
fo  fe&r  am  ^er^en  lag,  ali  tk  gortbauer  M  ölbenbmajl^ 
unter  einer  ©e(!alt.  (^r  polcmifirte  baruber  auc^  mit  ben 
gurjicn  bon  5ln^alt,  unb  fc&rieb  fe^r  erbittert  gegen  fte,  ba 
fte  burcb  Sut&cr*^  greunb,  ben  befannten  ^pauömann,  ^u 
;DeiTau  bic  Kommunion  unter  beiben  @e(!alten  einfuhren  Ik^m. 

Sajl  hei  ieber  ti3id)ttgern  53er5anblung,  ttjoburcfe  man  bic 
greunbe  ber  neuen  Sejre  mit  ber  alten  Äirc^c  ^u  vereinigen 
fud)te,  war  bic  ©treitigfeit  wegen  beö  2Ibenbma6l^a(ten5  im^ 
mer  eine  ber  gangbarften»  Die  €ntfd)eibung  würbe  aber  flet« 
öuf  bag  nad)j^e  ^ont>ent  ober  auf  bie  beborjlejenbe  ©i;nobc 
»erfcfcoben.  2)ie  ^Oert^eibiger  ber  alten  ^ircfee  wollten  mit  ber 
©cjlattung  beö  ^elcb^  allen  ifiren  übrigen  Srrt^ümern  cin'e 
öuf*5  9^cuc  ru&igc  ^perrfc^aft  ernennen,  unb  bic  greunbe  ber 
neuen  Se^re  hatten  fd)on  gar  ^u  Har  fe&en  gelernt,  t>(i^  man 
uic^t  nbtftig  iaht,  aU  ein  spriöilcgiutu  fi'd)  Su  erbitten,  x^^ai 
man  aU  fKcd)t  forbern  fonne.     Der  gan^c  q)unft  war  ubcr^ 

V 

■<■)  Seckendorf.  h.  III.  §.  XKI. 

epittto  fämmtl.  2öerfe  VIII.  S8&.  24 


370 


Jöupt  je^t  fo  öufgcHart,  bng  ouc&  biejenrcjcn  üldnbcr,  tDcld)C 
ftcö  fonjH  bei  ijreu  Sicformatioiien  fo  nai)C  aU  nod;  möglich 
an  bic  alte  Äirct)C  6i<^^tcii,  bod)  ^ier  ^uerjl  eine  5}crdnberuii9 
mad)tm.  2)fr  d'r^bifd^of  ^?ermanii  öon  ^oln  uerfu^r  bei  fei* 
ner  9^eformatiün  für  bIc  Stßunfc^e  ber  (Irengern  lut&erifd)ett 
^axtk  t)iel  5U  gclinb;  S5ucci'  unb  ajiclanc^t^on,  hk  ^mi  t)or^ 
3U9lid)|Ieu  Skt^gebcr  hü  ber  ^5lnifd)en  3fleformation,  fud)teu 
me^r  ber  Sffia^rjeit  25a&u  3U  mad)en,  alB  jie  foglcicö  iu  ben 
t)DlIeu  (SJcnug  i&rcr  9^ed;te  ju  fe^en,  aber  in  ber  3^eforma* 
tion^borfd)rift  ermahnten  fte  iiod)  ^um  ©euug  bcö  ganzen  un* 
t>cr|lummcltcn  Ölbenbma^l^  ^^rijli ,  wie  eö  (S^rijlu^  eingefe^t 
unb  bic  dltej^c  dS)rirtlid)c  Äirc^e  begangen  iaht  '")• 

Unbarmherzige  Strenge  war  eö,  bag  bie  grcunbc  ber 
alten  ^ird?e  in  einer  ©öc^e,  \iic  bod)  nad)  i^rer  eigenen 
!9?einung  einzig  auf  hit  ^iHliw  ber  ©ei(IIid)feit  anfam,  gc* 
rabe  ireil  ftc  geiuunfc^t  unb  geforbert  würbe,  burd)auö  nid)t 
nad)geben  wollten,  ^onig  gerbinanb  würbe  öon  ben  ü(!errei«= 
d;ifd)en  (Stauben  brtngcnb  crfucbt,  i^nen  ben  Q)enu6  beibcr 
©ejlalten  ^u  erlauben ;  i^re  J?offnung,  erkort  ^u  werben,  war 
t)crgeb(ic&**)»  Tland^c  waren  bamalö  noc^  nidjt  ntübc  ge? 
worben,  i;>on  ber  fo  lange  t>erfproc^enen  unb  fo  lange  tjer? 
fc^obenen  ^i)"obe  t>iel  (3uU^  ftc^  ^u  üerfpredjcn,  unb  biefe 
Erwartung  fonnte  wirüid)  fe^r  baburcb  genarrt  werben,  bag 
man  fa^,  wie  fc^r  jid)  ber  «Pabjl  frummtc  unb  wanbtc,  ber 
gunot^tgungen  beö  ^aifer(5  lo^  ^u  werben,  t)tc  lauten  !Seuf3er 
ber  fat&o(ifd)en  Patrioten  burc^  bejidubig  wiebev5b(te  5}erfpre? 
d)ungen  ju  nidgigem    ^inc  «öerfammlung ,   i)or  weldjer  ficy 


•^3  seckendorf  L.  III.  g.  107.    S©ie  wenig  Sutbcr  ttttt  ber  dblM 
nifiten  Oicformation  jufvieben  war,  erlie((t  auö  einem  feiner 
95riefe  an  Qan^Ut  53rüfen,   ber  im  gleid)  fohi.  §.  bei  ©ccfen- 
borf  ercerpirt  ift. 
**)  SIeidanm  ad  a,  1541.  I..  XVI.  pag.  394. 


71 


tcv  ^ab(t  furd)tctc,  fcfcicn  mondän  2Bunfct)cn  bcr  grcunbc 
t)cr  neuen  Se^re  cntfprccl)cn  ^n  f onnen.  Äaum  ein  paar  !D2o^ 
natc  t)or  Sut^cv'd  S^obc  trurDc  cnblicl)  ju  Orient  tie  53erfamm? 
lung  eröffnet,  \vdd)c  ben  9iig  5wifc^cn  bcr  ölten  unb  neue« 
^ird;c  emig  unheilbar  mad;te.  d^c  voir  i^rer  ©efc^id&te  gc^ 
teufen,  werfen  \m  nur  einen  S3I{cf  auf  bie  ©d)icffale  be5 
Äeld;ö  in  ^-n^Ianb,  treil  Jicr  bic  Dvcformation  t^ren  (d  gan^ 
eigenen  ©ang  na&m. 

§.  34. 
^onig  j^einricö  öon  (5'nglanb  beSanbcItc  bie  ©cnjiflfeit 
feiner  Untert^anen  nicftt  i)iel  fc&onenber  aU  feine  ©emaj^Iim 
wen.  S^en  «pabjT  ju  ERom  wollte  er  nic&t  mejr  erfennen, 
weil  i^n  berfelbe  bei  ber  gefud;ten  ßfiefd)cibuug  ton  ber  S5afc 
Äaifcr  ^axVi  beö  V.  mit  beftdnbigem  ^Ser^ug  nedfte:  er  er^ 
Harte  ftd)  alfo  felb|l  ^um  $abft  bcr  englifd;en  ^ird;c,  unb 
faj!  nirgenbö  ^ielt  er  mit  größerem  (5ifer  über  ben  Se^rartüeln 
beö  alten  ©lauben^,  aU  in  bem  ^mih  ber  <Saframente.  dß 
wäre  ja  ©d)anbe  gcwefen,  Jiebon  abzugeben,  t^a  er  fic^  burc& 
ein^n  gelehrten  2raltat  t)on  bcn  ftcben  (Saframenten  e^cmalö 
fo  Dielen  9iubm  unb  eine  ^Bermcl^rung  feinet  ZikU  erworben 
I;atte,  Ueber  bcr  Kommunion  unter  einer  (5)effalt  Jielt  er  alfo 
faft  eben  fo  jlreng,  aU  über  ber  Sebre  t)on  ber  SJerwanblung» 
(5'intge  Qlgcnten  beutfd)er  prore|!antifd)er  gürften  ^u  Sonbon 
fud}ten  ibn  burd)  ein  eigene^  ©djrciben  auf  bejTere  Q5eban!en 
SU  leiten  "0/  ober  ein  fo  gelehrter  ^bnig  war  fd)wcr  s"  u^cr* 
acugcn;   er  verbot  im  ^a^x  1539,   bü  fc()werer  Strafe  ^u 


••)  ©oiDo^l  bci€  ©cbreiben  ber  ®efanbteti  aU  tie  Oln^wort  hei>  .fiö- 
m(\^  ^nbct  \id)  unter  ben  Su^aben  ber  33urnetifrf)en  Oieformiv 
tiou^t)tftinie  (London.  1679.  fol.)  P.  I.  pag.  33.3  eic.  x\n\> 
pag.   347  eic. 

24  ^ 


0/ 


glauben /  bag  man  tai  SlbcnbrnaJI  «nfer  bcibcn  ©cflölteit 
gcnicgen  mujTc,  ober  su  ^itjeiflea,  bog  man  aud}  allein  un* 
tev  bem  25rob  ben  ganzen  (S^riflu^  empfange ").  (J6e  ^buarb 
5ur  ^Regierung  Um,  voav  feine  Hoffnung,  ben  (Jigenjinn  beö 
alten  blutbürfttgen  Äonig^  au  beugen.  Äaum  war  aber  bicfer 
tobt,  fo  njurbe  \ik  (Kommunion  unter  beibcn  ©eflalten  mit 
S5ei(limmung  beö  ^arlament^  burcö  ein  fonigIict)cö  dbitt  ein* 
gefüllt  ^^),  unb  auf  einer  S3crfammlung  ber  t?orne()mjlen  S5i* 
fd^bfc  ju  SonDott  würbe  im  3ö^r  1552  unter  önbern  Slrtifeln 
feftgefc^t,  bem  53ol!  ben  Mä)  md)t  ^u  verweigern,  weil  er 
i^m  fraft  ber-  ©infc^ung  unb  be^  25efc^l^  ^Orijli  gebij^re. 
'^axia  peilte  ^war  auf  fur^c  ^dt  ben  alten  ©otteöbienj^  wie^ 
ber  5<Jr^  <^^^^  ß-lifabetj,  fo  geneigt  jte  fonft  auc^  war,  ber 
alten  Partie  im  dugern  fo  Diel  nur  möglich  nachzugeben,  Uc^ 
boc^  bic  Kommunion  unter  hüben  QJejIalten  allgemein  wieber 
einfuhren. 

§.    35. 

SBaJrenb  ber  ©vjnobe  t)on  Orient  würbe  befonber«  in 
Deutfc^lanb  baö  Sßerlangen  immer  allgemeiner,  bic  53erorb= 
nung  ber  €oftniaifd)en  @t)nobe  aufgehoben  ^u  fejen.  X)k^ 
war  hti  allen  ^Öereinigungöoerfuc^en  bie  einzige  fcfceinbarc 
ülac^giebigfeit  ber  alten  Partie,  ta^  fie  ijrcn  biflTcntirenben 
SSrübern  ben  ©enuß  beö  ^elct?^  erlauben  wollten^  aber  biefc 
fc^einbare  ®rogmut&  würbe  immer  burc^  eine  9}?enge  beige* 
fögter  SSebingungen  fo  etngefcferdnfr,  \>a^  auc^  ber  friebfertigfle 
^rote(!ant  feinen  ©ebraud)  bai?on  mad^en  fonnte.  Sn  bem 
2luffa^,   welchen  S3ifc()of  53alentin  t)on  J?ilbeöjcim  im  3abr 


*)  Burnet's  history  of  Reformatiou    of  tlie  Cliurcli  of  England. 

P.  I.  L.  m.  pag.  259. 
^)  B»rDee,  U  c.  P.  IL  L.  I.  pag.  41. 


373 


1545  auf  S3efe5I  M  Olciclöötögö  au  6peier  möchte,  wcx  bc« 
^rotcjlantcn  bie  Kommunion  unter  bcibeu  ©cjtaltcn  augcjlau^ 
bm,  aber  jtc  follte»  bcfennen,  bog  fie  iud)t  ^efejl  S^ripi 
fci;,  bag  mau  ha^  ^an^t  ©aframent  genicge,  ivenn  mau 
auc^  nur  eine  ©ejlalt  empfaugc,  ha^  fte  bcfoubere  bcn  Ärau* 
fen  blog  ba«  23rob  unb  feinen  2&ein  geben  xooUuti'^^).  53iel 
grogmut^iger  traren  bic  brei  S&eologen,  burc^  weld^e  Äalfer 
^arl  bie  3nterim^formcl  auffegen  lieg,  welche  er  a«  grogem 
53erbrug  ber  ^rotcjlanten,  uub  a"  n<?c()  grugercm  SIergevuig 
bcr  Äat^olifen  auf  bcm  SKeid;^tag  au  Slug^burg  im  S^Jr 
1548  befannt  machte«  Jpicr  »urbe  Kommunion  unter  beiben 
©ejlalten  ai\  ben  Oitcn,  wo  fte  bie(>er  gctro^nlidb  war,  o^ne 
alle  weitere  ^iufd)rdnfung  fortaufe^en  erlaubt*-')*  ^^^  ^^^i^ 
mcrfte  bie  groge  ©efajr,  n?eld?e  aud  einer  (olc^en  S^^eilneJ^ 
mung  teö  ^aiferö  an  ^irc^enfacben  entfpringe,  unb  wollte 
boc^  auc&  einigermagen  bcn  Nachgiebigen  fpieUn,  ^ah  alfo 


-^)  Seckendorf,  L.  III.  Sect.  31.  S-  CXX!. 

■■^')  SSevgl.  ^hU  brcifad)eö  ^utcrim.  Seipjtg,  1721.  8.  i>ag.  358. 
Q'hen  biefe  57ie{nun{i  l)at  e^  md)  mit  bem  ©ebraud)  ber  ©u-- 
d)ari|lten  imter  beibcv  ©eftalt,  weld)er  ftd)  nun  il)rer  »iel  ge* 
I)raiid)en,  unb  beren  geiüot^nt  fcpen,  uiib  mögen  biefe  Seit  ol)ne 
fd)iücre  33en}Cöung  bavon  nidjt  ab(^eiucubet  lycrben,  unb  bann 
\ia^  cjcmeinc  ^'ouciltum,  iveld)cm  ftd)  alle  Qta\\\>e  be^  I)eili(]en 
üieic^^  untenuovfe«  l^ßben,  ebne  Siueifel  einen  gottfeligen  unb 
eifricjen  %id^  aniDcuben  wirb,  ha];  in  biefem  %aii  vieler  2ü\U 
©emiilen  unb  bem  ^-rieben  ber  ^ivd^c  nad)  01otl)burft  geratl)en 
werbe.  2)emnA(^  weldje  ben  ©ebraud)  beiber  ©eftalt  vor  hk* 
fer  Seit  ancienommcn  I)aben,  unb  Davon  nid)t  abjieljen  ujoden, 
hit  foflcn  {)ievükr  c}Ieid)fan^  be^  (gemeinen  goncilii  Erörterung 
unb  ©ntfd)teb  envarten.  ®od)  fo((en  bie,  fo  ben  ©ebrauc^ 
beiber  ©eilalt  i/ahn,  t)U  @eivoI)n^eit,  W  nun  alt  ifl/  unter 
einer  ©eftalt  su  commnniciren,  nid)t  j^rafen,  aucb  feiner  bierin 
bcn  anbern  aitfed)ten,  \)i$  ()ierüber  von  einem  allgemeinen  Co«- 
iüiio  9efd)loffen  wirb. 


374 


feinen  ©efanbtcn,  bk  im  3a Jr  1549  in  Deutfd)Ianb  auUf 
mcn,  bie  Srlaubni§,  (Kommunion  unter  beiben  ©cjlaltcn  bcn 
jcnigcii  auf  eine  3cirlang  ^u  gejlatten,  n?e(d)e  allen  i^ren  tbxU 
gen  3rrt^umern  entfagen,  unb  ba^  Dcfret  bcr  ^ojlni5if4)cn 
©t)nobe  annehmen  trurbar-^»  $tBar  eö  nic^r  (ac^erlid),  mit 
einer  Partie,  n?eicj)e  fc^on  fo  ^ajlreid)  tt?ar,  unb  fclbfc  auc^ 
t)k  feineren  ^önjlc  beö  rbmifc&en  ^?ofe^  Idngfl  genau  fannte, 
auf  folc^e  33eblngungen  gricbe  mact)cn  ^u  ujollen?  «Bieüeidjt 
erzeigten  fic&  bie  53dter  ber  21vicnrfd;en  ©ynobe  ein  ircnig 
billiger. 

§.    36. 

&n  ©cßein  bon  SSilligfeit  war  e^  n^enigflen^,  ba^  man 
mit  ^ntfc^eibung  biefeö  ^p^nft^  t)on  bcr  Kommunion  unter 
einer  (^ef?alt  bi^  3ur  Slnfunft  ber  ^rotefranten  njarten  trollte, 
9^ur  tt?ar  eö  faum  mef;r  aU  ©d)cin  i?on  S5illigfcit^  benn  bie 
»rid;tigjlen  ©treitpuuftc  anberer  QivüM  warm  fc^on  cntfd)ie^ 
ben,  nid;t  einmal  hk  gan^e  Unterfud)ung  t)om  ^bcnbmaf;l, 
fonbern  bie  ein5ige  grage  t>om  allgemeinen  ©enug  beö  ^elc^6 
njurbe  aufgcfd)obcn ,  unb  bk  faiferlicfeen  ©efanbten  mußten 
iftrc  gan^e  2Iuftoritdt  gebraud;en,  um  nur  fo  i?iel  ^u  cr^oU 
ten  '"""•)♦  ^m  3a6r  1562  famcn  cnblid)  bk  bieder  aufgefcfco? 
bene  50?atcrten  t?om  Slbcnbmal;!  in  S5erat5fcblagung. 

€ö  waren  fünf  fünfte,  in  welche  bie  Streitfrage,   fo 
mit  fte  ^ie^cr  gebort,  get^eilt  würbe, 
1)  £)b  alle  ©laubige  notljwenbig  unb  awi  gottlidjem  ^t^ 

fe^l  t>erbunbcn  waren,  ha^  Saframeut  unter  beibcn  QJc^ 

jtalten  ^u  genießen. 


*)  Sleidanus.  L.  XXI.  pag.  646. 

*^)  ©arpi,  ®ef(l)!i-bte  beö  3:ribentin.  (Jone.  (SHambad)^  Ueberf.) 
m.  Zij.  IV.  33.  ©.  255. 


I 


575 

2)  Ob  Die  ^ird)c  red;tmägige  Urfrtd)e  ö^^^^bt,  bte  ©cmo^n^ 
Jcit  einzuführen,  bng  bie  Sapcn  bic  Kommunion  nur 
unter  einerlei  ©eflalt  empfiengen,  ober  ob  (Te  Jierin  geirrt* 

3)  £)b  man  Scfum  unter  einer  einzigen  ©ejlölt  ganj  unb 
eben  biefelbe  ©nabe  cmpftenge,  aU  unter  bciben  ©ej^alten» 

4)  £)b  bte  ®ri4nbe,  ireldje  bie  ^ird)e  benimmt  5»5tten,  ben 
£at)en  bie  (Kommunion  nur  unter  einer  ©eftalt  gu  rci^ 
djen,  biefelbe  auä)  \>moQii\,  9liemanben  ben  Äeld^  ju 
bewilligen. 

5)  Unter  voa6  für  S5ebingungcn  man  einigen  ben  ^elc& 
ben^lUigen  fonne,  gefetzt,  baß  red)tmagige  Urfad&cn  baau 
Dori^anbcn  waren. 

6arpi  fü^rt  mit  mitleib^üollem  Sac^)eln  über  bie  Um 
wlfTcn^eit  ber  Siricntfc^en  2:^eologen  bie  ganae  fRdi)C  t>on 
©runben  an,  x\)dd)c  M  Untcrfud)ung  ber  er(!en  Sr^ge  t>on 
(Kommunion  unter  einer ©ejTaltaufvjctrieben  würben '"0*  2)rcr 
unb  fecti^aig  ^il^eolpgen  ftinimten  alle  ubcrcin,  ba0  ber  ©e^ 
brauch  bei  ^dd^^  wcber  not^wenbig  noc^  befohlen  fei^.  S5er 
größte  S^eir  ergriff  fügar  folc^e  S3cireiögrunbe,  nad)  weld)eu 
eö  ein  g6ttlid)el  ©ebot  gcwefcn  wäre,  ben  Sai;cn  ben  ^elc^ 
3U  eiitale^en,  nur  awci  faifcrlid)e  ^^cologcn  wunfc^ten,  bag 
\)k  ganae  grage  ijbcrqangcn  würbe,  t)a^  man  t)ic  (Ioftnlaif<tc 
entfd)etbung  alö  befannt  öorau^fcl^en  mod)te.  Sben  fo  gieng'ö 
mit  Unterfud3ung  ber  aweiten  grage,  ©erfoni  ©runbe  wur* 
ben  alle  wieber  bert)orgcfud;t ,  fo  wenig  man  aud)  hü  man* 
d)cn  berfelben  t)a^  Sacbcn  t>erbcigen  fonnte,  5(m  (!nbe  Jieg 
el  wicbcr,  in  allem  wie  auf  ber  ^oflniaer  6i)nobe.  ^ie 
©trcitigfeitcn,   weld;e  wegen   ber  britten   gragc  cntpunbeU/ 


*).@nvpi,  IV.  J^eil,  ©.  571  ic,  bcfTen  (5'-rsrtl)luug  üöerl^aupt  Ui 
tiefem  ganaeu  UlKd)uitt  aum  @runbe  liest. 


376 


(Inb  für  unö  Jier  gleichgültig,  5lbcr  wie  man  öuf  bic  tiertc 
unb  fünfte  giöse  tarn,  fo  waren  bie  fpanifc^cn  ZijcolüQiw, 
unb  alle,  tt>elc^e  Don  Spanien  ab^lengcn,  bie  uugcftuniften, 
Mi  einmal  öngenomnune  Äclct)t)erbot  ^u  behaupten,  ^d 
fc(?etnt  bloß  ^ifer  für  £>rtl}oboj:ie,  t>icacid?t  ^um  Zi)iii  9^eib' 
gett)efen  3U  fei;n,  önbern  9^ationcn  auc^  nic^t  geftattcn  ^u 
wollen,  trad  fic  felbjl  gar  nic^t  begehrt  Jatten.  6ie  flagten 
über  ben  Ungc^orfam  ber  I5eurfd)cn,  unb  über  bie  ewigen 
gorbcrungen  berfclben,  ba  ein  SSunfc^  immer  bcn  anbern  nac^ 
iiö)  i'oQC.  Die  faiferlic(?en  unb  fran^ofifc^en  ©efanbten  fpra^ 
cfeen  mit  allem  9?acbbrucf,  um  i^ren  ^ird^en  ein  fo  fe()nlid) 
gcwünfd;teö  SRec^r  p  t)erfd}affen.  2lucO  ber  baierifc(?e  @e^ 
fanbtc,  5Iugu(?in  SSaumgdrtner,  brang  glcid)  in  feiner  er|leu 
8^ebe  mit  aller  greimüt^igfeit  cine^  I?eutfd)en  öuf  9Zot^wcn^ 
bigfeit  ber  dJeftattung  be6  ^eld)^.  Die  allgemeine  ©e^nfuc^t, 
bie  ©efa|r  ber  fat^olifc^en  ^irc^e,  hai  SScifpiel  q)auluö  III. 
würben  auf  ba^  bringcnbjle  t)orge(Iellt;  man  legte  eö  ben 
:pdb(llic^en  Legaten  auf  bae  ©ewijyen,  in  @a4)en,  weic^^e  flc^ 
auf  gottli(^e  53erorbnungen  grünbctcn,  nid)t  eigenfinntg  5U 
wibcrjlreben.  2lllein  ber  ^eilige  ©cijl,  ber  t^k  ©i^nobalbefrete 
be(?immte,  war  au  9?om^  unb  i^m  ^aiidjU  nid)t  gut,  Vi^ai 
biefe  brci  ©cfanbteu  im  9lamen  i^rer  sperren  crfldrt  Ratten» 
Den  16.  Suliu^  würbe  bk  21.  <Seffion  gehalten,  worin  man 
ta6  Dcfrct  über  ben  ©cbraud?  beö  ^eld;ö  t>erlaö.  ©ewojn^ 
IM)  mußte  jcbe  ©effton  mit  einer  ^prebigt  eröffnet  werben, 
unb  bk  ^rcbigt  felbjt  war  meifieuö  eine  Dorlduftgc  ^omileti? 
fd;c  (E'mpfe^lung  beflen,  wa€  aU  Dcfret  ber  @t)nobe  public 
cirt  werben  follte.  Diesmal  fcbien  ber  25ifd;of,  ber  alö  ^>re# 
tiger  auftrat,  t>or  ber  ganzen  ^crfammlung  uoc^  einmal  feine 
^?änbe  wafc(?en  iu  wollen,  ba^  er  «nfd;ulbig  fep  an  allen 
bemjenigen,  voai  man  fogleid)  beriefen  werbe.  (Er  fprac^ 
rectt  angelegentlich  für  t>k  ©ejlattung  be^  ^eldj?^,   unb  bie 


377 

pabj!lid)en  Legaten  mochten  wojl  »ajrcnb  2In55run9  feiner 
q)rct)i3t  feine  angenehme  ©tunbc  gehabt  Jaben.  9)^ön  terla* 
nad;  üollciibctcr  (Kommunion  Me  Sc^rpunfte  unb  ^irc^cngefc^e^ 
tiereii  ^auptlnfjalt,  fo  mit  fie  fieser  geboren,  folgender  war. 

5öet)er  bie  Satjen  no*  Me  ^ricjler,  tuelc^c  «icöt  ?JfJeffc 
Jalten,  jtnb  burc^  ein  gottlic^e^  ©efe§  tcrbunben,  ba^  5Ibenb» 
majl  unter  bclben  ©cjlalten  ju  empfangen.  Sefuö  €()ri|!u« 
iat  ci  iwat  fo  eingefe^t,  unb  ber  ©ebraucf)  beiber  ©ejialten 
xoax  t)on  Slnföng  ber  fejr  gen?5bnlicli)/  boct)  barau«  lagt  ft(<> 
nlc^t  fc^licgen,  bag  jeber  öcrbunben  (et),  beibe  ®e|lölten  ju 
genicgen,  unb  wer  sraeifelii  foUte,  ob  bie  ©eniegung  einer 
©cftalt  binldnglic^  fct?,  würbe  ben  (!Jlauben  öerle^en.  2)enn 
unter  jcbev  ©ejlalt  i(l  (5()ri|!u6  ganj  entbalten,  unb  »er  nur 
eine  ©ellalt  geniegt,  tjcriiert  ntc(?tö  Don  ber  ^ur  ©eligfelt  nb^ 
tbtgen  ©nabe»  ^auluö  beute  ja  bcutlic^  genug  barauf,  bog 
bie  ^irc^e  öU^cit  t>ai  fRcd^t  gehabt  iahe,  folc^e  äufdüige 
^inge  in  Sluöt^eilung  ber  ©aframente  ju  üerdnbern,  benn 
fte  fpt)  ia  ^auöfedlterin  über  ©otte^  ®ebeittinifi"e;  unb  wer 
weig,  waö  ^aulu6  M  noc^  angeorbnet  baben  mag,  wenn  er 
ftc^  bovbebdlt,  wegen  beö  Slbenbmabl^  noc^  mfinblic^  bö< 
^Hotbigc  3u  verfugen.  ÖBIe  e^  bie  Äirct)e  baben  wiü>  fo  mug 
eö  fci;n.  d'^malö  gab  jte  büht  ©eftalten,  unb  ba  war*^  SRec^t: 
jet^t  gibt  fic  nur  eine  ©epalt,  unb  nun  mügt  ibr  t>o6^  glöu* 
Un,  bog  cö  wiebcr  rec^t  fci;. 

Wtan  Umx  fic^  kid)t  DorjIeHen,  wk  hierauf  bie  Qlnat^emc 
tjcrtbeilt  würben.  Die  ^wei  fünfte,  ob  man  ungcacfetet  öÜer 
obigen  ©rünbe  ben  Md)  O^icmanben  gejlatten  f bnue ,  unb 
unter  welchen  SSebingungen  man  if;n  geilatteu  fbnne,  würben 
auf  fünftige  reiflichere  Erwägung  auegcfe^t»  Der  rcbli*e 
©arpi  fagt,  man  ^ahc  ftcö,  bü  einem  folcf)en  Slu^gang  ber 
©ac^en,  bei:  frcigenben  23erge  erinnert,  ' 


378 


§.     37. 

^aifcr  gerbinanb  lieg  burc^  feine  ©cfanbtcn  bie  (2nt\d)cu 
bung  bcr  5n?ei  auegefci^tcn  fünfte  unablafffg  betreiben,  unö 
50g  felb|t  ben  ^ab^  fo  in  fein  SnterejTe,  bag  biefcr  feinen 
Senaten  25efc^l  qab,  \^k  6ad)e  Dor^unc^mcn.  ^er  berü&mte 
23ifd)of  Dubit&  öon  gunffircfeen  6ielt  eine  treffliche  Sficbe  t>on 
bcr  Dlotöwenbigfcit,  hcn  faiferlid}en  ^rblanbcn  unb  für  Dcutfc^« 
lanb  hcix  ^cld)  ^u  gejlatten.  Die  Legaten  fcfcienen  nicl)t  obs 
geneigt,  hk  t)orgetragenc  SSitte  3u  erfüllen,  o^ne  tiabd  bod) 
beö  ^ort^cilö  bcr  pdbjllic^cn  SHeligion  gu  üergeffen,  benn  \>k 
SSebingungcn  njavcn  unleibentlicö  fd)i\)er,  n?elc^e  mit  ^rt()ei^ 
lung  bc6  ÄeldjpriDilegium^  üerbunben  \rerben  foüten»  d}od) 
nie  ober  Ratten  ftd)  bie  ^tjnobabarer  in  fo  mk  Partien  ge? 
t^eilt  al6  btegmal,  man  fd)ien  nid)t  ^u  (JnDc  fommen  ^u  fon* 
nen,  unb  bod)  n?ar  e6  ^oc^jier  ^unfd)  feiner  ^peiligfcit,  tk 
Sperren  enblid;  einmal  auö  cinanber  ^u  bringen  '"O»  Die  poli^ 
tifc^c  Srci^eit  ber  Legaten  t)crfd)afften  enblid)  WlcMät  ber 
©timmen  für  biejenige  SKeinung,  welche  aüeö  bcr  ^ntfc^ci^ 
bung  beö  «Pabjlö  iibcrlieg,  unb  bk\c^  fc^ien  ben  UBünfd>cn 
berer,  U)elc^e  ben^cld)  »erlöngten,  gar  nid)t  entgegen  gu  fci;n, 
benn  ber  ^ab\i  voax  c^er  ^u  einer  guten  (Sntfcfelicgung  ^u  bc? 
wegen  aU  ^k  @j)nobaIt>dter,  gerbinanb  unb  ber  ^per^og  t)on 
85aiern  brangcn  nun  auf  t)ai  5lngclcgentlid;fte  in  ben  ^>abjT, 
c^  jammerte  fie,  um  eincö  bloßen  ^ird)engcfc^e6  tviUcn  fo 
öllgemeincö  5}^igi)ergnugcn  gd^ren  an  fc^en,  unb  ber  letztere 
Jatte  feinen  Sanb)ldnbcn  i?erfproc^en ,  rcenn  ni($t  inncrbaU) 
cineö  Safirö  cntnjcbcr  t)on  3^om  ober  t)on  Slricnt  bie  ^rlaub^^ 


*)  ©arpi  er5al)(t  bie  t)orjügnff)flen  t)erfd)iebenen  voia  ber  93ifd)öfe, 
unb    Sclimid   in   diss.    de    faiis    calicis  Eucharistici.  pag.  75. 

t)er(ile{cl)t  bie  ^ad)ri(^ten  be^  ^atlapicini,  in  einer  fet^r  äuge? 
nehmen  Äür5e. 


579 

niß  fommcn  fotttc,  aU  StanM^m  blefelbe  fclbrt  S«  crtScilcm 
X)ic  O^u^e  fciiur  !i!dntjcr  Jieng  bat>on  ab,  benn  e6  war,  vot* 
gen  biefer  ©act)e,  fcl;on  blö  ^um  Sluftauf  gefornmen.  2:)cr 
^^ab\i  üc^  cö  öu*  irirfli*  fein  3«^r  mc^r  einliefen,  fo  fc^ldfte 
er  t>k  verlangte  S5ret)ciu  1564  bcn  16.  Slprtl  erging  nlcfet 
nur  ein  S5reöe  an  ben  S5ifcbof  3«nuö  öou  Olöumburg,  in  ben 
£)ef!errcid)lfcf)cn  unb  S3aierifd)en  Sanben  nad)  ©utbefinbcn 
böö  2lbenbmfl5I  unter  belben  ©eflattcn  au  erlauben,  fonber« 
öucf)  t>u  Drei  gel(ilid}cn  (^^urfurjlen  erhielten  ^cfe^I,  wenn  fte 
cö  für  nui^Iicö  Jielten  (ber  ^abjl  gibt  c6  tfjnen  auf  baö  (^e^ 
trijTen,  bicfe^  trof;f  a«  überlegen),  gewiffen  ?)rteflern  bie  dx* 
laubntg  a«  geben,  aiemlicö  unb  o^ne  5lergernig  baö  ^benbmajl 
aud;  unter  beiöen  ©ejlalten  au63ut^eilen  (¥0*  5^än  machte 
t>k  forgfdltigften  SInftalten,  t>a^  fein  5D^igbrßuc&  fic^  einfd)lei- 
d)en  mochte,  unb  ber  größte  9)?igbraud),  tim  man  beforgte, 
war,  M^  ftd)  je^t  ^eger  unterließen  mochten,  bem  !ar5oIifd)eti 
^Itar  ftd)  au  ndjern,  I)afür  würbe  nun  burd)  bie  flrengjle 
t>Drßcrgcßcnbe  Unterfud)ung  geforgt,  unb  bk  (Sommunicanteit 
unter  beifcen  ©eflalten  mugten  torßer  bcfenncn,  ^a^  auc|)  un* 
ter  einer  ©eßalt  ber  gan^e  C^ßrijluö  enthalten  fct),  unb  M^ 
bie  romifc^e  ^irdje  nic^t  irre,  wenn  fie  nur  eine  Q)cfta(t 
au^tßeilen  lap  '"0» 

^aum  t?ier  Saßrc  bauerte  \>k  grogmöt^ige  9lac^giebigfeit 
M  ^abfli»  ©c^on  1568  ergieng  wieber  ein  S3rct)e  an  ben 
S5ifd;of  Urban  t?on  ^apu,  t>m  Saiden  ba^  ^eilige  2Ibenbma5l 
unter  bdt^cn  ©ejlalteu  burc^auö  nid;t  au  gejlatten  -="0.    Slber 


*)  9Son  ber  mxHid)in  einfü()rung  biefeö  neuen  Siecftt^.  f,  Schnüd 

de  fatis  calicis  Euchar.  pag.  81.  ' 
*^)  Liiiiig  Spie.  Eccl.  Cout.  U.  pag.  826. 


380 


fo  fc(>nell  Heg  jfdS^  tiod^  in  bcr  irirfllc^en  SluSubung  bic  (Badoc 
nid)t  abjtcneiu  9]oc^  im  S^tr  ^600  niugte  bcr  S3ifct?of  ton 
^aflfau  bem  ^r^^^r^og  ^attf)ia6  al6  ©tatt&alter  t)on  ^ber* 
unb  9]lcberr6(Icrreii^  fefer  brtngenb  anliegen,  t\ad)  bem  fo  oft 
öcäugemn  ööunfc()  M  pdbplicbcn  9]unc{u«  hhn  bcr  ^bfteU 
lang  beö  Äelci?^  im  2Ibenbma6l  au  wacben.  2)cr  dT^tKraog 
lieg  (tcö  er(l  noc&  tin  S5ebcnfcn  t)on  bem  Sbifcbof  ^Icfcl  unb 
önbcrn  X^cologcn  f^eUcn;  bad  gef^ellte  ©utacbten  tt?ar  me^r 
für  aH  wibcr  biciSetbe^altung  be6  einmal  erworbenen  SKec^tö"). 
2)er  Söifcbof  ^at  aber  boc^,  waö  i^m  gut  bünfte,  unb  \va6 
ber  ^ab(l  befohlen  iatU.  ^an  ergriff  bie  öluöflucbt,  eö  (cy 
blog  perfonelle^  Privilegium  gewefen,  baö  ber  ^pabjl  biefen 
grabifcbofen  unb  23ifcl;5fen  ertjeilte;  mit  ijrem  Slobe  fcp  «^ 
crlofc^)en, 

2)ic  ©efc6{c(;tß  (i6rt  nun  Jier  auf,  fo  weit  fte  ttjenigjlcnö 
biöjer  befannt  würbe.  2)ic  Reiten  bcr  Jeiligen  £ige  waren 
ber  ^r^altung  einiger  S^eligionöfreijeit  in  ben  fat^olifc^en  Sdn^ 
bern  gar  nic^t  günflig,  bie  Öinformigfcit  ber  pdb(llic^*fat^o# 
lifc()en  ^Religion  erhielt  auf'^  9Zeue  allgemeine  i?errfc(;aft ,  nur 
miter  allen  giirflen  unb  S5if4)5fen  war  9Ziemanb  mejr,  ber 
ftc^  ber  fR^d)tc  be«  53oIf^  mit  fo  vielem  (Jifer  angenommen 
Jdrte,  aU  Äaifer  gerbinanb  unb  ^er^og  5Ilbert  von  S3aiern, 

Ulod)  eine  einzige  5SegebenJeit  vcrbient  Jier  angeführt  3U 
werben,  ^per^og  2lnton  Ulri*  von  23raunfcbwcig  begehrte 
tm  3a6r  1712  bie  Kommunion  unter  beiben  ßJcftalten.  dU^ 
ttien«  XI.  fd;Iug  eö  tjm  ab,  Jo  viel  bemfelben  an6)  bamal« 
am  ^rofelt)tencifcr  be«  ^er^ogö  lag,  er  befürchtete,  ein  S5ci* 
fpiel  mhd^tc  ^oqUIö)  mehrere  icrbeilodfen,  unb  führte  bem  ^cr# 


♦)  ^^et)enr)üfterd  annales  Ferdinandei.  Tom.  V.  p.  2226  eic,  lUO 
ein  um(laubli(^er  %)x^üi  beö  gcileUten  ®utad)tett^  ju  finöen  t|L 


381 


^og  tt(bt  barevlld)  ju  ©cmütjf,  tdh  man  i^n  wojl  U^ct  gar 
für  tift^croboi*  (galten  mochte  '-'). 

Sil  tcr  ganzen  europdtfd)  f  Ut\)o\\\6)m  (S^rlftcnjeil  i|l 
alfo  DicUcictjt  ber  ^5nig  in  gröufreld),  unter  bcn  Satjen,  wirf^ 
lic|)  t)cr  einzige.  Der  bcn  ölbeubma^Ifcld)  einmal  tn  feinem 
Scben  ju  trinken  befommt;  unb  bie  ^mi  ^I5(!er  (5(ugnt)  unb 
@.  £>eni)ö  fmb  t>ieüeid)t  ebenfo  bie  einzigen,  wo  bei  feiere 
ltd)cn  5J?cjTcn,  nic^t  allein  ber  ^rie(!er,  fonbern  auc^  ber  Dia^ 
fonu^  unb  ©ubbiafonuö  bcibc  ©ejlalten  empfangen  *''0* 

3*  tt^iH  feinem  ^rotcffanten  unb  feinem  ^at^olifen  mit 
Qlnmcrfun^en  vorgreifen,  \vdd)c  jcber  nac^  feiner  5Irt  unb  nac^ 
feinen  bor&ergefagten  5J?einungen  über  t^k  biö^er  er^d^Ite  ©e^ 
fd)id)te  madjen  tuirb.  (Sin  ^rotcjtant  fann  ftd)  wa^rfc^ein^ 
lid)  nid;t  einmal  rec^t  in  bic  Sage  eineö  frommen  ^at^olifen 
fegen  unb  bcn  feigen  Durjl  n\d)t  nad;cmpftnbcn,  ber  oft  in 
feinem  3"uer(!cn  ent(!e6en  mug,  ttjdr*  cö  boc^  auc^  nur  ein^ 
mal  in  feinem  Sebcn,  von  bem  ^elc^  ^u  trinfcn,  t)on  welchem 
feine  55dter  noc^  trinfen  burftcn.  ®cnug  beö  ©aframcnt^ 
macf)t  auf  feine  fromme  ©celc  einen  ganj  anbcrn,  id>  m5d)tc 
fa(i  fagen,  allgewaltigem  ^inbrucf  aI5  auf  bie  ©ecle  beö 
nad)benfcnben  ^rotcjtanten :  unb  tt)eld)en  ^uf^^  i>on  SQBirfungen 
t)crfprid)t  er  (icf?  alebann  nic^t  er(!  babcr,  wenn  er  eben  fo 
glücflid)  werben  fonnte,   wie  fein  9}?eßprief!er,  wenn  er  ba« 


*)  Clementis  XI.  Breve  ad  Anionium  Ulricum,  Ducem  Briiiisvic. 
d.  23.  Jiii.  1712.  ^app  in  ber  91ad)lefe  s«  ber  Oieformatton^« 
gefd^.  CT.  I.  p.  380  etc.)  Ue^  ed  nu^  ber  s«  9^om  in  smei 
^cHobanben  erfcf)iencnen  (Sammlung  ber  (Bd\xnhen  biefeö  ^abs 
fle^  abbrucfen,  unb  au6  ^app^  5Rad)lefe  nnl)m  e^  @erbe^  in 
miscell.  Groiiing.  T.  VII.  p.  113  eic. 

^•")  Gerberti  disquis.  Liturg.  P.  II.  p.  388. 


.82 


^UnhmaU  aud)  fo  galten  burftc,  wie  cö  Scfuö  (E^riftu«  diu 
gefegt  unb  t)lc  erjlc  ^Ircfee  gehalten  Jatte.  (5r  glaubt  c^  bcr 
^irc^e,  ölö  ei»  fromma*  föt^ollfd^er  ^f)rij!,  bog  öud;  unter 
bcm  S3rob  bei*  gan^e  ß[)ri(?u6  ent(;ölten  fet),  bog  i()m  burd) 
e-nt^ie^ung  be^  ^eld;ö  feine  ^ur  (geligfcit  notf;n?enbi3e  ©nöbe 
entzogen  werbe:  ober  für  unnot^ige  (3naU  fann  er  bocb  hic^ 
jtenige  nid)t  polten,  welche  bcr  Sl^egpriciler  beim  ©cnu^T^  beö 
M^^  empfangt;  @ott  gibt  ja,  nic^tö  unnot^igeö ;  in  be^ 
muffiger  Einfalt  fü^It  er  ficfe  t)erglid)en  mit  feinem  ^ricfler 
immer  aU  ben  @d;tt}dc^ern,  immer  al^  ben  ^cburftigern  tiad) 
©nabe,  unb  bod)  iat  i^m  bic  ^ivc^e  ein  Wittcl  entzogen, 
ta^  fie  jenem  minbcr  Q5cbürftigen  allein  ^ufprad),  3c^  fann 
mir  feinen  heilig  ru^renbcru  2lnbli(f  öorftcllen,  öl^  ^it  fdm* 
pfenbe  ©eelc  eineö  @arpi  ober  ^afcal,  bie  taafenb  geiler  unb 
fDidngel  in  ber  9\cIigion^gefcllfc&aft  fc^en,  unter  we(d}cr  fte 
geboren  füib,  ober  fic^  ^u  bulben  unb  ^u  leiben  entfd;Ioffcn 
J)Cibcn,  wzil  fte  (rid)tig  ober  unridjtig?)  t)ermut5en,  fclbj!  nocö 
in  ber  Sage  me^r  (S)uteö  ftiften  gu  fbnnen,  ölö  wenn  jte  feicr* 
ü(f)  ahtrctin  würben,  weil  fte  fi'd)  eine  iDienge  53erfetneningen 
crbad)t  ^aben,  woburd)  fte  ben  SBortcn  unb  tcn  ©cbrdud)en 
ber  angenorttmenen  Äird;cnort6oborie  einen  ertrdglidjern  Sinn 
5u  unterfd)ieben  fad)en.  fOiit  weld;en  (Empftnbungen  ein  foN 
cl)er  Wlann  nad)  iaib  genojfenem  Slbenbma^l  t)on  bem  Slltar 
binweggc^cn  mug,  wenn  c6  i^m  öuf  ba5  Jperg  fd)iegt:  ^dt* 
Un  bod)  nur  jwolf  (5otlni3ifd)e  ^anonijlen  unb  S^OeoIogen 
ctwa5  bcbad)tfamer  unb  unbefangener  gefprod)en,  fo  wdre  er 
unb  bie  gange  fatf;oIifd)e  ^^riften^cit  mit  ungd()Iigen  ber  qud* 
lenbjTcn  Jwcifcl  unb  ewig  i)erfagter  SBönfdK  i?erfd^onr  geblie? 
ben.  Slöcnn  öüee  burd)  ^öerjdbrung  foU  verloren  get;en  fbmicn 
—  0  nur  nicbt  ba6  cbcl(ic  ^(eiuob,  baö  9lcd)t  mit  eigenen 
Slugen  gu  fejcn,  unb  fein^ö  ©laubenö  gu  leben» 


(A)  Guillelmus  deCampellls  (v.  quae  edidit 
Mabillon  Praef.  prima  ad  See.  III.  Benedict,  n.  75.) 

Quod  utraque  species  per  se  accipitur,  eo  fit,  ut 
memoria  corporis,  quod  in  cruce  visibiliter  pependit,  et 
memoria  sanguinis,  qui  cum  aqua  de  latere  fluxit  arctius 
teneatur,  et  quasi  pra^sentetur.  Tarnen  sciendum,  quod 
qui  alteram  speciem  accipit,  totum  Christum  accipit.  Et 
infra:  Quod  ergo  dicetur,  utramque  speciem  oportere  ac- 
cipi,  haeresis  plane  est  .  .  .  Et  ideo  licet  in  alterulra  spe- 
cie  totus  sumatur;  tarnen  pro  causa  praidicta  sacramen- 
tum  utriusque  speciei  ab  ecclesia  immutabili- 
ter  retinetur. 

(B)  Algerus,  Scholasticus  Leodiensis,  ein  ©C^liftjTet^f 
Uv ,  bcr  fid)  befouberö  tuxd)  SScfireitmig  beö  $Scre«goriuö  hc^ 
ru^mt  niad;tc.  ©eine  ©d)rlft  de  sacramento  corporis  et 
sanguinis  Domini  jtc^t  in  Bibl.  PP.  Lugd.  Tom.  XXI. 
p.  251.  2Iu0cr  blcfem  f|!  (te  mit  anbern  <£d;rift(fellern  ddih 
•Slbcnbma^I  nod)  5frerö  befonberö  gebrückt.  L.  III.  8  l)at 
2IIgcr  mehrere  ©teilen,  öuö  irelc^en  bfutltc()  erhellt,  ha^  ^u 
feiner  $dt  Kommunion  unter  beibcn  ©eftalten  nod^  allgemein 
war.  (Er  fagt  ^»  ^.  dura  vinum  in  ora  fidelium  funditur, 
sauguinem  de  latere  Christi  etc. 

Hugo,  de  S.  Victore,  ^tltQü\o\]c  be^  öliger,  in  feiner 
summa  sententiarum ,  Septem  tractatibus  distincta,  fpric^t 
in  tc.l  Kapiteln  de  Sacramento  Eucharisti^e  in  foldjßn  2Iue5^ 
brütfcn,  bag  man  (icf)t,  er  nimmt  ben  allgememcn  ®cnug 
:ö  Md^Q  ali  bcUimt  an.    «Bon  ^ctcm,  ^hbt  ju  (^(ugni?. 


584 


t|!  f^itt  bcfonbcr«  fein  Ztdtat  gegen  bic  9)etroBruif?dncr  mtxh 
njurbig.  Sine  fc^r  bcutlic^)e  ©relle  fdjcint  mir  folgcnbc  m 
einem  Sßcrf  bc3  berühmten  2IrnoIb  Don  ^^artreö  (f  p.  a. 
1162)  JU  fci)n.  De  Operibus  Cardinalibus  Christi,  in  bem 
^öpitel,  worin  er  de  Coena  Domini  Jönbelt.  Nova  est  hu- 
jus  sacramenti  doctrina  ....  et  doctore  Christo  primum 
liaec  mundo  innotuit  disciplina,  ut  biberent  sanguinem 
Christiani,  cujus  esum  legis  antiquae  auctoritas  districtis- 
sime  interdicit.  Lex  quippe  esum  sanguinis  prohibet; 
Evangelium  praecipit ,  ut  bibatur  ....  Bibimus  autem 
de  sanguine  Christo  ipso  jubente,  vitce  aetern«  cum  ipso 
et  per  ipsum  participes.  Nobis  itaque  —  ipse  Christus 
porrexit  hoc  poculum  et  docuit,  ut  non  tantum  exterius 
hoc  sanguine  liniremur ,  sed  et  interius  aspersione  omni- 
potenti  in  anima  muniremur  lt.  f.  W.  ^etru^  €ome(Ior, 
^ön^ler  ber  Uniöerfitdt  ^ari^  (f  1179)  ^at  in  feiner  fecfcö^ 
^cjnten  ^^omilie  gleich  entfd^eibenbe  ©teilen. 

(C)  RobertusPullus,  R.  E.  Cardinalis.  c.  a.  1144. 
Sententiarum  P.  VIII.  c.  3.  Primo  corpus,  post 
sanguis  a  presbjteris  est  sumendus.  Institutio  Christi 
mutanda  non ....  est.  Verum  qualiter  a  laicis  eucharis- 
tia  sumi  deberet  sponsae  suae  commisit  judicio :  cujus  con- 
silio  et  usu  pulcre  fit,  ut  caro  Christi  laicis  distribuatur. 
Nimirum  periculose  fieret,  ut  sanguis  sub  liquida  specie 
multitudini  Fidelium  in  ecclesia  divideretur ;  longe  peri- 
culosius  si  infirmatis  per  parochiam  deferretur. 

Wlaix  merfe  fic^  bic  ©rabation.  S^kx  werben  nod)  blog 
Ik  £at)cn  öu^gefcbloffen.  ©er  ©ebraucb  beö  ^cld)«  wirb  ölfo 
tioc^  ni4)t  öuf  ben  einzigen  SJJjcflfe  ^alrenben  ^>riefler  eingc* 
fd)rdn!t,  unb  felbfl  in  eben  biefem  5Berf  SKcbertö  fommcn 
wieber  ©teilen  t>or^  weldje  beweifen,  bog  bie  ©ewoljn^eit,  bem 
ia\)m  hm  Md)  ^u  t>crfagen,  weit  xnö)t  ollgemein  Jerrfdjenb 


385 


roav.  L.  III.  c*  9.  fogt  er  o^ne  bic  geringpe  9icf!riFtion  öuf 
blogc  ^rieflcr:  Ergo  dum  sanguis  tibi  infunditur  de  calfce, 
memineris  pro  te  sanguinem  fudisse  ex  latere,  dura  cor- 
pus Christi  quasi  conterendum  ore  sumis,  Christum  pro 
.  te  tribulatum  reminiscere. 

(D)  Concil.  Claromont.  a.  1095.  c.  28. 

Ne  quis  communicet  de  altari  nisi  corpus  separatim 
et  sauguinem  similiter  sumat,  nisi  per  necessitatem ,  et 
cautelam. 

Paschalis  II.  Ep.  32.  ad  Pontium,  Abb.   Cluniac, 

In  sumendo  corpore  et  sanguine  Domini  juxta  Cypria- 
num,  dominica  traditio  serretur,  nee  ab  eo,  quod  Chris- 
tus magister,  et  pr&cepit,  et  gessit,  humanä  et  novella  in- 
stitutione  discedatur :  Novimus  enim  per  se  panem ,  per 
se  vinum  ab  ipso  Domino  traditum.  Quem  raorem  sie 
semper  in  sancta  Ecclesia  conservandum  docemus,  atque 
praecipimus,  praeter  in  parvulis,  ac  omnino  in- 
firmis,  qui  panem  absorbere   non  possunt. 

3«  biefcti  legten  SBortcn  liegt  öuc^  eine  ^Tflarung  ber 
legten  5[Borte  be6  oben  öngcfu^rtcn  ^önonö  ber  €Ietmontcr  ©ij* 
nobe,  bon  wdd^tii  galten  ndmlict)  bte  nccessitas  unb  cautela 
ju  »erflehen  fei;»  ^an  (te^t  auc^  öuö  eScn  benfelben,  bog 
c^  im  SInfang  be^  ^irolfren  ^a^xf)m\\icxH  in  ber  abenblanbi«» 
Wen  ^lvd)e  noc^  Qmb^wlid)  war,  ben  ^inbcrn  ta^  2Ibenb^ 
ttia^l  5U  geben.  ni,- 

(E)    Anseimus  Epp.  L.  IV.  n.  i07.  (E3>  secunda  Ger- 
beroni)  pag.  453. 

Non  tarnen  intelligendum  est,  quod  in  sanguinis  ac- 
ceptione  solam  animam  non  etiam  corpus  vel  in  accep- 
tione  corporis  solum  corpus,  non  etiam  animam  suscipia- 
mus :  sed  in  acceptione  sanguinis  totum  Christum  Deum 
et  hominem,  et  in  acceptione  corporis  similiter  totum  ac- 
©Vittlevi^  )dmmtl  2Bcrfe  VIII.  2?b.  25 


386 

^  cipiamus.  Et  quaravis  separatira  corpus,  separatim 
'  sanguiiiem:  non  tarnen  bis,  sed  semel  Christum  acci- 
pimus  immortalera  et  impassibilem.  Sed  iste  mos 
separatim  accipiendi  inde  in  Ecclesia  inole- 
vit,  quod  Christus  in  coena  cum  discipulis  separatim  de- 
dit;  ut  per  hoc  intelligerent  se  animee  et  corpori  Christi 
debere  conformari. 

(F)  Alexander  Alensis  (fl.  c.  a.  1230.) 

Dicendura ,  quod  quia  Christus  integre  sumitur  8ub 
utraque  specie,  bene  licet  sumere  corpus  Chr.  sub  speeie 
panis  tantum,  sicut  fere  ubique  fit  a  laicis  in  £c^ 
clesia. 

(G)  Conc.  Dunelmense  a.  1220.  (Wilkins.  T.  I.  p.  578). 
Instruere  insuper  debetis  laicos,  quoties  communicant, 

quod  de  veritate  corporis  et  sanguinis  Christi  nuUo  modo 
dubitent.  Nam  hoc  accipiunt  procul  dubio  sub  panis 
speeie ,  quod  pro  nobis  pependit  in  cruce.  Hoc  acci- 
piunt in  calice,  quod  effusum  est  de  Christi  latere.  Hoc 
bibunt,  dicit  Augustinus,  credentes  quod  prius  fuderunt 
saßvientes. 

(H)     Thomas.  3/ quaest.  80.  art.  12. 

Circa  usum  hujus  sacramenti  duo  possunt  considerari : 
unum  ex  parte  ipsius  sacramenti ,  aliud  ex  parte  sumen- 
tium.  Ex  parte  quidem  ipsius  sacramenti  convenit,  quod 
utrumque  sumatnr  scilicet  et  corpus  et  sanguis;  quia  in 
utroque  consistit  perfectio  sacramenti.  Et  ideo  quia  ad 
sacerdotem  pertinet  hoc  sacramentum  consecrare,  et  per- 
ficere,  nullo  modo  debet  sumere  corpus  Christi  sine  san- 
guine.  Ex  parte  autem  sumentium  requiritur  summa  re- 
verenlia,  et  cautela,  ne  aliquid  accidat,  quod  vcrgat  ad 
injuriam  tanti  mysterii,  quod  prajcipuc  posset  acciderc 
in  sanguinis    sumtione;    qui   quidem   si  incaute  sumeretui 


587 

de  facili  potest  effundi.  Et  quia  credit  multltudo  populi 
Christiani,  in  qua  continentur  senes,  juvenes,  et  parvuli; 
quorum  quidam  non  sunt  tantce  discretionis  ut  cautelara 
debitam  eirca  usum  hujus  sacramenti  adhibeant:  ideo 
proyide  in  quibus  dam  Ec  clesiis  obs  ervatur,  ut 
jiopulo  sanguis  suraendus  non  detur,  sed  solum 
a  saeerdote  sumatur.  Wit  biefcm  jlimmt  gan^  überctn,  tt?a3 
man  bei  eben  bicfem  @($oIa|Iifer  in  feinem  (Kommentar  über 
Jo.  VI.  53.  ftnber. 

SBenn  Zf)omaß  ön  einer  önbeni  (Stelle  (3.  quaest.  74. 
art.  1)  barubcr  piilo\opJ)ixt ,  mt  raön  ben  Söein,  ber  boc^ 
ben  ^ran?en  fdjdblicfe  fei),  aU  materiam  sacramenti  bröucfeen 
fonnc,  fo  gibt  er  fic^  tk  QInttrcrt,  mdgig  genommen 
fei)  er  öuc^  Äranfen  nicfet  fd)äblic^,  unb  ea  fe^ 
öuc^  nicfet  notjig,  bag  alle  ^ommuntcantcn  bai 
S3lut  ^Jrillt  geuiegen,  ^an  Ut  noc^  t>iel'  mehrere 
©teilen,  wo  Zf)onwi  ton  ben  Urfad)en  ^anbelt,  warum  bet 
bem  ^eiligen  Slbenbma^l  ^i;ob  unb  SSein  genoflfen  werbcu 
mujfe» 

Sie  ganje  ©c&rift  bc5  ^^omaö  de  sacramento  altaris 
cntbdlt  nod)  eine  9}?enge  ber  interejfanteflen  (Stellen,  tk  Jier 
febr  nij^lid)  t)erglid)en  werben  fbnnen,  SSenn  man  S^oma^ 
Sieberge^rige  5ßer!e  ^uüerldgig  c^ronologifc^  ge(?eüt  bdtte, 
fo  würbe  man  über  bk  Umbilbungen  unb  tua^  Unfletc  feiner 
eigenen  SJ^einung  nocb  manche  wichtige  23emer!ung  machen 
fonnen:  id)  gefiele  aber,  biefe  2lrbeit  gefc^eut  ju  böben,  fo 
gewig  idi  auc^  an  einigen  (Spuren  wa^rnajm,  \>a^  fie  nic^t 
frud)tIo^  fei)n  würbe» 

(I)     Bonaventura  in  IV".  Sentent.  Dist.  11. 

In  Sacramento  duo  sunt,  scilicet  efficacia  et  signantia. 
Esse  igitur    de   integritate  sacramenti  dupliciter  est.     Aut 

Iantum  ad  efficaciam,   et  sie  neutra  species  est  de  inte- 
... 


388 


gritate,  sed  quoelibet  est  totum ,  quod  habet  cfficaclam : 
aut  quantum  ad  significationem ,  vel  signißcantium  et  sie 
sunt  de  integiitate:  quia  neutra  per  se  exprimitur  res 
hujus  sacramenti  sed  in  utraque  simul. 

(K)     Statutum  Cisterclensium  editum  in  Capitulo  gene- 
rali, a.  1261.  V.  Marlene   thes.   anecdot.  Tom.  lY. 
pag.  1418. 
Cum  ex  participatione    sanguinis  Domini,    quam  post 
sanetam  communionem   solent    percipere   personae  ordinis 
in  calice,    pericula  inde  veniant  gravia  et  possint  evenire 
in   posterum    graviora,    ordinal    capitulum  generale   quod 
monachi,  conversi,  raoniales  ordinis,  exceptis  ministris  al- 
taris ,    ad  calicem   more  solite  non  aecedant. 
(L)     Vetus  Ordo  divinorum  officiorum  apud  Camaldu- 
lenses,    corapilatus  a.  1253.    a  Martino  III.    Priore 
Camaldulensi.    v.    Annales  Camaldulensium.     Tom. 
VI.  Codex  probat,  pag.  92. 
—  Qui  communicandi  sunt,    coram  altari  eongregati 
morentur  majores    ante  minores ;    quorum   quilibet ,    ante- 
quam  recipiat  Corpus  Dominicura,   positis    manibus  super 
oram  cucullae,  tribus  vicibus  dicat  Domino  non  sum  dig- 
nus.     Qui  genua  flectant  devote    juxta  dextrum  cornu  al- 
taris,    honeste  sacrosanctum    mysterium  recipiant,    quibus 
sacerdos^um   magna  cautela  porrigat  Dominicum  corpus 
diccns  Corpus  Domini  nostri  Jesu  Christi  etc.     Ante  pec- 
tus  communicandi  fratris  duobus   fratribus  sindonem  reti- 
nentibus   reverenter ,    ut    corpus    Dominicum   mundissime 
conservetur,     Kecepturus  quidcm  Sacramentum  tantum  di- 
cat Corpus  Domiui  Jesu  Christi    etc.     Hoc    ctiara  ,pra3vi- 
deat    presbyter,    quod    diacono    et    subdiacono    primitus 
eucharistiam   conferat.     Accipientes   denique   calicem    di- 
cant  Calicem  salutaris  accipiam  et  nomen  Doraini  inyocabo. 


589 


Et  quod  ne  sacerdos  nimium  cÜiTerret  perficere ,  sacrista 
communicandis  aliiim  calicem  studeat  praeparare,  iit  com- 
niode  valeant  recipere  sanguinem  Jesu  Cliristi.  At  sacer- 
dos  cum  suo  calice  honesta  altaris  officium  exerjualur. 
Conlirmati  demum  dicant  Yerbum  caro  factum  est,  et  lia- 
bitavit  in  nobis;  Deo  gratias,  amen. 

(M)     Durandi  (fl.  ab  a.  1286  - 1296.)  rationale  divinor. 
OfTicior.  L.   IV.  rubr.  77. 

In  quibusdam  locis  post  sumtionem  corporis  et  san- 
guinis Christi  aliquid  de  ipso  sanguine  reservatur  in  ca- 
lice ,  et  superinf unditur  rinum  purum  ut  ipsi  comrauni- 
cantes  inde  sumant :  non  enim  esset  decens  tantui^  sangui- 
nem conlicere,  nee  calix  capax  inveniretar. 

(Einige  waren  bei*  ^OJciuuug,  biefcr  neu  ^iu^ugcöofifcnc 
^Qctu  wn'bc  alöbanii  oljin  wettere  €onfe!rötton  in  Scib  unb 
S5iut  (E^rijtl  tjerwanbelr,  ober  SDuranb  wiberlegt  biefelbe.  ^^ 
ift  übrigen^  bd  bicfcm  (©djriftfreüer  öUeö  nod)  im  SBibcr^ 
fpruc^  gegen  cinouber,  wie  e^  not^wenbig  ha  beuen  fei;n 
tnu^tc,  weld)e  t>cn  SIrttfcl  V)Dn  ber  ^'nt^le^ung  beö  ^eld;ö  5U# 
crjT  in  \^xt  Dogmatif  öufna^men*  ^r  hcmi^t  balb  nad) 
obiger  @tellC/  quod  solum  hostiam  re^piens ,  non  plenum 
sacramentaliter  recipiat  sacramentum. 

(N)  Attendant  Sacerdotes,  quod  cum  eommunionem 
Sacramenti  porrigunt  simplicibus  paschali  tempore  vel 
alio,  sollicite  eos  instruant  sub  panis  specie  eis  simul  dari 
corpus  et  sanguinem  Domini  imo  Christum  integrum,  vi- 
vum  et  verum,  qui  totus  est  sub  specie  Sacramenti. 

Doceant  eliam  eosdem ,  quod  id  quod  eisdem  in  ca- 
lice propinatur  non  est  sacramentum,  sed  vinum  purum 
eis  hauriendum  traditum,  ut  facilius  sacrum  corpus  glu- 
tiant,  quod  ceperunt.    Solis  enim  celebrantibus  sanguinem 


I 


590 


sub    specie    vini    consecrati  sumere   in  hujusmodi  minori- 
bus  ecclesiis  est  concessum. 

Ad    a.  1281.  Constitut.  Joannis  Peckham,    Archlepls- 
copi  Cantuar.  in  Lindwood  Provinc.  Änglican.  pag.  9. 
(O  1.)      Syn.    Exoniensis.    1287.    ( Wilkins     Conc.    M. 
Brit.  Vol.  IL  p.  133  ) 
Verum  ne ,    instigante  diabolo,    ulla  solicita  dubilatio 
de  corpore  Christi    mentes  occupet   laicorum ;   priusquam 
comraunicent ,  instruantur  per  sacerdotes ,    quod  illud  ac- 
cipiunt   sub    panis  specie  quod  pro  illorum  salute  pepen- 
dit  in  cruce      hoc  suscipiunt  in  calice,  quod  effusum  de 
corpore  Christi ;  et  ad  hoc  inducantur  per  exempla,  ratio- 
nes,  et  miracula,  quas  hactenus  evenerunt. 
(00)    2lua  iiac{)foIgenbcn  ^ircfcenüatuten  fönn  mön  fejcn, 
irie  un|!rclt{g  bk  (Kommunion   unter  einer  ©ejlalt, 
wenigffcnö    in    ^U\m   fran^üjifd)cn  ^irc^en,   hamali 
fc^on  ön^enommen  wav. 
Statuta    synodalia    Eccles.    Cadurcensis,   Ruthenensis    et 
Tutelensis   c.   VI.  ed.    sec.  XIV.    v.  Martene   thes. 
anecdotor.  Tom.  IV.  p.  712. 
Et   esset  honestum  ac  pium,  communionem  recipi    in 
festis  Nativitatis  dofjiini  et  Pentecost^s  a  quocumque  fideli 
et  ad  hoc  populus  inducatur.     Praecipientes ,    ut  sacerdo- 
tes vinum  purum  habeanli  paratum  in  Ecclesia,  quod  sta- 
tim,  non  cum  calice  sacerdolis,    sed   cum    calice  ad  hoc 
specialiter  deputato  tribuant  populo ,  postquam  receperint 
corpus  Christi.     Prohibentes  communicantibus ,  ne  a  prap- 
sentia  ipsorum  sacerdotum   recedant,    donec    de  vino  ali- 
quantulum  biberint,  et  diligenter  abluerint  ora  sua. 

Parvuli  autem,  qui  tantae  sunt  innocentia?,  quod    pec- 
cato  mortali  non  fuerint  pergravati  et  talis  discretionis  et 


391 

compositionis  fuerint,  quod  cuni  aliqua  revcrenlla  et  ti- 
more  sint  sa<;ramentum  suscepturi,  secure  ministretur  eis- 
dera  aliqua  confessione  pr(chabita,  ut  modum  confltendi 
et  communicandi  assuraant.  In  Sacramentis  enim,  et 
maxime  in  isto,  ubi  caligat  oculus  rationis,  instruendi 
sunt  homines  et  raulieres,  non  solum  per  verba,  immo  et 
per  actus  exterioies  ad  devotionem  et  fidem,  aliis  vero 
parvulis  nullatenus  concedatur.  Sed  in  mortis  articulo 
I^Hrel  alio  Tinum  cum  aqua  in  calice  porrigatur  eisdem, 
^^ton  quod  hoc  ^t  sacramentum ,  sed  propter  fidem  et  as- 

v_suetudineni  sacramenli. 

(O  2.)  Ne  quidem  presbyteris  (fagt  Mabillon  Com- 
ment.  in  Ord.  Rom.  p.  62)  in  eorum  ordinatione  altera 
species  a  Pontifice  Romano  conceditur  in  Ordinario  Jacobi 
Cajetani ,  qui  seculo  tertio  -  decimo  desinente  et  quarto 
decimo  ineunte  floruit.  Solis  id  tribuitur  Episcopis,  qui 
genua  non  flectebant  comraunionem  sumentes.  S}?flbilIon 
fc^Ilegt  öu^  blefen  ^uUcn  ^u  ml,  trenn  er  jie  für  bcttjeljenl) 
f)ält,  bag  fc^on  311  Einfang  bcö  öierje^nten  S^^v^unbcrtöC^om^ 
muuiou  unter  einer  ©eftalt  felbf!  in  bcr  3^Dmifd;en  ^ird;c 
fo  allgemein  gemcfen  fep,  benn  biefe  @d)rifr,  \vk  fie  M  ^df 
biüon  öbgebracft  ifi,  hat  fo  Diele  3ntcrpoIationen  flu6  bem 
lel^tcrn  S3iertel  be^  t)icr3e^ntcn  S«f)f^"»bcrtö,  bog  3f"3"i(T'^ 
berfdben,  ttjo  e^  ouf  genaue  (5&ronoIogte  gcn^ijTer  SQ^einungen 
öufommt,  gar  nid)t  braud)bar  finb*  f,  5}?anfr3  ^InmerL  ^n 
bem  2(rt.  Jacobus  Cajetanus  in  Fabricii  bib.  med.  et  in- 
fimiß  latinit. 

ürbanusYI.  post  suam  inVaticana  basilica  coronatio- 
nem  a.  1378,  omnes  diaconos  cardinales  sua  manu  pre- 
tioso  corpore  et  sanguine  Christi  communieavit,  ut  legitur 
in  Ep.  de  Urbani  electione.  Spicil.  Tom.  V.  p.  306. 

(P)    Einige  @c(?oIa|lifcr  ftnb  ju  merfipi^rbig ,  aU  bag  fic 


392 


Jicr  ganj  übergangen  werben  f&nntcn.  3c&  t>erban!e  bie  55e* 
mcrFung  bcflfelben  bem  (Saflfanber  (de  communione  sub  utra- 
que  specie  f.  24).  SHic()arb  9J?ibbIeton,  ein  ^xancUUiKX,  ein 
fejr  beru&mter  >Profefl*or  ber  ZUoioQic  gu  £)rforb  (f  c.  a.  1500) 
(agt  in  feinem  Kommentar  über  Sombarbö  (Sentenzen.  A.  diss. 
II.  art.  4.  qu.  6.  Communiter  non  debet  hoc  sacramen- 
tum  populo  dari  sub  ulraque  specie  propter  periculum 
effusionis  et  etiam  secundum  aliquos  propter  periculum 
erroris ,  ne  scilicet  communis  populus  crederet  Christum 
non  esse  sub  utraque  specie:  majoribus  tamen,  in  quibus 
neutrum  periculorum  praedictorum  probabiliter  timelur, 
sub   utraque   specie  dari  polest, 

Petrus  Paludanus,  ein  fe^r  berühmter  Sominiföncr  3U 
q)ari6  (t  1342)  fcfereibt  in  4.  Sent.  Dist.  II.  qu.  2.  In 
quibusdam  Ecclesiis  est  consuetudo ,  quod  communicant 
sub  utraque  specie.  Nee  est  peccatum,  quia,  quando 
mos  erat,  crimen  non  erat.  Et  ita  caute  in  illis  Eccle- 
siis sive  monasteriis  faciunt,  quod  nihil  eßundunt,  sed  si 
ITulgo  indifferenter  daretur,  esset  majus  periculum. 

^ein  S'-'lfg^^offe  Guilielmus  de  Montelaudano ,    ^rofefs 

for  5U  Siouloufe,    fagt:    in  multis  locis  communicatur  cum 

pane  et  vino,  id  est  cum  tote  Sacraraento. 

(AAA)    ^a  obige   Uebcrfci^ung,    um  an  Deutnd)!cit  3U 

getüinnen,    bem    £)riginaltert   n?ortIid)    nid;t    folgen 

lonnte>  fo  fe^e  id)  üud)  bicfen  bei.    (van  der  Hardt 

Conc.  Const.  T.  III.  p.  647  etc.). 

Cum  in  nonnullis  partibus  quidam  temerarii  asserere 
praesumant,  populum  Christianum  debere  Eucharistiae  sa- 
cramentum  sub  utraque  panis  et  vini  specie  suscipere,  et 
noi^.  solum  sub  specie  panis  sed  etiam  sub  specie  vini 
populum  laicalem  communicare;  etiam  post  coenam  vol 
alias  non  jejunum  communicandum  esse  pertinaciter  asse«» 


39: 


rant,  contra  laudabilem  Ecclesiae  consuetudinem  rationa- 
Liliter  approbatam^  quam  tanquam  sacrilegam  damnabili- 
ter  reprobare  conantur:  hinc  est,  quod  Sacrum  Con- 
stantiense  Concilium  adversus  hunc  errorem  saluti  fide- 
lium  providere  satagens  matura  plurium  doctorum  tarn 
divini  quam  huraani  juris  deliberatione  prajbabita  decla- 
rat,  decernit  et  definit:  Quod  licet  Christus  post  coenam 
instituerit  et  suis  Apostolis  ministraverit  sub  utraque  spe- 
cie  panis  et  vini  hoc  venerabile  sacramentum,  tamen  hoc 
non  obstante,  sacrorum  Canonum  auctoritas  laudabilis  et 
approbata  coiisuetudo  Ecclesiae  servavit  et  servat,  quod 
hujusmodi  sacramentum  non  debet  confici  post  coenam, 
neque  a  fidelibus  recipi,  nisi  in  casu  infirmitatis  aut  al- 
terius  necessitatis  a  jure  et  ab  Ecclesia  concesso  et  admisso. 

Et  sicut  haec  consuetudo  ad  evitandum  pericula  ali- 
qua  et  scandala  rationabiliter  introducta  est,  sie  potuit 
simili  vel  majori  ratione  introduci  et  rationabiliter  ob- 
servari,  quod,  licet  in  primitiva  ecclesia  reciperetur  boc 
Sacramentum  a  fidelibus  sub  utraque  specie,  tamen  postea 
a  conficientibus  sub  utraque  specie  et  a  laicis  tantum- 
modo  sub  specie  panis  suscipiatur. 

Et  firmissime  credendum,  et  nullatenus  dubitandum, 
integrum  corpus  Christi  et  sanguinem  tarn  sub  specie  pa- 
nis quam  sub  specie  vini  veraciter  contineri.  Quoniam 
hujusmodi  consuetudo  ab  ecclesia  rationabiliter  introducta 
et  diutissime  observata,  sie  habenda  est  pro  lege,  quam 
non  licet  reprobare:  aut  sine  autoritate  ecclesiae  pro^li- 
bito  immutare. 

Quapropter  dicens,  quod  hanc  consuetudinem  aut  le- 
gem observare  sit  sacrilegum  autillicitum,  censeri  debet 
erroneum.  Et  pertinaciter  asserentes  oppositum  praemis- 
^Hkrum,  haeretici    sunt    censendi  et  grayiter  puniendi  per 


594 


dicecesanos  eorum  aut  Officiales  eorum,  aut  haereticae 
pravitatis  inquisitores,  in  regnis  seu  provinciis,  in  quibus 
contra  hoc  decretum  forsitan  fuerit  attentatum,  juxta  ca- 
nonicas  et  legitimas  sanctiones,  in  favorem  catholicae  ßdei 
contra  haereticos  et  eorum  fautores  salubriter  adinventas. 

Item  ipsa  sancta  synodus  decrevit,  definivit,  et  de- 
claravit  super  ista  materia  reverendis  in  Christo  dominis 
Principibus,  primatibus ,  Archiepiscopis  et  episcopis ,  et 
eorum  insecutoribus ,  Vicariis ,  ubilibet  constitutis,  Pro- 
cessus esse  dirigendus,  in  quibus  eisdem  committatur  et 
mandetur  nomine  hujus  sacri  concilii,  sub  noena  excom- 
municalionis,  ut  effectualiter  puniant  contra  hoc  decretum 
excedentes. 

Eos  vero,  qui  communicando  populum  sub  utraque 
specie  exorbitaverint ,  et  sie  faciendum  decreverint,  sie 
ad  poenitentiam  redierint,  ad  gremium  ecclesiae  susci- 
piantur,  injuncta  eis  pro  modo  culpae  poenitentia  salutari. 

Qui  vero  ex  illis  ad  poenitentiam  redire  non  cura- 
verint,  animo  indurato ,  per  censuras  ecclesiasticas  per 
eos  ut  haeretici  sunt  coercendi,  invocato  etiam  ad  hoc, 
si  opus  fuerit,  auxilio  brachii  secularis. 

(Q)  1437.  in  Capitulo  generali  Cisterciensium  etiam 
ministris  altaris  Calix  denegatur.  Martene  thesaur. 
anecdotor.    Tom.  IV.  p.  1587. 

Licet  propter  rationabiles  et  justas  causas  observatum 
hactenus  fuerit  in  ordine,  quod  ministri  altaris  sacratissi- 
mum  eucharistiae  sacramentum  sub  utraque  specie  reci- 
piant:  quia  tamen  a  nonnullis  plus  quam  oporteat  sapere 
volentibus  vel  forte  non  intelligentibus,  aut  credentibus 
quod  totus  Christus  atque  veraciter  et  fructuose  sub  sola 
specie  panis  et  vini  sumitur,  diversos  circa  hanc  materiam 
seminarunt  errores.    Idcii'co  praesens  capitulura  generale 


395 


Romanam  ecclesiam  merito  volens  imltari,  quae  licet  olim 
in  certis  solemnitatibus  praedictum  sacratissimum  sacra- 
mentura  interdum  sub  utraque  specie  personis  in  ordine 
sacerdotali  minime  constitutis  ministraret:  ad  auferendum 
tarnen  oranium  errorum  occasiones,  ipsum  nunc  sub  sola 
panis  specie  dicitur  ministrare;  statuit,  ordinal  et  definit, 
quod  de  cetero  ministris  vel  aliis  quibuscumque  personis 
praedictum  sacratissimum  sacramentum  sub  specie  vini 
nullatenus  ministretur  sed  omnes,  solis  sacerdotibus  mis- 
im  celebrantibus  exceptis ,  ipsum  sub  sola  specie  panis 
recipere  sint  contenti,  firraiter  et  inconcusse  tenendo  et 
credendo,  quod  aeque  veracius  et  salubrius  ipse  Christus 
totus  sub  sola  specie  panis  continetur  et  sumitur,  ac  si 
sub  specie  panis  et  yini  sumeretur. 

(R)  In  hac  sancta  Ecclesia  Cluniacensi  mos  consue- 
lus  et  devotissimus  Jiabetur,  devoteque  ab  antiquo  obser- 
vatus  seniper,  ut  more  illo,  quo  Christus  pavit  discipulos 
in  die  Coenae,  sacerdos  majoris  altaris  pascit  suos  in  sa- 
crosancto  mysterio  ministros  sub  utraque  specie,  videlicet 
corporis  sacri,  et  divini  sanguinis  Christi,  Diaconum  sci- 
licet,  Subdiaconum,  et  duos  sibi  adsistentes  ministros  et 
istud  quotidie  in  celebratione  majoris  Missae. 

V.  Chronicon  Cluniacense,   ipsius  Abbatis  jussa  con- 

scriptum  post  a.  i485.    Inest  biblioth.  Cluniac.  pag. 

1640. 

(S)     Ut   lucidius  videatur   pro   declaratione   Catholicas 

veritatis,  quid  circa  perceptionera  sacrae  Eucharistiae  te- 

nendum  «it  et  agendum  pro  utilitate  et  salute  populi  Chri- 

stiani  post  dillgentem  perscrutationem  divinarum  Scriptu- 

rarum  sacrorumque  Canonum  et  doctrinarum  a  sanctis  pa- 

tribus  et  Doctoribus  traditarum  in  hac  sancta  Synodo  lon- 

gis   temporibus   habitam,    consideratisque    omnibus   quae 


596 


pro  dcclaratione  hujus  rei  consiclerancia  fuerunt,  decernlt 
et  declarat  eadem  sancta  Synodus^  quod  fideles  Laici  sive^ 
Clerici  cornmunicantes  et  non  conficientes ,  non  adstrin- 
guntur  ex  praecepto  Domini  ad  suscipiendam  sub  utraque 
specie,  panis  scilicet  et  vini,  sacrura  Eucharisliae  Sacra- 
mentum.  Sed  Ecciesia,  quae  rcgitur  Spiritu  Teritatis  se- 
cum  manente  in  aeternum,  et  cum  qua  Christus  manet 
usque  ad  consummationem  seculi,  sicut  ait  divina  Scrip- 
tura ,  ordinäre  habet,  quoraodo  ipsis  non  conficientibus 
ministretur,  prout  pro  reverentia  ipsius  Sacramenti  et  Sa- 
lute fidelium  viderit  expedire.  Sive  autera  sub  una  spe- 
cie^ sive  sub  duplici  quis  communicet ,  secundum  ordi- 
nationem  seu  observantiam  ecclesiae,  profieit  digne  com- 
municantibus  ad  salutem.  Nee  ullatenus  ambigendum  est, 
quod  non  sub  specie  panis  caro  tantum ,  nee  sub  specie 
vini  sanguis  tantum,  sed  sub  qualibet  specie  est  integre 
totus  Christus.  Laudabilis  quoque  consuetudo  communi- 
candi  laicum  populura  sub  una  speeie  ab  Ecciesia  et  SS. 
Patribus  rationabiliter  introducta  et  hactenus  diutissime 
observata,  et  a  Doctoribus  divinae  Ic^is  Sacrarum  Scrip- 
turarum  atque  Canonum  multam  pei'itiam  habentibus, 
jam  a  longaevo  tempore  commendata  pro  lege  habenda 
est,  nee  alicui  licitum  est  eam  reprobare,  aut  sine  aucto- 
ritate  Ecclesiae  ipsam  immutare. 

Datum  Basileae,  in  nostra  solemni  et  publica  ses- 
sione,  decimo  Kalendas  Januarii  anno  a  Nativitale  Domini 
milleslmo,  quadringentesimo  trigesimo  septirao. 

(T)  Thomas  Waldensis  de  Sacram.  Cap.  94.  Nee 
negamus  eis  generaliter  bibere  Christi  sanguinem  secun- 
dum vini  speciem;  sed  nee  generaliter  et  sine  discrelione 
concedimus  universis.  Nam  seimus  dq  consuetudine  ec- 
clesiae rclictum  esse  majorum  praelatorum  industriae,  ut 


597 


üc  ministrls  altaris  quosclam,  aut  alias  personas  illustres 
de  vulgo,  fide  reverentia  et  omni  timore  Dei  praeditas 
ad  lianc  coramunicationem  solennem  in  utraque  specie 
possint  admittere.  Sicut  interdum  solet  Papa  et  alii  qui- 
dam  Episcopi  immo  et  inter  fratres  suos  quidam  religiö- 
ser um  praepositi. 

(U)  ©c^reibcu  cincö  pdbftllcben  Scgaten,  ttJic  c^  ^dx^ 
tili  ^pofmaim  feinem  )Snd)  de  Commun.  sub  utraque  pag. 
78  eliigcrucft  l^at.  Quamvis  et  apud  nos  in  pluribus  Ec- 
clesiis  sive  monasteriis  ex  privilegio  vel  ex  consuetudine 
servetur,  ut  non  solum  conficiens  sed  etiam  alii  sub  utra- 
que specie  communicent. 

(X)     Nee  superflue  sumitur  sub  utraque  specie.    Nam 

species  panis  ad  carnem  et  species  vini  ad  animam  refer- 

tur.     Cum  vinum  sit    sacramentum    sanguinis    in    quo  est 

sedes    animae.     Ideoque    sumitur  sub  utraque  specie,    ut 

significetur  quod  utrumque  Christus  assumpsit,  et  carnem 

et  animam.     Et  quod   tarn  animae ,    quam  corporis  parti- 

cipatio  valeat.     Ünde  si  sub  una  tantum  specie  sumeretur 

ad  tuitionem  alterius  tantum  valere  significaretur. 

Glossa  decreti.  De  consecr.  dist.  2. 

(Y)     3n  bcr  ©ermoil   Sut^crö  (Tom.  Altenburg.  I.  pag. 

331)   t>oti    bem  ^odjmurbigcii  ©öcvamcut    be6  \)üU 

wahren  £cic()namö  (S^rifli.    Sd;  bebienc  mid)  hei  hkf 

fem  3ßitpunft  i^or^uglict)  bcr  gcuerlinfc^cu  l5tfertatioii: 

De  Lutherana   communione    sub    una.      Goettingae 

1751. 

„Daö  ©öframent   ober  du^erltcoe  ^c'idycn  flehet  in  bcr 

,,gorm  uub   bcv  ©eftalt  M  ?5robö  unb  53ciu^,   gleid)  mc 

,M^  ^iJufc  in  bcm  ©öffcr,    fo  bod),  bap  man  beö  25robr5 

„unb  SBcin^  uicffe  mit  Sj^cn  unb  (linFcn,  (jlcici)\ric  man  bcr 


398 


„X<iufe  vSJöflTer  ncuj!  ober  bavein  fenfet  ober  bamit  begeugt» 

^^ ttlenjo^l  man  igt  nidjt  beibcr  ©eflalte«  bcm  53olfc 

„aU^  ZaQt  glebt,  wie  t>or  ^dtcti,  i(!  öuc^  nicfet  not^,  fo 
,,neuflret  U)x  boc&  ölle  Za^c  bie  5prie(!erfd)ajft  für  bem  53oIfc, 
„mib  ijl  gcnua,  bag  ta^  ^olf  fcia  taglid)  begel^re,  unb  ^u 
,,3^it  einer  ©e(!alt/  fo  Diel  hk  (^^viflltct)e  Äirc^e  orbnet  unb 
,,9iebt,  cmpfa^e*  ^€  if!  aber  bei  mir  für  gut  angcfe^en, 
,,bag  hit  ^irc^c  in  einem  gemeinen  (^oncilio  tvieberum  Der? 
,,orbnete,  bag  man  allen  3J2enfd)en  beibe  ©eftalt  gebe,  tuic 
„ben  ^rieflcrn»  DZic^t  barum,  bag  eine  (^cfialt  m<i)t  genug 
//f^9/  fo  bocf?  tDO^l  allein  be^  ©lauben^  23egierbe  genug  iiT, 
„aU  @t.  Sluguflin  fprid)t:  Sffiaö  bereitejl  bu  bcn  ^auc^  unb 
„\:>k  gd^nc?  ©laube  nur,  fo  ^a(l  bu  baö  (^aFrament  fdpon 
„genoffen,  fonbern  bag  eö  ^lemlicö  unb  fein  njdre,  fo  be^ 
,,©aframent5  (5)e(!alt  unb  gorme  ober  ^eicben  ntd)t  ftucflic^ 
,,cineö  Zf}dU,  fonbern  gan^  geben  würbe:  gleid;  wie  ic^  Don 
,,ber  Sauffe  gefagt,  bag  e^  fuglic()er  rodre  tnö  SBaffer  su 
„taud)m,  benn  bamit  begieflfen,  um  ber  ©dn^e  unb  ?ßolI? 
^^fommenjclt  willen  beö  ^eic^enö/' 

(^  ©ielleic^t  i(I  eö  nicf?t  unangenehm,  ein  SSer^eicftnig 
öller  ber  2lfren(Iucfe  ^u  Jaben,  weld)e  bamal6  ^wifc^en  bem 
q)ab|t  unb  bcn  S)eutfiten  gewec|)felt  worben.  golgenbc  finb 
mir  befannt  geworben: 

1560,  ben  6.  ^axt.  Q5rief  ^oncept  Don  ^anjler  ©elbö  X?anb, 

toit  gerbinanb  an  ^iuö   lY.  fcbrieb,    feinen   ^o^n 

!D?ax*imilian  bk  (Kommunion  sub  utraque  ^u  erlauben, 

er  mochte  fonjl  ganj  übertreten. 

3ft  baö  crflc  ©töcf  in  ber  Don  S.  51.  ®d)mib ,  su 

.^Jelmpdbt  (1719.  4.)  herausgegebenen  (Sammlung 

unter  bem  ^itel  lilterae  secretiores  Fcrdinandi  I. 

Imp.    ad   Papam    pro    öbtinenda   Max.    II.    com- 


399 


munlone    sub  utraque,   unb    bar<JU5  obgcbrucft  in 
Miscell.  Groninganis.  Tom.  VII.  P.  I.  pag.  89, 
Eod,  anno, 

Memoriale  secretius  pro  Do.  Sciplone  Comite  Arci 
ad  Papam,  de  religione  Maximiliani  filii.  ^n  ber 
angeführten  (gc&mibtifc^en  ©ömmluug,  n.  2.  in  Mis- 
cell. Groning.  1.  c.  p.  98. 
1562,  ben  23.  See.  53or(!elluug  ber  faiferlid&en  ©efanbtfcfeöft 
bd  bem  ^oncilium  ^u  Orient,  irarum  ben  ^'Intro^^ 
nern  in  ^ü§men,  ^a^xcn,  ©c^IejTen,  S^uuQanx, 
£)ej!erreic^ ,  @tet)er,  ^drnt^en,  Qxaitt,  SSaiern  unb 
(Schwaben  ber  ©ebrauc^  M  21bcnbma6lfelct6  DtxiiaU 
Ut  werben  foCfe. 

Lünig   Spicil.    Eccl.   P.    I.  p.  499    unb    Goldast 
Const.  Imp.  T.  II.  p.  876. 

1564,  ben  A.  gebr.  ©cfereiben  2IIbrect)tö  h\  SSöiern  an  Pium  IV. 
ben  Säten  ben  ^elc^  gu  gcilatten.    SÖ2unc()en. 

Lün.  Spicil.  Eccl.  Cont.  II.  p.   19. 
tüx  14.   gebr.   ^aifer    gerbinanbö   (Schreiben    QUid)m 
Sn^altö. 

Lünig.  1.  c.  P.  I.  pag.  504»  Goldast.  I.  c.  pag.  879. 
ben  16*   2Ipr*   Pius  IV.   Imperatori   et  Bavariae  Duci 
utramque  speciem  indulget. 

Brower.  Annal.  Trevir.  T.  II.  addit.  pag.  558. 
Unter  eben  biefem  datum  ein  S5ret)C  an  ttn  ^.  3«^ 
liuö  üon  DIöumburg  (Lünig.  1.  c.  P.  II.  app.  p.  149* 
unb  tn  Miscell.  Groning.  Tom.  VII.  pag.  101.)  21« 
hk  ^r^btfcb^fc  u»b  55ifd)üfc  tn  ben  faiferlic^en  (^*rb* 
unb  baierifcben  Sanben.  (Lünig.  1.  c.  P.  I.  p.  507.) 
2In  ben  (Jrjbifdjof  üon  '^lahx^  (Guden  Cod.  dipl.  T. 
IV.  p.  709),  an  ben  (Jr^bifcbof  t)on  Syrier  (Ilonthe- 


^lOO 


mii  hist.  Trevir.  T.  II.  p.  882).  Pelissoft  im  3In# 
Jaug  JUr  ©d)rtft  de  la  tolerance  des  religions  ^at 
ba^  58rct)e  öuc()  abbrudfeu  laffcn.  64)lltcr  de  libert* 
Eccies.  Germ.  pag.  1043.  fdjetnt  einer  ber  crjlen  gc^ 
wefen  ^u  fe^ii,  ber  H  befannt  machte,  ©cfemib  tu 
ber  angeführten  Sammlung,  p.  3i,  glaubte  c«  juerjl 
in  Srucf  ^U  geben»  In  Luckü  sylloge  numismatum 
flefen  jnjei  SJiön^en,  ti?c(c()e  ^um  2Inben!en  bicfer 
froren  SSegeben^eit  geprägt  irurben. 

1564,  titix  l^*  Sun.  Decretum  ceesaris  de  executione  hu- 
jus  concesslonis. 

3n  ber  (Sc^mibtifc^en  ©ammlung,  n.  5.  In  Miscell. 
Groning.  T. yil.  pag.  io4.  2lm  cr(!en  ^rt  ijl.auc^ 
^uglelc^  beigefügt:  tit  ^u  SBien  gefc^ejenc  2Infunbr* 
gung  (f.  eben  bief.  hti  Lünig  I.  c.  cont.  II.  pag.  20) 
uttb  ein  ©(^reiben  gerbinanbö  an  ben  35.  Su^tiiö. 

1564,  ben  1.  <^c:ßU  Pius  lY.  melbet  bem  ^pcr^og  jpeinrid) 

\>mi  95raunfc^vt)cig  Lüneburg ,  unter  wa^  üor  25cbin* 

gungen  er  ben  ©ebrauc^  beibcr  ©eflalt  erlaubt  Jabc: 

ein  gleic^e^  (Schreiben  an  htn  ^öicefan^ler  beö  ^per^og^. 

Lünig  1.  c.  Cont.  II.  p.  21.  22. 


XII. 

HISTORIA  CRITICA  CHRONICI 

EUSEBIANI*)  1784. 


In  maxima  vitae  meae  fellcitate,  quam  fere  omnem  inde 
ab  aliquot  annis  Georgiae  Augustae  acceptam  refero, 
inslgnem  me  hodie  illius  accessionem  amplissimumque  be- 
neficium  consecutum  esse  laetissimus  profiteor,  cum*in  sol- 
lenni  consessu  eorum,  quos  sumraos  artium  suarum  ma- 
gistros  nunquam  non  veneratus  sum,  quibusque  studia  raea 
probari  nihil  unquam  antiquius  habui,  primum  publice  de 
litteris  meis  verba  facere  lieeat.  üt  enim  in  omni  artium 
et  scientiarum  genere,  quas  multiplex  rerum  usus,  assidua 
et  per  plures  annos  continuata  lectio  alit  confirmatue, 
multum  valet  societas  eorum,  qui  diu  in  bis  litteris  habi- 
tarunt,  ita  maxime  inveui  disciplinis  bistoricis  addicto 
nihil  optatius  accidere  potuit,  quam  arctissima  conjunctio 
cum  iis ,  quorum  exempla  ad  omnem  posteritatis  memo- 
riam  constat,  quantum  ad  eflingenda  virorum  summorum 
ingenia  iramensae  illae   Utterarum  opes  contulerint,   quas 


*)  5(u^  ben  Commentationes  Societatis  Reg.  Scientiar.  Goettiii- 
geiisis.     Vol.  III.     Goettingae  1787.  p.  39  —  67. 

©pittlerö  fämmtl.  «SJerfe.  vill.  «ob.  26 


402 


suratibus  Tere  regiis  paratas  Bibliotheca  Georgiae  Augu- 
stae  offert. 

Selegi  autem,  ul  rem  tantis  arbltris  dignam  offerrem, 
argumentum  tractationis  meae,  et  multis  eruditorum  quac- 
slionibus  celebratum,  et  ipsa  etiam,  quantum  equidcm 
video ,  natura  sua  gravissimura ,  cum  haud  parum  com- 
modi  accedere  posset  litteris  historicis ,  si  fidera  veterum 
chronicorum,  quorum  frequentissimus  est  apud  nos  usus, 
ita  excussam  indicatamque  haberemus,  ut  inter  veteres 
illos  narratores  tanquam  inter  notos  homines  versari  possis, 
quorum  vultus  moresque  in  eo  expressi  ßdera  rei  narratae 
modo  mirifice  confirmant,  modo  haud  parum  leviorem 
reddunt. 

Inter  omnes  autem  veterum  Chronicorum  auctores, 
qui  universam  aliquam  rerum  gestarum  seriem  inde  a  pri- 
mis  temporibus  usque  ad  suam  aetatem  justo  ordine  di- 
gesserunt,  ingenli  veterum  recentiorumque  consensu  pal- 
mas  tulisse  videtur  Elsebius.  NuUus  est  enim  eorum, 
qui  post  eum  hanc  spartam  ornarunt,  qui  non  uberrimos 
rivulos  suos  ex  fönte  Eusebii  deduxerit,  qui  non  cum 
tanquam  peritissimum  rei  chronologicae  artificem  veneia- 
tus  sit,  qui  non  gravissimas  res  sua  auctoritate  confirma- 
verit,  iique  etiam  ipsi,  qui  ab  illius  opinionibus  disc£?sse- 
runt,  vel  excusationem  adeo  anxie  quacsitam  vel  ambi- 
tiosam  sui  ipsorum  commendationem  prae  se  ferebant,  ut 
ipso  suo  dissensu  famam  Chronici  Eusebiani  confirmasse 
existimandi  sint.  Neque  tanta  ei  laus  atque  auctoritas 
vel  celebritate  aliorum  ejusdem  scriptorum  vel  sola  digni- 
tate  auctoris  accessit,  cum  in  lau(Jando  illo  et  ii  consen- 
serint,  quibus  theologicas  Eusebii  opiniones  haud  placuisse 
constat,    adeoque   prae    aliis  lilius  scriptis  ita  celebiatuni 


405 

Sit  hoc  Chronicon,  ut  potius  reliquis  Eusebii  lucubratio- 
nibus  lucem  reddere  quam  ab  illis  mutuari  yideatur  *). 
Quae  cum  ita  se  habeant,  haud  inutili  labore  me 
defuncturum  esse  speravi,  si  tandem  aliquando,  quod, 
quantum  equidem  novi,  nemo  hactenus  tentavit,  rationes 
criticas  primasque  origines  hujus  Chronici  exquirerem, 
eosque  fontes  indagarem,  unde  sua  hauserit  Eusebius, 
ut  vel  ex  ipsa  horum  fontium  indole,  si  modo  adhuc 
penes  nos  sit  hujus  rei  Judicium ,  vel  ex  moribus  Eusebii 
diligentiam  neghgentiamve  testantibus  certissima  argu- 
menta peti  possint,  quibus  laudi  dudum  celebratae  novum 
robur  accedat ,  yel  consensus  veterum  recentiorumque 
verecunde  interpelletur. 

üt  vero  via  modoque  disputatio  nostra  procedat,  prae- 
cipuas   primum   editiones  Chronici  Eusebiani   in  classes 

^0  Iiisignia  qiiaedam  auctoriim  testimonia,  quibus  Chrcnicon  Eu- 
sebii oruarunt/coiigessit  PontacHs  in  praef.  ediü.  siiae,  Mel- 
chior Canus,  vir  celeberriinus,  ita  de  Clironico  Eusebii :  „In 
„Cbronicis  Eusebii  adiniranda  fuit  hominis  diligentia,  magnua 
„omnino  labor,  varia  et  pene  incredibiUs  lectio  ac  grave  pror- 
„sus  in  lectionis  varietate  Judicium 5  nee  scio  an  quisquam  alius 
„inter  Ecciesiae  sive  latmae  sive  graecae  auctores ,  quamvis 
„summa  vi  atque  opera  eniteretur,  praestantiora  temporum  no- 
,,bis  posset  monimenta  relinquere." 

Magni  facio  nomen  theologi  doctissimi,  sed  vereor,  ut 
multum  legerit  Chronicon  Eusebii.  Marcellinus  Comes,  scrip- 
tor  sec.  VI.,  Chronicon  suura  his  verbis  inchoatur:  „Post  mi- 
„randum  opus,  quod  a  mundi  fabrica  usque  ad  Constantinum 
„Principem  Eusebius  Caesariensis,  hujus  seculi  originem,  tem- 
„pora,  annos,  regna,  virtutesque  mortalium  et  variarum  ärtiura 
„repertores  omniumque  paene  provinciarum  monumenta  cora- 
„memorare  graeco  edidit  stylo." 

Quis  non  miretur  tales  tantasque  laudes,  omnium  sequen- 
tinm  scriptorum  consensu  confirmatas,  si  eas  (andern  cum 
ipso  Chronico  Eusebii  comparaverit  ? 

26  * 


404 


suas  digeramus ,  üt  primura  constct ,  quaenam  earum  tex- 
tum  Eusebianum  ita  sistat ,  ut ,  quantum  per  temporum 
scribarumque  rationes  licuerit,  vere  sit  Eusebii,  nee  quod 
maxime  hoc  loco  monendujn,  praecipuam  alicujus  editio- 
nis  laudem  babebimus,  quod  plurimum  veritatis  historicae 
vel  cbronologicae  complectatur,  cum  prima  lex  sit  dispu- 
tationis  nostrae,  ut  animum  Euseblo  nee  faventem  nee 
iniquum  afferamus.  In  quo  ipso  examine  altera  dein 
quaestio  subnascitur,  utrum  integrum  habeamus  Chro- 
nicon  Eusebianum,  an  ea,  quae  interpres  Hieronymus 
memoriae  prodidit,  quorumve  reliquiae  ab  aliis  auctori- 
bus  sunt  servatae,  forte  epitomen  tantum  operis  pretiosis- 
simi  spectent,  yel  fragmentum  sint,  injuria  temporis  ita 
mutilatum,  ut  non  modo  Caput  truncatum,  sed  in  ipso 
etiam  corpore  plura  avulsa,  distorta,  lacerata  videantur. 
Tandem  vero  auctores  investigabimus ,  quos  exemplum 
operis  sui  propositos  habuerit  Eusebius,  vel  quorum  fidem 
tanti  fecerit,  ut  iis  modo  unice  inniteretur,  modo  eosdem 
gravissimos  rerum  historicarum  et  cbronologicarum  testes 
adhiberet. 

Duae  sunt,  ut  inter  doctos  constat,  editionum  classes 
Chronici  Eusebiani,  quarum  prior  eas  complectitur,  quae 
solam  Hieronymi  interpretationem  afferunt ,  raraque  ha- 
bent  adjumenta  critica,  quam  quae  a  collatione  Codd. 
Hieronymi  aliisque  ad  hunc  spectantibus  proficiscuntur. 
Eminent  inter  editiones  hujus  classis,  neque  enim  hie 
juvat  omnem  pl^bem  perlustrare ,  Mediolanensis, 
quae  anno  seculi  decimi  quinti  septuagesimo  quinto  cura 
Bonini  Mombritiiprodiit*),  etArnaldiPontaci  Epis- 


'^)  Eusebii   Chronicon ,    per  Philippum  Lavaniam,   sine   loco  et 
anno.  4.  cf.  J^ambergcrö  juvcrlöiT.  5Tad)rirf)ten.  U.  Xf^,  ©.  7lo. 


405 


copi  Vazatensis,  quae  Burdigalae  intervallo  centum 
et  triginta  annorum  priori  successit*).  In  hac  posteriore 
primum  manus  critica  adraovebatur  operi  gravissimo,  tan- 
taque  ßde,  castitate  ac  erudilione  in  edendo  auctore  suo 
versatus  est  Pontacus,  ut  ipsi  Scaligero,  judici  interdum 
moroso ,  mirificis  laudibus  labor  illius  probatus  sit.  Con- 
tulit  enim  praeter  octo  editiones**)  et  viginti  octo  Codd. 
MSS.  gallicos,  italicos  et  hispanicos  infinita  loca  auctorum, 
ex  Hieronymi  Chronico  exscripta,  notasque  adspersit,  tarn 
in  corrigendo  quam  in  illustrando  auctore  suo  foecundis- 
simas.  Aperuit  Gallus  eruditissimus  Stadium ,  in  quo  po- 
steriores Hieronymi  editores  vires  suas  exercere  potuis- 
sent,  sed  raro  inter  homines  grammaticos  timore,  quam 
gravitas  operis  et  excitata  eruditorum  exspeetatio  incus- 
sisse  videbantur,  omnes  hanc  provinciam  defugerunt,  pri- 
musque  eorum,  qui  opera  omnia  Hieronymi  ediderunt, 
recentissimus  Italus  Vallarsius  Tomo  octavo  editionis  suae 
etiam  Chronicon  addidit***),  quod  Hieronymo  ut  inter- 
preti  5  et  emendatori  et  continuatori  debemus.  Ut  autem 
in  hac  postrema  Hieronymi  editione  multa  sunt,  quae  ju- 
dici etiam  minus  severo ,  quam  quem  in  Clericö  invenit 
Martianaeus ,  nunquam  probari  queunt ,  ita  maxime  in 
edendo  Chronico  minime  iis  satisfecisse  existimandus  est, 
qui  laborem  plane  intactum  relinqui  quam  illotis  manibus 
tractari  aliisque  peritioribus  praeripi  malunt.  Quae  prima 
lex    esse   debuerit  editoris ,   ut   textum   collatione    Codd. 


*)  Pontacus  editionem  Basileensem    (Henr.  Petri.  1529)    elegif, 
cujus  textum  eniacularet.  Editionis  3Iediolanensis  liaud  memiiiit. 
■^^)  Venetam,  Lutetianam ,  Basileenses  quinque ,  Somüanam. 
***)  Veronae.  1740.  foT. 


406 


emendatissimum  daret,  ea  plurimis  locis  temere  violata  '^), 
quae  altera  lex,  ut  oeconomlani  operis  subtilius  exqiiire- 
ret,  multaque  ex  moribus  seculi  illlus  illustraret,  quae 
nee  erudito  lectori  primo  statim  iiituitu  occurrunt,  feie 
penitus  neglecta  est,  multaque  vero  largissime  sunt  con- 
gesta,  quae  ad  confirmandam  vel  convellendam  veritatera 
historicam  opinionum  Eusebii  spectare  videbantur. ,  Insig- 
nem  ceterum  in  eo  uno  operam  praestitit,  quod  aliqua, 
quae  inde  a  Pontaci  terapoiibus  ad  emendationern  textus 
ab  aliis  sunt  allata,  et  maxime  Salmasiana  a  Scaligero  in 
lucem  prolrusa  suo  loco  notis  insereret ,  adhibitoque  Co- 
dice Parmensi,  alioque  recentiori  quidem  sed  satis  emen- 
dato ,  loca  quaedam  restitueret.  Num  vero  laudem  ali- 
quam  et  conquirendis  graecis  fragmentis  Eusebii  meruerit, 
num  ex-  Eusebii  fragmentis  lucem  aliquam  Hieronymo  in- 
tulerit,  mox  videbimus. 

AI t er i US  enim  classis  editiones  sunt  eae,  in  quibus 
conquisita  undecunque  Eusebii  fragmenta  graeca  non  tarn 
ad  restituendam  interpretationem ,  quam  ad  inveniendum 
Eusebii  textum  adhibebantur,  quaeque  ea  cura  sunt  pa- 
ratae,  ut  in  restituendo  ipsius  Eusebii  textu  parum  vel 
niliil  tributiim  sit  versioni  Hieronymianae.  Cum  enim 
Hieronymus,  quae  est  ipsius  ingenua  confessio  multis  re- 


*)  Servavit  Vallarsiiis  textum  edidoiiis  Pontacenae ,  Poiuacns 
autem  in  miitando  textu  edilionis  Basileensis  adeo  religiosus 
fuit,  ut  nee  consensu  Codd.  gravissimorum  se  coinmove^i  pa- 
teretur.  Ut  unum  exerapTum  instar  omiiiuin  afFeram,  deest 
latercuhis  seu  series  aimornm  a' Christo  in  sex  Vaticanis  Co- 
dicibus,  tribns  Fabricianis  et  oiiinibiis  alifs  praeter  Victorinuni, 
Oisellinura  et  Valicanuin  quendaiu,  nee  lamen  cum  in  textu 
suo  omisir. 


407 

rum  argumentis  facile  confirraanda,  rnterpretationera  opeiis 
gravissimi,  multis  difficultatibus  conjunctam,  notario  V€- 
locissime  dictaverit^  cum  more  suo,  ex  aliis  etiam  ejus- 
modi  laboribus  cognito,  in  interpretandis  auctoribus  inter- 
dum  intemperautius  sit  versatus,  multaque  ex  suo  ingenio 
fingere  ac  refingere,  alia  resecare,  alia  adsuere  interdum 
ausus  Sit ,  nae  is  multum  a  veritate  posset  aberrare ,  qui 
tale  fuisse  Eusebii  Chronicon,  quäle  illud  interpretatus 
est  Hieronjraus,  sine  ullo  praevio  examine  sola  interpretis 
fide  sulfultus  asserere  haud  cunctaretur. 

Princeps  et  fere  iinicus  est  editoium  hujus  classis 
JosKPHüs  Scaliger,  cujus  laudes ,  eo  labore  partas,  nee 
ipse  etiam  Celeb.  Hieron.  de  Pi'ato  exstinxisse  videtur, 
doctissimi  enim  hujus  viri  labor,  quantum  equidem  novi, 
ultra  primas  operis  futuri  lineas,  et  praestantissimura ,  in 
quo  duxit  has  lineas,  periculum  criticum  haud  excurrif^). 
Nactiis  est  Scaliijjer  ex  Bibl.  Regia  Parisiensi  Codicem 
Geoi-gii ,  Chronograplii  sec.  VIll. ,  S)  ncelli  Patriarchae 
Tarasii ,  eundem  iüum,  quem  poslea  integrum  emenda- 
tioremque  edidit  Goarus,  et  in  auxilium  adhibitis  fastis, 
ut  vocant,  Siculis  beneficio  Is.  Casauboni  acceptis,  ex- 
eussis  etiam  Cedreni  annalibus  in  eam  fragmentorum  Eu- 
sebianorum  segetera  incidisse  sibi  visus  es^t,  ut  insolita  in 
homine  eruditissimo  audacia  ad  suam  opinionem  fingeret, 
quodnam   fuerit    opus  Eusebianum**).  ♦  Primum  enim  in 


^)  De  chronicis  libris  duobiis  ab  Eiisebio  Caesariensi  scriptis  et 
editis  dissertatio.  Accedimt  g:raeca  quaedam  fragmenta  ex 
libro  I.  olün  excerpta  a  Georgio  Syncello.  Veronae.  1750.  8. 
**)  Scaliger  chronicon  Eiisebianum  primum  edidit  in  tliesaiiro 
temp.  Lugd.  Bat.  1606.  Altera  editio  muKo  anctior  prodüt 
Amstelod.  1658. 


408 


eam  opinionem  delapsus,  priorera  aliquam  partem  operis 
Eusebiani  periisse  ipse  ex  suo  ingenio  oam  restitult,  gra- 
yissime  conquestus  putidum  antiquariorum  fastidium ,  qui 
ex  ea  parte  verslonis  Hieronymianae  nihil  aliud  servare 
voluerint,  quam  nuda  regum  et  aliquot  consulum  nomina. 
Nee  id  unum  Viri  doctissimi  in  condendo  hoc  opere  te- 
meritatis  exemplum.  Nescio  quo  fato  deceptus  Eusebium 
vestigiis  Julii  Africani  ita  inhaesisse  sibi  persuasit,  ut 
nihil  reconditae  antiquitatis  apud  Eusebium  in  Canone  hi^ 
storiarum  reperiri  assereret,  quod  non  ab  Africano  liau- 
serit,  quanquam  et  ipsi  etiam  multa  se  obtulerant,  in 
quibus  erat  manifestus  Africani  et  Eusebii  dissensus.  In- 
genti  enim  discrimine  haud  raro  distat  chronologia  Afri- 
cani ab  ea,  quam  Eusebius  probavit*),  et  quantum  ex 
fragmentis  chronographiae  Africani,  a  Gallandio  novissime 
coHectis**),  conjicere  licet,  ne  quidem  exemplum  operis 
sui  ab  eo  accepit  Eusebius,  sed  suo  ingenio  usus  rationes 
illius  ita  disposuit,  ut  ei  uni  intemeratam  operis  sui  lau- 
dem  dcberi  fatendum  sit,  Haud  paucos  Africani  errores, 
expresso  interdum  errantis  nomine,  correxit,  nee,  si  vel 
eam  plagiarii  temeritatem  suspicatus  fueris,  ut  in  illum, 
ex  quo  plurimum  profecit,  gravius  inveheretur,  nee  Geor- 
gium,  Syncellum  Tarasii,  tam  somnolentum  Eusebii  cri- 
ticum  fuisse  existimes,  ut  memoriae  illius  gravissimura 
crimen  condonaverit,  quod  spoliatis  Africani  opibus, 
Africani  erroribus  illudere  ausus  sit.  (Juis  igitur  haud 
miretur  doctissimi  Scaligeri  temeritatem,  sine  omni  aucto- 
ritate  Eusebio  crimen  objicientis,  a  quo,  si  quid  equidem 


*)  V,  Hieron.  de  Prato  I.  c.  p,  856.  coli.  p.  329, 
**•)  Bibl.  PF.  Tom.  IL  p.  363  sq. 


A09 

video,  plane  alienum  fuit  Eusebii  ingenium,  Ea  enim 
ingenuitate  in  citandis  auctoribus  delectatus  esse  videtur 
Eusebius ,  ut  si  vel  diraidiam  Chronici  partem  .ex  Afri- 
cano  desumserit,  et  ipsius  Africani  nomen  laudaverit,  et 
nomina  forte  etiam  eorum  attulisset,  quos  ab  Africano 
laudatos  invenerit. 

Praejiidicata  opinione  duetus ,  majorem  operis  par- 
tem ex  Africano  sibi  vindicasse  Eusebium,  multa,  quae 
ipsius  Africani  nomen  apud  Georgium  inscriptum  habue- 
runt ,  quasi  disjecta  corporis  Eusebiani  membra ,  conges- 
sit,  alia  quae  apud  alios  Africano  tributa  invenit,  impro- 
vide  miscuit,  et  dum  repugnantia  se  miscere  haud  raro 
animadverteret,  insigni  temeritate  nee  aliqua  lectionum 
varietate  excusata,  consensum  restituit.  Quem  igitur  Eu- 
sebium Scaligero  debemus ,  eum  profecto  ita  illi  debe- 
mus,  ut  non  Eusebium  ipsum  sed  chronicon  a  Scaligero 
ex  commentitia  Eusebiani  operis  idea  conditum  habeamus, 
nee  in  ipsa  etiam  altera  editione  thesauri  temporum,  quam 
Alexandro  Moro  debemus,  quidquam  allatum  est,  quod 
querelas  basce  levare  possit.  Laudanda  igitur  ex  bac 
parte  prae  Scaligero  editio  Vallarsii ,  in  qua,  cum  ea 
tantum  graeci  textus  fragmenta,  quae  latino  Hieronymi 
respondent,  sunt  conquisita,  parum  vel  nihil  alieni  ac- 
cessit,  auctores,  unde  singula  fragmenta  sunt  hausta,^  lau- 
dati,  locaque  quaedam  ex  emendatiori  textu,  quem  Goarus 
edidit,  feliciter  restituta. 

Enimvero  nonnulla  exstant  Chronici  Eusebiani  frag- 
menta eorumque  haud  pauca,  apud  Syncellum  ipso  Eu- 
sebii nomine  munita*),  quae  genuina  esse  nemo  post  vin- 


^)  V.  eadem  collecta  in  cit.  dlss.  doctiss,  Hier,  de  Prato  p.  425-489. 


410 


dicias  ab  Hier,  de  Prato  institutas  facile  negarerit,  qui- 
busque  nullus  est  locus  in  editione  Vallarsi,  cum  nihil  sit 
apud  Hieronyinum ,  cui  possint  respondere.  Excitata  est 
hisce  fragmentis  quaestio  altera*),  priori  illa  longo 
gravior,  utrura  integrum  habeamus  Hieronymo  interprete 
Chronicon  Eusebianum,  an  forte  tantum  partem  aliquara 
Tel  epitomeri  operis  longo  amplioris  ab  ipso  forte  Eusebio 
concinnatam  Hieronymus  transtulerit. 

Quodsi  oranem  ,  qua  docti  inter  se  dissentiunt,  opi- 
nionum  diversitatem  ad  sua  capita  revocare  velis,  tria 
opinionum  genera  constitui  posse  apparet.  Multi,  inter 
quos  eminet  recentissimus  editor  operum  Hieronymi ,  in- 
tegrum Chronicon  Eusebianum  ab  Hieronymo  translatum, 
laudesque,  ab  eo  aliisque  veterum  scriptoribus  Eusebiano 
operi  impertitas ,  huic  nostro  Chronico  tribui  asserunt, 
fatumque  criticum  hujus  operis  accusant,  quod  nunquam 
non  iniquius  esse  conqueruntur,  in  libro  tot  manibus  traC- 
tato,  qualem  Chronicon  Eusebiano -Hieronymianum  fuisse 
nemo  negaverit.  Ilinc  illa,  ita  ii  ingeminant,  graeci  tex- 
tus  fragmenta  ,  quibus  nullus  locus  versionis  Hieronymia- 
nae  resporjdet,  hinc  forte  lacunae  versionis  Hieronymianae 
ex  ipsis  illis  fragmentis  forte -demum  detegendae,  hinc 
illa    brevitas    locorum    gravissimorum ,    quae    haud    raro 

epitomen  potius  operis  quam  ipsum  chronicorum  appara- 

l 


*'0  Excitata  est  haec  qiiestio  priinum  fragmeiilis  qiübusdam  sni>- 
posititiis,  apud  Anastasium  quaest.  in  Scr.  S.  obviis.  v.  epi- 
stola  Ciirterii,  fragmentis  Eusebii  in  ediüone  hist.  Eccl.  prae- 
fixa;  pliira  autem  vere  geniüna  fragmenta,  quibns  nullus  lo- 
cus versionis  Hieronymianae  respondet,  primus  edidit  Hier, 
de  Prato,  neque  vero  ea  sunt  omnia,  quae  Vir  doctiss.  col- 
legit,  sed  apud  ipsum  etiara  Syncellum  nonnulla  hactenus 
neglecta'  cxstant. 


411 


tum  ostendere  vldetur.  Üt  vero  praetermittara ,  in  ma- 
xima  locornm  discrepantium  varletate^  in  summo  pluri- 
morum  Codd.  dissensu  eum  esse  omnium  illorum  Codd. 
consensum,  qui  fragmentis  illis  plane  nulluni  locum  ape- 
rit,  ipse  etiam  Eusebius  in  praeFatione  operis  sui  rationes 
illius  ita  exponit,  ut  insignem  partis  cujusdam  pretiosis- 
simae  jacturam  factäm  esse,  ipsius  Eusebii  auctoritate  con- 
stare  videatur.  »Cum  haec  ita  se  habeant«,  injecta  Por- 
phyrii  mentione  pergit  Eusebius  apud  Hieronymum,  »ne- 
»cessarium  duxi,  verltatem  diligentius  persequi,  et  ob  id 
»in  priori  libello,  quasi  quandam  materiam  futuro  operi, 
»omnium  mihi  regum  tempora  praenotavi,  Chaldaeorum, 
^Assyriorum,  Medorum,  Persarum,  Lydorum,  Ebraeorum, 
Ȁegyptiorum  ,  i^tlieniensium  ,  Argivorum,  Sicyoniorum, 
»Lacedaemoniorum,  Corinthiorum,  Tliessalorum,  Macedo- 
»num,  Latinorum,  qui  postea  Romani  nuncupali  sunt.«  In 
praesenti  auterii  stilo  eadem  tempora  «contra  se  invicem 
»ponens  et  singularum  gentium  annos  dinumerans,  et  quid 
»cuique  coaetaneum  fuit,  curioso  ordine  cooptavi.»  Duos 
libellos  cbronicos  ab  Eusebio  scriptos,  diversumque  utrius- 
que  argumentum  salva  Eusebii  auctoritate  negari  non  posse, 
ipse  etiam  Vallarsius  vidit,  utrumque  autem  libellum  in 
eo,  quod  adliuc  exstat,  chronico  ita  sibi  reperisse  visus 
est,  ut  illa,  quae  in  ipsius  editlonejnde  a  p.  34  —  86 
inscripto  titulo  Exordium  libri  et  series  regum 
exstant,  priorem  libellum  efficere  asserat,  reliqua  autem, 
quae  inde  ab  Abrahami  tempore  excurrunt,  ad  alterum 
libellum,    quem    praesentem  appellat  Eusebius,    spectare. 

Multa  autem  sunt,  quae  accurrte  subtiliterque  dispu- 
tata  Italum  doctissimum  convincunt.  Ea  enim ,  quae  tan- 
quam  libellum  priorem  accipit,  loco  Eusebiano  plane  non 


412 


respondent,  quo  argumentum  prioris  libeili  declaratur, 
cum  multa  in  fis  sint,  quorum  nullam  spem  fecit  Euse- 
bius,  multa  desint ,  quae  a  se  allata  esse  loco  citato  pro- 
fitetur.  Quis  enim  ad  descriptionem  Eusebianam  prioris 
libri  attentus  uberrimam  temporum  antediluvianorum  cx- 
positionem  in  eo  expectaverit?  Quis  in  ea  brevitate,  cui 
Eusebium  in  hoc  opere  studuisse  negari  non  potest,  ora- 
tionem  in  afferendis  S.  Scripturae  oraculis  inepte  diser- 
tam  pertimuerit?  Quis  praeter  nomina  regum ,  quorum 
tempora  tanquam  materia  futuro  operi  erant  digerenda, 
gentium  origines  in  historia  liliorum  Noachi  uteunque 
declaratas  allatum  iri  putaverit  ?  Noraina  autem  regum 
Chaldaeorum  et  Thessalorum,  quae  a  se  notata  esse  dixit 
Eusebius,  in  serle  allata  desiderantur ,  Consulum  vero 
Romanorum  adjiciuntur,  quorum  nullus  fuit  usus  in  con- 
dendo  posteriore  libello.  Nolo  tandem  repetere,  quae 
Italus  doctissimus  HiEitONiiviüS  de  Prato*)  ita  disputavit, 
ut  rem  confecisse  videatur,  eadem  illa,  in  quibus  libellum 
priorem  invenit  Vallarsius,  quaeque,  ut  ex  Pontaci  curis 
apparet,  in  probatissimis  Hieronymi  Codicibus  desideran- 
tur, nee  Eusebii  esse  nee  Hieronymi,  sed  hominis  cujus- 
dam  haud  satis  periti,  qui  indicem  qualemcunque  ex  ipso 
Chronico  selegit,  pauca  eidem  praefatus,  quae  fere  om- 
nia  ex  versione  vulgata  ipsi  notissima  desumsisse  videtur, 
Neque  eam,  tanta  fuit  hujus  hominis  negligentia,  qualem- 
cunque curam  adhibuit,  ut  notissimis  chronologicis  opi- 
nionibus  Eusebii  assumenta  sua  aecommodaret,  eorumque 
meminerit,  quae  Eusebium  in  ipso  opere  suo  dixisse  fa- 
cile  meminisset. 

Rejecta  igitur  ea  opinione,  cujus  princeps  et  novissi- 


*)  I.  c.  P.  I.  S-  v-xiv. 


415 


mus  defensor  fuit  Vallarsius,  alios  audiamus,  qui  Chro- 
nicon  Eusebii  a  veteribus  tantopere  depraedicatum  dudum 
periisse,  eaque ,  quae  aetatem  nostram  tulerunt  vel  epi- 
tomen  vel  tabulas  e  naufragio  servatas  esse,  multis  ar- 
gumentis  contendunt.  Favent  huic  opinioni  et  loca  quae- 
dam  veterum,  et  ipsa,  ut  videtur,  Chroniei  nostri  ratio 
accuratius  exposita.  Ipse  enim  Hieronymus,  a  quo  certa 
et  explorata  librorum  Eusebii  notitia  expeclari  potest,  in 
Catalogo  virorum  illustrium  Chronicorum  Canonum 
omnimodara  historiam  ejusque  epitomen  quan- 
dam  Eusebio  tribuit,  tantaque  fuit  hac  in  re  illius  aucto- 
ritas,  ut  nemo  sit  veterum,  qui  non  ad  memoriam  Chro- 
niei Eusebiani  delatus  ex  ore  illius  repeteret,  quae  op- 
time  ab  eo  peti  posse  videbantur.  Adjuncta  sunt  a  mul- 
tis, ut  omnia  sibi  mutuo  respondere  videantur,  huic  loco 
Hieronymiano  ea,  quae  supra  ex  ipso  Eusebio  attulimus, 
et  omnimodae  historiae  nomine  depraedicata,  quae 
libello  priori,  tanquam  materia  futuro  operi  digerenda, 
a  se  parata  esse  gloriatus  est  Eusebius.  Ita  tandera  et 
suus  bonos  Eusebio  redditus  et  laudes  veterum  a  levitate 
quadam  vindicatae,  et  fata  libri  optime  explicata  ac  extra 
omnem  controversiam  posita  esse  videntur.  Quodsi  enim 
epitomen  tantum  Iiabemus  operis  illius  majoris,  quo  sum- 
mas  veterum  laudes  meritus  est  Eusebius,  si  nee  ipsa 
etiam  haec  epitome,  ab  injuria  temporum  penitus  illibata, 
ad  nostras  manus  pervenit,  si  forte  ea  tantum,  quorum 
usus  quotidianus  fuisse  videbatur,  huic  breviario  ab  auo-- 
tore  sunt  inserta,  si  multa,  quae,  in  breviario  temere 
posita,  sagaciori  harum  rerum  arbitro  displicent,  in  ma- 
jori illo  opere  omnimodae  historiae  justis  auctorum  testi- 
moniis  erant  munita :  habemus  sane,  quod  temporum  libra- 
riorumque   injuriam   doleamus,    novoque   iterum   constat 


^  \  4 


exemplo,  quot  praestantissima  antiquitatis  monumenta  in- 
felici  quodam  bievitatis  studio  vel  tristi  sumtuum  parci- 
monia,  quos  majus  opus  poscebat,  perierint. 

Enimvero  quantacunque  tandem  hac  in  re  sit  Hiero- 
nymi   auctoritas ,    quam    ne   quidem    Scaligero    praeeunte 
defugere  ausim,'utut  perspicua  videantur  veiba  illius  de 
ampliori  quodam  opereEusebiano  et  de  epitome 
illius  sigillatim  disserentis,  quam  contorta  etiam  sit  eorum 
interpretatio,  qui  partem  Chronici  priorem  o  m  ai  m  o  d  a  m 
bistoriam  appellari ,    partem  posteriorem  Epitomen 
dici  arbitrantur,  cogit  tarnen  universa  bistoria  critica  bu- 
jus    Chronici ,    ut    novam    quandam   verborum   Hieron}  mi 
Interpretation  em,  quae  non  minus  ob  via  esse  videtur  quam 
Tulgaris    interpretatio ,   tentare   ausim.      Disjunxisse   enim 
videtur  Hieronymus,  quae  conjuncta  accipi  voluit,  et  om- 
nimodam  historiam  epitomenque  voca^it,  quae  forte  apud 
subtiliorem  scriptorem  Epitome  omnimodae  bisto- 
ria e   esset   appellata.     Si   quod  enim  unquam  extitit  ma- 
joris  molis   opus    chronologicum  Eusebii,    cujus    epitome 
sit  Cbronicon  nostrum,  quis  sibi  persuadeat,  in  frequen- 
tissimo    hujus    chronici    usu    apud   veteres    nullum   vesti- 
gium  exstare  majoris  illius   operis,   cumque   plura  super- 
sint  graeci  textus  fragmenta,  quibus  nullus  locus  versionis 
Hieronymianae  respondet,  ne  unum  quidem  eorum  ad  ea 
tempora    spectat,    quae    versione   Hieronymiana    Cbronici 
Eusebiani    continenlur.     Produnt   illa    fragmenta  extitisse 
prologum  quendam  vel  si  ita  appellare  mavis  partem  ali- 
quam   qualemcunque    Cbronici   Eusebiani,    quae   praeter 
fragmenta  illa  penitus  interiisse  videtur;    cum  tarnen  nee 
qualiscunque  pars  clironicorum  laborum  Eusebii  sine  ullo 
vestigio  interierit,  quis  sibi  persuaserit,  illud  majoris  mo- 
•^is  opus,  cujus  epitome  nostrum  cbronicon  appellatur,  sine 


nllo  vestigio  praeter  dubia  illa  Hieronymi  verba  interi- 
isse  ?  Ollis  chronographos  recentiores  Georgium,  Cedre- 
num,  aliosque,  qui  opibus  Eusebianis  mirifice  se  jactita- 
bant,  largissimam  illarum  penum  neglexisse  arbitretur? 
Ollis  Hieronymum  interpretem  adeo  somnolentum  fuisse 
calumniari  ausit,  ut  in  praefatione  versionis  suae,  dum 
laudes  et  difficultates  operis  sui  satis  arroganter  deprae- 
dicabat,  nihil  meminerit  majoris  illius  operis,  cujus  solam 
epitomen  latio  donaverit?  Quae  tandem  etiam  sint  ea, 
quibus  opes  majoris  illius  operis  continebantur?  Eusebium 
in  chronico  nostro  omnia  congessisse,  quae  per  temporum 
doctrinaeque  rationes  ab  eo  congeri  potuerunt,  vix  quis- 
quam  instituto  graviori  examine  iiegaverit.  Quae  enim 
graviora  servavit  majori  operi ,  si  seriem  regum  Sicyo- 
niorura  aliaque  bonae  frugis  haud  plena  breviario  suo 
inservit?  Cur  tandem  Hieronymus  bistoriam  Romanam,  in 
boc  Chronico  ab  eo  desideratam ,  ex  Tranquilio  potius 
aliisque  quam  ex  majori  opere  Eusebiano  supplevit,  et 
si  nee  in  majori  opere  plura  romanae  historiae  monu- 
menta  erant  servata  quam  in  Chronico  nostro ,  quid  tan- 
dem erat,  in  quo  amplioris  majoris  operis  thesauri  erant 
conspicui  ? 

Laudavit  in  hac,  quam  vocas  ,  epitome  testes  rermii 
narratarum,  ncque  eos  raro  tantum  in  re  dubia  vel  gra- 
viori sed  frequentissime  nominavit,  at  ne  semel  quidem 
in  excitandis  illis  majoicis  cujusdam  operis  mcminit,  in 
quod  tamen  ampliorem  et  rerum  et  testimoniorum  appa- 
ratum  seposuisse  putandus  est.  Nee  unquam  profecto 
majoris  illius  operis  ex  spectatio  viros  harum  rerum  peri- 
tissimos  tam  suspensos  tenuisset,  nisi  laudibus  Hieronymi 
aliorumque  veterum  commoti  scopum  illum,  cui  Eusebius 
laborem  suum  inservii;e  voluit  et  rationes  universi  operis 


416 


ad  hunc  scopum  dispositas  ita  obliti  essent,  ut  omnimo- 
dam  potlus  historiam  quam  laterculos  quosdam  regum  sibi 
inyicem  synchronistice  respondentes  paucisque  intermixtis 
rebus  ornatos  in  eo  se  habituros  esse  sperassent. 

Quisquis  autem  sit,  qui  doctrinam  Eusebii,  ab  anti- 
quls  tantopere  depraedicatam  aliisque  ejusdem  scriptis 
comprobatam  iniquius  ab  eo  deprirai  existimet,  cui  epi- 
tome  nostra  nomine  Eusebiano  tantisque  veterum  laudibus 
satis  digna  esse  videtur,  is  vel  rationes  temporum  Euse- 
bii a  nostris  adeo  discrepantes  probe  recordetur,  vel  tan- 
dem  etiam  meminerit,  chronicon  nostrum  inter  prima 
forte  doctissimi  Episcopi  scripta,  quibus  nee  posterior 
cura  nee  doctior  lima  ädccjssit,  numerandum  esse. 

Neque  enim  ex  eo  chronici  anno,  in  quo  exemplar 
Hieronymi  desiit*),  argumentum  peti  velim,  quo  anno  ab 
auctore  suo  vel  elaboratum  vel  adeo  editum  sit  Chronicon 


*)  Praef.  Hieron. 

5,A  Troia  usque  ad  vicesimiim  Conslanlini  aiinum  nunc  addita, 
„nunc  mixta  sunt  pluriina,  quae  de  Tranquillo  et  ceteris  illu- 
„stribus  historicis  curiosissime  excussimus.  A  Constanlini  au- 
„tem  supradicto  amio  usque  ad  consulatiun  Augustorum  Valen- 
j,tis  VI.  et  Valentiniani  iterum,  totum  meum  est." 

Quodsi  Chronicon  Eusebianum  post  viceniialia  Constantini 
fuerit  editum,  et  ea,  quae  de  Praeparatione  Evangelica  scripsit 
Eusebius  et  ea,  quae  de  Demonstratione  Evangelica,  sunt 
priora  Clironico  nostro.  Demonstratio  enim  evangelica,  quam 
concinnato  opere  de  praeparatione  evangelica  aggressus  est, 
eo  jam  tempore  scripta  esse  videtur ,  cum  tranquillitas  eccle- 
siarum  christianarum  per  Constantiniun  vix  integre  esset  re- 
stituta.  cf.  Tillemont  memoires  poiir  servir  ä  Tliisi.  Eecles.  in 
Vita  Eus.  Caes.  §.  VI.  0"is  autem  aetatem  chronici  aliciijus, 
cui  auctoY",  si  vel  novam  editionera  repetitis  curis  haud  ador- 
naverit,  forte  aliquot  annos  recentissimae  mcmoriae  facile  ad- 
dit,  ex  eo  anno  definiverit ,  in  quo  Chronicon  desinir. 


417 


nostruni,  neque  cum  dlssensum,  quem  instituta  comparatione 
Chronici  nostri  cum  graeco  textu  Cap.  IX.  L.  X.  Prae- 
parat.  Evangelicae  observamus  *),  ita  interpretari  ausim, 
ut  cum  doclissimo  Italo  Hieron.  de  Prato  libros  de  prae- 
paratione  Evangelica  prius  editos  esse  quam  Chronicon 
Eusebianum,  certo  affirmem.  üt  praetermittam,  eam  esse 
vira  verborum  Eusebii,  quibus  in  loco  citat'o  praeparatio- 
nis  evangelicae  **)  omnis  disputatio  concluditur,  ut  si 
non  editos  ccrte  tarnen  elaboratos  habuisse  Eusebium 
canones  chronicos  negari  non  possit,  et  curiosius  forte, 
quam  par  est  in  hoc  loco,  verbum  EKJtovi^^SK^iv  adeo  ur- 
geri,  ut  Eusebius  canones  chronologicos  a  se  editos 
studio  siluisse  perhibeatur,  cum  me  dissensum  horum  lo- 
corum  haud  perspicere  profiteor,  qui  libros  de  praepa- 
ratione  Evangelica  editos  Chronico  priores  esse  certius 
Hionstret,  quam  a  Chronico  jam  elaborato  et  forsitan  etiam 
edito  in  libris  de  praeparatione  evangelica  Eusebiumgpau- 
lulum  discessisse  ostendere   videatur  ***).     Priorem    qui- 

^V^}  CoUaiionem ,    singulari   studio   institiitam    v.    ap.   Hier,    de 
^"    Prato  p.  130. 

**)   Tavta    fiev    yv    aTtoSeiKtmcof    ev    toii    novi]  S^eid  iv 

tJpLXV        Xp  OV  IKO  If        KaVOÖlV        ÜtCdf       tXOVta      6VV£STJ' 

De  Pi-aep.  Evang.  L.  X.  c.  IX.  p.  484. 
^^*)  Plurimis  in  locis  et  fere  per  omnia  consentiimt,  |naB  ex  textu 
Prologi  Chronici  et  ex  Pra3par.  Evang.  L.  X.  c.  9.  mutuo 
collaia  apiid  Hieroii.  de  Prato  reperiinuiir,  nee  desimt  ratio- 
iies,  ex  qnibus  dissensus  locorum  quorundam,  qui  quidem  ali- 
cujus  momenti  esse  viüetur,  facile  explicari  possit.  Quod 
in  Prologo  Chronici  alios  inter  scripiores  de  Mosis  anliquitate 
lestatos  et  Justum  Judseum  memiiierit,  in  libro  autem  praepa- 
rat.  evangelicoe  eundem  plane  siliierit,  nos  quidem  non  ita 
accipimus,  ac  si  in  eo  temporis  intervallo,  quod  editionem 
Praeparationis  Evangelicae  et  Chronici  nostri  intercessit,  scrip- 
torein  haue  Judajum  demiim  deiexerit,  sed  facile  fuit,  selum 
^^pittler^  iämmtl  ^cxU  Vlll.  ^b.  27 


418 


dem  Chronic!  partem,  in  qua  Epochae  Abrahami  et  quae 
eam  praecesserünt ,  breviter  illustrata  suisque  temporibus 
illigata  sunt,  libris  de  praeparatione  evangelica  edidit, 
priorem  esse,  ne  quidem  doctissimus  Hieronymus  de  Prato 
negavit,  quamquam  observata  periodi  cujusdam  diversa 
computandi  ratione,  quarum  alia  est  in  Cbronico  nostro 
alia  in  libris  de  Praepar.  Evang.,  ne  eam  quidem  ila  yul- 
gatam  esse  asserat ,  ut  primum  fuerit  digesta  *) ,  at  si 
priorem  Chronici  partem,  quae,  quantum  conjicere  licet, 
eo  tantum  sine  adornata  fuit,  ut  epocham  Abrahami,  cui 
secunda  pars  innititur,  extra  omnem!  dubitationis  aleam 
poneret,  jam  tum  extitisse  largiter  concedit,  cur  editionem 
secundae  partis,  quam  prima  illa  pars  fere  tantum  ut 
prologus  praecessit,  ab  hujus  editione  adeo  distare  con- 
jiciamus,  ut  opus  de  Praepar.  Evang.  elaboratura  inter- 
cesserit.     Accedit,   quod  ab  ingenio  Eusebii  haud  parum 


hujus  viri  nomen,  cujus  opinionem  forte  ex  aliis  cognovit,  in 
Chroiiico  memorare ,  neque  vero  difficultate  caruisse  videtur, 
aliquem  illius  locum,  eo  modo  quo  factum  est  iu  Porpliyrio, 
Africano,  Tatiano  aliisque,  disertis  verbis  adducere,  cum  forte 
exemplum  Historiae  Justi  Eusebio  defuerit. 

Neque  etiam  verbis  illis  CPraepar.  Evaug.  X.  9.  ab  initio) 
JKayce)  8e  Kaivwtepay  xapa  Tof  eiprjiiievaf  oSevSaii  tavtjj 
XpT)(Souai  trj  /j,ESoöoi>  id  efficitur,  Eusebium  de  bis  rebus, 
quas  ibi  traciat,  alibi  ex  iustituto  haud  disseruisse,  cum  coii- 
jungenda  siut  hsec  narrata  cum  iis,  quibus  universa  disputatio 
absolvitur  tavta  /liev  «p  artoÖEiKtiHüdi  ev  toif  EKrtovijSEi- 
6iv  tjfxiv   ;]^po»^iKoif  Kavoöiv   uteäi   Exovta  6vvESrj. 

Nolo  auiem  alia  repetere,  in  quibus  vir  doctissimus  in- 
sigiii  acumiiie  loca  discrepaulia  detexit,  cum  parum  vel  uihi 
ad  continuaiidas  opinioues  meas  de  dignitate  aique  auctoritaK 
Chronici  Eusebiani  faciat,  cuicunque  anno  originea  illius  as- 
signaveris. 
*)  V.  cit.  diss.  Hier,  de  Prato  p.   156. 


t 


I 


419 


alienum  esse  vicleattir,  Hbros  de  Praep.  Evang.  ante  Cliro- 
nicon  jam  editos  eandemque  passlm  materiam  tractantes, 
qiiae  in  priore  Chronici  parte  fuit  exposita,  nunquam  in 
ipso  Chronico  vel  obiter  esse  allegatos ,  cum  lamen  loca- 
auctorum  in  Chronico  allegatorum  ea  ubertate  in  illis 
libris  afFerantur,  ut  hi  quasi  commentarii  vices  sustinere 
indicemque  Chronici  explere  videantur. 

Qnamcunque  autem   opinionem    in  constituendo   tem- 
pore, quo  Chronicon  Eusebianum  editum  sit,  secutus  fue- 
s,  ad  explicanda  doctissimorum  veterum  auctorum  testi- 
onia  haud  parum  juvabit  observasse,   quantum   vel  sola 
ujus  operis  exterior  forma   unanimem    illum   laudantium 
consensum  excitaverit.     Tot  lineae  inter  se  invicem  erant 
uctae,  tot  numeri  adscripti  et  ipsa  etiam  colorum  varie- 
tate  distincti,  ut  judice  Hieronymo  paene  difficilius  fuerit, 
ordinem  legendi  discere,  quam  ad  notitiam  lectorum  per- 
yenire. 

Ütraque  igitur  opinione,  quarum  altera  nullam  prae- 
ipuam  partem  hujus  Chronici  deesse,  altera  solam  epito- 
men  servatam  esse  continetur,  haud  temere  rejecta,  lu- 
Lenter  iis  accedo,  quae  doctiss.  Hier,  de  Prato  ita  opi- 
nabatur,  ut  parum  de  veritate  aberrare  videretur,  quam- 
quam  nee  ea  sit  illius  opinio,  ut  int^egra  accipi  omnisque 
rerum  testiumque  dissensus  ex  ea  explicari  possit.  Pro- 
logum  enim  aHquem  vel  priorem,  si  ita  dicere  mavis, 
Chronici  partem,  qua  periodum  a  prima  mundi  aetate  ad 
Abrahami  usque  tempora  Eusebius  tractavit,  penitus  peri- 
isse,  operique  reliquo,  ceterum  plane  illaeso,  quasi  Caput 
truncatum  videri,  tot  argumentis  confirmavit,  ut  et  aequo 
cuique  lectori  satisfecisse,  et  partis  amissae  desiderium 
multum  lenivisse  existimandus  sit.  Quaecunque  enim 
fragmenta  Chronici  Eusebiani  apud'  Georgium  aliosve  ve- 

27  * 


420 


teres  chronographos  vel  historicos  felici  quadam  soller- 
tia  adhucdum  sunt  inventa,  ad  primam  illam  periodum 
spectant,  quae  prior  est  Abrahamo,  et  quidquid  in  Chro- 
nico  nostro  desiderari  potuerit,  si  vel  nullus  veterum  locus 
exstet,  quo  desiderium  partis  cujusdam  amissae  vel  am- 
plioris  forte  cujusdam  operis  excitetur,  in  eo  tantum  con- 
sistit,  quod  Eusebius  epocham  Abrahami,  cui  tanquam 
primo  fundamento  omne  Chronicon  innititur,  dum  contra 
Porphyrium  aliosque  ,dissentientes  data  opera  pugnat, 
justa  quadam  demonStratione  chronologica  suis  tempori- 
bus  baud  illigaverit,  c^ua  et  in  nova  methodo  sua,  quam 
primus  adhibuit,  vis  carere  potuisse  videtur.  Multa  au- 
tem  lectione,  judicioque  in  conciliandis  et  convincendis 
auctoribus  plane  singulari  opus  fuit,  si  antiquitates  Aegyp- 
tiorum  et  Chaldaeorum  tantopere  jactitatas  ad  accuratio- 
res  calculos  revocare,  dissensum,  quo  Alexandrini  inter- 
pretes  ab  Ebraeo  textu  et  Samaritano  exemplo  discedunt, 
recte  judicare,  epochamque  Abrabami  ita  constituere  stu- 
duit,  ut  jacta  essent  fundamenta  futuri  operis,  quae  nul- 
lis  adversariorum  artibus  everti  potuissent. 

Id  unum ,  si  quid  equidem  video ,  non  sine  gravi 
opinionis  suae  periculo  erravit  doctissimus  Italus,  quod 
prologum  illum,  vel  si  placet,  partem  chronici  nostri 
priorem^  injuria  temporis  nobis  ereptam,  eundem  libellura 
esse  existimat,  quem  tanquam  priorera  descripsil  Euse- 
bius ^) ,  cum  et  argumentum  horum  scriptorum  et  sco- 
pus  utriusque  libelli  multum  a  se  invicem  discrepent.     In 


*)  Cnm  haec  ita  se  habeant,  necessariiun  dnxi  veritatem  dili- 
gentiiis  perseqfiii  et  ob  id  in  priori  libello  quasi  quan- 
dam  materiam  futnro  operi  omninm  mihi  regum 
terapora  preenotavi,  Chaldfleorura  etc. 


421 

hoc  enim  priori  libello,  quae  est  ipsius  Eusebli  descriptlo, 
contlnebatur  adumbratio   universi    futuri    operis,  'materia 
operi  suscepto    ita  praeparata ,    ut    nihil   fuerit ,    cjuod  in 
ipso  Chronico   edendo  auctorem  potuerit  morari.     In  illa 
autem  deperdita  priore  Chronici  parte  ea  solummodo  tem- 
pora  digessit  et  illustravit,  quae  epocham  Abrahami  ante- 
'cesserunt,    nee  parum  a  re  f'uisset  alienum,    tempora  re- 
gum  Lydorum  Persarurave  aliaque,  quae  in  libello  priori 
Eusebiano  contenta  erant,  in  descriptione  temporum  Abra- 
hami antiquiorum  notare,     Vindicavit  Eusebius,  quantum 
quidem    ex   fragmentis    apparet,    in   priore  illa  deperdita 
H^hronici    parte    chronologiam    Alexandrinorum    interpre- 
^^nm,  dum  autem  in  praefatione  canonis  chronici  contenta 
^Hh:'ioris  sui  libelli  memorat,  ne  rerbum  quidem  affert,  ex 
^^■uo  dissensum  chronologicumAlexandrinae  versionisEbraei- 
^^que  textus   in   eo  uberius  judicatum  esse  conjicere  possi- 
mus.     Prologum,  Abrahami  tempora  spectantem,  ab  Eu- 
sebio  cum  ipso  chronico  editum  esse,  equidem  haud  du- 
Lito,    nee  difficile  erit,    causam  divinare ,  qua  commotus 
Hieronymus   in  concinnanda   yersione    sua    eum    omiserit, 
cum   parum    vel   nihil  faceret  ad  promovendum   scopum, 
cui  Chronicon  Eusehianum   inservire   volqit,    at   priorem 
illum.libellum,  cujus  Eusebius  meminit ;  in  quo  materiara 
futuro  operi   a  se    digestam    esse   affirmat;    nunquam    ab 
ipso  Eusebio  alioque  homine  in  lucem  proditum  esse ,  et 
ipsa  libelli  ratio   et  silentium  omnium  scriptorum  deraon- 
strare  videntur.   Quis  enim  alius  hujus  libelli  usus,  quam 
quod   ipse  scriptor   in   eo  materiam   futuri  operis  paravit 
et  digessit?  Quodnam  aliud  ejus  argumentum,  quam  quod 
ipsius  etiam  chronici,  praeterquam  quod  materia,   in  illo 
congesta,    ad    commodas   quasdam  Synchronismi  leges  in 
ipso  chronico  sit  disposita?   Quis  anxie  quaesiverit  char- 


422 


tas  tumultuarias ,  ex  quibus  scriptor  historicus  vel  chro- 
nologus  opus  suiim  accurate  digessit,  si  opus  ipsum  bene 
accurateque  digestum  adhuc  exstet,  quamquara  etiam  haud 
praeter  exspectationem  acciderit,  si  nonnulla  fuerint  in 
chartis  illis  tumultuariis,  quorum  in  ipso  opere  plane  con- 
summato  nihil  araplius  reperiatur  '"'). 

Confecta  igitur  dispulallone  de  intcgritate  Chronici 
Eusebiani  agedum  investigemus,  quosnam  auctores  exem- 
plum  operis  sui  propositos  habuerit  Eusebius,  vel  quorum 
fidem  tanti  fecerit,  ut  eos  gravissimos  rerum  historicarum 
et  chronologicarum  arbitros  veneratus  sit,  quosnam  Fon- 
tes adiisse  ,  qua  temperantia  quave  incuria  ex  iis  hau- 
sisse ,  quo  modo  interdum  eosdem  miseuisse ,  vel  bona 
apud  eundem  scriptorem  malis  mixta  selegisse  videatur. 
Dolemus  plurimos  veterum  historicos  et  chronologos  plane 
deperditos,  ignotos  homines ,  sancta  quadam  antiquitatis 
nube  obvolutos,  quantiyis  aestimämus,  et  id  unum  adhuc 
solatium  jactitamus,  quod  exstent  aliqui  veterum  historici, 
inter  quos  primo  loco  nominatur  Eusebius,  qui  opes,  ex 
antiquissimis  illis  scriptoribus  congestas,  si  non  omnes 
certe  preliosissimas,  indefesso  labore  posteritati  servave- 
rint**).  Agedum  videamus,  num  ea  fuerit,  quantum  qui- 
dem  ex  hoc  chronico  apparet,  Eusebii  vel  eruditio  vel 
diligentia,    ut   jacturam  hanc  levare  possit,    an  certe  ali- 


"0  Tempora  regnm   Chaldaeorum  -  Lj  dornni   a  se   fiitiiro 
operi  prajnotata  dixit  Eusebius,  at  nihil  horum  regiun  in  ipso 

*^)  Ex  loco  quodam  Victorii  Aquitani  in  praef.  Canonis  Pasclia- 
lis  a.  Chr.  456.  editi,  apud  Hier,  de  Praio  p.  27.  elicitur, 
Hieronymum  et  Chronica  Eusebii  et  Prologum  eorum  in  liu- 
guam  latiuain  traustulisse ,  eed  nihil  inest  verbi»  Victorii^ 
quod  huc  trahi  possit. 


1 


423 


qua  apud  eum  habeamus  congesta,  quae,  si  non  diligen- 
tiam  doctrinamve  ejus  comprobant,  vestigia  tarnen  ape- 
riant,  quae  ad  illa  antiquitatis  adyta  deducunt,  de  quorum 
thesauris  tarn  parum  constat. 

In  quo  examinß  subtiliter  instituendo  primum  ea 
omnia  loca  Chronici  Eusebiani ,  quae  Hieronymi  manum 
produnt  et  ab  interprete  haud  verecundo  adjecta  esse  vi- 
dentur,  religiöse  sunt  sejungenda  ^),  dein  nee  iis  vide- 
tur  esse  immorandum ,  quae  inde  ab  Herodoti  aetate  aut 
inde  a  novo  illo  seculo  Alexandri  Magni  in  chronico  Eu- 
sebiano  occurrunt.  Quis  enim  in  illo  optimorum  auctorum 
numero,  quos  inde  ab  hoc  tempore  habemus,  rivulos 
Eusebii  consectetur,  cum  fontes  adire  liceat?  Quis  hanc 
teriorem  Chronici  partem  aliter  tractayerit ,  quam  ut  ex 
cöllatione  illius  cum  praestantissimis^  qui  adhuc  exstant, 
illorum  temporum  scriptoribus,  qualemcunque  conjecturam 
capiat,  quid  sperandura  vel  timendum  sit  de  priori  illa  parte, 

Ikus  fontes  nobis  ipsis  <30gnoscere  haud  contigi;?  Quod- 
lim  enim  fuerit  Judicium  scriptoris  in  deligendis  iis,  quae 
abulae  chronologicae  erant  inserenda,  quo  ingenio  va- 
luerit  in  figendis  epochis,  quam  curam  habuerit  accura- 
tioris  rei  chronologicae,   ex  ea  profecto  parte  libelli  op- 


'O  Ouse  Hieronjini  sunt,  facile  dignosci  possunt.  Quis  enim 
aiictorem  Paradium  (v.  ammm  aerse  Abraham.  767)  Eiise- 
bio  tribuerit?  In  antiqiüoribus  paiica  et  fere  ea  tantum  adje- 
cit,  si  qua  sunt  Romanse  JiiÄtorise  uberius  tradita,  Num  la- 
terculum  aerse  Abrahamiticse  addiderit,  recte  dubitari  potest, 
cum  Eusebius  in  textu  suo  calculos  iiiterdum  ita  subducat,  ac 
si  laterculus  ille  abesset.  Quid  enim  summ  am  aunorum  aerae 
Abraliamiticae  in  textu  interdum  memoravit,  si  eam  laterculus 
adjectua  cuivis  attenio  lectori  osteuderit? 


424 


time  cognoscitur,  quse  tempora  spectat  nobis  ipsis  aliunde 
notissima. 

Neque  vero  in  ipso  hujus  examinis  initio  diffiteor^ 
in  ea  parte,  ex  qua  primum  exemplum  peti  velim  Tel 
doctrinae  vel  diligentiae  Eusebianae,  multa  se  mihi  obtu- 
lisse ,  quae  non  modo  exercitatiori  hominum  nostrorum 
sensui  satisfacere  nequeunt,  sed  nee  digna  videntur  eo 
viro,  quem  summum  rei  chronologicae  aitificem  universa 
Christianorum  antiquitas  venerata  est.  Quis  enim  a  tali 
viro  exspectaverit,  aerae  Abrahamiticae,  quam  principio 
stalim  operis  fundamenti  loco  posuerat  *) ,  ita  eum  in- 
baesurum ,  ut  nee  Seleucidarum  aerae  nee  coraputationi 
a  prirao  anno  Regis  Nabonassaris  Alexandrino  more  de- 
ductae  ,  neque  ulli  alteri  apud  Orientales  vel  Occidenta- 
les  frequentatae  laterculum  aliquem  dicaverit.  Aeram 
Nabonassaream  ne  quidera  meminit,  quod  bomini  eccle- 
siae  Syriacae  addicto,  quameunque  tandem  spem  erifdifio 
Eusebii  fecerit,  facile  condonabimus,  at  ipse  etiam  ille 
locus  cbronici ,  in  quo  memoria  aerae  Edessenae  exstat, 
auctoritate  Codicum  a  Pontaco  collatorum  ita  dubius  esse 
videtur,  ut  parum  a  veritate  aberrent,  qui  ejecto  hoc 
glossemate  ne  hujus  quidera  aerae  mentionem  ab  eo  al- 
latam  esse  existimant.  Aerae  ab  Abrahami  nativitate  duc- 
tae  nullus  nee  apud  cbronologos  nee  apud  historicos  sui 
temporis  fuit  usus,  nusquam   promta  iliius  mentio,   quae 


''}  lu  opere  erudiiissimo  l'art  de  verifier  les  dates  et 
ipsa  eüam  recentissima  illiiis  editione,  qua?  auclior  et  accu- 
ratior  1785  prodiit,  epocha  AbrahamUica  male  deducitiir  a 
vocaiione  Abrahami,  cum  nativiias  Abraliami  primum  illins 
annum  constituat.  In  eundem  errorem  iucidic  Fabric  bibl. 
Gr.  Vol.  VI.  p.  33. 


425 


desiderium  tabularum  chronologicarum ,  ab  hac  epocha 
inchoantium  alluiissefcj  ncc  cerlitucline  sua ,  nee  nuraero- 
rum  rotunditate  inde  excurrentium  haec  epocha  ita  com- 
mendata,  ut  vel  ipsius  Eusebii  exemplum  usum  illius  pro- 
movere  potuerit,  hane  unam  tamen ,  prac^r  Olympiadum 
supputationem  suo  tempore  additam,  adeo  anxie  servavit, 
ut  magis  sibi  quam  aliis  annos  numerasse  videatur. 

Patet  quidem,  ab  Abrahami  aetate  eam  ob  causam 
chronicon  suum  auspicatum  esse  Eusebium ,  quod  prima 
initia  historiae  profanae ,  quae  quidem  Eusebio  ut  certa 
xplorataque  probabantur,  in  eam  aetatem  inciderint,  re- 
umque  series  ab  eb  tempore  haud  interrupta  ita  con- 
(inuari  posse  videbatur,  ut  filium  haberet  Ariadneum,  quod 
er  omnem  labyrinthum  excurrat.  Quis  autem  cbrono- 
ogus  vel  historiuus  eam  rem,  a  qua  narrationis  suae  ex- 
ordium  capit,  si  nee  usum  aliorum  scriptorura  ducem  ha- 
buerit,  nee  alio  quodam  commodo  se  regi  patiatur,  talem 
universi  operis  epocham  constituet^  ut  potius  eam  modo 
nnorum  seriem ,  quam  ipse  percurrit,  quam  aeram  ali- 
uam,  promto  cuidam  usui  chronologico  paratam,  universo 
operi  adjungat.  Neque  vel  Eusebius  vel  ipse  etiam  Hie- 
ronymus  ab  omni  negligentiae  crimine  in  eo  possunt  li- 
berari ,  quod  rariores  fuerint  in  citandis  auctoribus  suis, 
quo  propius  ad  ea  tempora  accederent,  quibus  certa  hi- 
storiae lux  affulget,  auctorumque  varietas,  tam  graeco- 
rum  quam  latinorum,  accuratiori  examini  critico  locum 
aperit.  Nemo  enim  ampliores,  quam  ea  aetas  tulit,  divi- 
tias  iniquius  postulari  arbitrabitur ,  si  quis  hu  jus  operis 
criticus  eum  chronici  locum,  qui  epocham  Romae  condi- 
tae  memorat,  virgula  eensoria  notaverit.  Quisquis  sit 
hujus  loci  auctor,  utrum '  Yarronianam  an  Catonianam 
computandi  rationem  seculus  sit,  dubium  reliquisse  vide- 


426 


tur  *),  nee  epoebam  adeo  gravem  regendaeque  chrono- 
logiae  convenientera  expresso  olympiadis  ejusdemque  an- 
ni  numero  ita  loeo  suo  iilligavit,  ut  ab  incuria  libi  ariorum, 
gravissimas  res  in  texta  memoratas  misere  dimovenlium, 
nihil  timendum/fuerit  **). 

Nolo  autem  curiosius  arguere,  ne  immemor  esse  vi- 
dear  temporum  Eusebianorum ,  quantopere  desideretur 
subtile  in  deligendis  iis,  quae  memoria  digna  erant,  Judi- 
cium^ quantum  brevitas  narrationis  perspicuitati  illius  no- 
cuerit,  quot  loca  in  eo  exstent,  quae  a  reliqua  primorum 
auctorum  narratione  ita  avulsa  exhibentur,  ut  sagacissimo 
conjectore  opus  sit,  quam  rem  narratam  habeamus  ***)^ 
sed  arcem  causae  aggredi  juvabit,  fontesque  indagare, 
unde  ea  fluxerint,  quae  certissime  Eusebii  esse  videntur. 
Quid  enim  est,  quod  diligentiam  doctrinamve  scriptoris 
luculentius  demonstrat,  quam  accurata  fontium  descriptio, 
quos  ipse  limpidissimos  rerum  suarum  fontes  esse  judi- 
cavit. 

Primam  autem,  quae  nobis  hie'  se  ofTert,  quaestio- 
nem  a  recentissimo  Hieronymi  editore  noyiter  agitatara 
»utrum  Alexandrinos  interpretes   an   ebraeum   textum  se- 


*)  Primus  anmis  Romuli  in  Cliron.  Eiiseb.  qiiarto  sextae  OljTn- 
piadis  anno  tribuitur,  quse  Catoniana  compuiandi  ratio  esse 
videtur.  Quid  autem  si  dubites,  utrum  paucos  illos  menses, 
qui  inde  ab  Aprili,  Palilibus  enim  Romam  conditam  esse  me- 
morat,  usque  ad  solstitium,  quo  coepit  nova  Olympias,  effluxe- 
runt,  pro  primo  Romae  conditae  anno  numeraverit  Eusebius. 
Tum  enim  profecto  Varronianum  calculum  secutus  esse  videtur. 
*^)  Epochäm  primae  Olympiadis  suo  aimo  illigavit  Eusebius,  ut 
librariorura  audacia  vel  incuria  ab  eo  dimoveri  haud  potuerit, 
quod  secus  factum  est  in  Epöcba  ürbis  conditae. 
***)  vid.  ilL   HfiTiu  Commeutationes  de  Castoris  epochi«. 


427 


»cutus  Sit  Euseblus,«  doctissimis  contra  Vallarsium  vincli- 
ciis  ita  illustravit  Hieron.  de  Prato,  ut  vulgatae  opinioni, 
Eusebium  rationes  chronologicas  Alexandrinorum  inter- 
pretam  Ebraeo  textui  praetulisse,  nihil  novi  roboris  ac- 
cedere  possit,  quod  ipse  ei  non  ^dcliderit.  \  Quis  enim  in 
summo  omnium  Codicum  consensu  loca  illa  tentare  ausit, 
in  quibus  ex  calculo  Alexandrinorum  interpretum  tempora 
subduxit*)?  Si  unus  tantum  alterve  fuerit  locus,  in  quo 
Alexandrinorum  chronologiam  elegerit  Eusebius,  vix  ma- 
nibus    criticis    Ilieronymus    temperasset ,    quin    veritatem 

Ixtus  ebraici,  quam  alias  aliorum  calculo  praetulisse  vi- 
jtur,  inferre  conatus  esset,  at  in  omni  fere  loco,  in 
10  ad  summam  aliquam  calculos  historiae  sacrae  revo- 
ibat  Eusebius,  memoria  supputationis  Alexandrinae  tarn 
dubitata  redit  **),  ut  plura  mutanda  et  invertenda  fue- 
nt,  quam  ipsi  Hieronyrao  placuerit.  Ecquis  autem  loca 
laedam,  in  quibus  a  nostra  lectione  Alexandrinorum  in- 
terpretum dissentit,  ita  accipiet,  ut  cum  ab  ipso  textu 
Alexandrino  discessisse  arbitretur  ***)?  Quis  scriptorem 
bistoricum,  praeter  multa  alia  opiniones  quoque  chrono- 
logicas Ebraeorum  memorantem ,  ex  bis  ipsis  locis  chro- 
nologiam Ebraeorum  secutum  esse  affirmaverit  f)  ? 


*)  cf.  cit.  dissert.  Hieron.   de  Prato  P.  IL  §.  9  sq. 
"^"■^)  V.  anniim  Aerae  Abrah.   985  et  3045. 
*^''0  Satis   erit  provocasse  ad  exeraplum  Cainanis  postdiliiviani  in 
Eiisebio  omissi,  quem  Arpliaxadi  filiuin  et  Salse  patrem  fuisse 
tarn  apiid  Alexaudr.  interpretes   quam  apud  Lucam  narratur. 
T*)  Talis  locus  exstat  a.  aerae  Abrah.  JL.V.  Principiiim  XLI.  Ju- 
bilsei  secuudum  hebrseos.  Jobel  autem  apud  eos  quinquagena- 
rius   annus   notatur.     Itaque  juxta  supputationem   eorum  ab 
Adam  usque  ad  annum  präsentem  sunt  anni  ÄIM. 

Argumente  ex  hoc  loco  petito  Vallarsius  sententiam  suam 


l_ 


^28 

Constat  igitur,   et  ex  uni versa  illorum  temporum  ra- 
tione  admodum  probabile  fit,  quemnam  in  condenda  chi  o- 
nologia  sacia  aüctorem  secutus  sitEusebius,  neque  etiam 
adeo  difficile  erit,  vestigia  persequi,    quae  ad  eos  dedu- 
cunt ,  ex  quibiis  plufiraae  historiae  gentilium    narrationes 
hausisse    seriemque     cbronologicam     accepisse    videatur. 
ijuamquam  enim    irreparabili    eorum    jactura   facta,    qui 
ante  Eusebium  tale  opus  chronologicum  susceperunt,  nuUa 
fere  spes  sit,  eum  foVte  auclorem  detegendi,  cujus  lectio 
ususque  tale    otium    fecisse    rideatur  Eusebio ,    ut   Fontes 
ab  ipso  interdum  nominatos   raro   ipse   eliam   adire  coac- 
tus  fuerit,  ea  tarnen  supersunt  in  ipso  opere  vestigia,  ut 
si  non   eum,    cujus   rivulos   sectatus   est  Eusebius,    certe 
fontes,    ex  quibus  rivuli  illi  profluxerint,  detegere  liceat. 
Haut  pauca  huc  spectantia,  me  quoque  non  monente, 
docto  lectori  occurrunt,  si  indicem  auctorum  ab  ipso  Eu- 
sebio allegatorum ,    accuratius  quidem  congestum,    quam 
qui  est  apud  Vallarsium,  solerti  animo  perlustraverit,  se- 
junctisque    iis  quos  doeta  quadam  jaclitantla    vel  sola  ne- 
cessitate  loci  alioujus   magis  nominasse  quam  testes  adhi- 
buisse  videtur,  reliquorum  aetatem,  litteras,  fidem,  quan- 
tum  quidem  in  illis  scriptoribus   licet,    pensitaverit.     Hu- 
jus  autem  generis  teslimonia,  quae  nee  praecipuum  chro- 
nici   fontem    indicare    nee    certam    judicandi    occasionera 
praebere  videntur,  sunt  sequentia : 

Locus  Piatonis  ex  Timaeo  citatus  in  decade  210 
aerae  Abrahamiticae.  Alius  ejusdem  locus  in  de- 
cade 490  allegatus,    ut  explicatio    fabulae  de  Ily- 


niaxime  tueri  voluit,  quod  Eusebius  chronologiam  cbraei  tex- 
tus  secutus  Sit.  Qux  Hier,  de  Prau)  in  coutrariftia  partem 
disputavit  v.  1.  c.  p.  «29  sq.  Zii  sq. 


429 


dra  in  decado  770  una  cum  iis,   in  qulbus  Blinois 
Cretensis  meminit,  ex  eo  petita. 
Euripides   in   decade  380   ad  explicationem  Homi- 
nis Atlas. 
Phanocles  in  decade  650.     Ob  raptum  Ganjmedis 
Troi  patri  Ganymedis   et  Tantalo    bellum   exortum 
est,  ut  scribit  Phanocles. 
Didymus  in  decade  670.     Perseus  adversus  Persas 
dimicavit  Gorgonis  meretricis  capite  desecto,  quae 
propter    eximiam    pulchritudinem    ita    spectatores 
suos  mentis  impotes  reddebat,    ut  vertere  eos  pu- 
taretur  in  lapides.     Didymus    scribit   in   peregrina 
historia  et  praebet  scriptorem  ejus. 
Dina rebus  poeta  in  decade  710.  Quidam  bis  tem- 
poribus  vindicant  gesta  Liberi  patris ,  et  ea ,  quae 
de  Indis,  Lycurgo,  Actaeone  et  Pintheo  memoran- 
tur.     Quomodo  adversus  Perseum  consistens  occi- 
ditur  in  proelio,  ait  Dinarebus  poeta,  non  rhe- 
tor.     Qui  autem  voluerit ,    potest   inspicere    ipsius 
Liberi  patris  apud  Delpbos  sepulcrum  juxta  Apol- 
linem  aureum. 
Homer  US  in  decade  830. 

Phil  ist  US  in  decade  800.  Philistus  scribit,  a  Zoro 
et  Carchedone  Tyriis  hoc  tempore  Carthaginem 
conditam. 
Grates,  Eratosthenes,  Aristarchus,  Archi- 
lochus,  Apollo dor US  in  decade  910  allegan- 
tur,  dum  varias  de  aetate  Homeri  opiniones  re- 
censet.  Praeter  hunc  locum  semel  tantum  adhuc 
Apollodori  mentio  facta  in  decade  220,  Lycurgi 
lege  in  Lacedaemone  juxta  sententiam  Apollodori 
häc  aetate  suscepta.     Alter  enim  locus,  qui  in  de- 


430 


cade  1100  occurrit,  non  est  Eusebii  secl  Hierony- 
mi;  uti  nee  ea,  quae  in  decade  1700  et  1920  oc- 
currunt,  aliaque  historiam  latinam  auctoresve  la- 
•tinos  spectantia  ab  illo  proficiscuntur. 
Africanus  in  supputalione  primae  Olympiadis,  et 
in  decade  1570  ....  ea  vero ,  quae  post  haec 
gesta  sunt,  exhibemus  de  llbro  Maccabaeorum  et 
Josephi  et  Africani  scriptis ,  qui  deinceps  univer- 
sam  historiam  usque  ad  Romana  tempora  persecuti 
sunt.  Ita  Hieronymus,  a  graeco  Syncelli  textu  hie 
valde  discrepans  ra  ^e  uera  ravra  (^vjußavra  r) 
^pay^ivrci  -  •  •  toi;  JySatot;  d  I(söcir)Kos  ev  toi; 
jyiaKKaßaiKOis  hopei^  naiAfpiKavos  ßev  avTos  ev 

Jesephus  in  decade  740  Tyriorum  civitas  condita 
ante  templumHierosoIymorum  annis  240  ut  scribit 
Josephus  III,  2040  et  2060. 

Phlegon,  supputator  Olympiadum.  Lib.  XIII.  in 
decade  2040. 

Quis  fuerit  Brutius  vel  ut  Baronius  conjicit  Era- 
tius  ifi  historia  persecutionis  Domitianeae  citatus, 
plane  non  liquet, 

Clemens  Alexandrinus  in  decade  1420  et  1490 
supputationi  Eusebianae  consentiens  allegatur. 

Alia,  quae  a  multis  pro  allegatis  habentur  v.  c.  in  decade 
1610  Cyri  regis  ascensus,  de  quo  scribit  Xeno- 
phon,  ne  quidem  addere  übet.  In  eo  uno  autem  du- 
bius  haesi,  utrum  aliqua  Manethonis  allegata  (in  decade 
350  et  decade  1660)  pro  iis  sint  habenda,  quae  ipsum 
etiam  Manethonis  opus  ab  Eusebio  in  condendo  hoc  chro- 
nico  consultum  esse  ostendant,  an  vero  Manethoniana,  ut 


451 


in  reliquis  ejus  scriptis  apparet  *),  ex  aliorum  narratlone 
haurienti  junioris  cujusdam  scriptoris  lectio  et  illa  etiam, 
quae  1.  c.  memorantur,  suppeditaverit.  Tantus  enim  est 
in  tradendls  Aegyptiorura  djnastiis  Africani  et  Eusebii 
dissensus,  ut  utrumque  ex  Manethone  sua  hausisse  vis 
dici  possit  **),  neque  etlam  forte  satis  provide  agant,  qui 
Manethoniana  esse,  quaecunque  Africani  vel  Eusebii  no- 
mine insignita  de  dynastiis  Aegyptiorum  apud  Syncellum 
reperiuntur,  nullo  ipsius  Syncelli  indicio  sua  tantum  con- 
jectura  affirmant. 

Utut  autem  haec  sint ,  si  pauea  haec ,  nonaen  aucto- 
ris inscriptum  prae  se  ferentia,  cum  illa  locorum  multi- 
tudine  comparaveris ,  quae  ex  Palaephato,  Philo- 
choro,  Castore,  Rhodio  ipsis  etiam  horum  nomini- 
bus  laudatis  sunt  allata,  primo  statim,  ni  fallor ,  intuitu 
apparet,  quos  libros  secutus  sit  Eusebius,  quos  rerum  an^ 
tiquissimarum  testes  maximi  fecerit,  unde  igitur  et  ea 
sint  petita,  quorum  auctores  detegere  haud  licet. 

Ex  Palaephato  desumta  est  explicatio  histopae 
Phrixi  et  Helles ,  quae  occurrit  in  decade  630.  Histo- 
ria  Bellerophontis  in  decade  670  explicata.  Narratio 
de  Sparlis  in  decade  690.  Interpretatio  historiao  Dae- 
dali  et  Sphingis  in  decade  730  et  750.  Ex  libro  illius 
primo    de    incredibilibus    non   modo    explicatio    historiae 


^0  In  opere  Eusebii  eriiditissimo  de  Praeparatione  Evan- 
gelica  ne  unus  qiiidem  Manethonis  locus  disertis  verMs  al- 
legatur,  ex  Diodoro  enim  et  Josepho,  quae  Manethoniana  ha- 
bet, sunt  petita.  Ouis  non  coiijiciat,  ipsum  Manethonis  opus 
Eusebio  defiiisse. 
^^"")  Quod  Syncellus  Eusebium  ab  Africano  discrepantem  sine  ullo 
plerumque  argumento  malae  fidei  arguit,  in  eo  animum  Euse- 
bio iniquissimuin  prodidit. 


432 


Lapitharum  et  Centaurorum  in  decade  770  obvia,  sed  et 
quae  de  Scylla  et  Sirenibus  in  decade  840  occurrunt,  de- 
sumta  sunt. 

In  quibus  autem  Palaephatum  auctorem  non  babuit, 
in  iis  secutus  est  Pbilochorum,  scriptorem  ad  tem- 
pora  Ptolemaei  Pbiladelpbi  yix  assurgentem.  Explicatio 
navis  Triptolemi  (v.  decadem  910),  historiae  The- 
sei  (v.  dec.  620),  Bacchi  (v.  dec.  720),  Minotauri 
(780)  ex  L.  II.  Attidos  Philocbori  sunt  repetita,  nee  fidem 
Lujus  scriptoris  in  recensendis  etiam  opinionibus  neglexit, 
quibus  alii   aliam  Horaero  aetatem  tribuunt. 

Castor  autem  Chronographus  Rbodius  tres 
Chronici  Eusebiani  laterculos  per  plura  secula  continua- 
tos  ita  explevit,  ut  vix  ulli  alii  tantum  debere  videatur, 
quam  bomini  huic  parum  noto.  Ex  eo  enim  fluxit  se- 
ries  rerum  Argivorum  per  544  annos  continuata, 
i.eries  regum  Sicyoniorum,  quae  est  962  annorum, 
etAtheniensium  regum,  quae  ultro  487  annos  haud 
excurrit. 

Finge  tandem,  ut  videas  ^i^quale  sit  Chronicon  Euse- 
bianum,  editionem  illius  aliquam  ita  adornatam,  ut  absint 
ea,  quae  Alexandjino  textui  et  tribus  hisce  auctoribus 
debentur,  detrabe  huic  operi  speciosam,  qua  se  in  nostris 
editionibus  ostendit ,  formam ,  quaeque  ut  ad  usum  ita 
etiam  ad  ostentationem  rerum  narrata^um  optirae  cpmpo- 
sita  esse  videtur,  dele  tandem  et  illa,  quae  vel  ex  ipso 
Ctesia  et  Manetbone  vel  ex  scriptore  aliquo  horum  scri- 
nia  spolfante  iluxerunt,  quam  parum  erit,  in  quo  Eusebii 
diligentiam  vel  eruditionem  mireris ,  et  quantum  a  reli- 
quis  ejus  scriptis  ^  insigni  doctrinae  copia  refertis ,  chro- 
nicon hoc  abesse  arbitraberis. 

Condonabimus    ei,  ne    omnia  ad    vivum  resecare  vi- 


(Icamur,  quod  ex  scriptoribus  adeo  dubiis  vel  aetate,  qua 
yixerunt,  parura  commendatis,  quales  sunt  Palaephatus  et 
Philochorus,  explioationes  antiquariim  fabularum  petierit, 
quod  paucos  quosdani  fontes  adierit,  ex  quibus  fere  om- 
nia  hausit^  quod  nee  varia  lectionis  suae  copia  opus  na- 
tura sua  gravissimum  ita  locupletatus  sit ,  ut  res  nomini- 
bus,  nominaque  rebus  conjunxisse  videri  posset,  in  eo 
aulem  vix  venia  eum  dignum  esse  puto,  quod  in  exqui- 
rendis  paucis  illis  auctoribus,  quibus  unice  inhaesit,  nee 
eara  curam  adhibebat,  quam  gravitas  operis  postulare  vi- 
läebatur ,  nee  eo  judicio  usus  sit ,  quod  in  auctore  talis 
lantique  operis  praeter  omnem  exspectationem  desideratur. 
Quantumcunque  enira  obscurae  memoriae  sit  Castor 
Rhodius,  tot  tarnen  suspicionis  in  eo  excitatae  ansas  ha- 
bemus,  ut  accuratum  solertemque  chronographum  *  eum 
fuisse  rectissirae  dubitari  possit.  Ea  enim  aetate  vixit, 
qua  dudum  studio  graecorum  historicorum  et  maxime 
eorum,  qui  ex  Aegypto  prodierunt,  plurimarum  fabula- 
rum opumque  commentitiaruni  sincerae  antiquiori  rerum 
gestarum  narrationi  admixtum  fuit ,  ea  ipse  studia  trac- 
tasse  videtur  *),    quae    fidem    historici,    nisi    ea   aliunde 


^'<^)  Ouantum  coiijicere  licet  ex  recensione  scripiorum  illius  apud 
Siiidain  Kascop,  PobioSy  rj ,  ayi  tivES,  FaXatip'  cdS  Se 
aXXoi  87t\avrj!^i]6av ,  Ma(S6aXi<ä)tr]f ,  prjtcäp'  os  eKXrjB-tj 
<pikop(s)fiaios.  yijßai  (^e  atos  Jifiotapu  ts  ÖvynXrjtiKa 
B-vyatepa,  avijpeSjj  vtz  avta  ajna  ttj  yafietrjy  bioti  av~ 
top  Kai6api    öießaXev' 

Eypaiie  Se  avaypa^tjp  BaßvXavos  Kai  t(av  ^aXadöo- 
ttpatrjaaptcäv  ev  ßißXiois  ß 

XpoviKa  ayvoi]jj.ata^   Kat 

TtEpi  £7tixeiprj,uat<av  ev  ßißXioii  1^ 

Ttepi  jiBiSsf  ß' 

nepi  tö  NeiXa 

Texvrjv  pijtoputrjv  Kai  stepa' 

©pittlerö  fämmtl.  Serfe.  Vlll.  S3b.  28 


454 


jam  cognita  fuerit,  parum  conllrmant,  tarn  rariis  aiit  fere 
imllus  est  illiiis  usus  t^pud  alios  antiquiores  lustoricos,  al- 
legatorum  copia  celebratissimos,  ut  parum  fidei  vel  lau- 
dis  ei  tributum  esse  videatur.  Praeter  opus  chronologi- 
cum,  descHptionem  Babylonis,  aliosque  libros  maxime 
rhetoricos  a  Suida  ei  tributos,  etiam  res  Syriacas  perse- 
cutus  esse  apud  AfVicanum  *)  perbibetur,  at  nee  Diodo- 
rus  Siculus, .  tantum  iion  ejus  aequalis,  nee  Strabo,  nee 
Pausanias,  nee  quis  alias  eorum ,  qui  inter  veteres  scrip- 
4;ores  multae  lectionis  copia  inclaruerunt,  vel  in  recen- 
sione  scriplorum,  ex  quibus  se  profccisse  fatentur,  vel  in 
ipso  opere  unquam  illius  meminerunt.  Quin  ipse  etiam 
Eusebius  maxime  in  eruditissimo  libro  de  Praepar.  Evan- 
gelica,  in  quo  tot  veterum  scriptorum  fragmenta  servavit, 
lantaque  litterarum  copia  se  jactitare  visus  est,  bunc 
snum  in  condendo  cbronico  gravissimum  auctorem  tarn 
memorabili  silentio  praeterivit,  ut  demum  post  ea  tem- 
pora,  quibus  Praepar.  Evangelica  scripta  est,  eum  de- 
texisse  videatur ,  si  modo  vera  est  opinio  Ilieron.  de 
Prato  de  aetate  Cbronici  Eusebiani,  vel  cogniiura  multo- 
que  usu  tractatum  haud  magni  aestimaverit. 

Quodsi  igitur  instituto  hoc  accuratiori  examine  certo 
statuendum  sit,  qua  valeat  auctoritate  Chronicon  Eusebia- 
num,  quis  ejus  sit  usus  vel  chronologicus  vel  historicus, 
qua  fide  singula  illius  loca  possint  allegari,  equidem  haud 
inficias  iverim,  multum  me  detrahere  laudi  illius  vulga- 
tae,^  nee  cui  reliquorum  doctissimi  Episcopi  operum  tarn 


*)  V.  locus  Africani  ap.  Euseb.  de  Prsep.  Evang.  L.  X,   c.  10. 
p.  480. 


^55 

parum  tribuere,  quam  ei ,  quod  primo  loco  volunt  nomi- 
nari.     Exstat    in  reliquis    omnibus   illius    operibus  infinita 
lectionis    yarietas ,    inaestimabilis  gravissimorum  fragmen- 
torum  copia,    a  qua    nunquam    nee   sacrae    nee  profanae 
antiquitatis  Studiosus  nisi  doctior   recedet,    at   quantillum 
est,    quod  ex  chronico    illius    ita  scimus,    ut  vel  aliunde 
plane    non    constet   vel    scire  proficiat.     Laterculos  chro- 
nologicos ,  nomina  regum  Assyriorum  ,  Aegyptiorum ,  Si- 
cyoniorum  annosque    iraperii    eorum  designantes,    si  quis 
tandem  solorum    nominum    annorumque  memoratorum  sit 
usus,  facile  nos  ipsi  aliunde  explemus,    fragmcnta   autem 
veterum  scriptorum,   Eusebiano  chronico  ita  propria,    ut 
in  eo  solo  sint  servata,  fere  nulla  esse,  primo  statim  in- 
tuitu  apparet,  et  paucissima  illa,  de  quibus  forte  aliunde 
non    constat,    non  modo  longe  absunt  ab  ea  laude,    qua 
inde    ab    Hieronymi    aetate    ingenti    omnium    eruditorum 
consensu  cumulabantur,  sed  et  cognitis  jam  Eusebii  mo- 
ribus,    quibus  in  condendo  hoc  chronico  usus  esse  vide- 
tur,    si    non  expressum  habent    auctoris    sui    nomen,    ex 
compilatore   quodam   recentiori,   quem    ad   manus  habuit 
Eusebius,  desumta  esse  haud  temere  conjiciuntur.     Equi- 
dem  magni  facio  ingenium  viri,  qui  primuS  vidisse  vide- 
tur,   quantum  juvet  vividiorem  tarn  historiae  quam  chro- 
nologiae  cognitionem,   si  eas  tabulas  propositas  habueris, 
in  quibus  singuli  anni  sunt  numerati,  universusque  saecu- 
lorum  ordo  ita    expansus  oculis  subjicitur,    ut  non  modo 
locus  sit  paratus   rebus   quibusdam   memorandis ,    sed    et 
animus    lectoris    lenta  quadam  cogitatione  per  eam  anno- 
rura    seriem     transire    cogatur,    quae   primo   intuitu    vix 
quidquam  praeter   numeros   et   nomina  quaedam  hos  nu- 
meros  regentia  offert,   ac  si  hie   fuit  apud  veteres  prae- 

28  * 


'j36 


cipuus  CKronici  Eusebiani  usus,  de  quo  tarnen  dubitare 
liceat,  si  bacc  praccipua  illius  laus,  nos  sane  non  habe- 
raus,  quod  in  evol^endo  hoc  Chronico,  magis  forma 
5ua  quam  rebus  in  eo  meqioratis  depraedicando ,  assidui 
simus,  ne  in  sumnios  nosirae  aetatis  yiros  ingrati  esse 
videamur. 


XIII. 


Entwurf  einer  »oUftditbigen  S^ifmit 
i>a  Äe^ereien*  1785. 


^iefcd  grögtticut  bc«  eilfteu  S^^cKö  ber  SSöIc^iWen  ^c^er^ 
9efd)ic^tc  wirb  bcm^ublifum  auc^  öIö  grogment  büc()jt  fct)d^? 
bar  fei)u,  bö  eö  für  ftc^  boc^  ein  ©ön^cö  ai\mwd)t,  unb  i>on 
bem  fecligen  fD^öiine  fo  öuegearbcitet  Jintcrlaffen  irurbe,  ba^ 
bic  gciro^nlic&cn  geiler  eincö  operis  posthurai  bei  bemfelben 
gar  n\ö)t  ju  furcbtcn  {inb.  SDie  fS^et^obe,  tiöct)  ivelcfecr  bcr 
fecligc  2ßalct)  blefe^  $lßer!  fc^rieb,  ijl  fo  mu5ct>oU,  ober  öucl) 
fo  Dffjic^crnb  bif^otifc^/  iuglcid)  fo  gelehrt  J?on(ldnbig  wnb 
boc^  ipicbcr  oft  fo  gludlic^  t>ereinfad)cnb  gcwefen,  bag  fclb(l 
flud)  nur  bie  ^rjaltung  clne^  gragmcntö  t?oii  gortfe^ung 
Vo^n  ttjicbtig  ijl.  ©ctrig  bcrrifft  baffclbe  ctncii  ©cgcnftaub, 
3u  bcjjcn  ^Torrerung  fa|l  nic^r  aU  fircben()lfiDvifc^e  ©ebwit 
erforbat  ttjurbe;  bas  fn?ig  ^leid;f5vmtgc  ttcr  ^icr  Dorfommf«* 
ben  Sl^or^eiten  unb  tk  ^uglcrc^  fo  fic^tbarcu  golgcn  ber  iia^ 


438 


tfirlic^en  ©c^ttjcre  M  großen  Äöufcn«,  t)on  ^olf  unb  @c{(!* 
licfefcit,  womit  Mefer,  ungead)tet  augenblicflid)  tDirfciiber  53er^ 
ön(!altungen  bcr  ^lonlge,  ivicber  in  3'rrt^umcr  unb  2Ilbcru# 
Jeitcn  ^urucf  fan!  —  t)ßranlafl*cn  in  jebem  gefublüoüen  Scfcr 
eine  ÜO^engc  t>ou  ^Sctrac^tungeu ,  vrelcl)c  er  öm  allenüenigfleii 
in  ber  ©efct){d)tc  ber  cferijllicfecii  ^ircl;e  mad;eu  moctjtc,  S^ält 
ixtti  irgenb  ctn?a6  bögcgcn  fc^^abloö,  fo  ifl  e^  bie  ^cmerfung 
ber  mannigfaltigen  SBenbungen,  womit  ber  5}?enf(^cnöcrftanb 
gewiflfer  geitaltcr  oft  t^k  n?iberfpred)cubjten  6d^e  in  einen  lo^ 
gifc^en  Juf'ittimcnjang  ^u  bringen  genjugt,  unb  manchmal  f&r 
einen  (©a^  ein  Du^enb  23ett?eife  ^u  crftnben  gelernt  ^at,  bercn 
un3  feiner,  tielleic^t  öuc^  um  feiner  @onberbar!eit  willen, 
t>orlduftg  eingefallen  wdre.  3c&  glaube,  wie  überhaupt  im 
©an^cn  bicfer  ©efc^ic&te,  fo  befonberö  aucö  Jier,  einen  auffaU 
lenben  Unterfd)ieb  ^wifc^en  £)rientalen  unb  £)ccibentalen  be# 
merft  su  H^m,  unb  t>k  ©efc()ic()te  ber  33ilber(Ircitig!eit  i(! 
gewig  ein  25eweiö,  vok  t>iel  tk  allgemeine  ^ird}en^iftorie  an 
pragmatifc()er  S3rauc{)barfeit  gewinnen  fonnte,  wenn  £)rient 
unb  £)ccibent,  unb  im  £)ccibent  wicberum  bie  terfcfciebenen 
^bnigreid&e,  öbgefonberter  i?on  einanber  betrachtet  würben. 
£)|fenbar  ijl  nid;t  nur  ber  ^iftorifc^e  gor^gang  ber  (Streitig* 
feit  im  Oxknt  tollig  Derfd;ieben  bon  bem  im  frdnfifdjen 
S^eicfee,  benn  ijre  ^erfaflfung  unb  i^re  dugere  Sage  gicngen 
ju  fejr  t)on  einanber  ab,  bag  nic^t  baburd),  entweber  bie 
SÄicfetung  ber  2!riebfebern ,  ober  wo5l  auc^  bie  lel^tern 
felbji,  Jdtten  berdnbert  werben  muflTen;  fonbcrn  fclb,- aud; 
bie  ?25eweiöart  M  Orientalen  unterfd)eibct  fid)  Don  ber  23e^ 
wei^art  beö  £)ccibentalen ,  unb  feiten  lagt  M  biefcö  biewei 
len  barau^  erfldren,  bag  jener  ein  ?9t&nd)  war,  unb  biefei 
ein  95tfd)of.  ^an  crfennt  in  jenem  ohu^liiU  ben  gciibrcrni 
fd)arffinnigeren©treiter,  man  ficbt  bcu(Jinflugbt;ö  langer  bauern 
ben<5treitö  auf  bie^aJlunb5J?anigfaltigfcit  berSöewciögrünbe 


^i59 


unb  ÖUC&  bie  grbgerc  ^[^eiliieimung ,  wdd)t  bei  bem  ^xiciu 
talm  öuö  bem  pdrfcrn  polit(fd)cn  ^ntereflfe  entfiaub,  gab  fcluer 
fdmti^axt  eine  letbenfcbnft liebe  9}Janiiigfa(tig!'cit,  uac^  ireld^er 
ber  ^'ccibcnrale  nid;t  einmal  geflrebt  ^u  ()aben  fdjcint. 

Ucbri(jen«  ivirb  felb|l  öitd)  ein  ^rotejlant  mit  W^m^ 
gnijgen  itfa^rne^men ,  bag  ftcb  ber  9?ifd)of  t>on  9lom  fa(!  bei 
jeber  gelehrten  X^eilneömung  an  einer  fofcfeen  ©treitigfeit,  in 
eine  «ad;t(>eilige  parallele  mir  ben  übrigen  r^eologifdjen  ©c^rift^ 
(teüern  fjefcl^t  ()abc.  igeine  2Iuffa^e  fi'ub  nid)t  uur  heftiger, 
fonberir  öud)  un(|ele()rtcr  al^  \^k  übrigen;  bie  ficine  ^olitif, 
n)eld)e  Qmhf)iüid)  in  benfclben  Jerrfcbt,  mad)t  gegen  bie  be* 
merftcn  geiler  unDerfü^nlid)cr,  unb  cö  faüt  oft  faft  inöSdd)er* 
liebe,  eben  ben  55ifd;of,  ber  fo  n^oH  3u  unterfc^eiben  trei'^, 
wie  er  ungefähr  nacb  €onftanrinopel  ober  nod)  ^adjtn  fd)rei<» 
ben  burfc,  in  Slnfuferung  ber  gemeinden  ^ibelgefd;id)ten  einen 
gef)ler  begeben  ^u  fe^en.  ©en^iß  i(!  bk  Urfacbe  Jiet^on  in 
ben  grogen  politifcben  Unruhen  ^u  fucben,  t)on  ivelc^en  Stölien 
hU  auf  ba^  t)6üige  ^-nbe  M  £ombarbifd)en  Wid)^  erfd)uttert 
tpurbe.  UBie  bö^^r  Stalin«  uber^'.aupt  unter  ber  SKegierung 
^arl^  bc§  ©rogen  weit  weniger  aufgefldrt  fet)n  fonnte,  al^ 
baß  übrige  fd;on  t)on  $ipin  beruhigte  frdu!ifd)e  ^cid),  fo  war 
aucb  biefer  er(!e  italidnifcj)e  SSifcbof  gewo^nlicb  ein  ^ann  tJpii 
geringern  ^enntniffen,  aU  bie  gelehrten  frdnfifcbeu  S5ifcbofe, 
unb  feine  politifc^e  ^'riften^,  b\t  ftd)  nod)  immer  5Wifc()e« 
©ried)en  unb  granfen  t^eilte,  aud)  wegen  ber  wec^fefnben 
^axtf)cim  in  9^om  felb(!,  fo  gefdWi*  aweibeutig,  bag  man 
Ieid)t  begreifen  fann,  warum  nie  ein  gelehrter  S^ann  auf  bm 
(gtu^l  fam. 

Unter  allen  SucFen,  wcld)c  in  bem  pragmatifcben  gufam* 
menbang  biefer  ®efd)icbte  üorlommen,  ifl  Feine  unangenehmer, 
Ol«  biejcnige,  wclcbe  bie  fpanifd;e  ^^ircfee  betrifft,  ©owofel 
in  ber  ©treitigfeit  beö  gelir  t>on  Urgel,  aU  bc«  (Slaubiud  üoii 


440 


Zmin,  ^at  bcr  feeligc  SBald)  rid;t{g  bcmcrft,  ira^  für  einen 
€influ§  bie  bortigc  53crbinbung  mit  ben  2Ircibcrn  auf  einzelne 
SiJicinungcn  unb  ©ebrduc^e  Qc\)abt  ^aben  möge,  ^-in  (SinfluB 
bicfer  2(rt  i(!  in  nnbern.  SIrtifeln  noc^  b'i^  inö  brci^c^ente 
S^J^tJunbert  mcrfbar,  ober  bei  bem  5i}?angcl  ^inrcic^cnbcr 
£^uellennac&ric^ten,  Unn  er  oft  mebr  entbedt  aU  Doüig  öuf* 
0efu(^t  ttjerben,  unb  noc&  iDcniger  tviflfcn  n?ir  3^^^  unb  Urfa? 
c^en  ber  legten  vöerd^nlicl)ung,  trie  eublid)  folc{)c  ^a&r^eiten, 
beren  crjte  Sr^altung  fo  gan^  loUl  voav ,  t)om  öUgenielnen 
©trome  be^  3rrt§umö  ^init>eggenommen  irorben. 

9}?an  crmartet  i;)ie(leid}t  in  ber  53orrebe  beö  legten  ^feeilö 
»Ott  einem  folc^en  SBerfe,  aU  bic  SBaIc^tfd)e  ^c^ergefd)id)te 
i^,  Cüö)  nocO  ein  fur^e^  Urt^eil,  irie  t>iel  hk  fird)cnbi(iorifd3e 
Literatur  burc^  baflfelbe  bieder  getronnen  f)abc,  unb  lüie  fte 
etwa  burc^  eine  fleine  nod)  bort^eif^afrerc  ^-inric^tung  bcffeU 
ben  unter  hcix  S^awbm  cincö  gortfe^erö  noc^  me^r  gewinnen 
fonnte,  Doc^  baö  £c(^tere  ju  fagen,  ^alte  id)  für  ubcrflufTig/ 
ttjeil  ein  gortfegcr,  bem  hierüber  ba€  Qluge  erft  gebjfnet  wcxf 
ben  mug,  wenig  innern  vSeruf  ^ur  gortfel^ung  Jaben  mag; 
öuc^  t^a6  geIebrte^roieftmad)en, .  irie  bieg  unb  jcneö  tcran* 
jtaltet  werben  follte,  meinem  ©cfu^I  nac&,  faum  aU  2Ibfd)iebö* 
rcbe  eineö  gelehrten  ©reifen  ertrdglid)  Hingt.  2Iber  ?Betrad;* 
tungen  über  ba^  ^rflere,  \vk  Diel  bic  Fircfeenbi(!orifd)e  2Sabr-' 
5eit  burc&  baö  SBald^ifdje  Söerf  gemonnen  Ijabe,  erregten  fd)ou 
oft  einen  ^Ißunfd)  in  mir,  mit  weld)em  id)  nja^rfdjeinlic^  bie 
^mpftnbung  eines  mandjen  anbern  2efer^  bejTelbcn  crrat^e« 
werbe.  Qhi  junger  ^amx,  bon  Ji(Iorifd)cm  ©inn  unb  'Bt\)\, 
foHte  un^  eine  ^ufammen^angenbe  t>oUrtdubigc  Q:x^ai)lm\Q  bef» 
fen  geben,  waö  2ßalc^  in  ber  ©cfd;ic^te  einzelner  jpauptftret^ 
ttgfeiten  tjeilweife  ^ufammcn  fatib,  tf^eilireife  i?orIegte,  im  ein* 
jelnen  bericl)tigte  unb,  nad)  feinem  ^lan,  obnc  eine  öügcmeine 
Quffldrenbc  ^erbinbung  gab.    2Ber  bie  ®efd)ic(?te  ber  mono* 


441 


pt)i)(ttifc^cn  ©trcitigfcitcn,  biefe«  Si}?ci)lcrjlucf  Im  g^Jn^en  5BaI* 
ci)i feigen  5töcrFc,  gclefen  ^at,  muß  not^itjcnbtg  öud)  bei  bem 
treueftcu  ©cbdcl;tnig  gefunbcn  Jabcn,  tnie  fe^r  i^m  bcr  Qan^t 
^nfammen^ang  tjerlorcu  giciifl,  trenn  er  iiä)  nic^t  eine  folc^e 
6fi33C  einer  ^ufammen&dngenbeu  ^"r^d^lung  felbjl  entwarf, 
\vk  niüf;fam  baö  2fuff(nben  einzelner  JSerid^rigungcn  würbe, 
wenn  man  jTc  nicl)t  in  bcr  entworfenen  ^'r^dblunig  an  ijren 
rechten  Drt  cingctracjen,  unb  wie  ml  dUmß,  b(o§  burc^  ^u^ 
fanimenorbnung  be^  t)om  feeligen  SBalc^  53erid?ti0ten,  nocft 
gefunben  werben  fann»  (Bcwi^,  ber  ganjc  Jerrlidje  ©ewinn 
ber  treuen  SIrbeit,  weld)e  SÖ3alcf)  geleijtet  Jar,  wirb  alebann 
in  53erglei{^ung  mit  ben  perf6nlicl;en  ^-r^d^Iungen,  crji 
Dollfornmen  \iä)  geigen,  unb  t)a  hk  Sucfen,  tk  er  noc^ 
laflfen  mugte,  alebann  jTcfctbarer  werben,  fo  i|!  auci)  für  tik 
funfticjeu  Sorfd;er  bcr  ©cgenjlanb  i^re^  gleißet  bcutlicfter 
au^ge^cic^ncr. 


XIV. 

Uebet  Uc  ^wUicitat  ttt  3Süd^et  M  ^emn 
^eftamentö,  in  Un  ixci  erften  2^W)un£)e^ 
tcn  l)er  cl)rijllicl)en  Äirc^e.  OnMmmaU 
it$  93erfaffer§,  über  eine,  »on  il)m  in  tn 
©ottingifcfjen  ©ocietdt  t)er  5[ötjfenfct;aft  t^e^ 
lefene,  2lt)^ant)(un9 -)  1786. 


3n  ber  53crfammlung  ber  foniglic^cn  ©ocictat  ber  2Bif« 
fcnfd)aftcn ,  trelc^e  ©onnöbenb  bcn  21.  3^«-  1786«  ge^alteu 
tcurbc,  ^iclt  ^rofejfor  ©pittlcr  eine  ^orlefung: 

Ueber  bie  ^Mkität   ber   a5uc()cr   beö   O^eucn   3:c|!a* 

tttent^   in  ben   brcr  erflen  3fl&tN"t>crten  ber   cferipli^ 

c^eti  ^Irc^e. 

Stiele  unter  biefem  öUgemelnen  ^uöbrucf  ,,^ubllcität  ber 

58ucfter  bed  9Zeuen   S^eftamentö"  ^ufammenflicj^cnbe  gragni 

(tnb  tt)o5l    bei   jcbcm  gorfc^er  unb  greunbc  ba-  dlrcren  cl)ri!l* 

liefen  ^irc^engcfi^icl^te  öuö  ©clcgen&eit  ti^  t^cologifcbeu  ^aö)* 


*)  Q(u3  ben  ©ötting.  ©ei.  2lnj.  1786,  6.  211. 


443 


laifc^  oon  Scffing  auf'^  9?cue  rege  geworben,  unb  Me  gan^e 
^Icbcr  gehörige  Uiiterfud)ui]g  \d)kn  noc^)  t>on  jener  -Hauptfrage 
genennt  iueröcn  3U  fonnen:  voa^  war  Die  SIntorftdt  tiefer 
33ud)er  in  ben  üerfct)iebenen  Verloben  ber  brei  crjlen  Sajr^ 
^unberte  ? 

95ei  ber  ^üi\vaf)l  unb  (Stellung  bcr  dieser  geborigen  pa* 
trirtifcl}en  ijrcerpte  fc^iencn  bcm  ^crfaffer  bie  gorberungen 
f)odo\i  billig,  t}a^  nie  baö  Streitige  burd)  t)a^  noc^  Streitigere 
beroiefen  werben  foUte,  ha^  man  alfo  nie  ©teilen  auö  3?gnfl= 
tiu^  unb  ^cl^farp'^  unb  voofjl  felbfi  aucfe  ^lemcn^  Briefe« 
braud^n  mügtc,  um  (Ireitige  gragen  über  ben  gujlanb  ber 
cferiftlid^en  Äird)e  S"  Einfang  beö  ^weiten  ^af)x^un<> 
bertö  Darauf  ^u  beöutrcorten ;  ha^  man  nicbt  nur  ölle  ©tel* 
Icn  abfonbern  foUtC/  welche  blog  ta^  2llte  ^cjlament  betreffen, 
ober  unbeftimmt  oon  beiligen  SSucJern  b^inbeln,  fonbern  auc(> 
bei  OJeneralifirung  bcjTcn,  waö  Don  ^ifiorifcfeen  ^^oti^eti 
burd)  bie  patri)nfd)en  (Jrccrpte  etwa  gewonnen  wirb,  ölle  bie 
SSorficfet  gebrauchen,  welc&c  bei  2)arj!ellung  eineö  allgemein 
ncn  ^uff'Jnbeö  au6  ein  paar  intiöibuellen  Dloti^en  in  je* 
bcm  anbern  gall  empfohlen  wirb,  ^mav  fd)eint  bieburc^  ber 
SKcidjtfeum  beS  S'rwiefenen  unb  ^rweiöbaren  gar  fe^r  termin^ 
bcrt  ^u  werben,  aber  tieüeictt  jTnb  auc^  überhaupt  folc^e  )ßap 
tri(!ifc{)e  ^rcerptc  nicfet  bai  einzige  Wüul  um  ^ur  ^enntnig 
ber  bieder  gehörigen  biff«>rifd)en  5Ba[)rfd)einlid)Feiten  su  gcs? 
langen;  benn  über  bifforifd)e  SlBahrfd)einlid)feit  binau^  follte 
baejenige  nie  erhoben  werben,  voa^  feiner  Olatur  nac^  unb 
nac^  ber  ganzen  S3efc^a|fenbeit  ber  un^  übrig  gebliebenen  Ur^ 
funben  nie  biö  ^ur  ©cwi0beit  gebracht  werben  !ann.  ©erabe 
ober  fijr  fold)e  SBabrfcfeeinlic&feiten,  betreffenb  hk  q)ublicitat 
ber  25üd)er  be^  Dienen  3!ej!amentö  in  jenen  erflen  Reiten,  fc()cint 
£0?and;eö  gewonnen  werben  gu  fbnnen,  wenn  man  fo  forgfal^ 
tiQ  M  mbglid;   baö  gan^c  *;8ilb  beö  3uftö»beö   jener  crjlc« 


444 


©cmcincn  «nb  ^ird;en  entnjtrft,  «nb  crjr  aU  U^te  %xct$t 
bei  blefcr  ©cbtlbcrung  öufgicbr :  ivcicfce  SScfctjajfcn^eit  ^attc  c6 
mit  ber  ^ublkitat  bcr  Süd;ier  bc^  ükucn  S^cfranuntö  ? 

Sin  fold>c^  5ötlb  ju  cnt\rerfcu,  ijt  gen)i§  bcv  bcfanntc  ^rief 
bcß  ^linluö  (X.  97)  mt  bcr  braud)bar(^en  Urfunben,  bereu 
Slutjentic  nicbt  bezweifelt  njcrbeu  fann,  «nb  bie  eben  fo  mnig 
einer  Snterpolation  ober  Korruption  befcfeulbigt  werben  wirb. 
S)iefe9ic(ation  be^  ©out>erneur^  einer  fleinafiatifc^en  ^roi>in5, 
bem  tit  ©acbe  bcr  dbrijten  unb  befonber^  tk  95efcböffen^cit  ibrer 
3ufammenfuufte  eine  rechte  STngelegen^cit  Wör,  entbölt  cudi) 
nic^t  (iiihi  ber  gcwübnlicf)ea  Unricbtigfeiten,  ton  welchen  fon(! 
bic*nic^td;)riftlic6en  9^acbrtcl)tcn  biefer  geit  ni(^t  vocn'iQ  entftellt 
jtnb*  Q.t  fiebt  bie  (5f;v{(ten  gar  nid)t  blog  aU  eine  jübifctie 
©eftc  ön,  er  burbet  i^nen  nicfctö  23ogeö  auf,  er  fcl()ilbert  ben 
Ö^Jn^en  guflaub  genau  fo,  wie  wir  benfelben  öuö  ^ufammcno 
(leüung  ber  übrigen  fici)erf!en  "O^acbric^ten  unb  flu6  ber  2Inö* 
logiß  anberer,  unter  bem  Drucf  öümdjltg  fidi)  Jebenber,  reli* 
gibfer  ©efellfcbaften  t>ermut6en  muffen,  geben!t  ober  mit  fei* 
«cm  Sßort  einiger  ^eiligen  S5ucf)cr,  bie  in  ben  ^erfammlungen 
Dorgelefen  worben  fetten ,  ober  tk  if)m  fonft  hei  feiner  Unter/ 
fud)ung  aU  j";)aupta!tcnftucfe  i?orge!ommen  waren,  benn  fc^wer^ 
lic^  Ware  eö  i)kv  ridjtlg,  unter  benSBorten:  „carmen  Chnsto 
quasi  Deo  seciim  invicera  dicunt,"  5ßorlefung  ber  Ccbriftcn 
be6  5fleucn  2e(!amentö  terfleben  gu  wollen,  ©eine  Unter.- 
fuc()ung  fcbeint  offenbar  über  gan^  S5it&))nien  gegangen  ^u 
fei)n,  unb  bie  ^roDin^  war  Doli  J?eibcnd)riftcn.  5ibgcfaUciic 
unb  ftanb^afte,  maun(id)en  unb  wciblicben  ©cfcblecbtö  würben 
fccrjbrt,  unb  wenigftenö  einige  fclbfl  unter  ber  golter  befragr. 
€^  war  fd;Dn  bret  unb  brci^ig  ^a^xc  nad)  bem  ^oDc  bcr 
Slpoftel  ^eter  unb  ^auluö,  alfo  nngcfdbr  in  ber  cr(!cn  ©cnc* 
ration  nac^  ber  apofrolifdKn  «pcriobe,  t)a  biefc  Unrerfud^iuig 
angeilcllt  würbe,  unb  boci)  fd;ciucn  ^k  bciligcn  (Schriften  ber 


€6ri(Iea  xiod)  nid^t  i>tn  ©rat)  t>on  ^ubltcitat  gehabt  311  Hhm, 
t>tx  (ic  für  bcn  m\ux{ad)c\\tni  uub  ffincm  2IuguftuÖ  rcferir^u* 

Da  mx  \o  tas  tx\ic  S>ariim  atiQc^cUn  ^aUn,  i)on  trcU 
<i?fm  Die  iÖJdnuög  bc^  ^^crfojfcr^  öu^ge^t,  fo  cr^cUt  Jtcrau« 
t>oa  f<lb|l,  nacö  n?cld;cm  ©i'fid?t6iMm!tc  bie  ©teilen  au^  3u^ 
ftinu«  ^Oiart^r,  3renau^,  2crtuHiafi  uub  anbcre, 
bi^  auf  £*ri5Ciic^  ^ia  c)tDrbnn  TOOrbcn  jljib,  unb  wa$  t)OU 
c>cu  iöcrfioücn  öIö  ^^^wcifeit  ber  frü^ejl^u  ^ubllcttdt  öngc? 
(u^rt  ttJtrb^  fdjicti  bicfcm  2111cm,  nadi)  genauerer  Prüfung, 
Unierfc^eibung  ber  3^^^^«  «nb  ber  '^roöiujen,  tnö)t  3U  triber* 
fprcc^eu,  Die  gaa^e  5lbjanblung  fc^Iog  fic^  ttiU  inejrcrea 
^mc^tigungeu  t3cr  bctannte«  Q5c\^ld:)U  bcr  ^rabitoren  unD 
mtt  b€r  Q5cnKrfung,  t)ag  für  bt«  Sntegritat  unferer  neutejlajs 
«leiitlicfcen  tSu4)€r,  foferu  befouber^  t?ott  m^dnm  <Stucfett 
uub  ©teile«  bte  Stiebe  ijl,  ntc^tö  $üffnmig6boÜ<;rc^  ö<^3^^9^ 
ttjerbeu  f5iiuc,  al^  jener  ?i}?angel  ö^°S^^  ^übltcltat  t«  ber 
itiim  u«b  3um  ^tjetl  nocfc  tu  {)er  jwdten  ©eueratjou  «ac^ 
fcea  3ft^^w  ^^r  5IpoiteL 


XV. 

Seutfc{}en  fatl)0(tfc()en  ^ircl;e  im  ^cxljalu 


^g  fcl)c{nt  ein  9lat§fcl  ju  fcijn,  tvenigjtenö  tt?arc  cö  be^^ 
ieibigeub,  fein  SKdt^cl  hierin  finbcn  ^u  wollen,  böß  wir  Itcbcu 
fleifftgen  I5cutfcl)en  bcn  wid}ti3ftcn  gunbamcntaU^Scrtrög  mii 
bcm  ^Kbrnifc^kin  ^ab(te,  ber  nac&  vielfältigen  Dlcgociationen 
auf  fciev[icl;cn  53erfartimlungen  beö  Sleid}^  Dor  540  Sauren 
öefd)Io(T"cn  irotbcn,  glucfltd;mii)eifc  517  S^^rc  lang  üergeji'cn 
fonnten.  Sßtr  6aben  517  Sa^re  lang  SKomifc^e  Sajlen  ge^ 
tragen,  wir  f)abn\  getragen  unb  gcbulbet,  unter  mandjent 
iDiurren  gebulbet,  dn  Zt}ül  ber  Ungebulbigen  Jat  eine  dttif 
p5rung  gewagt,  boc^  wu^te  feiner  ber  (Sele^rten  unb  feiner 
ber  ©taat6?D!)idnner,  worüber  man  ^uerfl  \)äm  f lagen  foUen; 
wir  fannten  unfer  cingejtanbene^  9^ed)t  nicfet,  ber^rdnj* 
ftein,  ber  Dor  517  S^^ren  fo  feierlid)  gelegt  worbeH,  war  t>er^ 
ttiooöt  unb  Derfunfen,  unb  wenn  e^  nun  ^um  3!erritorial?Äriegc 
fam,  fo  glaubten  wir  wo^l  noc^  ctwaö  rec&t  fubncö  getban 
^u  Jaben,  wenn  wir  cnblic^  fogar  bi6  ön  ben  ^lag  üorrucf^ 
Un,  ben  wir  aU  ölte  gcfe^mdgigc  ©rdnsfctjcibung  Idngf!  b^t* 
tcn  fenncn  follcn. 

«Ißaö  hie  folgfamere,  gebulbigcre  q)artbie  nic^t  fanb,  weil 
fie  ftd)  mMd)t  fclbjl  fürchtete,  ctwaö  3U  fi'nben,  ta^  bitten 


*)  QlusJ  ?Weirter^  unb  ©pittler*^  ©öttitig.  bif^or.  «Olaga^in. 

33aub  I.   ©.   347   —   381  unb  ©.  474  —  499. 


447 

bo*  bic  Slcbcllcn  öuffinbcn  foUcii.  ^r^ftiftifcfee  unb  fttftifc^e 
Slrcfciöe  fmb  öuc^  tr;iKn  3U  Z1)dl  worben;  ber  guföU,  bcr 
bcm  mcnfcl)(id)cn  ^Öcrftanbe  fo  oft  ^u  (5-^rcu  Jllfr,  mücl)te  boc^ 
aud)  einmal  in  516  3<i&r^"  feinen  ^.atm  gcfunben  ^aben. 
X>ic  (Bc\d)iäi)U  i(l  fa(I  uncjlaublid);  ira^  ölleö  i(I  uidjt  t)on 
Urfunben  unb  2röbition6*23riefcn,  lüt  Deutfd)en  ^i;d)cn? 
föefd)ic^tc  gc()orig,  in  ber  eificn  Jpdiftc  unferö  Sö^rjunbertö 
cntbecft  unb  gcbrucft  worben;  ta^  Wonflc,  n)id;tig(lc  ^ocu? 
nicnt  blieb  uncntbcdft  liegen. 

^aum  i)or  23  Sauren  göb  ^orir  bem  publicum  bieg 
Document  3uer(I  i)olI|Tdnbig,  bic  ^önonipeu  legten  mxmu^v 
neuen  ©runb,  neue  C^ommentationen  iiber  greijeit  ber  Deut* 
fd)en  ^ir4)e  erfolgten,  unb  jüngjl  etjl  nod)  f)at  ein  eben  fo 
fd)arffinnigcr  aU  gelehrter  unb  bcfc^eibenev  gorfcfeer  *)  alle 
gvoge  golgen  jum  erjlenmal  bollftdhbig  entiuicfelt ,  tk,  felbfl 
no4)  nac^  23  Jahren  biö^er  nur  ^alb  ira^rgenommcn,  au^ 
jener  crfl  gebaci)ten  d'ntbecfung  beö  mut^üoUeu  ^orix*  flogen. 
Sd)  f^ahc  mit  einer  9iufic,  tik  blog  2öirfung  oft  irieber^olrer 
faltblutiger  Uebcrlegungen  fevjn  fann,  mit  einer  Unpartjeilid)? 
feit,  beren  Jier  bieUcic^t  ein  ^rotejlant  leid)ter  aU  du  ^at^oli! 
fd^ig  fei;n  mag,  unb  mit  5Iuffud)ung  öUer  nur  mbglic^en 
©rünbe,  tt)elci)e  für  biefe  groge  (I'ntbecfung  gebraud)t  trorben 
finb,  bieg  ganje  neueSunbament  unfereö  aufgeFIdrtcren  Deutfc^^ 
!atöolifcl)ert  ^irc^enrec^tö  tüieberfioltefl  unb  forgfdltigft  unteres 
fuc^t^  unb  —  offenherzig  geflanben,  e^  fcfeien  mir  nac^  jeber 
neuen  Unterfud;ung  nie  uni?erbdcl)tig  feft  unb  fi'c^er  ^u  liegen. 
5BeiI  gegenttjdrtig  hu  3eit  i(l,  bag  aufgerdume  «jerben  foff, 
toiil  noc6  jüngll  crfl  unfere  Deutfc&e  Primaten  in  bcm  grei^ 


*)  J.  P.  Gvegel  de  jiiribns  nationi  Germanicae  ex  acceptatione 
«fecretoriim  Basileensium  quaesitis,  per  Concordata  Aschaffen- 
burgensia  modificatis  aut  siabiUtis.     Moguut.  1787.  4. 


448 


Jcif Ö  ^  ^ntwurftv  bcr  öuf  bem  ^mfer  (^ongreflc  ßcmacfet  würbe, 
öuf  ienc  ^ntbecfung  aH  ©runb*Q3eftimmun9  miferer  53er^dlf^ 
ttiffe  sum  9iomifd)eu  (Stu^l  mit  S)cutfct)er  2'(cblicl)Feit  i)U]wic* 
fm,  fo  fd)li'u  mir  nun  aud)  jcbe  ^Öernnlaffung  einer  neuen 
Hcfcr  ge^enbcn  Unterfud[)uu9  \)hd)^  jwecfmdgig  ;  n^ir  niü|Tcn 
cmmal  mit  bcm  ?9?anne  ju  §Kom  in^  Älare  fommen;  in  bie 
neue  9lec6nung,  bie  nun  angefangen  n?crben  foU,  füll  fein 
^albQcmffc^  Datum  ftc^  einfd)leid)en ;  «jir  trcrben  am  (5nbe 
immer  gctt)innen,  je  Mr^er  unb  !(arer  bie  neue  3^ed)nung  ift, 

Dod^  n?ir  fpred;cn  wo1)i  fclbjl  för  unfere  3^^^^^"  ^^^ 
immer  gu  t?icl  t>on  neuem  großen  ©cnjinn»  SBenn  ^i|torifd;e 
Sfnalogic  mehrerer  S^fjr&unberte  gilt,  fo  mochte  man  unfern 
ttiut^boöften  55epuvmern  ber  SK5mifd)en  C^urie  fa|l  gen^iß  pro;= 
jj^e^ei^en,  ffe  irerben  noc^  einmal  felbj!  unter  «piuö  VI.  Don 
beitSEomern  irre  gefij^rt  trerben;  cielleic^t  i(l  M$  neue  ©ängel- 
banb  fc^on  in  grci)f{ngen  unb  ©peier  angefnupft;  bcr  @d)ne* 
(feni(5)ang,  tt)Dburd)  ber  Deutfc^c  i?pn  jc^er  ^u  ^aljrjeit  unb 
SÄecftt  Utix,  \{t  noc^  lüdot  an  feinem  ^hU, 


Ser  SR5mif4)e  ^abjl  ^atte  un^  fc^on  Sajrjunberte  lang 
ttiigbrauc!}t,  unfere  Deutfd)e  ^irc^en  ^  ^n'v""^^"  ^^^J^^"  ^^^ 
ISeutc  feiner  (Surialijlen  geirorben,  unfcr  gansca5(ird)en*SKed)t 
ein  ©piel  fcinee  ©ct^^ea,  feinet  iJefpotiemuö,  feiner  S3eburf? 
nijTe  unb  feiner  Faunen,  am  alte  grei&eit5^5?er!ommen  war 
Sernic&tet,  ba^  Ur^^Kc^t  unfercr  S)eutfc^cn  Äirc^cn  *  ^ßcrfaf^ 
fung,  wie  fie  ftd)  auf  fcierlid)c  Vertrage  grünbetc/ bie  el)ebem 
ber  ^abjl  fclb(l  bem  ^aifcr  abbvdngen  ^alf,  fd}icn  t^oUig  auf* 
gehoben,  ba  wir  cnblid)  bcn  3.  WUi  1417.  unter  Umllanben,  bie 
bcr  «Ißieber^erftellung  unfere  alten  Sfled;t^  nid)t  gaki5  ungün# 
jlt3   fd)tene«,   auf  fünf  Sa^re  lang   einen  feierlid;cn  ©rdui* 


¥i9 


tröctat  *)  mit  bem  unbilligen  S^cvnx  flogen,  baj;  n?ir  boc^ 
rnntAftcnö  fünf  3a()ic  long  njiflTcn  mod;tcn,  ob  unb  itaö  för 
ein  ^■i9cnt()um  t>on  9^ed)tcn,  ob  unb  tvaö  für  ein  ^d)ui^  ge^ 

1  gen  uncrfd)opflid)   finnrcid)e  neue   gtnan^*  fünfte   unb   neue 

i  ©elb^Sarcn  unö  gcftd)ert  fei^n  foUtc. 

5[Bir  liefen  unö  fünf  3a^re  lang  eine  ölte  53crorbnung 
^abft  ^eucbicr(?  XII.  Don  1535  gefallen  ''"O/  fo  fe&v  eö  öuc^ 
bcr  ^a5I*Si'ct{)eit  unferer  ©riftcr,  ben  n?id)tig|len  Siechten 
unferer  S3ifd)ofc  unb  felbft  nud)  ben  enriefcnflen  Siechten  i'u 
«er  5}Zcngc  einzelner  ^Viüöt  ?  ^crfonen  gerabe  entgegen  war, 
bflj^  bem  ^\]b|le  5ur  ^cfct^ung  ölle  2)curfd)e  ^ird)en  *  (gtcllcn 
iju^eimfallcn  feilten,  bie  buvd)  ben  lo'o  9\ümifd}er  J';>ofbiener 
üöcant  trürben ,  ober  bereu  S3efil^cr  auf  einer  SfJeife  wad)  bem 
pdbfrlicl^en  ^^oflagcr,  it>ol;in  bamalö,  n^eil  e^  un^  ndber  in 
mtignon  log,  bee  SBanbernö  fein  C^'nbe  irar,  in  einer  ^nt* 
fevnung  ^iveier  2!agreifen  i^on  benifclben  ftcrben  irürben.  5[Bir 
.glaubten  nod)  fd;Iau  genug  für  unfere  Siedete  gcforgt  ^u  ba< 
-bcii,  ba^  voiv  in  biefer  33erDrbnung,  el;e  vrir  fie  ^u  einem 
3!^cil  unferö  3nterim?53ertragö  mit  bem  unbilligen  ?0(annc 
mad)ten,^arit[)metifd)  genau  beflimmen  liefen,  n?eld}e  unb  mc 
mU  9iümifd)c  ipofbicner  bei  unferer  9]ad)giebigfc-it  gemeint 
feen,  benn  fein  fleiner  Deutfc^ergürften^of  {;at  je  nod)  fo 
t>ielc  JÜtel  t>erfauft,  fo  t)ielc  ^itel  finnreic^  erfunben,  aU  bcr 
SKbmifcbc   5Sifcfeof  5?of?  unb  ^anaki  ^  Slitel  «uöt^eiltc  ="=^"'"), 


■  )  Concörd.  ^  Constaiuieiisia.  Du  Mont  Corps  diplom.  T.  II. 
pag.  108  —  114. 
**)  ®ie  (5:7tMt>aqante  Ad  regimen,  —  fo  l)ei§t  bic^e  SSerorbnung.  ^. 
95cnebictö  xii.,  —  ijl  fcwol)l  ben  (iof^nit^er  ^cncorbaten  aU  bem 
5lf(1mffenbur(ier  9luffa(5C  njijrtlid)  eingerückt.  5)er  (JxtraDaciante 
Execrabiiis  l)fltte  matt  ber  ivürje  l)alber  t)ier  nic^t  notljig  ju 
gebenden. 

')  93ci  93ergkicbuug  ber  ©xtrawagantc  Ad  regimen,  vok  \ic  tm 
Corp.  jur.  Canon,  frebt,    mit  ben  9)ii^bi|Tfcot{cnen,  bie  yk  bei 

epittlerö  fammtl.  SBerfe  'vm.  58b.  29 


450 

Äuf  ©portcfn  unb  Hoffnung  t>on  %iiCüif(§Mf)x  neue  uuhtf 
folbere  Diener  onna^m.  Ußcim  jebcr  für  feiucu  I5icncr  Wtte 
gelten  füllen,  bcm  er  9efud)t  ober  ungefuc^t  bamali  einen 
fifidtH'  ober  ^pofbiener^.'Sttel  gab,  ^ulel^t  Uuc  er  enblld> 
ein*  für  aßemal  (iuc&  bie  2)eutfc6en  SSifd;t>fe  mit  einem  Zu 


bcr  (5mrüc!ung  in  bie  ^oftui^er'd'on'corbate  «nb  in  benQIfc^af« 
fenhu'ijer  5tuffa<j  etljklt,  id^tn  fiU  fi'mf  njirf)ti3e  2Serfcf)ieben* 
Reiten; 

1)  5«  ö^^  P^^i^^.  93erorbu«ng,  wie  fTe  int  Corp.  jur.  Canon.  ftpl)t, 
finben  fic^  Mofj  bie  Flamen  ber  9?ömifd)en  ^of-  unb  Qan^leU 
©iencr,  beten  ^ob  für  ben  ^abjl  fo  üortl}eiU}aft  fei)u  foftte;  in 
unfern  ^oncorbaten  finb  bcch  3aI)Ien  [)injiiciefe^t,  t([{i  m\m 
ber^abjl  5.(5.  fiinftiglnn  mel)rere  al^  25  Ütbbreöintoren  mnri^tc, 
fo  galt  Dom  26|len  nnb  27ilen  nic^t  niel)v,  Jua^  inQ(nfe^ung  ber 
25  erfien  »erfprodu'n  irorben.  25nntit  war  nun  frf)on  iM'el  cii'» 
TOonnen,  wenn  anber^  bie  :5)eutfc{)en  immer  einen  guten  pabfi« 
Iic!)en  ^of  *  ^alenber  Initten. 

3)  3m  Corp.  jut.  CaiiOD.  l)ci{^t  e^  b(o(5  Commensaluim  nostro- 
rumj  in  ben  S)eutfcl)en  6'cncovbaten  verorum  commensalium  110- 

Btrorum.  ^an  mu^  Urfad)e  ^cljciU  I)aDen,  bie'waljren  (5om* 
menfale^  bei?  ^a&iB  ju  unterfrf)eiben. 

3)  95et  bem  ^Tarnen  ber  Ofjücialen  M  9?cmifcf)en  ©fuMö  wirb 
in  unfern  (Joncorbaten  au^brücflid).  I)in3ugcfei}t:  quamdiu  ipsa 
Ofticia  actualiter  tenebimt.  5ßie  Diele  .sperren  batten  ftd)  fcnfl 
«ud)  unter  biefem  Flamen  eingefd)Iid)en. 

4)  2)er  ^ame  ber  Oluncien,  ber  jweimal  in  ber  SBuUe  »orfommt, 
wie  wir  fic  im  Corp.  jur.  Canon.  I)aben,  ift  äi^^ini^^l  vertilgt 
worben  in  ben  €oncorbaten.  S33ie  lieb  mU  biefer  ^amt  von 
je^er  war! 

5)  3ttl  Corp.  jur.  Canon.  I)eii5t  eö  nee  non  ctiam,  quae  per  as- 
secuiionem  pacificam  quorumcunque  prioraiuum^  dignitatuni, 
personauium  u.  f.  w.  3»  ben  6o|lni^er  (Joncorbaten  fcl}lt 
ha^  m<i)ti%t  unterfrric^enc  QSort;  aud)  ta^  war  neuer  gerettc« 
ter  ©ewinn  für  un^,  aber  in  ben  2lfd)affenburger  Sluffan  fam 
bflö  wid}tige  SBort  5um  S3ort^eiIe  be^  ^abfle^  wieber  hinein; 
b^r  Äimmel  wei^  wie? 


461 


u\  beejrf,  er  iatu  pc  öefammt  mit  VüiÜQÜd^cx  (3naU  5u  3u^ 
fii^f  jan^  (^tat^ffRat^cn  gemacht. 

aölr  überliegcn  i^m  noc^  ai\]fcv  tiefem  öuf  fünf  Sajre 
laug  t)k  ^efd^ung  ber  i?d(fte  uuferer  Deurfd;en  ^irc^cnpfruu* 
ben  ^0/  "»^  wavcix  noc^  fro^,  nic^t  ^ur  5lufopferung  t)on 
SWßiDritt^cileu  ge^trungcu  ^u  rrcvbcn,  unb  waren  no4)  froj, 
ble  grogen  £5igniratcn,  bie  ficf)  in  ben  ^om?^ird)en  nad)  ber 
bifc^Dflid;en  ^IBurbc  finbcn,  ucbjl  ben  crjlen  ©teilen  in  t>m 
(^ollegiat*^ird)cn  allein  noc^  für  unö  gerettet  su  böben,  ba§ 
n?enig|lenö  bei  bcn  iric(}tig(!cn  ©teilen  alteö  ^irc{)en?SKccfet 
gefiebert  blieb. 

SBir  übcriiegen  Um  fünf  Saläre  lang  t)k  ^Seftatigung 
unferer  S3ifd;5fe,  nur  bag  er  unö  bie  SLQafel  unfercr  $Sifd)ofe 
Düllig  frei  lieg,  unb  bicfe  SBab^grei^eit  wollte  ber  ^ab^  nie 
frdnfcn,  alö  wenn  augenfd)cii?lic^ß  unb  gegrunbetc  Urfad)en 
i^n  ^wdngen,  bie  ^efidtigung  ab^ufd^fageti,  tia6  33iötl;um  einem 
wurbigeren  3U  geben.  SBir  terfprac^en  bie  2lnnaten?^ave, 
wie  fie  in  ben  pdbfilict)en  (Kammer  ?  9xegi(Iern  frel;e,  innerhalb 
biefcr  fünf  3abrc  richtig  ju  be^aftlen,  obfd)on  Üliemanb  ein 
öutbentifd)e^  (Eremplar  biefer  pdb|llid)en  Kammer  ^  9?egi|Ier 
gcfe^en  ^atte,  unb  wir  waren  frob,  bag  ber  ^a\>^  nbr^igen? 
fallö,  vocim  eine  ^ircbc  ^u  60*  angefd)lagen  fe^,  SRetavation 
terfprac^,  bie  Söe^a^lung  ber  Slnnaten  jebe^mal  in  ^weiidbriä» 
gen  gielern  annebmen  wollte,  unb  ölle  SSeneficien  ber  Deut^ 
fc^en  ^ircfee  freifprac^,  bie  nac^  eben  berfelben  Kammer* S^are 
gefdjd^t  Dier  unb  ^wan^ig  ®olb*(SJuIben  nid)t  überfliegen. 
5Bir  nabmen  wegen  funftiger  iD^dgigung  ber  ©elbcrpreffungen 
burd)  5lblag  allgemeine  53erfpred)ungen  an,  obfcbon  fünftigbin 
ben  9^bm«n   man6)t  ©elberpreffung    «oc&    mdgig   fc^einen 


*)  Diguitatiini,  Personamum,  Officionim  ee  Bcneficiorum, 

29  * 


452 


mochte,  tk  unö  ittimagig  fd)eincn  mu0tc,  unb  wir  waren 
mit  bcr  53erfid)crun(j  aufrieben,  bag  t\id)i^  md)  fRom  gebogen 
werben  foUtc,  voa^  i\id)t  fRcd)t  unb  92ötur  wegen  üor  ten 
geiftltd^cn  SKIci;ter  gcljore,  ob  man  wo^I  felbj!  bei  (gd^Iic^ung 
bcö  ^Scrtrageö  wu^te,  weld;c  V)erfd)icbene  SSegrijfe  Died;t  unb 
97atur  betreffcnb  ber  2)cutfd;e  iaf^c,  m\d)t  anbere  ^Begriffe 
bei:  9l5mer. 

1422.  5.  ^ai  f)am  biefer  Snterim^  ?  53ergfctd)  3U  ^nbe 
fci;u  foüen,  benn  nur  auf  fünf  Sai)vc  war  er  gefc^jlofjen,  unb 
nad)  53erPug  biefer  fünf  S^Jrc,  wenn  nidjt  neue  5SergIeid)c 
eintreten,  wenn  nid)t  unterbcg  neue  ©runb?(5*inrid)tungen  ber 
S)eutfd;en  ^ird}e  etwa  auf  einem  allgemeinen  (Soncilium  gc* 
mad)t  werben  würben,  folltc  ictc  ^i\d)c  unb  jcbc  ^^erfcn  un? 
geachtet  aller  gegenwartigen  ober  jPünftigen  53crorbnuugcn  bct^ 
^ab(!e^  bic  frcieile  Gewalt  ^aben,  ölle  i^rc  ^cd^tc  ^u  braud;cii, 

X)a^  Sa^r  1422  rcrflog  unb  D^iemanb  t)cid)tc  an  t)ic 
greiDeitös^Inufel,  bte  im  leisten  «Bertrage  ftunb,  unb  t>k  bcr 
fc^onpe  ^>unct  beö  Iet^tgefd;loffcncn  53ertrageö  war.  25ie  <Er 
Hoben  ^u  $ai)ia  unb  ju  ©ien«  f)ättm  immer?)in  mißliujicn 
mögen,  bic  (gi;nobc  ^u  ^afel  f;atte  aufgefd)oben  werben  mb* 
gen,  wir  waren  rcdjtmdßig  frei,  noc^  cl;e  bic  @v"obc  ^u  ^a* 
m  anfteng,  unb  beliberirten  bod;  er(l  nod)  fieben^ef)cn  Sal}rc 
lang  nad)  bcr  ©v"o^c  S«  ^ai^ia,  wie  wir  e^  mit  bem  grci^ 
werben  anfangen  foÜten.  5ißem  ftel  benn  fclbjl  aud)  ^u  ^a? 
fei  ein,  wem  auf  bcn  nadjfolgcnbcn  großen  (5oni>enten  beö 
fRdd)^,  t>a^  e^  feiner  weiteren  Srei^eitöj^-rflarung  bcburfe, 
ha^  ber  ^abjl  felbjl  auf  alleö  Idngjl  SScrjiidjt  gctban  &abc, 
H^  bic  ©ultigfeit  feineö  freiwilligen  53cr^id;te«  ntcbt  bezweifelt 
werben  fonne,  weil  biefer  SSer^ic^t  burc^  fünfjährige  freiwillig 
übernommene  ^efd)wcrben  erhalten  werben,  unb  ber  ^>abft 
felbft  nid;t  einmal  !leinc  ^ort^cilc  ungefd)mdlert  lieg,  burct 
bic  er  bie  Ueberna^me  biefer   fünfjabrigcn  Saft  unb  bic  einfi 


455 


ivciligc  GJutmutJigfctt   bcr  I)cutfd[?cn  t>od)  nocfe  verfügen  ju 
trollen  fd)int. 

l:aß  crfte  ©runb  ^  (3efe§  ber  iJeutfc^en  ^irc^e,  ba«  crfte 
Sxcgulatiü,  bdö  im  Flamen  ber  90113011  9^ötion  mit  bem  ^pabjle 
getroffen  tvorbcn,  warb  üergejfen,  unb  eö  gtcng  voo\)l  gleich 
Jier,  ttjic  eö  n(Jc{)6er  in  !;unbert  d6nlid)en  gdllen  mit  bem 
publicij!ifd;en  ?ßergejfen  ^ugieng.  Sie  UrFunbe  be^  gcfdjlof« 
fcncn  ^ertragcö  iD^rb  inö  5Ird)tt>  hinterlegt,  mancher  [parte 
\vot)i  feine  ^irolf  ^ourcr  ©rofdjen,  nm  fi'd)  eine  öut^entifc^e 
^opk  beflfelben  ju  öerfdjajfcn»  5püd)(!enö  ttjurben  i^ie  unb  ha 
bie  irid)tigflen  pr(j!tifd;en  fünfte  ercerpirt,  ben  gönnen  ?3er^ 
trag  laö  9]iemanb,  bie  fd)un|ten  SIrtifel  beffelben  blieben  wie 
begraben  unter  bem  (^an^tei  ^  @til  ") ;  noc^  t)or  ^ur^em  ijt 
mandjer  Sanbtag5^Qfbfd)leb,  mad)c6  Sanbeö^©efe^,  mand)ev 
vricttigc  ©taat^*  Vertrag  fo  fun(It)ott  abgefagt  worben,  ali 
üb  e^  barauf  angelegt  wdre,  bag  !y?iemanb  hm  Sn^alt  beflfeU 
ben  hc^almi  follte.  Unb  trenn  etwa  aud)  ik  unb  ba  ein 
ftiller  frieblid)er  Wlaim  ba«  gan^e  2lcten  =* ©tücf  laß,  ber  be^ 
Jielt'ö  irof;l  in  frommem  ©inne  aU  5Bunfd)/  ba^  ber  ^aupt^ 
^unct  biefeö  53ertrage«  nid;t  gehalten  werbe,  ber  dugerte  mU 
Uld^t  and)  ben  5Bunfc^,  ta^  wir  unfer  Sfiec^t  fuc^en  müd)tcn, 
bem  borte  t)ielletd)t  ein  irilbcr  ungcICi^rtfeuriger  ©turmer  fei< 
ncn  frommen  ^JBunfd)  ab,  unb  trat  mit  9ieformator^ ? (Jifer 
nuf,  unb  fd)tt?ang  bie  gacfel,  hk  er  an  frembem  J^eerb  angc* 
5unbet  f)atu,  —  allein  mit  bem  I5eutfc()?!at5oIifcben  ^ixd)c\u 
5Befcn,  \vk  eö  bam'afö  tvar  unb  wie  cö  grogent^eilö  uod)  i|I, 
^at  eö  leiber  feine  gan^  eigene  Sßeife» 

^ie  Deutfc^e  ^irdje  jat  fein  gei|IIid;eö  unb  fein  irelt^ 
Iid)eö  ^ber^aupt,  ha^  mejr  aU  fR\it)m  baM  genjinnen  fonntc. 


*)  :?fe  (^anje  SBivIfuiiv}  etne^  foIc()en  ^iiujlei « ©ti(ö  fann  mau  in 
ber  5B«lle  Ad  regimen  fe^en. 


454 


wenn  bie  JKecfcfe  beffclben  behauptet  irerbcn  foKcn.  ©ie  tat 
fein  Sjhci;\)a\ipt ,  bo3  groge  ober  größere  Donaribc  for^cru 
föini,  wenn  btc  ^öb|i«@cl}nl2mi9en  aufboren;  ftc  Jat  fein 
Mei\M  S;eprdfeiUantcn?(Iorp6,  ba^  über  allgemeinen  diiö^f 
teil  njad;en,  unb  bei  SSc^auptung  allgemeiner  SKccbte  ben  %^w 
tjat^f^igennu^  einzelner  25ifd)ofc  «nb  einzelner  ^ommunitöten 
fd)n?clgcn  mad)cii  fonntc,  ^cr  will,  »venu  bieg  t^ielarmigte, 
ticlfopftgc  SSefen  auc^  an  fetneu  fu[)[bar(lcn  (Beiren  ange^ 
ßviffcn  ii^irb,  ircr  irill  \iu  ^lelfoy-fe  finftimm'g  unb  [i;n-ipa* 
t&ctlfcl)'patriottfc^  mflcl}cn,  ivcr  ölle  2Irmc  nacl}  einer  9iid;* 
tung  (jinbre^en?  SlBer  t>er[)inbcrn ,  ba^  hü  fo  t>ielcn  OJtirin^ 
tcrejTeuren,  bie  alle  baß  9\ed)t  mitsufpred)en  f)ah{i\  trollen, 
tag  hin  gamilicn  *  digennul^,  fein  Srrfinn ,  feine  Saune  fic& 
einfcl)Ietd)e?  SBer  tie^  ^unfiracrF  iiid)t  blo^  Siugenblicfe 
long  fcrüorbringen,  fonbern  gerabc  fp  lange  fortbauern  ma< 
d)cn,  aU  SKom  feine  Dkgociationen  fünftlid)  ^in^u^ie^en  weig, 
feine  treffenbflen  Singriffe  gcnjo^nlid)  «uffcbiebt? 

2(uf  allen  Unii>erfirdten  Deutfcfelanbö  f)am  man  baö  ncu^ 
cntttjorfenc  ©runb*©efe^  ber  Deutfd)en  ilircbe  um^erfd}icfcn 
foUeu,  allen  ^rofej]"oren  beö  fanonifd}en  fRcd)t&  ein  freiem 
^vemplar  ^ufenbe«  jollen,  in  allen  geif!li4)en  (Jan^Ieien  unb 
©erid)t6  i»  ^üfen  l)Cittt  cö  auf  ber  5BerfömmIungö?!tafcl  liegen 
muffen,  unb  nur  ber  ^e^ntc  !:i[;cil  ber  ^nblicirung^  * -fünfte, 
bie  ber  «pöbft  in  feinem  gaUc  getro^nlid;  fo  meifter^aft  t)er# 
flunb,  l&dtte  taß  2(nbenfen  beffelben  fo  Iebf;aft  erhalten  fon^ 
neu,  al^  fi^r  bie  greijeit  ber  ^ird)c  unb  fclbft  aucö  für  bie 
flÜmdfjlige  iSilbung  eineö  ^ufriebeneren  ^abfteö  ^u  trunfdjen 
gettjcfen  ludre.  Dod)  and)  ^iqx  ift'ö  tvabr,  Vit  Sinber  ber 
2Belt  jtnb  flugcr  in  i^rem  ®efcbled}te  al^  bic^inber  beöSic^t?. 

Stöir  Ratten  1422  fd)on  boUig  frei  fcmi  foüen,  unb  bocö 
ttJöt'ö  nod)  fteben^e^n  S^Ijrc  nacfe^er  ein  redjt  ^croifcber  5ltt 
ber  iu  $0?ain3  t^erfammcUeu  SKeictö^^tdnbe,  bag  ftc  ben 


465 

26.  g}?är|  1439  fcierli*  erüartcn,  öUe  2)ccrete  bcr  bamaii 
3u  23afel  t>erfammcltcu  6i;note,  bie  öu^gcuommcn,  roclcfec 
bic  ^erfon  bc«  ^>ab)lc^  betrafen,  ölö  ©runb^©efetje  ber 
2>eutfcl;en  ^ird}e  anue^mcn  S"  tüoUeii,  öorbeöalten,  ba0  bicfeu 
Decrercn  Jie  unb  ba  nocft  (5infd)raufunßen  uiib  ^rnjeiterungcii 
3u  geben  fepen,  n?ie  fie  ta^  befonbere  S5eburfnig  ber  2)eur# 
fc()en  Äird)c  unb  baö  noc^  inbiüibucUcrc  $5eburfnig  jeber  ein' 
seinen  Diocefe  erforbere  "0-  9^f«"  ^^9^  Dorf)er  Jatte  man 
fc^on  befd)Iüflren,  ba^  man  an  allen  perfonlic^cn  gtvlflen  be« 

Iibjle^  mib  ber  iSpnobe  gar  feinen  Sl^eil  nejmen  n^oUe,  bag 
curfc^fanb  burd)  bk  orbentIic()e   ©ericbtßbarfeit   feiner  95i^ 
^h\c  fo  lange  regiert  n?erbcn   follte,   hU  ber  ^ird)en«griebe 
DDÜig   njieber  JcrgcfteÜt   fei),   unb  bag  einmal  boc^  alfo  eine 
IHnrobe  gemacht  irerben  mugte,    ob  nic^t  ein  ^ah^i  ber  X)c\iU 
fcben  fat^oIifd)en  Äirc^e  entbejrlid)  fepn  müd)te.    91lle  &tlb^ 
2lii0(TuiTe  nac^  5lüignon  ober  D?om  würben  mit  einemmal  ab# 
gefc^nitten,  unb  nur  ai\^  ©rogmut^,  bt6  ettra  hii  ndc&jtc  öll# 
gemeine  @i;nobe   ^ur  Unterhaltung   be^  5j)fl(>j|ga  neue  Qlnf^al^ 
mac^e,   foUtc  jd^rlic^   ncd)   ein  ^iert^eil  befen   be^ajlt 
i^rrbcn,  ira^  er5bifcbofIid;e,   bifd)üflld)e  unb  cremte  ^loftcr* 
^ird)en   bei   i^rer  (Jrlebigung   bi^^er   geficucrt  Jetten.    53ott 
ben  ^'infunften  ber  übrigen  23eneficiai  mochte  ber  ^ab|!  \ä^u 
lieb  bcn  a^ijan^igfrcn  Sl^eil  genicgen,  rcicf)Iic&  genug  alö  jd^r* 
Iid;e  QKimentarion«  ^  ^?ü(fe,  obfc^on  t?iellcic6t  faum  ber  je^ntc 
Zi)üi  bcjjcn,    njaa  hie   fcligen  Äerrn  ^pdbjle  genojfen  Ratten. 
Mi  S:OeiIne^mung  Ui  ^ah\ui  bü  S3efe^ung  Deutfcfter  ^iu 
d)en  *  ^frunbew  warb   uuwiberrufltcfe  abgcfc(?nitten ,   SRomifcf?« 
^ifpenfationen  verboten,    ba$  Ur^«Kec|)t  ber  25ifc()5fe  wiebcr* 
l&ergeilellt,   bie  SJ^ot^wenbigfeit  allgcmeinei:  groger  ©jjnobctt^ 

l^m^^  Concord.  nat.  gem.  integra.  T.  I.  p.  38  -  tU.  uub  WÜrdt- 
wein  eubs.  diplom.  T.  VH.  n.  4«. 


456 


wie  t)ic   alle  ^cjn  Ja^re  gcOaltcn  u^cröcn  fontc»,    öuf^  9lcue 
gcfc^arfi. 

5^ie  \rar  nod)  ein  fo  feicvIidKr  <Sd)(ug  bcr  ganzen  Deufi» 
fd}cii  ^trd)c  gefaßt  rcorbeu.  2)ie  faifcrltd)cn  ©efanbteii  cr^ 
Üdrtcn  i^reu  feierlid}ficn  S3c{tritt  im  9^nmcn  beö  ^aifer6  unb 
beö  Sieicbeö;  ber  ^•ri»95ifd)of  J?oii  ?Ü(ain,3,  Der  felbjl  gcgai^ 
XüäxÜQ  war,  erfUhte  fici)  im  Flamen  feiucö  ^vrengel^;  fo 
ber  t)on  ^olii  iinb  bcr  mn  Xrier;  fo  bie  ©efanbteu  bcr  d'r^? 
f5ifc^6fe  t)on  (gal3burg  unb  t)Ou  3}2agbcburg;  fo  traf  eine 
(Jrfldrung  be^  (E'r^  ^  S3ifct)üfö  dou  S3rcmcn  ein;  bic  gan^c 
25eutfd;e  ^ird)e  in  allen  i^reu  Jpduptern  irar  einflimmig. 
Tlaix  blieb  fec^^  ^aim  lang  bicfem  einmal  gefaxten  ^djlnffe 
treu,  bermn{)ang  beö  ^])abrt^  fonnte  ntd)t  gebei^eu,  bie  Sfcunbe 
beö  ^cncilium^  fonntcn  nid)t  fk^cu,  fein  Pallium  irurbc  ge^ 
Ib^t,  feine  Slnnaten  h?^ai)lt,  feine  I^'ifpcnfation  ä^fud)t,  bic 
2Ba^l;'Srci6eit  ber  ©tifter  blieb  ungefrdnff,  eö  raar  ein  fünf* 
jd^riger  53crfud),  bcm  bcr  ^^abjl  nid;t  blo0  %h\an^  falber 
langer  nic^t  ^ufcöe«  fonnte,  baö  gan^e  @c^c[mnii5  mod)tc 
t)erral^en  werben,  i^ie  leidjt  ftd;  o^ne  einen  ^^abft  leben  lafi'e. 

^abfl  ^ugen,  ber  treu  genug  unterrid)tet  war,  woljcr 
ben  Deutfcljen  il;r  ?i}2ut§  fomme,  ber  erft  abwarten  wellte, 
tcc\d)ax  Sluögang  bie  ein6eimifd}en  v\5dnbel  ber  ^r^  *  35ifcbofe 
ton  (Solu  unb  bon  2!iier  ^aben  würben,  ob  itn  nid)t  eine 
blutige  ge^be  bon  biefem  ober  jenem  befreie,  ob  oiefem  unb 
jenem  ber  Wlutf)  nid;t  finfe,  ^ah{i  (Jugen,  ticx,  burc^  tit 
D]ad)ric^ten  beö  faiferlic^en  ©ecretdrö  Sleneaä  ^>iccolomini  ver- 
leitet, gar  ^u  fanguinifc^  ^u  l;Dffcn  anfieng,  wagte  einen  ent^ 
fd)eibenben  5))abrtfc^lag,  er  entfette  tic  ^-r^^^ifc^ofe  bon  (Eolii 
unb  bon  ^rier,  er  bergab  i^rc  (Stifter  an  ^wci  Vettern  be5 
^Jer^ogö  bon  25urgunb,  er  geigte  mit  einemmal  eine  crnftbollc 
(^ntfcOloiycn^eit,  bic  immcj;  no(^  mejv  furchten  unb  jcbcu  bcr 


I 
I 


457 


übrigen  ^ci'tjci^tger  bcr  fcf)Iöugen)a6lten  D^eutrölitdt  fein  um 
ucnnciMtd)cö  *2d)i(ffal  fe^cn  laffcu  folltc. 

Dod)  faum  irar  bic  9lad)rld)t  uad)  I5eutfd)(önb  gcfornj? 
mcn,  fo  ücrcinrcu  fic^  fdmmtltd)c  ^^uifurjlen  mit  cinanber, 
unb  ein  'i^unb  irarb  gcfd)loffcn  '•"),  weldje  ©efc^e  bcm  ^abjte 
Dor3ufd)reibcn  fctjen,  mt  man  nun  eift,  n?cnn  er  nod)  ^aubere, 
bie  S)cutfd)c  5Icccptation  bcr  $5aöler  Dccretc  feierlic^f!  5U  er^ 
fcnncn,  fclb)!  tro^  bcm  ^aifer  feicrlid)(l  5uv  (Soncilium^^^ar^ 
t\)K  übergeben  it)oUe,  wie  bcr  ^ab|T  eine  neue  <2i)nobe  in  irgenb 
einer  Don  fünf  i?orgcfc()Iagcnen  Dcutfd)cn  ©tdbtcn  au^^ufd^rci^ 
bcn  i)abi,  unbvalle  Steuerungen  vorläufig  öuf()cben  muffe/  ^k 
er  feit  öd)t  S^l^ren  unb  jüngH  er(I  getragt  f)ätu. 

'>Jlad)  9iom  gieng  eine  Q5cfanbtfc^aft  bcr  ^Jurfürffen, 
unb  bie  Deutfd)en  trollten  ^um  crftenmal  pülitlfd)4d)lau  mit 
bem  ^abjl  ^anbeln.  Der  ^abff  foüte  ind)t  n?iffcn,  \va^  '\i)m 
gebrduct  fei;,  trenn  er  ftc^  nun  ^um  Ic^tcnmal  üon  ben  Deut^ 
fc^cn  umfonj^  bitten  lajfe»  ^aix  trollte  i^n  noc^  einmal  btt^ 
ten,  unb  ^um  lel^tcnmal  bitten,  tra&rfd)einlid)  be&arrte  er 
elgcnjtnnig,  fo  !ünbigte  man  if)m  feierlich  auf.  Doc^  btc 
€utfct)loffcn^cit  bcr  Deutfd)en  trarb  felb|1  t)om  ^aifer  üer^ 
ratljcn,  b^r  gctrarnte  ^abjl  fprac^  fo  milbc  t)on  Untcr^anb^ 
lungen,  ju  treldjcn  er  bereit  fci;,  tl)at  fo  bereitwillig  ^u  ^rbff^ 
uung  biefer  Dlegociation,  trenn  nur  bod)  t)k  angefommeneit 
©efanbtcn  bcr  (S^urfürjlcn  Jinldnglid)  beöollmdc^tiget  trdren, 
ba§  man  rein  rcrga^,  trie  gar  nic^t  bon  Unterßanblung  bie 
«Rebe  fct)n  fonne,  ba^  man  tk  crflc  ^'ntfd^lojTen^eit,  eine 
cntfcljeibenbe  2Intn?ort  iabüx  5U  trollen,  liebevoll  öergag 
— -  ben  gutmüt^igen  I5eutfcfecn  entfielen  bk  ©ajfen,  treil  fte 
jum  erflenmal  i^ren  ^ah^fS^mn  bitten  Jorten.    2)er  milb^ 


^1  21.  TOri  1446.  f.  Gudeni  Cod.  diplom.  T.  IV.  p.  290  —  298. 


458 


gciuorbene  ^öbfl  berfpracfe  eine  ftöttlic^e  ^eputötiou  öuf  ben 
beöorfre^cnben  großen  gurflen  ?  (Sonbent  nacö  granffurt  S" 
fc^lcfen,  um  fogicid)  in  Unter^önblung  treten  ^u  fonnen,  uub 
brei  feiner  fc^laueftcn  ^ralaten,  vok  man  fic  nid)t  brfi"er  voa^f 
len  fonntc,  tvcnn  mit  S^^f^P^  ^I-  5"  negocilren  gcn?cfen 
n?drc,  eilte«  fogleic^  mit  bem  tjon  9^om  ^urucfge^enben  faifer* 
Ii(^en  ©ecretar  Slenea^  ^iccolomini  iiaä)  2?eutfc{)Ianb,  öUein 
fc^on  ber  (entere,  ber  bei  feinem  2(ufent[;alte  ^u  SKom  in  öUcr 
©tille  öud)  pdbfrlid)c  Dienjic  genommen  l)am,  rvax  fd}Iau  ge* 
nug,  ben  eörn?urbigj!en  Sonbent  ber  entfd;lojJenrten  Deutfc|)en 
gurjten  ^u  djfen. 

Der  5pßb|I  mu0  Deutfc^e  braud)en,  wenn  er  bie  I>cut^ 
fd()en  untßriod)en  will,  benn  bk  fd)(auejten  5LDeIfd)en  iviffcn 
nie,  tüo  unb  \vk  fic  unö  faflfeu  foüten ;  unfcre  ©itten  unb 
53erfaffungen  finb  i^ncn  ^u  unbefannt,  unfere  gamilien  ?  ^cr^ 
Jdltnijfe  ^n  fremb,  ober  mug  ber  5BcIfd;e  fid)  fo  cinf)etniffc^ 
5U  machen  tjcrftanben  ^aben,  al9  ber  liftigc  2lenea^  ^Mccolo^ 
mini  mugte.  @o  itJurbe  mo^t  ber  erflc  ber  brei  pdbrtlid)en 
©efanbten  Xi)omai  ©ar^cjn  SBifdjof  t)on  Bologna 
wenig  öllein  auögericbtet  Hhm,  ob  ber  5t}?ann  fcfeon  fo  fein 
war,  ta$  er  auö  bem  niebrigjlen  ©tanbe,  in  bem  i^n  bie 
S3orfe^ung  geboren  werben  Iie0,  enblid)  biö  auf  ben  (^bdjllen 
€6ri(IenI)eit^ * @tuf;l  fic^  Jinaufwanb,  ob  er  fcbon  fo  aner* 
fannt  groger  9]egociateur  war,  baß  eö  i^n  auf  biefem  (^e# 
fanbtfc&aftö  ?  SBcge  nac^  Deutfd^Ianb  nur  eine  ficine  D^ben^ 
reife  nac^  bem  25urgunbifci)en  ^?ofe  fofrcte,  um  ben  ^?er^og 
t>on  35urgunb  ^u  bewegen,  baß  er  bie  fnr^  Dörfer  üom  ^abfi 
felbjt  fafl  aufgebrungene  Hoffnung  friebfcrtig  aufgab,  im  ^olni^ 
fc^en  unb  Zrkxi\d)n}  (Stift  ^wei  feiner  53cttern  regieren  ^u  fe^en» 

@o  würbe  anc^  ber  zweite  5D?ann  ber  pdb(llid)cn  ©c 
fanbtfct)aft  Softann  (Sarüajal,  ungead)tct  i^n  felbft^enea^ 
^iccolomini  für  einen  großen  gelehrten  9J?ann  Jielt,  unb  gewig 


459 


nicfct  blog  um  bcr  ©ciejvfamfeit  für  einen  großen  5D?ann  {ielt, 
uu9Cöcl)tct  er  bamalö  fdjon  politifc^  reif  jum  ^arbiiial  war, 
Qcratc  mMd)t  and)  weil  er  gar  ^u  ^artlier^ig  fehlen  '•'), 
fd)\rerlic^  grogc  Dinge  auögerld)tct  ^abcn,  wenn  nicfct  ber 
raillofc  unb  fd^Iöue  £iittid}ifdjc  QIrd)ibiafon  Dlifolauö  üoii 
(5uö,  fll^  britter  9}?ann  bei  bcr  Segötion  geirefen  trare; 
njo^ln  n?ollte  nicfet  biefcr  Deutfc^e  neb|l  feinem  3tflli5»ifc^^» 
greuube^  bcm  faiferlldjcn  ©ecretdr,  t)a^  ganje  ^eilige  fRhf 
mifd;e  Dieid)  Deutfc^er  Nation  führen? 

©ie  hcitc  ^aüm  ixod)  Dor  fed;ö,  ficben  Spüren  öieüeic^t 
ben  a'ld)tig(Ien  Zljcii  ber  (Sf^riften^elt  für  bic  ^aekt  ©tjnobc 
gcjlimnu,  fi'c  bclbe  hcn  ^abjl  fcferccflid;  emüeibet,  unb  ber 
fc^arfblicfenbe  Deutfd)e  l)atH  ber  (5^ripen()eit  fügor  ^"^i'ft 
t>errat^en,  ira^  feit  me^r  olö  fcc^ö  3af)r6unberten  ein  fö(l  un# 
entbecfbareö  ©c^cimuiß  genjorben  vociv,  bog  unter  bcö  guten 
alten  Sfiöorö  DIamen  fo  ml  ^ufammengelogcn  ttjorben  fei?, 
alö  nie  nod)  unter  einem  e^rtrurbigen  9]ömen  ^ufammenge«^ 
logen  würbe.  91un  aber  fanben  hüte  sperren  i§rem  3ntereflfe 
gemäg,  bie  ^^riflenfeeit  wieber  pdbftlicb  ^u  machen,  hüte  ^üU 
ren  ftd)  fajlt  ^u  gleidjer  3eit  3U  einer  (Koalition  mit  bem  ^ahflc 
cntfd)[o|Ten,  unb  betrieben  hübe  nun  aud)  iljxc  Soalition^^^o^ 
litif  mit  einer  gred)öeit,  tk  mejr  aU  (gc^amloftgfeit  Jeifle« 
mugre,  wenn  fte  nicfet  ber  wunbcrbörglucf(id}jle  S'rfolg,  mt 
$\mi  folc^er  SQ?dnner  i^r  q)ubni['um  ftimmen  unb  umftimmen 
f onntcn ,  wcnlgftenö  t)on  bem  ©(fcdmen  öor  i^rem  Zeitalter 
tollfommen  freifprdc^e. 

Der  grogc  gurjlen^  Sonbent  in  granffurt  warb  ölfo  tv* 
5ifnet--0,  fdmmtlictc  brel  geijlllc^e  (^^urfiirllen  waren  !ptx\hnf 


*)  Johannes  diirior  videbatiir,  fa(\t  einmal  Slenea^  q3{ccoronttni 
bei  einer  @elegenl)eit,  mo  m  fel^il  fe^r  borrtn  lag,  t^n  milber 
SU  macben. 
**)  1446.  1.  eept» 


460 


lid)  gcgcnttjartig,  bie  öngcfcjcnjle  fnifcrlic^c  ©cfanbtfc^öft  hm 
Uli,  bä  t)er  ftct)  neben  ^mi  Surften  unb  neben  ^mi  SSifdjofen 
bcr  alte  Qcvoanbu  ©raatömann  ^an^Ier  @d)Iicf  befanb,  De^ 
^utirte  ber  n?id)tl3)ten  getrilicf)en  unb  weltlichen  gurjlen  traten 
5ufammen,  baö  53aöler  (Sonciltum  ^atte  ein  poar  feiner  tuet)* 
tigilen  9}?dnner  gefc^icft,  unb  bie  pdbftltd)e  Segötion,  fo  nn* 
gefe&cn  fte  aucl;  war,  faj  beinahe  ftd)  t>evbunfelt.  5[)^an  er^ 
ti?artcte  mit  grogter  @e^nfuct)t  t>k  au^fuf;rlic^frc  ^Kclation  bcr 
ton  9;om  ^uiücffommenben  cburfürlllic^en  ©efanbtPn;  man 
wav  unter  allen  ©efanbten  auf  feinen  begieriger  alö  auf  bcn 
9]urnbergifd)en  6t)nbifu6  D.  ©regor  t)on  ^cimburg^ 
mii  feiner  t)on  allen  fo  wa^v  unb  fo  frcimut^ig  aU  er  fprad;, 
feiner  t)on  allen  bie  S«tere(fen  fo  genau  fannte,  feiner  fcfeon 
fett  15  ^a^viti  hk  gau^e  ©d)ule  fo  gcmadjt  batte;  i^n  allein 
fi4rd;tete  felbft  aucf)  bcr  faiferlic()e  ©ecretdr  3leneaö^>iccoloniinf. 

Umfonft  trat  aud)  biefer  auf,  ben  ^inbrucf  ^u  milbern, 
ober  t)5mg  ^u  tilgen,  bcix  jpcimburg^  SKcIation  auf  alle  ©e^ 
niutber  itd)tbar '§emad;t  b^tte,  umfonft  trat  feine  funftüollilc 
^T^dblung,  tra^  ^'ugen  öerfid)ert,  wie  milbe  er  gefprod)en, 
mt  bereitn^illig  er  ^um  grieben  fei);  ba$  Okfultat  aller  (5r^ 
folge  ber  ©efanbtfdjaft  war  für  Jpcimburg,  ber  ^abfl  f)atu 
feine  33ullen  au^gejtellt,  vok  man  fte  bod)  bon  ibm  geforbert, 
bie  pdbfllid;en  Legaten  waren  nid)t  ha,  ^u  üermillioen ,  fon^ 
bern  ju  negociiren;  t>k  Qdn^t  ©cene  fcfeien  ficbtbar  nur  auf 
ter^ugöüoüe  ^idufc^ung  angelegt  ^u  fei)n. 

Umfonjl  fuc^te  ber  faiferlicl)e  ©ecretdr  ben  (5bur^53u!ib 
ju  trennen,  ^cr  t)on  ben  (^burfurflen  nid)t  auö  :^ntereffc 
unb  nic()t  au^  ^atrioti^mu^  bei  bem  S5uubc  blieb,  hlkb  aü^ 
€brc  bei  bemfelbcn,  wen,  wie  ber  gall  mit  ber  (5bur^35ran* 
benburgifc^en  Negation  war,  bie  genauere  ^crbinbung  mit 
ber  faiferlid)en   ©efanbtfd)aft   glucflid;  3u    fcflfcln   Wen  <0/ 


*)  Gine  ^aupt  =  ^erfon  bei  ber  faiferlic{)en  ®efimbtfii)aft  war  ber 


/|61 


bcr  ttJörb  bocfe  ivicbcr  bnlb  buvd)  gurd)r,  balb  burcfe^^rc  iurgejt^ 
tnituug  bc6  fo  fcicvlid)  gcfc^lojlencn  53erein^  auf^  9leuc  ge^itungcii, 
—  M  c  r  i  jl  Diel  g  c  p  r  a  f  t  i  c  i  r  t  i\)  o  r  b  c  n,  fagt  fclbfl  2Icneö^ 
^iccolomini;  öüc^raftlFen  wörcu  bergcblid),  öüc  fmiftDoUcUn* 
ter^aublung  erfd)bpft,  me^r  aU  mx^c^ti  Zciq^  M  ^onücnt^ 
wavm  fd;on  bcrflofl'cn,  nocb  blieb  alle«^  einig  gegen  bcn  $flb(T, 
«ocb  \X)ax  aikß  fo  einig,  bog  felbjl  5lnicöö  ^iccolomini  nur 
iiod?  ein  TOttel  iuugte;  ^ölf  biefeö  fonff  fo  geprüfte  Unitjcr^ 
falmittel  nid}t,  fo  war  aucf)  feine  J^ojfnung  erfd)üpft. 

Der  jlaifcr  fclbjl  mugte  ^tpcitaufcnb  9l^einifcbe  ©olb^ 
©ulben  t)orfc|}icgen  '"0,  ^^^  nian  mx  ?D?ain^ifd)e  ^at^c  ^um 
^ßortöeile  bcö  ^abfie6  befted)eu,  t)ier  ber  mut&igften  9}?dnncr 
fd)ir)cigen  machen,  unb  ttvoa  mit  einem  i&albtaufenb  ©olb;? 
©ulben  gerabe  ben  9}?nnn  '•■"•0  gen?innen  fonnte,  ber  ben  gan^ 
Scn  furd)tbaren  (Sbur^^unb  entiuorfcn,  hm  ^Owvfüvflen  hUf 
her  foft  einzig  gcIcnFt,  unb  fd)on  ^irolf  3^f)re  lang  nlö  dlatl) 
fein  gvüjjfeö  Vertrauen  geno|Jcn  l)attc.  S(d)  ber  <Sd;anbc  ei* 
iieö  ^^«rfüvftcul  SLQcnu  D.  Sodann  tjon  ÜJi;farö  feine 
5??einung  dnberte,  fo  wax  man  gcn?ig,  bag  öucfe  ber  (^^urfurjl 


^rubev  be^  (Jljurfürfren  von  23ranben6uvg ,   9}iarFgraf  Wcxt 
•0  ©.  ben  5[«i?5ug  m^  ben  eigenen  D'cad)viii)fett  bei  9(eneö^  ^tc« 

COlomini    in  KollarU   anal,   monum.  Vindobon.    T.    II.    p.  122. 

**)  3*>bvinn  yon  £t)fura,  Decretorum  Doctor  wnb  Canon,  b. 
Mariae  ad  gradus  ju  9)?atnj,  aucf)  Vicarius  general.  bcß>  (5l)«r« 
fürflen  in  spirituaiibus.  (gd)on  1454  fchic^tc  il)n  (2()nrfürft 
Sietrtrf)  nadf  9?om,  um  hai  ^a((tum  äu"I)ülEn;  nad){)er  gieng 
er  c.U  ?))?ain5ifc{)ev  ©efanbtev  auf  bte  ©pnobe  ju  95afel,  warb 
in  bem  SSermtttlungö  -  ©cfitafte  jimfdKn  bem  ^ab^  unb  ber 
©pobc  9el)raud)t,  unb  Mieb  leiber  bte  Jgaupt '  ^erfon  bei 
©d)licinmi^  unferer  (Joncorbate   mit  bem  ^ömifrt)en  ©tuMe. 

©.  Gndeni  Cod.  dipl.  T.  IV.  p.  216.  239.    »ergl.  oHge  %td)« 

rid>ten  hd  Dollar. 


462 


feine  ^DJelnang  dubern  werbe,  unb  trenn  nur  ber  ^f;urfurll 
t)on9}?atn3  feine  9}?einung  ^u  dnbevn  önftcng  —  bic  ^öur?S3ran* 
benburgifc()e  ©cfanbtfdjaft  fci)icn  o^nebicg  fd;on  ^u  ti?an!en, 
öucö  bie  ^ambcr.^ev  irurben  leidjt  gcn?onnen,  aud)  fo  niancl)e 
önbere  Ucputivte,  bereu  ^err  unb  gurjl  gerabe  nid)t  gegen» 
tt)drtig  war  '"0/  burd)  53crfpred)ungen  unb  burc^  Drohungen 
t>DUenb6  6^rubergeIocft;  gewo^nlid)  nur  baö  erjle  dorpö  einer 
S)ppofition^#^ört^ie  i(i  fc^trer  ^u  formiren. 

©0  f)at  ölfo  ein  fc^wad;er  gurjl,  ben  nid)t  qjribat^^or^ 
tjeil,  nic^t  gamilicn^CI'igennu^,  fonbern  nur  ©utmut^lgfeit 
fc^trac&  mad)tc,  ben  fd;on  JalbDeraweifcInben  S^omern  neue 
S5a^nen  gebffner,  fo  Ut  ein  5}htn^ifd)er  fRat^  bie  ganje 
Deutfd)c  ^irdK  für  500  ©oIb?©uIben  mhn\t,  unb  ein  faU 
ferlic^er  ©ecretdr,  ein  fd)Iauer  Staliener,  ber  erjl  lujlig  genug 
för  SBein  unb  für  ?i}?dbcben  gelebt,  nun  enblid)  ^u  Sauren 
beö  e^rgeii^eß  unb  ^um  SBunfd)e  einer  ergiebigeren  «Berfor^ 
gung  gefommen  war,  ein  fc()Iauer  Sraliener  f)at  unö  2)eutfd)cn 
einen  knoten  gcfntpft,  ben  nad)  mel^r  aU  \>clUn  brei^unbert 
Sauren  enblid)  er(!3ofe))(i  II.  ^u  Ibfen  ücrmocfete,  ocfc!  wenn 
er  i^n  Ibfen  wollte! 

Die  neuentworfene  Sriebene^s^punctötion,  vok  ffe  ber  Uu 
fetlic^e  ©ecretdr  au  granffurt  auffegte,  unb  wie  jte  ber  elenbe 


*)  e^  tfl  gemi^  meri^mürbig,  vocii  {hi)  m^  SSergleifftung  ber  Ur* 
funben  hd  ^iii'btmein  (subs.  dipi.  Tom.  ix.  u.  6.  7.)  ttjal)r* 
neljmen  laf;t,  ba\;  einir-^^iaina  au^iKn^mmen  blofj  ©efanbt: 
fc()flften  geivonnm  werben  fomUcn,  unb  fein  einji^er  perfönlifö 
gegenwart{(ier  ^ürfl  ober  3?ird)of.  2)ie  23i|'(i)öfe  von  Ulugeburg 
wnb  ei)iemfec  netjl  ben  9)?arfgvafen  »on  JÖranbenburg  unb  »on 
25aben  niad)en  Her  feine  Sluennljme;  benn  biefe  gehörten  sur 
faiferlicl)en  ®efanbtfd)aft ,  hie  ol^nebie^  gflui.für  ben  '^^^ai^'i 
engen  war. 


463 


5S}?ainiifd)c  ^at^  um  fd)nüben  ©etrinn^  mlkn  aum^m  ^), 
licp  bem  ^abil  freien  (Spielraum,  tüie  unb  wann  nod)  bie 
fünftige  groge  ^i^nbbe  ^u  galten  fei;n  mücl)te,  —  cr(l  irör 
man  bod)  fo  entfc^Iöjfen  gciuefen,  bag  man  i^m  Trt  unb 
Sag  Dorfc^rieb,  bag  mau  ^üd)rteuö  nod)  einen  brei^e^nmonat^ 
lidjen  2Iuffd)ub  gönnen,  unb  t)on  einer  3talienifd)en  -Berfamm* 
lung^?©tabt  gar  nid;t  l)hxcix  woUu.    ^lar  genug  ^atte  mait 


*)  5öürbtirein  l)at  biefen  ^ran!furtifc{)en  ^-mbcn  t)om  5.  .OctoBec 
1446  unter  bem  >tttet:  Concordata  Principiim  Francofurtensia 
juerit  I)erau^cjeciebcn-  (Subsid.  dipi.  t.  ix.  n.  7.)  ©d)on  ^ext 
©rcgel  (.  c.  ©.  12  I)at  votlfonnuen  virf)tig  bemerft,  ba0  hkfc 
95enennun(j  bem  3nl)alt  ber  Urhmbe  gar  nid)t  entfpred)e,  akr 
er  t\1)eint  mir  ju  irren,  luenn  er  glaubt,  baf^  bie  Urfunbe  n{cl)t 
fomot)!  eine  ^-ürften  =  (Jonwenticn  di  t)ielmel)r  nur  bie '^(nttüort 
be6  ^ah\\6  auf  einige  5Jrtifel  ber  ^-ürilen  --  (Joncorbate  (r{d)t{ger 
tm  fed)^  ?D?onate  üor[)er  gefd)Io|Tenen  (5l)urüerein)  entl)alte, 
benn  fTe  begreift  offenbar  tie  SSerbinbung  einiger  2)eutfc^eit 
ßtiuvfurften  unb  ^yürften,  unter  n)eld)en  Q3ebingungen  {k  bem 
^Vibft  Dbcbieuj  leiiten  luoüten.  ®ie  Uvfadje  liegt  tiefer,  xoax- 
um  \)k  ?5eneunung  ^-ürfiien  »  ßoncorbate  l)ier  taufdit 
5Sir  fi'nb  einmal  gemcljnt,  un^  unter  biefem  9]amen  etxoai 
t)iel  ©l)rn)üvb{gere^  ju  beni^en,  aU  blof?  eine  dontjention 
ctUd)er  i:)cutid)cn  Surften  unb  93ifd)öfe,  bic  fid) 
von  tl)rem  fo  feflgefa^ten  S)eutfd)en  ^atrioti^* 
ntu^  burc^  SSorfpieglungen  treutofer  dlätlje  unb 
fd}lauer  päbfilirf^er  Legaten  5um  unerj;e^lirf)eti 
(Bö)aben  2)eutfd)lanb^  ablochen  lie(5en.  Unb  ba^  u)a* 
ren  bod)  biefe  Concordata  Principiiin  Francofurtensia.  ©ie 
unterfd)eiben  ftd)  von  ber  Urfunbe,  tk  bei®ih*btroein  I.e.  n.  6» 
unter  bem  unpaffenben  3;itel  nova  Unio  regis  Romanomm  cum 
Elecloribus  aliisque  Principibus  in  bonum  pacis  Ecclesise  et  im- 

perii  Dorfommt,  Dorjüglic^  nur  burd)  eine  befiimmenbeve  5Seit* 
läufi'gfeit,  unb  ta\i  man  feit  bem  22.  September,  ba  lel>tere 
Urfunbe  hatixt  iil,  m  <iuf  ben  5.  SDctober,  ha^  '^atmx  »on  ben 
erfteren,  nod)  mehrere  bifd)öjlid)e  &e^anbU  jur  ^abjl- Partie 
unb  alfo  auc^  jur  Unter5eid)nun3  geworben  Ijattc, 


Wi 


cr(!  geforbert,  bö§  (^ugcn  nlle  DIcucrungen  öuf^ckn  muffe, 
Die  er  feit  ben  leieren  ad)t  fahren  unb  jüngfl  erfr  geirogt 
Jabe;  fo  t^ar  f(ar  genug  gcfagr,  bag  bie  gefragte  «Hbfel^uug 
ber  ^rimöten  Dou  (*üIu  unb  ddu  ^rter  gu  caffiren  fei;,  bog 
ber  5pab(!  njibcrrufeu  nmffe,  unb  bog  eine  Sf^eflitution  biefcr 
o^nebicg  nie  rcct)tnidgig  entfetten  5Sifc(}ofe  tülllg  uberflüfftg 
fei)n  müd)te.  9tun  wax  man  aufrieben,  n?enn  ber  ^abft  bie 
9te(litution  biefer  ^*ra  ^  ^ifct)üfe  tjcrfpröd),  ber  ^^abft^ebre 
vrarb  9efc^)ont,  h'ic  £5cutfd)e  23ifd)of^^(Z'^rc  $reiö  gegeben, 
öl^  ob  ein  SKomifd)cr  ^ifd)of  feinen  2)euffd)en  Kollegen  fo 
iviüfurlid)  entfetten  f5unte.  ^Tf!  n?ör  man  fo  fejl  bcftanben, 
bag  ber  ^abji  tk  Deutfd)c  Slcceptötion  ber  Söaeler  riccrcte 
feierlid?|l  beftdtigcn,  ^aelcr  grci^eit  ber  gan3cn  ^ird?e  fd)en^ 
!cn,  unb  tik  angenommenen  Decretc  fo  ctnfd;rdnfen ,  unb  fo 
Idutern  laffen  muflfe,  ane  c6  bcn  2?eutfd)en  noc^  bequem  fei;. 
9^un  gab  man  ^u,  bag  ber  ^abjl  t>on  ©ibererftattung  ber 
53ortI;ei(e  fprad),  t^k  ilnn  burd)  Öinna^me  ber  S^aeler  Dc^ 
crete  unb  burd;  feine  23eftfltigung  berfelben  entviffen  njcrben 
füllten,  gebulbig  nabm  man  an,  bag  tae  jd()rlid)e  2)ongra^ 
tint,  ha^  grogmutbig  gleid)  hd  erfter  5(cceptarion  ber  ^^aeler 
S^ccrete  bem  ^abft  auegcfc^t  trorben  =-0/  5«  bcrmeinrer 
€'nt[d;dbigung  beö  ^abflö  u^cit  nid}t  ^inreid)e,  man  lieg  Don 
€ntfd;dbigung  unb  (Jrftattung  fprec^en,  wo  bod;  ber  23ifd)of 
i)on  SKom  fein  gultigeö  9f^ed)t  berlor,  man  hcbad)tc  nid)t,  ob 
luaö  geitonnen  fei),  it)enn  man  bie  2Ibtretung  ber  ufurpirtefrcn 
53orrcc^tc  unb  ber  erfd)ltd)cnften  @elb?!laren  nod;  erftatten 
ntöfife,  51ecfuibalente  nod)  geben  folle,  n?o  man  bod;  t)a^  i>oU 
Ie(!e  O^ec&t  ^attc,  uralte  ^aven^greibeit  ^u  forbern. 

©0  unreblid)  n?ar  ber  neue  gricbenö?^ractat  entivorfcn, 
fo  unbefriebigenb  für  jcben  2)curfd)en,  ber  fein  9ied)t  fanute, 
fo  liftig   neue  ©c^lingen  fd)on  gelegt,    bag  tk  (^'r^^S^ifcljofc 


*)  Würdtwein  1.  c.  Tom.  VIII.  n.  5. 


^465 


t>on  Syrier  unb  t)on  (Ehln,  unQcadjkt  ijnen  if)rc  Doütge  ^?^u 
tutton  bcrfprod;cn  würbe,  laut  genug  bagegen  jlimmten,  (Eour^ 
ffirfl  gricbrid)  üon  ©ad)fcn  einen  fo  trugöollcn  gricben  ,^ar 
nic^t  annahm,  ber  gan^e  ^out)ent  t>ott  (Jrbtttevung  öu^ctnan^ 
ber  gieng,  3n  3^eutfd)Ianb  wav  man  Jocl)(t  un^ufriebcn,  unb 
iu  9?om,  ttjlc  bic  9lact)rid)t  mdi)  dioin  hm,  tiodi)  fajl  noc& 
un^ufriebncr,  md  hk  3fl5mer  nie  begreifen  irollen,  bag  man 
burcb  f leine  2Iufopferungen  oft  ftegen  müflfe,  ^a^  gerabe  ba* 
ge^orfanijle  53oIf  am  wenigflcn  bl^  auf  ö  2Ieufi"erfic  gereift  wer^ 
ben  burfe,  bag  ber  n(Ie  aufmaüenblle  ^arort^mu^  ber  gerei3^ 
teilen  grei^eltö  f  Siebe  an  bie  mdfftgungööollcfle  ©c^onung 
felbft  bc^  jlrengcren  Defpoten  m  Olec^t  ^abc,  t)a^  aud)  biefer 
o^ne  dufferjle  ©efa^r  nie  berfennen  fann. 

9?iemanb  in  fRom  wußte  ben  fd)on  gewonnenen  *33ort6eit 
ban!barer  3u  fcbd^en,  Oliemanb  fonnte  ai\^  eben  ben  ^Öerl^dlt* 
niffen,  weld)e  ^u  biefcm  crjlen  ©ewinn  fd)on  gcfufjrt  I)attcn, 
tk  nod)  weit  gewinnbollere  3uFunft  5ut)erldgiger  berechnen, 
Oilemanb  war  froher,  92lcmanb,  nun  biefeö  gewonnen  war^ 
forglofer  alö  ber  ^ab(!  felbfJ*  SEie  fro^  er  gewcfcn  fetjn  mug, 
t:)a^  er  ber  anfonimenben  S)eutfd)en  ©efanbtfd)aft  ^nx  el^rcn» 
ijoUften  ^cwillfommung  alle  feine  ^?of  f  ^rdlaten  entgegen? 
fct)icfte,  mc  forgloö  er  weiterhin  fei)n  fonnte,  ba  fein  j?eim# 
bürg  me^r  hzi  ber  ©efanbtfd)aft  war,  ber  feile  So^önii 
S^fura  mitfam,  5Ieneöö  ^iccolomtni  fogar  ha^  Sßort 
führte»  ^aum  berat^fd)lagten  bk  ^arbindfe  nur  einige  ^age, 
faum  f^ielt  t>ielletd)t  eine  unterbot  cintretenbe  Sranf^eit  be« 
^abftö  tk  Dolle  53eenbigung  noc^  ein  paar  ^agc  auf,  fo  ber? 
ftanb  fic^  ber  ^cibCt  ^u  ber  borgelcgren  <5vanFfurter  «Puncto^ 
tion,  er  na^m  nod)  auf  feinem  S:obtenbette  bie  Deutfd)e  ^be? 
bienj  an,  unb  fd)itn  nun  mit  einem  ©icgcr ? ©eful^ft  flcrben 
SU  füunen,  baö,  wie  er  felbjl  fagte,  feinen  beborfte^enbcu 
2:0b  leid)t  mad)te.  Oejfentncbce  ^arbinaN(5onftiiorium  würbe 
gehalten,  bieDeutfct)c(53efaiibrfd)aft  Iciftcte  ^ier  noc^  t&re  feiere 
©pittler^  iänmtl.  SBerfc  VJII.  ^h.  30     - 


A66 


Iict)e  rbebien^,  nnb  fobalb  aud)  noc^  biefc  fcicrltd)c  Cbebicnj 
gclcijtct  wax\  fo  eiitfiaub  in  Diom  ein  öllciemeiner  Subcl,  btc 
©locf cn  njurbcn  gelautet,  ^roccffionen  gcftalteii,  große  9Jie(Tcii 
gefeiert,  bic  ©trögen  crleudjter,  eö  faxten  ein  2:a3  De«  t?oU* 
jiaubigRen  Diomifdjen  ^riumpöe«  ^u  fcpn  '^). 

0old)  ein  ^ag  irar'a  aud;  für  SRom,  irir  I5eutfc^e  ira* 
reu  tjcrrat^cn  unb  t>erfaufr.  ^iv  wollen  eö  bcm  ftcrbcnöeii 
^abfte  iiid)t  arg  beuten,  ha^  er  an  eben  bem  ^lagc,  \^a  er 
bic  grauffurter  ^^unctation  annö^m,  bie  ol)nebleg  fdjon  bm 
alten  (^anb^aftereu  5i)?a0regeln  beö  üor^ergeOenben  (i^ur-'^IJcteiiiS 
gar  uid)t  cntfprad),  an  eben  bcm  ZaQc,  ta  er  blo(5  be|ln)C(ten 
Dbcbiena  ber  Deurfd)cn  !^egation  erl)ldt,  ireil  er  bie  '^vaut» 
furter  5lrtifel  mxHid)  angenommen,  ba0  er  an  eben  bem  ^tagc 
eine  S5ulle  rnegc^eim  auöjlellte,  bk  ^nnabme  ber  granffnrter 
^itrtlfcl  fonnc  feinen  Sficdjren  nid)t  nact)t&ellig  fepn,  ein  fran» 
fcr  ^pabfl  fonne  nic^t  alle«  überlegen  "").  QBir  njollen  ibm 
«{d)t  arg  beuten,  bafi  er  felbjl  aud)  In  feiner  5irt  ber  2ln' 
na^mc  ber  grnnffurter  Qlitifel,  in  bcn  S5uÜen,  t>k  er  be§balb 
au«|leUtc,  fo  fd)lauc  ^öenbungen  na^m,  ta^  wenige  3ied)t, 
ba«  un«  blieb,  fo  argllftig  ^inwegbre^te,  ha^  aU?^  nad)  SLöunfd) 
erfüllt  ttJorben  ^u  fei)n  fd)ien,  unb  !einer  ber  JpauprpunFte  reb« 
lld)  erfüllt  war,  ouf  bic  man  fc^ou  langer  alö  ac^t  ^abre 
lang  arbeitete.   5Ibcr  wir  waren  bod)  öcrrat^en  unb  üertauft! 

SQkv  33ullen  ^atte  ber  ^abjT  auegejlellt,  öier  eigene  Ur* 
funben,  al«  ob  ber  I5lngc  fo  t)lelc  waren,  bie  er  gnabcüoU 
bcn  Deutfc^en  eingeräumt  babe  "•-).  ^^an  ^atte  bic  SKefti« 
tutton  ber  S'rjblfdjofe  tjon  ^bln  unb  öon  Syrier  geforbert,  bk 
^im  war  flar,  bie  einn^illigung  mu^te  eben  fo  flar  femi, 
Jier  ^alf  Fein  «Ißinfel^ug ,    bie  pdbftlic^c  25uUe  t>crfprad)  auc^ 


*)  Gobeliniis  et  Baj^naldi  Annales  ad  h.  a. 
**)  5))?üUfr  Ofietcfc^tag^ » $;lKflter  unter  ^ric^^.  V.  @,  552. 
***)  Cuncürd.  nat.  gerin.  iniegra  T.   I.  p.   185  etc. 


467 


uiibcbingt  QBiebereinfc^ung  bclber  ^rimöten,  fobalb  beibe  ^rt* 
matcn  bcm  ^abflc  fic^  untenrorfen  5«ben  »urbcn.  Wlan 
batte  eine  neue  große  @i)»obe  geforbert,  X)k  Sitte  voat 
fd)oii  fo  oft  gefc^cjcn,  ber  ^ab(i  aogerte  nid)t  ^u  t)erfpred)en, 
mii  er  tro^l  faf),  iT?cId)e  ^d)tricrlgfeitcu  ber  Sluöfü^rung  feij: 
iieö  53erfpred)cii^  aud)  of)ne  fein  SQ^itirirfeu  entgegen  ifommen 
ttjurben,  unb  n?ic  njcuig  felbft  bei  bem  t&dtigffen  ^abjle  nocft 
t>or  «ßerflug  cliieö  3a§rö  eine  neue  groge  ©pnobe  ^u  Jojfeit 
fei)n  m6d)te. 

9}?an  ftürmte  fd)on  feit  öier^ig  ^a^xcn  öuf  tk  alte  Sbee 
3iirucf,  bag  allgemetne  @i)nobctt  bie  ^üd)(!en  ^ird)en*^rtbu^ 
nalien  fepen,  unb  bag  auc^  t)on  $dt  ^u  geit  öügemeine  (St)# 
«oben  ijerfammclt  werben  mugten,  —  2Iuc&  Jier  ^ölf  !eiit 
siBinfelaug,  unb  \vo^\x  aud)  ein  ©infcf^ug  ?  25er  ^abjl  mugtc 
Jier  nid)t  niebr  terfprecfeen ,  al^  er  fc^on  oft,  öuc^  hei  2ln^ 
na^me  ber  erflen  Decrete  ber  93a6ler  @i)nobe,  öerfprocfeeii 
^atte,  er  voav  ü^ac^folger  beö  ^ab|1eö,  ben  t^u  ^oflni^er  @J)# 
nobe  gefegt,  felbfl  öuc^  fein  ^Hnfe^en  fc^icn  mit  bem  ^Hnfc^en 
fold)er  allgemeiner  ©ynoben  unzertrennbar  bereinigt   5u    fetjn. 

^ine  ®eneral?'2(mnef!ie  unb  ©eneral  ?  23e(!dtigung  be^ 
öüen,  ttjaS  in  ben  le^tberflojfenen  neun  ^a^xcn  feit  ber  92eu^ 
tralitdtö^eit  o^ne  pdbjtlic^e  S'intrilligung  gefc^ejen  voav,  iro 
boc^  nad;  neuem  ©t^l  ^abj^'^nabe  noi^njenbig  5U  fej)n 
fd)ien,  eine©eneral*5j(ninejlie  beö  allen,  wa4  tiad)  altem  guge 
iättc  bejaht  werben  foüen  unb  waö  nid)t  be^a^lt  worben  trar^ 
eine  uneingefc^rdnfte  @eneral*21mnef!ie  war  not^wenbig,  wenn 
tiicfet  ganz  I?cutfd)Ianb' in  ft'd)  felbft  umgefe^rt,  bie  gan^e 
Äird)e  Deutfd)Ianb^  auf^  dient  jdmmerlid)  gerruttet  werben 
foüte.  2lud)  bieg  verweigerte  ber  ^ab(t  ind)t,  weile«  nic^t 
3eit  war,  ben  S5efi^ftanb  vieler  taufenb  5i}?enfd)en  ftreitig  z« 
machen,  weil  er  boc&  einmal  biö  auf  einen  gewifi*en  geitpuuFt 
Jin   bie  Sßirffamfeit    ber  iJeutfdjen  Slcceptation   ber  23a6ler 

30  '-^ 


468 


X)ccxcU  önerTcnncn  niugre,  trcil  fclbft  bod;  fluc^  i»  ber  ©f 
ticrflh2(mnenic^  it>ie  er  jte  gnabcboll  mitt^etlrc,  voü  er  JulD* 
rcic^jl  öuf^ob,  n?ö^  er  tt)d()renb  bcr  letzten  neun  Sa^rc  gegen 
manchen  SSaeler  greunb  in  I!)eutfd)lanb  verfügt  t)am ,  eine 
5Ju6ubung  fctncö  fRcdjt^  3u  fei;n  festen.  I?ocl)  ttarb  aud) 
Jier  fc^on  wegen  ber  SSiöt^ümer  greifingcu  unb  ^efcl,  weil 
t>ielleld)t  €'ugen  in  biefem  boppeltcn  galle  fein  befonbercö 
Sntereflfe  b^Jtte,  eine  fc^laue  ^u^na^mc  noc^  beigefügt,  tu 
fluc^  bie^mal  vorläufig  fd)on  geigen  mupte,  itie  irenig  bcr 
^flb(!  irgenb  ettioaö  reblic^)  ganj  bcn  I^eutfd;en  in  geben  Jujl 
(arte. 

9Zodb  blieb  benn  ber  ^pöuptpunft,  ch  ^ugcn  bic  X5ciitfd)c 
SIcceptation  ber  ^aöler  Decrete  erfcnnen,  ob  er  unö  e\t)tg  frei-- 
fprec^en  u^erbe  t?on  allen  ben  Soften,  üon  vi:eld)cn  bie  "Sater 
ju  23afel  bie  gan^e  (Sbrijlcn^eit  freigefprod)cn  f)iirten,  $icr 
galt'6  einen  ewigen  uncrfel^Iic^en  ?3erluft  ber  pdbrtlid)en  ^am> 
mer,  bier  gölt'ö  tk  lutratiöften  9xec{)te  feiner  ^oblrcidjen,  fluf 
^poffnung  Icbcnben  (Sön^Iei,  ben  reic^b^ItigTrcn  2Iccibcntien  bcr 
(^arbindle  galfö,  bem  ganzen  €influfl"e  galt'^,  bcn  9iom  nod) 
öuf  2)eutfc^Ianb ,  ben  ber  ^öbft  gcröbe  nod)  nuf  bie  ^irdic 
flöben  foUte,  beren  brei  crjle  S5ifd)5fe  baö  weltliche  rbcr()aupt 
ber  ^^rijlenjeit  wallen  burften,  beren  gcfammter  jS!fd)Df^ 
^^or  gur(!en ^ SRec^tc  unb  gurjTen^^Sor^ugc  befaß/  ^^''^^  ^'nner 
t^rer  fluct)  reicheren  (^oHcgen  in  ^nglanb,  granfrcid)  unb  Sra» 
licn  ftc^  rühmen  fonnte.  ^?ier  mochte  2Icneaö  ^iccolomini 
ratjen,  wenn  er  aui  biefer  ^nge,  in  tiic  ^ugen  (lier  gerietb, 
bem  ^abjt  unbcfd)dbigt  ^erau^^uratben  wujlte,  bicr  mod}tc 
Sobflun  Si;fura  bcr  empfangenen  fünfbunbevt  ©olbgulben  ein^ 
gebenf  fci^n,  bier  war  ein  fd)neller  rafd)er  ^infaü  beö  Qatbu 
iial  Sobann  SD^oriuo  ")  notbwenbig,  bem  fclb(!  aud)  in  bie* 


*)  Vir  niagni  consilii  et  iugeuii  vclocissimi,  qui  plurimnm  in  ea 
concordia  laboraverat,  fagt  5(enea^  ^iccclomini. 


469 


fem  Unlon^gcfcfcaftc  mit  Deutfcfelanb  jtim  ewigen  ©cbabeii 
Der  Deurfdjcn  ein  Einfall  tiefer  2lrt  nie  entgangen  au  fepu 
fd;ien. 

«Ißir  hatten  !Iar  unb  bcutfd)  geforbert,  bag  ber  ^öb(l 
unferc  2Icceptatiou  ber  SSaeler  2)ecrete  erfenne;  er  erfannte 
gro^müt&ig,  \:}a^  aM,  wa^  blöder  !raft  biefer  2Icceptötion 
gcf ebenen  fep,  unangefocbreu  verbleiben  follte,  5lBir  Ratten 
oiif  c\i3ig  frei  fepn  iDoücn;  er  i)erfpröcb,  wegen  beö  acblja^ri* 
geil  ©eiiuffe^  ber  grei^eir,  in  bic  n?ir  unö  fo  .eigenmdcbtig  (elbjl 
gefeilt  iättctt,  mit  pdbflltd)cr  9^acl)ficpt  alleö  ju  öer^ei^en.  SBir 
batre»  für  unb  für  unb  auf  emig  frei  bleiben  wollen;  er  t>er* 
fpracb  i^ul&reicbll/  unö  fo  lange  Dollig  frei  laffen  3tt  wollen,  M 
feine  Scgateu  nad)  3:)cutfd}Ianö  gefonnneu  fepen,  wegen  SrflaN 
lung  feiner  tjerlorncn  ginaii3^D^cd)te  ftcb  Dcrglicfeen  Ratten,  ober 
wenn  ctvoa  biefer  Sergleicl)  unt)er^offt  fd)eitern  foUte,  bi^  auf 
einer  allgemeinen  ©»nobe  ein  reblicber  ^'rj^attungö  ^  5Bergleic^ 
5wifd)en  SRom  unb  Deutfcblanb  entworfen  fei).  $löir  battcu 
bem  guten  ^abjl  im  Zutrauen,  ta^  er  unferc  2lcceptatij>n  ber 
25a6ler  Decreie  auf  tw'tß  iia  anerfennen  werbe,  eine  ^ienilii^e 
(Jrflattung  t)erfprod)en ;  nun  wollte  ber  öorficbtige  ^abjl  er(i 
feine  (Jntfcbdbigung  wiffen,  eje  er  unferer  ergriffenen  Sßaeler 
grei&eit  fein  t)ollgü(tigeö  ^abjt^Siegel  aufbrucfe;  nun  jam^ 
merte  fd)on  ber  tjorficbtige  $abft,  man  werbe  if)n  in  ber  fur^ 
5en,  t>on  i^m  enblicb  anerfannten  ^mid:>cttidt  unfrer  giei^eif, 
biö  feine  $!egaten,  (^oncorbate  ^u  entwerfen,  nac^  £)eutfd)lanb 
gefommen  ober  biö  eine  allgemeine  ©ijnobe  billig  entfc^)ieben 
Jabe,  bocb  nicbt  unbarmherzig  barben  laffen;  nun  pochte  fc^oit 
öuf'ö  DIeue  ber  faum  balb  gerettete  aftomifcjc  S3ifc^of,  —  wer 
nicbt  innerhalb  fect)^  5}?onaten  bem  53ergleic^e  beitrete,  ben 
er  unb  feine  ^axtii  in  Deutfcblanb  untereinanber  entworfen 


1^^^ 


470 


Satten,    bem   fonne    feine  ^ab\t  f  ^naU    nict)t    ju    (!atten 
fommen  ")♦ 

6d  war'ö  benn  er(I  nod)  öu^^umadKn,  ob  bie  SSaöIcr 
^ecretc  funftlg^iii  öuf  etrig  baö  (^rdn3?  O^cgulatif  ber  Deut» 
fd?en  ^ird)c  unb  beö  S^5inifd}en  Äofeö  fctjn  fönte«,  ©o  Icig 
öUeö  nod)  auf  bem  ©piele,  trte  ber  Scgar,  bcr  Soncorbatc 
gu  fcfeliegen  nad)  ^eutfc^lanb  gc^en  foUte,  mit  unö  Dcutfd)cn 
nocö  einig  werbe,  ober  tt?ie  bie  nad)fte  allgemeine  (Si;nobe  ent^ 
fc^cibe.  ©0  mugte  funftig  noc^  ^u  2Ifd)offeuburg ,  njo  ber 
le^te  53ergleic^  ?  £)rt  fcj?n  foUte,  er(I  nocfe  fcierlid)  erfldrt  mxf 
bcn,  ha^  mit  gemeiner  ^iupimmung  bie  ^Saeler  Decrete  ^um 
©runbüertrag  angenommen,  bag  in  biefen  2^ecreten  jum 
SSort^eile  beö  q3abjle^  nur  biefe  fünfte  gednbert,  m\^  nad) 
bem  25ebiirfni0  ber  2)cutfd)en  .^ird)e  nur  jene  ^unhe  anberö 
geformt  «jorben  fei)en.  Sßenn  ^u  CIfd)affcnburg  nic^t^  »er^ 
fprocfeen  ttjerben  foüte^.alö  ta^  alUi,  tt?a^  (Jugen  ^ugefagt 
iabi,  fallö  eö  nic^t  auebrucfltd;  au  5Ifd;a(fenburg  gednbert 
irorben,  uuDerdnbert  gehalten  n?erben  follc,  fo  n^ar  Djfcnbflr 
tiic^tö  entfc^ieben  für  tk  endige  SSeibe^altnng  bcr  ^aeler 
2)ecrete,  benn  ^ugen  Jatte  ^k  eniige  33eibc^altung  berfelben 
nie  sugefagt,  er  \t>ar  nic^t  langer  an  biefe  Decretc  gebunden, 
aU  bis  fein  ^Jegat  mit  ben  Deutfd}en  concorbirt  ^atte,  ober 
wenn  etwa  ber  53erg[cic^,  bcn  fein  ^cgat  ^u  2lfd)offcnburg 
iä)lo^,  fein  Dolleö  (^oncorbat,  fonbern  nur  einfureilige  fd)iift^ 
lic^  öerftcberte  ^oleranj  auf  einige  bejlimmte  3a^re  fepn  füllte, 
nur  fo  lange  an  biefe  Decrete  gebunben,  biö  eine  allgemeine 
(gijnobe  enblid)  entfcfeeibe  ^^). 

*)  @.  bie  ^ä'l)|!lid)e  35ulle  vom  5.  ^etr.  1147.  in  conc.  uat. 
germ.  iiitegr.  p.  142. 
^^)  Perraittentes,  tjci^t  eö  in  ©U(jenÖ  SPulfe,  et  indulgentes  quod 
oniues  et  siuguli,  qui  proefata  decreta  receperunt  —  illis  — 
libere  et  licite  lUi  possint,  —  donec  per  legatuni  hiijusmodi, 
ut  praedictum  est,  concordaiiim  fuerit  vel  per  Couciliiuu  — 
allter  ordinaiuiu.  Conc.  iiat.  geriu.  iutegra  p.  130.  131. 


471 


Docfe  wai  bcr  Segat  (Sörbinal  Soi&ann  ^u  2Ifct)affeubiirg 
fd)Iog,  trägt  felbjl  in  ber  Uvfunbc  bcn  Dianicn  eiite^  ^DiKur* 
tat6,  fein  (ioncorbat  fcl}log  ftd)  blog  mit  bcr  öllgcmeincn 
23e(ldtigung  ber  ^SenviÜigungen  ^ugenö ;  fo  fd;Iog  cö  fic^ 
ölfo  aud)  mit  ber  ^voax  nur  (tiUfd)ireigcnbcn  aber  bocl)  flaren 
5)orau^fe^ung,  bog  bie  Slcccptation  bcr  ^«eler  Decrete  nun 
ein  ^*nbc  f)aU,  mil  enblicfe  einmal  concorbirt  irorben  fct), 
baS  ber  ^ab^  i^re  längere  gortbauer  nid)t  önerFcnne,  weil 
er  fie  nie  ouf  längere  ^dt  önerfannt  iabi,  ali  biö  fein  Scgat 
(Soncorbate  gefcl}Ioffen  Jaben  njurbe. 

2)ie  ^a^ler  X)ecrete  finb  alfo  fein  ^bßil  um 
ferö  Sßertrag«  mit  bem  ^ahfi,  wenn  baö  blog,  wa« 
beibe2!6eile  fid)  wec^fel^weifc  ^ufagten,  au  einem  vollgültigen 
5ßertröge  gebort,  fie  fiub  nid}t  ber  gunbamentöN 53erglcid), 
bem  bcr  ^fcl)öffenburgcr  Sluffa^  blog  (Iinfd)rän!ungcn  unb 
«DZobiftcötiou  gab,  bcnn  mit  ^ollcnbung  beö  Slfcfeajfenburgcr 
3luffa(^e^  ^a\u  unfere  t>om  ^^abjl  anerfannte  2Iccepratiün  ber 
23aÖler  I5ecreie  ein  (5nbe,  fie  ftnb  leiber  ffir  jcben,  ber  bem 
Sifc^affenburgct  Oluffa^c  bdtxat,  burd)  bicfcn  ^Seitritt  l^iflorifd?^ 
^ublicifiifd)e  2lmiquität  geworben ,  unb  cö  !ann  i^nen  feine 
ewige  forrbauernbe  ^errragö*(S)uItigfeit  geben,  ta^  im  Sifd^af* 
fenburger  Sluffa^e  bie  wid)rig(lcn  5)^aterien  nic^t  berührt  wur? 
bcn,  für  beren  treffliche  D^cformation  in  ben  95aöler  Secretcn 
gcfcrgt  war.  Denn  warum  wiebcrbolte  man  nicijt  jene  ^a^f 
Icr  X)U'm,  beren  äöirffamfcit  (Jugen  einzig  nur  für  einen 
gewiffer  eingcfd;rän!ten,  nun  t^erflojKnen  Seitpunft  eingeräumt 
f;fltte,  unb  an  beren  ©teile  nun  feine  neue  Seflimmungeti 
famen  1 

Wc  wir  boc^  geräufc^t  würben,  ober  wie  «ngefc^icft  ber 
(SoncipÄe  M  Slfcbaffcnburger  2Iuffa^cö  ^u  concipiren  wugrel 
2llle«  rarb  burc^  Un  Slfc^affcnburger  2Iuffa^  bcjlätigt,  wai 
^uflcii  V.  cfiebem  bi«  jur  uäcfeflen  großen  ^vnobe  *>erwiUi# 


472 


brucflidf)  öbgeanbcrt  fa;.  9?ld)tö  f)am  ober  ^ugen  gernbc^in 
biö  3ur  nact)(teu  großen  ©i;nobe  bcrtrilligt.  ^aö  er  tertril* 
ligte,  t>enttUigtc  er  nur  fo  lang,  bU  euttrebcr  fein  Segat  Son^ 
(orbate  gefd)lofl'en,  ober  biö  ^ur  ndcbflcn  großen  ®9* 
nobe,  SGcnii  ölfo,  wa^  ^u  Slfc^ajfcnburg  gefcfea^,  bcr  Segoz 
ble  be^eid^uetcn  (loncorbate  Wlog,  fo  war  njenigflcnS  in  bie* 
(er  23c3le^ung  baö  trcitcre  (2t)nobaI?S[Öarteu  überfluffig,  mib 
wenn  man  bic  Jiefer  ge66rlgc  ©teile  be^  2lfdjaffenbin:ger 
Sluffa^cö  mit  ben  S5ullen  (Jugenö  öergleicbt,  fo  ijl  unbegrcif? 
liit,  voa^  f)kv  ber  (5oncipi|l  be^  2Ifd)affenburger  Sluffa^eö  mit 
feinem  usque  ad  tempus  futuri  generalis  Concilii  Wollte, 
wenn  e^  il)nt  anberö  nid)t  fajl  miwlllfurlic^  ^ier  ^ur  gcber 
flog,  weil  er  ein  paar  tjor^erge^enbe  Stellen  feinet  2Iuf(a^e« 
immer  mit  ber  Erwartung  beö  futuri  Concilii  5a  fc()liegen 
Wie  '"0. 


*)  @^  entjllanb  burcb  ©inrürfunc;  ber  SBorte  imue  ad  tempug 
futuri  generalis  Concilii,  wie  fie  in  ben  (Bai}  q"«  per  Euge- 
genium  Papam  —  permissa  concessa  iuduita  atque  decreta 
fiel)  cinfc^lic^cn,  eine  fft)einbare  (\roOe  :D{<I)örmonte  jiüircl)cu 
bem  reterens  xinb  bem  relatuni.  'jn  ben  Nullen  Guciciii?  war 
nirf)t^  gerabe^tn  bi^  auf  bk  nlid)\ie  qxo(u  ©pnobe  yenmaitit, 
itnb  bicfe  2Öorte  be^icljen  fiel)  bod)  einzig  m  jene  Nullen  (?u; 

genö.  5(llein  wie  leicht  inter  referens  et  relatuinX^i6l)virmLMliccn 

entfiel)en  Bonnen,  gibt  felbjl  ber  fcI)arrTinnigc  ^perr  m\  .<pori.r 
in  ber  5lnmerl^ung  ju  biefer  ©teile  ein  merfwürbigeö  33eifpieL 

Qv  fagt:  Intelliguntur  hie  quatuor  bullae  sub  h.  3.  4.  5. 
et  6.  adductae  et  in  specie  illa,  quse  snh  n.  5.  occurit.  Haiic 
enim  usque  ad  tempus  futuri  concilii  vel  uhi  alKer  ferit  con- 
cordatuni,  concesserat  Eugenius  IV  teste  Raiualdo  ada.  1447 
11.  17.  unde  et  deinceps  vi  versiciili  praeseulis  etc,  cc. 

3n  biefer  einjigen  ©teile  finb  bvei  nierfwürbigeSi^ljari 
nionien  inter  referens  et  relatum.  2)enn  in  Gugc^  23uUe 
^eipt  e^  donec  per  legatum  Uujusmodi,  ut  praedictum  at,  cou- 


A73 


©41«  ^u^cn  n{cf)t  eingeräumt,  räumte  auc^  n\d)t  ein 
fein  gitJdjfoI'c^er  Dlifolauö  V.,  «"t)  S5ullen  Ui  le^tcrn,  tie 
man  al^  neue  ^Scpdtigung  bcr  unö  t?om  ^ab^  ^ugeffanbencn 
5^ö6ler  Dccrcte  anfielt'"')/  ft"^  blo^  53e|tat{gungcn  bcr9?cd)te, 
bic  un^  fein  Vorgänger  (Jugcu  IV.  ^ugej^anb,  tra^  bicfcr  ölfo  ntd)t 
^ugcftanbcn,  f)at  ^ifolaui  nie  befldtigct,  ber  Slfc^affen^ 
burger  Sluffa^  i(l  letber  unfer  gan^e^  t>olIj!anbt^ 
gc6  (5oncorbat  mit  bem  ^^abjte. 

(Bo  mf)m  man  c6  aud)  einmüt^ig  t)on  1448  bi^  int 
großen  !<Jt6olifc^en"3been  j^Siebolution  unfer^  ^dtalux^ ,  unb 
nicl;t  eine  ©pur  i|!  i^orjanbcn,  bag  man  je  öuf  bie  ^a^ler 


cordatiim  fiierit,  vel  per  Concilium  —  aliter  fiierit  ordinatiim. 

Sllfo  ijat  ^err  t>on  iporfjc 

1)  bie  .Orbnuug  t5er!el)rt,  2)er  ^abjl  fcfteint  offenbar  erfl  auf 
ben  ?yaü,  wenn  fein  2i^at  wegen  eine^  (Joncorbat^  mit  im 
©eutfiten  nic^t  einig  werben  Hnnc,  ben  i^ermin  feiner  ^Ser« 
widiciung  bi^  sur  näcf)jlen  ©i)uobe  ju  erftrecfen.  3)ie  ©pnobe 
i)l  nid)t  ber  erfle,  fonbern  bem  ©eifl  ber  Oiömifc^en  ©urie  ge* 
mä|3  nur  ber  5weite  ^otI)fa((ö:  Termin. 

2)  ^perr  von  ^porijc  fd)ob  ha^  t)ier  fo  n)icl)tige  2ßort  aliter  au^ 
einem  ©aije  in  ben  anbern,  3)er  ^abfl  fagte:  3d)  geflattc 
euc^  ben  ©enuf;  aller  von  euc^  angenommenen  35a^ter  S)ecrete 
donec  concordatum  fiierit.  ^err  t)on  ^orijc  läfjt  il)n  fagen : 
donec  aliter  concordatum  fiierit.  d^ad)  ^erm  DOn  .^OrijC 
^uobrnif  wäre  e^  fo  äiemltd)  gcwiil,  bajs  alle  acceptirte  SBa^Ier 
©ecrete,  tic  burd)  ha'$  (Joncorbiren  nid)t  abgeänbert  würben, 
fortbauernb  gültig  fei)en,  ^ad)  ben  Sorten  be^  ^a&fle^  f)at 
e^  mit  ber  2Birffamfeit  ber  35a6ler  2)ecrete  ein  ©nbe,  foklb 
concorbirt  worben. 

5)  3«  ber  citixUn  @te(le  bei  Oiainalb  fi'nbet  jTc^  M  5Hngefüt)rte 
nic^t,  boc^  mdUid^t  fd)lid)  fic^  l)ier  ein  2)rurffel)ler  ein.  Sß5ie 
aber  bk  U  c,  »on  Oiainalb  angefüljrten  2Borte  be^  5Menea^  ^icco* 
lomini  ju  erklären  finb,  ergibt  fid)  bei  genauerer  S3etrad)tung 
t)on  felbft  obne  mein  ©rinnern» 

*)  ©.  bie  JöuUe  bei  Oiainalb  ad  a.  1448.  u.  3. 


474 


Dccrete  aU  ZklU  unfcr«  gunbamcntab  ^crglcic^e«  mit  bcm 
^abjle  SKücffic^t  genommen,  t)öß  man  fid)  in  ben  mut&üoü* 
f!cn  nacl)fo(3cnt)cn  J^^it^"  ^uc^  nur  einmal,  felbiT  fo  lönge 
bie  ©cncrarton  nod;  lebte,  bic  fid)  bcm  fdjoucn  Slfc^cijfenbur^ 
ger  2Iuffal^c  unterirarf,  felbjt  wenn  flögen  öücr  2Irt  t>orfa^ 
men,  öuf  $5aölcr  Decrete  öIö  2^&eile  nnfer^  (Joncorbatö  be^o^ 
gen  ^dtte,  91ur  gilt  nic^t  Ute  öllgcmeine  23e3ie^ung  auf 
SSa^ler  2)ecrete  alö  S5e3{ebung  biefer  2lrt,  benn  bic  ©c^lüjTc 
ber  fed)3ebn  erflen  ©cffionen  biefer  ©i)nobe,  bie  ^abjl  (Jugcu 
felbj!,  obnc  S^ücfftcfet  auf  (Soncorbatc  mit  irgenb  einer  ^Zatton, 
cU  red)tmagige  ^t)nobaU®d)lu|Te  beftdtigt  ^am ,  mugten 
eben  baber  Ui  ^uvialiften  unb  D^^oncurialiften  aU  allgemeine 
^ird)en * ©efe^e  gelten;  auf  fte  al^  allgemeine  ^ird}en?©c* 
fe^e  bc^og  man  fic^  b^upg;  "ber  t>k  9^omifd)en  53crle^ungen 
berfelben  n?urbc  mit  SKed)t  geflagt;  ber  ^abjt  n?ar  natb  all* 
gemeinen  Äirefeenj=§Kecfetö^©runbfdgcn  ^u  23eobad)tung  berfel^ 
ben  t)erpflid)tet,  aiiä:)  n?enn  feine  bcfonbcre  Vertrage  mit  Deut* 
fc()cn  ober  irgenb  einem  anbcrn  23ol!e  ba3n)ifc^en  famen  =^0* 


*)  ©0  erl^lärt  ei  fi'd)  leiitt,  warum  man  ficf)  UFA  «uf  ber  ^^ro* 
tjincial-@i)nobe  ju  ^Taünh  fetbfl  in  ©Cvienwart  unb  mit  (fcn= 
frmation  be^  ^avbinal  l^egnten;  unb  1452  auf  ber  (£t)nobe  ju 
SSürjburg  auf  ha^  25ecret  ber  fünrVbuten  ©efftou  ber  9?a^ler 
©^nobe  Don  Haltung  ber  ^Uoiuncial*  unb  2) isj Ce- 
fa n:@ouoben  berufen  konnte.  @.  Ilarxlieim  Concil.  Genn. 
Tom.  V.  p.   399,  433  coli.    Conc.    iiai.    gerin.  inlegra.  T.  II. 

p.  226.  ©0  erflärt  (id)  aucf),  me  ber  9?iainjird)e  eanjier 
?roe))er  1457  an  (Tarbinal  ^cneni  ^piccolomini  fct^reiben  fonnte: 
Domino  meo  Arelii-Episcopo  frequeiiles  afferuiilur  de  Romano 
Poutifice  querelee ,  qui  iieque  Constantiensis  iieque  Basi- 
leensis  Concilji  Decreta  custodia  iieqiie  se  paclionibus 
Autecessoris    sui    teneri  arhifraiur  etc.  etc.     Üi>ie  1)ecrete  btT 

fed)^iel)n  etilen  ^aelerSefiToncn  waren  nod)  nii1)t  (Jontrebanbe, 
hie  cirgerlidjileu  ©d)lüiTe  folgten  erjl. 


475 


3n?ar  crfldrtc  ba«  SRcicI)^  »ERcgtmcnt,  ba$  1500  eine 
©efant)tfd;aft  nad)  SRom  fc^idfen  troUte,  um  bie  ölten  immer 
fcrutfeubcrcn  35efd)trerben  cnblld)  einmal  ju  verbitten,  fcfco« 
in  ber  5n|lructio«  feiner  ©cfanbten,  bog  \)k  ^oncorböte, 
tveldje  iu  ^afel  3n?ifd)cn  bem  SKomifc^en  ^tu^I  unb  ber 
Deutfd}en  Nation  öufgeric^tct  unb  befd;Ioflfen  worben,  man* 
nid)fa(tig  berlcj^t  ivurbcn  '-^v,  aber  geigt  nid;t  gcröbe  biefe 
(Stelle,  vrcld)e  ubcrbieg  unter  ben  ^unbert  ©taatö  *  bieten  bk^ 
fcr  2Irt,  Die  t)or!ommcn,  fo  einzig  gufallig  ben  Dramen  ^a# 
fei  nennt,  geigt  md)t  biefe  6teKe,  wk  ircnig  ber  ^oncipijl 
trut^re,  rvaß  er  eigentlich  raoUe,  wie  untniflfenb  er  trar,  irie 
er  trobl  öud)  bon  SSaeler  Decreten  gel^ort  ^attc,  ^ccrete  mit 
(^oncorbaien  vermengte,  unb  ireber  biefe  nocfe  jene  genau  fannte? 

girar  irirb  i>iel  unb  oft  in  3fieid)6tag^^2lbfd)ieben  unb 
SReid;ötagö^S3er^anblungen  ber  S"rff^n^^oncorböte  ge^ 
bad;t,  fo  eigen  unb  nad)brudft>olI  Q<^bad)t,  aU  ob  fie  öon  un^ 
fern  önbern  befannten  ^Jertragen  mit  bem  S^omifc^en  (^tubk 
t?erfd)ieben  tnaren,  aU  ob  nid;tö  anbcrö  mit  benfelben  t>er(!anä' 
ben  fei)n  fonnte,  aU  jene  burc^  unfere  2l(ceptation  unb  burc^ 
pdbftlid)e  2Inerfennung  berfelben  noc^  immer  fortbauernb  gül^ 
tige  ^25a6ler  Dccrete,  ale  ob  ein  auögegeid)neter  vBorgug  öuc^ 
fc^on  im  9]amen  felbfl  Idge,  ein  Vertrag  Jier  gemeint  irörbe^ 
irie  i^n  nid)t  ern?a  ber  ^aifer  blop  gugegeben,  fonbern  ^eut= 
fd)e  unb  Ucnrfd^e  grei^eit  liebenbe  gurRen  im  t)Dllen  S5ett)ugt^ 
fei;n  i^rcr  ^urbe  gefd)loflren  ()dtten.  Doc^  bie  unberfennbar^ 
(len  ^iftorifd)en  ^et^eife  geigen,  ha^  bic  Sllten  hd  bem  ©e^ 
brand;e  beö  5LBortö  gürflen  ^  (Concor bäte  m  jene  S3öeler 
Decrete  gar  nic^t  gcbac^t  ^öben,  bag  ber  Äaifer  nie  aufgeru? 
fen  würbe,  un«  hei  bem  S3e(t^e  ber  33aöler  25ecrete  gu  fc^u^en, 
tag  bk  ,uner|c^rocfen(!en,   gele{irte|len  ?U?dnner  jeneö  3^^^^^' 


*)  ^üiUt^  ^eiitötagö*6taat,  ©,  117. 


476 


Uv9,  ba  cnbllc^)  bie  Slufrecfetjaltung  ber  görf!ßn#^oncorbate 
fdbft  in  bcr  Kapitulation  bcm  Äaifcr  ^ur  ^flid)t  gcmadjt 
würbe,  nie  unter  biefem  9^amen  an  cttt?aö  anberö  gebadet 
faben,  ale  an  ben  2luffa(^  ton  2Ifd)affcnburg  ="0. 

Der  SIfc&affenburger  ^uffa§  ijl  alfo  (eiber  unfcr  gan^eö 
toUffdnbigcö  (Soncorbat  mit  bem  ^abjie,  unb  wenn  wir  noc^ 
tjollenbö  hie  ganje  ®cfcl}id)te  feiner  K'ntjle^ung  n^ugten,  tai 
gan^e  ©piel  überfdjaucn  f5nnten,  baS  ber  neue  pabftlid;c  Se* 
gat,  bie  ?Qtain^er  tRatf)c  2Ieneaö  ^Mccolomlnl  unb  bicllcid}t 
düä)  ber  raftlofe  9^ifo[au6  t)on  (Su6  fpielten,  n?cnn  wir  aud) 
nur  ben  öertraulidjen  S5ricf  Ratten,  bcn  ber  ^abft  burd)  fei? 
ncn  Segöten  feinem  ge^orfamen  d'rj?  S3ifd;of  tjon  Wlaiw^ 
fdjicfte  '•"•0/  ttjie  unö  t>ollenbö  eine©ffcbic^tc  empören  mugte, 
hii  ben  t)OÜ(idnbigf{en  ©icg  ber  arglifttgllcn  ^politif  unb  bie 
treffenbjlen  SSeweife  unfrer  mig&anbelten  9flc bltct)f eit  anä)  in 
ttjenigen  befannt  gcnjorbenen  gragmenten  enthalt» 

^iix  pdbillic^er  Legate  folltc  nad)  Scutfd)Ianb  fommen, 
balb,  wu  eö  feieg,  mit  ben  Dc«tfd)cn  wegen  S5eobadjtung 
unb  SiJ^obiftcation  ber  S5a^[er  Dccrctc  unb  wegen  cnblid;er 
^ntfcfeeibung  ber  pdbftlidjen  2{Iimentation^*^?üIfe  ^u  ^anbeln, 
balb,  Yoic  eö  wicbcr  in  eben  berfelbcn  35uüe  ^ieg,  mit  hen 
Deutfd)en  Koncorbate  su  fd)Iiegen,  weil  cer  ^^iibft  blog  biß 
5ur  ©c^Iicgung  biefer  (^oncorbatc  bie  25cobiid)mng  ber  'ida^f 
ler  5!)ecrcte  gegönnt  ^Mtc.  5Benn  jTc^  ein  freimutf;igcr  Deut* 
fcfeer  9}?ann  an  ber  legten  2Irt  be^  2IuftrageJ  ftieg,  nrie  er 
ftd)  billig  flogen  fonntc,  benn  nac^  einer  reblic^en  5Inna^mc 
ber  granffurter  ^unctation  waren  3undd;|t  weitere  Koncorbate 


*)  5Q^etne^  ©trtcftten^  x^oiiu}  überjeu(jenb  bemiereu  in  bcr  oben  iXU-. 
gefüljrten  t)ortrefpli(f)en  @c()rift  von  ^ervn  (ÄJreöel.  6.  22.  2.>. 
*'-*)  Gudeiii  Cod.  dipl.  T.   IV.  u.  138. 


477 


nid)t  norjnjcnbig  gewefni  '^) :  fo  Dei\i?ie5  man  i^n  öuf  bie 
cr|tercu  ©rcUcit  t)er  25ulle,  unb  trenn  ftegreic^  ber  ERomifc^e 
©eniu^  mchcx  empor  fam,  tvenu  fünfttg  nod)  3^''^^"  ^in^r 
ungcfrürtereu  ciufcitigcu  S^t^rp^^^fötion  eintraten ,  fo  t)ent)le^ 
man  blog  auf  ble  leereren  «stellen  berfelbcn^  unb  ben  le^tercn 
©teilen  !cnntc  mau  ben  6inu  nicbt  jlreitig  mad)en,  ^cn  ber 
23ifd)of  t)on  9\om  ^u  feinem  "ißort()eil  ^u  nü^cn  fuct)te. 

Olod)  e5e  ein  2egar  anfam,  nod)  e^e  auö)  nur  ^u  9^om 
ein  ii^atc  uad)  Deuifd^Ianb  bejümmt  njcrben  fonnte,  fo  wa^ 
reu  Qkid)  ouf  bie  9]ad}rid)t  t)om  S^obc  S'ugenö  unb  öuf 
tk  fo  fdjnell  folgcnbe  5^ad;rid)t  Dom  neugctrd^lten  ^"^abfle 
DUt'oIauö  V.  neue  gro^e  25en)egungen  in  2)eutfc6lanb  en^ 
jtanben,  tk  alte  greifteitö?  Partie  lebte  fiufl  92eue  öuf,  t>on 
bem  neuen  ^abj!,  c^e  man  i^m  ©e^orfam  leijlctc,  fc^ien  eine 
unbcbingte  Sluerfennung  ber  SSaeler  Decrete  geforbert  irerben 
3u  !6nncn,  bk  (5^urfur)len  üon  Syrier  unb  öon  ^oln  blkhcix 
ihrem  alten  ©i;jremc  getreu,  and)  ber  (5()urfurjt  öon  (^ado\cn 
unb  ber  ^?cr^og  t>on  SSaiern  Ratten  nod)  ftanb^aft  ben  ^c'u 
tritt  gur  pdbjllie^en  gaction  Dern?eigert  '•"•'0. 

Äaifer  griebrtd),  bem  fein  (gccretdr  öleneaö  ^^iccofojj 
mini  nod)  gcrabe  gu  red)ter  ^dt  bon  9;om  ^urucf  fam,  rief 
balb  mä)  2lfd;affenburg  '•''"'^"')  einen  großen  ^om?cnt  üon 


*)  Gudeni  Cod.  dipi.  T.  IV.  p.  304,  mo  ber  ^^a\)\i  felb|>  fagf, 
ha^  fd)on  unter  Q:u^m  bic  (Joncorbate  mit  bem  ?iömifd>en 
©tub(e  qerd)loncn  iDorben  fepen,  e§  fep  nur  norf)  übrig,  unter 
ben  2)eutfi1)eu  felbil  burd)  ^ü(fe  cm^^  £egaten  einicie  tHnorb- 
nunqeu  ju  machen. 
"•=)  ^k]e^  nhdit  au^  ber  lUt.  vom  28-  Sunt  1 147  bei  Hoiuheim 

hisr.  Trevir.  dipl.    Tom.  II.  p.   409. 
***)  1.^.  3u{i  1447-    1^k)C^  Qomcnt^  gebeult  ber  Äaifer   in   ber 
Urf.   bei  Rainald  ad  a.  1447  n.  17.    unÖ   Qlcnea^  Q.Uccolomini 
in  feiner  (Jr5äI)Iuni3   iu  conc.  nat.  gern»,  iutegr.  T.  II.  p.  45. 


478 

0cl(inc6ett  m\h  ttjelttlc^en  gurjlei?  sufammen,  ölte  5^cgociatlonö* 
Äunfl  wövb  aufgeboten,  um  bcm  ncucu  ^ahiit  bk  £)bcbien,i* 
tSe^cugun^  bcr  I^cutfcfecn  Suifeii  ^u  bcrfcbajfcn;  bcr  ^aifcr 
erlieg  m  ^•rma6iiung6fd)reibcn  öu  alle  (E^urfürfrcn ;  2lenca3 
^iccolomini  retöte  ^crum;  balb  uaun  auc^  mehrere,  bic  biö? 
5er  q)atrioten  geblieben,  ber  faifevlicö^pab|llid)en  Partie  bei; 
tu  55ifc^5fe  Dou  5Öormö,  6peier  unb  ©tragburg  tvuvben  ge* 
ttjonnen;  ber  ^^urfurfl^  Don  bcr  «pfal^  unter\rarf  ftd);  feine 
?3ettern  bic  regierenben  ^föl^?©rafen  Otto  unb  Sodann  Ici* 
flcten  £)bebien^,  unb  bie  bamalö  fc^on  fo  mddjtigen  ©rafen 
i>on  SBirtemberg   lüaren  mit  i^nen  gefolgt  '•'). 

X)cv  neue  ^abfr,  ber  cor  jlur^em  felbfl  erjl  in  Deirtfc^^ 
lanb  gcttjefen  irör,  ber  auf  bem  gmften  f  (JouDeiite  ^u  %xai\h 
fürt  alle  ^^auptperfonen  !ennen  gelernt  ^atte,  ber  ben  Deut^ 
fc^en  gufammcn^ang  me^r,  aU  unö  nui^lid)  war,  njugte,  ber 
neue  ^ab\l  ^pidtc  ben  aufrichtigen,  gefälligen  9)iann,  fprac^ 
felbjl  t)om  Dominate  feiner  53organger,  fd)ricb  red)t  jurmu^ 
lieft  an  ben  ^^urfurflen  t>on  !D?ainj,  unb  n^dölte  jtd)  enblicft 
flucft  einen  Legaten  au6,  ber  rcdjt  ^um  griebenö^^^oten  ge^ 
mad)t  ^ü  fet)n  fcftien,  fo  liebreid)  nabm  er,  voa^  er  nehmen 
irollte,  fo  fuge  unb  IkbWd)  fangen  feine  33itren,  wenn  er 
öucft  um  ^inge  bat,  bic  ^illigFcit  unb  9^ed)t  ^unjibcr  waren. 

Der  9legociationö*(^onuent  beö  enblicft  angefommenen 
pdbftlicften  ^arbtnah Legaten,  ber  ad)  wie  auf  lange^in  baö 
53erbdltnig  ber  Deutfdjen  ^ird)e  ^um  9fiDmifd?cn  ©tublc  cnt? 
fc^eiben  foUte,  warb  wieber  gcbalten  ^u  2lfd}ajfenburg ;  5U 
^oln  ober  ^u  Ürier  wdre  er  fd)wcrlicft  gelungen*  X)k  Diejt* 
benj  M  ^r^  ^  35ifd)ofö  öon  SJ^ain^  war  gar  nid)t  blog  aU 
Slejtbcni    M  erpen  I^eutfc^en  (2ti(^i{d)o\^   bcr   bequemte 


*)  5If(e  bUft  Difiorifif^en  ttmfianbe  erbellen  auö   bcr  päbftUcfjcrt 
SBulIe  hü  Rainald  1447.  n.  17.  p.  338. 


479 


^onfcren^ort  für  ben  pdb]l(td)en  Senaten ;  ^mi^  fprod)  tcr 
ttiutf)üonffe  Di'putirrc  einc^  parriotifctjen  ^ifcl)of^-  ^u  2lfc^öf# 
fcnburg  fcl)uci)rcrner,  alö  ^r  In  Salzburg  ober  ^u  S3omi  gc* 
fprod)ci]  l)abcn  tnur&e. 

gajl  über  ^rtDartung  war  Dorlauftg  gc^ronncu^  bag  ba 
öufang^  nur  (^b»r??Oiainj  Partie  na^m,  \>a^  nun  fd)ou  bie 
ipdifrc  bc^  (5()ur?(5DÜccjiumö  3ur  gaction  bcr  $öb(l«^(jrttc 
übergetreten  wat  ''0^  ^^Ö  gerabc  bie  \t)id)tigerc  ^?dlfte  be^ 
^()ur.'(^oUegiumö  für  bcn  ^abjl  fd)ön  Partie  genommen  b^tte, 
benn  öuf  feiner  ©elte  jlanben  ^wci  iDeltlic^e  ^^urfüvjlen,  unb 
Don  ben  geiftlicfeen  (Jburfürjlen  gerabe  berjenlge,  ber  bie  größte 
^roDin^  aüer  S3eutfd)en  Sanbc  b^tte,  ber  ben  Dec^anten  unb 
^orgeber  be^  ganzen  (Sollegiumö  möd)cn  mugte  =-'0»  ^^^^^ 
^rnjartung  wav  gen^onnen,  bag  neb|l  (Salzburg,  beffen  Dcpu^ 
tirte  fd;on  öuf  bem  gür(ten  ?  ^ouDenre  ^u  granffurt  gur  Uu 
ferltd) I  pdb|llld)cn  «pnrtle.  (id)  ablocfcu  Itcgen,  aud)  bie  ^t^* 
23ifd)ofe  t>on  9}?agbeburg  unb  t)on  53remcn  enveic^t  tt)orbeu 
waren,   bog  mit  i&ncn   baö  nürblid;e  ^eutfd)lanb  fa(!  gönj 


*)  9(ud  bekannten  lltfaff)cn  Ijdt  man  auf  33übmen  bier  <iflr  ntcbt 
hu  feben.  ^Tiain^,  '^fa^  unb  SBvanbcnburg  ciebörten  sur  ^cibil* 
'^axtu,  (^öln,  Girier  unb  @ad)fen  ju  ben  Patrioten.  SBa^  ber 
^burfürit  von  bcr  '^faltf  für  feinen  Uebertvitt  jur  ^abft^i^avfie 
erbalten  ijabc,  iH  nocb  niitt  befannt,  nM'e  mttlid)  aber  bem 
(Jburfürilett  von  33vanbcnburi]  berfelbe  bclobnt  movbcn  fei),  Ht 
Spcn  ©rec^el  l  c.  @.  18  äUeiit  bemerkt.  3)ie  33ifdiöfe  von 
^ranbenburci,  £ebu6  unb  ^avelberg  n^urben  bi^ber,  wie  med)t 
njar,  von  ibrcn  (Kapiteln  (}eivablt,  nun  erbielt  ^burfürft  S-rieb= 
rid>  II.  vom  ^abil  i)a^  lebenelangUd)^  ^H'ivileciium,  \)u\c  ^U 
fd)öre  ju  ernentien.  2)aö  mar  vom  ^>abfte  für  ©eutfite  Mx- 
d)en  s^Jreibeit  geforgt! 

*♦)  @.    ©d^reiben    ^aiferö  ^rfebrid)^    an  (5.   23.   T^iHxid)  von 

9)iaini,   12.   ^ugu)l  1445  Ui  Guden.  T.  IV.  p.   288. 


480 

gewonnen  ^(ikw  *).  2)ic  Q5ifc^&fc  fc{)i'encn  folgen  ^n  wfiflTcn, 
tDcnn  man  nur  er|!  bic  (^r^bifc^ofe  genjonnen  ^nttc,  bcnn  bie 
genjonnenen  ^v^hi\d)h\c  liegen  bcm  ^abjlc  leid)t  nod)  ferner^ 
6in,  n?a6  fd)on  burd)  bie  (^oftni^er  (^oncorbare  fünf  ^af)xc 
lang  eingeräumt  njorben,  ba^  Konfirmation^?  9?ed)t  ber  5Si? 
fd)ofc,  unb  ttjenn  ber  ^abjl  auc^  nur  biefcö  SRec^t  erljiclt,  fo 
war  für  bic  fc()ne[Ie  künftige  (Sompletirung  feiner  Partie  mc^r 
gewonnen,  aU  man  bamal^  erwarten  mochte. 

a^  gejt  langfam,  b'iQ  man  ben  Deutfc^en,  beffen  9^atio^ 
naU©efü6I  für  grei^ett,  SBa^r^eit  unb  S^ec^t  fo  laut  fprid)t, 
cnblid)  iur  Defpoten ;  Partie  berübersiejt,  unb  fo  benn  enb^ 
üd)  ^ur  felbjtbulbenben  Unterjochung  bringt;  aber  wenn  ^at 
je  SRom  ba^  ©e^eimnig  »ergejfen,  bixtä)  langbinge^ogene  CRe^ 
gociation  feine  ©egner  ^u  ermuben,  bic  Snterefen  gu  t^cilen, 
mit  bcm  erregten  ober  rege  geworbenen  K'igcnnu^  einzelner 
SD^irglteber  feiner  ©egen  f  Partie  fc^nell  feiner  gan<|ien  ©egen^ 
q}artie  ficfe  furd)rbar  ^u  mad;en,  5Bte  baö  alleö  aud)  ^u 
2Ifc^affcnburg  gelungen  fct)n  rnug,  ba  ber  pabrtltd)e  S!egat  fei? 
nen  (5urialiflen  =  ^lon  fo  erweitern  fonntc,  bag  er  nic^t  mcbr 
blog  an  eine  iaörltd}e  ffatilid)c  2IIimentationö<  j?ulfe  für  fei? 
nen  ^errn  ben  ^pabfr  bad)te,  ba^  er  nid)t  me^r  bIo(5  um  ein 
jdbrlicöeö  ©clb?  Kontingent  gu  Untcrbaltung  bcö  pabftlid)cn 
^?of*  unb  Kanzlei  ?©efenö  beforgt  ^u  fct)n  id)ien,  fonbcrn 
bei  S5efe§ung  ber  Deutfcfcien  ^irc^cn?^frünben  9ied)te  feinem 
^perrn  s«  gewinnen  ^ojfen  burfte,  bk  üielleid)t  nod)  gr6ger 
unb  ergiebiger  waren ,   als  tk  Dor  jwan^ig  S'a&icu  im  (5o|l? 


0  T)a^  aurfj  9}iag&ebur(^  unb  23remen  fd)on  bem  %\h\i  Q-u(\cn 
£)bebieni  (jeleiilet,  erbeHt  au^  ber  ^ulle  beileibe«  vom  7.  S^-ebr. 
1447.  3ur  Beir  ber  ^ranffuvtcr  ^Mmf-tiUiün  ober  ben  5.  Oct. 
1446  iDiiren  hd^e  nod)  niitt  v^^bültd)  qeiTinit  ^^emcfcn.  ^liUe 
man  in  btefer  3iüif(1)enaeit  jur  ^abft  -  Partie  fo  glürflirf)  (^i- 
todvbcn  baben  mufj! 


481 


w'üict  €oiicorbaic  nur  atif  fünf  3a5rc  latiQ  eingeräumte  50 or* 
^uge  gctrcfeu,  finl). 

Die  gelten  [)attcn  1448  bcr  ,f\lrd)cn*grei^'.it  iveit  guu' 
ftigcr  fci;n  foUen,  öl3  fte  1417  bei  bem  eilfcrtii^en  6d)luffe 
bcr  (SoiTniljcr  ©i)»obc  vraren,  Sic  ©runbfd^e  be«  SRec^t« 
tuarcn  anfgcFIarter  gcirorben,  hie  ©rdn3cn  ber  ydb|Ilid)en  (3o 
walt  cjcfannter,  bic  33cifpiele  be^  mut^üollften  5ßibcr(lanbe« 
baiifigcr,  unb  fd)on  allein  öuc^  gronfrctd)  ^attc  ein  große« 
25eifplcl  OiCQcbcu,  trie  Diel  gegen  ben  ^abjl  behauptet  irer* 
hm  fonne.  Dcd;  ücrlorcn  wir  ben  3.  gebr.  1448  ^u  SIfcböjfen? 
bürg  auf  enjig,  iraö  man  1417  bei  @d)Iießung  ber  (Concor* 
tau  3u  ^oftniö  bloß  auf  fünf  Sa^re  lang  Eingegeben  iatu, 
haß  (Sofniil^er  (Soncorbat  ivarb  ^u  5{fd)affenburg  faß  nur  H6* 
gefcbrieben,  naci)  bamaligem  33eburfnig,  n^ie  ber  pdbf!lid)e  Se* 
gat  glaubte,  nbtijiger  ÜQJaogen  bcrfur^t,  mit  einer  neuen  ^nb^ 
(^(aufel  Dcrfcljen  "),  tt?oburd)  ftd)  biefer  Sluffng  an  ^'ugeniu« 
Nullen  anfd)loß  unb  bic  felbji  ber  pdb(!Iid)e  Segat  nic^t  ter«» 
gcjTi'n  buvfte ,  —  jcbe  n)cfenrlid)e  ^erdnberung ,  hk  man  ^tt 
5Ifd)affcnbnrg  in  bem  abgcfd)ricbenen  ©tucfe  be«  (Sojtniljer 
^oncorbatö  mad)tc^  war  nur  53crdnberung  ^\xm  ?3ortf;eile  ber 
fRbmn\ 

2)ie  Ülfc^affenburger  5(cte  i|l  alfo  fajl  nur  erneuerte  9IS* 
fd)rift  beö  ^oflnil^er  (Joncorbat^,  unb  tebe  nocfe  fo  unfcfculbig 
fdjeinenbc  53erdnberung,  hk  man  beim  5Ibf(treiben  Dornajm, 
war  nur  53erdnberung  ^um  ^Bort^eile  ber  S^bmer.  25er  fRhf 
mer  anbcrt  feine  ^brafe  of)ne  5lbftcbt,  unb  wie  fd)lau  er  benn 
(lud)  ^brafen  ^u  feinem  ^ortbeile  ju  dnbern  wiflfe,  haß  geigte 
ftd)  fc^on  beutlic^  genug  in  35e(Ilmmung  ber  c^ronologifd)e« 
Dauer  ber  2Ifd;affenburger  2lcte,  tjcrgliefeen  mit  hm,  wie  i)or^ 


*)  2)er  bePanate  5(bfa^  in  auis  aiuem  u.  f.  w. 
€pittler^  fnmmtl.  ÜBerfe  VIII.  33&.  Si 


482 


fcftgcfpöt  n>utb^. 

3«  ^o}nii^  brtttc  man  ben  Siomcrn  nur  f'mf  ?\.il)re  long 
nachgegeben,  ^u  5lf4)a(fcnbutg  b?ö  ^ur  na.1;rt;'n  c^vo^ai  £«# 
iiobe,  mit  n)cld)cr  e^  n^o^l  nad)  bamaliger  J^ioffnung  fiiiie 
t>Dllc  fünf  ^al^rc  (ancj  3ügern  ^flre.  £tc  iru^ien  aiid)  ^u 
(^oftiii^  iroOI,  ba^  nnct)  ^Uerpug  ber  ndd)nen  fünf  'Sahrc  eine 
groge  ©pnobe  fe«ii  foüe;  Docb  fot^reu  fie  lieber  einai  fmifjab» 
rigcn  Termin,  al6  baß  fte  ^'h  ^\)i\oi>c  ^um  !ievniln  nal^men. 
^U  wußten  wof)i,  njic  feicrltd)  ber  ^>ab|l  eine  ^vnoDe  l^fr' 
fprod;en  ^abe,  fie  trauten  bcm  ^^abft  n>o()I;  fü  faunten  ti: 
öügemeinen  ^Seburfnijje  n3of)l,  tU  mdoitiu^  ivieber  eineewuDbe 
«Dtfjwenbig  madjten,  bod)  blieb  e^  flar  unb  runb  bä  Per 
53ertimmung  beö  balben  Sia^r^e^eub«.  ^atte  man  nur  and) 
^n  3ifd)af|'enburg  lieber  auf  ein  f;albe^  ober  ganzes  ^-^br^ebenb 
üH  auf  leibigc  ©nnobnU  jpoffnnng  üertroftet. 

d'^  n^ar  ne(>n!lid),  iimc  man  im  (Stillen  voöU  bamaU 
fd)on  iT>n§fe,  mit  ben  €>ynpbal » ^^offnungr n ,  xvk  mit  bem 
langen  ©lauben,  unb  wa^  baö  für  ein  langer,  lan<\er  ©laube 
U^,  M  wan  nie  beutlic^er,  ali  auö  ben  ^er^dnblunqen/  tic 
ium  unglucflic^cn  5Ifc^affenburger  ZaQ  fu()rten.  d'rfl  batten 
bic  (5&urfur(^en  su  granffurt  ben  21.  SD?dr^  1446  in  ibrem 
^>atrioten*53ereine  befd)IoJ7en,  baß  folgenben  ^abvc^  ben  crjlen 
^ai  eine  große  ^t)nobe  ^n  ^o|lni!j  ober  ^u  6traßburg,  ^u 
Ößorm^  ober  ^u  ^JlaU]^,  su  W^ain^  ober  ^u  Zrkx  eröffnet 
merben  müfie,  unb  mau  evtrartete  ^od;(t  3ui?erfid)tlid; ,  baö 
nod)  fifben  5}?onatc  t>or  ^*r5jfnnng  ber  ©pnobc  tu  ^ab\ü\d)c 
^ont>oeationö?55uUe  in  Deutfc^Iänb  aligelangt  feijn  trerbc. 
2)iefe  S3uUe  ^u  feben,  famcn  (5()urfurilen  unb  gur|}en  tm 
i,  6ept.  1446  auf ö  ^cüc  in  granffurt  ^ufammen.  Da  ^xo* 
bucirte  jtd)  aber  eine  pdbftlicöe  (5)efanbtfd)aft,  bie  j^offnungen 
unb  ^er)7d?erungen   rei(^lic(?   genug  gab,    voii  ^er^lict)  gerne 


483 


bcr  $abfl  ein  ^oncllium  jufawmcnrufcn  ttJoHc,  »ic  er  nur 
ein  xc(i)i  gro0eö  ^oncilium  ^u  Jabeii  njünfdje,  unb  wie  mö» 
um  eine  recl)t  gldn^ciib  groge  6i;nobe  gu  Jabcn,  er|t  bie  (5tnn)il^ 
Ilgung  anbcrcr  Ovationen  unb  Könige  tjorlaufi'g  nad)fuc^en  mufte» 
X^icfe  SiniDidigung  fam  nic^t;  nun  üerj^racb  Sugen  ben 
5.  i5ebr.  1A47  —  unb  n?ic  uft  iviebev^olte  e^  nid)t  fein  ^(id)* 
folger  Olifolau«  V.?  —  bag  wenn  awd)  biefe  (Jinwidi^uhg 
nie  eintreffen  foUte,  ta^  innerhalb  ^e^n  ^O^onaten  in  einer  ber 
genannten  t)ier  ©tabte  eine  gvoge  ©i)»obe  öusgefc^ricben  irer« 
bm  foUe,  unb  eje  öc^t^e^n  ÜQ?onate  Derfloffen,  werbe  böö  (Jen* 
cilium  eröffnet  feijn.  Docft  bd  man  ju  2Ifc^affenburg  <5on* 
corbate  fct)Iog,  warcn*^  fd)Dn  ^xchli'TlomU  feit  bem  legten 
«Berfprec^en,  unb  nod)  6^tte  man  fein  <^i;nobaU  5Iuöfd)reibett 
gcfe&en,  unb  ftatt  ^wolf  9}?Dnaten  mod;ten  ^wolf  Sajre  t)er# 
fliegen,  fo  warb  bod)  wodo  hin  ©i;nobaI?2{uöfd)reiben  ge^ 
fc&en,  unb  ein  gan^cö  Sajr^unbert  ijt  nad)6er  i>erfIoffen> 
M  enblid;  ha^  Slu^fcfereiben  ^lir  ^rienter  ©i)nobe  !am,  — 
ann  war*^  erj!  tiod)  dm  Jülfreid)e  unb  feiligc  ©ijnobe  tok 
bie  ^rienter.  Demnach  fo  füfirt  unö,  mc  1787  fc^wcrlic^) 
5u  zweifeln  ifl,  ber  @i)nöbal^  Termin  hU  ^ur  lieben  ^wigfeit 
fort,  unb  fo  mag  wojl  fc()on  1448  ber  fc()Iaue  2Ienea^  <B)^U 
t>iuö  ^cr^licö  hd  fid)  getackt  iahen,  wie  tcüt  biefer  lieblic&e 
S^ermin  un^  fortfuhren  folle. 

er  mag  ^id)  gefreut  jaben,  wie  er,  hd  Uebertragung 
ber  alten  ^erorbnung  ^.  $8enebict  XIL  '•")  öuö  bem  (Jof^niger 
^oncorbat  in  ben  Qlfdjaffenburger  5Huffa^,  an  einer  gef($icfren 
©teile  baö  S[Bortd)en  Dignitatum  nod)  einfdjlelc^en  laffcn 
fonnte  *"),  er  mag  einen  ^oUn  SBertJ  barauf  gefegt  Jaben, 

*)  (Jrtravagnnte  Ad  regimen. 
**■)  Nee  iion  etiam,  qua  per  asseciuionem  pacificam  qnorumcun- 
que  prioraiuum ,  dignitatum,    personatuum ,  officioruro  — 
per  nos  —  immediate    collatorum  —  vacantia  —  Ordination!^ 
dispositioni  ac  provisiöul  nostrae  ^  reservamus. 

31  * 


484 


baß  fr  ein  p^at  t)un!(c  ©teilen  M  (JofTuifeer  €oncorbatö  in 
bcr  5lfct)affcnburgcr  2lctc  beutltd)er  '"O  auebiücFcu  lieg,  cb^ 
fct)on  bic  i^ubftiruirung  be^  beutlldjcrn  Sluebrucfö,  ta  bcr 
tva^re  @tnn  biefcr  (Stellen  unbeilreitbar  n?cir,  unnicglic^  Der* 
weigert  ttjerben  !onntc,  unb  einmal  felbfl  bod)  in  bem  neufubfti^ 
tuirten  beutlicfeeren  5lu^brucf  eine  gefa^rtjolle  neue  ^tt^eibeutig* 
feit  laQ,  bic  unfertwegcn  iufdÜiQcJtreibeutigfeit  fci;n  mag'-^^). 


*)  5n  ben  ^ojlnii^er  ^onccrbaten :  in  Ecciesüs  Cathedraiibus  et 

Monasteriis  Apostolicae  sedi  iininediate  subjectis  fiant  Electio- 
nes  caiionica?  etc. 

2n  ber  2lfrf)affcn(utrger  5Icte:  In  Ecciesüs  Metropolitanis  et 
Cathedraiibus  etiam  Apostolicae  sedi  immediate  iion  siibjecti» 
et  in  Monasteriis  Apostolicae  sedi  immediate  subjectis  fiant 
electiones  cononicae. 

©t'wiil  venlaub  e^  fid)  eigentlici)  von  felbfl,  baj?  ivenn  in  S5i^* 
ti)üntern  unb  ivlöiltm,  bie  bem  Oiijmifcben  ©tuble  unmittelbar 
nnforraorfen  waren/  bk  2?{rd)of-  nnb  3Ibt^'SßaI)l  von  Oicm 
unbeeintvad^tiqt  bleiben  fodte,  bciil  md)  feine  ©rj-JBifitof^« 
«Biil)l  Dom  ^^^ab)l  (^eftövt  mvbcn  burfte;  benn  jefcer  (5ri'Q3i* 
rd)Of  i\t  S5ifci}of  einer  bem  ^abfl  unmittelbar  unterworfenen 
^irrf)e,  unb  wenn  ber  ^abfl  fol({)e  2Bablen  nict)t  bemmen  ober 
frören  burfte,  wo  ein  ibm  unmittelbar  Unterworfener  ciewablt 
würbe,  wie  viel  weniger  folcl)e ,  wo  ber  ^eugewa()lte  nicbt  un« 
mittelbar  unter  il)m  ju  (leben  fam. 

60  war  alfo  in  ber  2Ifcl)affenburger  ^ctc  nur  bentlid)er  au^ge« 
brürft,  waö  [(f.on  im  ©oftnitjer  ßoncorbate  flanb,  unb  vielleicht 
tfl  aucl)  eine  ©teile  biefer  3lrt,  bafi  in  bem  ^Hfcbaffenburger 
Qluffat^e  Cf.  Coiic.  nat.  gerra.  int.  p.  158)  Commissarii  in 
partibus  genannt  werben,  wo  man  sn  ^oftni^  nur  fd)led)ts 
bin  von  ^ommifTarien  fprad). 

:^te  einjige  wicl)tige  ©teile,  in  weld)er  bk  2lffl)affenburget  Slctc 
viel  vortbcilbafter  laufet,  aU  ba^  ^ofluK^er  ^oncorbat,  tfl 
.folgenbe:  Modus  Aunatarum  hoc  modo  currat :  De  Ecciesüs 
Cathedraiibus  omnibus  et  Monasteriis  virorum  duniaxat 
—  solvätur  summa  pecuniarura  etc. 

5m  fe'ouni^ier  ^oncorbat:    De  Ecciesüs    omnibus    et  Monasterii» 
virorum  etc. 
*")  3«  ben  eofmijer  ^oncorbaten  f)i\H  <^  fo  beutlic^:  In  Kr- 


A85 


5ötc  !lein  war  nid)t  tcr  ©ciuitin,  tocld)en  bcr  qjubfl 
wcid)U,  ha  man  flatt  bcr  ölltcrnatii^c ,  wie  jTe  In  ben  Sotl' 
iil^er  ^oncorbatcn  ücrabvcbct  rcar,  burc^  bie  5Ifci)affcnburgcr 
5Ictc  bic  ^>abf{  ?  ?D?onflte  cinfuBrrc  *0)  ^^c^  fo  ficin  er  aud) 
\v>ar,  fo  galt  wo^l  aud)  bicfcr  gall  aU  du  ncucv  25eit)ei^,  iric 
€uriflli(Ien  ju  tfecilen  tvijTen.  5Mcnca^  @i;{utuö^  irciui  önbcrö 
blefcr  3ucr(I  auf  t)ai  Sinfall  ber  »^abf! ^ ?D?onate  Um,  »er* 
fcj)affte  bod;  bem  fabft  uod)  einen  Uebcrfc^ug  ^  ^^rofft  t?on 
brei  S^agen;  bem  SK&mcr  i|l  nic^tö  5u  fleiu  ^  roa^  er  noc^ 
nehmen  fann,  unb  ntd)tö  3U  grog,  iraö  er  nic^t  an  ergrijfc* 
nen  fleinen  gaben  nad)3ie^t. 

$ü  SIfcbaffcnburg  triarb  faft  nur  abgefd^rieben,  wai  man 
3uer|l  5u  Soflni^  entirorfen  batte;  ber  pdbfi(id;e  Segate  lieg 
ober  allein  nur  ble  ©teilen  abfdjreiben,  tk  ftd)  auf  d'rtveite* 
rung  ber  Prärogativen  feinet  ^?crrn  unb  auf  25ereid)erung 
ber  ginanjen  feinet  ^errn  belogen;  er  fc^log  fein  (Soncorbat 


clesiis  Cathedralibus  et  Monasteriis  Apostolicee  sedi 
immediate  siibjectis  flaut  electiones  canonicae  etc. 

3n  bem  ^fcbaffen burger  Q(uffa<}e  l)n\it  c^  nur:  Ih  Monasterna 
Apostolicae  sedi  immediate  siibjectis  flaut  electiones  canonicw 
etc.  gürmabr  eine  ganj  ivuuberbare  ^uelniTung !  SIeneaö  ©pl» 
»iu^  xoixb  boc^  wegen  93amberg  nic^tö  SScfe^  im  @innc  ge* 
f)a\>t  b^il'en. 

*)  3«  ben  ^oflni^er  ^oncorbaten  erbtelt  ber  ^abjl  fünftigbin 
alternirenb  mit  bem  orbentlicben  (SoUator  hie  e-rfe^ung  bor 
^citfte  ber  3)eutfd)eu53eneficien;  25ietbiimer,  unb  bie  »ornebnu 
f^cn  3)ignitäten  in  bin  Som  --  ivirc^^en,  nebfl  ben  erjlen  BUiien 
m  ben  (5oftegiat*Äirc{)en  bieöon  vorläufig  aufgenommen.  Btatt 
beiTen  xoavb  in  ber  Qlfcbaffenburger  2icte  feftgefe^t,  bajj,  wai 
in  ten  ferf)^  97ionaten  3anuar,  9)iär5,  OTiai,  3uliu^,  «Septem« 
ber  unb  ^lovem&er  Dacant  werbe,  bn(3  btefeö  bem  '^^xhft  refer* 
»irt  \c\)n  foUte;  wag  in  ben  anb?t*n  Kcb^  5?ionaten  Mcant 
würbe,  Uie'b  bem  crbentlicben  ßoUator.  ©0  b^ttf  benu  btt 
Vah\t  bod}  nod)  brei  itage  mcfyr  al$  ber  leßterc.. 


486 


wir!Iic&  fo ,  <n\i  ob  nur  feinem  ^crrn  ber  ©cnug  niond?cr 
bidjer  fo  bcjirittcncn  3^c(^t2  unb  mciiid)cr  ble()cr  fo  geredjt 
Dcrttjeigertcn  Stnna&me  fc^)rifilic^  t)crficl)crt  treiben  foUie,  0IÖ 
ob  fein  ^lön  nie  geirefen  njdre,  einen  toüildnbigen  ©ren^? 
SÖcrgleic^  3«  entn?erfen,  a\i  ob  er  einem  Idngjl  be|re()enben 
tollddnbigen  ©rdnj  ?  53erglcic^  nur  einen  fleinen  fWeben^S^e* 
ceg  noc^  beizufügen  gehabt  Yam,  ein  paar  unerbrterte  '^mxht 
.nocfe  cntfc()ieben  werben  follten,  ein  im  ^paupt*53crgleic^e  mit 
gefegter  %x{\h{  burcb  biefen  befonöeru  ^ergleic^  nod?  erörtert 
werben  mögtc» 

©d;on  bajer  fcftien*«  maw^tnx  wo^I  notjwenbig,  H^  bte 
öcccptirten  Jöaeler  Decrete  öIö  erjler  gunbamentaU^Scrtrag 
ön^ufejen  fetjen,  unb  bag  ber  2Ifd;affenburgcr  Sieceß  nur  öU 
mobificirenbeö  ©uppicment  gelte;  wie  fonf!  in  biefem  bie 
Wic^tigllen  Sö^aterien  Jdtten  unberührt  bleiben  fonncn?  Söie 
fon(l  \>k  X)eutf(^en  aufrieben  gcfcbwiegen  bdtten?  5Bic  felbfl 
«ic^t  bic  ^Sergleicbung  mit  bem  ^o|!ni(^er  (^oncorbatc  t)\i  gor* 
bcrung  eine«  i?on(!dnbigeren  3legulatifö  nct^wenbig  tjeranlaft 
Jaben  würbe? 

^oc&  wen  btefe  '^m\\d  brudfen^  ber  feltnt  bie  9ibmer 
ntcfet,  unb  fennt  \>\i  allmdfiligc  ^filtigwerbung  be^  Qlfcbaff^n* 
burger  SReceffeö  nicbt,  ben  umfd)webt  me^r  eine  bunfcl^eiligc 
Erinnerung  ber  SSa^Ier  ^ecrete,  aH  \iCii  i^m  ibr  3nf;alt  gfeid> 
gegenwärtig,  baö  wabre  3»terefl*e  berfelben  l^iporifcb  nwxnm 
Ware.  539,1^  jeber  war  Ui  S^omcrö  9}?ci(Ier^^trcicb/  auc^ 
}dii  ben  Wid;tig(Icn  Olegociationen  nie  rein  unb  flar  ^u  t)oU 
lenben;  »on  jc^er  war  fein  SRettung^mittcl,  ^u  tbeilen,  wo 
öllc3  mit  cinemmal  abgetban  werben  foötc,  t>ou  jeber  feine 
gelungenfle ^unfi,  burcfe  partielle ^erwilligungen  auöber^otb 
ftct)  beraut^jufaufen,  m^  burd)  bic  balb  bornebmc,  balö  lei* 
benöücKe  Wkwz,  womit  er  ba«  ufurpirtefte  9?cd)t  enblid?  nacö 
löngem  Äampf  a\>UCit,  auc<>  ben  mutt>öoll(len  5Wann  t>on  b» 


^*37 


Jiirrlid}cr   CE'rncucrung    feiner    crtlcn   t)olI(Iaubi<jeit  gorbcruitg 
mcijlcrbaft  ^urücf^ufcferecfen. 

9J?aii  fte^t  eö  bem  5Ifct?a|fc«5iirc}cr  9iccctfc  tcutltd)  j^e* 
mi(3  an,  wie  t)icl  bou  aikn  bicfen  Äunjlcn  bei  (2cl)Iie0ung 
t)e|TtIbcn  gebraucht  rcorben,  unb  überall  e«fcnnt  niau  bcu  3fa* 
liener")  beuilic^  9«»U3/  ^»Jr  in  bcr  ganzen  2Iiilage  feiiieö  ^oir* 
cepra  für  feinen  ^crrn  fo  tt)unberfd)lau  5U  forgen  w?u0re,  ttie 
nie  ber  n?acl)faniPe  Deurfd^e  für  \^k  •it)id)tigften  SKed)U  feiler 
9larion  311  forgen  Dcrftunb.  ^iöer  ju  ^ü|lui^  eine  öutjcnti* 
fc^e  (Jopie  be^  gefc^lolfcncn  (Soucoibat^  ^aben  trollte,  mußic 
3n?ijlf  2:ourer  ®rofd)cn  ^ur  pabfilic^jcn  (Ennjlei-^aölenj  'litt 
9Ifd)njfenburger  D^cceJTe  irarb  fiinmulid)en  2)eutfd)en  ^'r^^^T* 
fd)bfen  t)ai  SKedjt  gegeben,  autbcntifd;e  Kopien  be^  gefc^Iü(|e^ 
nen  9\cccjTe6  auö^uftcllen,  ha^  ja  boc(^  ber  elenbc  SKcceg  rcc^t 
in  allgemeine  ^irculaticn  !omme,  unb  bog  t'u^  unt>oÜ(Ian* 
bigc  Uvfunben  ?  @tucf,  bem  billig  immer  t)ier  wI^üqc  Nullen 
^ugenö  bitten  bcigef(tvteben  trerben  muffen,  erjl  hur  für  fTc(> 
redjt  ausgebreitet  njerbe.,  ©o  voax^^  voo^l  getvip  flucfe  nid)t 
cjne  planmäßige  ^bjTctie,  bag  bcr  ^oncipipe  im  Eingänge 
bc3  SReceflfe^  Don  allen  bcn  bifiorifcfeen  S3eranla(fungen  gar 
nid}t  fprad),  bie  cnblicp  ^u  biefcm  SKeceffe  geführt  Ratten,  fo 
gett)ü6nlic^  fonf^  bamali  unb  fo  nü^Iid?  crfduternb  ^iporifc^c 
^roomien  (inb,  I5er  fc^Iaue  Staliener  irugte  nur  ^u  gut, 
ta^  bie  fd)ricl^te|le  ^i|iorifd)e  Einleitung,  bie  er  geben  fbnnte, 
bei  Seutfcfeer  5BeIt  unb  X)eutfd)er  DIacbmelt  ^k  furc&tbarftc 
5lufmertfam!eit  njedfen  mugte,  baß  ber  auffallenbjlß  ^ontrajl 


*^  :i)a(5  ein  Italiener  m\\>  md)t  ein  Seutfcbet  ba^  ^oncept  te6 
2trd)flffenburqer  CKecefTe^  entworfen,  t|l  mir  fel)r  wal)vfrf>einli(b 
nu^  bem  iDimberbaveii  ltnterfcl)ict) ,  ber  jiüifd^en  naiio  Aiema- 
iiica  unb  Germanica  bafeibfl  gcmad)t  ober  9efüri1)tet  lüirb.  (Jt« 
Xeutfd)er  roare  fd^wevlid)  i^itxaui  verfallen. 


488 


ter  5IccfpfiUiün^  ?  2lcte  t)on  1459  mit  bem  clcnbcn  ^ilf(taffcn* 
burger  §Kece(Te,  ben  ble  fiDllGl^tcfte  |)i(Iovlfd;c  (£'r5a|)Iiuig  tcrau* 
laflF«!  ttiügte,  burcl)  feine  ^uiijl  gcniilbat  iverbcn  Fminc,  bß|l, 
fo  bfllb  eine  nur  l^albtreuc  dx^ailui^q  beö  gßn^cn  Äergnng^ 
bcr  <^ad)i  bargelegt  irurbe,  ta^  uin?crmeiblic^  jc^t  unb  fünp 
tig^ln  ^raQCtt  cutMm  mußten,  hk  er  jcgt  unb  fünftigtiiu 
nie  cntftc&en  löffcn  irolltc. 

G'inmal  aud)  angenommen,  ba^  ber  2IfcI;affcnburger  fRt* 
ccg  blog  eiii  O^eben^SReccg  fej),  ber  fid?  auf  einen  tjorange^cn* 
bcn  5aupt*53ertrag  bqu^c,  iüclcl;er  rcblid)c  D^^gociötcur  fd}Iicgt 
einen  hieben*  SKcceg  in  ber  gorm,  n?ic  ber  21  fc^ajfcn burger 
SKccei  geWoflren  tvorbcn?  ^ißclc^er  Goncipifte  folcDcr  etnatö^ 
2(cten,  wenn  er  anberö  ©ute6  im  ©inne  \)at ,  gebenft  \\\d)t 
^kld)  anfangt  be5  vorangegangenen  i?aupr?SKeccflfeö  genau 
mit  Datum  unb  £)xt,  xvo  er  »erfaßt  njorbcn,  bc^  ^?aupf^ 
S^eceffe^,  bem  einige  (^'infci)rdnFung  unb  (Erläuterung  nun  ge^ 
^chm  werben  follc?  SBenn  eö  im  ^>iupt  ^  9iecejTc  ^d^t ,  bog 
luegcn  93eobact)tung  ber  ^Saefer  Dccrete  funftigl^in  tractirt 
werben  folle,  unb  im  Oleben  *  SlecejTc  bei^t,  ba^  aüed  im 
JJaupt^SRcceffc^^erfproc^cnc  unDcrdnbert  ge[;alten  trerben  folle, 
Wer  fann  ^ier  tiiK  reblicbe  S3erfid)erung  ber  aner!anntcn  fort* 
baumiben  ©uftigfcir  ber  23aeler  Dccrete  ftnben?  Spam  nid)t 
ter  SRomer,  wenn  er  reblid)  fd}rctben  wollte,  feierlid)  5u 
Slfcbaffcnburg  crHdren  muffen,  baj}  ungead}tet  in  ßugenö 
Süllen  bic  ©ultigfeit  bcr  23a6ler  Decrete  bieg  fo  lange  aner^ 
fannt  fei;,  hii  ein  pdbftlid)cr  Legate  ^oncorbatc  mit  ben  .Deut^- 
fc^cn  gefcbloffcn  l)abc,  ungead)tet  biefer  Termin  nun  alfo  terflof^ 
fen  fei),  ba^  bod)  an  fortbaucrnber  ©ultigfcit  berfelben  nidjt  gc= 
jweifelt  werben  feile,  gurwa^r  bie  (^cidK  ijT  aucb  bi^r  "ccij 
flar,  ber  D^omcr  bcit  bie  fortbaucnibe  (53ültigfcit  ber  23aelcr 
JDecretc  nie  flncrfennen  wollen ,  er  bat  nur  bem  ÜHfdjaffeiibursf 
gcr  D^ccejfc  ungefähr  ctwa^  biefer  2lrt  beigefc^riebeu ,  waö  bie 


489 


5]tuff)üonrtcn  bcr  I5cutfc{)cn  fd;c{nbar  bcfrlebigcn  unb  nie  bod) 
in  3ufunft  ber  9lümifc&cii  Qmk  fc^ablid)  fcpii  foUtc,  fobalb 
einuiöl  fircngere  unb  ^ufömmcn^dngenbe  2)cut«n9  bcr  fluchtig 
{jiugcirorfcnen  ©teile  9cfud)t  lucrbcn  müd}tc. 

Vii\^  mx  e«  benn  nicbt  fflflfcn  !ann,  n?ie  jtd)  bie  X)cnU 
fd)cn  bei  einem  fo  unDoüfranbi^cn  unb  fo  ente&rcnbcn  ^on^ 
corbate  blatten  beruhigen  fonnen,  tücnn  nid)t  bod)  bie  alte 
51nna^me  bcr  53a6lcr  Decrcte  nod)  3iem(id)  gerettet  iDorbeu 
irarc,  bcr  mag  nod)  bor[;er  fid)  ^u  erfidrcn  fud)cn,  \vk  fic 
fclbil  bei  angenommener  fortbaucrnber  ©ultigfcit  ber  S3a^Ier 
£)ccrete  mit  einem  (Soncepte  biefcr  2Irt  aufrieben  fcijn  lonn* 
tn\,  ber  mag^  oI)ne  ta^  fr  fclbjl  trei§,  tie  gan^c  ®efd)icfetc 
ber  allmd()ligcn  ©ultigwerbung  beö  *llfd)affcnburger  SieccflTe« 
erratben  babcn.  2^ie  S)eutfd)en  iraren  uid)t  bc^ 
rubigt'");  fclbil  mand)e,  bie  fd)on  torber  ^ur  ^abft-^^artie 
übergetreten,  empörten  fi'cb  auf  ö  ^fcue;  3tt)ifd)en  bem  Segate« 
unb  ber  neuüerftarften  pdbfrl!d)cn  OppDfition^;5)3artie  cntjlanb 
ber  fonberbarfte  ^ampf,  ben  felbfr  tie  fd)laugebdmpfte  (Stille, 
ivomit  er  oom  ^abjle  gcfubrt  würbe,  fiir  bie  greibeitö? ^ar* 
tic  gefd^rlicf)er  machte,  alö  je  bcr  crflartcfte  ^rieg  werbe« 
fonnte. 

d'ö  war  ein  fonberbarer  ^ampf.  Der  "^ahil  bro^te  nicjt 
mit  23ann  unb  unterbiet,  bie  £)ppof{tion6;^>artie  fpracl)  vot* 
«ig   mebr   bon    @i;nobaI^  jpojfnung.    Der  £cgate   t^at    mit 


0  Q'^  l)^iH  im  ©ingan(]e  beö  (^oncorbat^  pinrimi  Eiectores,  aiü- 

que  ejiisdem  iiationis  tarn  ecclesiastici  quam  seculares  Princi- 

pes  l)atten  büiTelbe  (ie&i((i\]t.  ^iefc  unbeftinimte  5(njetge  ift  et- 
vö([^  Mxbiiittu],  5um  minbelTen  tfl  piurimi  Eiectores  nifbt  ciauj 
rii1)tia.  2:rier  unb  (Jöln  rcaren  I)ö(1)il  unsufrieben  hcimit;  ©ad): 
fen  war  meinet  SSiiTen^  awt)  nod)  nicbt  beigetreten ;  bie^c  piu- 
rimi Eiectorea  flnb  alfo  CO^ainj,  95rflnbenburg  unb 
^7al5. 


490 


feinen  mut^ciften  ©cöticni  gau^  ^utraulic^,  unb  Me  mutjitg* 
(len  ©cgncr  bcfTdbcn  fd)Io;Tcn  fctueu  25unD  unter  einauber, 
machten  feine  (InntJurfe  einer  neuen  $?rei&cit,  erfannten  tcn 
^ab"(I,  erFanntcn  feinen  Legaten,  unD  boc^  war  bcr  erbirre« 
rungöijoüfte  $\viii  unter  einanber.  ^er  Segare  fc^eint  baiauf 
geidölt  ju  ^öbeu,  bap,  fo  ficin  aud)  ber  folgfame  Raufen 
b«l  @ct)(ie§ung  beö  SveccjTc^  feIb|T  war,  bog  trenn  einmal 
nur  eine  fci)rift(id)e  Urfiinbe  t.->or^anben  fei),  bai  unrtcvbfid)e 
2)ocument  feine  ilerblict}en  ©egner  fiberfebeu  folle;  ta^  and? 
ber  ^eftigfte  ^iberfpruc^  be|li>  g(tt)i|Tfr  niit  bem  ^cit ^*Strom 
t>erraufd;en  njerbe,  je  fc^wdc^er  man  ftd)  fccmfclben  entgegen* 
fe^e;  bap  mau  immerhin  üoreiH  burdj  ein  gan;{e^  \)(i{b 
Du^enb  bon  Olebenurfuuben  unb  burc^  m\  2)u^enb  t>ou 
S(uöna()men,  bie  mön  in  biefen  Sieben*  Urfunben  machte, 
bie  lucratiöffen  neugewonnenen  fK(d)tc  irieber  aufopfern 
fonne  ^"0/     ^^'^^    niau    bie    9]cben  *  Urfunben,    bic    blog 


*)  @o  erl)ielt  ber  (5rj  -  33irc^of  tjon  ^Jiatnj,  nacf^lKr  ciuff»  ber  Do« 
Girier  unb  ber  »on  (föln,  einen  Iebenölanc;lid>en  prtbulid)en  3«* 
b«(t,  bic  in  ben  ^cibiT: -- g^fonaten  üacant  wertenben  33eneficien 
5u  \)evleil)en.  2Son  bem  ©aljburrtifdKn  3nbultc  f.  *i)7nd>r.  von 
Suoaina  @.  280.  3n  bk)e\x  anfanci^  ganj  uneim]efd)ränffeu 
3nbutt  liejj  man  ev|l  nur  tk  (^laufet  einflieO^n,  baö  trer  auf 
bkfe  Q(rt  eine  ^friinbe  erI)aUe,  tnnerbalb  eine^  balben  %^\)vei 
SBeflätigung  feiner  ^roiM'tTon  ^u  9iüm  fucben  unb  hi(  nötbii]eu 
(Janjlei « ©portein  erlevjen  muffe,  .^ierauf  fröränfte  man  tk 
S)auer  ber  ©iUtigfeit  eincö  fold)en  3nbutt^  auf  tk  ^ib^ntm 
M  <pab|B  ei«,  bcr  beu  3nbuU  au^gefreUt;  enblii-b  gar  nur 
überbauet  auf  fi'mf  3al)ve.  ^^abil  3unocen5  X.  trieb  tk  ©ad^c 
nod)  feiner.  S)a  t)k  geifttic^en  (iburfürfren  hd  ibm  um  ß'r* 
neuerung  ibrer  3nbulte  burd)  ibren  geivöbnlidu'«  5(gentoi;  in 
$Kom  aubalten  lief^en,  fo  erfliirte  er,  (k  miipteu  ibm  i^e^balb 
felbiT  fd^reiben.  Txi  fte  ibm  bierauf  felbit  fcbriebeu ,  fieug  er 
ein  Ma^iw  an,  t>(i$  ibm  buvil)  ^k\c  3ubultc  unmoglii1>  iKni^^rf^t 
werbe,  fein  bantbare^  ^^era  9^^^»^  mand^e  2)eutfd)e  ju  bewei« 


491 


^in^clneit  fairen,  dUmadlig  t)crfd;mtnbcn  ober  Ufranbcm  löf* 
feil  founrc,  ^aö  jpaupt^Decument  cuMic^  allein  boc^  al^ 
aUciuöuItige  Uvfunbe  auf  ble  fpatcjlc  ^}ad)\vdt  Um.     ^ 

Die  Oppoiuionö  ?  Partie,  Die  fid)  untcrbcg  tvcntgtlcnö 
im  ^cfit^e  bcr  bcfirtttcncn  9u'cl)tc  behauptete,  unb  btc  einen 
^2öiDcrfprud>^  bcr  nicl;t  gerabebin  ibrcu  S^cfi^  fiortc,  Diellcid)t 
.aar  3u^t)eract)tlid)  nat)m,  \d)m\  ru^ig  crtrorten  ^u  rcoUcn, 
ob  md)t  tlcilcid}t  balb  bcr  ^aifcr  cntfd^Iafc,  ob  nic^t  balb 
n)icber  ein  p.ibftlidK^  @d)i^ma  cntftcbe,  ober  ob  nid}t  trcnig« 
ftcnö  unter  bcm  neuen  ndd)rtregicrenben  ^abfte  mcbr  gcn^on* 
luix  iDcrbcn  fonnc,  unb  in  jcbcm  ton  breien  fo  moglid)  unb 
tt?abrfd)ernlid)cn  gallcn  fa§  fie  aud)  fii)cr  einer  neuen  üotal^ 
IRcüoIuticn  bcr  bi(?§erigcn  55er^d(tniiJe  entgegen,  bag  cö  faj! 
unücr^ei^lid;  fd)ien,  nicfet  ru^ig  irarten  ^u  trollen.  j)dtten 
jte  nur  unter  ftd)  einen  gro0en  allgemeinen  53crein  gefd)Iof]"en, 
um  6i;mpöt()te  unb  t^eilne^menbe  itunbc  ber  Dinge  ^u  er? 
Jalten,  Ratten  fie  nur  einen  53unb  gemacht,  ba^  einer  fijr 
ölle  unb  alle  für  einen  ^u  flehen  bereit  feijcn,  Jatten  (ic  gegeu 
bie  ®erbungö#^un|Ie  ber  9f^üniifd)en  DZuncien  jtc^  betraffnet, 
öuf  9^eicb^? klagen  unb  grogen  gurflen^^onöenten  baö  2In? 
ben!eu  beö  ?ßcrbanbelten  unb  «BoUenbeten  gett?o^nlic&  erneuert, 
allgemeine  2(ufmcrffam!eit  unaufhörlich  geiüecft;  ber  enblic^> 
tollenbcte  ©leg  be6  ^ab^^  ipurbe  t>od)  nie  in  jeneti  brüdfen^ 


fen.  ©0  »erfTois  unterbep  benn  bod^  einige  B^it,  tk  ber  <pab|l 
mijcn  konnte.  (Jnblirf)  ^me  er  ben  fünficif)rigen  Snbult  a\iL 
3)a  md)  9SerfIu|j  ber  fünf  3al)re.  bei?  ^nbult  erneuert  werben 
mu§te,  fanb  ber  ^aD|l  ncd)  Deffere  33erji)gerung^  *  9)iittet  ber 
2lu^fertigung  beiTel&en,  er  (gewann  ncif)  längere  eigene  33enu(3* 
ung^--5ri|l,  unb  gab  enblid)  ben  Snbult  nur  auf  brei  5abrc 
f.  @d)reiben  ber  brei  ©eiill.  (5l)uvf.  m  ben  «i^abjl  von  1675 
in  Concord.  nat.  gerra.  iutegr.  T.  IL  p.  98. 


492 


ben  Defpotfemu«   ausgeartet   fcijn ,    bem    cnblld)   fclbil   bie 
@rdn3en  M  Slfd^ajfcnburger  SKeccflfcö  nod)  5u  enge  waren. 

2)oc(j  feiner  t)on  allen,  fein  (Jr^^^ifc^of  unb  fein  231* 
fcftof,  flanb  mit  maunlict?  auöDauernbem  ^lut^c.  Der  ^r^* 
SSifc^of  t>on  ©al^burg  (leg  fid)  gcirinnen  ="9;  ber  ^^urfurft 
t>on  llrler  opferte  alleö  feineu  ^riüat^S3eburfntj|"cu  ouf  '~'^;; 
bie  25ifcf)ofe,  bie  fein  ^Tj^^ifdjcf  mc^r  confi'rmiien  wollte, 
hu  funftig^tn  i()re  Konfirmation  in  Sxom  t>oIcu  mußten,  tva* 
reu  burd)   2luffd)ub   ober  ^Scrweigcrung    bicfer  (Konfirmation 


*)  ^'X  tt)ar  weber  fel&il  bei  ben  ^ractateu  3U  5Ifci)arfeuI)«rv3  <je* 
tiefen,  norf)  l)atte  er  Scpütirte  (iefd)ic6t-  3l)n  ju  geannneu 
flellte  giifolau^  V.  25.  Oct.  1418  eine  35ufle  ou^,  bafi  fid) 
ber  '2(fc()atfeuhu\it'r  9ieceiV  auf  bie  brei  35i5?t(}ümer  ©eBau, 
(^(itemfee  lutb  l\nnuit  niitt  crftrecfen  foUte.  I)er  (5ri  =  23ifd)of 
t)on  (galjbiivv}  fi^eint  (;efrird)tet  ju  l)aben,  bie  (Kapitel  biefcr 
S5i*itl)ümer  mürf)ten  tin  2Ba{)l  =  9\ed)t  nnfpredjen,  unb  genjtij 
l)atte  er  Urfacf)e  ju  fürd)ten,  ber  ^cihil  m'6d)U  andi  hei  btefen 
S5i^tt)ümern  an  ein  (Jonfi'rmaticn^  ^  ^Mt  unb  a\x  bie  bamit 
uerbunbenen  >tajcen  bcnBcn,  ober  glauben,  bc[\i  fi'e  auf  irgenb 
einige  Sßeife  burd)  Translationen  ober  per  decessum  in  curia 
bei  bem  päbjtliiten  ©tul)le  x^acant  werben  fönnten. 

:Der^abfl  war  nod)  groilmütlnger,  unb  gab  an  ehcn  beut: 
felben  3:age  mit  obiger  23uüc  no0  eine  befonbere  33uUe,  bafy 
ber  Sr5bifrf)pf  ein  paar  ^robfteien  unb  einige  Pfarreien,  fo  oft 
fte  lebig  werben,  frei  oerteiljen  möge,  wenn  fie  fcf)on  allgemein 
ber  päbilltd^en  S5i^pofttion  referpirt  fei)en,  unb  ben  15.  San. 
1449  beilätigte  Olirülau^  ben  wabrenb  ber  DTcutralitat  ocm 
grei)fingif(t)en  (Japitd  gewäljlten  unb  oon  ©aljburg  beiläti^iten 
95ifd)0f  ocn  Srepungen,  offenbar  aud)  nebenher  al^  @efciUio,fcit 
fiir  ben  (5räbifd)of  oon  ©aljbuni,  benn  wegen  tU\e^  33if*cf5 
ron  ^repuncien  franb  nod)  eine  5(n^nal)me  in  ber  33ulle  Cnigcnö 
vom  7.  (Vebr.  1447,  f.  Rainald.  Annal.  Eccles.  1448  n.  3. 
97ad)rid)ten  von  3"^''^^^iii-  'S-  217.  273.  275.  28n. 

•♦)  f.  Homheim  Prodrom,  hisl.  Trevir.  P.  II.  p.  S20.  Uistor.  Tre- 
vir.  diplom.  T.  II.  p.  412. 


493 


in   hex  Gewalt  bcö  ^abfr^;   feiner   üon   allen  (ianb  aU  ber 
Sra»  25lfd;üf  öou  ^oln. 

3"f)u  füiuitc  fclb]!  ber  Senate  ntd)t  gcirinncn,  ben  boc& 
^cncaö  ^oloiu^  für  bcn  ^^crfuleö  ollcr  ^urialifrcn  i)klt,  i^n 
rciljtc  Fciu  ^riöat?53ortbcil,  i^n  fcl}rccftc  feine  Drohung  be5 
^'nifcrö  ober  beö  ^^abftö.  D^ifclauö  (!arb,  o^ne  feine  (5in^ 
\rllliaung  geivinnen  3U  foniicn,  öud)  ^alirt  III.  t)erfucf)tc 
cö  ücrijcblicl),  and)  fclbft  2Icneöö  €i)Ii^iu^,  ba  er  alö  ^iu^II. 
^abft  \inirbc,  trug  t)ier  3a&rc  lang  bie  fertböuernbc  5Siber^ 
feölicljf cit  bcö  entfcfeloflTencn  $[)?annc^,  «So  lange  ^ietric^ 
öon  ?Q?5r^  lebte,  trar  im  (5oInifcI;en  ©prengel  nicfttö  ju 
ge\t)innen,  aber  fobalD  aud)  Dietrich  t)on  ?D?orß  tobt  njar, 
fo  tjerfaumtcn  hk  (^urtaliften  feinen  Qlngenblicf;  ber  QIfcl)af* 
fenburger  9\eceg  tt?arb  auä)  im  (^blnifclpen  ^Sprengel  pro' 
mulgirt.  ••'). 

^ö  ijl  ein  Jeiliger  ^nblicf,  tnie  ein  ?D?ann,  felbjl  in  je* 
nen  5*^if<^"/  brei^e^n  üolle  ^ahr^  long  ber  Dcretuten  Kabale 
öUer  pabrtlic()en  unb  faifcrlid)cn  '^ad^t  trogen  fonnte;  tric 
er  fo  öUein  unb  boc^  fo  unerfd)uttert  ffanb;  xiok  jtc  i^n  on^ 
Sugreifen  nidbt  einmal  nsagen  burftcn ;  wie  jTd)  alleö  um  i^n 
bcr^og,  ftd)  an  ihn  ^u  tt?agcn,  unb  n?ie  bod)  fclbf!  ber  frec^* 
fd)laue  2lencaö  <Si)füiuö  nidjr  ^ßagbalä  genug  wav,  um  bitf 
fen  y^elbai  an^utaflen»  5D?it  ^T^bifdjof  .^ictbcrn  Don  ^laini, 
ber  ^irolf  3abre  nad)  Sd)Iie§ung  beö  2Ifd)aftcnburgcr  9?e* 
ceffcö  suw  ^Tjbifdjofe  gcn?d^lt  irurbe,  ^at  51eneaö  <gi;It)in3 
al6  ^iuö  II.  fall  mut^njillig  gefpielt.  ^r  ercommunicirte 
tbn,  vodl  er  bie  gorberung  einiger  9^omtfd}en  SSec^eler  nic^t 
fogleic^  befricbigte;  er  entfegte  i^n,  ireil  er  e^  voa^tc,  an  ei« 


■)  f.  fcad  Tromul(iationö-5nj}rument  in  /pebberid)^  Eiem.  jnr. 
Canon.  P.  I.  p.  234. 


/|9'4 


öllgcmeinf^  ^oncllium  311  Q'ppcUti'^n,  er  crflarlc  in  feiner  (Et* 
Communications ?^ullc,  taf,  man  idn  \13ie  ein  franfcö 
©rurf  -Bie^  unb  11? ie  eine  t^erpcftete  ^43e|lic  =••=)  mci^ 
tien  muffe,  —  |?dite  je  ber  ^Ubft  ben  bamals  nod;  Icbcnbni 
X)'mxid^  t)OU  vOiorö  fo  anjugrcifen  QiwaQtl 

I3er  ^äb|l  l&attc  im  ^Ifcijaffcnburger  SicccflTe  nur  viertel* 
jd^rige  grifi  gegeben,  ba^  man  fic^  crfldrcn  mcge,  ob  mn\ 
bcm  5|fcl)aifenburger  Sf^eccfiTe  beirrcten  trolle.  ?IÖ?r  t>k  viertel» 
id()rige  grijl  nid)t  nu^te,  bem  fdjlen  bic  t)oüe  ^a|1  aller  alten 
unb  neuen  pdb|llid}en  ^^üilei^  Siegeln  ^u^ufallen.  Der  (Jr^* 
bifc^of  üon  ^oln  l)at  brei^c^n  3a5re  lang  gezaubert,  boct) 
voa.^U  bcr  ^^abfl  nid)t,  feine  Droljung  t)oll3ie&cn  ^u  trollen, 
boc^  war  man  fro&,  cvjl  nod)  im  bier^eljnten  Sa^re  nac^ 
©d;ltc0uua[  bcö  3Ifct)a(fenburger  Olcceffcö  öucö  ini  (^blnifc^ien 
benfclben  boll^ie^en  gu  fonncn.  Die  *-8ifd)üfe  Don  Bamberg 
unb  5!ßiirj.3urg  i)ahcn  fi'c^  nie  ^u  bcr  ?Oionat*!X&cilung  mit 
bem  ^abile  t>er(!anben,  bod)  xtav  man  aud)  mit  i^rem  t)a\bcn 
©e^orfam  aufrieben,  Wcun  fic  cnblid)  nur  t>k  2lnnaten  t>o{lf 
fidnbig  be^al^lten,  5Iud)  ber  23ifd)of  t)on  ©tragburg  iji  ntc 
ganj  beigetreten,  bod)  na^m  ber  ^abjl  aud)  fein  Dpfer  mit 
ber  liebebollen  Hoffnung  an,  ba^  ftd;  mand;eö  5U  feiner  ^cit 
nad;^olen  löflfen  mochte. 

©0  fcfelic^  ber  2lfd}a|fenburger  9^eceg  Jalb  ober  bMlig 
toa^ogeu  t>on  Di5cefe  ^u  Dioccfe  fort;  fo  iicUtc  i^n  ber 
^abjl  manchem  S5(fd)of  unb  manchem  Kapitel  cnblid)  boc^ 
iiod)  aU  ^^3rit)ilegium  auö="""0,  fo  föm'S  balb  noc()  ha^in, 


*)  Tanriiiam  morbidam   pecudem   et  pestilehtem   bestiam;  f.  He 

(^xcoxiim.  23u(lc  in  (Sattler  ©efc^i.  ber  ®r.  rou  Ü£4vt.  ii.  3:1). 

^eil.  n.  127. 
'♦;  5«  'öiefem  $tone  lauten   bic  ber  9?ie<3cr  ^ini)e  öu^^ieftelltcn 

päbflliii)en   23ullen   »on   1450  unb    1455   in  Calmet  bist,   de 

t»orräliie  Tom.  VI.  App.  p.  190  et  196. 


ba^  ti  öld  fd;d6barc^  ^riDÜcgium  gcltfii  mod)fe,  irrnn  cö  bcr 
^>abjl  babei  nur  larfcii  woHU,  m\b  (bc  neun  tjcüe  3"al)re  nad) 
crilcr  ^(xlicßung  bc^  3?cccffe^  ijcrfloflTcn  trörcn,  fo  ix)iir  fd)ou 
ein  tvidjft^er  Streit  über  bcr  X^eurung  bcjTcIbfu ;  cnnrcbcr 
waren  bic  (Gopten  fd)on  üerborben,  ober  trieb  fd;on  ber  diQCtif 
nu^  fein  bo^bafte^  ^rc^eten^iSpiel  '-'). 

$\vax  nxjr  ber  ^iicrluft  nid)t  fo  grog,  bog  bon  ber  alten 
2Inna5me  ber  23aeler  Decrete  fo  wenig  mebr  in  allgemeiner 
(Erinnerung  ^urücf  blieb  ^'^),  ober  unabfcbbar  grog  xoax  bcr 
iKubrobenbc  6d)abe,  wenn,  wie  ber  $abft  Suj!  f)atu ,  ber 
gan^e  5}ertrag  aU  ein  Privilegium  bebanbelt  werben  foüte, 
wenn  bie  jpeiligfeit  beö  bermeinten  Privilegium^  von  ber  - 
pabftlidjen  ©nabe  ab^ieng,  wenn  allgemeine  9^enunciationen 
be^  ^abfii  in  einzelnen  gdllen  nid;t  fiebern  follten,  wenn 
man  jene  allgemeine  9^cnnnciationen  blog  ali   eine  gndbigf! 


*)  Aen.  Sylv.  Ep.  383  fa^lt :  Concordata  ipsa  dignitates  primas 
post  pontificales  et  in  Collej^iaiis  Ecciesiis  principaielS  Apos- 
tolic«  sedis  dispositioni  permittunt.  S)aÖ  tteffeubfle  23eifpiel 
ju  obiger  35emerhing. 
**)  3i-(>  werbe  bei  einer  rtnbern  ®elegent)eit  nuefübrlicf)  jeigen, 
xoai  ich  nötbicier  ^ürje  l>alber  nuö  biefer  9lbl)anblung  beraub« 
fcfmeiben  ntuilte,  ob  uub  wie  viel  gewonnen  werbe,  wenn  man 
nacb  ber  ©ntbechmg  bejJ  .fvrrn  »qn  S;)oxix  ^ic  95a^ler  2)ecrete 
<xU  ben  ^-unbamcntat  *  QSertrag,  ben  2IfcI)atTcn&uriicr  Vlea:\i  aU 
ntobifücirenbe^  ©upplentent  annimmt,  verglifben  mit  bem, 
wenn  man  ben  le^tern  ^üm^,  aU  an«nnif5e^  ^'oncorbat  anfiebt. 
3)ie  ^ereitnung  M  SSerluftö  i\[  nicht  fo  ganj  leidet,  wenige 
fienö  ifl  ber  größte  3:beil  ber  Sl^erecimuuvien,  bie  idy  mid)  ei'* 
innere  gelefen  ju  baben,  febr  unriri^tig,  nnb  voa^  in  ber  Zhcit 
auffairenb  merfwürbig  i\i,  nod)  in  ber  ^mfer  ^'unctatiou  wirb 
hie  ^orijcifdje  entbechmg  <\U  ^-unb^meutal^CSJrunbran  ange^ 
nommen,  unb  boch  fd^inen  bic  .^errcn  S^eputivte  bei  bem  ^2lr* 
tifel  von  bem  Pallium  gauj  veröeffen  ju  haben,  wai5  am*  ibrem 
angenommenen  ©runbfa^e  »on  felb|1  flifjle. 


^4  96 


öiigcnomnicnc  jpfluptregd  öiiföB,  Doii  ber  bodb,  ^'c  t)Oii  ölleii 
öUgemciucu  kugeln,  au^  pdbfülidjer  5)^ad)t*^oUfommcn(KMr 
^ulDrcict)!^  btr-ycnftrt  \t?crbcn  foiuie  ^'),  uiib  ivenu  beim  cnb* 
lid)  über  jene  j^auptrcgcl  neue  anbere  jpauptregeln  binaufge* 
fe^t  W5uvben,  bö§  ha^  alu  ©cncral^Slegulntif,  baö  ein  fo  bei* 
liger  feierlicher  Vertrag  «jar,  ^um  untergeorbnercn  ^rincip 
Jerabfön!. 

X)\t  ^urialiilen  iroren  öud)  in  neuen  (^Tftnbungcn  fo 
ftnnreicfe,  ha^  wenn  felbil  enblid),  n?aö  nie  bod)  gefd)ab,  ber 
SSud)fröbe  bc^  €oncorbötö  gehalten  trarb,  trenn  jene  Uebcl 
t)erfd)n?önben,  gegen  bie  man  ^u  ^afcl  Verfügungen  gcniad)t 
^arte,  bog  neue  nod)  größere  Ucbel  plü^lid)  ^um  ">8orfd)cin 
famcn;  eö  wör  bic  ©efc^idjtc  mit  bem  $i)bra*^opf,  nur 
bog  biegmal  bie  ©efd)ic^tc  nocö  fd)re(flid)er  lautete  aU  bic 
gabel,  ber  alte  ^opf  fonntc  nie  gan|  öbgc^auen  werben,  unb 
boc^  tt)ud)fcn  au^  jebcr  neuen  5Bunbe,  bie  ibn  traf,  jebn  neue 
«od)  gefräßigere  ,^üpfe  beröor,  £Otan  batte  fid)  in  bcn  (Son^ 
corbaten  trcfflid)  üerwabrt,  t)a^  bie  päbrtlid)e  Hfurpation  mit 
S^eferöiren  unb  (Jrfpecriüiren ,  ber  Unfug  ber  ^an^lci^SRegeln 
unb  bie  SRbmifdK  (5-rftubfamfcit  neuer  SKed)t^grünbe  für  fRh* 
mifd)e  ^rouiffonen  ftattlid)  gebemmt  un^  in  gcnjiffe  ©rän^ 
jeft  glücflic^  eingcfcbranft  ttjerbe,  aber  trem  trar  bamalö  fd)cn 
eingefallen,  bag  ber  «Pabjl  fünftig  ^enfionen  auf  Deuifd}C 
^irc()en  ?  ^frünben  antreifen  fbnne,  bag  er  ben  3:ürfen*5lrieg 
al^  unerfd)epflid)e  ginan^*®elegenbeit  braudjen  ii?erbe,  bag  er 
Snbulte,  hk  man  nur  ^ur  unbeftrcitbaren  93erfid)erung  eine« 
i:>orber  fc&on  gültigen  ^c(i)ti  3U  3^om  fuc^te,  aU  vollgültige 


0  Ungefabr  nad)  biefen  ^rincfpfen  betrachtete  fi-bon  aienea«  (Sn(= 
»iuö  ben  9IfcbafFenburqer  ^ccc^.  ®.  bie  bePannte  Dcrtreffftd^c 
Analytica  demonsi ratio  cnjiisdam  Germani,  t)ergl-  bamit  bie 
5f^acbrid)tett  Ui  Jperrit  ©regel  i.  c.  SS.  35.  36. 


A97, 


25eifpiele  eine«  crj!  mttgctjcilten  9?ec6t5  auffrellcn  f5iinte^  bog 
felbfl  fd^on  $iud  11.  ben-frccfcejtcu  @d}iitt  wagen  burfe,  auf 
jcbe  5lppelIation  an  ein  ^oncilium  vorläufig  bic  23annftrafe 
au  feigen  *). 

(£6  i(!  feit  bem  ^fd^affenburger  S^eceflTe  bii  1530,  bö 
cnblicfe  bie  fat^olifc^en  gurjlen  niut^boll  aufammentraten,  ber 
ewigen  klagen  über  a^om  unb  (Eimalifim  ^  ^c\^ ,  über  SKom 
unb  ^urialipen^öerüalt  auf  allen  sQcrfammlungen  fein  ^'nbe. 
S?er  ^aifcr  war  nid)t  gur  ^mpfinbung  au  bringen,  bk  ^U 
fd)of?@tü&Ic  5U  ^O^ainj,  Srier  unb  ^hiii  waren  faft  biefc 
gan^c  Jeit  ^inburd)  mit  fo  be&aglic^en  SSifc^ofen  befe^t  *-)/ 
ba^  Feiner  t>on  alten  an  bk  ©pi^c  trat,  unb  felbfl  faum 
$5ertbolb  Don  ^enncberg,  ber  ^wan^ig  Ja^re  lang  ="^<^*) 
mit  t)erbiente(tcm  3ftubme  cU  ^^urfurfl  t)on  SO^ainj  regierte, 
ben  freieren  2lu«bruc^  bcr  allgemein  rege  geworbenen  klagen 
gliicfli*  beforbern  Jalf  t> 


*)  f.  95u(le  bejTelben  »un  1459  bei  |5)?üller  %  2:a<j^  *  2;^eafrum 

unter  ^riebrirf)  iii.  britte  23orileaunc),  (Jap.  xxil.  8.  744. 
*•=•)  2l«f3aföb  öon®iv^,  ber  anfauc]^  nod)  gegen  ben  3lfd)afftnbur(|ev 
Oiecejj  beu  ^^atrtotrn  niad)te,  mar  1457  al^  er5bird)of  »on  !$:rtcr 
ein  5iüeiunb5manjt(iial)riger  ^rinj  von  93aben  gefolgt,  ber  benn 
ju  feiner  3eit  wieber  (1497)  feinen  ^ruberö  -  (5n!el  jum  eoab= 
jutor  mad)tc.    3n  gi)ln  war  bem  maunljaften  Sietricb  von 
9)iör^  1452  ber  ^fäl5ifrf)e  ^rinj  Oiupert  gefolgt,   ber  balb  in 
grofje  ^änbel  mit  feinem  (Kapitel  üeriüidelt  mürbe;  ba^  (Kapitel 
mäl)tte  einen  ^efftfdjen  ^rinjen  ^ermann  aU  2lbm{ni|trator, 
ber  narf)  5^upertö  $tobe  bi^  1508  tic  er5bifc^öjTirf)e  Sürbe  U- 
I)auptete. 
♦**)  1484  M^  1504. 
t)  ^<^\o  33ertl)olb  felbft  mit  eigener  ipanb  Ätag » fünfte  gegen 
ben  9iömifct)eu  @tut)l  aufgefegt  ^abe,   f.  Wimphelingü  replica 
^^_       conira  Aeneaiii  {jäjlviiira    de   moribus  Germ,    apud   Goldasium 
^B      in  PoIKic.  üup.  p.  1050. 


^498 


SDcr  ^Ton  anivb  frcimfit^igcr ,  bic  21nftölrcn  sur  (Sclbf!^ 
Julfc  fc^leiKit  \i;ir!fanier  ^u  wctbcii,  fobölb  ber  tbdtigere 
^atmiVmx  ^ur  üoücn  SRcgicrun^  Unu  Der  ^fcl)a|fcuburgcr 
9?^ceg  erfcfetcn  enblid)  fogar  im  Drucf  ")/  ble  ^ifancr  ^p* 
tiobc  iattt  neue  9ieformarion6?3beeii  geivecft,  ber  tvieberauf* 
n^acl)cnbe  ©tili  ber  5öt|]'cnfd)aften  brachte  öuc^  in  biefe  bun# 
feliTcn  O^cgi'ouen  mÜQcß  neue  Sid;t,  unb  ^aifer  ?l}?örimi(ian 
felbjl  \)atH  9}?ut&  unb  3»tere(|"e  genug,  bem  aügenjaltrf;dtigcn 
9iom  neue  ©cfe^c  t)orfcl)reiben  löffen  ju  wollen.  SBieUcid)t 
^drte  er  ben  Deutfc^en  geholfen,  trenn  fein  fc^oner  ^lau, 
^rtblT  ^u  ttjevben,  glücflic^  gelungen  voaxc.  ^:Bieltei4)t  n?dre 
er  im  2lltcr  planmdgtger  t^dtig  gevüorben,  wenn  i\)n  «id)t 
ber  auebrec^enbe  9^efürmationö?@turm  unb  nac^^er  fein  ^ob 


")  tOietne^  QBiiTen^  i\i  bte  erf^e  gebrudfte  ©rfcbeinung  ber  (iciu 
COrbafC :  Concordata  x>nncipiim  nationis  germanlcae.  Cum  ar- 
gutneriLis  sive  siimmariis  jamjam  additis.  Argeniinae.  1513.  4. 
2Öimpl)el{n(\  gab  fie  berauei.  d^  war  ein  großer  Bd^xitt,  U^ 
man  fi'e  nun  enbltcb  gebrudft  Utte,  aber  wie  langfam  wir  bem 
^id)U  euhjegenfcf^ritten !  ©elbfl  QSimpbeliha  c^ah  bie  (loncorbate 
mrf)t  in  ber  33ertragö=5orm,  foubern  in^orm  einer  päl)illii1)cn 
5öu((e,  felbfl  2BtmpI)eltng  Ik^  t^k  bekannte  ©teile  oon  ben  dig- 
nitalibiis  majoribus  unb  pontificalibiis  fo  abbrucfeu,  ha^  bic 
eurialijlett^  Partie  ganj  genjonnen  ©piel  Wt^^  «"b  aucf)  er  fj> 
wenig  ciU  trgenb  einer  feiner  QSorganger  wufjte  nocf)  üon  ®iiU 
tigifeitö ;  Ucberreften  einer  ehemaligen  ^cceptafion  ber  ^iuUv 
S)ecrete.  3)er  Olfitaffeuburger  9^ecei3  beij^t  Ui  ibm  Concordata 
Principum  nat.  german.  Xik  sttJei  er|leren  ^uuifte  lafTen  \id) 
baburd)  entfcbulbigcn  unb  begreifen,  er  nabm  hk  Ur!unbe,  wie 
er  \lc  üorfanb;  aber  in. jener  völligen  Urfunbe  einer  gewiiTen 
wod)  fortbauernben  ©ültigfeit  ber  1459  angenommenen  55a^» 
ler  ©ecrete,  wie  fte  von  1448  ^ii  auf  hk  neuejle,  wabre  ober 
»ermeinte  (?ntbec!ung  berab  allgemein  ftcf)  finbet,  liegt  bod) 
ein  ftdrfcreö  2lrgument  gegen  bie  ^ojeinung  M  S^cxxi\  t>on 
^orix%  aU  man  ju  glauben  fd)eint. 


^♦99 


ubcrröfd)t  Wie»  Uub  wenn  nur  fein  Siebliiiq,  ^cr  feine  ^o* 
Iirifd)e  (^arbiiial  $E)^att&auö  nie^r  Dcutf4;cu  ^>atriotcii?iEiun, 
niebr  bo^ni  poIttifcl)cn  Si}?url)  Qdjabt  ^dtrc.  3}?it  bcm  ratllo? 
fen  9}?ariniilian  irar  bicl  öu^3urict)tcn,  fobalb  eine  f)ü5crc 
Scnfung  i^u  Uitcu ,  fobalb  if;n  ein  planmäßigerer,  ivcifercf 
^aiin  in  feinen  (Jntnjüvfen  anebauern  niad;te, 

@o  ^at  immer  nur  uod)   eincö   gefehlt ^    bog  ^eutfc^^ 
lönb   frei  \rerben  m5d)te,   fo  Um  immer  öud)  nur    ein  Un# 
glucf  ba^tuifctien ,  böj^  t>'u  rei^enbfte  grci^eitö  ^  jpojfnuncj  mig^ 
lang,  fo  finb  irir  über  planen  unb  Jpoffnuncjcn  unb  klagen 
ölt  unb  ermattet  gcit)orbett,   fo  foü  le^ten^  gar  nod>  ber  un^ 
gebulrige  Sut^er  fd)ulb  fci)n,   bag   ^k  alte  gebultigerc  Partie 
faR  immer  nod)  tiefei*  unter  ha^  3oc^  gebrückt  trurbc,  2Irraer 
SJ?ann!  tüaö  fi'e  bir  aüeö  in'^  ©ra-b  nacöfagen,  mc  fie  über^ 
öll  53orn)anb  i§rer  ©d)n3dd)e  unb  ibrcr  ^htf;lofigfeit  ftnben! 
9J?ug  nid)t  ^ule^t  auci)  ^aifer  3ofep&  II.  @d)ulb  fetjn,  luenn 
ber  S'mfer  grci^ettö?  ^-ntirurf  mx  ^'ntnjurf  bUibt,   mnn  \iaS 
neue  aufgcf)enbe  Sid)t,    taf  mit^hx  ber  Dlac^^SBelt  Ieud)ten 
follte,   njie   ein  3rrn?ifd)  t>erfd)U?inbet,   unb  irenu  man  noc^ 
1883  5u  erlabten  i)at ,   mc  na[;e  eö  t)or  Junbcrt  S^&rcn  mit^ 
ber  Sretbeit  ber  I5eutfd)en  Äirc^e  geftanben  J^be,  nur  bag  bic 
^r^bifc^bfe  nid)t  coUegtalifd)  genug  mit  bcn  übrigen  S5ifc^ofen 
gebanbelt   bdtten,    tag   ber   neue  Sreif)eit^^(5nttrurf  gar   ^u 
ftd)tbar  ^um  'iBovtbeile  ber  erfteren  bcrcdjnet  worben,  unb  ta^ 
ber   mdt^tigjlc   fat^olifd^e  S§urfür(l  ben  $ab(l  ?^>rotector  gc# 
mad)t  babe* 

Daö  alte  SKegijTer  üon  klagen,  n?ie  c^  fd)on  bcm  ^aifer 
50tarimilian  Dorgclegt  u^iorben,  n»arb  fogleid)  aud;  bem  neuen 
^aifer  ^arl  V.  auf  feinem  erfJcn  9^eid;^tage  ju  Stßorm^  aü\'6 
9leue  empfoblen;  feine  (Kapitulation,  bie  iftm  ^ebauptung 
ber  (Koneorbate  ^ur  ^pflid^t  itiac^te,  war  fcfcon  borlduftge  53er^ 

32  '- 


500 


pci)frung,  bog  er  för  ^cbung  berfclben  bcmujct  fc^n  wolle; 
fciti  ^ct!urfni0,  Surfen  ?  ^putfe  gu  feöben,  unb  ba5  ©elb,  ba« 
iiacl)  Stom  flog,  ölö  Surfen -- ^pülfe  5«  brcuct)en,  njor  bie 
ftc^erfle  neue  ©arantie  feiner  faifcrltd)en  ^Sorforge;  böö  ^(a^ 
ßcn j 9icgt|lcr  warb  oft  um*  unb  abgefc&rieben ,  In  neue  gor* 
inen  Qcbxadi^t,  1522  bem  ^ah^ii  überfc^icft,  t>iel  warb  tractirt 
nnb  wenig  gcricl;tcr. 

O?ocl}  i(!  eö  ntcl)t  flar,  xtk  eö  benn  enblid)  U\x\,  ha$ 
man  nac^  ftebcnid()riger  ©cbult,  tia  ber  ^pabjl  auf  ^unbert 
^^cfd;wcrben ,  bic  man  i()m  t^orlcgte,  nie  reblic^  unb  runb 
annvorten  lieg,  mt  eö  fam,  i>a^  bie  fat^oüfc^c  gurfitn^^ar^ 
tie  auf  bcm  grogen  SReicfe^tage  ju  2(ugöburg  1530  bem  Mi* 
fcr  nod)  einmal  ein  klagen ;  3^egijl[er  übergab,  unb  tbatigcr 
cU  biencr  auf  fd}(eunigc  5lbfct}affung  berfelben  brang.  Der 
(^^urfurfi  oon  (^hln  lieg  ^mi  S^^^re  nac^r;er  auf  bcm  S^eic^d^ 
tage  3U  9legcn^bnrg  fogar  i?on  vermeinten  ^oncorbateu 
fprcc^cn,  bie  bnd)  öom  ^ab(lc  nic^t  gebauten  würben,  er 
mad)te  mit  ipulfc  feiner  Sanbftdnbe  in  feinem  eigenen  Sanbe 
^n(!alten,  weil  bie  SKeid^ö^^Hnftalten  gar  ^u  matt  gicngen, 
er  lieg  feine  (Srfldrungen  feierlid)  inö.  9ieid)ö  ^  «pj-otoFoll  div 
tragen,  bag  feine  fatbolifc^e  Drtboborie  eben  fo  unbc^weifeU 
bar^fepn  m6d;te,  aU  er  fein  23ifcöof?  unb  gurften  »^  SKec^t 
ungefd}eut  aueuben  wollte. 

5Jian  fab  enblid),  wa^  fo  oft  unb  fo  feierlich  t>erbanbelt 
Würben  war,  wa^  ber  pdbjtlic^e  Segate  nur  verzögerte,  ber 
^ab(l  felbfl  fo  wenig  iu  Jcben  £u(!  i)am,  aU  e^  fein  ^aiu 
tuantfdjed  ober  2lrientifd)eö  €oncilium  beben  wollte,  man  fab 
cnb(id)  bieg  alleö  alö  flare  gerechte  55efd;werbe  ön,  über  bcren 
2lbbelfung  nid)t  langer  er|!  mübfam  tractirt  voct\im  burfe, 
man  fe^te  fid)  fclbfi  In  Se|T^  fctneö  «Rcc^t«,  weil  bem  ^^abft 
fein  55eftt^  nic^t  etnmöl  ein  Interim«  >  0?ec^t  bl«  sn  gütlicher 


501 


ober  fvnoba  Ire  entliefe  er  53erglcid}uug  (jcbeu  Fontitc.  ^cui  Äof« 
rat^e  tc^  ^aiferö  iijurbcu  bic  Sufiiltate  ber  rcidjöitaubifcijcu 
fat^olifd)cn  (Sonfcrenj  vorgelegt,  bi^  1550  ^u  ölugeburg  Qt* 
galten  trorbcu  war;  auc^  btc  9iefultarc  ber  ircd>fclöti?eifeu 
Sßergictdjung  ber  geiftlii^en  uub  ii}c(tlid;en  fflt(;ülifd)en  gurfreii, 
wie  man  fid)  bamalö  suglcic^  »erglic^en  Jatte,  würben  i()m 
mitget^cilt;  öuf  ber  ^afel  bea  !aiferlid}en  ipofratbö  lagen 
bäht  2Ictenftücfe  ^um  täglichen  ©cbrauc^.  Olcbft  bciben  2Ic* 
teuftücfen  lag  bort  öud)  ber  ^fdjajfenburger  S^eceg,  bcnn  bkf 
fer  9icce0  unb  jener  2IuffaB,  wie  er  3U  Slugcburg  1530  bem 
^aifer  überreid)t  worben,  waren  bte  SunbamentaNdJcfel^e  ber 
I5eutfd;en  ^ircfee,  bic  wid)tigflcn  .i:)eclarationen,  nad)  wc(d)en 
bie  2)eurfc^c  ^Irc&c  ijr  53erf)altnig  ^um  SKomlfc^jen  jpcfe  be* 
urt^eilt  wffien  wollte,  hk  ^paupt^CSonftitutionen,  tuJd)  weU 
c^en  ber  ^^ofrat^  beö  Äalferö  ^u  fprcd?en  ijcrbunben  blieb, 
benn  Äaifer  unb  ?Rdd)  waren  einjtimmig  mit  einauber,  bag 
jene  33efd)werben,  vok  fte  fc^on  1530  bem  pabftlic^en  Segatcn 
tnitget&eilt  worben,  aU  obget^an  angefe^en  feijn  foUten. 

©0  feilte  man  eö  benn  auc^  1558  gerbinanb  I.  in  feine 
^aifer » (Kapitulation ,  t)a^  alle  biefe  55efd)werben  gerabcl;in 
obgcfc^afft,  uub  nie  mejr  ^ugclaflfen  fei)n  füllten;  man  mad)te 
i5m  btefe  ölbfdjaffung  ebenfo  ^ur  ^fltdjt,  als  bie  S5fl;auprung 
beö  2lfd)affcuburger  9?ccej|"eö  fc^on  feit  1519  (Kapitulationö* 
53erpflid)tung  beö^aifer^  war;  beibe  Sluffdf^e  erhielten  gleiche 
^raft  eine«  Dcutfc^en  SKeic^ö^^cfef^eö,  unb  tm  (Kurialijlen 
war  eö  ein  Slerger,  wie  i^n  ber  ^ofrat^  bei  .^aiferl  bamalö 
nur  feiten  gab,  einfeitige  ^rfldrungcn  ber  ^eutfc^en  al5 
©runb^(Kouftitutionen  ber  ^irc^e  unb  ©rdn^^af^egulatife  ge* 
gen  3iom  aufcBen  laffen  ^u  müfifen. 

^'ö  mag  auf  jene  5Ictenftüdfe ,  vok  fte  unbergeglicf)  iu 
bleiben  auf  ber  S^eic^ö?  J>ofrat5l.»Safel  lagen,  öon  mancfeem 


602 


^urialifien  unb  t>on  maiidjmi  Sefuitcn  3agb  gcmöd)t  vooxf 
bcn  fcpn;  e§  mag  ber  (Surialtfteiiif  Partie  mancbcn  Bd)at>m 
ger^an  Jaben,  bag  in  ber  bortlgeu  ^opic  bce  Sifd/üffcnburger 
9lcccffe6  hk  iricbtigc  ©teile  t)on  ber  ^al;l?Srcif)cit  bcr  6tift^^ 
^ralaturcu  t>olltg  unt>erfdlfcbt  uiib  vjd)tig  interpuiigirt  paiiD; 
ti  mag  fclbfl  auc^)  biefcö  ein  ©runb  me^r  gcn?cfcn  fei)n,  t>a^ 
man  alleö  aufbot,  um  beö  n?id;tigcn  2lctenfiücfc6  ^D^cifter  ^u 
ttjcrben,  —  biö  c6  enblicb  bem  frommen,  guten  ^MterSffuita 
(Juc^ariuö  gelang, 

£)iefer  treffltd;c  3efuite,  tt»a5rfd)cinltc^  ein  ^cttgcnoflc  fei* 
tier  $5rüt)er  ^eingdrtner  unb  Samormain,  erhielt  ben  @e^ 
braud}  biefer  2Ictenjlucfe,  bie  er  fi'cb,  ber  ^immel  weiß  unter 
irelc{)em  53orttjanbe,  erbat,  auebrucfli($  nur  auf  acbt  2:agc; 
man  trar  tro^l  bei  einer  fo  furzen  5ßerlei5ungö?3fit  t^ollig 
unbeforgt;  ein  foId;er  Slcten^^anb  fd)ien,  felbff  aucfe  langer 
au^gelie&en,  nid)t  t>erloren  gefKti  su  fonnen,  meil  haß  SRcid)^^ 
^ofratjö^^rdfentatum  25.  (September  1550  barauf  jlanb, 
weil  man  a\l6)  ha^  concedatur  R.  P.  Euchario  S.  J.  auf 
ben  pergamentnen  Ueberfc^lag  notirt  ^^tte,  weil  ber  o^.te  redjt^ 
mdgige  Sigent^umö^Jperr  auf  ben  erffenSSlicf  immer  erfannt 
werben  mußte,  unb  weil  ber  fromme  ^ater,  ber  i^n  al^  ejr* 
lieber  9}?ann  auf  fur^c  ^dt  3um  ©ebrauc()e  erhalten  ^atte^ 
ein  lieber  guter  ^aim  war. 

S)od)  biefcö  wichtige  Slctcnflucf  war  einmal  in  frcmber 
^anb,  unb  fe^rte  au^  be6  Scfuiten  S)ai\h  nie  mebr  ^urucf, 
crj!  nad;  3a6r3e^enben  !öm  eö  enblid)  wiebcr  bem  bama;? 
llgcn  S^eic()^?5B{ce^^an3ler  ^um  53orfd)ein,  unb  fclbj!  audj 
biefer,  ob  eö  9^ad)ldg{gfeit  war,  ob  ci  3cfuiten?S«^d)^  ^^^'^ 
bie  3ffuiten  bei  Seopolb  allmdd)tig  waren,  felbfl  auc^  biefer 
mad?te  ^u  feinem  ^xmtf  unb  gamilicn^^igent^ume,   xta^ 


503 


unbcrmeilt  auf  bic  Za^l  Öc5  SKcid)5  ^  jjofröt^^  ^uräcfgclcät 
»erben  follte  ^0» 

©0  flaglid)  irören  beim  alfo  t)oii  je^er  fclbfl  auc^  bic 
littcrarifd)cn  ©c^lcffale  bcr  allgemeinen  ©runb?  ©efet^e  ber 
S)eutfcl^cn  ^irc^e;  meijl  ^aben  m:  crft  nad)  Sal^r^unberten 
entbecff,  njo  unb  tt>ie  wir  betrogen  irurben;  nur  bie  ®.efc()jcb;e 
rdc^t  un«,  unb  wenn  benn  aud)  bie  ©efc^td)te  ijre  i?oUej!e 
9lad)e  nimmt,  fo  entfielet  erjl  nod)  bd  engbrüfiigen  J^^eifleru 
bie  bebcnflicbc  ©cmiiTen^- grage,  ob  n?ir  unö  gerabe^in  In 
«inen  55e)t^  wieber  fe^en  burften,  au^  bem  wir  i>or  S^^rbun? 
berten  liilig  gebrdngt,  b^rauegelocft  ober  ^crauögcbro^t  würben. 

Einmal  angenommen,  wie  eö  wa()rfd)einli4)  aud?  nad) 
ößer  bi6f)erigen  Srjd^Iung  gewefen  fet)n  mag,  bag  unfere  liebe 
SJoreltern  t>or  brei()unbert  Sauren  bei  ©d^Iiegnng  be^  Slfdjaf«» 
fenburger  SJcceflfeö  glaubten,  einen  wichtigen  Zt)dl  ber  S3a3«» 
Icr  Decrete  nod)  gerettet  ^u  I;aben,  unb  sugleic^  bod)  ber  fRh 
ttter  bic  ^ertragö?5öorte  fo  fd)lau  breite,  t)a^  e.vegetifcfe  genau 
genommen  t>on  jenen  tjermeinrlicb  geretteten  S^lcc^tcn  gar  nicfct^ 
fibrig  blieb  —  weldje^  9\ec^t  ift  je^t  unfer?  ®ilt  unfer  ein* 
feitig  erfldrter  S5e(i^?  unb  i(l  nicfct  unfer  25efi^  blog  einfeiä» 
tig  erfidrte  S5efi§ne6mung,  ba  ber  ^ab{l  aud>  feit  ben  g^iten 
ber  ^?oririfd)en  ^ntbecfung  nie  noc^  ancrfannt  f^at,  bag  bcr 
©enug  jener  uermeintlid;  geretteten  ^aöler  ^ecrete  nicfet  iixd* 
tig  gemacht  werben  foUe?  Unb  wenn  einfeitig  erklärter  23e|tö 
gilt,  wenn  cö  gilt,  alte  3f^ed;te,  um  tik  man  freunblic^  unb 


*)  25tefe  ganje  5^acf)ridf)t  »erbanife  irf)  ber  gütigen  ^itt^eilung 
be^  Jperrn  @el).  3ujli5*0?ntl)  ^ütter,  bem  fie  »on  einem  un= 
ferer  größten  l^atl)olifrf)en  ^anonifien,  gcrabe  eben  bem /^Wamie, 
ber  biefe^  iüid)tii}e  corpus  delicti  fclb|1  nid>t  nur  ©inmat  in 
Rauben  Ijatte,  gefcf)riel)en  «juröe.  23ergl.  I)iemit  SBüributget 
gel.  2lna.  fö^,  jum  30.  etM  1786. 


504 


Mub  feiiiMic^)  ejebem  gctaufcfct  würbe,  gerabcjin  iricbcr  ^u  er^ 
greifen,  wer  wirb  bei  ben  QSööIer  Decreten  jlef)eii  bleiben  woU 
len?  51Ber  inconfequcnt  nur  bie  i?dlfrc  nehmen,  wenn  il;m 
iiad;  gleichem  9iecl;te  tct^  ©an^e  gebuf^rt?  51Ber  nicbt  lieber 
einmal  rein  ^erau«  mit  ben  SRbmern  fprccl)en,  t>6Üig  neuen 
©runb  legen,  weil  boc^  auc^  nic^t  ein  @tein  beö  alten  gun^ 
bamenteö  liegt,  üou  bem  nicl)t  bicfe  unb  jene  ^^ronif  ^u  er* 
la&len  wugtc,  wk  fcfelau  bemfelben  Siaum  gemacht  worben. 
2)aö  tjl'ö,  warum  mir  hk  ©runblagc  öuc^  bc^  neueren 
öufgeflarteren  fatdolifdjen  Äircfeen^Slecbtö,  tok  3um  legten 
guubamentc  bic  ^poririfcfee  Sntbecfung  liegt,  nie  u«t?erbdc^rig 
fejie  unb  ftd}er  ^u  liegen  fcl)ien,  ©ie  ru^t  offenbar  nid;t  auf 
einem  €oncorbatc  mit  bem  ^ab\i,  weil  tk  pdbftlidx  ^inwil^ 
Ugung  in  unfern  fortbauernben  ©enug  ber  S5aöler  ^ecrete 
nic^t  erwtefen  werben  fann,  i^r  fe^lt  noc()  eine  ^rdmiffe,  Ut 
boc&  gum  fiebern  fanonijlifcfcen  ©c^luflTe  manchem  noc^  notj* 
wenbig  $\x  fei;n  fcf)eint;  fte  i|l  nur  ha^  Slefultat  einer  üor 
brei^unbert  3^^ren  gefc^e^enen  einfctrigen  (E'rndrung,  beren 
geraber  ^Beantwortung  ber  fc^laue  ©egent^eil  unbemer!t  ouö* 
wic^,  fte  ift  nic^t  unt>er!ennbar  flarer  ^ttf)aU  eineö  mit  bei^ 
terfeitigcr  Uebereinflimmung  entworfenen  53crtrage^,  unb  wenn 
fte  bicfeö  nid)t  ifr,  wenn  b^r  (^urialifte  burd)  eine  vorgezeigte 
flarc  pdb(llid;e  (E-inwiüigung  nicpt  aum  ©c^weigen  gebradjt 
werben  fann,  voa^  wirb  gewonnen,  wenn  wir  auf  biefe  ®runb^ 
läge  bauen?  5Bcnn  wir  mit  Sßiberfprud)c  ber  S^omer  bauen 
wollen,  fo  lagt  unö  aU  weife  ?9?dnncr  bauen,  t)k  bem  neuen 
ipaufe  fRaum  unb  Suft  genug  mad)en,  bie  nic^t  i^ren  neuen 
fdjbnften  ^lan  burd)  2Inbequemungcn  an  alte  ^lane  cfenb 
DerfJ&mpcrn,  bic  nid;t  t^eilwcife  erneuern  wollen,  wa^  nie 
glücflid^  erneuert  wirb,  fobalö  man  c^  t()ct(wcif^  erneuern  will. 


m 


XVL 


9lod)  ein  5ßort  uUt  Hc  Slcce^tation  ttt 
aSasier  (Sct}lüjfe,  aU  ^im&amental^  ^on^ 
cdxM  Der  ©eutfd)en  :^ird^e  mit  t)em 
Svomifd^en  @tul)(e  --'O- 


Die  gnJfif^I  t)ie  ic^  (im  t)or6er9e5enben  Sluffö^e)  gegen 
eine  ber  intereflfante(!cn  neuen  ©runb?3öeen  beö  Dcutfc^  !a^ 
t^olifct)en  ^irc^en^Stec^tö  in  ^Inregung  ^u  bringen  fud)te,  Jö' 
ben  mehrere  neue  Untcrfud)ungen  biefcö  (^tgcnftönbc^  üeran? 
lagt,  unD  befonberö  burc^  t>k  ©cferift  be6  ^perrn  D.  9J?obl  **) 
ftnb  mand)e  (Jiiittsurfe  gehoben,  möncl)c  bieder  minber  erörterte 
gragcn  fo  in^  ^lare  gefegt  njorben,  bog  id)  mid)  fclbjt  be6 
neugenjonncnen  Sic^tö  nid)t  nur  Einmal  freute,  ©enn  ic& 
«oc^  ein  Stßort  t^a^u  fagen  m5*te,  fo  ift  e^  nicfet,  um  no(^ 


*)  3lu^  g)ieiner^  unb  (B^ittUvi  ©ötting.  I)i|1or.  ^Oiagajin 

93b.  4.  (B,  151  —  169. 

**)  SBemerhingeu  über  bk  neueflc  ®c\d)ui)tc  tn  5)eutfc^  frttl)olt« 

fcl)en  ^irrf)e,  unb  befonber»  über  bie  ^-rage:   in  wie  fern  btc 

95a^ler  T)ccvetc  I)eut  p  ^lagc  nod)  gültig  fet)en  ?   95erfij0t  t)on 

'  23.  ^.  gjiC^I,  K  5^.  S5octor.  Jtanffurt  unb  geip^ig  1788.  8. 


606 


einmal  ^u  mi^'mn,  wo  id)  glaube,  tag  ber  (Sinn  bc«  ^in^ 
njurf^  eerfe^It  tvoibcn;  für  t)te,  um  bercn  S5cifall  oöcr  Q:uu 
fc^eibung  cö  in  biefcr  @acf)C  ^u  t&uu  ijl,  finb  foId)e  ®cgcn^ 
crcepttonen  überfluffig,  9lid)t  um  neue  9cfcl}arftere  (Slnirurie 
vorzubringen;  benn  jeber  mögliche  neue  ^innjurf  mugrc  fic^ 
in  feinen  ^auptr^eilen  boc^  nur  auf  tai  grünben,  voa^  fi^on 
gefagt  rcorben»  Olic^t  um  e^  fühlbar  ^u  macl;cn,  bag  ber 
gan^e  ©treit  ntd)t  foiro^I  anf  SlQa^rncbmung  tc^  ganzen 
®ange^  ber  D^egociation  unb  auf  bcn  Solgen  beruhe,  t)k  )\(i) 
barauö  |ier leiten  laflfen,  fonbern  bie  «ißorte  ber  Urfunbe 
fei b II  muffen  erlogen  werben:  ob  biefe  bem  ganzen  ©ange 
ber  9^cgociation  enrfpred)cn?  Ober  ob  t?iclleict)t  abfid;t(ic^e, 
t)icUeict)t  zufällig  gelungene  S!dufc^ung,  gerabc  am  S'nbe  ber 
ganzen  D^egoctarion ,  o^ne  bag  man  e^  rca^rnajm,  t)a$  fo 
lange  im  2Iuge  bel;alrene  ^^''uptziel  t)errucfrc? 

53on  allem  biefem  fein  SBort.  üluc^  nid;t^  babon,  bag 
man  überhaupt  me^r  auc^  auf  ^pebung  beö  gemad)ten  d'nu 
lüurf^  benn  auf  neuen,  fe(!eren  ISeipei^  beö  behaupteten 
©ageö  ^ättc  bebac^t  fepn  follen:  fonbern  auf  einige  neueöei? 
ten  jener  fogenannten  neuen  ©runb^^been  mbd)te  ic^  unfere 
@cfc^ic&tforfd)er  unbÄanoni(Ten  aufmerffam  mad;en;  t)iclleid)t 
i(!  eö  moglid?,  unfere  fanoniftifd;e  polemica  antipontificia, 
bic  in  i^ren  ^Ib^wecfungen  fo  gercd)t  i|!,  aU  mbglid),  auc^ 
in  i^ren  2Irgumentationen  fo  gcred)t  unb  fo  metftobifc^  zu 
tttad;en,  aU  billig  jebc^eutfd)e  ^olemif  fcpn  foüc, 

Die  cr(!e  %xaQC  foü  alfo  biegmal  fcjjn: 

,,5Baö  ijl  benn  reiner  ©enjinn,  wenn  man  bie  t)on  ber 
,,Deurfdjcn  91ation  1439  acccptirten  SSa^ler  X^ecrete  aU  t?er^ 
,jragmdßigcö  ©runb?2^cgulatit)  beö  53cr^dltniiTc^  ber  Deut* 
„fi;en  ^ird;e  zum  9i6mlfd}en  (Stul;le  anfiele?  2öclc^e  (ca^c 
„furchtet  man  z«  verlieren,   wenn  jene  fo  berühmte  Decrctc 


607 


,,nicfet  mct)x  öl3  gunbamcntal^^oncorbat  mit  bcm  SK&mifc()cu 
„^tü\)i  gelten  follcn?" 

3rre  id)  uid)t,  fo  i(l  bcr  ©cttJtnn  fiberöuö  fleiu,  ber 
53crlujt,  bcr  baraü^  cntfpringeii  fonntc,  ifl  uubebcutcnb.  CEö 
ift  ucbmltd)  i\id)t  hk  grage,  ob  jene  Decretc  gar  nic^t  rae^r 
gelten  follten,  fonbern  nur,  ob  fte  aU  befonbere  ^Sertragö^^lr^ 
tifel  mit  bcm  »'Pabft  ober  alö  allgemeine  Äircfeen  ?  ©efelje  m» 
^ufe^en  fei}en. 

Unldiigbar  t(!,  xöc()t  9lean^S&eiIe  biefer  Decrete  fann 
man,  unb  mu§  man  alö  allgemeine  ^irc^en*®cfel^e  aiifcftcn. 
^ein  ^urialijte  fann  i^nen  biefe  i^re  ^ßoUguItigfdt  abfprccben, 
öud)  rcenn  feine  befonbere  DlationaUSlcccptation  entliefen 
irirb,  itjcnn  feine  ^oncorbaten  *  Q3e3ic5ung  bargerOan  werben 
fann.  ^ö  füib  ^oncilicnfci)lüiTe,  bic  cbebcm  ber  ^abjl  felbili 
oU  ^d)lh\fc  einer  öügemeinen  (Si)nobe,  alö  allgemeine  ^ixf 
d)en  ^©efc^e  erfannt  f)at,  bei  beren  5lbfafl*ung  oft  fogar  noc^ 
feine  eigene  Legaten  t>üi  großen  ©»nobaU  ^erfammlungen 
prdfibirten. 

5ld)t  Üleun j S^^eile  jinb  alfo  gerettet,  tta^  ffeptifcfee  SRe* 
fultat  fe^,  ttjelc&eö  eö  wolle»  ©cl)arf  unb  tvabr  gerechnet, 
einzig  nur  bk  Decrete  ber  Siften  (gejfion  liegen  noc^  öuf  bem 
6piele,  unb  ireil  mau  freiließ  groge  Urfacbe  Ijat ,  gegen  bic 
S^omcr,  tk  burc^  tcn  fonbcrbarjien  ^alcul  leicbte  Pfennige, 
welche  n^ir  i^nen  fct)ulbig  fepn  mögen,  in  fcl)rcere  S^alcr  ^u 
tcrmanbcln  ttjijfen,  aud)  nid)t  einen  «Pfennig,  nad)3ugeben, 
fo  bleibt  immer  nod)  bk  grage  \)hd)^x  irii^tig,  ob  benn,  menn 
man  jene  ^oncorbaten*^e3ie^ung  öufgibt,  ob  jene  Decretc 
ber  3iften  ©effion  för  bk  grcil;cit  ber  2)cutfct)en  ^ird;e  ter«» 
loren  fct)en. 

Slllein,  nur  alfo  ben  25ecreten  ber  Sijlten  ©cffion  giltM, 
unb  biefe  finb  folgenben  Jn^altö: 

1)  Der  ^abjt   foU  funftig^in  feine  gratias  expectaiiras 


508 


unb  nominationes  miUv  Jingcbcn,  unb  öÜe  reservaliones 
particulares,  ble  cntvüeber  er  felbjl  ober  einer  feiner  Segaren 
ftc^  erlaube,  follen  funftig^in  ungijitig  fet)n. 

2)  3ßbe  erabifd;5fric()c  unb  bifc^oftic^e  ^ird;e  foll  runf* 
tiQ^hx  einen  Z^coloQcti  Jaben,  ber  fid)  burcl;  Sebren  unb  «Prc* 
bigen  nu^Iid)  beireife,  unb  öuger  biefem  foüen  in  jcber  Dom' 
ober  ©tift6fird}e  ein  Drittbeil  ber  ^rabenben,  fclbp  bic  Dig* 
nitdten  bicruntcr  mitbegrijfen,  grabuirtcn  ^erfonen  i>orbcbal^ 
ten  fet)n,  unb  ^n^ar  nac^  einem  befiimmten  S^uvnu^,  ber  mit 
ben  ©rabuirtcn  önfangt* 

3)  5Ille  t)ov!ommenben  ©treit^gdlle  <^')  foUen  an  Crt 
unb  <StelIc  tjon  ben  SKic^tern  unterfud}t  werben,  benen  e^ 
tiad^  SKec^t  ober  ©cnjobnbeit  ober  einem  befonbern  ^riüile? 
ßium  ^ufommt;  btebci  öu^genommen  bie  im  9^ecbt  au^brücf«» 
lic&  benannten  Caussae  majores  unb  SIßabl^©a(^en  ber  ^a* 
t5cbraU^ircf)en  ober  ber  ^Ibfter,  tk  bem  2(pD(IoIifd)cn  ©tubl 
unmittelbar  'unterworfen  finb. 

4)  (iß  i^  burd)auö  nic^t  erlaubt,  bei  irgenb  einem  ^ro? 
ceflfc  eine  Suflanj  gu  tiberfpringen,  ober  t>or  (S'rgebung  beö 
^eftnitiö^Urtbcilö  ^u  appellirem 

5Jon  biefen  bier^Zummern  bleibt  tk  erffefur  fid)  fcbon  geret^ 
tet,  wdl  fc()on  in  bcnDecreten  einer  üor^ergebenben©effton'"""9. 


*)  In  partibus  ultra  4  disetas  a  Romana  Curia  distantibus. 

**)  Decretum  Sess.  XII.  de  Electionibus : 

Propterea  sacri  Canones  Spiritu  Dei  promulgati  provide  staiue- 
runt,  ut  unaquöeque  Ecclesia  ac  Collegium  seu  conventus  sibi 
praelatiim  eligaut.  Quibus  lisec  sancta  synodus  eodem  Spiritu 
congregala  inhaerens,  statuit  et  definit,  generalem  reservaiio- 
nem  omnium  Ecclesiarum  metropolitanarum,  caihedraliiim,  col- 
legiatariim  et  monasterioruin  ac  digiiiJaium  electivarnin  per 
RomanumPontificem  de  cetero  fieri  aut  facta  uti  non  debere, 
reservationibus  in  Corpore  juris  clausis  etc.  Unter  ben  me^rc* 


509 


bic  aU  öKgenieine  ^ird)cn  *  ©efe^e  gelten  müflfen,  böö  eigene 
S[ßa^l^lKccl)t  ber  Kapitel  unb  ©tifter  fo  feterlid;  gegen  oUc 
S5ecinrrad}tij5ungcn  fcjlgefel^t  i\l,  bag  pdbjllidjc  (Jrfpcctön^en, 
vdbrtlid)e  Dbminationcn  unb  jebe  aiMxc  pdbftlidK  Unregel^ 
mdOigfeitc»  biefer  ^rt  i>on  fclbft  ^intticgfdnen  muj]"en» 

5öa6  bic  zweite  9^  um  nie  r  betnjfC  fo  ^ireifle  ict),  ob 
man  (tcti  um  biefer  willen  fo  groge  9}?ü6e  geben  n?ürbe,  ble 
93a(Jler  I>ecrerc  jum  gunbamental^  €oncorbate  mit  bem  9lo^ 
mifd)en  ^iii\)k  ^u  mac()en,  3(^  n?ugtc  «»enigpenö  bem  (5u# 
vifllillcn  nidjt  ^u  repliciren,  ber  öUe  jene  mannic^faltige  Äla* 
gen  iabcr  bic  dihmi\d)c  9f^id)t*  Spaltung  unferer  (Soncorbatc 
mit  ber  gragc  ^u  beantttjorten  Suft  ^atU:  „ob  benn  tt?ir 
,,Seutfcte  biefen  ^Irtifel  gehalten  Ratten?  £)b  ci  un^  benii 
,,(J'rujl  fe^,  enblid)  einmal  2lnftölt  S"  machen,  ^u  Erfüllung 
„beffelben?  ob  benn  öuc^  nur  einmal  i'in  ^dtpmxtt  gettjefeii 
,,fei;,  ha  man  biefen  Slrtifel  gehalten  "^aUl  ob  man  nic^t, 
„feit  ©d;Iiegung  ber  ^oncorbarc  mit  bem  ^eiligen  ©tufele^ 
„bon  ©eneration  ^u  ©enevation  biefen  Slrtifel  immer  tt?eni* 
„ger  gehalten  \)ahcV* 

X^k  öierte  Plummer,  gerabe  ber  ^m\lt,  jim  bejTenti» 
rrillcn  man  boß  ^leinob  reitt  fejtl}alten  will,  beffen  Slnben^ 
fcn  aud)  in  nnferem  Zeitalter  t)k  ©ac^e  auf*^  Oleuc  rec^t 
rege  gcmad;t  hat,  t)k  t>i er tc  Drummer  \\i  fo  gemeinen 
9tect)tö,  ber  Sn^alt  berfelbcn  fliegt  fo  gan^  au^  ber  Oiatur 
ber  <gad)c  felbft,  bag  beg^alb  gar  fein  bcfonberer  sQcrtrag 
mit  ber  9^ümifc^)en  ^uvie  not^wenbig  wirb.    Unfere  ^orbdter 


rc«  ©uDftbtcn  unb  ^(r^umentcn,  \m  al(e^  ha^ ,  \m$  in  biefer 
erilcu  ^fumnier  entl)alten  iil,  gerettet  werben  fann,  l)aU  iff) 
nur  biefei^"  etnjige  anciefüört,  tn^  freilief)  itnmer  noc^  einige 
Surfen  U§t,  bte  aber  leicht  burcf)  aubere  3lriiumente  erciciusfc 
ujcrben  Hwmn,  mt  leirf)t  jeber  Kenner  fiel)t. 


510 

mocf)fen  u6cr  einen  ^nncr  biefcr  %t  paci^ciren;  fic,  bic  norf) 

bei    ^fcubifiborifc^cr    5)?ilcl)   unt)   ©peife   öufer^ogen   irorbcn. 

5ßir  ^abcn  feinen  53ertra3  n5rf;tg,  bcnn  bie  ftd)cr|lc  ©iunnrlc 

unferö  9xccl)t6  Hegt  in  ben  erj^n,  unbejlreitbarfren  S«»^flnienf 

tal  i  gegriffen  ber  far&oIifd)en  j^ierörd;ie,  irie  fie  gegenn^drtig 

fclbjl   ber  (5uriaII(Ie   nid)t  bezweifelt,    unb  wie  man  fie  fcl)ün 

unfern  ©djulern  beibringt.    Sßo  mag  irgenb  nod)  ein  ^ano* 

tiipc    felb(!  in  35rud;fal  ober   in  greijftngen  fic^  ftnben,    ber 

bic  ölte  @age  nad;fu!;re:   ber  ^abjl  %o,\>i  concurrentem  ju- 

risdictlonem   mit   allen  geifilidjen  ©eridjte^ofen  in  Deutfc^if 

lanb;  cö  fei;  nic^t  gegen  9^ed)t  unb  9f^ed)tö  ^  gorm  mit  Ueber^ 

ge^ung  ber  bifd)Dflid)en  ober  er5bifd)üfltd;cn  ©cridjte  gerabebin 

nac^  9^om  fid)  gu  wenben»    ©ewig  i(^  eö  dw^  nid)t  bic  5lßir^ 

!ung  einiger  er(t  in  unferem  Zeitalter  neucntbecffen  Urfunben, 

bag  wir  cnbüct)  '^o^xw  gefommen  (inb.  Die  allgemeinen  rcd)t^ 

liefen  begriffe  babcn  jtcf)  überhaupt  mebr  aufgeflart,  \i\t  alten 

^iftorifcfecn  ^'ntbecfungen,  wober  jene  SJ^einung  t)on  einer  fol# 

d)en©eneral^^oncurren3  ber  pdbftlidKn  ©erid;r6barfeit  fomme, 

Jaben  enbli<t  gewirft. 

Unferc  53ort)dter  ^cnXXtxx  ein  bofeö  8piel.  ©ie,  bie  nicfct 
wugten,  wober  "^ol^  wilbc  23alb  j;  SßajTer  an^gebrod)en,  't^o.i 
tbrc  fc^onjTen  blübcnbften  gelber  tjerbcerte,  fie  Ralfen  fic^ 
balb  ba  bolb  bort  burc^  einzelne  I5dmmc;  wir  Jaben 
ben  ^la^  felbjl  entbecft,  wo  ber  erflc  ©trom  loöbrad),  unb 
tixt  einzelnen  Stamme,  bie  o^nebieg  oft  nur  '^iw  «Strom  mebr 
\\o^6:)  anbern  ©cgenben  ^in^wangen,  alö  ubllig  ab^uwenben 
Dcrmoc^ten,  ftnb  unö  unnü^c  geworben.  Ju  unfcrer  ^orbd? 
mjett  war  eö  funbbarc  @d)ulfagc,  xqol^  alleö  lebre  Don  x><>^^'' 
li^er  9}?ac^t?^ollFommenbeit  ber  altebrwürbige  5?err  Sflöoruö 
xvi  feiner  feinen  ©ammlung  t)on  Äird)en  ?  ©efeöen,  unb  unferc 
S3d(er,  t>\t  fid)  ber  ^prdmilTen  nidK  erwebren  fonnten,  crwebr* 
ton  ft'd)   wenigftenö  ber  ^onclufion,   fo   gut   cÄ  nur  möglich) 


511 


war,  5Bcr  aber  in  mi^cxctn^ütaltcx,  \mr  wirb'ö  ttjagen  woU 
Uli,  jene  ^rdnitffcu  noct)  iDcitcr^in  ^u  bröuc^enV  ^it  ttirb 
auö  V*<il>i^^ic^fr  9}iacl)t^^DUfommcn6cit  pfcuDiftborifc^eii  gt> 
nieutö,  wcx  barauö  irciter^iii  etiraö  fdjllc^cn  iroücn  gegen  bie 
erjlcn,  cutfdjicbcnften  55egvlffe  fat^olifd;er  jpterarc^ic?  Uub 
tt?eun  eö  benn  ein  fcljamlofer  2Ibuocat  im  einzelnen  gaße  ^u 
t^un  voaQt ,  trenn  irgenb  ein  einzelner  ©c^rlftjleller,  bcm  c5 
tm  ^opfc  ober  im  Äer^en,  ober  an  betben  ^rren  ^ugleic^  fe^It, 
j^nn  ber  nod)  CEoiiclufionen  feft  galten  mü,  für  t)k  ldng(l 
^^^ne  ^rdmijfen  me^r  ba  fmb,  fo  i|l  feine  SSiberfegung  mit 
brei  Porten  fertig,  unb  beffo  flarer  bargelegt,  je  me&r  fic 
au6  bem  3«"^t'f^««  ^^^  ^aäi)t  fclbfl  unge^njungenfl  cntiricfelt 
tt>crocn  fann.  3'cl)  ^iveiftc  fe[;r,  ob  e^  gut  ifi,  ©efege  bß  ^u 
citiren,  n?o  ffc^  bie  ^adK  nac^  i^rer  eigenen  ^ätüv  i>on  felbft 
ergibt.  ^'^  gibt  ber  SBijfenfc^aft  unb  enblic&  felbj!  auc^  beti 
topfen,  bie  eine  Qßiflfenfc^aft  fo  treiben,  eine  boc^l^  ungliacf^ 
lic^e  Sofm,  wenn  man  aU  pofuioe6  9\ed)t  anftcbt,  unb  burc^ 
Dieleö  @cfe^c?^itiren  gleic^fam  sum  pofiriöen  Sf^ec^t  mad)t, 
n?aö  fc^on  unbepreitbar  auö  berOlatur  ber  ©acfee  felbj!  fliegt. 
Olie  fann  Id)  W^ci  beö  ^rebigerö  t^etgefifen,  ber  crjt  auö  hihf 
ii\d)m  (gprud)cn  U\m^,  ha^  alle  ?Oienfct>cn  —  ßerblid)  fepen* 
60  ijl  hcinx  a'dm  nur  noc^  ti'U  bi'ittc  Plummer 
übrig: 
i)ag  bei  allen  borfommenben  ©trcih  gdllcn  (in  partibus 
ultra  quatuor  ^iaetas  a  Romana  Curia  distantibus),  bog 
b'u  (gac^c  an  Ort  unb  ©teile  t>on  benjcnigen  3?id)tern  un^ 
terfudjt  iverbcn  foHe,  benen  cö  nac^  9icd)t  ober  (^c\vol)\u 
f)i'\t.  Ober  irgenb  einem  befonbern  ^riöilegium  ^ufommt; 
Riebet  aufgenommen  t>ic  im  TRtd)tc  auöbrucflid)  benannten 
causae  majores  unb  Söa^l^  6ad)en  ber  ^om^^irc^cn 
ober  ber  Älofler,  bie  bem  apojlolifc^en  6tu5le  unmittelbar 
unterworfen  jtnb. 


512 


Unb  and)  ha  bicfcr  britten  i^unimcr  gilt,  tva«  fo  eben 
wegen  t)C^  Dor^ergc&enben  ^unftö  erinnert  njurbc.  Der  ^abjl 
»erfprtcbt  ^icr  nur,  ein  fonjl  fc^on  befle^enbe^  fRid)t,  eine 
fc^on  öoröanbcnc  ©ctro^n^eit,  ein  ^riijilcgium,  ta^  fcl;on  ba 
i(!,  3U  refpectiren.  (5r  V)erfprid;t  3U  galten,  iraö  er  o^nebieß 
nie  —  nic^t  Jalten  foUte,  ^ö  foUte  nic()t  erj!  dn  5ßcrfprecbcn 
biefcr  2lrt  nbt^ig  fei)n,  weil  eö  fo  flar  i(i,  ein  gaü,  ber  am 
9lieber?9?6eine  ftd)  sutrug,  !ann  weit  beffer  öm  Dlieber? 
9flf)cine  unterfuc^t  werben,  benn  an  ber  S;iber,  unb  weil  eö 
bemnad)  sur  errten,  Jeiligjlen  ^flid;t  beö  oberjlen  ^ird;en? 
9lid)tcv6  gebort,  nld)tö  fcl;len  ^u  löffen,  wa^  ^ur  fc^leunigeren, 
juüerlagigeren  wofelfeileren  ^u^'i^  fij&ren  !ann. 

^ft  fc^eint  c^  mit  folc^en  Vertragen,  ^k  25eutfcblanb 
mit  SKom  fd)Ioß,  nid)t  befler  ^u  fei;n,  aU  mit  unfern  Deut# 
fc()en  $anbtög^?5Ibfd;ieben.  Der  burc^laucfctigfte  Sanbeö*j)err, 
t>on  bem  man  fid)  er(!  fcbriftlic^  unb  eiblicO  t)erfpred)cn  löjT^n 
mug,  baß  er  bk  (?5ered)tig!eit  reblic^  verwalten  laffen  wolle, 
ha^  er  feinem  Untert^ancn  tai  ©einige  rauben  wolle,  unb 
ta^  er  fo  DZimrobifd)  nld)t  wirtMc^öften  wolle,  aU  ob  noc^ 
t)or  bem  ^a^xc  1800  feine  9lac^)welt  me^r  fepn  werbe,  ber 
Sanbe§'^?crr,  ber  alleö  biefeö  er(I  Derfprec^en  foü,  ber  i|! 
oßncbicß  fein  9}?ann,  beffen  man  jtd)  burd;  ©efeße  unb 
Verträge  t>erfid)ern  fann,  Die  feierlid)ften  QSertrage,  fobalb 
er  nur  feinen  i)J?oment  erjte^t,  finb  i^m  nid)t  ^eiliger  unb 
!5nnen  iftm  nie  ^eiliger  fet)n,  aU  \f)m  bie  flarjlen  ©efe^e  be6 
wnbeftreitbarflen  9latur^9^ed)t3  fe^n  follten»  9^id)tö  ift  am 
^nbc  and)  burd)  tk  feierlid)(^en  53ertrdge  gewonnen,  alö  bog 
man  fagen  fann:  (5uer  ^?od)furftL  Durcl)laud)t  ^aben  nic^t 
tiur  bic  crpen  ®efegc  ber  DIatur,  fonbern  aud)  fd^riftlic^c 
5}erjtcl)erungen  unb  5}ertrage  6ulbreld)(t  i>ergc|Tcn. 

©0   wdre   ölfo   and)    ber  3»Nlt   ber   oben    öngefö^rten 
britten   D^^ummer  6i»Idnglic(;   gcftd)ert,    wenn   irgenb    etwa« 


515 


(tc^crn  Ulm,  waö  i\\d)t  gerabc  gcfd)rtcbencr  SSertrag  i(I.  Unb 
fct)on  fc{)ltmm  genug,  iveun  Die  6ac^e  alö  53ertrag  betrachtet 
werben  foUe,  bag  bic  Causa3  majores  neb(i  ben  5Ba^I?@a^ 
c^en  bcr  Donw^^trc^en  unb  bcr  bcm  ^cü.  @tu^l  unmittelbar 
untern?orfencn  ^loftcr  fclerlld)  öu^genommen  ftnb,  ^Icr  ge^» 
rabe  begegnen  mir  un^,  warum  c6  mir  nid^tö  weniger  als 
glcidjgültig  fc^eint,  ob  man  blefc  ^öaelcr  2)ecretc  nH  Z\)ük 
cineö  orbentlic^en,  mit  bem  ^ab\t  errid)tcten  ^Sertragö  anfielt, 
ober  nur  alö  allgemeine  ^\ird)en  *  ©efel^e  annimmt,  unb  war^ 
um  id)  aud)  glaube,  ba^  bic  le^terc  ^axtk,  bei  ber  man, 
wie  id)  gezeigt  bßbe,  nicfet^  berlicrt,  fogar  noc^  gcwinm^oller 
für  bic  Srci(>eitcn  bcr  S)cutfd)en  ^'v:dn  fetjn  muffe» 

Unftrcitig   ftnb   tn  hcn   occcptirten  23aöler  2)ccreren   ^k 

unb  ba  nod)  fel)r  ftarFe  6^urcn  ^>feubiftborifd)er  ©runbfage; 

unüerfennbare  SKeliquien   eineö   ^ircbcnred)tö ,    ta$    ftc^   auf 

falfd}c   ^iftorifcbe  ©uppojttioncn   grunbcte.      ©er   alfo   jene 

alöDeutfc^e  ?Rdd)^f  unb  ^trc^en^^efe^e  anfte&t,  alö  orbent* 

^Jic^e  mit  bem^abjt  errid)tete  53crtrdgc  anficht,  ber  gibt  auc^ 

^^en  inficirten  (Stellen  berfelben   eine   beilige  Unöcrle^lid)^ 

feit,  bie  feine  !ritifct)e  53crbefl[ernng  ^uldgt;  benn  fe(^  unb  un* 

j?erbrud)lid)  hUihtf  m^  einmal  in  bcm  wec^felöweife  Derabre» 

beten  53crtragc  ftefjt,   ob   aud)  bic  Q:iM  entbecften,  ha^  ber 

^  contrabirenbe  ©rogbatcr  auf  eine  unrid)tige  ^rdmiffe  bi"/-  bic 

er  nic^t  binldngüc^  ^n-ufte,  in  mand)t  Slrtifel  jeneö  ?öertrage5 

gewilliget  \)ahe» 

Sßie  anber^  aber,  wenn  man  bicfe  SSaöler  2)ecrete  blog 
öl^  allgemeine  ^irc^cn*©cfc^e  annimmt,  bic  öon  einer  allgc^ 
meinen  @t)nobe,  jum  2:beU  anerfannt  t>om  ^abjl,  jum  ^^beil 
unter  wirflicfeer  S[l?ttwir!ung  beö  ^abfc^,  errichtet  worben 
ftnb,  ^in  ®efel^,  ba^  ber  ©efel^geber  fid;tbar  in  alleiniger 
S5e5iebung  auf  eine  falfc^e  ^rdmijTe  gab,  bebt  ftcfe  t^on  fclb(l 
Wieber,  fobalb  bic  Unrid)ttg!eit  jener  ^rdmijfe  t>5llig  enthüllt 
©pittler^  fämmtl.  SBerfe  viil.  «BD.  33 


514 


ift.  Ul\ä)t  fo  bie  ^Smibi'öFcit  eincö  ^Bcrtrögl,  vocil  immer  crft 
tiocfe  beiricfen  Ji^erbcn  mügte,  \va^  imwa^x  xüd)t  leicht  ill  ju 
bettjetfen,  baß  bcr  contra^irenbe  Zlnil  tU  \Ximd)ÜQhit  jener 
^rdmiffe  nic^t  fjabe  ciitbecfeu  fonnem 

Die  Untcrtl>anen,  benen  üor  3a&rf;unberten  ein  foIc()eö 
G^feg  gegeben  würbe,  liatten  bamalö  feine  ^fii^t,  bk  S3un^ 
bigfeit  b^  9}?otiDen,  öu^  tüelc^en  haß  ©efej^  i&crflog,  tjorlauffg 
5u  v^rufen,  9^id}t  fo  bei  einem  SJertrage,  wo  cß  erfre  ^flicl;t 
jebeö  contrajirenben  Zf)dlß  if!,  bie  ^rdmijjen,  in  bercn  SQoxf 
öuöfe^ung  er  fcl}liegr,  forgfditig  ^u  :grüfen.  Die  Untertjönen 
^aUn  fic^  burd)  einen  nod)  fo  lange  bauernben  ©c^orfam 
gegen  ein  ©efet^  bicfer  2Irt  für  hk  3uf«nft  nid)t0  vergeben, 
xüd)ti  für  ben  glucflidjen  5l}?oment  vergeben,  trenn  fie  nun  ein^ 
mal  ^ur  ^'ntbecfung  ber  falfc^en  ^rdmiffe  gelangen,  ©iej^oi* 
rcn  öuf,  fobalb  jene  ^'ntbedfung  gemacht  ifi,  jene  auf  falfd;c 
53orau^fe§ung  fi'c^  be^ie^enbcn  (^teilen  beö  ©efe^eö  $\x  erfüllen, 
unb  e^  i(!  ntd)t  Untreue  gegen  baö  ©efc^,  nid)t  Unge^orfam  ge* 
gen  ben  ©efe^gcber,  iDenn  fie  ton  nun  an  blog  bi^  ©teilen  nod) 
bcobac{)ten,   hk  nic^t  au^  jenen  falfd)en  ^rdmiffen  Jerfloßcn, 

@o  ifi'ö  alfo  n?efentlid)cr  Unterfd)ieb,  ob  man  biefeS3a^^ 
ler  Decrete  aU  allgemeine  ^irc^eu  *  ©efel^c  önpefet  ober  al^ 
SIrtifel  eine^  bcfonberen  ^Bertragö,  ben  Deutfd)lanb  mit  bcm 
9^omifd;en  (Stuhle  gefc^lojTem  60  i|!  bie  erfle  Partie  vrcit 
bie  gen?innt)ollere,  benn  mir  er^clten  burcb  fte  in  ber  %l)at^ 
alle^,  wai  mir  burd)  ben  eingenommenen  befonbern  53ertrag 
5u  gewinnen  glauben ,  unb  mir  behaupten  benn  haß  9\ed)t 
nocb,  nicbt  ^er^id;)!  tbun  ^u  mufl"en  auf  bk  beffere  Sluffldrung 
unfereö  Zeitalter«»  Sffiir  (freidjen  ^inmeg  anß  bem  alten  ^ir^ 
c6en^Q5efc^e,  ma5,  mie  mir  gemi§  miffen,  blog  burc^  Unmif? 
fenbeit  be^  ©cfe^geberö  jener  Reiten  f)ineinfanu  SSir  ucrei^ 
nt^en  bie  53ort^eilc  ber  grcimur^igfeit  unfercr  53oreltcrn  mit 
t?«n  Sportteilen  bcr  ^luffldrung  unfcr^  Zeitalter«.    SBir  finb 


515 

ungcbunbcne  Seutc,  fclb(!  öudf)  öuf  tcn  göü,  trenn  t)ie  SJorfeJ* 
ung  noc^  me^r  Sid)t  nnt>  nod;  mönd)e,  öud)  im  ^irct)enrcctte, 
neu  aufflarcnbc  Jtfiorlfd)c  ^iitbecfuiig  fc^cnfcn  foUte* 

Sn  bcr  Jüagc,  in  bcr  trir  mit  bem  ^abfte  ftnb,  unb  \d)  mhd)ti 
fa|!  fagcn,  t)on  je()cr  «jörcn,  ^at  möu  fiel)  t)or  nic^tö  me^r 
5u  ^uten,  al6  t)or  einem  orbentIid)en  53ertrage.  ^r  ftrirt  gu 
t>icl  unfer  5ßer^dltnig  ^u  bem  9\omif(^en  SpU,  ojne  bag  ftd) 
bcr  ^ab\l,  in  feinem  ^Scr^dltnifl'e  ^u  un6,  gleich  böuernb 
firircn  lagt*  SBa^  wir  in  jebem  Vertrage,  ber  gefcfelojfe« 
iüirb,  augeben  ober  nad;gcben,  \:>a^  wirb  öIö  ©clbf^befenntnigi 
öngenommen,  ta^  wirb  ol3  eigen  ^ugefronbcne  ^flic&t  genom^ 
men,  wenn  el  öud)  noc^  fo  grogmut^ige  9^ad)giebigfeit  war; 
unb  Mbd  bod)  nid}t  üergeflTen,  nuc^  ütca^  ju  nehmen  ober 
3u  forbern,  x\)a^  uaä)  (Irengcm  9f^ed;te  nie  geforbert  werben 
fonnte. 

^in  feierlicher  53ertrag  firirt  ^u  ml  d'^c  feierliche  53er* 
trage  ba^wifc^en  famen,  (jarte  unfer  «Bcr^dltnig  jum  fRomU 
fd;en  Jpofe,  wie  alleö  waö  blog  burd)  allmd&lic6  entj^e-fenbe 
C^bfcrbanj  wirb,  einen  gliicflic^en  »IBectjfel  M  me^r  unb  min* 
ber  fcft  angebogenen,  unb  eine  wunberbare  S3ilbfamfeit,  tik 
freiließ  ber  ^abj!  felbfl  aud)  oft  genug  benugte,  tk  ober 
aud)  wir  manchmal  nugcn  fonnten,  unb  t)k  unö  mit  bem 
gortgange  ber  Sa^r^unberre  ftetö  benutzbarer  geworben 
Ware«  Unfer  gan^ea  ^er^dünig  ^um  Oiomifc^en  ^ofe  war 
ein  Äinb  ber  3eit  unb  ber  Um(?dnbe,  SBa^  fo  geworben  ifi, 
ilitbt  gerabe  auc^  fo  wieber  am  Ieid)re(!en  ah,  SSenn  wir 
nie  einen  «öertrag  mit  bem  iJ^omifcfeen  X?ofe  gefc^Ioflen  W^ 
tcn,  fo  waren  wir  i>ieaeic^t  mc  geitlang  mebr  mig^anbclt 
worben,  al$  nun  gefc^e^en  ij!,  aber  ^umlafiQ  würbe  un^ 
auc|)  t^a^  Srciwerben  leichter,  aU  cß  nun  ij!. 

5(uö  biefem  ©tanbpunfte  betrachtete  ic&  bie  gan^e  ©ac^e, 


616 


aU  id)  biegröge  aufwörf:  ob  c^  i\\d)t  Bcflcr  tt?are,  jene$8aö^ 
Jer  Decrctc  Mog  ölö  ongemeiiic  ^irc()en^©cfe§e  an^ufc^en; 
tenit  öla  ^?öuptartl!cl  eineö  mit  bcm  ^^öbjl  9efcl)Io|Tenen, 
orbentllc^cn  ^ertragö,  !OTtr  ivar  I;alb  iriüfommen,  ^u  ftiii» 
bcn,  bog  ble  )?dbftllc{)cn  ^^cgociöteurö  bei  2H)fö(Twn3  ^^^ 
5Ifd)affenbur9er  Sieccjfee  folc&e  Srrglijl  gebraud)t  Rotten,  ble 
einen  fejlen  ^en?elö  uuferer  t^om  ^abj^  öuf  etvig^in  aU 
gültig  aiievfa nuten  5lfcceptation  bcr  S3öeler  25ecrcte  un* 
moglicö  mad)t»  Die  ^rgllf!,  ble  unö  t)or  Diertftalb  3a^r()iui* 
berten  fcfeabcn  fodtc  unb  unö  tt)trflic^  aud)  fnf!  i)iertf;ölb  3a|)v; 
l^unberte  lang  gefc^öbet  f)at,  bk  foüte  nun,  ^um  rechten  Jicle 
gelenfr,  xvk  biüig  tt?ar,  i^ren  eigenen  ^crrn  treffen, 

Unfer  I5eutfc()eö  gcle^rte^  ^ublüum  fd)eint  ober  nirgenbö 
it>en?ger,  qU  gerabe  in  folc^en  anttcuriölifiifc^en  gorfc^ungen, 
an  frttifc^e  unb  ^i(Iorifd)e  25ebac^tfam!eit  genjo^nt  ju  fci)n. 
3d)  hin  eö  ^wav  f;oc|)(id)  aufrieben,  bog  enblid)  eiumöl  nud)  flir 
ben  ^abj!  ^örte  Reiten  gefommen  iint>,  benn  er  f)at  funrn^r 
un^  Deutfd)en  knge  genug  ^arte  geiten  gemocht;  ober  fclbjl 
öud)  mit  i^m,  bem  grüßten  geinbe  uuferer  greiE)eit,  lagt  un^ 
nad)  Urt^eil  unb  3^ec^t  »erfahren;  bie  grage  ift  nicfct  allein: 
xvaß  xv'iv  i^ra  f($u(big  finb,  fonbern  aucfc,  voa^  trir  unö  felbfl 
fd)ulbig  fuib. 

gur^probc,  \vk  rcir  Jjergeflfen  fennen,  baß  irir  eine  ganj 
unpnrteiifd)c  Unterfud)u,ng  uuö  fclb}l  fc^ultig  ftub,  fo  fe^r 
njir  aud)  berftc^ert  fet)n  bfirften,  bag  gerabe  tk  aüerunpar* 
teiifdjffe  Uuterfudjung  uu^  am  allerg iinllfgilen  fa;"  muffe. 
J5er  gelehrte  J?err  '^j.Vofeffor  Xpebberid)  in  Sßonn,  einer  un^ 
ferer  bortrefflic^ften  unb  fd)arffinnigffen  ^anoniflen,  ^at  in 
einer  jungft  erfd)ienenen  Diffcrtation -"0  mehrere  ^inirurfe  gegen 

*)  De   jurihus  Ecclesia?  Germanicap   in  conventu  Emsano  expH- 
catia    et  de  jure  Avchiepiscoporiim   circa  beneficia   mensiuin 


517 

meine  ^ijpotdcfe  in  SInfcJjung  ber  $8aMer  I^ecrcte  gemad&f, 
unb  feinen  leisten,  bringenbf^en  ^Jöuptsß'innjuvf  öuö  einem 
aSriefc  beö  ^cneaö  (gt)lDiu^  hergenommen;  t>u  (Stelle,  trie 
er  fte  gibt,  \\t  folgenbe : 

Fuit  denique  compositio  facta,  in  qua  nos  imperato- 
rio  noraine  interfuimus.  Eam  certam  legem  declit  deinde 
inviolabiliter  observandam ,  per  quam  aliqua  ex  decretis 
Concilii  preedicti  (Basileensis)  recepta  sunt,  et  aliqua 
rejecta, 

Unb  tnenn  freiltd)  ^cnea^  ©^It)iu^  1457  an  ben  '^ahxf 
5ifd)en  (San^ler  fÜJartin  5?Zci)er  biefe  SBorte  gcfd}rieben  iatUr 
fo  tt)drc  ^k  gan^c  (Streitfrage  entfcl)ieben»  SSer  belfcr,  all 
Öleneaö  ©i^biul,  fonnte  ben  ganzen  §ergang  ber  ©ac^e  ttjif^ 
fen?  5öer  beffer,  aU  er,  alleö  ?3er6anbelte  fummarifc()  anßf 
briadcn?  Ser  glaubnjurbigcr,  a(6  er,  bie  tJorn^abiT  auf  e\rig? 
Jin  alö  gültig  anerkannte  2Jcceptation  ber  S3a6ler  ^ccrete  öer^ 
jtd)ern  ? 

^eitt  g^eifel  foUte  entfielen  fonnen,  baß  hu  ©teile  bei 
Qlenea^  (Si)luiuö  ivtrüic^  fo  laute,  afö  ^crr  ^cbbcricfe  fte  an^ 
gibt,  benn  er  lieg  bie  ©teile  gan^  abbrucfcu;  er  fear  fte  bem 
ttjiberlegten  ©egner,  ber  tk  (Stelle  gcwig  üor^er  gefannt  ^at, 
unb  wenn  er  fte  nicl)t  gefaunt  Jdttc,  gcttjig  nacfefd)[ug,  al5 
bal  tre(fenb(!e  ^?aupt  ?  SIrgument  entgegengcfcBt;  er  ^ar  jTc^ 
in  einer  ©treitigfeit  barauf  berufen,  bie  gegenivdrttg  mehrere 
unb  Vod)ft  t)erfd;icben  geftnnte  Sorfd)er  befdjdftigt;  unb  n>a6 
allein  fcfeon  für  bie  genaue)1e  2led)t^eit  beö  (^itaH  bürgen 
fann  —  jperr  Jpebberid)  i)l  ein  reblic^er,  gcrabbieberer  DD^nn* 


inaequalium  in  specie  ad  illiistrandum  praecipue  Iiiijiis  con- 
veutiis  art.  15,  16,  et  art.  V.  S»  26.  Pacis  Osuabrug.  Bonuae 
1788.  4. 


518 

S?oc&  tt?ofur  fo  t)tde  SKortc;  mx  volvb  mä)t  öu3  aUhthmf 
tcn  S3ud}crn ,  t>olIenb^  wenn  er  ble  ©teile  gana  auefcbrcibr, 
gan^  genau  clrlren? 

Sei)  bemerfc  eö  ungevne,  ober  ba6  SSeifpiel  1(1  mir  ^u 
n?{ll!ommen,  gerabe  trcil  cö  23eifpiel  eineö  unüerbruc^lid)  reb* 
liefen  SJianne^  i(?.  ^eneaö  6i;lt>iuö  I;at  nid;t  fo  gefcfjricben, 
vrie  jperr  J?ebberid)  önfu^rt»  2)aö  J^auptrcort  ber  ganzen 
©teile  ift  gednbert«  ^eneaö  ©plDtuö  fcl)ricb:  aliqua  ex  de- 
cretis  Concilii  Basileensis  recepta  videntur^  S^iXX  ^eb? 
bertd)  lägt  i&n  fc^rclben:  recepta  sunt. 

©efegt  auc&,  bag  cö  gleichgültig  irdre:  recepta  vlden- 
tur  unb  recepta  sunt,  fo  if!  eö  boc^  nid)t  loblicf),  bei  öu^* 
fü^rlic^er  2lnfi4l;rung  beö  entfd)eibenbflcn  ditaH  önbere,  ouc^ 
gleid)gelrenbc  SBorrc  gu  fub|lttuirem  Unb  trem  ifl*ö  gleid;* 
gültig  recepta  videntur  ober  recepta  sunt?  SScm  ifl'5 
gleichgültig,  gerabe  irenn  bic  grage  tt^ax,  ob  e^  nic^t  mit  je^ 
ner  com  ^ahft  gefct)cl;cnen  Anerkennung  unfcrer  Slcceptötioii 
ber  ^33a^ler  Decrete  auf  ein  bloge^  videtur  tinau6!omme, 
ober  ob  fte  trirllid;  flar  unb  beutlic()  tra^r  fep? 

^er  9J?ain5ifc^e  ^an^ler  Wlaxtin  5D?ej?cr  '^atU  feinem 
greunbe  unb  ©onner  SIeneoö  ©i)lt)iu^  geklagt,  ta^  ber  ^ab(t 
bie  Decrete  ber  Sa|clfd;en  ©ijnobc  nic^t  Jalte,  2)er  fd^laue 
SIcneaö  ©öloiuö  ergebt  fogletc()  cim  ©egen!lage,  wie  unge* 
geredet  biefe  S5efctwerbe  fe)f).  9^id;t,  bag  er  ^u  behaupten 
Suj!  gebabt  ^dtte,  bie  2)ecrete  ber  55afclfc^en  ©i;nobe  würben 
wirflic^  t>om  g)ab|!  gebalten,  D^icl^t  aber  auc^,  H^  er  c$  gerabe^u 
gewagt  b^tte,  ^u  erfldren,  bie  $Safelfc^c  ©^nobc  ffahc  gar 
«icbtö  55erpflic^tenbcö  für  ben^abfl.  9lod)  waren  boc^  nicf?t 
tolle  cilf  Salyre  tjerfloiJcn,  feit  ber  ülfd)affenburger  9^eceß  ge^ 
fd)lo|Te«  worben;  nod;  lebte  tk  gan^e  Generation,  mit  weh 
cjer  unb  unter  welci^er  Sleneaö  @i)lt>iu^   ben  Slfc^affenburger 


519 

SReccß  negociirt  iatU*,  noc^  ttjäre  e3  gerabc  bamaU,  ha  ofnc^ 
t>k^  neue  ©afjrung  in  ber  Seutfc^  ^^bmifcftcn  Spi(vaxd)k  rvav, 
]^od)(!  gcfd^rlid)  geirefen,  offenherzig  ^u  fagcn,  wie  ^n^eibeutig 
bie  öermeintc  ^^ibftlici^e  2Inerfennung  ber  ^afelfd;en  X^tcrcu 
fet),  vok  wenig  ftc&  ein  vollgültiger  Q3etreiö  jener  2Iner!ennung 
geben  löffe*  ©einem  greunbe  ^c^cv  fonntc  Sleneaö  (^\)U 
x>M  t)iel  fagen,  ober  bod)  nicbt  ölleö  fagen,  bcnn  fo  t^eil^j 
ue^mcnb  üertröut  trar  er  mit  i^m  nicfet,  aU  mit  SoJönii 
t>on  Spfurö,  mit  bem  er  gerabe  bnmalö  burd)  (S^iffern  cor^ 
refponbirte  ^')-  ^^  ^^^  ^^^)  "^^  ojfen^er^ig  genug,  bag  et 
i^m  erfidrte,  felbjl  mit  jener  Der  trag  (3  mag  igen  STncrfcn» 
nung  einiger  25aöler  Decrete,  i>on  ber  ttroa  öllein  noc& 
bk  grage  fci;n  Tonnte,  felbft  mit  berjenigen,  Don  vt»eld;cr  boc() 
CRtemanb  beffer  wijfen  fonne,  aU  er  felbfl,  burd)  bej]en^?anb 
ölleö  gieng,  felbß  mit  biefer  laufe  c6  öm  ^'nbe  öuf  ein  bIogc$ 
videtur  JinauS. 

2)od)  feinSBort  mejr  über  bie  j)auptfrage  bcr^ontroöerfe 
felbf!,  fo  Diel  ftd)  aud)  noc^  fagcn  laffcn  würbe,  wenn  ölleö 
prenge  gcficbtet  werben  foUte,  waß  man  oft  ^aufenvreife  ^u  33ertdti^ 
gung  ber  gewo&ulid;en3}^einung  anfuhren  5u  fonnen  glaubte '•"••')♦ 


*)  6.  (Jcirb.  sreneaö  @t)(öiu^  95v{ef  m  5ol)antt  »on  Stjfuta  »om 

3.  ?R0ü.  1457,  iiiter  Epp.  Aeneae  Sylvii  ii.  320.  Per  AVigan- 
diim  Secretariiim  Moguntiiii  misimiis  tibi  alphabetum,  et  nunc 
diiplicabimiiSj  si  forsitan  illud  non  recepisti.  Poteris  scribere 
menüs  tuae  conceptiim,  et  consulere  ecclesise  necessiiaii. 

3c^  l)abe  biefe  ©teile  anber^  interpungtrt,  <\Ü  fie  in  beti 
geiDöl)nlirf)en  Olu^gaben  ilel)t,  beren  ^nterpunctipu  Ifeiuen  red): 
ten  ©iun  ^iht 
^*)  3d)  Wt^  irgenbwo  m  ntcfner  »oricjen  2lH)anblung  nebenl)er 
bemerft,  baj?  c^  tn  ber  95ufle  (Jugend  iv.  ni^t  l)ci^c:  vei  an- 
te r  fuerit  concordatum,  lüie  .^err  DDu  ^orix  anfül)rte,  fonbern 
blo^  vei  fuerit  concordatiim.  gjjatt  ^c^U  mir  l&ievauf  entgegen, 


520 


a^  fd){en  mctwdnm,  cU  ob  id)  bie  <Ba6)c  M  ^öbft^  gegen 
bic  2)eutfd)c  ^irclje  fuhren  trollfc;  ein  gall,  trobei  id)  felb^ 
öud;  t>en  @d)eii]  bajlTc.  9lur  nod)  eine  ^emcrfung  über  bic 
(Sirculfltion  unferer  btflorifd)*!anonifd)en  Sitreratnr,  luie  fte 
ftd)  mir   barbot   gerabe  auö  ©eh-gent^cit   biefer  Unterfud)ung. 

S^Un  |)at  ftd)  in  ganj  Dcutfcl)lLinb  gefreut,  ta  ipcrr  öon 
^orir  t)or  24  Si^^r^"  niit  ber  ^'ntbccfung  auftrat,  bö^  eigent^ 
lid)  bie  jSaelcr  Dccrete  unfer  wahret  gunbamentöUCSoncorböt 
mit  bem  ^^abft  feigen*  Wlan  bot  bann  enblic^  angefangen,  bic 
neuü  (Jntbccfung  bie  unb  ha  in  Sebrbud)er  einzutragen,  unb 
überall,  iro  fte  gcbraud)t  unb  eingetragen  n^urbe,  über  bic  neue 
(Jntbecfung  trium^^birt,  9^un  ^ci^t  S^cn  Äebberid)  burd)  ein 
weitiduftgce  ^vccrpt  öuö  einer  fd)Dn  1735  erfcbicncnen  Dcf 
buctiLMi,  baf5  mön  fd)on  bamal^  auf  ^aälcr  Decrcte  ali  gun^ 
bamcnraU(5oncorbate  mit  bem  pdbrtlid)fn  ©tu^l  ficö  belogen, 
ba0  eö  nict)t  bieg  g(cid)fam  im  Vorbeigehen,  fonbern  rcd)t 
gefltflTentltd)  unb  mit  gü^rung  eine^  forgfditigen  !3en3eifeö  gc:? 
fd)ebcn  fc^),  ta^  bk  I^ebuction,  bie  bcn  S5cn?eiö  entbielt,  bem 
S^eid)ö?.^pofratb  t^crgelegt  \vorbcn,  unb  bag  auc^  fd)on  ta^ 
mali  bcr  3^etd;öj  jpofratf)  barnac^  gefprod)cn  b^be, 

i)crrn  dpu  S}oxit  bleibt  immer  nod)  fein  eigentbümficbe^ 
grogcö  Verbiaift;  er  f)Cit  ^ucrfi  eine  vöid^tige,  ber  ^Sollftanbii;^ 
feit  be^  33circifcö  nod)  febfenbe  Urfunbe  fupplirt;  er  bat  bie 
gan^e  ^'ntwicfliing  bcä  ^enjcifcö  btcl  mcbr  gefid)ert;  er  bat 
jjiele  lihd)Ü  fd)d^bare  9^eben^^uffldrungcn  t>erfcbafft;  boc^ 
brcigtg  ^abre  fd)on  früher,  obne  ta^  aber  irgenb  ein  Deutj^ 
fd)er  feclebrtcr,  ein  prDteflantifd)er  ober  fatbolifd^er  ^anonifte, 
baüon  9]oti5  nabm,  breigig  5öbre  frübcr  tvar  fcbon  bie  ganje 
^ntbedfung  gemad)t,  unb  t)a  fdjon  einem  ber  bbd)rtcn  ©e? 
tid)te  beö  9ictd)ö  aH  guribamentaU  Datum  einer  geforberten 
tic^terlid)en  <Senteni  vorgelegt  trorbcn» 


M  "bod)  Qleneaö  @i)linüs  in  feiner  5KeIatton  an  ben  Äaifer 
CBaluzii  Misce  1.  L.  VII.  p.  525)  au^brüdlid)  fnc^e  vel  ali- 
ter  fuerit  coiicordadim.  S^efro  fcblimmer  für  unö  ^eutfcbf, 
unb  beflo  fixerer  ein  neuer  ^ctxu<[  be^  9^iJnüfcf)  Äaiferliiten 
^egociateur^,  ii^enn  je  an  bem  äöorte  aiiter  bier  et- 
xoa^  lieqen  foUte.  !5enn  in  ber  päbülidH-n  35u((e,  alfo 
in  ber  Urfunbe  fel&il,  auf  bie  e^  am  C-nbe  bort)  ankommt,  Mt 
baö  5Sort  nicht;  unb  5lenea^  @i)Iüiu^  referirt  fo,  al^  ob  man 
ntit  bem  ^abjl  über  biefen  fo  beilimmteu  Stu^bruce  übereinge« 
fommen  tpare. 

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